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Gberhclsttche Zeitung" erscheint täglich mit Ausnahme NN. und Feiertage. Der Bezug spreis betragt mertel-

Die

46. Jahrg.

an dem Bündnisse keine feindliche Spitze gegen I fahrung in Jena, der freiesten Universität ob- . .... __ " , . <«___jl hott hnrHiton 190 Daren ten alle ttt

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Die Jnsertionsgebühr be.trägt für die 7gespaltene Zeile oder deren Ranm 15 4, bei auswärtigen Inseraten 20 4, für Reklamen die Zeile 40 4. Bei Wiederholungen entsprechender Rabatt. Jeder Rabatt gilt als Barrabatt Für Inserate, bei denen der Auftrag­geber in d« Exped. mitgeteilt werden soll, wird eine Gebühr von 10 Pfq erhoben. Druck der Univ. - Buchdruckerei >. A. Koch, (Inh.: Dr. Hitzeroth.) Mark 21, - Telephon 55._________

Staatsanwaltschaft und der Gerichte gelegt werden. Die Staatsanwaltschaft wird von Amtswegen brr allen erforderlichen Nachforschungen vorgehen und ohne irgendwelche Unkosten für diejenigen welche Ansprüche erheben. Man wird diesen sechs MonUen Frist für die Geltendmachung ihrer Ansprüche be­willigen. Sobald die Staatsanwaltschaft überzeugt ist, baß ihre Ansprüche begründet sind, wird ste die Betreffenden in den Besitz überweisen. In dem Falle, in welchem die Staatsanwaltschaft die Eigen- tuinsansprüche auf Grund der gepflogenen Er­hebungen betreibt, wird es genügen, daß die Jn- tereffenten, um ihre Ansprüche bei dem Gedichte wei­ter zu verfolgen, einen Kostenvorschuh hinterlegen, der ihnen zurückgezahlt wird, wenn sie obsiegen. Die vorläufige Regierung denkt nicht im geringsten daran, sich Privateigentum anzueignen, das irgend Jemanden gehört, der im Dienst der Kloster­kongregationen gestanden habe Eine solche Be­schlagnahmung von Privateigentum würde auch nicht den Absichten, streng rech! i6) vorzugehen, entsprechen. Die vorläufige Regierung will sich auch nicht ein­mal böswilligen Verdächtigungen dieser Art aus- setzen und hat sich daher weder die Prüfung der Ansprache, noch die Entscheidung der Rechtstitel Vor­behalten, sondern hat gewissenhaft die Gerichte hier­mit betraut.

eine dritte Macht zu geben gedenke. Zn noch ent­schiedener Weise wurden die Franzosen dieser Tage über die englische Auffassung von derEn­tente" aufgeklärt. DieDaily News" erklärten auf Grund einer französischen Anzapfung, Eng­land denke gar nicht daran, dieEntente" so auf- zufasien, daß es sich zum Schleppenträger fran­zösischer Wünsche und Gelüste machen laste, vor allem laste es sich nicht ineinenKampfmit Deutschland verwickeln; vielmehr hoffe man auf eine vollständige und intime Verständi­gung mit Deutschland. Wohl sind dieDaily News" nicht das ausgesprochene Organ des eng­

lischen Ministeriums des Aeußeren, aber sie find das älteste und angesehenste Blatt der regieren­den liberalen Partei und darum fällt die Stimme dieses Organs ins Gewicht.

Den französischen Lohgerbern sind die Felle, die sie Anderen zu gerben gedachten, wegge­schwommen. Ohne die Gewißheit englischer und russischer Unterstützung mit uns anzubinden wer­den sie sich wohl hüten. Daran dürfte sich auch nichts ändern, wenn Paul Deschanel, genannt derschöne Paul", wieder eine größere Rolle spielen sollte, sei es als Kammerpräsident mit Ausblick auf die Nachfolge für Herrn Fälliges, sei es als Minister des Aeußeren anstelle des Herrn Pichon. Deschanel ist so eine. Art Zivil- Voulanger, aber selbst er dürfte durch seine Eitelkeit nicht so verblendet sein, das Kräftever­hältnis zwischen Deutschland und Frankreich falsch einzuschähen. Er würde sich wohl mit klei­nen Chikanen gegen uns begnügen und auch da­rin dürfte ihm Herr von Kiderlen-Wächter bald das Handwerk zu legen wisten.

