Marburg
46. Jahrg.
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Marburg, Markt 21. - Telephon 65.
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schritt ihm entgegen. Es war Peter Ravenport, der
Geschäftsführer und Bankier. Sein -lasse», scharf- | topf und lachte mich au». Da blreb alle» beim alte«.
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Die „«derhesftlch, Zeitm»«" erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage. — Der Bezugspreis betragt v«rtel- jährlich durch die Post ' ~ " ' ' ' m *1"
Politische Umschau.
Staatsschulden und Staatspapiere.
In Staat und Kommunen rüsten sich mit Beginn des neuen Jahres die Parlamente den Haushaltsplan für das Rechnungsjahr 1911/12 festzustellen Große Freude rufen die Betrachtungen, die an die Finanzwirtschaft der abgelaufenen Jahre geknüpft werden, im allgemeinen nicht hervor und auch der Ausblick in die Zukunft ist meist noch recht trübe. Besonders unser Staatshaushalt und die schweren Schulden, die uns bedrücken, bereiten unseren Finanz-
vermeidlich ist. Wer aber den Frieden will, mutz wünschen, daß man Deutschland für möglichst stark hält und sein öffentliches Verhalten ebenso einrichtet. Es kommt aber auch noch die andere Seite in Betracht, daß Mächte, mit denen wir in guter Beziehung leben, und die des Rückhaltes bedürftig find, fich lieber und ausschließlich auf einen Staat stützen werden, den fie nicht nur für nach außen mächtig, sondern auch für im Innern gefestigt halten, als auf einen, dessen Grundlagen fie unterwühlt und hohl glauben. Hierin vor allem liegt der große Schaden der verhetzenden Aeußerungen der deutschen demokratischen Presse. Mittel dagegen wüßten wir freilich nicht, denn diese Blätter werden fich nicht ändern: das Einzige bleibt, daß die übrige Presie sich umso kraftvoller ihrer nationalen Pflichten bewußt zeige.
Aber das brauche ich Ihnen ja alles nicht erst zu erzählen."
„Allerdings nicht, Herr Lraf. Ich kenne Sie und Ihren Herrn Vater lange genug, und weiß, daß Eie eigentlich in einem umgekehrten Verhältnis zueinander standen. Er war trotz seines Alters der Jüngere, der einer Leitung bedurft hätte. Leider hatten Sie nicht die Autorität eines Vaters über ihn. Sie nehmen mir, bitte, meine freie Meinung nicht übel. "
„Rein doch — Sie haben ja recht. Aber lasten wir ruhen, was nicht zu ändern ist. Sagen Sie mir lieber, wieviel Sie für mich flüssig machen könn.n."
Peter Ravenport strich mit einer eigenartigen Bewegung über das spitze Kinn, und kniff die Augen zusamn en. Er antwortete nicht ^gleich. Erst iah einer Weile richtete er sich steif empor, legte sie knöcherne lange Hand auf die Tischplatte und sagte:
„Es tut mir leid, Herr Graf, Ihnen sagen zu müssen, daß ich Ihnen keine noch so kleine Summe mehr zur Verfügung stellen kann."
Hans Rochus zog die Stint zusammen und wurde sehr bleich.
„Soll das heißen, daß Sie meine Geschäfte nicht mehr fuhren wollen?"
Ein leises, ironisches Lächeln glitt über Raven- prrts Gesicht. Es gab ihm ein unheimliches Aussehen.
