Einzelbild herunterladen
 

i

M

t

)

45« Jahrg.

Zweites Blatt

l

i

F

stehen, und Trophinski ging mit mir, um sich in der Stube eine Pfeife Tabak zu stopfen, denn da, Rauchen war, weil es den Schlaf sernMt, auch beim Schildern nicht verboten. Als wir die etwa 80 Zentimeter breite Eingangspforte passierten, (was wir damals ausnahmsweise nebeneinander und nicht wie sonst, hintereinander taten,) krachte ein Schutz und mit dem verzweifelten Aufschrei: Ach wer hat denn geschosien, mein Arm ist kaputt!? brach Trophinstt neben mir zusammen. Wohl drei Sekunden, aber die fürchterlichsten meines Lebens, stand ich unter dem schrecklichen Eindruck des soeben Geschehenen, dann beugte ich mich zu dem verwunde­ten Freunde nieder, hob ihn behutsam auf, trug ihn hinter die Umzäunung und setzte ihn auf eine« Holzklotz. Dann lief ich zurück zum Eingang ergriff das hierliegende Gewehr Trophinskis und begann nach Eaiseb zu suchen, denn nur er konnte den Schutz abgegeben haben. Ich rief mehrmals seinen Namen, erhielt jedoch keine Antwott, vernahm aber da, regelmätzige Auftreten einer schnell laufenden Per- son, die ich für Gaiseb hielt. Wohl legte ich da, Gewehr an, um zu schießen, setzte es aber wieder ab, denn bei der herrschenden Dunkelheit, in der man höchstens 10 Meter weit sehen konnte, hätte ich doch nicht getroffen. Schnell eilte ich deshalb wieder zu. rück zu dem Verwundeten, fand ihn aber nicht mehr an der bemühten Stelle: ich lief in unsre Stube, wo ich ihn anzutreffen hoffte, doch auch hier war er nicht. Nun ging ich zu Täuber, der eine sanitär« Ausbildung genossen hatte und berichtete in kurze« Worten das Vorgefallene. Während dieser nun alle, zum Verbinden nötige herbeiholte, suchte ich wieder nach Trophinski und fand ihn bei nochmaligem Be­treten unserer Stube auf einem Kasten zusammenge­kauert liegen. Als Täuber kam setzten wir be* Kameraden auf sein Bett und zogen ihn aus, wob« sich herausstellte, datz die aus einer Ertfernung mm nur 67 Schritt abgefeue^r Kugel («T handelte sich

festtgung von Outjo aus erhielten, und der dahin ging überall Minen anzulegen und nötigen Falls die Station in die Luft zu sprengen, uns selbst aber mit Hilfe unserer Pferde nach Outjo durchzu­schlagen suchen. Dies alles natürlich nur dann, wenn die Station absolut nicht mehr zu halten sei. Wir standen jetzt auch des Nachts Posten und zwar jeder von uns vier Stunden, denn wir waren nur drei Mann, und die afrikanische Nacht hat zu jeder tzahreszeit zwölf Stunden. Bei diesem Wachdienst wurden wir durch eine Anzahl sehr guter Hunde unterstützt. DieseMolossernachkommen" schlugen an, sobald das geringste Geräusch sich hören lieh. Wir waren also vor unliebsamen Ueberraschungen ziem­lich sicher. Doch es blieb alles still, das Kreuz des Südens beschien Rächt für Nacht die friedlichen Ge­filde und man vernahm nichts als das leise melancholische Singen und Spielen der Bewohner einer nahen Negerwerft (Negerdorf), das bellende Eehäul des Schakals und das krächzende dumpfe Knurren der nach Aas suchenden Hyäne.

Am 20. Dezember erhielten wir Postsachen von Outjo, es waren die ersten Weihnachtsgrühe, wo­rüber wir uns selbstverständlich sehr freuten. An die­sem Tage stand Trophinstt von 610 Uhr Posten und ich ging nach der naheliegenden Hottentotten­werft. Bewaffnet war ich mit einem Ghambock (Lederpeitsche aus Nilpferdhaut) den ich mit einer Schnur um das rechte Handgelenk befestigt hatte, und zur Abwehr der manchmal recht zudringlichen Hunde gebrauchte, außerdem steckte in meiner Brusttasche eine Bergmannspistole, deren Vorhandensein aber von außen nicht wahrgenommen werden konnte. Als ich auf der Werft zwischen den einzelnen Pantocks (Hütten) durchging, vernahm ich aus einem der­selben, einen wüsten Lärm. Es schwatzte alles durcheinander, sodaß ich, obgleich der Hotteniotten- sprache mächtig, doch keinen zusammenhängenden Satz heraushören konnte. Ich ging nun, wie schon so oft­

