MrMsche Leitung
Zweites Blatt
Rr. 299
Donnerstag, 22. Dezember.
Farman
8 Stunden 15 Minuten zurückgelegt hatte.
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Hessen-Nassau und Nachbaraebiete.
Treis a. d. Lumda, 19. Dez. Wie an anderen Orten ist auch den hiesigen Kriegsteilnehmern von 1870/71 aus der Gemeindekasse eine jährliche Ehrengabe von je 5 M bis zu ihrem Tode bewilligt worden. Auch soll in kurzem hier ein Kriegerdenkmal errichtet oder in der Kirche eine Ehrentafel für die Kämpfer von 1836 und 1870/71 ausgestellt werden.
+ Wiesbaden, 18. Dez. Im Beisein des Oberpräsidenten der Provinz Hessen-Nassau, Hengsten- berg-Casiel, und des Regierungspräsidenten Dr. von Meister-Wiesbaden begann heute vormittag im hiesigen Landshause die 16. Vollversammlung der Landwirtschaftskammer für den Regierungsbezirk Wiesbaden. Zum Vorsitzenden der Kammer für die Wahlperiode 1911—13 wurde der seitherige Präsident Ehr. Hartmann-LLdicke-Frankfurt a. M. und zum stellvertretenden Vorsitzenden für die gleiche Wahlperiode der Kammerherr v. Heimburg gewählt.
Darmstadt, 19. Dez. Der Eroßheryog hat der „Darmstädter Zeitung" zufolge d n Präsidenten am Erohherzoglichen Landgericht Dr. Hanget zu Mainz als Mitglied der Ersten Kammer der Stände auf Lebenszeit berufen.
Köln, 19. Dez. Gestern nacht wurde in einem Iuweliergeschäft in der Minoritenstraste eingebrochen und für 10 00V dis 12 000 M. Wertsachen entwendet. Von den Tätern fehlt jede Spur.
Köln, 19. Dez. In Wiesdorf find heute Nachtmittag drei Kinder eines Arbeiters, die vermutlich mit dem Ofenfeuer gespielt hatten, in der Wohnung erstickt. Die Mutter, die die Kinder kurze Zeit allein gelassen hatte, fand bei ihrer Rückkehr die Stube verqualmt, die Ofenbank brennend und die Kinder leblos in einer Ecke vor.
war völlig erschöpft. Er landete, weil er aus den Beifallskundgebungen der Menge glaubte schließen zu können, daß er den Rekord Tabuteaus, der 465 Kilometer zurückgelegt hat, geschlagen habe.
London, 18. Dez. Der Aviatiker Graham White, welcher zu den Bewerbern um den „Baron-de-Forrest-Preis" von 80 000 <M gehört und heute auf seinem Zweidecker über den Downs bei Dover einen Probeflug unternahm, wurde das Opfer eines schweren Unfalls. Sein Zweidecker stürzte mit ihm infolge des starken böigen Windes plötzlich aus beträchtlicher Höhe zur Erde und wurde total zertrümmert. Graham White wurde von den herbeigeeilten Zuschauern schwer verletzt unter den Trümmern hervorgezogen und in einem Automobil nach Dover gebracht. Er liegt dort im Lord Warden Hotel infolge einer Gehirnerschütterung bewußtlos und in ernstem Zustande darnieder.
Verantwortlich für die Redaktion: Dr. phil. Earl Hitzeroth in Marburg.
