Werne i me Jtituim
Nr. 292
Mittwoch, 21. Dezember.
(3i®f>»nir. verboten.)
Christilme Tanner.
Roman voa (Hatte K
, Witterung.)
Frau b. Northeimb, die fich Lber^ngt hatte, daß Core «ü» Herr o. LnL in <rifri»m «ch-räch M- sammeichandea, «chm des Setters «na und sagte, indem Se ihn de» Erker zaführte:
Ehe ich Christiane rasen tage, müssen Sfe wtfr rin’m« «inntea schenken.- Dean ries f* Lara zu, fte möge Ehriftiaas Liederhefte, hie er gelte artt» nehmen wolle, aus dem Rotenfchräickchea zasomme»- luchen, bat den überglücklichen Lebe — dessen Aktien du^h' Christians Verlobung tedeutend gestiegen waren —» der Kleine« dabei pr helfen, setzte sich mit ihre« Opfer nater die Pal«« und fragte, ihm hie Hand entgegenstrecke ad, acht einem Gemisch een Spott and Teilnahme:
^Was soll ich trm — grntalieren ober ftmbo- lieren?"
Christian lächelte gezanrngen.
„Soviel ich weih, gnädige grau, ist für Verlobte das p. k. gebräuchlich," erwiderte er.
„Das soll auch auf meiner Karte Nicht fessle» wenn ich Ihre offizielle Anzeige beantworte," sagte Frau o. Northeimb. „Aber ehe die Sache aerbriefi und besiegelt ist .. . Hand aaf» Herz, Setter, Sie hatten andere Wünsche .. ."
„Sie irren! Ich hatte nur keine Aussicht, meine Wünsche erfüllt zu sehen, muhte sie, um Christiane nicht zu kompromitieren, bezwingen und verbergen. Bis gestern abend scheint nrir da» gelungen zu sein . . *
„Vollständig!" rief Melanie mit eine« Blick, her deutlich sagte: „Ich glaube Dir kein Wort" — laut fügte sie hinzu: „Als ich Ihre Verlobung erfuhr, fand ich Sie beneidenswert klug . . ."
„Wieder ein Irrtum! Beneidenswert glücklich müssen Sie mich finden," sagte Christian in seiner spöttischen Weise; „damit Eie das ohne Rückhalt können, will ich Ihnen anvertrarren, daß wir alte Liebesleute find...Wir haben uns ineinander verliebt, als ich vor vielen Jahren mit den beiden Prinzen nach Clmenach taw, and haben uns seitdem treu i* Herzen getragen."
Frau von Northeimb bih sich auf dia Lippen; ihr solch: Märchen aufbinden zu wollen, war unerhört! Aber sie faßte fich schnell und sagte lächelnd:
„3d) bewundere Sie abermals, Bet er — jetzt wegen Ihrer Vielseitigkeit . . . Fisher haben Eie allgemein al» Urbild des modernen, schneidigen «avalier gegolten, dem die Liebe ein Ep«t ist —
und plitzlich «erden Eie da» Opfer einer romantischen Leidenschaft."
Eie lachte kurz und bitter aus, hob, al» Christian antworten wollte, abwehrend die Hand und süsse fort:
„Baffen Eie ans crr.sthaft sprechen: ich begreif«, dass Er« der von Onkel Parnim befohlenen, ober wenn Se lieber wolle», gewünschten Verlobung ein Mäntelchen umhäageu. Aber Sie haben nicht da» Richtige gewählt. In der Gesellschaft ist heutzutage jede Liebesheirat, He nicht auf dem Untergründe bet VeabSrtigkeit oder in Ermangelung derselben eines ,ratze» Vermögens steht, durchaus lächerlich, Urnso- «eh., wenn sich'» nicht einmal um eine Berühmtheit der Bühne oder des Zirkus handelt, deren pikanter Reiz die Torheit eines Kavaliers allenfalls entschuldigt . . . Aber Majorat und Karriere für eine Tanner aus Elmenoch aufgeben .... sagen Eie selbst, Vetter, wie würden Eie da» von einem anderen finden?"
„Durchaus verständlich, wenn e» für eine junge Dame geschieht. He so schön und distinguiert ist, wie Christiane," antwortete der junge Mann.
