MOW Leitung
mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain
und den Beilagen: „Nach Feierabend", „Fürs Haus" und „Landwirtschaftliche Beilage.
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Die „Gberhesstsche Zeitung'' erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn» und Feiertage. — Der Bezugspreis beträgt vierteljährlich durch die Post bezogen 2.25 (ohne Bestellgeld), bei unseren Zeitungsstellen und der Spedition (Markt 21), 2.00 .* ftei ins Haus. (Für unverlangt zugesandte Manuskript übernimmt die Redaktion keinerlei Verantwortung.)
Marburg, Markt 21. — Telephon 55.
Marburg
Dienstag, 10. Januar 1911.
Die Jnsertiousgebühr beträgt für bte 7 gespaltene Zeile oder deren Raum 15 4, bei auswärtigen Inseraten 20 4, für Reklamen die Zeile 40 4. Bei Wiederholungen entsprechender Rabatt. Jeder Rabatt gilt al» Barrabatt — Für Inserate, bei denen der Auftraggeber in der Exped. mitgeteilt werden soll, wird eine Gebühr von 10 Pfg. erhoben. — Druck der Uni». • Buchdruckerei I. A. Koch, (Inh.: Dr. Hitzeroth.) Mark 21, — Telephon 55.
46. Jahrg.
Deutsches Reich.
— Die Reise des Kronprinzen. Lahore, 8. Ian. Der Kronprinz ist heute hier eingetroffen. Es fand kein offizieller Empfang statt. Nachmittags unternahm der Kronprinz in Begleitung des Gouverneurs und des gesamten Gefolges auf Elezchanten einen Ritt durch die Eingeborenenstadt und besichtigte das Fort und andere Sehenswürdigkeiten.
— Die Reise der Kronprinzessin. Assuan, 7. Jan. Die Kronprinzessin Eecilie ist nach Luksor abgereist.
— Zur silbernen Hochzeit des Fürsten und der Fürstin Bülow. Berlin, 8. Jan. Die „Nordd. Allgem. Ztg." meldet: Am 8. Januar feiert das Fürstenpaar von Bülow das Fest der silbernen Hochzeit. Bon weiten Kreisen der europäischen Gesellschaft, voran denen der deutschen Reichshauptstadt, wird der Familienfeier aufrichtiger und warmer Anteil entgegengebracht. Wir wünschen dem fürstlichen Paare, das den Tag in der Billa Malta zu Rom begeht, Glück und reichen Segen.
— Auszeichnung für Prof. Ehrlich. Köln, 7. Jan. Die „Kölnische Zeitung" meldet aus Petersburg: der Kaiser verlieh dem Profesior Ehrlich den Annenorden 1. Klasse mit Brillanten. Der Professor des Kaiserlichen Instituts für experimentelle Medizin Prinz von Oldenburg ist vorgestern nach Deutschland abgereist, um Professor Ehrlich persönlich den Orden zu überreichen.
— Der neue Chef des Ingenieur-Pionier« Korp». Berlin, 7. Jan. Dem Wochenblatt zufolge wurde der General der Infanterie von Heseler, Chef des Jngenieur-Pionierkorps unter Belassung a la suite des Eardepionierbataillons zur Disposition gestellt. Der Generalleutnant und Gouverneur von Metz, Mudra, wurde zum Nachfolger ernannt.
