4tz. Iahrg.
Jahr nun
auch arm
unsere Zeit bedarf junger
nichts als Utopien
Gruft, unter ihnen Männer, die Dernburg, denen man, wie man ihnen stehen mag, hervorragende absprechen kann. Die aus dem
des Blocks schallende
Rheinbaben und auch politisch zu Fähigkeiten nicht Amte scheidenden
und der Gewitter-
Männer, die Muskeln von Stahl laben. Wir haben Weihnachten vor uns. Wenn einer voll Ihnen nicht weih, was er seinen iKndern sch nken soll, nun so möge er Säbel, Helme und Flinten wählen." Darüber erhoben linksliderale Blätter in Süddeutschland ein großes Lamento, und französische
reform, die Zertrümmerung Sturz Bülows wie weithin schlage wirkten.
War das zu Ende gehende
hohen Staatsbeamten wurden teilweise durch völlig neue Männer ersetzt. Der Ministerwechsel hatte nicht die Wirkung, die Mihhelligkeiten zwischen der Rechten und der Linken zu beseitigen.
Den Vorteil von diesem Hader zwischen den Konservativen und den Liberalen hatte vor allem
an die Gemüter tief erschütternd n Ereignissen, so iroar es umso reicher an kleineren wenig erfreulichen Vorgängen. Es setzte gleich ein mit der preußischen Wahlrechtsvorlage, der die seltene Gabe eignete, keiner Partei zu gefallen und der deshalb, als sie nach monatelangem Gezänk vor und Verhandlungen hinter den Kulissen in der Versenkung verschwand, keine einzige Partei nachtrauerte.
Der preußischen Wahlrechtsvorlage folgten alsbald einige Minister und Staatssekretäre in die
Politische Umschau.
Ein Weihnachtsgeschenk.
Generalleutnant von Deimling, der dem deutschen Volke vom südwestafrikanischen Kriege her so wohl bekannt ist, hat vor kurzem zu Freiburg im Breisgau den alten Soldaten eine Ansprache gehalten, die seinerzeit an der Belagerung von Belfort beteiligt waren. Er sagte u. ft.: „Der ewige Weltfriede und die Friedensbewegung stellen eine wirkliche Gefahr dar. Die pazifizisti'chen Ideen seien
benutzen, um die zahlreichen hiesigen geschicht- lichen Denkmäler kennen zu lernen.
— Die Reise der Kronprinzessin. Assuan, 28. Dez. Die deutsche Kronprinzessin ist, nachdem Assuan am 26. Dezember auf dem Nildainpfer „Mayflower" verlassen hat, in Abusinobel eingetroffen und besichtigte die Tempelruinen.
— Der Nachfolger Stemrichs. Der Unterstaatssekretär im Auswärtigen Amt, Sternrich, dürfte im Laufe des Januar seinen Abschied erbitten und erhalten. Als sein möglicher Nachfolger war jüngst in einer durch die Presse gehenden Meldung der Gouverneur Solf genannt worden. Von einer wohlunterichteten Stelle wird der Täglichen Rundschau im Gegensatz zu dieser ja an sich schon sehr wahrscheinlichen Lesart mitgeteilt, daß mit ziemlicher Sicherheit die Ernennung des Wirkt. Geh. Leg.-Rats Zimmermann zum Unterstaatssekretär an die Stelle Stemrichs zu erwarten fei. Herr Sternrich selbst hat gelegentlich den Namen Zimmermann als den feines mu+^afdiräen Nachfolgers ausgesprochen.
— Die Beisetzung des Grafen Ballestrem. Breslau, 27. Dez. Wie die „Schlesische Volkszeitung" erfährt, ist der Präsident des Reichstages Graf Schwerin-Löwitz zu feineln Bedauern wegen einer starken Erkältung außer stände, der Beisetzung des Grafen Vallestrem beizuwobnen. Seine Vertretung wird der zweite Vizepräsident des Reichstages Schultz übernehmen. Die Verwaltung des Reichstages wird durch den Direktor beim Reichstage Geheimrat Jungheim vertreten werden.