Altheidnische Chroniken berichten von dem ,.3 u l f e st", dem Vorläufer unseres Weihnachtsfestes, das alljährlich von den alten Germanen um die Zeit der Wintersonnenwende begangen wurde. Es war die Feier des Sieges des Lichtes über die finst.ren Mächte des Winters, und man gab seiner Freude Ausdrück durch das Anzünden von Freudenfeuern. Das Christentum hat das Symbol dieses Festes in sein Weihnachtsfest übernommen und versinnbildlicht durch die Feier der Geburt Christi, die Befreiung der Völker von der Finsternis des Heidentums. Im Gefühle des Glückes wollte man auch derer gedenken, denen man besonders nahestand, und man beschenkt sich mit kostbaren Gaben. Di« Art der Geschenke ist mit den Errungenschaften der Jahrhunderte eine vielgestaltige geworden und heute rechnet zu den Kostbarkeiten, die man unter den Weihnachtsbaum legt, ein Kästchen „Manoli"- Zigaretten. Diese werden wegen ihrer Vortrefflichkeit von jedem Raucher gern genommen und i«- folge der starken Lachfrage auch von allen Händler« geführt. . '
in seiner Eigenschaft als Kaiser von Oesterreich, als König von Ungarn und als König von Böhmen. Ebenso muß er als Unioersalherrscher seine Geschenke verteilen. Er selbst hat aber schon vor mehreren Jahren den Wunsch ausgesprochen, die beiden letztgenannten Geschenke nur in Form von Elückwunschadressen zum Ausdruck zu bringen. Ebenso erhält Englands Oberhaupt zwei Präsente: Als König von England und als Kaiser von Indien, während unser Kaiser nur den Titel „Deutscher Kaiser" führt. Uebrigens sei bemerkt, daß die Geschenke aus der Hofburg immer sehr vornehm ausfallen und für den edlen Charakter Franz Josefs II. beredtes Zeugnis ablegen. So hat er vor wenigen Jahren als Weihnachtsgeschenk für Italien einen Fonds zur Errichtung von fünf Krankenhäusern in fiebergefährdeten Gegenden gestiftet. Die spanische Krone gefällt sich in Geschenken, die dem südländischen Geist entsprechen. So verfügt unser Kaiser über eine Reihe kostbarer Teppiche, Schals usw., die aus spanischen Weihnachtsgeschenken stammen. Die sinnreichste Dedikation hat Viktor Emanuel dem deutschen Kaiser vor zwei Jahren dargebracht. Bekanntlich ist der Tannenbaum eine rein germanische Weihnachtsherrlichkeit. Dies benutzte der italienische König und sandte eine herrliche Tanne aus Gold, in natürlichen Farben der Zweige und des Stammes. Ein kostbares Musikwerk war angebracht, das die deutsche Weihnachtshymne: „Stille Nacht, heilige Nacht" spielte. Mittels einer sinnreichen Konstruktion besaß der Baum Tannenduft.
Kleine Geschenke erhalten die Freundschaft. Hoffen wir es auch von den Weihnachts- aesckenken.
Kunst und Wisjenjchaft.
# Neustadt (Haardt), 20. Dez. Wie hiesige Blätter aus Erpolzheim melden, stieß ein Ackerer beim Umgraben seines erst kürzlich erworbenen Feldes an der Eyersheimer Mühle auf ein Urnenfeld. Eine größere und eine kleinere Urne wurden bereits gesunden. Der Konservator des historischen Museums der Pfalz hat die weitere Durchs'"*" "g des Ackers übernommen.
# Paul Heys« und der Nobel-Preis. Wie die „Münch. Reuest. Nachr." melden, hat Paul Heyse, der kürzlich mit dem Nobel-Preis für Literatur ausgezeichnet worden ist, größere Summen für wohltätige Zwecke gespendet. So erhielt die Münchener Zweiaabieilnng der Schiller-Stiftung 10 000 M., die Pensionskasse des Journalisten- und Schriftsteller-Vereins 5000 <<, die Krankenkasse Münchener Berufsjournalisten 2000 J(, der schwedische Armenverein für Kinderpflege 5000 Kronen und eine Reibe anderer Wohltätigkeitsanstalten weitere 14 000 Mark.
Zeppelin 20000 <* als Preis gestiftet hat. Zn der Zeit vom 4. Juni bi» 18. Juni findet dann der große europäische Rundflug Paris-Berlin-Brüssel- London-Paris statt.
