Die ^Oberhessische Zeitung' erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn, und Feiertage. - Der Bezugsprei »betragt viertel- jährlich durch die Post bezogen LS (ohne Bestellgeld) bei unseren Zeitungsstellen und der Erveditron IMarkt 21), 2.00 X fSöi unverlangt zugesandte Manuskripte übernimmt die Redaktion keinerlei Veranimortung.) ____
viel bemerkt, daß irgendeine Leugnung eine» Dogmas der katholischen Kirche in dem Aufsatz des Prinzen Max von Sachsen nicht enthalte» ist. Es werden darin nur die Schwierigkeiten hervorgehoben, welche die in neuer Zeit definierten Dogmen speziell für die Orientalen mH sich bringen. Vom Zölibat ist in dem Artikel überhaupt keine Rede."
als völlig grundlos erwiesen hat, in dreister, ja, man möchte sagen in gewissenloser Weise wieder aufnimmt und sich zu eigen macht. Wir treiben ja einer Verwilderung politischer Sitten zu, die auf das Schuldkonto der radikalen Presie nahezu restlos zu setzen ist. Es ist der Kampf aller gegen alle, der so vorbereitet wird und zur Katastrophe führen mutz. Kein Mensch, der noch einen Funken vaterländischen Gefühles in sich trägt, wird an dieser immer mehr ins Persönliche spielenden parteipolitischen Hetze sich beteiligen können. Wohin soll es führen, wenn ein jeder, der sich auf politischen Boden begibt selbst wenn er parteipolitisch nicht in den Vordergrund tritt, wie der Landrat v. Maltzahn, jahrelang zusehen mutz, wie sein guter Name durch den Schmutz gezogen wird? Man mutz es bedauern, datz ein temperamentvoller Parteimann bis zu einem ge- wisien Grade seinem guten Glauben zum Opfer fiel, denn er ist im vorliegenden Falle zweifellos nicht einmal der Hauptschuldige — das ist die gewisienlose radikale Hetze.
Wir haben ja oft genug auf diesen gemeinen Charakter unserer jetzigen politischen Masien- agitation hingewiesen. Wenn Herr Becker Tag für Tag die unflätigsten Ausfälle gegen das angebliche konservative Parteiregiment der Landräte hörte und las, so tonte er sehr wohl dazu kommen, sich als politischer Märtyrer zu fühlen, wenn er bei seiner Empfindlichkeit Dinge, die ihn eigentlich nicht angingen, auf sich bezog. Er hat im Prozetz ja so oft zugegeben, daß er sich hier geirrt hat. So war es gewih nötig, daß durch ein gerechtes Urteil der Verwaltungsbeamte gegen derartig niedrige Anwürfe und Beleidigungen, wie sie ja auch die Urteilsbegründung nochmals aufzählt, in Schutz nimmt, auch um zu zeigen, daß er nicht der radikalen Agitationsmethode gegenüber vogelfrei fei. Das Urteil aber ist hart, und nur zu verstehen, wenn man die Empörung der Richter über die leichtfertige Kampfesweise des Herrn Becker in Betracht zieht. Herr Becker hat ja Revision eingelegt, und die Verufnngsanstanz wird das Strafmatz sicher ändern. Unserer Ansicht nach mit Recht. Gerade die Härte des Urteils wird Verstimmung Hervorrufen. Herr Becker glaubte doch an sein gutes Recht und handelte unter einer Suggestion, allerdings einer giftigen und verhetzenden. Es ist darum nicht zu billigen, datz er als gebildeter Mensch wie ein Verbrecher auf ein ganzes Zahl ins Gefängnis mit Strolchen und Gaunern wandern mutz. Dazu ist seine Tat denn doch nicht schwer genug, und, wie gesagt, nicht völlig auf sein Konto selbst zu setzen.
Die Preffe ist natürlich gespalten. Die Linke zetert weiter über das „Landratsregiment", unparteiische Blätter aber, wie „Tägl. Rdsch." und „Rh.-Westf. Ztg.", stellen fest, datz der Prozetz
die völlige Haltlosigkeit der Angriffe Beckers gegen v. Maltzahn ergeben habe. Letzterer hat vielmehr den loyalen Willen bekundet, den Zorn seiner politischen Gegner zu besänftigen. Richt eine einzige Tatsache habe sich ergeben, aus der ein Vorwurf gegen den Landrat konstruiert werden könne. Daneben kommt sehr richtig zum Ausdruck, daß Becker ein Opfer der Hetze seiner Partei geworden ist.
