mit oem
Mitb den Beilagen: „Nach Feierabend
JS304
Die „Gberhesstsche Iritnng" erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage. — Der Bezugspreis beträgt vierteljährlich durch die Post bezogen 2.25 (ohne Bestellgeld), bei unseren Zeitungsstcllen und der Expedition (Markt 21), 2.00 .* frei ins Haus. (Für unverlangt zugesandte Manuskripte übernimmt die Redaktion keinerlei Verantwortung.) Marburg, Markt 21. — Telephon 55.
Marburg
Donnerstag, 29. Dezember 1910.
Die Insertionsgebühr beträgt für die 7 gespaltene Zeile oder deren Staunt 15 8), bei auswärtigen Inseraten 20 ä, für Reklamen die Zeile 40 c*. Bei Wiederholungen entsprechender Rabatt. Jeder Rabatt gilt als Barrabatt — Für Inserate, bei denen der Auftraggeber in der Exped. mitgeteilt werden soll, wird eine Gebühr von IO Pfg. erhoben. — Druck der Univ. - Buchdruckerei A. Koch, (Inh.: Dr. Hitzeroth.) Mark 21, — Telephon 55.
45, Jahrg.
Zweites Blatt.
Wie die Völker ihr Brot erwerben.
Nationalökonomisch-statistische Skizze.
Von Dr. Curt Rudolf Kreuschner (Friedenau).
Volkszählungen wie diejenigen, die am 1. Dezember in Deutschland stattfand und am Silvestertage in Oesterreich und Ungarn stattfinden wird, haben nicht nur den Zweck, die absolute Einwohnerzahl des in Frage kommenden Staates festzustellen, sond-rn erstrecken sich noch auf viele andere Ermittlungen. Der Staat will wissen, wie die einzelnen Landesteile, die großen, mittelgroßen und kleinen Städte und die Dorfgemeinden zu- oder abgenommen haben und wie sich die Bevölkerung auf die verschiedenen Altersklassen verteilt, ob die Sterblichkeit im Sinken oder Steigen begriffen ist und stellt bet den offiziellen Zählungen noch mancherlei andere Fragen, deren Bedeutung dem Richtfachmann nicht immer sofort einleuchtet.
Eine der wichtigsten und interessantesten Fragen ist diejenige nach der Stellung der Bevölkerung tnt Berufs- und Erwerbsleben. Der Mensch der Gegenwart steht nicht erst an der Schwelle, sondern bereits mitten in einer neuen Zeit voll Göhren und Brausens, die den bereits alt gewordenen wohl meistens nicht gefallen will, die aber wegen der starken Volksvermehrung und der Ausbildung der
Verkehrsmöglichkeiten unvermeidlich ist und zu neuen Gestaltungen der Volkswirtschaft führen muß, in die der Einzelne sich aber wohl oder übel hineinftnden muß, wenn er nicht, wie man zu sagen pflegt, „unter die Räder" kommen will, die ihn mitleidlos zermalmen. In stark bewölkerten Gegenden mit hoch entwickelter Industrie spielt die Landwirtschaft n.cht mehr die fast ausschließlich maßgebende Rolle, die ihr dort seit Jahrhunderten unangefochten zukommt, während sich im landwirtschaftlichen Neuland wie in Amerika dieselbe zu ungewöhnter Blüte entfaltet Die Volksüberschüsie in den Provinzen stürmen den großen Städten zu, wo die Zugewanderten im Handel, im Verkehr und den Fabriken bessere md ihnen mehr zusagende Arbeitsgelegenheit finden oder zu finden hoffen. Eben dorthin sammeln sich auch die ins erwerbfähigste Alter gelangten jungen Mädchen, denen die Gebundenheit als häuslichen Dienstboten nicht zusagt, so daß die Dienstbotennot trotz der gezahlten reichlichen Lö^ne und der im häuslichen Kreise gebotenen persönlichen Sicherheit gegen manche Anfechtungen des Lebens in erschreckendem Maße um sich greift. Kurzum überall Veränderungen und Umwälzungen, deren Bedeutung man erst dann voll erfaßt, wenn man sie an der Hand der neuesten Ergebnisie der Berufszählungen studiert, die in den letzten Jahren in vielen Staaten stattgefunden haben.