mals in den Pontock der einem der Großleute namens Thomas gehörte und fand zwölf Männer Tabak rauchend auf dem Boden hocken, wie dies bei Beratungen stets üblich ist. Bei meinem Eintritt verstummten alle. Hierdurch wurde ich stutzig und fragte den Nächstsitzenden nach der Ursache dieses plötzlichen Schweigens, erhielt jedoch keine Antwort, hörte aber hier und da ein unverständliches Murmeln wie Katchirumbu (Deutscher). Da mir die ganze Sache lehr verdächtig vorkam, griff ich in­stinktiv an meine Brust, öffnete zwei Knöpfe meines Rockes und steckte wie zufällig die Hand in den Schlitz, in Wirklichkeit erfaßte ich aber den Knauf der Bergmannspistole. Um mein mit jeder Minute wachsendes Mißtrauen nicht zu verraten, knüpfte ich mit einigen der bekanntesten Männer ein gleich­gültiges Gespräch an, erhielt aber nut immer mürrische Antworten, sodaß es mir geraten schien, mich wieder zu entfernen. Ich dehnte nun meinen Spaziergang nicht weiter aus, wie ich sonst zu tun pflegte, sondern kehrte sofort zur Station zurück Nachdem ich etwa 50 Meter von dem Pontock ent­fernt war, drehte ich mich noch einmal um und be­merkte, daß mich die Männer beobachteten. Ich kümmerte mich jedoch nicht darum, sondern setzte meinen Weg fort und erreichte gegen 9 Uhr unbe­helligt die Station. Dem auf Posten stehenden Trophinstt teilte ich meine Befürchtungen mit, und wir beschlossen auf der Hut zu fein. Gleichzeitig mir Trovhinski stand auch ein Eingeborener Posten. (Einer der beiden Posten blieb stets am Eingang stehen um zu sehen wer alles aus- und einging, wahrend der andre um den Kraal patroullierte und zeitweise nach unserem, hinter der Station stehenden Vieh sOchsen, Ziegen, Schafe) sah.) Es war ein Hotteutott namens Eaiseb. Dieser kam als ich die Station erreichte, anscheinend von den Biehkrälen, während Trophinski am Einga rg lehnte. Etwa 67 Schritte von diesem entfernt blieb Eaiieb

Ich kam hinzu, als die Wagen bald nach dem Einbiegen in die Rostockerstraße von einer nach Hunderten zählenden, meist aus Streikenden be­stehenden Menge angehalten und umringt waren. Bei meinem Erscheinen trat die Menge von den beiden Wagen auf die Bürgersteige zu­rück und suchte von hier aus den einen Kutscher der andere war bereits geflüchtet zum Nie­derlegen der Arbeit und zum Uebertritt zu den Streikenden durch Beschimpfung und Drohungen zu zwingen. Hiermit hatte die Menge auch als­bald Erfolg. Da die Eeschirrsielen bereits zer­schnitten und infolge gewaltsamen Entfernens einer Rückschütze Kohlen auf den Stratzendamm gefallen waren, jetzt auch Rufe:Stecht die Pferde tot!" laut wurden, war es meine Auf­gabe, das Eigentum vor weiteren Beschädigun­gen zu schützen. Dies erreichte ich dadurch, daß ich die sechs Beamten auf beiden Seiten der Wa­gen verteilte; die Berittenen hatten blank ge­zogen, hielten jedoch den Säbel gesenkt, weil die johlende Menge von den Wagen abgelassen hatte. Einzelne Leute, die wieder und immer wieder auf mich zukamen, um eine Erklärung für den mir bereits längst bekannten Anlaß des Vorfalls zu geben, konnte ich mir nur dadurch vom Leibe halten, daß ich sie mit ausgebreiteten Armen zurückschob, was von einem höher gele­genen Fenster oder Balkon aus leicht den An­schein erweckt haben mag, als ob ein tätlicher Angriff nicht mit dem erforderlichen Nachdruck zurückgewiesen worden sei. Die Haupttäter waren bereits längst in der Menge unter­getaucht; von der Festnahme irgendeines Schrei­ers sah ich ab, um nicht meine Mannschaft zu verringern. Nach etwa 15 Minuten trafen Ver­stärkungsmannschaften ein, mit denen es in we­nigen Minuten gelang, die Straße zu säubern und einen Rücktransport nach dem Lagerplatz zu ermöglichen.