„Und so reich . .. bitte, das vergessen Eie nicht," schaltete Melanie ein. „Datei Par »im hat mir gesagt, was er der Tochter, in die er geradezu vernarrt scheint, als Mttgift «ad Erdteil bestimmt. Daß Sie für den Besitz von Buchhalden und Quelldorf ohne Bedenken auf Harthaufen verzichten, wird jeder Vernünftige begreifen; ebenso daß Eie dem Onkel, dessen Beziehungen zu Christiane natürlich kein Geheimnis bleiben können, mit dieser Heirat den Willen tun .. . aber die Liebesgeschichte lassen Eie ganz au» dem Spiele."
Christian zuckte die Achseln.
„Unmöglich, gnädige Frau ... ich mutz der Wahrheit die Ehre geben," sagte er kalt.
JBann erlauben Sie, datz auch ich es tue!" rief Frau von Northeimb, die der Unmut über Christians Zurückhaltung alles Matz vergessen ließ. „Ich kann nutzt mit ansehen, daß Eie blindlings in eine Falle hineinspazieren. Wer sie Ihnen gestellt hat? — Ich möchte niemand beschuldigen — auch in Gedanken nicht . . . Aber seltsam ist es doch, daß ein Freund um Christianen» Liebe Bescheid weiß, während ich und Cara im beinahe täglichen Verkehr mit dem jungen Mädchen nicht, davon gemertt haben . .. noch seltsamer, daß dieser getreue Eckehari im passenden Moment Christianen» Vater herbeirufen konnte, obwohl sie dessen Namen «st gestern erfahren haben will . . . Aber vielleicht erhitze ich mich umsonst — vielleicht haben Sie selbst als nützlicher Freund fungiert?"
„Gnädige Frau, ich hoffe, das soll ein Ech«z sein!" rief Christian mit ein« Schärfe, die Melanie sagte, datz sie zu weit gegangen sei ... . „3dj bin ab« nicht zu Scheren aufgelegt," fuhr « fort, „und begnüge mich, Ihnen mitzuteilen, laß der Briefschrei- b« niemand and«» sein kann als Christianeus Jugendfreund, der Pfarrersfohu von Lingenau, WU- helm Martiny, zu dem sie . . “
„3a, ja! Wie konnte ich das vergessen!" fiel Melanie ein; „von meinem Freui.de Wilhelm, sagte Christiane, als sie die Aufschrift des Schriftstückes — das gegen Abend für sie gekommen war — erblickte und lief damit fort, als ol fie s in Sicherheit bringen müsse . .. Nein, Vetter, Sie dürfen mir wirklich nicht böse werden, wenn mich die Heimlichketten, Ueber- raschungen und Enthüllungen d« letzten Tage aus dem Gleichgewicht bringen. Dazu die Teilnahme für Sie . . .“
„Eitel Verschwendung, gnädige Cousine! Ich versichere Sie nochmals, daß ich glücklich bin."
Frau von Northeimb seufzte.
„SBir wollen uns wieder sprechen, wenn Eie Jahr «nd Tag verheiratet find," sagte sie. „Bisher, Vetter, waren Sie das enfant gate der Gesellschaft, aber Ihre Heirat autz«halb der Kaste beleidigt alle Frauen, die ihr angehören. Mit Argusaugen wird man Christiane beobachten und für jeden Fauxpas Ihrer Frau wird man Sie verantworttich machen. Abc: genug von dem leidigen Thema; wir wollen Thee trinken. Murner hat längst dazu aufgefordert.
Mtt diesen Worten stand sie auf und da sie eben durch das offene Eßzimmer Christiane herankommen sah, wendete sie sich Cara und Herrn von Enke zu, die vor ein par Notenblättern, lebhaft plaudernd, am Flügel lehnten.
Aber «ährend Fra« von Rmtheimb zu ihnen trat und sie lächelnd aufforderte, fich von ihrer schweren Arbeit am Theetische auszuruhen, behielt fie auch da» andere Paar im Auge und fand ihre Vermutungen bestätigt. Weder Christiane, die beim Anblick des kleinen Enke auf der Schwelle stehen 1 lieb, noch Christian, der rasch auf fie zuging und fie mit einem Händedruck begrüßte, machte den Eindruck bräutlicher Glückseligkeit.