„Als ich vor dreißig Jahren die Geschäfte Ihres Herrn Vaters übernahm — Sie waren damals gerade auf di« Welt gekommen —, da lasteten schon von Ihrem Großvater her schwere Hypotheken auf Rochsberg. Außerdem forderten Park und Schloß hohe Verwaltungsspesen. Die Laiürwirtschast bringt zu wenig ein, um den Aufwand zu decken, zumal das beste Ackergelände und ein großer Teil des ertragfähigsten Forstes abgebrannt und verkauft werden mußte. So find die Einkünfte immer geringer geworden, während die Ausgaben nicht eingeschränkt wurde«. Im Gegenteil. So lange Ihr« Frau
Mutter noch lebte, wurde ein glänzendes Haus ge- , führt, nach ihrem Tode wurde es nicht bester; eher ’ schlimmer. Sie wissen so gut wie ich, Herr Graf, । daß Ihr Herr Vater nie vom Sparen hören wollte, ' trotz meiner Ermahnungen. Und Sie selbst — bitte, \ hier liegen die Schuldscheine, die mit Ihrem eigene« ; Namen unterzeichnet find. Ich habe Ihnen jedesmal ; gesagt, daß es nicht mehr lange so gehen kann." t
Hans Rochus lehnte fich mit untergeschlagene« Armen an den schönen, hohen Kamin und starrte düster vor sich hin. .Zch weiß — ich weiß — a« Ermahnungen haben Sie es nicht fehlen lasten. Trotzdem ahnte ich nicht, dag die Nerhältniffe so miserabel sind. Das trifft mich hart. Was soll ich nun tun? Helfen Sie, raten 6L mir, lieber Ravenport. Weiß ®ott, ich hatte den festen Willen, sehr vernünftig ' und sparsam zu leben. Nun mein Vater tot ist, hätte mich niemand in meinem Entschluß wankend machen können. Aber mit nichts kann ich doch unmöglich auskommen. Misten Sie mir keinen Rat?"
Er trat an den Tisch heran und sah mit brennenden Augen in das kalte, unbewegte Gesicht des Bankiers.
Dieser trommelte wie nachdenklich aus der Tischplatte. Dann sagte er ruhig:
„Rochsberg müßte natürlich verkauft werden. Ich glaube allerdings nicht, daß es im günstigsten Falle mehr denn fünfmalhundertiausend Mark bringt."
Hans Rochus machte eine ungeduldige Bewegung. ।
.Damit ist ja nicht einmal Ihre Folgerung ge-, deckt."
„Leider nicht. Wie gesagt—ich ließ mich in meiner Freundschaft für Ihren Herrn Vater verleiten, mehr zugeben, als ich eigentlich verantworten kann. Ui*; schließlich muß ich Rochsberg noch selbst übernehme«, wenn sich, wie ich glaube, kein Käufer findet. Dan» bliebe freilich noch immer eine Restschuld von hunderttausend Mark, die ich von Ihnen zu fordern' hätte." (Fortsetzung folgt) :L
männern schwere Kopfschmerzen. Händ in Hand mil der Sorge um unsere großen Schulden geht die Gorge - um den schwankenden und ungerechtfertigi niedrigen Stand unserer Staatspapiere. Es ist ja in den letzten Jahren viel geschehen — durch die Gesetzgebung und auch im Verwaltungswege — um diesem Hebel« stände, dem schwankenden und niedrigen Stand bet Staatspapiere abzuhelfen, aber noch immer nicht genug, um wirklich dauernde Abhilfe zu schaffen. Um den Kurs der Staatspapiere zu heben und zu festigen, wird durch die neue Reichsversicherungsordnung vorgeschrieben, daß die Versicherungzan- stalten ein Drittel ihrer lleberschüsse in Reichs- und Staatspapieren anlegen, bis 25 Prozent ihrer Gesamtbestände in dieser Weise untergebracht sind. Im letzten Etatsjahre hatten diese Versicherungsanstalten von ihrem aus 12,5 Milliarden bestehenden Vermögen nur 130 Millionen in Siaatspapieren angelegt. Eine Verfügung des Finauzminist.rs hat die Sparkasten darauf hingewiesen, daß sie im eigenen Interest«, namentlich im Jntereste ihrer Liquidät, Veranlassung hätten, Staatspapiere zu kaufen. Trotzdem dafür den Sparkasten verschiedene Erleichterungen in Aussicht gestellt worden waren, Begrenzung des Reservefonds auf 5 Prozent und Zulassung eines besonderen Kursreservefonds für Staatspapiere, ist der Bestand der Staatspapiere bei den Sparkassen nur unwesentlich gestiegen und rückt die Frage nahe, ob hier nicht auch schärfere gesetzliche Bestimmungen angebracht wären. Eine Erschwerung der Zulassung fremder Papiere zu unseren Börsen und eine stärkere Inanspruchnahme des Staatsschuldbuches durch das große Publikum würden unseren Finanzen und Staatspapieren ein festeres Rückgrat verleihen.