— Das Wertzuwachssteuergesetz. Berlin, 7. Jan. Die „Nordd. Allgem. Ztg." schreibt in ihren heutigen Rückblicken: Bald nach Wiederbeginn der Sitzungen wird der Reichstag die Beratung über das Zuwachssteuergesetz zu Ende führen. Wie wir hören, besteht die Absicht, mit der zweiten Lesung des Entwurfs etwa am 16. Januar zu beginnen. Dadurch wird die unentbehrliche Grundlage für die weitere Beratung des Etats geschaffen. Denn der Ertrag der Zuwachssteuer bildet einen entscheidenden Bestandteil der Einnahmen, welche erforderlich find, um bei Hinzutritt der Heeresverstärkung und der verbesserten Veteranenversorgung das Gleichgewicht des Etats zu erzielen. An dem wichtigsten Grundsatz ihres Finanz-Programms, keine neue Ausgabe ohne gleichzeitige Deckung einzustellen, werden die verbündeten Regierungen unbedingt festhalten; die Parteien des Reichstages haben sich nicht minder entschlossen gezeigt, ihn wie für 1910 auch für den nächstjährigen und die folgen
* (Nachdruck verboten.)
Der stille See.
' ' Roman von H. Couriha-Mahler.
(Forftetzung.)
Hans Rochus lockerte seinen Uniformkragen, als fei er ihm zu eng. „Allerdings, ich habe nicht di« Ehre, Ihre Tochter zu kennen."
Ravenport lächelte ironisch.
„Vielleicht glauben Sie, meine Tochter sei besonders häßlich, oder sonst mit einem Makel oder Fehler behaftet. Das ist nicht der Fall. Sie ist wohl keine besondere Schönheit, ich kann das als Vater nicht klar genug beurteilen. Jedenfalls rst sie rank »nd schlank gewachsen, gesund an Leib und Seele, zweiundzwanzig Jahre alt, und hat eine sorgfältige Erziehung genossen. Hier, ich habe ihre Photographie zu mir gesteckt, die sie mir vor einigen Jahren aus dem Pensionat schickte. Sie sehen, ich gestehe ganz offen ein, daß ich den Gedanken nach allen Seiten redlich erwogen habe."
Er holte aus seiner Brusttasche eine Kabinettphotographie und reichte sie dem jungen Offizier hinüber. Hans Rochus nahm sie n it dem unbehaglichen Gefühl, als sei es sein Schicksal, das sich rhm enthüllen sollte. Er sah schweigend auf das Bild herab. Es zeigte ein feingerundetes Mädchengestcht mit grrßen dunklen Augen, deren Ausdruck wie bei allen Photographien etwas starr erschien. Man konnte aus diesem Bilde sehen, daß das Original wohlgebildete Züge hatte, mehr nicht. In Hans Rochus Herzens regte sich nichts zugunsten von Pet r Ravenports Tochter. Im Geiste vergli* er diesen Mädchenkopf mit Hilde Sontheims liebreizenden I Zügen, und er erblaßte wie ein Schemen. Rach einer
den Etats mit Strenge durchzuführen. Nachdem das Zuwachssteuergesetz jetzt in dreimaliger Lesung in der Kommission eine über das gewöhnliche Matz weit hinausgehende Durcharbeitung erfahren hat und alle Einwendungen zu wiederholten Malen durchgesprochen worden find, darf vorausgesetzt werden, daß der Reichstag dem von ihn selbst unter Zustimmung weitester Volkskreise angeregten Gedanken nunmehr den Eha- rakter einer endggültigen Entschließung geben wird. Die Tragweite dieser Entschließung ist so groß, daß sie durch den Widerstand vereinzelter Gruppen und örtlicher Interessen nicht mehr wird beeinträchtigt werden können.
— Erfolge der deutschen Industrie im Ausland. Berlin, 7. Jan. Die rumänische Regierung hat der Firma Siemens und Halske die Ausführung des neuen Telephonamtes in Bukarest für 14 000 Teilnehmer (erster Ausbau 6000 Teilnehmer) nach scharfer Konkurenz gegen europäische und amerikanische Firmen übertragen. Das alte, zu ersetzende Amt war amerikanischen System».