So hat sich unsere äußere Politik im Zahre 1910 so gestaltet, daß wir die Hoffnung hegen dürfen, fortab ohne unliebsame und aufregende Zwischenfälle die Politik treiben zu können, die uns allein zusagt: eine Politik des Friedens, aber des F r i e d e n s i n E h r e n.

wohl von den dortigen 120 Dozenten alle in Kirchenfragen so dächten wie er, sei doch außer ihm keiner aus der Landeskirche ausgetreten. Der echte Haeckel. Ob sich aber die anderen Her­

ren etwas derartiges bieten lasten?

Wozu der Hansabund nach der Meinung der Freisinnigen da ist. Berlin, 30. Dez. Die Freisinnige Zeitung" beschäftigt sich in einem langen Leitaufsatze mit den Aufgaben des Hansa- bundes und kommt dabei zu dem Ergebnisse, der Hansabund müste seine Tätigkeit im wesentlichen darauf richten, die bürgerlich-liberalen Parteien nach Kräften zu fördern; in die Stichwahltaktik dürfe der Bund sich nicht mischen; das sei aus­schließlich Sache der politischen Parteien. Das heißt also mit anderen Worten, der Hansabund darf der Sozialdemokratie nicht in die Flanke fallen.

ließ sich vernehmen. Heinrich der Dritte vermochte sich dies nicht zu erklären, denn eben hatte er sie doch noch schlagen hören, ganz deutlich zehnmal Freilich, eine Taschenuhr, die schlug, hatte noch nie­mand gesehen, aber war dies denn überhaupt eine Taschenuhr? Dazu erschien sie denn doch etwas zu groß, und auch ihre ganze Beschaffenheit entsprach dem Begriff einer solchen nicht. Und warum hatte sie gerade zehnmal geschlagen? Die große Uhr am Schloßturm, die noch ein Werkmit der Waag" hatte, wies erst dreiviertel auf sieben. Ferner wo kam die Uhr her? Mer hatte sie ins Schlafgemach des Königs getragen? Niemand im Schlosse wußte etwas von ihr. Kurz, sie gab Rätsel über Rätsel auf.

Der König ließ den geschicktesten Mechanikus der Stadt kommen und legte ihm die Uhr zur Begut­achtung vor. Dieser untersuchte sie sorgfältig und gab dann sein fachmännisches Urteil' ab dahin, daß es eine Weckeruhr sei von der Art, wie achlundfünfzig Jahre früher, also 1530, bereits eine für den Mailänder Rechtsgelehrten Andrea Alciata konstruiert worden war. Immerhin unterschied sie sich von jener doch beträchtlich, und auch der Mechanikus konnte sich nicht erklären, warum sie nur eine Ziffer hatte und warum sie nicht ging. Allerdings fing sie an zu ticken, als er an der Kette zog, aber der Zeiger wollte dessen ungeachtet nicht weiterrücken.

Indessen verfloß der Tag und auch die ihm folgende Nacht. Am anderen Morgen wurde dem König eine furchtbare Nachricht überbracht der Herzog von Euise war am vorhergehenden Tage er­mordet worden, und zwar Bormittags um 10 Uhr' Mit zehn Schlägen hatte die geheimnisvolle Uhr Heinrich den Dritten au» dem Schlafe geweckt i Ueberzeugt, daß es mit ihr irgend eine mysteriöse,

schauerliche Bewandtnis haben müsse, wollte er sie vergraben oder vernichten lassen, aber der vorer­wähnte Meckanikus redete ihm im Hinblick darauf, daß es doch schade wäre, ein so seltenes und interessantes Kunstwerk zu zerstören, diese Absicht aus. So wurde die Uhr denn in ein selten benutz­tes Prunkzimmer gestellt und nur besichtigt, wenn Fremde anwesend waren, die sich neugierig zeigten, sie zu sehen. Bei solchen Gelegenheiten erwies es sich, daß der Zeiger doch nicht stillstand, sondern sich sehr, sehr langsam fortbewegte.

Es war am Snlvesterabend, als Heinttch der Dritte mit einer Anzahl Gäste in eben jenem Prunk­zimmer saß, in dem sich die Uhr befand und sich von seinem buckligen Hofnarren Fortimbras, wegen seiner zarten, hohen Stimme auch il merlotto das Amselchen genannt, mit zotigen Späßen die Schwermut vertreiben ließ. Plötzlich suhr er auf, jener silberne klingende Ton, wie er ihn vor zehn Tagen vernommen, war an sein Ohr gedrungen, ihm folgten noch elf Schläge; die unheimliche Uhr hatte die Mitternachtssttinde, die das alte vom neuen Jahr trennte, geschlagen und zwar als der Zeiger genau mit der Spitze auf die Mitte der römischen Zwölf wies.