— Landtagsabgeordneter v. Seucken t» Königsberg i. Pr., 28. Dez. Der Landtagsabgeordnete für den Wahlkreis Königsberg 4 v. Seucken- Leschen (Konservativ) ist auf seiner Besitzung Eemthenen gestern gestorben.
— Die Beilegung des Professorenstreite«. De, Rektor der Universität Berlin erläßt am schwär gen Brett folgenden Anschlag:
Nachdem die von mit im Einvernehmen mit den Herren Ordinarien der Staatswissenschaften zur Prüfung der zwischen ihnen schwebenden Streitigkeiten eingesetzte Kommission ihr gutachtliches Urteil abgegeben bat, haben die Parteien Erklärungen ausgetauscht, nach welchen
Herr Prof. Dr. Bernhard auf Grund der ihm gewordenen Informationen anerkennt, daß feine älteren Fachgenossen ihn in seiner Lehrtätigkeit nicht haben ungebührlich beschränken wollen, und die auf Grund dieses Irrtums ausgesprochenen Beschuldigunoen sowie die im Kolleg von ibm getanen Aeuße- rungen, soweit sie Vorwürfe aegen sein- Nach- genossen enthalten, zurücknimmt, auch versichert, daß et den in bet Ptesse anonym et« schienenen ehrverletzenden Angriffen gegen seine Fachgenossen fetnstebt;
Deutschlands innere Politik im Jahre 1910.
Das Jahr 1910 trug in der inneren Politik Deutschlands nicht den katastrophalen Charakter, wie sein Vorgänger, in dem der Kampf um die Finanz-
die Soziademokratie. Es gelang dieser Partei bei den zahlreichen Reichstagsersatzwahlen eine stattliche Anzahl von Wahlkreisen zu gewinnen, darunter solche mit vorwiegend ländlicher Bevölkerung, die nie vorher im Besitze der Sozialdemokratie gewesen waren.
Da ihr Ucbermut durch bie fortgesetzten Wahl- rrsülge bsgrerslichLriveisr starr g-Lachsci» sie es an Herausforderungen der Regierung nicht fehlen. Den Wahlrechtsdemonstrationen im Winter folgten im Herbst Tumulte in Berlin und an anderen Orten. Zwar suchte die Sozialdemokratie die Verantwottung für diese Unruhen abzulehnen, aber ohne Erfolg.
Die Vorgänge von Moabit hätten sich noch in weit höherem Maße gegen die Sozraldemokratie verwerten lassen, wenn sich nicht auch bei dieser Gelegenheit das Wort eines Sozialistenführers bewährt hätte, daß seine Partei von den Fehlern der Gegner lebe. Mit völligem Mangel an staatsmännischem Blick wurden die Verfehlungen »er Moabiter Unruhestifter zu einem nun schon seit vielen Wochen sich hinschlependen Riesenpro eß zusammengekoppelt, der größtenteils der sozialistischen Partei angehörenden Verteidigern Gelegenheit gab, den Spieß umzukehren und den Hütern der öffentlichen Ordnung die Angeklagtenrolle zuzuweisen. Ueberhaupt haben auch in diesem Jahre wieder verschiedene Prozeße gezeigt, denen Urteil und Verlauf nicht gebilligt werden kann. Wir nennen in dieser Hinsicht außer dem Prozeße in Moabit noch den Bruhnprozeß, den Beckerprozeß und den Breithaupt- prozeß. Alle diese Verhandlungen und ihr Ausgang haben mannigfaches Kopfschütteln hervorgerufen und zwar nicht nur bei nörgelfreudigen Gegnern der Justiz und der Regierung.
So kann man nicht sagen, daß das Jahr 1910 in unserer inneren Politik ein gesegnetes gewesen wäre Leider ist auch der Ausblick auf das neue Jahr nicht verheißungsvoll, denn in diesem werden die Reichstagswahlen stattfinden. Herr von Bethmann- Hollweg hat gesagt, diese Wahlen würden, wie sie auch ausfallen mögen, keine Götterdämmerung bringen. Sicher hat er recht, al er noch sicherer ist es, daß es kein Göttertrank ist, der sich da zusammenbraut, sondern vielmehr ein recht bitteres Tränklein.