Auch nicht, als fie bann neber einander am Teetische saßen. In seiner gewöhnlichen sarkastischen Wer,: nahm Christian teil en der Unterhaltung über den vorgestrigen Ball und schien es nicht zu bemerken, daß Christiane, die kaum die Augen aufschlug, völlig stumm blieb, immer blasser wurde und zuweilen wie fröstelnd zufainmenschauerte.
Gleich nach dem Tee brachen die Eäst. auf. Für de paar Minuten standen die Verlobte» beieinander,
aber vergeben» wertete Christiane auf ein «arme» Wort. Da» Gespräch mit Melanie hatte in Christian eine Mißstimmung zurückgelassen, die für den Mo« meui seine sogenannte Liebe beinahe in Groll verwandelte. Christiauens verwein e Auge ärgerten ihn; fie hatte doch wahrlich .einen Grund, fich unglücklich zu fühlen — während u! — soweit er zurück- denken konnte, hatte mau ihn berounbert ober beneidet, nun ab« sollte « um diese» Mädchen» willen Mitleid und Spott über fich ergehen lassen; — schnell und kühl nahm er Abschied.
„Wenn irgend möglich, komme ich vor unserem Aufbruch noch 'mal beruhet,“ fügte « hinzu, und Christiane, deren Stolz sich aufbäumte, antwortete kalt wie er:
„(Es würde mich freuen."
So schieden fie am zweiten Tage ihres Brautstandes, und Melo .e gab dem Vetter mit fchaden- frohem Lächeln He Bemerkung auf den Weg: et sähe aus, als ob beide sich nur schwer an ihr große» Glück gewöhnen könnten.
18.
Einige Stunden später, als Christiane, gemartert von Zweifeln an diesem Glück, weinend in ihrem Bett lag, saß Christian, dem Anschein nach einer der Fröhlichsten, beim Eastmahl im Lingenauer Schlosse. — Die Kameraden beachteten nicht, daß seine Lebhaftigkeit, fein Lachen, seine Witz- etwa- Gezwungenes hatten und daß et gegen seine Gewohnheit Glas auf Glas hastig leerte.
Das Mißbehagen, mit dem er gekommen war, wurde durch Wilhelm Martiny» Anwesenheit verstärkt. Der junge Mai.n saß ihm gegenüber, immer mieber begegnete Christian seinem forschenden Blick. Was wollte dieser Mensch von ihm? War doch et* reich!, was er im Interesse seiner Freundin ober — der schmähliche Verdacht ftieg immer wird« auf — tu ihrem Auftrage unternommen hatte. Endlich brachte der Gastgeber auch noch einen Trinkspruch auf den Burschen aus. — Mit überschwenglichen Lobsprüchen verkündigte er, daß dem „Prachtjungen“ — wie er den blondbärtigen Hünen zu nennen beliebte — von irgend einer Forstakademie fit irgend eine forstwirtschaftliche Abhandlung d-r erste Preis zuerkannt sei. — Run gab es in der «regten Gesellschaft ein Hochrufen, Gliiserklingen und Gratulieren, als ob — wie Christian seinem Tischna-hbar zuraume — „der Federfechser eine Schlacht gern inner hätte“. Daß der Hatte, mit bet Ha ab am vo len S x*. ipoi- tisch lächelnd fitzen geblieben war, wurde von wenige» bemerkt, denn eben hob Herr von Lingenau die Tafel auf und die Gäste begaben fich an die Spielliste ober in» Rauchzimmer, (Fortsetzung folgte _
halten: veuricyen xoniutn rannen nun ge
meinsam mit den englischen Kommissionären reiche Arbeit. Wer von den Deutschen hatte Schaden erlitten? War der Geschädigte neutral geblieben?
Die deutschen Konsuln verfuhren, das müssen auch die Engländer anerkennen, selbst äußerst peinlich bei diesen Feststellungen. Manche bittere Klage wurde laut über die Lauheit der amtlichen Anwälte unserer Sache. Es genügte schon der Nachweis, daß unter Drohungen Auskünfte Über den Feind an Buren gegeben worden waren, um die Neutralität anzuzweifeln, um die Ansprüche fallen zu lassen. Und nun, nach achtjährigem Mühen, dieser „Erfolg", dessen Inhalt durch die offiziöse ..Nordd. Allgem. Zig." bekannt gegeben worden ist!