Am nächsten Tage wurde abermals der Mechanikus herbcizittert und nunmehr erklärte die­ser, daß die Uhr eine Weckuhr mit einjährigem Umlauf sei, die vermöge ihrer Konstruktton nur ein einziges Mal im Jahr, in der Mitternachtsstunde des abschiednehmenden Jahres, schlug. Diese An­sicht wurde durch die Erfahrung, wie durch das Urteil fremdländischer Uhrmacher und Mechaniker bestätigt, überhaupt klärte sich im Verlauf das ganze Geheimnis, welches die Uhr umhüllte, auf. Die letztere war die Arbeit eines Eremoneser Uhr­machers, der st« hergestellt hatte, um dem König ein

Geschenk damit zu machen. Er bildete sich ein, der Erfindung des Perpetuum mobile auf der Spur zu

I fein, aber da er nicht die Mittel besaß. seine Ideen zur Tat werden zu lassen, so hoffte er sie durch den

I französischen König, dessen Liebhaberei für I mechanische Spielereien ihm bekannt war, zu et* I langen; um ihn feinen Wünschen günstig zu stimmen, I verfertigte er für ihn jene Uhr. Da es ihm aber I nicht gelang, eine Audienz beim König durchzu.

I setzen, wußte er sich auf geschickte Weise, unbemerkt I von der Dienerschaft, in das Schloß und das könig- I liche Schlafzimmer zu drängen, wo er fein Geschenk I auf einen Tisch stellte. Er nahm sicher an, daß er I infolge des Aufsehens, welches es Hervorrufen mußte, die Möglichkeit finden würde, beim König

1 vorgelassen zu werden. Diese Hoffnung wurde in­dessen durch die Ermordung des Herzogs von Euise,

I die noch am 23. Dezember allgemein bekannt wurde, I während man ste Heinrich dem Dritten einen Tag I lang verbarg, vereitelt, indem man keinen llnbe- I kannten, und am wenigsten einen Ausländer, zum König ließ. Der Italiener mußte, schwer enttäuscht, nach seiner Heimat zurückkehren, wurde aber nach etwas länger als einem Jahr wieder nach Patts

I entboten, weil deutsche Mechaniker ihn dem König I als mutmaßlichen Schöpfer des Kunstwerks nannten.

I Was jedoch den Umstand anbetraf, daß die Uhr am I 23. Dezember Morgens den König mit zehn Schlägen I geweckt hatte, so behauptete er, daß dies eine Unmög- I lichkeit fei und daß Seine Majestät sich getäuscht haben müsse. Die Uhr könne, so sagte er, in Anbe­tracht ihrer Konstruktton gar nicht weniger al, zwölf Schläge hintereinander und diese auch nut

I einmal im Jahr in der Nacht des 31. Dezembers schlagen. Die Tatsache aber ließ sich nicht aus bet

! Welt schaffen, daß um 10 Uhr an jenem Morgen., | an dem der König bie zehn Schläge vernommen

Deutsches Reich.

Alkoholfreie Kaifersgeburtsfeier. Zm Sinne der Ansprache, die der Kaiser bei der Ein­weihung der neuen Marine-Schule in Flens­burg-Mürwik an die Fähnrichs zur See über den Alkoholmißbrauch gehalten, beschloß die in Flensburg garnisonierende 4. Kompagnie des Füsilier-Regiments Königin Nr. 88, die Kaisers­geburtstagsfeier im Euttempler-Logenhause al­koholfrei zu begehen.

Professor Dr. Haeckel und die Jenaer Pro­fessoren. Berlin, 30. Dez. Nach einem Bettchte desBerliner Tageblattes" soll der bekannte Prof. Dr. Haeckel jüngst gesagt haben, mit dem öffentlichen Austritte aus der Landeskirche habe es feine Bewandtnis; er wisse das aus feiner Er-

Stadtverordneten-Sitzung.

Marburg, 30. Dez.

Als ersten Punkt der heutigen nachmittags um 4 Uhr begonnenen Stadtverordnetenver­sammlung hatte manVertrauliches" angesetzt. Die Presse war gebeten, mit Rücksicht daraus erst um 5 Uhr zu erscheinen. Man wurde jedoch auf eine sehr harte Geduldsprobe gestellt; denn es war bereits V2* Uhr als die Oeffentlichkeit wie­der hergestellt wurde.