Vorauszuschicken ist, daß Vergleiche auf diesem Gebiete niemals den Anspruch auf absolute Richtigkeit, bis zum i-Tüpfelchen erheben können. Bei exotischen Ländern wie China oder Brasilien und
Dienste des aktiven Heeres und der Kriegsmarine standen 3 385 000, im öffentlichen Dienst und den freien Berufen betätigen sich 7 061 000. Von häuslichen d. h. persönlichen Dienstboten wurden 13 987 000 gezählt, und an sonstigen erwerbstätigen 3 477 000 nachgewiesen.
Sehr interessant ist die Beantwortung der Frage, mit wie viel Prozenten ihrer Bevölkerungen die einzelnen Staaten am Erwerbsleben teilnahmen. Es waren erwerbstätig vom 100 d.r Bevölkerung in Deutschland 45.5, Oestereich 515, Ungarn 45.1, Italien 50.1, Schweiz 46.9, Frankreich 51.3, Belgien 45.9, Niederlande 37.8, Dänemark 44.9, in den Bereinigten Staaten 38.4, Rußland dagegen nur 24.9 was sich aus der landwirtschaftlichen Bevölkerung erklärt, die ihre Wirtschaft mit den Kräften der Familienangehörigen betreibt, und in Spanien 39.1. Im allgemeinen ergibt sich bei fast sämtlichen Zählungen, daß die Prozentanteile der erwachsenen Männer im langsamen Steigen begriffen sind. Dem gegenüber steht die erfreuliche Tatsache, daß die Mahnungen der Hygieniker und Nationalökonomen, die Frauen als die Mütter der nächsten Generation und die Kinder zu schonen nicht auf unfruchtbaren Boden gefallen sind. Die Zahl dieser Erwerbstätigen an der gesamten erwerbenden Bevölkerung ist 'ast überall im Sinken, zeigt aber in den einzelnen Ländern große Verschiedenheiten. Während in Deutschland von 100 Frauen und Mädchen 30.4 Personen im Erwerbsleben stehen, steigt ihre Zahl in Oesterreich auf 42,8 und finkt, in den Vereinigten Staaten auf 14,3.
51.5
I
45,9
Großbritannien g.Irland 44
Schweden
»Nordamerika ^Niederlande
Nordamerika
\Rußiand 24,s
der Völker;
Die Er
6198
Un garn _ Dänemark
Handeln Verheb»
£0841000
Hon der Gesamlberölkerung sind erwerbstätige
Atz
Lande ForstwirtsdiaftuJischerei 76838000
Industrie ».Bergbau 61WOOO
| Norwegen \Spanien
513
5O.L
46.9
455 '45t 4^9
I Oesterreich
I Frankreich
j Italien
1 Schweiz Belgien Deutschland
39,5 39,1 M 38.1 37,8
mancher mittel- und südamerikanischrn Republik fehlt es überhaupt an den betreffenden statistischen Angaben. Aber auch bei manchem Staate mit indogermanischer Kultur liegt die Berussstatistik aus Gleichgiltigkeit der Verwaltungsorgane oder Geldmangel völlig im Argen. In Betracht konnten deshalb nur die Hauptkulturländer Europas und von jenseits des Meeres die Bereinigten Staaten von Nordamerika gezogen worden, die zur Zeit zusammen eine Bevölkerung von rund 470 Millionen haben. Die nachstehend angeführten Zahlen beziehen fich deshalb nur auf Deutschland, Oesterreich, Rußland, Italien, die Schweiz, Frankreich, Belgien, die Niederlande, Dänemark, Schweden, Norwegen, Großbritannien mit Irland und die Vereinigten Staaten von Nordamerika.
In allen diesen Ländern wurden bei den letzten Berufszählungen 177 006 000 Erwerbstätige gezählt. Die allgemein verbreitete Annahme daß die Industrie bereits das Zahlenmäßige Uebergewicht über di; Landwirtschaft erlangt habe, findet dabei ihre Bestätigung nur in den großen Industrieländern Deutschland und Großbritanien, während sogar im Lande der unbegrenzten Möglichkeiten, der nordamerikanischen Union die Zahl der in Land-Forst- wirtschast und Fischerei beschäftigten diejenige der Industrie und Bergarbeiter noch immer um mehr als 314 Millionen übertrifft. Im ganzen waren in allen obengenannten Ländern zusammen tätig in ßanb= und Fortwirtschaft und Fischerei: 76 838000, Industrie und Bergbau 51 417 000, Handel und Verkehr einschließlich Gastwirtschaft 20 841000, im
Politische Umschau.