Zeitungen erzählen bedeutsam, das sei derselbe General, der schon früher einmal in einer Rede, am Geburtstage Bismarcks, gesagt habe, das deutsche Volk müsse immer sein Pulver trocken halten. Er verlaute, daß die neueste Rede des Generals von Deimling eine Interpellation int Reichstage zur Folge haben werde, diese aber, so bemertt ein Lrutschsriydjjches Blstt ia Frankreich trübselig, werde wohl ohne Erfolg sein. — Das meinen wir auch und glauben deshalb, daß es besser wäre, wenn eine solche Interpellation unterbliebe. Wir können es freilich den friedlichen Herren von der äußersten Linken nachfühlen, wenn sie vor Schauder und Entrüstung beben, daß ein preußischer General den Veteranen von 70 empfiehlt, ihren Kindern Säbel, Helme und Flinten zu Weihnachten zu schenken. Der Blutdurst soll also schon In die zarten jungen Seelen gepflanzt werden. Gräßlich! Wenn man nun gar bedenkt, daß die Kinder dieser Veteranen meist schon erwachsen sind, und die Waffen kindischen Spieles ihren Kindern schenken, dagegen die Mahnung für sich noch ernst nehmen, so muß ja tte Rede des Generals von Deimling die Geist-srichtrmg und die Neigungen von zwei bis drei Generationen in aller- rückschrittlichster Weise beeinflussen. Was ist dagegen, wenn französische Generale, wie so häufig in den letzten Jahren, offen den Rachekrieg gegen Deutschland empfehlen und ein französischer Ministerpräsident —, es war Clemenceau, — dasselbe tut.“
Der Hansabund und die Soziademokratie.
Heber das bekannte Flugblatt des Hansabundes von der Bedeutung des mobilen und immobilen Kapitals ist es zwischen dem Chefredakteur der „Kreuzzeitung", Dr. Hermes und dem Präsidenten des Har fabundes, Dr. Rießer, zu einem Briefwechsel gekommen, in dessen Verlaufe sich Herr Dr. Rießer auch offen über die Stellung des Hansabundes zur Sozialdemokratie Suherte. Er schrieb n A.:
„Völlig unrichtig, ist es, daß der Hansabund die offene Bekämpfung der Sozialdemokratie ablehne Wir sind im Gegenteil davon durchdrungen und haben dem auch in unseren „Mitteilungen vom 1. September und 24. November dieses Jahres klaren und bündigen Ausdruck verliehen, daß die energische Bekämpfung einer Pattei, welche die Grundlagen unserer heutigen Staats- und Wirtschaftsordnung negiert und zerstören will, die unabweisliche Pflicht eines jeden, also auch einer jeden Vereinigung ist.“
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' (Inh.: Dr. Hitzeroth.) Mark 21, — Telephon 55.___________
Deutsches Reich-
— Die Reise des Kronprinzen. Agra, 28. Dez. Der Kronprinz äußerte, nachdem seine Besuche der Eingeborenenstaaten beendet find, den Wunsch, bei seiner Weiterreise von offiziellen Empfängen, außer etwa in Kalkutta, abzusehen. Bereits hier war der Empfang in den einfachsten Formen. Der Kronprinz erschien in Zivil und wurde vom Leutnant-Gouverneur Hewett empfangen. Den Wagen eskortierte eine Schwadron Royaldragons. Der Kronprinz besuchte gleich nach seiner Ankunft das Fort mit den alten Mo- gulpaläften. Er wird den Aufentbalt in Agra
Marburg
Freilag, 30. Dezember 1910.
mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain
und den Beilagen: „Nach Feierabend", „Fürs Haus" und „Landwtttschastliche Beilage.
Die „Gbergeftttche geituna“ erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage. — Der Bezugspreis beträgt viertel- jähttich durch bie Post bezogen 2.25 -* (ohne Bestellgeld), bei unseren Zeitungsstellen und der Expeditton (Martt 21), 2.00 -M frei ins Haus. (Für unverlangt zugesandte Manuskripte übernimmt die Redattion keinerlei Verantworttmg.)