Zuerst wurden die Ersatzwahlen der 1. und 2. Klasse für giltig erklärt und man kam dann zu Punkt 6Erlaß eines Ortsstatuts zum Schutze bet Stadt Marburg gegen Verunstaltungen". Be­richterstatter war Herr Zustizrat Rohde, der in längeren Ausführungen die Beschlüsse der Kom­mission darlegte.

Bei dieser Gelegenheit sei auf ein Mangel hingewiesen. Es ist ja bereits in der gestrigen Stadtveror- retenversammlung erklärt worden, daß, wenn diese Vorlage auch seitens des Ma­gistrats die Genehmigung gefunden hat, bevor sie nochmals der Stadtverordnetenversammlung zur Beratung vorgelegt wird, diese der Oeffent- lichceit unterbreitet werden soll. Es ist aber wünschenswert, daß der Presse ebensogut, wie je­dem Stadtverordneten, jede einzelne der zu be­ratenden Vorlagen zugestellt wird, damit der Presse ihr Berichterstatteramt erleichtert oder vielmehr überhaupt erst ermöglicht wird. Denn so, wie die Sache heute liegt, daß, wenn der Be- . richterstatter die Paragraphen durckaeht und diese nur der Reihenfolge nach erwähnt, ohne.

(Nachdruck verboten.)

Die NeuMrsuhr.

Bon M. Kassak.

Es war am Morgen des 23. Dezember 1588, als der König Heinrich der Dritte von Frankreich durch einen Hellen, klingenden Ton, der dem Aufschlagen eines silbernen Hammers auf einen hohlen Gegen­stand aus dünnem Silber ähnelte, aus unruhigen Träumen aufgeweckt wurde. Diesem Tone folgten noch neun weitere gleiche rasch aufeinander. Der König schlug die Augen auf und forschte nach der Ursache des seltsamen Geräusches, ohne sie finden zu können. Endlich klingelte er nach seinem Kammer­diener, bet gleichfalls in dem Gemach herumsuchte und endlich auf einem Tischchen eine reizende Uhr entdeckte. Sie war etwas größer als bie Taschen­uhren, deren erste vollkommenere ums Jahr 1500 von Peter Henlein angefertigt worden, und wurde wie diese durch Schweinsborsten getrieben, die da­zumal noch an Stelle der Feder dienten. Ihr Ge­häuse bestand aus Gold und Rtello, mit echten Peilen und edlen Steinen reich verzieh und besaß eine Vorrichtung, vermöge deren man die Uhr so­wohl flach hinlegen, als auch schräg ausstellen konnte. Ein daran hängendes Eoldkettchen mit einem Klöppel daran, hatte den Zweck, die Uhr da­mit aufzuziehen. Das Merkwürdigste an ihr aber war doch ihr aus Silber verfertigtes, mit feinen eingravierten Arabesken geschmücktes Zifferblatt, auf dem sich nur eine einzige Zahl, die Zahl 12 in römischen Ziffern befand; diese stand oben in der Mitte, der Zeiger aber wies auf eine leere Stelle, nicht weit von der Zwölf entfernt. Nicht minder als das Fehlen der übrigen clf Zahlen überraschte den König der Umstand, daß bie Uhr nicht ging. Er hielt Re ans Ohr kein noch ko leise» Ticken

Ausland.

* Frankreichs Einnahmen aus bet Erbschaft»- I steuer. Paris, 30. Dez. Nach einem Bericht des I Finanzministeriums belief sich die Zahl der Erb- I schäften im Jahre 1909 auf 379 418 mit einem Aktiv- I gesamtbetrag von rund 5 740 000 000 Franks. Die I hiervon bezahlte Erbschaftssteuer betrug über 270 I Millionen. |

** Streik in Barcelona. Ser bete, 30. Dez. Da I die Hafenarbeiter in Barcelona aus Solidarität mit I den Kohlenausladern den Eeneralausstand erklärten, I ist der Durchgangsverkehr lahmgelegt. Die Waren I bleiben infolgedessen im Hafen und auf den Bahn- I Höfen liegen. Gendarmerie patrouilliert in den I Straßen. I