— Die Dresdener Hygiene-Ausstellung. Dresden, 7. Jan. Das deutsche Zentralkomitee für ärztliche Studienreisen hat unter Vorsitz des Geheimen Obermedizinalrats Prof. Dr. Dietrich beschlossen, von Berlin aus im nächsten Sommer anläßlich der Internationalen Hygiene-Ausstellung Dresden 1911 eine Studienreise per Extrazug nach Dresden zu unternehmen. Für das Stu, dium der Ausstellung sind zwei bis drei Tage vorgemerkt, außerdem werden von hervorragenden Hygienikern während dieser Tage Vorträge gehalten werden.. .
— Demokraten. Berlin, 7. Jan. Zwischen den Demokraten Dr. Breitscheid und Pfemfert, ist heute ein Vergleich abgeschlossen worden, bei welchem Herr Pfemfert den gegen Dr. Breitscheid erhobenen Vorwurf, er habe ein „Fälscherstück" begangen, zurücknahm, während Breitscheid insbesondere seine Behauptung für „unbegründet" erklärte, daß Pfemfert homosexuell sei! — Wir entnehmen diese Meldung der Deutschen Tages- Zeitung. Wie unseren Lesern wohl noch erinnerlich sein wird, find wir durch die Wiedergabe des Prozeßberichtes mit Herrn Dr. Breitscheid in eine persönliche Auseinandersetzung gekommen. Uns lag nur daran, unsere Leser von den Vorgängen im demokratischen Lager zu unterrichten und ein Bild von der Art der persönlichen „Freundlichkeit" der Parteimitglieder zu geben. Herr Pfemfert ist inzwischen bekanntlich aus der demokratischen Partei ausgeschieden.
Die Moabiter Strastenkrawalle vor Gericht.
Berlin, 7. Januar.
In der heutigen Sitzung des Moabiter Krawallprozesses kamen die übrigen Vert-i iger zum Wort. Zunächst setzte Rechtsanwalt 5 inemann sein gestern
Weile gab er das Bild mit einer dankenden Verneigung zurück. Peter Ravenport steckte es umständlich wieder fort und hüstelte leicht. Hans Rochus stand in tiefes Sinnen verloren am F'nster. Plötzlich wandte er sich dem Bankier zu.
„Gesetzt den Fall, ich sage „Ja" zu Ihrem Vorschlag, so bleibt doch noch ein Bedenken, welches ich vorhin schon berührte. Wird sich Ihre Tochter mcht weigern, meine Hand anzunehmen? Sie kennt mich wahrscheinlich so wenig, als ich sie. Jedenfalls fft es fraglich, ob sie auf diese Verbindung eingehen wird."
„Meine Tochter ist an strengsten Gehorsam gewöhnt," erwiederte Ravenport überlegen. „Sie ist ein- passive Natur, und wird sich in alles fügen, was ich für gut halte, über si<. zu bestimmen. Ueberhaupt — ein unangenehmes, blasses Lächeln umspielte seinen Mund — „sie wird eine sehr bequeme Frau werden."
Hans Rochus ging auf und ab. Es lockte ihn, Ravenports Vorschlag anzunehmen, obwohl dieser ihm noch nie so unsympathisch erschienen war, wie heute. Besonders gut h tte er ihn nie leiden mögen, nur die Notwendigkeit hatte ihn dazu getrieben, geschäftlich mit ihm zu verhandeln. Er ahnte auch, daß Ravenport bei den Geschäften mit ihm und seinem Vater immer die Hauptsache gewesen, daß er Gelo bekam, und er selbst verstand viel zu wenig von den Geschäften, um eine Kontrolle ausüben ou können. Jedenfalls blieb ihm aber jetzt nichts anderes übrig, als auf seinen Vorschlag einzugehen. Es mußte ihm noch als ein großes Glück erscheinen, daß ihn Ravenport durch die Heirat mit seiner Tochter vor dem Ruin bewahren wollte. Sonst konnte er gleich heute noch als SJtler hinaus- ziehen aus dem Schloß seiner Väter. Ravenport
