45. Jahrg.
M2 ttnn jährlich durch die e/i=- ÖUV unseren Zeitunqsst
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(Fortsetzugg felgt)
„wie gern Ein Ende
machen," sagte Christiane.
Frau von Northeimb lachte.
„Ein Ende machen!" wiederholte fie; die Jugend große Worte braucht. .
der deutschen Sozialisten- und Eewerkschaftspresse schöpfen können.
Um für die Zukunft zu verhindern, daß die englischen Forschungsreisen weiter Ergebnifie zutage fördern, die den deutschen Sozialdemokraten und Gewerkschaftlern unbequem find, hat die Eeneralkom- misfion der Gewerkschaften Deutschlands mit der gewerkschaftlichen Landeszentrale Englands eine Vereinbarung getroffen, wonach fortan nur solche Arbeiterdeputationen von deutschen Gewerkschaften offiziell empfangen werden sollen, die im Besitze eines Einführungsschreibens der englischen Landeszentrale sind. Damit soll der Erforschung Deutschlands durch die Engländer eine chinesische Mauer entgegengestellt werden. Wer die deutschen Zustände nicht durch die sozialdemokratische Brille sehen will, soll gefälligst draußen bleiben. So wollen es die für „Freiheit" und „Recht" schwärmenden Sozialdemokraten, weil sie fürchten, daß sonst zuletzt die Arbeiter doch endlich darüber aufgeklärt werden könnten, in welchem Maße ihnen von ihren angeblichen Vertretern Sand in die Augen gestreut wird.
machen, weil sich Ihr Verlobter in der Person eines Ihrer Freunde geirrt hat . . *
„Er hat sich vor allem in mir und in seiner Empfindung für mich geirrt," fiel Christiane ein. ,,!Da» ist's, was uns scheidet."
Mit diesen Worten stand fie auf und wendete fich ihrem Schlafzimmer zu; aber Fra« von Northeimb, die noch viel auf dem Herzen hatte, hielt fie zurück.
„Kind, Sie kennen den Harthäuser Partim nicket," sagte sie, indem fie Chrisfiane an ihre Seite ins Sofa zog. „Wenn der dekrettett, daß Sie und Christian Leopold sich heiraten sollen, so geschieht'», und wenn keines von Euch beiden Lust dazu hätte. — Mein kluger, junger Vetter wird übrigen« nicht»
hier ein. Gestern abend fand Abschiedsdiner statt, zu dem der Kapitän und die ersten Dffl« ziere zugezogen waren. Die Kronprinzessin war über den Reiseverlauf sehr befriedigt. Heut« vormittag 11 Uhr verließ die Kronprinzessin mit Gefolge das Schiff und reiste mit Exttazug nach Cairo ab, wo fie heute vormittag 4 Uhr ankommt. Am 22. Dez. erfolgt die Fahrt nach Luksor, sodann eine Nilreise nach Chartum und Assuan und zurück nach Cairo, wo vom 18. Januar bis 1. Februar Aufenthalt ist. An diesem Tage erfolgt ab Alexandrien mit dem Lloyd- dampfer „Prinzregent Luitpold" die Abfahrt nach Palermo. Sodann reist die Kronprinzessin auf dem Landwege durch Sizilien und Italien nach Cannes.
— Prinzregent Luitpold an die bayrische Armee. München, 21. Dez. Der Prinzregent Luitpold richtete an den Kriegsminister Frhrn. von Horn ein Handschreiben, in dem es heißt: Merzig Jahre sind verflossen, seit die bayrische Armee in schweren ruhmreichen Kämpfen unvergängliche Beweise von Kriegstüchtigkeit und hingebender Dpferwilligkeit erbrachte und hierdurch sich die stete Dankbarkeit des Vaterlandes sicherte. Wenn ich jetzt in meinem neunzigsten Lebensjahre auf jene große Zeit zurückblicke, drängt fich meinem Herzen das Bedürfnis auf, auch meinerseits dem Gefühle der Dankbarkeit, sowie meiner vollen Anerkennung für die im Kriege und Frie- den bewährte Pflichttreue der Dffiziere und Mannschaften der Armee einen erneuten sichtbaren Ausdruck zu geben. Darum stelle ich hiermit den Betrag von 200 000 zur Verfügung und bestimme, daß 100 000 <44. zur Unterstützung hilfsbedürftiger Kriegsveteranen aus dem Feldzuge 1870/71 sowie aus den Feldzügen und .. Kämpfen früherer und späterer Jahre, 100 000 <44 als Grundstock einer Stiftung zur Errichtung eines Erholungsheims für Dffiziere, Unteroffiziere und Mannschaften Verwendung finden sollen.