von seinem Balkon aus einen Blumentopf herab? geworfen hat, auf ebenfalls 9 Monate und gegen den Gastwirt Pilz, der sich an d-n Mißhandlungen des Wellschmidt hervorragend beteiligt haben soll, auf 1 Jahr 6 Monate Gefängnis. Gegen einen Angeklagten wird Freisprechung beantragt. Rach der Pause plädiert als erster der Verteidiger R. A Wolfgong Heine, der einleitend die Berechtigung der Verteidigung betonte, die Beweisaufnahme möglichst umfangreich zu gestalten. Ohne die Zeugen der Verteidigung wäre ein ganz schiefes Gesamtbild der Sachlage entstanden. Von der Staatsanwaltschaft sind Angriffe gegen die Belastungszeugen erfolgt, welche hier nicht Stich gehalten hätten. Aber Aussagen im Vorverfahren, ohne Staatsanwaltschaft und ohne Verteidigung haben überhaupt kei.en Wert, wesentlich sind lediglich die Aussagen in faro. Die positiven Aussagen der Zeugen werden auch nicht dadurch aus der Welt geschafft, daß sie etwas nicht gesehen haben. Wenn von Terrorismus gegenüber den Zeugen, der Verteidigung die Rede ist, so muß andererseits unter anderem auf den Zeugen Förster, a. D. Prevor hingewiesen werden, dem von konservativen Leuten wegen seiner Aussage Borwürfe gemacht wurden und der erklärte, et fürchte deswegen gesellschaftlich geächtet zu werden. Unter den Zeugen der Anklage vermiste ich die Hinze'schen Streikbrecher. Herr von Reitzenstein hat diese Leute Abenteurer genannt; sind sie vielleicht nicht präsentabel genug, um hier zu erscheinen? Von Seiten der Polizeibeamten sind geradezu leichtfertige Aussagen gemacht rorden. Es ist deprimierend, aber auch charakteristisch, daß ge-
. bildete Leute in amtlichen Stellungen, die sich durch ihre amtliche Stellung vor jeder Anklage wegen Eidesverletzung geschützt wähnen, von ihrem Eidesrecht einen solchen Gebrauch machen. Wenn höhere Stellen sich gescheut haben, zuzugeste.hen, daß Ungeschicklichkeiten vorgekommen sind, io kann ich es verstehen, daß untergeordnet« Beamte es mit der Wahrheit nicht genau nahmen. (Der Vorsitzende rügt diesen indirekten Vorwurf gegen den Polizeipräsidenten.) Der Verteidiger geht dann noch auf die Aussage des 20jährigen Steuersupernumerars ein, des „jungen Menschen ohne Mitleid", der in seinen Aussagen geflissentlich einen Mangel an ftt- lichem Urteil zur S-lmu getragen habe, so daß man ihm nicht glauben lött ie. R.-A. Heine bricht hierauf sein Plädoyer ab; die Verhandlungen werden auf morgen Vormittag vertagt.
ja seine übersprudelnde, genußfreudige Art. Er scherzte meine Bedenken weg, schalt mich einen Sauer-
1 (Nachdruck verboten.)
Der stille See.
' - ■ Roman von H. Eourths-Mahler.
l Fortsetzung.»
