Mm
46. Jahrg.
Marburg
Somtag, 15. Januar 1911.
mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain
und den Beilagen: „Nach Feierabend« „Fürs Haus« und „Landwirtschaftliche Beilage.
Die Jnsertlonsgebähr beträgt für bie 7gespaltene Zeile oder deren Raum 15 4« bei auswärtigen Inseraten 20 4, für Reklamen die Zeile 40 4. Bei Wiederholungen entsprechender Rabatt. Jeder Rabatt gilt als Barrabatt — Für Inserate, bei denen der Auftraggeber in der Exped. mitgeteilt werden soll, wird eine Gebühr von 10 Pfg. erhoben. — Druck der Univ. • Buchdruckerei I. A. Koch, (Inh.: Dr. Hitzeroth.) Mark 21, — Telephon 55.
Die „Aberhelstlche Zeitung'' erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage. — Der Bezugspreis beträgt oiertel- .n jährlich durch die Post bezogen 2.25 * (ohne Bestellgeld), bei
13 unseren Zeitungsstelle« und der Spedition (Markt 21), 2.00 -4
*'■=* hei in5 Haus. (Für unverlangt zugesandte Manuskripte über
nimmt die Redaktion keinerlei Verantwortung.)
Marburg, Marft 21. — Telephon 55.
Erstes Blatt.
Die heutige Nummer umfaßt 12 Seiten.
Minister Pichon über Frankreichs auswärtige Polittk.
Paris, 12. Jan. In der franzöfischen Deputiertenkammer hielt Minister Pichon eine Rede über die auswärtige Politik Frankreichs in der er sich auch, wenn auch ziemlich zurückhaltend, über die deutsch-russischen Beziehungen äußerte. Die Hauptpunkte der Rede seien hier wiedergegeben.
Zunächst erklärte der- Minister übet die marokkanischen Bergwerke: Ein von einer technischen Kommission vorbereitetes Bergwerksreglement ist augenblicklich dem diplomatischen Korps in Tanger unterbreitet. Es ist in einer Weise abgefaßt, die geeignet ist, die Gleichh eit der Behandlung der Staatsangehörigen aller Mächte zu sichern. Zur Agadirangelegen- heit äußerte Pichon: Unter den Pflichten, die uns wie Spanien obliegen, befindet stch die Unterdrückung des Waffenschmuggels in den Küstengewässern von Marokko. Dies ist ein Mandat, welches uns anvertraut und von den Mächten von Jahr zu Jahr erneuert worden ist. Unser Kreuzer Du Chayla hat diejenigen Küsten besucht, wo sich dem Schmuggel besondere Möglichkeiten des Eindringens bieten, und so ist der Kreuzer auch in die Nähe des Hafens von Agadir gelangt. Der Kommandant hat diese Gelegenheit benutzt, um an Land zu gehen. Er wurde von den Ortsbehörden zuvorkommend empfangen und hat mit ihnen Höflichkeiten ausgetauscht. Aus diesem Anlaß hat man stch in gewissen deutschen Preßorganen gefragt, ob wir vielleicht zufällig den Gedanken gehabt hätten, heimlich zu unserem Vorteil einen der geschlossenen Häfen Maroüos zu öffnen. Während mehrerer Tage war von etwas die Rede, was man den Zwischenfall von Agadir nannte. Es hat niemals einen Agadir-Zwifchen« fall gegeben und die deutsche Regierung hat da» in loy al er Weise anerkannt. — Was der Minister sonst noch über Frankreichs Marokkopolitik sagte, waren die bekannten Betonungen, daß Frankreich dort die friedlichsten Absichten hege.
Berliner Allerlei.
(Nigger in Berlin — Berliner Boxkämpfe — Oedipus hic et ubique — Lovis Korinth — Berliner Bälle.)