** Die Republik Portugal. Patts, 30. Dez. Der | hiesige portugiesische Geschäftsträger erklärte einem I Berichterstatter, er habe von seiner Regierung heute I Morgen mehrere Depeschen erhalten, denen zufolge I bie Lage in Portugal durchaus ruhig sei. Die alar- I mietenden Gerüchte dürsten aus Madrid oder Lon- I bon stammen, wohin sich zahlreiche Anhänger des Königshofes geflüchtet hätten. Die portugiesische Regierung stehe zweifellos mancherlei Schwierig­keiten gegenüber. Die republikanische Pattei sei ent­zweit und auch im Volke herrsche eine gewisse Un­zufriedenheit. Unter den Arbeitern bet öffentlichen Betriebe seien Ausstände ausgebrochen, doch dürften dieselben dank des Einschreitens der Regierung bald beigelegt sein. Die Republik fei keineswegs bedroht. I Lissabon, 30. Dez. Die Reserven des in Madeira 1 liegenden 27. Infanterieregiments wurden zur Sicherung der Ordnung auf bet Insel einberufen. Berlin, 30. Dez. Die hiesige portugiesische Eesanbt- schast teilt mit: Die vorläufige Regierung bet portugiesischen Republik hätte nach Auflösung ber Klosterkongtegattonen angeregt, baß sofort zur Auf­stellung einer Liste bet Güter, welche diese in Be sitz hätte, geschritten werde, um sie zu schützen und ste dann dem rechtmäßigen Eigentümer zu übergeben. Zu diesem Zwecke und um die Prüfung dieser Be- sihtechte und vollste Unparteilichkeit zu sichern, wird die Zubilligung dieser Güter in die Hand der

Marburg

Sonntag, 1. Januar 1911.

Deutschlands äußere Politik im > - Jahre 1910.

Blich unsere innere Politik im Zahre 1910 einem 365 Tage währenden Winter unseres Mißvergnügens, so wichen in ber äußeren Poli­tikWinterstürme bem Wonnemond".

Jahrelang waren unsere außerpolitischen Verhältnisse wenig erfreulich, zeitweise sogar drohlich. Die Verschiebung ber europäischen Konstellation zu unserem Ungunsten war teils barauf zurückzuführen, baß unsere auswärtige Politik von Männern von geringer Tatkraft unb Energie, wie Richthofen, Tschirschky unb Schoen geleitet wurde, teils darauf, daß sie in anderen Staaten von Männern von wenig freundlicher Gesinnung gegen uns gemacht wurde, so in England vom König Eduard, in Rußland von Zswolsky.

Das Zahr 1910 brachte nun in beiden Hin­sichten für uns eine Wandlung zum Besseren. Im Sommer des Jahres übernahm Herr von Kiderlen-Wächter das Auswärtige Amt, ein Mann, dem auch seine Gegner die Anerkennung der Tüchtigkeit und Energie nicht versagen kön­nen. Er mag nicht ganz in die Bismarckschen Kürassierstiefel hineinpassen, aber er verschmäht erfreulicherweise die Schoenschen Sanftpfötchen. Daß der als wackerer Schwabe sich nichtforcht", hat er im Reichstage bewiesen, als er mit gro­ßer Offenheit erklärte, die von anderer Seite be­gangene Indiskretion in der marokkanischen Bergwerksfrage habe auch die deutsche Regierung der Pflicht der Diskretion entbunden.

Des weiteren war uns der englische Thron­wechsel und der Rücktritt Iswolskys von Nutzen. König Georg von England unb bet neue russische Minister des 2Ierr' . Sassanow sind nach Stel­lung unb Charaku .oiß verschieden, aber eins haben sie gemeinsam: sie sind Männer ihrer Nation und frei von ränkespinnenbem Kosmo­politismus.

So ist es begreiflich, baß unsere Beziehungen getabe zu biefen betben Länbern sich ganz wesent­lich gebessert haben. Wohl behält Rußland sein Bündnis mit Frankreich bei, England seine so­genannten Entente mit Frankreich und Rußland, aber weder England noch Rußland denken daran, sich den Franzosen zuliebe auf kriegerische Aben­teuer gegen Deutschland einzulassen. Als die Franzosen sich nach bet Potsbamet Mon­archenbegegnung, bie wertvollere Resul­tate gehabt haben bürste, als so manche onbete Fürstenbegeanung. sehr nervös zeigten, wurden ihnen von Petersburg aus zwar beruhigende Versickerungen über das Festhalten Rußlands

MMnit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain

(<?/( unb den Beilagen:Nach Feierabenb",Fürs Haus" unbLandwittschastlrche Verlage.

ber Sonn* unb Feiertage. - Der Bezug sp s betragt merker- jährlich burch bie Poft bezogen M5 (ohne Bestellgelds bei unseren Zeitungsstellen unb der Expedrtton (Markt 21), 2.00 -* frei ins Haus. (Für unverlangt zugesandte Manuskrrpte über- nimmt die Redaktion {einerlei Verantwortung.)

Marburg, Markt 21. Telephon 55. __________

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