Die „Tägl. Rundschau" schreibt z. B.: „Becker hat während eines Jahrzehnts mit nahezu fanatischer Leidenschaft in Beschwerden, Denunziationen und Zeitungsartikeln den örtlichen Landrat, die Mitglieder des Kreisausschusies und andere Personen, die ihm als konservative Widersacher galten, angegriffen, ohne den von ihm Angeschuldigten und Verleumdeten jemals ein widergesetzliches Verfahren nachweisen zu können. Diese langjährige Fortsetzung schwerer Verdächtigungen, im Verein mit der wegen Beleidigung' früher über Becker verhängten Freiheitsstrafe, mag für die Höhe des Strafurteils matzgebend gewesen sein. Politische Waffen werden unter solchen Umständen aus dem Land- ratsprozetz sich nicht schmieden lasten.
Das Urteil im Prozeß Becker.
Selten hat ein deutsches Gericht in einem Be- leidigungsprozeste ein so schweres Urteil gefällt, eis die Greifswalder Strafkammer in dem Pro- zeste gegen den freisinnigen Gutsbesitzer Becker, Bartmannshagen. Der Staatsanwalt hatte 9 Monate Gefängnis beantragt. Die Richter gingen über diesen Antrag noch hinaus und erkannten auf 1 Jahr Gefängnis und Tragung sämtlicher Kosten, die beiläufig auf 50 090 Jl geschätzt werden.
Seit vielen Jahren hat der verurteilte Gutsbesitzer Becker Ehrenmänner, wie den Landrat Freiherrn v. Maltzahn, mit den unglaublichsten Verdächtigungen verfolgt, die, wie der Prozetz völlig einwandfrei ergeben hat, jeder tatsächlichen Grundlage entbehrten. Die Verteidigung kann sich nicht beklagen, datz das Gericht ihr nicht die vollste Aktionsfreiheit gestattet habe. . Und datz eine Verurteilung erfolgen mutzte, haben auch führende freisinnige Blätter offen zugegeben. Ausgenommen natürlich das „Berliner Tagebl.", das genau nach dem Muster der sozialdemokratischen Preste erwiesene Tatsachen auf den Kopf stellt und als den moralisch Verurteilten den Nebenkläger, Frhrn. v. Magtzahn, hinftellt, der deswegen wohl den geradezu weibischen Hatz dieses Blattes auf sich gezogen hat, weil er preutzischer Landrat, adlig und in seinem Privatleben konservativ ist. Der Prozetz ist sachlich ohne politischen Charakter, aber wie es in dem Urteile ausdrücklich heiht, ist als Hintergrund des Vorgehens des Angeklagten der scharfe politische Gegensatz zwischen ihm und dem Nebenkläger in Betracht zu ziehen. Die Motive, welche den Angeklagten leiteten, waren zweifellos politische. Der grenzenlose Hatz gegen den poli- ttschen Gegner hat dem Verurteilten den Blick getrübt, der sich trotz seiner Bildung gewitz in einzelnen Fällen der Grundlosigkeit seiner Beschuldigungen und seiner leichtfertigen Verdächtigungen nicht ganz bewutzt gewesen sein mag. Wenn schon gebildete Leute im Parteifanatismus ersticken, wieviel mehr mutz die Saat Besorgnis erregen, wenn sie auf den Boden des Mindergebildeten fällt? Und in diesem Sinne wird man verstehen, was der Staatsanwalt meinte, wenn er in seinem glänzenden Plaidoyer in den düsteren Saal rief: „Wehe, wenn dies ein politischer Prozetz ist!"
Heute ist er es noch nicht. Aber er beginnt es zu werden. Die radikale Preste macht ihn dazu, indem sie die Beschuldigungen, welche das Gericht
Der heutigen Nummer liegt bei Kreisblatt Nr. 103.
Deutsches Reich»
— Die Reise des Kronprinzen. Bombay, 22. Dez. Der Kronprinz, der wieder eintraf, reiste heute nachmittag nach Jaipun.