— Fürst «Ülo«. Berlin, 21. Dez. Der Fürst und die Fürstin Bülow werden am 9. Januar nächsten Jahres das Fest ihrer silbernen Hochzeil feiern. Die Bermählung des Paares fand vor 25 Jahren in Wien statt. Damals war Herr v. Bülow Legattonsrat und erster Sekretär der Deutschen Botschaft in St Petersburg.
politischer Agent des agrarischen Demagogen- tums sei. Alle diese Fälle haben aber nichts ergeben, was ten Vorwurf gegen den Landrat rechtfertigen könnte. Der Wahrheitsbeweis ist vom Angeklagten nicht erbracht worden. Man darf auch nicht sagen, daß die Beweisaufnahme lückenhaft gewesen ist oder durch die Allen betreffend den liberalen Verein in Grimmen hätte ergänzt werden können. Denn es sind keine Umstände vorgebracht worden, die beweisen konnten, daß die Akten den Inhalt haben, der von ihnen behauptet wird. Am schwersten hat das Gericht die Beleidigungen gefunden, die in der Klage an den Bezirksausschuß zum Ausdruck gekommen sind. In dieser Klage wird mit der Ehre des Landrats und des Kreisausschustes umgesprungen, wie dies vonseiten eines Mannes von der Bildung und gesellschaftlichen Stellung des Angeklagten nur selten zu geschehen pflegt, Hier hat das Gericht auf sechs Monate Gefängnis erkannt. Für die Eingabe an den iMnister des Innern, in der davon die Rede ist, daß der Landrat eine körperliche Züchtigung verdiene, ist auf vier Monate Gefängnis erkannt worden. Für die Eingabe an den Minister für Handel und Gewerbe, in der besonders die amtliche Ehre des Landrats angegriffen wird, ist eine Gefängnisstrafe von drei Monaten und für die übrigen Eingaben eine solche von je einem Monat festgesetzt worden. Daraus hat das Gericht eine Gesamtstrafe von einem Jahre gebildet. Das Gericht ist dabei davon ausgegangen, daß es den Angeklagten durch den politischen Wahlkampf als gereizt betrachtete. Dieser Wablkampf ist in dem Kreise Grimmen sehr scharf geführt worden. Das Gericht hat weiter berücksichtigt, daß auch die geaneri^ e Seite des Angeklagten Handlungen begangen hat, die ihn erregen und reizen konnten. Die Kosten des Verfahrens, auch die des Nebenklägers, fallen dem Angeklagten zur Last.
Die dem Angeklagten auferlegten Kosten werden auf annähernd 50 000 <41 geschätzt. Der Verurteilte wird gegen das Urteil, das in der Bevölkerung lebhaft besprochen wird, Revision einlegen.
ben Sie mir ein Wort, wie meine Aktien stehen... adieu; adieu!"
Ee eilte fort; Melanie sah nachdenklich in da» junge, blasse Gesicht, das wie in Schmerz erstartt an der Lehne des Sessels lag.
„Stolz und halsstarttg wie der Vater — das läßt fich ausnützen," dachte fie.
Wenige Minuten später schlug Christtane die Augen auf und erschrak vor der finsteren Miene, mit der fich Frau o. Northeimb über sie beugte.
„Verzeihen Sie, gnädige Frau," bat fie, indem fie fich aufrichtete; „ich mache Ihnen so viel Mühe!"
„Bitte, nicht der Rede wert . . . eine Ohnmacht darf man fich erlauben," antwortete Melanie. „Die vorhergehende, ganz überflüssige Szene hätten Sie fteilich sich selbst und Chttsttan Leopold ersparen können."
„Unmöglich! Ich konnten nicht verschweigen, wie mir zu Mute war . . . mußte gleich ein Ende
Auch Melanie wehrte ihn ab. „Christiane muß Ruhe haben, und Sie müssen retten," mahnte sie. „Reichen Sie mir die Eau de Cologne vom Sofatische, und dann fort mit Ihnen; eben schlägt e» halb Zwölf."
„Aber was soll dararus werden?" rief Christian, Indem er da» Flacon herbeiholte. — „Tragisch, wie Christtane alles nimmt, ist fie im Stande, Ernst zu machen, mich aufzugeben, mich mit dem Onkel zu entzweien . . ."