Etampes (Departement Seine et Oise), 18. Dez. Der Aviatiker Farman ist gestern ftüh um 9 Uhr 10 Minuten hier aufgestiegen und um 5 Uhr 25 Min. nachmittags gelandet, nachdem er 463 Kilometer in
Was Könige einander zu Weihnachten jckenken?
Das große Bescherungsfest, das schönste Gemeingut christlicher Nationen, steht nahe bevor. Ueberall macht sich die Festesfreude bemerkbar, die Hochsaison des Einkaufens der Geschenke hat begonnen. Auch vor den Magazinen des Hof- marschallamtes stehen große Wagen, die die fielen Geschenke für die kaiserlichen Hofstaaten und die fremden Fürstlichkeiten enthalten. Es sind keine protzige Prunkgeschenke, sondern dem einfachen Charakter des Kaisers entsprechend, einfache, sinnreiche Präsente, die den Empfängern zur Bescherung am Weihnachtsabend dargeboten werden. Nur in den Fällen, wo es Re- prüsentationspflichten erheischen, wie bei frem- pen Souveränen, fallen die Gaben reichlicher aus. Hier wird eine große flache Kiste heruntergeschoben, an allen Seiten mit der Mahnung um vorsichtigen Transport beschrieben. Sie enthält jein Bild, das Meisterwerk eines ersten deutschen Künstlers. Es wird die Galerie des kunstsinnigen Herzogs von Pleß schmücken. Dort wird »in großer, sorgfältig verpackter Gegenstand vom Wagen geholt. Eine wertvolle Goldschmiede- ürbeit, ein Automobil, darstellend und für den Automobilisten unter den europäischen Herrschern, den König von Italien, bestimmt. Mehrere Stunden nimmt die Abfertigung der königlichen Geschenke in Anspruch. Die meisten werden sofort mitbefördert, um noch rechtzeitig an zhren Bestimmungsort anzukommen. Die große Freundschaft, die unser Kaiserhaus mit fremden Fürstenhäusern unterhält, bringt es mit sich, daß auch die Geschenke für die Mitglieder des Kaiserhauses immer sehr zahlreich ausfielen. Interessant ist es, die Vielseitigkeit mancher Fürstlichkeiten zu beobachten. Auch zum Schenken gehört Befähigung. Und kein zweiter besaß diese in höherem Maße wie der verstorbene König Eduard von Enaland. So schenkte er vor einigen Jahren seinen sämtlichen „Herren Amtsbrüdern" der anderen Länder, soweit diese Monarchien waren, eine genaue goldene Nachbildung der schönsten Sehenswürdigkeiten eines jeden Landes. Der deutsche Kaiser erhielt die Siegessäule aus Gold, eine Statue von 95 Zentimeter an Höhe, der Kaiser von Oesterreich eine goldbildhauerische Arbeit des Steick'ansdomes, der König von Italien den schiefen Turm zu Pisa, und der Zar den Kreml in wunderbarer Ausführung. Daran schließt sich ein amüsantes Mißverständnis, das zuerst große Verstimmung erregte, nach seiner Aufklärung aber viel belacht wurde. Der russische Kaiser hatte nämlich in demselben Jahre dem englischen König zufälligerweise ein ähnliches Präsent zngedacht. Allerdings keine englische Sehenswürdigkeit, sondern eine russische. Und zwar ebenfalls eine Nachbildung des Moskauer Kremls. Unglücklicherweise hatte diese in Größe und Lage eine größere Aehnlich- kekt mit der von König Eduard geschenkten, so daß Eduard VII. meinte, der Zar verweigere sein Geschenk, umso