Man gehe doch einmal durch die Straßen Berlins, man sehe die Farbigen und Mischlinge, wie sie an allen Ecken und Kanten auftauchen, vom „hellschwarz — schwarz — dunkelschwarz", bi» zum Hellen Gelb. Manchmal steht man nur den starkgebräunten Sommerleutnants-Tetnt, aber die Kräuselung von Haar und Lippen weist auf andere Herkunft. Da schlendern sie in stutzerhafter Eleganz die Friedrtchsstadt entlang, in ziemlich anmatzen, der und recht akkllmatifierter Haltung. Sehr im Gegensatz zu den sich überall bescheiden, vornehm und einwandftei bewegenden Japanern. Da locken sie in grellen aufgeputzten Uniformen das Publikum in die Kinos, Schaubuden und Animierknetpen, und im Verkehr mit dem schönen Geschlecht zeigen sie ganz öffentlich jene dreiste Sieghafttgkeit, zu der sie nach ihren Erfolgen leider ein formales Recht haben. Hatte doch neulich der Anpreisgegner eine» Kinos der Friedrichstadt die Unverftorenheit, in einer der preutzischen Osfiziersuniformen angepatzten Phantafieuniform sich dicke zu tun, mit einer richtigen und echten silbernen OMztersfeldbtnde. Freilich, das Vergnügen bauerte nicht lange. Kann man es thm im übrigen allzusehr verdenken, wenn musikalische Armee-Mulatten in der Tat ja bet uns alles derartige haben können?
Kaum irgendwo tritt die Tendenz der Gleichberechtigung der schwarzen Rasse so anspruchsvoll und hier allerdings mit gewissen inneren Gründen auf, wie auf dem Gebiet des Box-Sports. In der Tat, nicht nur der Weltmeisterkampf zwischen Johnson und Jeffries bewietz. datz der Nigger mit seinem harten Schädel und unempfindlichen Fell der geborene Boxer ist. Auch die letzten Berliner Boxkämpfe zeigten es deutlich genug. Man kommt im Marinehaus zusammen, dicht bei der Jannowitz- brücke. Drei Paare fechten an einem Abend, und | jedesmal steht eie Nigger gegen einen Weiße«. Die
Ueber die französisch-englischen Beziehungen äußerte sich Pichon: Unsere Entente mit England war niemals enger, niemals vollständiger als heute, es gibt keine Frage, welche die Politik oder die Interessen der beiden Regierungen angeht, über die sie sich nicht besprechen und ins Einvernehmen setzen zum Zweck eines gemeinsamen Vorgehens oder Einschreitens.
Gegenüber Oesterreich-Ungarn hege Frankreich die korrektesten Beziehungen, deren Interessen denen Frankreichs nicht im Gegensatz ständen.
Dann wandte sich der Minister den Beziehungen zu Rußland zu und führte aus: Man würde völlig ins Gebiet der Legende geraten, wenn man auch nur einen Augenblick glauben wollte, daß in irgend einem Punkte etwas vorgekommen fei, wodurch der Charakter und die Ziele unseres Bündnisses mit der russischen Regierung und dem russischen Volke geändert werden könnten. Das Bündnis ist so lebendig und so jugendfrisch, wie je. Nichtshatsichge- ändert, weder in seiner Richtung noch inseinern Gegenstand, Es hat nie den Gedanken eines Angriffs auf irgend jemand in sich geschlossen. Man muß genau beachten, was aus den Erklärungen selbst hervorgcht, deren Text hier und da als Grundlage der Behauptung oder Vermutung hat dienen müssen, daß etwas Neues geschehen sei, was das allgemeine System der europäischen Bündnisse und Ententen beeinflussen könnte. Die Anzeichen dafür hat man in dre letzten RededesReichs- kanzlers v. Bethmann Hollweg im Reichstage finden wollen.
Es hätte mir indessen bei der aufmerksamen Lektüre dieser wichtigen Rede geschienen, fuhr der Minister fort, daß Herr v. Bethmann Hollweg bei seiner Besprechung der Potsdamer Begegnungen sorgfältig bemüht gewesen ist, die öffentliche Meinung vor denjenigen zu warnen, die sich hätten versucht sehen können, sich eine falsche Vorstellung von ihrem Charakter zu machen. Er hät wörtlich gesagt: „Als Resultat der Entrevue möchte ich bezeichnen, daß von neuem festgestellt wurde, daß sich beide Negierungen in keinerlei Kombination einlassen, die eine aggressive Spitze gegen den anderen Teil haben könnte." Worin ist diese Versicherung den Empfindungen entgegengesetzt, die uns beseelen, und dem Gedanken, der das französisch-russische Bündnis eingegeben hat? Hegen wir gegen irgend jemand, wer es auch fein mag, Angriffsgedanken? Ist nicht gerade das Gegenteil der Fall? Ist es nicht unsere hauptsächliche und beherrschende Absicht, durch
sportlich« Eleichberechttgung scheint auf diesem Gebiet rastlos durchgeführt zu sein. Da unten im Publikum sitzt ein eleganter smarter Jüngling zwischen zwei aufgedunsenen Niggern und unterhält sich mit einer Kameradschaftlichkeit, die von Rasse- bewutztsein nichts zu ahnen scheint. Und die Schwarzen da oben, innerhalb des mit Etticken umgrenzten Quadrats auf der Bühne fechten nicht nur geschickt und erfolgreich, sondern auch ritterlich. Die Notwendigkeit fairen Kampfes ging ihnen da drüben in Fleisch und Blut über, und es ist ein fragloses Verdienst dieses an sich ja nicht gerade anmutigen Sportes, daß et zumal in den angelsächsischen Ländern etwas immerhin Chevalereskes in die untersten Massen trug und auch in Rassen, denen derartige Gefühle fremd find.