— Da» Kaiserhoch des Dr. Henrici. Leipzig, 21. Dez. Das sächsische Kultusministerium hat in der bekannten Angelegenheit des von Dr. Henrici in einer Versammlung der Leipziger Freien Studentenschaft ausgebrachten Kaiser- Hochs ein längeres Schreiben an den akademischen Senat gerichtet. Darin wird der „Deutschen Tagesztg." zufolge dargelegt, datz das Kaiserhoch des Dr. Henrici zwar unangebracht und deswegen geschäftsordnungsmähig eine Rüge zulästig gewesen sei, datz andererseits aber das Hinausweisen des genannten Herrn aus dem Saale nicht geboten gewesen sei. Um ähnlichen Vorkommnisten vorzubeugen, hat das Ministerium den akademischen Behörden empfohlen, fernerhin Nichtstudierende zu solchen Versammlungen der Studentenschaft nicht zuzulasten und das Auftreten sozialdemokratischer Redner in studentischen Versammlungen zu untersagen.
— Die Affäre des Prinzen Max. Dresden, 22. Dez. Prinz Max dementiert das von der „Perfeverance" gebrachte Interview. — Heute veröffentlicht die Zentralauskunftsstelle der katholischen Preste folgende Zuschrift: „Zu einer näheren Antwort auf die gemachten Vorwürfe besteht vorläufig noch kein Grund, bevor nicht authentische Nachrichten aus Rom vorliegen, was bis jetzt nicht der Fall ist. Es sei nur so
mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchyain
und den Beilagen: „Nach Feierabend» (wöchentliche Unterhaltungsbellage) und Landwirtschaftliche Beilage
(Nachdruck verboten.)
Weihnachtsfrieden.
Von Karl Herbert.
(Forttehung!
Marting hatte seiner Frau nicht in den Schlitten geholfen. Er hatte auch der Fortfahrenden vom Fenster aus nicht nachgesehen. Jetzt saß er an seinem Fenster am Schreibtisch und stierte wieder geradeaus auf die weiße Schneefläche und lauschte auf das leiser werdende Schellengeläut des Schlittens, in dem seine Frau zur Station fuhr. Einige Türen wurden zugeschlagen, die Mädchen kamen eilig die Treppe herauf, er hörte sie an seinem Zimmer vorbeigehen — es klopfte. Theodore fragte, ob er nicht zu Tisch kvmmen wolle — er gab keine Antwott. Er hörte, wie sie sich von seiner Tür zögernd entfernte— nun war eine lautlose Stille um ihn, auch die Meise sang nicht mehr — sie war fortgeflogen — und die Sonne war hinter Wolken verschwunden, nur das weiß- graue Schneelicht fiel durch die Fenster in das Zimmer und schuf eine Beleuchtung, die zu seiner Stimmung paßte. —
Er stand auf und schob die Riegel an den beiden Türen zu, die von seinem Zimmer in ' as Wohnzimmer und auf den Hausflur führten. Er wollte allein sein, abgeschlosten von denen, die ihn nicht verstanden, die ihn einen Tyrann nannten.
Er setzte sich vor seinen Schreibttsch und nahm ein Aktenstück vor. Das alte Mittel versagte heute. Die Linien des Planes verschwammen ineinander, er sah nur ein Netz von Linien, ein Gewirr, und kannte doch jeden Weg und Steg, jede Landstraße und jeden Wasterlauf. . .
Wieder erhob er sich, ging im Zimmer auf und ab und blieb manchmal am Fenster stehen. Wenn ein Ast unter der Schneelast knackte, wenn ein Rabe mit schwerem Flügelschlag aus den Tannen flog, fuhr er zusammen. Es war wirklich weit mit ihm gekom- ment Nun schlua die Turmuhr die dritte Stunde.
Marburg
Sonnabend, 24. Dezember 1910.
Solange schon war er mit feinen Gedanken allein? Jetzt stieg seine Frau in den Schnellzug, der nach Hamburg fuhr, um das Kind zu holen — das Kind seines Sohnes — sein Enkelttnd. Ja, es war weit mit ihm gekommen....
Seine Frau traute ihm zu, er würde dagegen Einspruch erheben, daß ein unschuldiges Kind bei ihm Unterkunft fand ....
Er starrte wieder geradeaus. Kathrin nannte ihn einen Tyrannen! Sie nahm sich das Recht, ihn zu richten. — Nun, das war der Welt Lauf. Eure Kinder werden eure Richter sein. Ob sie recht richtete? Was lag daran — das Mädchen war außer sich — es fürchtete für feine Liebe. Aber Karoline — seine Frau — daß sie so wenig Unters cheidungs- oermögen besaß....
Was hatte sie gesagt: Ich liebe euch beide?
Wieder ging er eine Zeitlang int Zimmer auf und ab. Dann zog et am Klingelzug, riegelte die Tüt auf und bestellte bei der eintretenden Magd eine Lampe.