mehr, als der Zar seine Geschenke so absandte, daß dieselben erst zur Zeit des russischen Weihnacktsfestes, das bekanntlich etwa 14 Tage später fällt, anlangen. Die Sendungen hatten sich also nicht unterwegs gekreuzt. Erst die herzlich gehaltene Danksagung des russischen Zaren, der die Bemerkung daran schloß, daß er für seinen königlichen Vetter das gleiche Präsent zufällig bestimmt habe, klärte den Irrtum auf. Noch heute wird bei Besprechung der Weihnachtsgeschenke in Peterbof dieses Ereignis febr belacht. Ein ebenso amüsantes Mißgeschick, dessen Wucht das Haupt unseres Kaisers traf, er- zäblt man fick, viel heute noch in Hofkreisen. Im Jahre 1905 schenkte unser Kaiser u. a. dem englischen König einen wundervoll gearbeiteten goldenen Becher und dem König von Portugal ein Freskengemälde, das den landwirtschaftlichen Fleiß der Bewohner versinnbildlichte. Zu jedem der Geschenke verfertigte er ein Handschreiben in französischer Sprache, in welchem er auf den Sinn des Geschenkes einging. Unglücklicherweise wurden die Schreiben der beiden genannten Geschenke verwechsel, so daß König Eduard lesen konnte: ......und so möge Eure Majestät bei
dem Anblick Meines Geschenkes in guter Erinnerung des Fleißes Eures treuen Volkes sein..." Gewöhnlich wird aber der Fleiß eines Volkes nicht nach seiner Fähigkeit im Trinken eingeschätzt. König Eduard ahnte sofort den wahren Sachverhalt und behandelte die Angelegenheit von der humoristischen Seite.
Hm zu dem eigentlichen Thema des Artikels zurückzukehren, seien die „Geschenke ohne Hindernisse" erwähnt. So findet seit Jahren zwischen dem deutschen und russischen Kaiserhause die Bescherung in der Weise statt, daß die beiden Monarchen sich gegenseitig ein wertvolles Ausstattungsstück zu den Uniformen ihrer wechselseitig verliehenen Regimenter dedizieren: einen goldenen Ehrendegen usw. Voriges Jahr verehrte die Zarin ihrer hohen „Kollegin" auf deutschem Thrcne ein wertvolles Gemälde: Die russische Zarenfamilie im Schloßgarten von Szarskoje Sselo, während die Zarin ein kostbares Angebinde erhielt. Interessant ist die Tatsache, daß Kaiser Franz Josef von jedem Landesoberhaupt »ichl «in. sondern drei Geschenke erhält, nämlich
Wilhelm Bamberger
Hofstadt 13
Spezailgeschäft moderner Bildereinrahmung
Aviatik
liebet die Festlegung der Termine der deutschen Aeroplan-Wettbewerbe im Jahre 1911 erfährt die „Pol. Reichs-Korresp.", daß in der letzten Sonnabend-Sitzung der Flugzeugkommission des deutschen Lustschifferverbandes, an der außer den ständigen Mitgliedern: Hauptmann Hildebrandt, v. Tschudi, Prof. Bamler-Essen, auch noch Oberst Schrniiucke vom Kriegsministerium, Dr. Huth vom Verein Deutscher Flugtechniker, Oberleutnant Mickel und Oberleutnant zur See Rasch teilnabmen und die in allen Teilen Deutschlands und namentlich von unseren Flugtechnikern mit größter Spannung erwartete Entscheidung über die Festlegung bet Termine für die Flugwettbewerbe des Jahres 1911 gefallen ist. Die Wetfflüge beginnen am 9. April mit einem Fernflug Ulm-Friedrichshafen, für de« Graf
Marktberichte.