Berseuchung durch französisches Bieh. Berlin, 15. Dez. Aus München wird derPost" mitgeteilt, daß im dortigen Schlacht- und Vieh­hofe bei einem aus Frankreich zugetriebenen Mastochsen die Maul- und Klauenseuche fest­gestellt worden ist.

Nationalliberale gegen den Zug nach links. Oppenheim, 14. Dez. Kürzlich fand in Guntersblum eine Versammlung der Wahl­männer der nationalliberalen Partei des Land­tagswahlkreises Oppenheim statt, die nach der nattonalliberalenWiesbadener Zeitung" fol­gende beachtenswerte Entschließung einstimmig annahm:Die Wahlmänner des Landtagswahl­kreises Oppenheim sprechen Herrn Dr. Winkler für seine Tätigkeit als Abgeordneter Dank aus. Die Wahlmänner sind mit der Rede, die der Ab­geordnete Dr. Winkler auf dem nationallibe­ralen Parteitage zu Cassel gehalten hat, in vol­lem Umfang einverstanden. Die WahlmLnner

stehen mit ihrem Abgeordneten einmütig mch dem Boden des Heidelberger Programms. Als nationalgesinnte Männer verurteilen die Wahl» männer jegliches Zusammengehen mit der So zialdemokratie, in der sie den größten Feind des . deutschen Bauernstandes sehen. Sie treten ein für ein Zusammenarbeiten aller National- " gesinnten. Sie treten insbesondere ein für eine Verständigung der nationalliberalen Partei mit den rechtstehenden Parteien im Interesse des Vaterlandes und der Erhaltung der landwirt- . fchaftlichen Schutzzölle. Die Wahlmänner sind , nicht grundsätzliche Gegner einer Verständigung auch mit dem Freisinn. Wenn aber der Freisinn als Bedingung für diese Einigung von der na­tionalliberalen Partei den Kampf gegen rechts ! unter allen Umständen verlangt, so können die I Wahlmänner eine Einigung mit dem Freisinn auf dieser Grundlage nicht gutheißen. Die Wahlmänner sind sich dabei bewußt, daß der Freisinn ein alte* Feind der Landwirtschaft ist und bei seiner Men Einigung die schrittweise Herabsetzung der Zölle in sein Programm aus­genommen hat."

Die Bueck-Spende. DerVorwärts" teilt in seiner Nr. 290 vom 11. d M. mit, daß dem aus seinem Amte scheidenden Generalsekretär des Zentralverbandes deutscher Industrieller Herrn Bueck einEhrengeldgeschenk" von vor­läufig 700 000 «M. gemacht worden sei, das jedoch wahrscheinlich die Höhe von ein und einer hal­ben Million <M erreichen werde. DerVor­wärts" bemerkt hierzu, daß die Vertretung der Interessen des Zentralverbandes sich sonach in reichlichem Maße lohne. Da die gleiche irr­tümliche Auffassung auch in anderen Kreisen verbreitet ist, erklären wir hiermit ausdrücklich, daß der vorläufig von den Mitgliedern des Zen- tralverbandes deutscher Industrieller in Höhe von 700 000 M angesammelte Fonds lediglich zu dauernden Zwecken des Zentralverbandes be­stimmt ist und zur Ehrung des scheidenden Gene­ralsekretärs die BezeichnungBueck-Spende" er­halten hat. Demgemäß hat Herr Bueck in keiner Weise irgendwelchen Anteil an diesem Fonds oder persönliche Vorteile davon. Zentralver- band deutscher Industrieller.

Marburg

Sonntag, 18. Dezember 1910.

Deutsches Reich.

Zum Moabiter Krawallprozeß. In den Prozeßverhandlungen über die Moabiter Aus­schreitungen hatte ein Zeuge behauptet, ein Schutzmann habe es bei tätlichen Angriffen sei­tens der Menge an der nötigen Energie fehlen lassen. Daraufhin veröffentlicht nun das Poli­zeipräsidium folgende Aussagen des Polizeileut­nants Rauschke zu diesem Fall: Am Sonnabend, den 24. Sept. d. I., nachmittags gegen 2 Uhr kamen zwei Kohlenwagen der Firma Kupfer & Co. von dem auf Charlottenburger Gebiet be- legenen Ladeplatz die Sickingenstraße in östlicher Richtung entlang gefahren. Sie waren von vier Berittenen begleitet, denen sich zwei vor dem Kupferschen Kohlenplatze als Doppelposten stehende Fußschutzmänner angeschlossen hatten.