Was wird aus dem Enteignungsgefetz.
Seit einiger Zeit spuken im deutschen Blätterwalde die widersprechendsten Nachrichten über das Schicksal des Enteignungsgesetzes umher. Alle diese Meldungen find leere Kombinationen. Das Staatsministerium hat zu diesem wichtigen Punkte der Ostmarkenfrage bisher noch keinerlei Stellung ge- nommen. Da aber in dem am 10 Januar zusammentretenden Landtage sehr <aR> eine Anfrage über die Oftmarkenpolitik zu erwarten ist. so wird man sich sehr leicht denken können, daß das Staatsministerium demnächst einen Beschluß fassen muß. Der Landtag wird für eine Enteignung, die über die im Gesetze »orgeschrtebenen 10000 Hektar hinausgeht, wohl
nicht zu haben sein. Die Staatsregierung wird daher wie die „Rhein. Wests. Ztg." in einem ihr von zuständiger Stelle zugegangenen Artikel ausführt, voraussichtlich den Versuch machen müssen, „auch auf anderem Wege die Fortsetzung der deutschen Ansiedlung sicher zu stellen und zu fördern. Wenn dabei das Tempo der Ansiedlung verlangsamt werden müßte, dafür aber die Auswahl der Ansiedler um so sorgsamer getroffen und die Tätigkeit der Ansiedlungskommission durch Generationen fortgesetzt werden kann, so wird der dauernde Erfolg der An- fiedlungspolitik dadurch nicht beeinträchtigt werden.
An leitender Stelle wird jedenfalls die segensreiche Tätigkeit der Ansiedlungskommission rückhaltlos anerkannt und nicht daran gedacht, das mit so großen Opfern begonnene und fortgeführte Unter
nehmen in sich versumpfen zu lassen! Aber gegenüber dem Drängen auf möglichst umgehende Anwendung des Enteignungsgesetzes ist nicht allein darauf hinzuweisen, daß der Landvorrat der An- siedlungskommiflion, wenn auch sehr beschränkt, nach den letzthin gemachten Ankäufen doch noch aus« reichen wird, um für die nächste Zeit eine Stockung in der Besiedlungstätigkeit zu verhindern. Es d»rf auch nicht außer acht gelassen werden, daß die Enteignung nach den Absichten des Gesetzgebers in möglichst schonender und unnötige Härten vermeidender Weise zur Ausführung gebracht werden sollte Das wird eine gewissenhafte Prüfung des einzelnen Falles um so mehr bedingen, als durch die keineswegs im Vordergründe einer deutschfeindlichen, dis Sicherheit der Ostmark bedrohenden Bewegung gestanden haben. Die Träger dieser groß-polnischen Bewegung, die in den Mittelständen der größeren Städte und in der Geistlichkeit am meisten vertreten sind, können leider durch die Enteignung nicht mundtot gemacht werden."
Noch ein Schwarzer bei der Garde?