In Südwestafrika hat die deutsche Entschädigungskommission schneller, vorurteilsloser, gerechter gehandelt. Dort wurden selbst Ansprüche solcher englischer Untertanen anerkannt, von
55 f'T?n*briirr verboten.)
CbriÜiane Tanner.
Roman von Claire ». Glümer.
(Forttetzungft
Rur Wilhelm, bet des Festtreibens müde war, wendete sich unbemettt, wie er glaubte, dem Ausgange zu, um nach Hause zu gehen; aber Christian hatte ihn nicht aus den Augen gelassen und folgte ihm in die Vorhalle.
„Herr Martiny, ich habe ein Wort mit Ihnen zu sprechen," sagte er hochmütig, indem er dem Fortgehenden in den Weg trat.
„Sie wünschen, Herr v. Parnim?" fragte Wilhelm mit einet Unbefangenheit, die Chttstian» Erbitterung steigette.
„Ich wünsche zu wissen, wie Ei« fich «dreisten können, fich in meine Angelegenheiten einzumischen?" gab er hochmütig zur Antwort.
„Ich verstehe Sie nicht . . .“ fing Wilhelm an.
„So will ich deutlicher fein!" unterbrach ihn Christian mit wachsender Heftigkeit. „Eie haben meine Beziehungen zu einer jungen Dame auskundschaftet, haben darüber — vielleicht auf Wunsch der Dame— an meinen Oheim in Harthausen geschrieben und ihn veranlaßt ..."
„Kein Wort mehr, Herr v. Parnim!" rief Wilhelm; „Ihre Art, mich zur Rede zu stelle:., ist ungehörig. Rur aus Rücksicht für Ihre Braut gebe ich Ihnen die Versicherung, daß ich niemals an Ihren Herrn Onkel geschrieben habe."
„Wunderbarer Depeschendienst. . . von meiner Verlobung haben Sie schon Nachricht," höhnte Christian. „Aber auch ich bin genau unterrichtet . . . Mein Oheim selbst hat mir geschrieben, daß er von einem Freunde seiner Tochter — womit doch nur Sie gemeint sein können — zu Hilfe gerufen ist... zu Hilfe gegen mich. Was können Eie dagegen sagen?"
„Daß Christiane noch andere Freunde hat," antwortete Wilhelm jetzt auch mit erhöhter Stimme -Was mich betrifft. Herr v. Parnim, so hätte ich
Reiche den Rücken geteert, vas eben zweifelhafte Ansprüche nicht unterstützen konnte. Und nun selbst noch die glatte Ablehnung des mehr als bescheidenen sorgsam geprüften Rechtes unzweifelhafter Ansprüche durch das loyale England und die Ablehnung eines Schiedsgerichts.
Der Ton, in dem die deutschen Offiziösen den Bescheid bekannt geben, ist schroff. Und in der ganzen Presse hallt diese Schroffheit nach. Unberechtigt ist sie nicht, umsomehr wir in Südwest ungleich hochherziger zweifelhaften britischen Untertanen gegenüber verfahren sind. Nur der „Vorwärts lehnt es ab, die Berechtigung bet deutschen Ansprüche anzuerkennen. Er nennt den Protest der noch deutsch fühlenden Presse eine „anttenglische Hetze" und „eine kleine chauvinistische Erregung". Die Anbänger der vaterländischen Pattei in Südafrika werden dem „Vorwärts" den Dank nicht schuldig bleiben!
niemand zu Hilfe gerufen. Bei dem geringsten Zweifel an Ihrer Ehrenhaftigkeit wäre ich selbst zu Ihnen gekommen und hätte Sie gezwungen . . . '
„Gezwungen . . . Sie mich!" schrie Christian auf; dies freche Wort werben Sie zurücknehmen . . . ober ..."
Mahnende Zurufe unterbrachen ihn. Einige seiner Kameraden, die int Rauchzimmer den Wortwechsel gehört hatten, stürzten herbei, trennten die Streitenden, mußten sich aber bald von der Vergeblichkeit ihr« Vermittlungsverfuche überzeugen. — Christian blieb dabei, daß die ihm zugefügte Beleidigung — deren Veranlassung er als Kavalier zu verschweigen habe — nur durch Blut gesühnt werden könne und daß der Zweikampf noch vor dem Aufbruch von Lingenau stattfinden müsse.