abgebrochenes Plädoyer fort und führte es zu Ende. Er bestritt nochmal», daß der Angeklagte Weiß de« vielbesprochenen Blumentopf vom Balkon auf die Schutzleute hercckgeworfen habe und wandte sich dann den Straftaten der Angeklagte« Tiedemann und Merten zu. denen der Staatsanwalt es schon als ein Verbrechen ausgelegt hab«, daß sie überhaupt bei den Krawallen anwesend gewesen seien. Daraus allein sei aber den Angeklagten ein strafbares Verschulden noch nicht nachzuweisen. Insonderheit sei der Angeklagte Tiedemann ganz zufällig in den Krawall hineingeraten, wie das auch vielen Anderen passiert sei, ohne daß man deshalb fielen sie Anklage erhoben habe. Es komme 'mmer darauf an den Angeklagten nachzuweisen, daß sie im Bewußtsein der Rechtswidrigkeit ihres Tun an dem Krawall teil- genommeu haben. Und in dieser Beziehung fehle es bei beiden Angeklagten an ein'm strikten Nachweise. Der Verteidiger geht Lann auch auf den s llgemeinen Teil der Anklage ein und meint, daß die Handlungen der Polizei in vielen Fällen al. Mißhandlungen zu bezeichnen seien, gegen die den Angeklagten ein Recht der Abwehr zustand. Soweit , 4) die Polizei nicht in Ausübung ihres Amtes befunden habe, sondern aggressiv geworden sei, falle der Begriff der strafbaren Zusammenrottung bei den Angeklagten fort und sie können daher auch de: halb nicht bestraft werden.
Rechtsanwalt Coßmann bezeichnet« den von ihm vertretenen Angeklagten Meyer als einen geistig minderwertigen Menschen, für den das ron dem Staatsanwalt beantragte Strafmaß von einem Jahr Gefängnis mit Rücksicht auf sei-- Jugend und seine geringe Bildung viel zu hoch erscheine.
Rechtsanwalt Dr. Rosenfeld ging nochmals die Ursache der Krawalle — den Streik bei Kupfer u. Co. — durch und meint, daß die Hinzesche Streikbrechergarde die Haupffchuld an der Verstärkung der Situation trage. Dagegen sei durch die Verhandlung nicht erwiesen, daß der sozialdemokratische Transportarbeiterverband gehetzt habe. Wohl aber hätte die Hinzesche Knüppelgarde unter den Augen der Polizei geradezu gemeingefährlich hausen dürfen. Auch die Kriminalpolizei hätten äußerst gut gearbeitet und man müsse sagen, daß die uniformierte wie die Kriminalpolizei mit dem Blute der Moabiter Bürger befleckt den Schauplatz ihrer Heldentaten verlassen hätten, für die ihnen jetzt auch noch allerlei Orden und Ehrenzeichen vergehen worden seien. Bei diesen Ausführungen wird der Verteidiger vom Vorsitzenden unterbrochen und der Erste Staatsanwalt Steinbrecht beantragt gegen Dr. Rosenfeld wegen grober Ungebühr eine Ordnungsstrafe. — Rechtsanwalt Rosenfeld erklärt zu diesem Antrag, daß er nur die Ergebnisse der Beweisaufnahme rekapituliert und auf Grund dieser die Ueberzeugung gewonnen habe, die er mit seiner Bemerkung zum Aus- druckgebracht hatte. — Darauf zieht sich das Gericht zu einer längeren Beratung zurück und verhängt über Dr. Rosenfeld eine Ordnungsstrafe von 100 Mark. Hierüber wird im Zuhörerraum gelacht. Nach längeren Bemühungen gelingt es, einen Invaliden Wiczoreck ausfindig zu machen, der nach den Behauptungen anderer Zuhörer sich dieser Ungebühr schuldig gemacht haben sollte. Er bestreitet dies aber und der Vorsitzende geht dem Zwischenfall nicht weiter nach. — Nachdem bann
hatt" ihn scharf beobachtet. Nun erhob er sich langsam und lehnte sich mit untergeschlagenen Armen gegen den Tisch.