Wir haben einen pechschwarzen Paukenschläger bei den Eardehusaren. Er trägt die Eefreitenknöpse. Auch bei den Eisenbahnern gab es einen, der sogar dir llnteroffizierstressen bekommen haben soll und ein Linienregiment endlich verfugte über einen schwarzen Musikdirigenten. Jetzt bemüht fich ein Herr Antelmann, um einen seiner schwarzen Handlungsgehilfen — in ein Kolonialwarengefchäst paßt nach unseren Begriffen ein solcher erst recht nicht, wenn er auch eine Attraktion für gewisse Käuferinnen sein mag — naturalisieren und in ein Garderegiment einstellen zu lassen. Herr Antelmann hilft damit eine Rechtsunsicherheit in den Kolonien zu schassen, die fast bedenklicher noch erscheint, als der Verkehr Schwarzer mit weißen Frauen. Seine Stammesqenossen unterliegen in ikrer Heimat besonderen Gesehen. Kehrt der naturalisierte Schwarze dorthin zurück, so unterliegt er demselben Rechte, wie ein Weißer, nimmt also seinen Stammesgenossen gegenüber eine Ausnahmestellung ein, die zm lln- zufriedenheit und Schlimmerem führen kann, da seine Stammesgenossen die Zusammenhänge nicht verstehen. Angenommen, er bringt es bis zum Unteroffizier, tritt zur Reserve über und kehrt dann nach der Heimat zurück. Dort bricht ein Ausstand aus. Die wehrpflichtigen Weißen werden unter die Waffen gerufen. Der schwarze Unteroffizier und deutsche Staatsangehörige also auch. Der soll dann der Vorgesetzte vieler Weißer sein, die nicht die Tressen tragen? — Es ist an der Zeit, daß diesem Unfugs nachdrücklich Einhalt geboten wird. Die Stellung der wenigen Weißen drüben wird dadurch sckwer gefährdet, ja selbst die des Reiches. Ein gebildeter Schwarzer hat neulich den bezeichnenden Ausspruch getan: „Der Eingeborene muß erkennen daß er erft Afrikaner, dann Christ und britischer Ui.tertan ist, wir müssen uns auf uns und unser Recht, auf Afrika besinnen!" Und ein anderer 'ügte bei: „Geht, lernt und kämpft mit den Waffen, mit denen man Euch unterdrückt hat, gegen Eure Unterdrücker!" Wir meinen, das foflte doch an den maßgebenden Stellen zr denken geben. Das bedeutet die Betonung von starkem Rasseaefühl derSchwarzen. was bedauerlich-r- weife bet vielen Weißen zu vermissen ist.
Unpolitische Tayesnachrichten.
Strandung eines Dampfers. Bremen, 26. Dez. Von dem spanischen Dampfer „Orkiolamendi", gestrandet bei Hoerrumsand, mit Baumwolle, von Wilmington nach Bremen bestimmt, wurden durch das Rettungsbot „Emile Robin" derStation Amrumnord der Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger neun Personen gerettet. Der Rest der Besatzung ist noch an Bord.
Ein rauchender Bulkan. Catania, 27. Oez. Seit gestern nacht stößt der Aetna wieder Rauchwolken aus, aus denen Flammenzucken und leichter Bimsteinregen niedergeht.
Mit einem Fallschirm abgestürzt. Br eslau, 27. Dez. Ingenieur Hahn, der n it einem von ihm selbst konstruierten Fallschirm einen Absprung aus einem Luftballon vorführen wollte, ist ungefähr 150 Meter hoch abgestürzt, wobei er tödlich verletzt wurde. Er erlitt unter anderem einen Bruch der Wirbelsäule.
Benzinexplosion. Paris, 27. Dez. In Catania (Sizilien) fiel aus einem Wagen, der sechs Fässer Benzin führte, ein Faß auf das Pflaster und explodierte. Das Feuer brachte auch die anderen Fässer zur Explosion. Eine gewaltige F.amme wälzte sich durch die Straßen. Ernige Häuser gerieten in Brand. Zahlreiche Personen erlitten Brandwunden, sechs von ihnen so schwer, daß an ihrem Aufkommen gezweifelt wird.
Ein Automobilunsall. Paris, 27. Dez. Auf einer Spazierfahrt, die der Direttor der Automobilfabrik in Marseille, Engelhardt, irit mehreren Beamten unternahm, überschlug fich das Automobil. Ein Herr und eine junge Dame wurden in einen Abgrund schleudert und lebensgefährlich verletzt. |
Kircheneinsturz. Paris, 27. Dez. Aus der St. Basilius-Kirchs in Etampes rourke ein wertvolles, aus Holz geschnitztes Relief (Darstellung der Kreuzesabnahme) von Einbrechern entwendet.
Erdbeben. Mailand, 27. Dez. In mehreren Ortschaften der Abruzzen erfolgten starke Erdstöße, durch die. auch mehrere Häuser beschädigt wurden.
Brand in einem Kinomatographentheuter Plauen, 27. Dez. Die „Neue Vogtlanoische Zeitung" meldet: Heute Abend verbrannten in einem Kinomatographentheater bei der Vorführung von Lichtbildern die gesamten Filmvorräte. In dem besonders von Kindern gut besetzten Theater entstand eine Panik. Niemand wurde verletzt, da sich die vor- schrfftsmäßigen Ausgänge zureichend bewährten.