Die drei Rigger halten sich sebr gut. Der erste erledigt spielend einen Berliner, dem die Anfänge der Kunst noch wie die Eierschalen anhaften. Der zweite paukt mit einem Italiener seine z:hn Gänge durch, und gewinnt fie, weil er mehr Puntte hat. Es ist ein eleganter und feuriger Kampf voll großer Spannung. Der Schädel des Niggers ist sein stärkstes Plus in diesem Gefecht. Schwarzer Mann *ann guten Puff vertragen, und mögen auch prasselnd, klatschend und krachend die „Schwinger" fitzen, schwarzer Mann lacht nur, grinst vergnügt, macht einen Hupfer und geht sofort wieder in die Parade. Rur die Beine wollen manchmal nicht recht tragen, wie bet dem deutschen Herrn, dem Tiefenbach. Die Beine find ja der Rigger schwache Linie, und verhälttismäßig häufig werden fie auf den Boden gesetzt. Ader auch da halten sie fich resolut. Das zeigt der dri te Kampf, bei dem endlich der Nigger von der Überlegenen Kraft eines dänischen Leichtgewichtchampions gefällt wird. Lieber Himmel, was setzt der seinem dunklen Gegner zu! Kaum läßt er ihn zu Atem kommen, und es bedarf nicht der anspornenden Iar- gonzuruse der Berliner Sportspietzer, über die man leise lächelt. Der Nigger ist übel zugertchtet, wiederholt sucht er schon mit der Hand an seinem Munde herum nach überzähligen Zähnen, jetzt saust er wieder zu Boden. Dann taumelt er mit aussichtsloier
unsere diplomatischen Verständigungen und insbesondere durch unser Bündnis mit Rußland neue und festere Garantien für den allgemeinen Frieden zu geben? Haben wir das nicht zu allen Zeiten erflärt? Pichon erinnerte sodann an die Worte des Reichskanzlers über das Interesse Deutschlands und Rußlands an der Aufrechterhaltung des status quo auf der Balkanhalbinsel und fuhr fort: Der status quo im Orient ist auch die Grundlage der franzöfischen Politik im Orient. (Beifall.) Wie sollten wir es jetzt bedauern, daß im Verlauf der Unterredungen, von denen Herr v. Bethmann- Hollweg gesprochen hat, die Vertreter Deutschlands und Rußlands sich über iherJnteressen inPersien und über die Erleichterungen ausgesprochen haben, die fie einander zur Entwickelung ihres Handels und zur Schaffung neuer Verkehrswege in diesem Lande gewähren wollten, die ihnen neue Absatzmöglichkeiten bieten sollen. Wir können es um so weniger, als damit ein weiterer Grund möglicher Wirren und Schwierigkeiten verschwindet. Wie können wir bedauern, daß Rußland, welches mit England über die persischen Angelegenheiten bereits ein Abkommen getroffen hat, sich auch mit Deutschland über diesen Gegenstand verständigt, da wir ja selbst unter nicht unähnlichen Umständen mit bezug auf Marokko dasselbe getan haben, und es vielleicht morgen über andere Punkte wieder tun könnten, wenn unsere gegenseitigen, internationalen Beziehungen oder unsere Bedürfnisse uns dahin führen würden? Hier schließt sich die Frage an, die Jaurtzs in Sachen der Bagdadbahn gestellt hat. Was wir wissen, sagte der Minister, und was ich berechtigt bin zu sagen, ist, daß in den ersten Worten, die in Potsdam ausgetauscht wurden, festgestellt worden ist, daß di e B ünd- nistreue die Grundlage der russischen und der deutschen Politik bleibe. Diese doppelte Bekräftigung hat die Tragweite der folgenden Unterredungen in der genauesten Weise begrenzt. Es handelt stch darum, dem mehr wirtschaftftchen als politischen Wettbewerb ein Ende zu machen, dessen Milderung dem Frieden Europas nur nützen kann. Rach wie vor machen Frankreich und Rußland ihr Bündnis zu einer der bleibenden und unveränderlichen Grundlagen ihrer Politik, und das Bündnis bewahrt seinen Charakter, den es bisher niemals aufgegeben hat. (Beifall.) Hat es übrigens nicht zur Garantie den Willen des ftanzösischen Volkes und den der Regierung der Republik sowie den Willen eines Volkes und den der Regierung der Republik sowie den