„Mir scheint, mein -r c schlag ist Ihnen nicht sympathisch, Herr Graf. Dann ziehe ich ihn natürlich zurück Ich meinte es bei allem Ehrgeiz auch wirklich gut mit Ihnen. Es tut mir leid, daß ich Ihnen nicht anders helfen kann. In Ihrer Entscheid: ng will ich Sie aber nicht beeinflussen. Ueb’degen Sie sich in Ruhe die Angelegenheit, und gebe» Sie mir in einigen Tagen Bescheid."
Hans Rochus fuhr sich mit der Hand über die Stirn und blieb vor ih i stehen.
„Eine Bedenkzeit ist unnötig, Herr Ravenport. Wenn ich nicht gleich zusagte, so ga'^ mein Zögern dem Umstand, daß ich fürchtete, Sie würden auf Ihre Tochter vielleicht einen Zwang ausüben müssen."
„Das lassen Sie meine Sorge sein. Meiner Tochter genügt, daß ich diese Heirat für gut und richtig halte. Ich sage Ihnen ja, sie ist sehr still und passiv. Uebrigens mögen Sie sie ruhig fragen, os ich irgendwelche gewaltsame Mittel angewandt habe."
„Gut, unter dieser Bedingung bin ich mit allem einverstanden." sagte Hans Rocht s, und sich stt.ff zusammenruckend, verbeugte er sich und fuhr fort: „Ich bitte hiermit in aller Form um die Hand Ihrer Fräulein Tochter."
Ravenvorts Augen blitzten auf. Er reichte dem jungen Offizier die lange, knöcherne Ha»d.
„Ihr Antrag ist uns eine Ehre, Herr Graf. Morgen mittag erwarte ich Sie in meinem Hause, damit ich Ihnen Ruth zuführen kenn."
Hans Rochus verneigte sich wieder. „Ich werd« kommen. Eines möchte ich noch bemerken, die offi« zielle Verlobung müßte der Trauer wegen wenigste.« einige Wochen verschöbe« »erbe«. Wenn auch be-
Rechtsamoalt Rosenfeld sein Plädoyer beendet haft«, wurden die weiseren Verhandlungen auf Montag vertagt. Da aber am Montag in dem bisherigen Sitzungssaal- der große Schwurgerichtsprozeß wegen der Moabiter Krawalle beginnen wird, so muß das Gericht wieder in den früheren Sitzungssaal übersiedeln.
Ausland.
** Sfusanow über die Potsdamer Unterredung. Petersburg, 7. Jan. Ssusanow antwortete einem Vertreter der „RowojeWre nja" auf die Frage wegen des angeblichen Dokumentes über den Inhalt der Potsdamer Unterredung, bas von einem englischen Blatt veröffentlicht würbe, folgenbes: Es sei in bet Diplomatie nicht üblich, Mitteilungen über fchwe- ber.oe Verhanblungen zu veröffentlichen, außerbem erscheine es ihm überflüssig, bei bet gegenwärtigen Gelegenheit über bte Potsdamer Unterredung sich zu äußern, da er nut wiederholen könne, was er der „Nowoje Wremja" im Oktober gesagt habe. Wenn die Unterhandlungen bet Mächte ein Uebereinkommen erzielen würben, so würbe bies kein Geheimnis bleiben, sonbetn in vollem Umfang veröffentlicht werben. Die „Nowoje Wremja" spricht bte Hoffnung aus, daß bie einfachen Worte Ssusanows bet künstlich herbeigefsthrten Unklarheit über bie russisch- deutschen Beziehungen und der Trtoleentent« ein Ende machen werden.