Verrechnet*.

^SemerIensäerter, als alle bisherigen Vor- stöD-der-S^iätdemokratie gegen die Monarchie war^das «»umwundene Bekenntnis des Abg. Ledebour zur Republik bei der Jnterpellations- debatte über die Königsberger Kaiserrede im Reichstag, und mit anerkennenswerter Entschie­denheit hat schon damals der Reichskanzler so­fort die Bedeutung dieses Eingeständnisses her­vorgehoben. Die liberale Presse ist über diese offene Proklamierung der Republik als obersten Programmpunkt der Sozialdemokratie mit einigen nichtssagenden Phrasen und in der über­wiegenden Mehrheit sogar stillschweigend da­rüber hinweggegangen. Die Gründe liegen auf der Hand. Der Freisinn, der vielerorts bereits Wahlkompromisse mit der Sozialdemokratie ab­geschlossen hat, muß sich selbstverständlich die Ge­folgschaft seiner Wähler durch eine möglichst harmlose Charakteristik der Ziele und Bestre­bungen der Umsturzpartei sichern, gleichgültig, ob diese praktische und theoretische Kooperation mit ihr hier tatsächlich und in des Wortes ur­eigener Bedeutung in ein frivoles Spiel mit den Interessen der Monarchie, der Person des Trä­gers der Krone ausschlägt und das patriotische und monarchische Empfinden der Wählermassen abstumpft. Daß der Abg. Ledebour sich selbst im Vorwärts" (Nr. 288) zu widerlegen bemüht, mutet wie ein Hohngedicht an. Die Betonung bet republikanischen Forderung sei nur nötig ge­wesen, so schreibt er, um an die Vertreter des Bürgertums zu apellieren, der Sozialdemokratie bei ihrem Kampf um demokratische Einrichtun­gen zur Seite zu stehen. Also auch die Sozial­demokratie ist überzeugt, daß die Forderung nach größerer Demokratisierung unseres Staatslebens nur eitel Spiegelfechterei ist und nur noch Hoff­nung auf Betätigung erweckt, wenn man als Endziel dieses Weges die Republik in Aussicht stellt. Aber noch deutlicher wird Herr Ledebour. Wir brauchen", so heißt es weiter in seinem Ar­tikel:Die Wahlparole der Reaktion",sicher nicht bei jeder Gelegenheit unfern republikani­schen Anschauungen Ausdruck zu geben, ebenso­wenig wie wir alle Tage von der endgültigen Umgestaltung der kapitalistischen zur sozialisti­schen Wirtschaftsordnung sprechen. So etwas ist nur notwendig, wenn die Umstände es verlan­gen." Das ist die Sprache des Revisionismus, die Mausefalle des Herrn v. Bodman. Unehrlichkeit des politischen Kampfes, Verleugnung der eigentlichen Bestrebungen, Verschweigen der re - volutionären Programmpunkte zum Zwecke des Wählerfanges. Um

Ernste Weihnachten.

Afrikanische Kriegserinnerungen. Bon D. K. Feußner.

I.

O trübe, sonnenlose Tage!

Fluch-gleiches Glück, fehlt uns ein Freund, Der's mit uns fühlt und auch die Plage Die nach ihm folgt, mit uns beweint!

I. K. Lavater.

Die Wahrheit dieser Dichterworte fühlen wir schon im gewöhnlichen Leben, das sich auf der heimatlichen Scholle oder in ihrer Nähe abspielt; wieviel mehr aber, wenn es scheint als seien sie eigens für uns geschrieben, wenn wir uns in Situa­tionen befinden, in denen diese Wahrheit gleich Keulenschlägen auf uns wirkt. In einer solchen Lage befanden wir uns, meine Freunde Trophinstt, Täuber und ich und Freundschaft, die durch bas Feuer der Not zusammengeschweißt worden ist, hält bis der Tod sie auseinander spaltet. Er hat es denn auch getan und zwar am Feste der Liebe und des Friedens, am Weihnachtsabend. Wie dies kam will ich hier schlicht und einfach, aber auch wahr­heitsgetreu erzählen.