Theodore brachte die Lampe. Eie stellte sie mit einen leisen „Guten Abend" Vater," auf den Tisch vor dem Sofa. „Ich werde Dir das Abendbrot in Dein Zimmer Bringen." Sie ging, ohne eine Antwort abzuwarien. Er sah nach der Türe, hinter der sie verschwunden war. Sie glich ihm am meisten von allen seinen Kindern. Sie war seine Erstgeborene. Warum durfte sie kein Knabe sein?
Warum war sie zusammengerafft, fest, und Paul biegsam und weich und jedem Einfluß zugänglich?
Theodore kehrte zurück, sie trug selbst alles herbei, rück., den Tisch etwas nähet zum Ofen, warf einige Buchenscheite in den Ofen und sagte: „Es wäre nützlich, wenn Du etwas zu Dir nehmen wolltest."
Es schwebte ihm eine Frage auf her Zunge, aber et unterdrückte sie. Et wollte fragen: „Hältst Du mich auch für einen Tyrannen? Hast Du auch kein Derständnis für mich?" Er setzte sich in den Lehnstuhl, den sie ihm zurecht gerückt hatte. Die Wärme,
Die Borkumer Spionaaeaffäre vor dem Reichsaerickt.
Leipzig, 22. Dez.
Um 9 Uhr 15 Min. wurde die Sitzung von dem Vorsitzenden Menge eröffnet. Oberreichsanwaft Zwetgert gab zunächst folgende Erklärung ab: Jr einem gestrigen Abendblatte wurde bezüglich meinet gestrigen Erklärung ausgeführt, ich hätte behauptet, England hege Angriffspläne gegen Deutschland. Ich gab eine derartige Erklärung in keiner Werse ab. Ich jagte lediglich, daß die Erkundungen der. beiden Offiziere rücksichilich des defensiven Charakters der deutschen Küstenbefestigungen militärischen Wett nur für einen unvorhergesehenen Angriff einer fremden Macht gegen Deutschland haben könnten, daß England ober die englische Regierung einen Angriff plane, habe ich in keiner Weise besprochen. Darauf wurde zwecks Vernehmung des Sachverständigen über die Befestigungen auf der Insel Borkum nach halbstündiger Beratung des Gerichtshofes kurz vo; 10 Uhr verkündet, daß die Oeffentlichkeit ausge. schloffen wird. Nur Offiziere werden zugelaffen Auch die beiden Vertreter der englischen Regierung der englische Vizekonsul in Hamburg, und Justtzrai Schneider von der britischen Botfchakt in Berlir werden ausgeschlossen.
Hm ii Uhr 30 Min. trat eine Pause von 20 Minuten ein. Es folgten die Plaidoyers, zu denen bt» Oeffentlichkeit wieder zugelaffen mar. Reichsanwalt Richter ergriff bas Wort unb führte aus: Die Beweisaufnahme ist in breiter Oeffentlichkeit erfolgt. Nut in einem Punkte, wo bie Interessen bes Laubes es erforberten, ist eine Beschränkung der Oeffentlichkeit eingetreten. Nicht übertriebene Spionensurcht führte zur Einleitung bes Verfahrens, fonbern es hanbelt sich um planmäßige Auskundschaftungen der Vetteidigungsstellen in der Nord fee, ja, nur Verteidigungsstellungen kommen hier in Frage. Ich habe mich lediglich mit den Taten der Angeklagten zu beschäftigen vom strafrechtlichen Standpunkt aus. In Betracht kommt die gemeinschaftliche Reise der Angeklagten am 7. ms 20 August an die Nordseeküste unb bie Ostfriesischen Inseln. Ich stütze mich hierbei lebiglich barauf, was Trench gesagt hat. __
Sie hatten die Absicht, Kundschaft zu machen. Es ist davon gesprochen worden, daß die Reise auch zu Erholungszwecken unternommen sein könnte. Dis ist ganz ausgeschloffen. Beide segelien vor vornherein unter falscher Flagge; sie muffen gewünscht haben, daß ihre Persönlichkeit dunkel bbeibev.sollte, Beide find Angehörige der enghfäen Marine unb zwar wie ich glaube, Angehorger die für die Zwecke nehme die Herausforderung an: Du mußt mich an- hören. Paul ist der Jüngste w.i uns. Mit welchem Jubel wurde er begrüßt als der Erbe Deines Namens. Du hast stolze Plane g^o"nen wenn Dn den schönen Knaben zu Deinen Füßen foiJJen fatft Wir alle haben sie gesponnen. Aber Du, Vater, Du hast ihn immer mit verblendeten Augen angesehen. Du hast nie daran gedacht, daß eines Menschen Entwicklung sich in eigenen Bahnen vellzieht. tn Bahnen, die kein anderer verschreiben kann. Du nahmst an, Paul fei einet von den Martinas, die altblutig, ohne rechts und links zu sehen, ihre Pflicht tun, sich _ bem Muß beugen, bas Tradition über sie »erhängt A*»er Dein Sohn ist weich wie Deine Mutter, Ne immer rechts unb links sah, °b fie nicht jemand stvße^ drücke ober kränke. Die zuruckzuckte. sobald sie ins Lebendige schneiden sollte. Sieh, Vater, Du hast - einen weichen Knaben ins Leben geschickt, und daß Du das nicht wußtest, sondern ibn für einen hatten Helden hieltest, das ist Deine Schuld. Und daß Du ihn von Dir gestoßen hast, als er, allz.-. weich, den Versuchungen erlag, ist zum anderen Mal Deine Schuld. Und daß Du mit ansehen konntest, rote unsere Mutter fast zusammenbrach, das macht Deine Schuld so groß." Theodore holte tief Atem, tote drückte die Hand auf das laut klopfende Herz .