Wilhelm erklärte fich zu allem bereit. ---- —
19.
Es war unerlaubt früh nach gesellschaftlichen Begriffen, als fich Christian am nächsten Morgen bei Frau v. Northeimb melden ließ; aber die Bemerkung, daß er sich zum Kleinstädter auszubilden scheine, erstarb ihr auf den Lippen, als er mit verstörter Miene bei ihr eintrat und, nachdem er sie kaum begrüßt hatte, in sichtlicher Unruhe Christtane zu sprechen verlangte.
„So schnell wie möglich, um Zwölf muß ich wieder im Quartier fein,“ fügte er hinzu.
„Was giebt’s denn?" sagte Melanie; „hoffentlich keine Hiobspost aus Ha chausen. Der Onkel hat telegraphiert ... er wolle heute gegen Abend kommen."
„Rein, nein, es handelt fich um meine persönlichen Angelegenheiten. . . bitte, lassen Eie Christtane rufen.“
Frau v. Northeimb zuckte die Achseln.
„Können Sie mir nicht auftragen, was Eie zu sagen haben?" fragte sie, „Christiane fühlt fich un- wol, liegt mit Fieber auf dem Sofa.“
„Einerlei, ich muß sie sprechen," fiel Christian so ungestüm ein, daß Frau v. Rortheimb fich entschloß.
katholische Kirche bis ins 11. Jahrhundert immer getan habe. Der Katholizismus müsse den Orthodoxen die volle Freiheit des Ritus und der Disziplin lassen, wogegen die orthodoxe Theologie vom Katholizismus nicht die Ettlärung fordern dürfe, daß er in mehreren disziplinären wir dogmatischen Fragen schwer geirrt habe. Er habe mit seinem Artikel den zersprengten Brüdern zrufen wollen: Seht, wie der Protestantismus fortschreitet; ergreift Ihr nicht die rettende Hand, die wir Euch bieten, so ertrinkt Ihr im Ketzertum! Der Protestantismus dringt in Konstantinopel unter dem neuen Regime und in Athen ein, während die orthodoxen Kirchen durch innere Kämpfe zerrissen werden. Bald fei es zu spät. Er habe geglaubt, Leo XIII. und Pius X. seien entgegenkommend, doch habe er sich geirrt. Er werde kein Geschrei erheben; als Priester kenne er seine Pflicht. Falls Rom es wünsche, werde er diese Erklärung wiederholen. Die ganze Angelegenbett fei persönlich und gehe
gestern in wegemvarr des 'Jin nnters oes Innern über Maßregeln gegen die Fleischteuerung verhandelte, hat, wie der „Schwäb. Merkur" berichtet, ein|/mmig beschlossen, zur allmählichen Ausschaltung des Zwischenhandels eine Viebver- wertunaszentrale für das ganze Land zu schaffen. Weiterhin wurde einstimmig eine Erklärung angenommen, die von dem Standpuntte aus, daß die Zulassung fremden Schlachtviebs für die einheimische Fleischproduttian narfMltg sei, die Regierung auffordert, diese Zulassung bei Rindvieh allmählich, bei Schweinen tunlichst bald zurüazn ziehen.
— Das Urteil im Prozeß Becker-Maltzah«. Greifswald, 20. Dez. Im Prozeß des Landrats Maltzahn gegen den Rittergutsbesitzer Becker wurde der Angeklagte wegen Beleidigung in 5 Fällen zu einem Jahr Gefängnis und Tragung sämtlicher Kosten verurteilt.
— Die deutsche Hygiene-Ausstellung. Dresden, 20. Dez. Der nächste Kongreß deutscher
ihn hinaufzuführen, doch nur unter der Bedingung, der Zusammenkunft beiwohnen zu dürfen.
„Sie können ja leise sprechen," sagte fie spöttisch. „Ihre Geheimnisse will ich nicht wissen; aber der Anstand muß gewahrt werden, und wenn die Kranke Sie nicht sehen will, haben Sie sich zu fügen.“
Christiane war jedoch bereit, ihn zu empfangen. Als er eintrat, saß sie aufgerWet in der Sofaecke un sah ihm mit zitternde. Erwartung entgegen. Tat ihm fein gestriges Benehmen leid? Kam er, sie zu versöhnen? — Sein Gesicht verriet eine quälende Spannung, aber der Blick, der ihren frage wen Augen begegnete, war unruhig, ohne jede Wärme, und ebenso war sein Ton.