•• $•« der Marokkoreise König Alfons. Paris, 7. Jan. Aus Tanger wird gemeldet, es habe Be- ftemden erregt, daß Muley Hafid es unterlassen hab«, den König von Spanien anläßlich dessen Reis« nach Melilla durch eine besondere Mission zu begrüße«. Die Unterlassung dieser Höflichkeit sei um so bedauerlicher, als bet Sultan durch die Entsenbung einer besonderen Botschaft seine Souveräne töt in den Augen der Riffleute nur bekräftigt hätte. — Melilla, 8. Jan. Der König Alfons begab sich gestern in Begleitung des Ministerpräsidenten Canalejas und des Kriegsund Marineministets u'ter lebhaften Zurufen der Menge an Land. An Bord begrüßte ihn der Gouverneur. Auf afrikanischem Boden bewillkommnete« die Behörden und der französische General Toulee den König. Nach Anhörung des Tedeums begab sich der König ins Lager, uo für ihn und das Gefolge Baracken errichtet waten Unter den zur Begrüßung Erschienenen fielen besonders bie in reiche Gewänder gekleideten Abgesanote bet Stämme auf. Vor Ein- trtt ins Lager nahm bet König ben Vorbeimarsch ber Truppen entgegen. Die eingeborenen Polizei« manschasten, bie europäische unb b e eingeborene Bevölkerung begrüßten ben König auf bas Lebhafteste. Der König vollzog bie feierliche Einweihung bes Denkmals für bie Gefallenen am Riffelbzug. Später empfing ber König ben General Toutee unb bat ihn, ber französischen Regierung bie herzlichsten Grüße zu übermitteln.
** Di« Verfassung vo« Monaco. Paris, 7. Jan. Der Bericht ber Rechtsgelehrten über bte Vetfassungs- frag' von Monaco besagt: Die Bevölkerung bes Fürstentums beläuft sich c .f 19121 Bewohner, wovon 148? Monogässen sinb. Monogalstsche Wähler gibt es 443, wovon 353 naturalisiert sind. Der Wert des bebauten und unbebauten Grundeigentums, ausgenommen bie Domänen bes Fürsten, ist 227 Millionen
sonbere Verhältnisse ein besonderes Vcrg-hen rechtfertigen, einige Wochen möchte ich bo* verstreichen lassen, ehe ich meine Verlobung veiöffe iche." Hans Rochus bachte babei weniger an bie große Gesellschaft, als an eine einzige Person — Hilde. Sie mußte er erst langsam vorbereiten, daß er eine Braut hatte. Wußte sie auch selbst, daß -r nut ein reiche» Mädchen heiraten ton te, es würde sie doch schmerzen, schon jetzt von dieser Verlobung zu hö-en, denn sie hatte ihn lieb, das hatten ihm ihre schönen, lockenden Augen oft genug verraten.
Ravenport fand seinen Wunsch nut natürlich, und war damit einverstanden. Er nahm langsam und bedächttg die ausgebreiteten Papiere wieder zusammen und barg sie in der Mappe.
„Das Geschäftliche können wir später ordnen.
Sie werden heute ohnedies nach Ruhe verlangen." „Ich bin allerdings einigermaßen ermüdet." „Kann ich mit denken. Ausreibende Tage liegen hinter Ihnen unb ein schwerer Verlust. Ihr Verhältnis zu ihrem Herrn Vater war boch ttotz allem ein sehr inniges.“
„Ja. Dem Zauber, bet von ferner echt herzliche« Liebenswürdigkeit ausging, konnte niemrnb widerstehen. Wie hätte es fein Sohn vermocht."
Navenport reichte Hans Rochus di- Hand.
„So will ich mich verabschieden. Morgen mittag auf Wiedersehen."
„Auf Wiedersehen. Sie können meinen Wage« benutzen, ich fahre erst am Abend nach ber S'abt zurück." — Hans Rochus begleitete feinen zukünftigen Schwiegervater hinaus und kehtte bann tit basfelbe Zimmer zurück. Lang- lief er unruhig hi« unb her unb warf sich bann enblich mit einem tiefe«
I Seufzet auf ben Diva«. Müde schloß et die Auge«, aber er fand feinen Schlaf. (Fortsetzung folgt.) 4