Energie seinem Gegner zu. Endlich macht bet Kampfleiter verständigerweise dem grausamen Spiel ein Ende. Zwischen jebem bet zehn Gänge gibt es eine Pause. Mit nassen HanbtÜchern werben ba die Kämpfer frottiert, man fächelt ihnen Lust zu, reicht ihnen bie Wiskyflasche, "nb zumal bie Nigger können fich nicht genug bart« tun, ihre fechtenden Landsleuten fürsorglich zu beklopfen und zu massieren. Ei« bischen Wichtigtuerei ist dabei, wie schsteßlich bet jedem Sport.
Die Arena ist ja überhaupt heute Trumpf. Allerorten wird bet Zirkus Versammlungslokal für Christen unb Heiben, für Land- und Hansabündler, für die griechische Tragödie und das — deutsche Volksschauspiel. Wie große Fliegenpilze grüßen plötzlich allerorten die toten Dächer der Arena als die Znkunstsstätten der neuen Kunst, und ein Name ist fortwährend in aller Mund: Reinha dt, Oedipus hic et ubique. Ma« könnte keinen geeigneteren Mann finden um den großen Versuch zu wagen, durch die Arena wieder das Drama wie in längst vergangenen Tagen zu einer Sache des Volkes zu machen. Aber in bie Hoffnungsfreubigkeit und in die Flut bet fich überstürzenden Nachrichten mengt sich das Gefühl der Besorgnis, daß selbst ein Arbeitsgenie wie Reinhardt gegenüber den Ansprüchen derartiger Zersplitterung versagen und sich -uf- brauchen könnte.
Der Kriegszustand in einet anderen Kunstarena, in bet Sezession, scheint sein n akuten Charattet längst verloren zu haben. Er ähnelt einem schleichen- ben Guerillakrieg, un* wenn nicht alle Zeichen trügen, wirb ber siegreiche Liebermann bem König Pyrrhus gleichen und das Szepter Niederlagen. Sei allen großen Verdiensten Liebermanns, bie auch der Gegner willig einräumt, mag ein solcher Ausgang vielleicht sogar sein Erstaunliches haben. Wirb Lovis Korinth ber Kronprinz fein? Dieser fleischerne Ost- preuße, dessen Brutalität so manchen entsetzte, nd über den ttotzdem die Jüngsten schon längst wieder hinaus wollen. Denn neben die zügellose, fast aus« .schweifende Kraft setzt er die stille blaue Blume, die zu finden bisher nicht jeder verstand, bie zu juchen
Willen eines Volkes und eines Herrschers, welcher der würdige Erbe dessen ist, dem wir die unvergeßlichen Kundgebungen von Kronstadt verdanken, und der uns seit Beginn seiner Regierung mit Zeichen der Sympathie und Freundschaft überschüttet hat? (Seif.) Pichon schloß mit einem Protest gegen die Behauptung, daß Frankreich isoliert dastehen würde. Isoliert? wiederholte et, eine Macht, die mit Rußland verbündet und mit England geeinigt ist, die fich in Freundschaft und llebeteinstimmung befindet mit Italien, Spanien und Japan, auch in llebeteinstimmung in bezug auf die Garantien für den fernen Osten? Isoliert eine Nation, deren Stimme so schwer wiegt im Rate Europas, die einen solchen Anteil an der Erhaltung de» Friedens hat? Das ist eine Isolierung, die die Kammer zu würdigen wissen wird: was mich anbelangt, so kann ich nur wünschen, daß fie fortbesteht. Wenn die politische Lage Frankreichs befriedigend ist, so soll das aber nicht heißen, daß man eine Art diplomatischer Untätigkeit beobachten dürfe. Andererseits aber muß diese Tätigkeit sich auf die internationale öffentliche Meinung stützen können, ohne deren Billigung heute kein Krieg stattfinden könnte, ebenso auf eine starke Armee und Flotte. (Lebhafter Beifall.)