Opfer der See. Li bau, 27. Dez. In der vergangenen Nacht ist am Wellenbrecher das englische Segelschiff „Anna Ottilie" untergegangen. Vier Mann der Besatzung und der Kapitän des Schiffes werden vermißt, -wei wurden als reichen geborgen. Die übrigen wurden gerettet.
Vermischtes.
Die „£>ereJ von Cövenick. Heute erschien bei der Polizeiverwaltung Cöpenick eine Arbeiterfrau namens K. und wünschte den Polizeiinspektor in einer dringenden Angelegenheit zu sprechen. Sie stellte allen Ernstes das Verlangen — 'obwohl sie absolut nicht nach einer Geisteskranken aussah — ihrer Nachbarin, einer 70 jährigen Frau P., den Prozeß zu machen, denn diese sei eine — Hexe. Die alte Frau habe schon viele Leute behext, lasse alte Hexenbücher im Zimmer berumtanzen usw. Das schlimmste aber sei, daß sie das neugeborene Kind der Beschwerde- fflbrerin, das bis zum dritten Tage ganz gesund gewesen sei, behext habe, seitdem schreie es immer. Auch ihr Mann war überzeugt, daß das Kind behext sei. Der Polizeiinspektor versuchte vergebens der Frau den Aberglauben auszureden. Eie entfernte sich mit den Worten: „Sic mögen noch so schlau sein, Herr Jnsvcktor, aber die Hexe ist doch noch schlauer, sie hat ihre alten Bücher, die Sie nicht haben."
„Wer ist diese häßliche ältliche Dame?" Auf eine eigentümliche Weise suchte ein Photograph im Norden Berlins zu einer außenüehendeu Forderung zu kommen. Eine Dame war ihm, so erzäblt der „Reichsbote*, 22 Mark schuldig geblieben. Da er die Adresse dieser Dame nicht mehr ansfindig machen konnte, so bängte er das Bild seiner Schuldnerin m den Schaukasten und brachte dabei ein Plakat mit folgender Aufschrift an: „Wer ist dieft häßliche ältliche Dame? Sie ist mir 22 Mark schuldig; 3 Mark Belohnung, wer mir die Adresse nachweist.* Bild und Plakate hingen zur Belustigung der Passanten gerade zwei Tage aus, als sich die Schuldnerin einstellte und die Forderung beglich. Ter Photograph aber wird sich demnächst wegen Beleidigung zu verantworten haben.
Amerikanischer Humor. William kam von der Hochschule zurück. Er trug einen äußerst cleganren Anzug, seidene Strümpfe und darüber Halbschnde mit breiten B ändern, eine Phantasieweste und eine Halsbinde, die für sich selber sprach. Als er in das Zimmer trat, in dem sein Vater sich befand, musterte dieser den Sohn und sagte schließlich ärgerlich: „William, du siehst aus wie ein alberner Geck!* Wenige Minuten später kam der alte Major herein, der nebenan wobnte und begrüßte den jungen Mann herzlich. „William!* riet er mit unverhohlener Bewunderung ans, „du nebft genau so aus, wie dein Vater vor 25 Jahren ausgesehen hat, als er von der Schule znrückkam.* „Ja*, erwiderte William mit einem Lächeln, „Vater hat mit soeben dasselbe gesagt.*
Große Vermögen in England. Wie schnell sich große Vermögen mehren können, gebt aus den Verhandlungen über die Erbschaftsabwicklung in den Fällen der verstorbenen englischen Millionäre Beit und Morrison hervor. Nach Abzug von Skistnngen im Betrage von über 90 Millionen ‘Start wurde der Rest des Beitschen Vermögens seinerzeit auf weitere 60 Millionen Mark eingeschätzt, jetzt aber, wo die Erbschaftssteuer fällig geworden ist, stellt sich heraus, daß der Nachlaß 161 Millionen Mar." beträgt, von denen 21 Millionen in die Kaffe bc- Schatzkanzlers fließen. Morrisons Vermögen roti' bei dessen Tode im Mai 1909 auf etwa 135 Millionei Mark geschätzt worden, jetzt aber sind die Erben bereit, Abgaben von 220 Millionen an die Erbschaft? fteuerfaffe zu zahlen, d. h. ein Betrag von etwa 4 - Millionen Mark. Natürlich ist der Unterschied zwischen der Abschätzung kurz nach den Todesfällen und dem heute rugestandene« Wert bec Erbschaften zum Teil