„Ihre Schuld!" antwortete Frau v. Northeimb, während sie der Ohnmächtigen Stirn und Schläfen netzte. „Uebrigens find Sie es, der die Dinge tragisch nimmt. Wenn man sich so lange und treu geliebt hat, wie Sie beide, wird man fich wegen eines irr- tümlich angeschossenen Freundes nicht aufgeben."
Christian überhörte den Spott.
„Ja ,ja, Christtane ist dazu im Stande," fiel er ein, „fie ist stolz und halsstarrig wie ihr Vater . . . Bitte, Cousine Melanie, reden Sie ihr vernünftig zu. . . unzurechnungsfähig, wie ich gestern abend, halb im Zorn, halb im Weinrausch, war, habe ich bei dem unseligen Duell die" gebotenen Formalitäten versäumt. Kommt das Serenissimus zu Ohren, so ist n ir, wie den Kameraden, die mir sekundiert haben, Festung, Strafversetzung, permanente Ungnade gewiß. Der einzige, dessen Einfluß uns dagegen schützen kann, ist der Harthäuser Onkel . . . de» wird fich aber nur dazu verstehen, wenn da» Glück seiner Tochter mit in Frage kommt . . . Darum lassen Sie sich erbitte», treten Sie für mich ein. brmgen Sie Christiane zur Raison und schrei-
dagegen haben. Für Quelldorf und Buchwald kann et fich zu einer Mesalliance verstehen."
Christtane fuhr auf.
„Ich danke für solche Heiratsgründe!" rief fie.
„Richt heftig werden, meine Liebe!" mahnte Frau v. Northeimb. „Stehen Sie etwa auch auf dem Backfischstandpuntte, das Leben für eine Liebesgeschichte zu halten und die Ehe für ein Schäferspiel? Mit solchen Illusionen tut man wohl, unverheiratet zu bleiben . . . Sie tönnen das aber nicht; wenigstens nicht, ohne sich selbst und noch mehr Ihren Va^er in zahllose gesellschaftliche Verlegenheiten zu bringen."
„Die werden ihn wenig kümmern," sagte Christiane; aber den zuversichtlichen Worten zum Trotz verriet das Zucken ihrer Lippen, daß Frau v. Northeimb ihren Zweck erreichte.
Nach leisem Aufseufzen fuhr die Dame fori:
„Wiederholte kleine Quälereien find ermüdender, als ein heftiger Kampf. — Sie missen noch nicht, wie grausam die Gesellschaft sein kann! — Selbst wenn Onkel Harthausen Ihnen durch Adoption seinen Namen gibt, eine gestcherte Stellung in der großen Welt haben Sie damit doch nicht gewonnen. — Al» reiche Erbin werden Sie natürlich umschwärmt und umworben sein — aber meist von zweifelhaften Existenzen. Jeder hochgeborene Abenteurer, jeder überschuldete Offizier wird fich durch Ihre Geburt berech- ttgt fühlen, die Hand nach Ihrer Mitgift auspr- strecken, und weisen Sie ihn ab, so ist er Ihr bitterer Feind. — Dazu alle Frauen, die fich durch Ihre Schönheit verdunkelt fühlen . . . Man wird Ihre Worte belauern, Ihre Schritte überwachen, Ihre lleinsten Verstöße an, Licht ziehen, aufbauschen, und Ihnen durch tausend Nadelstiche In Erinnerung bringen, daß Sie in unseren Kreisen nur geduldet
mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain
und den Beilagen: „Nach Feierabend" (wöchentliche Unterhaltungsbellage) und »Landwirtschaftliche Beilage
Deutsches Reich.
— Die Reise de« Kronprinzen. Halderabad, 21. Dez. Der Kronprinz dinierte gestern abend in der Residenz. Später war Empfang. Die Straßen waren glänzend beleuchtet. Heute mittag reiste der Kronprinz nach Bombay ab. — Der Kronprinz überreichte gestern Nizam den Roten Adlerorden 1. Klasse.
— Die Rückkehr der Kronprinzessin. Suez, 21. Dez. Der Reichspost-Lloyddampfer „Lützow" traf heimkehrend mit der Kronprinzessin heute morgen 4y2 Uhr nach schneller, angenehmer Reise
Die Borkumer Svionaaeaffäre vor dem Reichsaerickt.
Leipzig, 21. Dez.