Marburg, Martt 21. — Telephon 55.
-- sRa-bdriu' verboten.)
Christiane Tanner.
Roman von Claire v. Glümer.
«Fortsetzung.)
Der Bttef machte den erwarteten Eindruck. Immer röter wurde Christtans Stirn, immer tiefer die Falte zwischen seinen Brauen, immer fester biß er die Zähne zusammen, mährend er die eng beschriebenen Blätter las und bei jeder versteckten Bosheit das spö tische Aufleuchten in den graublauen Augen der Schreiberin zu sehen, den spöttischen Ton ihrer Stimme zu hören glaubte.
Als er zu Ende gekommen war, warf er das Schriftstück mit einem Flu h beiseite. Wie von Alpdruck befreit, hatte er aufgeatmet, seit er in die Residenz zurückgekehrt roar; hatte sich eingeredet, daß er die Elrnenacher Episode zu ernst genommen habe: daß ihre Nachklänge nach kurzer Zeit verhallt sein würden: daß Onkel Parnim, der Gattin nachgebend, sich dazu verstehen werde, seine Tochter als Christiane Tanner im Verborgenen weiterleben zu lassen. . . und nun dieser Brief, der ihm mit unerbittlicher Schärfe den wahren Stand der Dinge zeigte.
Aber, wenn Melanie glaubte, daß er — ihren perfiden Rat befolgend — die Schlinge, in die er sich verstrickt hatte, nun sie sich lederte, wieder zuziehen werde, sollte sich die superkluge Frau getäuscht sehen.
Nein, er wollte nicht mehr! wollte seine «w tättsche Karriere nicht mit der — wie Melanie sagte — „jämmerlichen Rolle" eines Krautjunkers vertauschen, wollte seinen Erbrechten nicht entsagen. — War Onkel Parnim kleinlich genug, ihm die bisherige Zulage zu entziehen, was lag daran? — Als zukünftiger Majoratsherr von Harthausen mür.e er
Mittel finden, sich über Wasser zu halten, bis er im Hafen einer ebenbüttigen, reichen Heirat vor Anker ging.
Wie hatte er diesen längst entworfenen korrekten Lebensplan aus feiger Nachgiebigkeit für Onkel Parnim aufgeben können? — Nicht einen Tag länger wollte er die schmachvolle Abhängigkeit ertragen. — Heute noch, so schnell Harthausen zu erreichen war, wollte er dem Familientnrannen Äug' in Auge erklären, daß fein Neffe Christian Leopold sich nicht weiter von ihm mißbrauchen lasse.
Oder war s sicherer, ihm schriftlich u sagen, was er hören sollte? — Wenn seine Donnerstimme zu schweigen befahl, wagte so.leicht i iemand weiter zu sprechen — und hatte nicht Melanie geschrieben, daß der Gefürchtete in Elmenach erwartet we-de?
Christian nahm die Vriefblätter wieder zur Hand: richtig, da stand es; der zärtliche Vater begab sich an das Krankenbett feitet Tochter, wenn ihm nicht etwa die Bürgermeisterin die Tür wies. Wie durfte sich ein Parnim — der Harthäuser Parnim — zum zweitenmale solchem Affront aussetzen! Nein, der Mann, der weder seine eigene Würde roch die seiner Angehörigen wahrte, konnte nicht als Haupt eines angesehenen Adelsgeschlechtes gelten.
Ingrimmig auflachend, fetzte sich Christian an den Schreibtisch, ihm das zu sagen. Seine Feder flog über das Papier; alle Bitterkeit, die der junge Mann seit dem Elrnenacher Ballabend in sich angesammelt hatte, kam zum Ausdruck, aller Dank, den er dem Oheim schuldete, war vergessen; er warf ihm Herrschsucht, Selbstsucht, Gewissenlosigkeit vor; erklärte, daß er sein Joch abwerfe, seine Unterstützung nicht länger annehmen dürfe, vor allem die Verlobung löse, die ihm der Onkel — Familiensatzung und -tradition mißachtend — aufgezwungen habe, und schloß mit der Versicherung: die Möglichkeit,
eine Tanner zu heiraten, sei ihm, vor dem Machtgebot des Oheims, nie in den Sinn gekommen
Hätte er gewußt, daß sie eine Halbblut-Parnim sei, würde er sie, trotz ihrer Schönheit, respektvoll vorsichtig gemieden haben.