Schloß Rochserg war ein mächtiges, massives Gebäude im Barockstil. Seine vier Setten umschlossen einen großen Hof, der im Sommer mit weiten Rasenflächen und Blumenbeeten geschmückt war, und in dessen Mitte ein seltsamer alter Springbrunnen plätscherte. Jetzt war er eingefroren und mit Eiszapfen bedeckt.
Ein großer Teil des Gebäudes war abgeschlossen und unbenutzt, fteilich erst seit kurzer Zeit. Der alte Graf hatte sich bis vor zwei Jahren gesträubt, die langen, überflüssigen Zimmerreihen abzuschließen. Aber er mußte es schließlich doch tun. Dir Instandhaltung des Schlosses verschlang jährlich eine große Summe. Immer hin war noch der ganze Haupt- flügel mit den beiden Ecktürmen bis zu seinem Ende in Benutzung gewesen.
Hans Rochus durchschritt di« große Halle und stieg die breite, mit Teppichen belegte Steintreppe empor. Im ersten Stock betrat er das sogenannte Arbeits- Zimmer seines verstcrbenen Vaters. Es glich mit seiner warmen, behaglichen Ausstattung mehr einem molligen Ruheplätzchen. Und das war wohl auch" ‘feine hervorragende Bestimmung gewesen. Zu arbeiten pflegte der verstorbene Graf nie. Er unterschrieb mit lässiger, liebenswürdiger Miene, was ihm sein Inspektor oder sein langjähriger Bankier Peter Ravenpori an Papieren zur Unterschrift vot- legte, ohne zu prüfen. Wenn er nur die gewünschten Gelder erhielt, dann war alles gut. Um weiteres kümmerte er sich nicht.
Als Hans Rochus eintrat, löste fich vom Fenster eine hagere, schwarzgekleidete Männergestalt, und
Deutschfeindliche deutsche Blätter.
Als der deutsche Reichskanzler im Reichstage »en Moabiter Krawallprozeß besprach, machte er N. a. den durch die Rechtspflege bedingten langsamen Gang der Verhandlungen zum Gegenstand Abfälliger Kritik. Er traf damit sicherlich das Wichtige, ohne freilich mit seiner Kritik die Rach- teile der Sache zu erschöpfen. Will man diesen ganz ermessen, so ist es nötig, die Berichte der Ausländischen Presse zu lesen. Es find diese frei- sich zum allergrößten Teile keine sogenannten Authentischen.Berichte, dagegen weisen die englischen und französischen Blätter auf deutsche Zeitungen vom Schlage de» „Berliner Tageblatts" And der „Meli am Montag" als ihre Quelle hin. {Der „Terrorismus" und die „unerhörten Bruta- ■ slitäten der Polizei" sind da die häufigsten Bezeichnungen, und manche Mütter erklären auch frisch und frei nach dem Muster deutscher Blöt- jter, daß die Krawalle mit bewußter Abficht von der Polizei angestiftet seien. Man wolle auf Seiten der Regierung in Preußen eben Blut sphen, und es sei wahrhaftig kein Wunder, daß das unterdrückte und dann noch gereizte Volk bei einer solchen Gelegenheit schließlich die Geduld verlöre.
Es ist doch empörend, daß es deutsche Blätter sind, die dem Auslande die Ansicht suggerieren, als ob Deutschland und im besonderen Preußen reif zur Revolution seien. Auch aus Rußland kam uns gerade jetzt die Anfrage, ob es denn tatsächlich der Wahrheit entspräche, daß der große gewaltsame Ansturm der Sozialdemokratie, der r* fc bevorstände, nicht mehr abzuwehren sei.