Rr an Hurt, 19. Dezember. fS) t e 6 m a r 11.) Zum Verkauf standen- 525 Ockfen, 43 Bullen, 1127 Kühe, Rind-r und Stiere, 340 Kälber, 297 Schafe und Hammel und 1776 Schweine. Bezahlt wurde für 100 Mund Lebendgewicht: Ockfen 1. Oual. 50—54 Ulf., 2. Dual. 45-43 Ulf., 3. Qual. 41—45 Ult, 4. Oual. 00-00 Mk> Bullen 1. Oual. '3-45 Ulk., 2. Oual. 37—49 Ulf. 3. Dual. CO—03 Ult, Kühe, Rinder und Stiere 1. Dual 4 2-46 Ult, 2. Qual. 40 -43 Ult, 3. Oual. 33—39 Ult, 4. Oual. 24-3« Ult, 5. CuaL 18—22 Ulf. Bezahlt wurde für 1 Mund Lebendgewicht: Kälber 1. Duo'. 00-00 Mg.. 2. Dual.' 55-20 Mg., 3. Dual. 50-54 Ufa. 4. Dual 48—49 Mg. Schafe und Hämmel 1. Qual. 36-37 Pfg-, 2. Dual. 31-00 Mg-, 3. Oual. 27 -00 Ufa. Schweine 1. Oual. 90- CO Uf.. 2. Oual. 55-56 Mg-, 3. dual 54—56 Mg., 4. Oual. 55—56 Mg.
Eefchöftliche Mitteilungen.
Kein Weihnachsfeft ohne Weihnachtsgebäck. Aber womit soll man backen? Butter ist zu teuer, Schmalz und anderes zu gering. Da scheint es angebracht, auf die beiden Produste der Firma Schlinck u. Cie, A.-E., hinzuweisen: Palmin, das sich infolge seiner Reinheit und seines außerordentlich billigen Preises von Jahr zu Jahr, besonders bei der Weihnachtsbäckerei, steiaender Beliebtheit erfreut; P l - min hat vor anderen Fetten den Vorzug, daß es vollkommen geruch- und geschmacklos ist und deshalb den natürlichen Geschmack des Gebäcks und der Zutaten in keiner Weife beeinflußt. Auch bleibt das mit Palmin sowohl als mit P a l m o n a (Pflan- zen-Vutter-Maraarine) hergestellte Gebäck länger haltbar, weil diese Produkte nicht wie selbst Naturbutter, Schmalz rc .einen gewissen Prozentsatz freier Fettsäure enthalten. Palmona ist der beste Ersatz für Backbutter.
Dm Bitt im Seite wirb im oetboM ~ wenn ein Glied der Familie krank, oder auch nur erkältet ist, und doch ist gerade der Dezember der Gesundheit besonders gefährlich. Man muß also gerade jetzt besonders vorsichtig sein, und das ist man am besten, wenn man Fays äckte Sodener Mineralpastillen als ideales Hausmittel immer zur Hand und im Gebrauch hat. Fays ächte So- 0» dener, die man für 85 Pfg. in einschlägigen Ee- 0» schäften kauft, versauen nie und für Kinder be» <s» sonders sind sie ein Segen. ,
** Der Schwester Vermächtnis. Roman von E. Krickebera. Geh. 3 <*, eleg. geb. 4 Jt. — D.r Roman zweier grundverschiedenen Schwestern, einer stolzen Frauenseele, die nur um ihrer selbst willen geliebt werden will, und eines flatterhaften Wesens, das den Mann betrügt mit einem Abenteuer. Sie stirbt und hinterläßt ein zartes, krankes Mädchen, für das der Vater eine Mutter, die Pflegerin und Erzieherin zugleich sein soll, sucht. Er findet die Schwester seiner ersten Frau bereit, dem Kinde die Mutter zu ersetzen. Sie schließt es ans Herz, gibt ihm Sonne, Licht mck Leben, aber sie weist alle Werbungen des Vaters ab. Die seelischen Konflikte, die in den beiden edlen Menschen vor sich gehen, die Kämpfe, die Mann und Frau erschüttern, die Zeiten, da beide um die innere Klarheit ringen, sind meisterhaft erzählt. Den Höhepuntt des Romans bildet die Schilderung, wo sie an der Bahre des geliebten Kindes endlich ihr« wahren Empfindungen entdecken. Die psychologische Entwicklung der Charaktere ist vorzüglich gelungen.