„Verzeih', daß ich Dich trotz Deines Unwohlseins belästige," sagte er, indem er einen Stuhl herbeizog und sich ihr gegenübersetzte. „Ich kann später vor unserem Abmarsch nach Lingenau nicht mehr herüberkommen und möchte nicht, daß Du von anderer Seite hörtest, was geschehen ist."
Die Brauen zusammenziehen, sah er vor fich nieder; Melanie, die am Fenster stand, horchte auf; Christiane überkam eine herzbeklemmende Angst.
„Sprich, was ist's!“ bat sie nach einet Pause.
„Eine dumme Geschichte," antwortete er, ohne sie anzusehen. „Dein Freund Martiny war bei unserem Abschiedsmahl, saß mir höbnisch-siegesftoh gegenüber, ließ mich nicht aus den Augen. . . unerträglich war's! Aber als ich ihn wegen des Briefes an den Onkel zur Rede fW te, leugnete « — mit einer Frechheit — ich habe ihn fordern müssen."
Mit leifem Aufschrei schlug Cbriftiane die Hände vor's Gesicht, aber trat für einen Augenblick, dann sah fie wieder auf. „Weiter!“ befahl fie.
Auch Chtisttan hob den Kopf; wie Feinde stanken fie sich an, während « mit heiserer Stimme fortfutjr: „Heute früh ist die Sache zum Austtag gekommen; ich hatte den ersten Schuß . . treffen sollte er natürlich . . . ab«, nun es geschehen ist . .
„Tot!" stöhnte Christiane. " .
„Ünjinn! Dein Rittet lebt,“ fiel Christi«
„kann mit dem kleinen Loch in der Lunge fteinali werden . . . Was mich quält, ist rut die Sorge, daß Du Deinem Vater von dem Duell etwas sagen könntest ... es darf aber nicht bekannt werden . . . wt« sprich mir, nichts davon zu sagen, auch Deinem Batet nicht."
Statt zu antworten, stand Christiane auf.
„Wo ist Wilhelm?" fragte fie.
„In der Lingenauer Försterei, wo er vorläufig bleiben wird," erwiderte Christian. Ein Unfall auf der Jagd soll angegeben werden..."
Er brach ab; Christtane schien das Zimmer verlassen zu wollen, blieb wieder stehen, sah mit inem Blick umher und sagte leise vor sich hin:,, Wenn « stirbt... — dann lauter: „Ich werde zu ihm gehen."
„Krank, wie Eie find!" rief Frau ». Northeimb, indem fie hasttg heranttak. „Das wäre üb« alle Maßen unvorsichtig!"
„Und übet alle Maßen taktlos!" fiel Chtisttan ein. „Wie darfst Du für den frechen Menschen Partei nehmen? — Fühlst Du denn nicht, daß Du Dich damit von mit lossagst?"
Er suchte ihre Hand zu fassen; fie zog fie schnell zurück. „Du hast Dich losgefagt,“ gab fie bitt« zur Antwort, und seine Einwendungen unterbrechend, fügte fie mit bebender Stimme hinzu: „Seit gestern wehre ich mich gegen die Empfindung, daß Du mich nicht Nebst — nun kann ich's nicht mehr . . . Wenn Du mich liebtest, wärst Du dem Briefschteibet baid- bar, der meinen Vater herbeigerufen hat ... Uebrigens hat bas nicht Wilhelm getan, sondern —*
Christians gellendes Auflachen unterbrach fie.
„Sondern ein zweiter Freund, dem Deine in» timsten Wünsche zur Ausführung anverttaui werdea . . . feinen Namen, feinen Namen!" schrie et, wäh- rend ihn Christtane einen Augenblick Verständnis, los anstarrte, und als fie plötzlich begriff, halb ohnmächtig in den nächsten Sessel sank. Eie hatte noch die Befinnung, Chtisttan, der sie stützen wollte, zurück- zuweisin, dann fielen ihr» Arme nieder und fie schloß
«ugäL . (Fortsetzung folgt.)