Paris, 13. Jan. Die Rede des Ministers des Aeußern wird in der Presse ziemlich freundlich erörtert. „Petit Parisien" schreibt: Die Rede habe Frankreich die Gewißheit von der Stabilität der diplomatischen Lage verschafft. Europa findet in ihr die friedliche Versicherung wieder, die es von den berufenen Leitern unserer auswärtigen Politik zu hören gewöhnt ist. Die „Lanterne" schreibt: Die Vermerkung Pi- chons, daß heutzutaae niemand mehr ohne die Zustimmung der Völker einen Krieg beginnen könne, habe einen besonderen Eindruck gemacht. Es sei dies auch eine berubiaende Wahrheit, die von dem Minister einer Demokratie verkündet werden müßte, aber für alle Reaiernnaen aelte. — Der „Figaro" meint diesbezüglich, das Wort ist zweifellos richtig gewählt. Es gibt Umstände und die neue Geschichte beweist dies, daß der Krieg sozusagen von selbst ausbricht. Uebrigens weiß ja Pichon besser als irgendwer, daß bei dem gegenwärtigen Zustande Europas der Anteil, den die Völker oder ihre Vertreter an der Leitung der Geschichte nehmen, nicht überall derselbe ist. Das ist ein Grund mehr für Frankreich, sich zum Schutze seiner Lebensinteressen und zur Abwehr jeden Angriffes immer bereit zu halten.
fich aber verlohnt. Sein neues Trvptychon, bas er i« treuer Heimatsgesinnung ber Kirche zu Tapiau in Ostpreußen stiftete, ist -in machttolles Werk, mag man im Einzelnen genug daran aussetzen, unb durch ben Namen seines Sohnes for.:mt ein seltener Glanz über bie Hütten unb Häuser bes kleinen Land- stäbtchens. „Wer nichts wagt, kommt nicht nach Wohlau, wer zuviel wagt, fomrt nach Tapiau" heißt ein altes ostpreußisches Wort, weil sich i.iet nämlich bie Provinzial-Besserungsanstall befinbet. Nun, ob Korinth zuviel wagt ober nicht, er ist ein großer lebensprühender der beutkpen Künstler, ter wohl wert märe, an bet Spitze ber Jungen zu sieben.
Inzwischen „amüsiert sich B:rlin unb tanzt rach Schema F durch bas Leben. Man hetz' in Walzer und Polka immer von neuem bie ältesten Ideen über bie Parkettböden. Denn noch imtnet^babe« bie Bühnenleute ihren „Eesindeball" mit ben uralten Requisiten. Nur schüchtern roajt sich ein Neues vor, ein „Soldatenball", bei dem alles in Uniform zu erscheinen hat. Auch bte ständigen großen Tanzereignisse wahren ihren konservativen Charattet. Schon winkt wieder der große Presseball in «.en etwas kahl-herkömmlichen Räumen ber Philharmonie unb auf dem Metrepoltall scheint sich sogar bie Welt, bie sich sonst nicht langweilt, dieses- mal ziemlich gemopst zu haben. Der Kolonialball, biese farbenprächtige unb vornehme Veranstaltung, soll biesesmal beibe Riefenräume bet Ausstellungshallen füllen, unb wohl zu ben gelungensten Veranstaltungen gehörte bet Ball des Berliner Schrist- stellerklubs, ber in ben schönen ©e'amtt'umen bes Lanbwehrkasinos eine erlesene Gesellschaft vereinigte, ber großzügig unb intim zuglett,, gut besucht und bo j nicht übervoll war, auf bem wirklich nach Herzenslust getanzt mürbe unb wo durch die Kunst Knuthanlens, des trefflichen Zeichners, und durch bie „Schlager-Revue" bet bekannten Berlner Bühnensterne wirklich volle Genüsse geboten wurden. Es ist einet bet ganz wenigen Berliner Bälle, bte sich durch einen originellen Gedanken eigenes Gepräge zu geben wußten. Im übrigen stört, wie getagt, Jbeenfülle kaum das Berliner Ball-Lebe».