■ ** Stille Wasser. Ein Kleinstadtroman von Teo v. Torn. Illustriert von Herbert Arnold. Geh. 3 Jl, eleg. geb. 4 JL. Eine deutsche Kleinstadt ist dieses „Stille Wasser". Welche? Kern« und jede Es sind immer wiederkehrende Verhältnisse und darin die Menschen in ihrer auch immer und überall sich gleichbleibenden Natur. Klatsch und Jntrigue, wie sie in der engen, dumpfen Atmosphäre kleiner Orte so üppig gedeihen — dem unmittelbar Betroffenen zu Aerger und Mißvergnügen, sehr erheitern^ aber für den Fernstehenden, Zuschauenden. Zumal wenn so amüsant davon erzählt wird, wre in diesem Buche des bekannten Schriftstellers. Verblüffend realistisch sind die einzelnen Gestalten gezeichnet — lauter Typen und Originale. Auch die vielen Nebenfiguren sind mit der Sicherheit des übeilegenen Menschenkenners geschaffen. — Dunkle, schwere Schatten ziehen wohl auch einmal über das bunte Bild, aber mit Absicht sind die bitterernsten Seiten des Lebens nur flüchtig gestreift. Wir wisse. allzuwohl, das sie da sind — daß wir sie bei der Lektüre dieses heiteren Buches einmal vergessen können, danken wir dem Erzähler.
** I H. Fabre: Ein Blick ins Kaser- leben. Mit einem Bild des Verfassers und zahlreichen Illustrationen nach der Natur. (Kosmos, Gesellschaft der Naturfteunde: Franckh'sche Verlagshandlung in Stuttgart.) In farbigem Umschlag 1 .41, geb. 1,80 M.
Literarisches.
In einem eben im Verlage von C. Vietor in Cassel veröffentlichten Vorträge behandelt der Schriftsteller Louis Wolff „Die Entstehung der Kolonie Friedrichsfeld im Reinhards- wal d". Die interessanten Ausführungen berichtigen, zum Teil in ziemlich scharfem To die von einem Buche in das andere kritiklos übernommene Angabe, die nicht weit von Trendelburg gelegene Kolonie, die mit einer Reihe nach Landgraf Friedrich II. und feiner Gemahlin Philippine ähnlich benannter neuer Ansiedelungen erst 1775/76 entstanden ist, verdanke französischen Flüchtlingen ihr Dasein. Zn Wirklichkeit hat sie mit diesen durchaus nichts zu tun, sondern sie ist durch eine Reihe von Familien aus der Gegend von Limburg an der Lahn, aus dem kurtrierischen Dorfe Mensfelden, an dem Nassau- Oranien geringen Anteil hatte, ins Leben gerufen. Der Verfasser hätte bei Heranziehung archivischer Quellen über die Entstehung der Kolonie, die eigentlich nur dem Zufall zu verdanken war, noch manches Interessante beibringen können. Eine Anzahl trierischer Untertanen hatten sich, „um sich der Servitut, welche sie ihrer Herrschaft, dem kurtrierischen Hause, unterwürfig waren, zu entledigen und überhaupt ihren äußeren Wohlstand zu verbessern", zur Auswanderung ins preußische Gebiet entschlossen. Als ihre nach Preußen gesandten Abgeordneten auf der Durchreise eine Nacht in Cassel blieben, erfuhr der Landgraf von ihrer Absicht, ließ die Männer vor sich kommen und brachte sie durch weitgehende Zusicherungen dahin, von ihren preußischen Plänen ab- zustehen und mit ihren Leuten den Schritt ins Hessenland zu lenken. — lieber den A -bau und die Geschichte der Kolonie bis zu unserer Zeit bringt der Verfasser eine Menge Nachrichten, die in erster Linie allerdings nur für die Ortsgeschichte Bedeutung haben: Die Ansiedler, die m't 41 Personen am 23. März 1776 in der neuen Heimat eintrafen, gehörten folgenden 10 Familien an: Lieber (4 Stämme) Bender, Zollmann, Frickhöfer, Steinbert, Deußer und Schleiffer. Jetzt findet sich von diesen Namen nur noch der der Familie Lieber in friedrichsfeld. Die übrigen Familien sind int Mannesstamme ausgestorben oder wieder verzogen, einige Mitte des 19. Jahrhunderts nach Amerika ausgewandert. C. K.