Vielleicht wäre der Einwand am Platze, es könne uns gleichgültig fein, was das Ausland von uns denkt, aber das ist grade in diesem Falle doch nicht ganz zutreffend. Wir haben fteilich nicht nötig, uns vom Auslande ein Zeugnis auf gutes Betragen ausstellen zu lassen, und von dieser Seite betrachtet, ist es tatsächlich recht gleichgültig, welches Urteil man in dieser Beziehung von uns hat. Auf der andern Seite jedoch muß bedacht werden, daß die unwahren und entstellenden Schilderungen linksfreistnniger deutscher Blätter dem Auslande eine ganz unrichtige Vorstellung geben von der Festigkeit des Gefüges des preußischen Staates und damit des Deutschen Reiches. Je mehr man dort beides er« schüttelt glaubt, desto ungünstiger kann die Rückwirkung auf die internationalen Beziehungen des Deutschen Reiches sein. Wenn jemand dagegen einwendet, es fei kein Unglück, daß man uns für schwächer hielte als wir waren, so ist das unter dem Gesichtspunkte des Krieges nur dann richtig, wenn der Krieg sowieso vollkommen un-
geschnittenes Gesicht war bartlos und von grau melierten dünnen Haaren umrahmt. Aus seinen hellen stechenden Augen flog ein prüfender, abwägender Blick zu dem glänzenden Offizier hinüber.
Hans Rochus reichte ihm die Hand.
„Ich danke Ihnen, daß Sie geblieben find, lieber Herr Ravenpori."
Peter Ravenport räusperte fich diskret. „Das wäre auch ohne Ihre Bitte geschehen. Ich habe Sachen von Wichtigkeit mit Ihnen zu besprechen."
Hans Rochus schob ihm mit einladender Bewegung einen Stuhl hin und bot ihm Zigarren an. Peter Ravenpori ließ fich nieder, dankte jedoch für ine Zigarren.
„Ich rauche nie, Herr Graf." ■ ■
„Ah so — pardon — ich vergaß."
Hans Rockms stellte die Zigarren wieder fort. Vor innerer Erregung schauerte er wie im Frost zusammen. Mit einem freudlosen, müden Blick über den winterstarren Schlosspark ließ er sich am Fenster Ravenport gegenüber in einen Sessel gleiten.
„Also die leidigen Geschäfte, mein lieber Herr Ravenport. Wie immer ist der langen Siebe kurzer Sinn: Ich brauche Selb — möglichst viel. Die Beisetzungsfeierlichkeiten haben wieder eine große Summe verschlungen. Ich konnte mit aber nicht versagen, meinen Vater auf feinem letzten Wege noch einmal mit all bem Glanz zu umgeben, bet ihm ßebensbebingung war."
„Unb Ihnen, Herr Graf? War dieser Glan; nicht auch Ihnen ßebensbebingung?“ fragte Rav-n- port mit einem eigentümlich forschenden Blick.
Hans Rochus stieß einen tiefen Seufzet aus.
„Ich habe nie ein anderes Leben kennen gele nt. Manchmal tarnen mir ernste Gedanken an die Zukunft, und ich versuchte, meinen Vater zu einer anderen Lebensführung zu bekehren. Aber Sie könn en
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bezogen 3.25 M (ohne Bestellgeld), bei unseren Zeitungsstellen unb bet Expedition <Mar« 21), 3.00
Die Moabiter Straßenkrawalle vor / v. Gericht.
Berlin, 6. Jan.