Bor dem vereinigten zweiten und dritten Strafsenat de» Reichsgerichts begann heute unter großem Andrang des Publikums die Verhandlung in dem Borkumer Spionageprozeß gegen die beiden eng. lischen Offiziere Brandon und Trench. Die Anklag« lautet auf Verrat militärischer Geheimnisse, dessen sich die beiden englischen Offiziere durch Au»
Die Erforschung Deutschlands.
Den Engländern ist recht spät zum Bewußtsein gekommen, daß ihnen die Zustände in Deutschland so- zusagen böhmische Dörfer sind. Sie haben sich immer mit der auch heute noch unerschütterlichen Ueber- zeugung begnügt, daß das britische Reich das bestbestellte Land und das britische Volk das glücklichste und freieste Volk der Welt sei. In einem Punkte aber haben sie in den letzten Jahren ihre Anschauungen nachprüfen müssen: in der Arbeiterfrage. Dazu haben die nach England entsandten, noch mehr aber die nach Deutschland entsandten englischen „Studienkommissionen" geführt, die den Zweck hatten, die Arbeiterverhältnisse in den beiden Ländern zu erforschen.
Zur Ueberraschung der deutschen Arbeiter selbst und der Gesellschaft für Soziale Reform, die eine der deutschen Studtenkommisstonen ausgerüstet, zusammengesetzt und geleitet hatte, konnte als Ergebnis von deren Forschungen festgestellt werden, daß die englischen Arbeiter im großen Ganzen nicht besser gelohnt sind, aber schlechter wohnen, nicht billiger leben und mangelhafter gekleidet sind al» die deutschen Arbeitskollegen, daß die Fabriklager in Deutschland in gesundheitlicher Hinsicht besser sind und die Wohlfahrtseinrichtungen wesentlich mehr bieten, als es in England der Fall Ist, und daß gegenüber dem deutschen Reiche Großbritannien in der Sozialreform noch weit zurücksteht. Englische Studienkommissionen haben diese Wahrnehmung bestätigt, indem sie bei ihren Reisen in deutschen Landen auf ungeahnt günstige Arbeiterverhältnisse stießen und darüber in ihren Berichten zu rühmen wußten.
Unter den Mitgliedern der englischen Studien- kommisstonen, die zur Erforschung des deutschen Reiches ausgezogen waren, befanden sich auch ver- totAene namhafte Arbeiterführer. Und wenn diese berichteten, dem deutschen Arbeiter gehe e» gut, teilweise sogar besser als dem englischen — und zwar dank der deutschen Schutzzollgesetzgebung, dann erhob fich in der sozialdemokratischen und gewerkschaftlichen Press- Deutschlands lebhafter Widerspruch. Denn «ach sozialdemokratischer Vorspiegelung, die übrigen» zum Teil von bürgerlichen Sozialreformern unter» stützt wird, ist Deutschland so ziemlich das sozialpolitisch rückständigste Land und der deutsche Arbeiter der am schlechtesten gestellte und am meisten bedrückte her Welt.
(Es war eben nach sozialdemvkrattschen Begriffen ein Elend, daß die englischen Studienkommissionen fich erlaubten, mit eigenen Augen zu sehen, an Ott und Stelle die Fabrikanlagen zu b-fichtigrn und die Arbeiter über ihre Verhältnisse selbst zu beftagen. Ihre Schuldigkeit wäre es gewesen — rote da» „Korrespondenzblatt der Eeneralkommisfion" naiv schreibt — „sich bei unterrichteten Arbeitervertretungen über die deutschen Arbeiterverhältnisse zu informieren". Wo das geschehen sei, habe man .den Engländern natürlich reinen Wein eingeschänkt und da sei denn auch ihr Urteil erheblich von denen der übrigen„Trips" abgewichen". Dazu hätten aber die Engländer sich nicht erst die Umstände einet Reise nach Deutschland zu machen brauchen. Den „reinen Wein", den ihnen die „unterrichteten Arbeiterver- ttetungen" hier kredenzen, hätten sie bequemet aus
Marburg
Freitag, 23. Dezember 1910
(Nachdruck verboten.)
Weibnachtsfrieden.
Bon Karl Herbert.
„Ach. was fällt Dir ein, kleines Marienwürmchen! Du bist viel zu früh aus Deinem Versteck ge- krochen! Na — na, stelle Dich nur nicht tot, wenn ich Dich berühre! Ich will Dich ja nut auf meiner Mutter Asklepialbusch setzen. Dort kannst Du Dih besinnen ,ein wenig verlustieren und dann wieder Unterschlüpfen, bi» der Frühling wirklich ins Land zieht. Das war nut ein Trugspiel, wenn Dich di« Sonne jetzt schon wach küßte."