“ Der Münchener Ausstellung angewandter Kunst im Pariser Herbstsalon ist in der Kunstzeit- IchrA. ie Kunst" (München, Bruckmann) ein ausführlicher und ausgezeichnet illustrierter Aufsatz gewidmet; das Beste, was Münchener Künstler und Firmen für diese Ausstellung in gemeinsamer Arbeit geschaffen und das den Parisern so neu, so überraschend eigenartig war, ist in diesem Aufsatz für die vielen, die die Ausstellung nicht gesehen, im Bild festgehalten, von der Wohnung des wohlhabenden Kunstfreundes, vom repräfentativen Empfangsraum bis zum intimen Badezimmer; daneben Metall-, Porzellan- und Glasarbeiten, Holz- und Lederarbeiten, Stickereien, Teppiche usw. und selbstverständlich auch die besten der Werke der Malerei und Plastik, die in der stattlichen Reihe vollständig eingerichteter Wohnräume zur Aufst.llung gelangten. Der dokumentarische Wert der Publikation gewinnt durch den auszugsweisen Abdruck der Kritiken der französischen Presse, die den Schluß des Aufsatzes bilden. — Einen sehr sympathischen und feinen Künstler behandelt ein zweiter Aufsatz des gleichen Heftes, nämlich Karl von Marr, dessen Schaffen die zahlreichen Abbildungen in schönstem Licht erscheinen lassen. Weiter: Aufsätze, so über die erste Ausstellung der neuen Dresdener Künstlervereinigung, Aussprüche von Ingres, Goethes Farbenlehre und die modernen Theorien usw. vervollständigen den Inhalt des sehr reichen Heftes.
** Das Zeitungswesen. Von Dr. Hermann Diez. („Aus Natur und Eeisteswelt." Sammlung wissenschaftlich - gemeinverständlicher Darstellungen aus allen Gebieten des Wissens. 328. Bändchen.) Verlag von B. E. Teubner in Leipzig. 8. 1910. Geh. 1 in Leinwand geb. 1,25 JL. — Das Bewußtsein von der ungeheuren Bedeutung, welche die Presse im heutigen öffentlichen Leben besitzt, hat in neuerer Zeit auch das Interesse an der Geschichte des allmählichen Werdens und der besonderen Lebensbedingungen dieses spezifisch modernen Kulturfaktors wachgerufen. So muß es mit lebhafter Freude begrüßt werden, wenn in der bekannten Teubnerschen Sammlung „Aus Natur und Geisteswelt" soeben eine Darstellung dieses Themas aus der Feder von Dr. Hermann Diez erschienen ist, der, früher selbst Redakteur an einer großen Tageszeitung und jetzt Dozent für Pressewesen an der llinversität Berlin, hierzu ganz besonders berufen schien. Nach einer Einleitung, welche die einzigartige Bedeutung der Tagespresfe kurz zu charakterisieren und zu würdigen sich bemüht, ftizziert das Bändchen zunächst die geschichtliche Entwicklung des Zeitungs- und Zett- fchriftenwesens, um sodann mit Hilfe neuer wertvolle: Tabellen ein umfassendes Bild von der Presse der Gegenwart »ach ihrer äußere» Erscheinung zu gebe«.