Sofort nach Eröffnung der heutigen Sitzung nimmt der Erste Staatsanwalt Steinbrecht das Wort, um in feinem Plädoyer fortzufahren: Er geht fortlaufend die Straftaten der einzelnen Angeklagte« durch und beantragt Strafen von 2 Jahren 6 Mon. Gefängnis. U. a. beantragt er gegen den Ange- klagten Bock, bet den Schutzmann Koppe durch einen Messerstich schwer verletzte und einem zweiten Beamten ebenfalls einen Stich versetzen wollt«, ange- stchts feinet 6 Vorstrafen 2 Jahre 6 Monate Gefängnis. Gegen den Angeklagten Treibe werden 1 Iaht 8 Monate Gefängnis beantragt. Der Staatsanwalt führt hierzu aus, daß dieser Ange- ttagtt ein fleißiger Mann sei, bet viel gelesen habe, vielleicht zuviel, denn die Lettüte habe ihn aufgeregt und verbittert. Man könne sagen, der junge Mensch sei nicht mehr zu bessern; vielleicht tue aber eine hohe Strafe Wunder. Die mildeste Strafe von 2 Wochen Gefängnis beantragt der Staatsanwalt gegen Frau Giese, die fich durch eine Schutzmannskette durchdrängen wollte. Gegen Frau Sattler beantragt der Staatsanwalt, weil fie „Bluthunde" gerufen, 2 Monate Gefängnis, gegen deren Tochter wegen Mangels an Beweisen Freisprechung. Allen Angeklagten soll die Untersuchungshaft ange« rechnet werden. Staatsanwalt Stelzner geht ebenfalls auf den allgemeinen Teil der Anklage ein und schildert ausführlich die Notwendigkeit der scharfen Mittel der Polizei vom 27. September an. Die Verteidigung habe den Versuch gemacht, die Arbeitswilligen als Gesindel hinzustellen; dieser Versuch fei aber mißglückt. Der Staatsanwalt beantragt dann die Strafen gegen die noch testierenden Angeklagten, die sich zwischen 14 Tagen Gefängnis und 1 Iaht 6 Monaten Gefängnis bewegen. So lautet bet Antrag gegen ben Angeklagten Eisen- reich, bet bet Sekte der Marmoren anzehört, auf 9 Monate Gefängnis, gegen ben Schlosser Weiß, bet
Die Jnsertionsgebühr beträgt für bte 7gespaltene Zelle oder deren Raum 15 cf, bei auswärtigen Inseraten 20 <■)>, für Reklamen bie Zeile 40 4. Bei Wiederholungen entsprechender Rabatt. Jeder Rabatt gilt alS Barrabatt — Für Inserat«, bei denen bet Auftraggeber in bet Erped. mitgeteilt »erben soll, wird eine Gebühr von 10 Pfq. erhoben. — Druck der Univ. »Buchdrucker«! I. A. Koch, (Inh.: Dr. Hitzeroth.) Mark 21, — Telephon 55.
Deutsches Reich-
— Drr Kaiser beim Minister des Innern. Berlin, 5. Jan. Der Kaiser folgte abends einer Einladung des Ministers des Innern zu einem Diner, zu dem auch die hier anwesenden Ober- präsidenten geladen sind.
— Freiherr Richard König f. Stuttgart, 5. Jan. Dem „Schwab. Merkur" zufolge ist der Freiherr Rich. König von Warthausen, Ehrenmitglied zahlreicher gelehrter Gesellschaften, von 1862 bis 1894 Ritterschaftliches Mitglied der Zweiten Kammer, heute, 80 Jahre alt, gestorben.
— Die Landtagsersatzwahl in Stolp. Stolp, 5. Jan. Bei der heutigen Landtagsersatzwahl wurde Landrat v. Bruening (konservativ) mit sämtlichen 497 Stimmen wiedergewählt.
— Das Enteignungsgesetz. Berlin, 5. Jan. Die „Rordd. Allg. Ztg." schreibt: Die „Reue Ge- sellschaftliche Korrespondenz" behauptet, es stehe fest, daß in der Ostmarkenpolitik das Entetg- nungsgesetz nicht zur Anwendung gelange. Diese Nachricht ist selbstverständlich falsch. Die Staatsregierung trifft keine allgemeine Entscheidung, durch welche ein von ihr selbst herbeigeführtes Gesetz annulliert wird. Beschlüsse über spezielle
MchW KW mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain unb ben Beilagen: „Nach Feierabend", „Fürs Haus" unb „Landwirtschaftliche Beilage.