„3u wem sprichst Du, Kathrin?"
Das Mädchen wandte fich erschrocken um und sagte entschuldigend zu dem alten Herrn, der auf >et Schwelle der Türe stand, die zwei Zimmer miteinander verband.
„Ich habe Dich gestört! Bitte, verzeih, ich wußte nicht, daß Du nebenan arbeitest."
„Soll das eine Antwort auf reine Frage sein? Ob Frauenzimmer im Stande sind, eine vernünftige, sachgemäße Antwort zu geben!"
Landbaumeister Marting kam einige Schritte weiter ins Zimmer und sah mit Mißtrauen ferne Tochter an, die auf dem Fenstert'itt stand und fich Über einen Asklepialbusch beugte.
„Ich sprach zu einem Herrgottskäferchen . . .“
Marting schlug mit der Hand gegen die Stint „Wie ist mir denn? yabe icy ein dreiundzwanzig Iahte altes Mädchen vor mit? Du sprachst mit einem Herrgottskäferchen? Wirklich? Was sagtest Du ihm denn?"
Mariing sah übet ben Nähtisch hinweg auf die Ettaße und dann mit einem ftrngen Blick auf Kathrin. Sie hielt den Blick aus und sagte: .,
„Ich bedauerte bas arme Seelchen, da» NW Schlafeckchen yi früh verlassen hatte."
kNn-^drnr verboten.) Christiane Tanner.
Roman von Claire v. Glümer.
(Fortsetzung.)
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Das Urteil im Greifswalder Landratsprozeß.
Ereifswalb, 20. Dez. Nach mehrwöchentlicher Verhandlung ist heute mittag in dem Prozeß gegen ben Rittergutsbesitzer Becker auf Bart- mannshagen wegen Beleidigung bes Lanbrats des Kreises Grimmen Freiherrn v. Maltzahn sowie bet Mitglieder des Grimmer Kreisausschusses das Urteil gesprochen worden. Der Angeklagte Becker wurde, wie wir gestern schon mitteilten, zu einem Jahr Gefängnis und Tragung sämtlicher Kosten verurteilt.
In bet Begründung des Urteils führte der Vorsitzende aus: Die Straftaten tragen sachlich keinen politischen Charatter. Wenn man ihnen aber gerecht werden will, so ist doch als Hintergrund die ganze Sachlage, der scharfe politische Parteiunterschied des Nebenklägers und des Angeklagten in Betracht zu ziehen. Ebenso darf für die juristische Seite der einzelnen Straftaten auch die Persönlichkeit des Angeklagten nicht ausscheiden. Auch sein ganzes Verhalten in der Hauptversammlung, die Verlesung der Urkunden und Zeitungsartikel, die den Angeklagten charak- terisieren, sind mit zu berücksichtigen. Sämtliche Eingaben des Angeklagten sind nach ben §§ 185 und 186 St. E. B. zu ahnben. Das Gericht hat von einer Anwendung des § 187 (verleumderische Beleidigung) abgesehen, und zwar mit Rücksicht auf die ganze Persönlichkeit des Angeklagten. Das Gericht ist nicht zu der Ueberzeu- gung gelangt, daß der Angeklagte sich in allen Fällen bewußt gewesen ist, daß die von ihm erhobenen Vorwürfe tatsächlich der Wahrheit entbehrten. Der Schutz des § 193 konnte dem Angeklagten nicht zugebilligt werden. Der Angeklagte hat hier eine ganze Reihe von Fällen vor- gebracht, um zu beweisen, daß der Landrat ein
Dte Jnferttonsgebühr beträgt für Inserenten aus oem engeren Verbreitungsgebiet bes Blattes für bie 7p(',"ATtene Zeile ober bereu staunt 16 4, ffir aesroartige Inserate 20_ A. für Reklamen 40 4. — Druck unb Verlag: Ioh. Aug. xoa), UuioerfitSts-Buchbrnckeret. fX«6a6«r Dr. C. f>t- •• • ard-arg, M"rkt 21. — 55.
Die „Oberhessische Zeitung" erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn« unb Feiertage. — Der Bezugspreis beträgt viertel- ' . ''! Post bezogen 2.25 <M (ohne Bestellgeld), bei
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