Marttng hatte sich erhoben, während Theodore sprach.
„Ich ließ Dich frei ausreben. Vielleicht gestattest Du mir eine Entgegnung?"
„Vater —"
„Man hat Ursache, bitter zu werben! Kathrin nannte mich einen Tyrannen, Du sprichst mich dreimal schuldig — Julie versucht es, mich durch Schliche zu erweichen. Eure Mutter wollte mit mir ab- rechnen. Ihr alle gebt wahrscheinlich vor, mich M lieben. VerftSndnis hat keins von Euch für mich!
I Das ist die Summe meines Lebens: Ich glaubte . einen starken Knaben erzogen zu haben und steh, et L zerschmolz im ersten Feuer einer lächerlichen Liebele^
die der braune Kachelofen aussttömte, tat ihm gut. Draußen hatte sich ein Wind erhoben, et kam vom Süden. Tauwetter war int Anzug. Der Schindel- behang bes Hausgiebels raffelte unb bie große Tanne vor bem Fenster ächzte, wenn her Winb über sie hinfuhr. Marting fror innerlich unb äußerlich.
Er griff mechanisch zu Messer und Gabel. Aber was lag ba unter seiner Serviette? Ein Brief an ihn? Die Abreffe von Thevborens Hand geschrieben? Er öffnete zögernd mit bitteren Gefühlen den Umschlag.
Pauls Brief fiel heraus.
Was sollte diese Komödie! Er las nicht Briefe, die für andere bestimmt waren. Er ließ sich auch nicht mit Sentimentalitäten fangen. Er klingelte und befahl der Magd, feine Tochter zutückzurufen.
„Nimm den Brief fort, der nicht m. mich gerichtet ist."
Theodore nahm schweigend den Brief, aber sie blieb neben bem Tisch stehen.
„Dachtest Du, ich wäre durch solche — Dinge zu beeinfluffen?“
„Nein."
„Warum legtest Du mir den Brief auf den Teller?"
„Julie bat mich, es zu tun."
„Du meinst, ich wäre nicht zu beeinflussen?"
„Doch — durch belle Gründe der Vernunft — vielleicht." Dann sagte sie leiser: „Bis das Gras wächst, verhungert der Gaul."
„Miidcher!" Marting war aufgesprungen.
„Was nimmst Du Dir heraus?"
Theodore wich keinen Schritt ;urüd Eie kam näher zum Tisch heran. Und nun fiel ihm trotz seiner (Erregung wieder auf, wie sie ihm gleiche.
Sah sie ihn nicht mit seinen eigenen Augen an? Zog sie nicht die gleiche Falte zwischen den Brauen, wenn sie erregt war? Nur um den Mund hatte sie die weichen Züge ihrer Mutter. Sie sagt- furchtlos' JDu forderst einen mündigen Menschen heraus. Ich
Dis ^ufertionsgebühr betrögt für Knjereaaus oem engeren* Serbrettungsgebiei des Blattes für bie -ritene Zeile ober deren Raum II 4avswartige Jnserate 20 4. ££ JMA«
für Reklamen 40 j. — Druck und Verlag: Iah. Aug. hou», OH»*
Universitäts-Buckdrocker-t. Dr. C. f”' ' 'rimrn.