Sehr zufrieden mit seinem Briefe, schickte ihn Christian nach Harthausen, als Einlage an Tante Karoline, bat sie, ihn dem Onkel — falls dieser abwesend fei — sofort nachzuschicken und, wenn es sie nicht zu sehr belästige, ihren dankbaren Neffen, dem sie immer so viel Güte erwiesen habe, mit zwei Zeilen zu benachrichtigen, wann sie den Gatten zurückerwarte.
Dies halb ins Vettrauenziehen der Tante war ein wohlberechneter Schachzug. — Wie wurde der Verdruß verschärft, den der Brief bereiten sollte, wenn Tante Karoline in ihrer bohrenden Weise nach seinem Inhalt forschte. Daß ihr der Gatte keine genügende Auskunft geben würde, war gewiß; sie mußte sich an den Neffen wenden und sollte ihn bereit finden, ihr gefällig zu sein; mit ihr in Verbindung zu bleiben, konnte unter Umständen nützlich werden.
Schon am nächsten Morgen kam eingeschrieben, von der Hand des Oheims adressiert, Antwort aus Harthausen.
. Lieblich wird's nicht klingen, dachte Christian, während er das Quittungsformular unterschrieb, und bann ärgerte ihn das Herzklopfen, womit er den Umschlag zerriß und die Einlage entfaltete.
Eine Anrede gönnte ihm der Obeim nicht; links in der oberen Ecke stand: „An Christtan Leopold v. Parnim", bann hieß es weiter:
„Dein Brief, den t6 eben erhielt, ist genau so überflüssig wie unverschämt. Du hattest die Der- Ilobung mit meiner Tochter nicht mehr zu lösen, das Ihat sie selbst getan — ich erfuhr es durch Melanie
Northeimb, die dabei ,,ewesen ist. Christiane Hai damit erfüllt, was sonst meine Aufgabe gewesen wäre; Tu bist nicht der Ehrenmann, dem ich das El"." meiner Tochter anvertrauen darf. — Daß zwischen mir und meinem Haus jeder persönliche Verkehr mit Dir für immer au führt, ist selbstverständlich. Die Zulage, die Du bisher von mir erhalten hast, wird Dir auch ferner, d. h. bis Uu meinem Tode, durch den Bankier zugehen. Kannst , Du das Geld, wie Dein Hrief sagt, nicht mehr idf
Dich annehmen, so gib es den Armen. Zurückzuziehen, was ich einmal bewilligt habe, ist gegen meine Anstandsbegriffe.
Christian Konrad von Pcrnim-Harihausen.“ Mit bitterem Auflachen legte Christian da;
Blatt aus der Hand, das allen seinen Vermutungen widersprach. Statt des erwarteten maßlosen Zornes eisige Ruhe; statt des Befehles, die ihm bestimmte Braut zu heiraten, die empörende Erklärung: „Du bist nicht der Ehrenmann, dem ich das Glück meiner Tochter anvertrauen darf!"
Wenn der Hatthäuser etwa meinte, dag Christian Leopold, der doch ein Parnim war, solche Beleidigungen ruhig hinnehmen werde, sollte er sich getäuscht sehen. Was hatte sein Neffe denn getan? Mit einem schönen Mädchen geliebäugelt, das daraufhin törichte Träume genährt hatte . . . Onkel Sittenrichter hatte doch wahrlich Schwereres auf dem Gewissen!
Und der Brief, den dieser gestrenge Herr ,,«n- verschärnt" nannte — schade, daß sich Christtan auf den Wortlaut nicht genau besinnen konnte. — dieser Brief enthielt doch nut die berechtigte Weigerung, einer aufgezwungenen Mesalliance zuliebe Karriere, gesellschaftliche Stellung und Erbrechte zum Opfer ; zu bringen. Und darum sollte er aus Harthause«, seinem künftigen Majorate, verbannt werben? —