Wir drei Weiße bildeten mit einigen schwarzen Soldaten die ganze Besatzung bet Station Zeßfon- tain, die im äußersten Norden von Deutsch-Südwest­afrika 384 Kilometer von Qutjo entfernt liegt. Durch den Aufstand der Hereros waren wir in Kriegszu­stand versetzt worden und deshalb eifrig bemüht, die Station zu umkraalen, b. h. Re mit einer hohen Dornhecke zu umgeben. Das StatronsgebSude wurde außerdem noch extra verbarrikadiert das Dach lur.fj Candsäcke verstärkt und cn einigen Stellen Schieß­scharten angelegt. Daß unsere Lage ernster war, als wir selbst annahmen, ging aus einem Befehl hervor, den wir nach Beendigu.ig der provisorischen Le­

den Eindruck seines republikanischen Bekennt- I nisses abzuschwächen, weist Ledebour darauf hin, I daß er im Reichstag noch gesagt hat:Unsre re­publikanischen Ueberzeugungen hindern uns aber nicht, allen denjenigen behilflich zu fein, die selbst beim Fortbestehen monarchischer Ein­richtungen, wie es in England der Fall ist, das parlamentarische System durchführen wollen." Gewiß, das ist der Zweck der llebung; immer unmöglichere und Lbertriebenere Forderungen stellen und gründen auf ein demokratisches Prin­zip, das ist der beste Häscher. Ledebour weiß, was er sagt und was er damit bezwecken will. Vor unfern Augen hatte", so heißt es weiter, in einem europäischen Lande (Portugal) eine bürgerliche Revolution die Republik herbeige­führt. Da sollten die Vertreter des klassenbe­wußten Proletariats, wenn sie die Frage der De­mokratisierung des öfentlichen Lebens auf rollen, es mit Schweigen übergehen, daß wir grundsätz­lich Republikaner sind? Dies wäre in diesem Augenblick ebenso mutlos wie unaufrichtig und deshalb auch taktisch unflug gewesen. Denn Offenheit und Ehrlichkeit ist am letzten Ende die beste Politik, vor allem aber für die Partei des proletarischen Klassenkampfes. Doch könnte das nicht manchen liberalen Bürgersmann stutzig machen und ihn abschrecken von einem Zusam­mengehen mit der Sozialdemokratie zur Erkämp- fung des demokratischen Parlamentarismus? Möglich! Wessen Demokratismus so engbrüstig ist, daß ihm der Atem ausgeht, weil sein Neben­mann im Kampfe sich zur Republik bekennt, wird der bann etwa durch unsre sozialistischen Forderungen nicht abgeschreckt? Der läuft ja doch bei erster Gelegenheit zum Feinde über, un­ter diesem ober jenem Vorwande. Wir können unsre Taktik nicht einrichten nach den Gemüts- ftimmungen schreckhafter Philisterseelen." Nun Herrn v. Eerlachs Atem geht dabei gewiß nicht aus?

Die Infertionsgebühr beträgt für Inserenten aus dem engeren Verbreitungsgebiet des Blattes für bie 7gc'^Itene Zelle ob« beten Raum 16 A, füt auswärtige Inserate 20 A. fflr Reklamen 40 A. Druck nnb Verlag: Ioh. «ug. kou), Universitats-Buchdruckerei. Inhaber Dr. G. Sitz-reu?. Amrdnrg, Markt 21. Telenbon 55. ____

-M.. H

Mit dem K Marburg und Kirchhain

und den Beilagen:Nach Feierabend» (wöchentliche Unterhaltungsbeilage) und.Landwirtschaftliche Beilage

Marburg und Umgegend.

(Nachdruck aller Ortginalartttel ist gemäß 8 18 bei Urheberrechts nur mit bet deutlichen Quellenangabe .Oberheff. Ztg.» gestattet.,

Marburg, 17. Dez.

* Goldener Sonntag. Der letzte Sonntag vor Weihnachten, der sog.goldene" Sonntag, ist mit seinem fröhlichen Hasten und Treiben al» Höhepuntt der Adventszeit int Geschäftsleben anzusehen. Für viele ist heute die letzte Gelegen­heit zur Erledigung ihrer Weihnachtscinkäufe. Besonders zahlreich werden morgen die Land-

DieOberhestische Zeitung" erscheint täglich mit Ausnahme bet Sonn- und Feiertage. Der B e z u g s p t e i - beträgt viertel- M2 Oüft jährlich durch die Post bezogen 2,25 JL (ohne Bestellgeld), bet

e/I=. äHv unseren Zeitungsstellen und der Exvedition (Marti 21), LM -K.

(Für umrerlangt zugesandte Manuskripte übernimmt die Redak­tion keinerlei Verantwortung.)__