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45. Jahr«.

WS OOß MrN« d«r, £ vV unseren Zeitu

Drittes Blatt

62

f^a^btur: verboten.)

Ich bin

trostlos, daß mir

nicht möglich, daß die Großmutter,

wenn

Enkelin glücklich sah, den alten Groll

Wilhelm, wie würde er fich zu der Wen-

*

liebe Ehristtane, hat mir eine der Seele genommen," antwortete

tern. Dazu kommt die ewige Zwietracht das Kliquenwesen überall da, wo Deutsche Auslande zusammenwohnen, und endlich geradezu widerliche Ausländerei. Uns ist

und im die ein

goldenem, Kärtchen

bekröntem Mono- und überflog dis

es denn sie ihre besiegte?

Aber

diesem Herrn v. glück über Euch sagt freilich mit kennst: es wäre Rattenfänger zu

geschickt hatte.

Dein Zettel, Zentnerlast von

goldumrandete, mit gramm geschmückte wenigen Zeilen:

Teure Christiane!

Hand: Ihr habt niemand hinter euch, euer deut­sches Reich hat keine Flotte, da sind wir ganz andere Kerle! Zeder Geschäftsmann weiß aber, wie wichtig das für seine Interessen, sein so­ziales Ansehen am Orte ist. Leider darf aber auch nicht verschwiegen werden, daß die Aus­ländsdeutschen noch vielfach nationales Selbst­gefühl vermiffen lasien und dadurch selbst ihre Stellung im Auslande erschweren und verschlech-

darflt sie nicht verlaffen, noch dazu Parnim zuliebe, der so viel Un­gebracht hat. Deine Großmutter dem bitterbösen Lachen, das Du ja ganz richtig von Dir, dem neuen folgen so hat sie ihn getauft,

der Dienst nicht erlaubt, Dich heute wiederzusehen, erst morgen abend kann ich bei Dir sein. Dein tief» betrübter C. v. P." Das war ihr nichtssagender Inhalt. Aber Christiane fand darin den Widerhall der eigenen Empfindung, die Qual des heutigen Getrenntseins, das sehnsüchtige Warten auf morgen. Auch den Brief des Vaters, den Lore ins Köffer­chen gelegt hatte, las sie wieder, rief sich die Ge­spräche zurück, die sie mit ihm gehabt hatte,' nein! neben der Liebesfülle des neuen Lebens durfte, was sie dafür aufgab, nicht ins Gewicht fallen. Und war

nicht lange zurückliegender Fall bekannt, wo ein Auslandsdeutscher einen deutschen Besucher him­melhoch bat, er möchte mit ihm in Hörweite von Engländern nie deutsch, sondern nur englisch sprechen, da er sonst in geschäftlicher Beziehung großen Schaden erleiden könne. Noch andere ähnliche Fälle ließen sich anführen. Bemühun­gen, die ältere Generation der Auslanddeutschen in ihrer Gesinnung umzumodeln, versprechen wohl kaum wirklich Erfolg; bester dagegen steht es mit der jüngeren, und gerade auf sie wirkt das häufige Erscheinen von Kriegsschiffen be­fruchtend und nutzbringend. Freilich müsten auch die Offiziere der einzelnen Schiffe ihre hohe Aufgabe durchaus erfaßt und sich auf sie vor­bereitet haben, nur dann wird allmählich der gewünschte Erfolg erreicht werden und der deutsche Kaufmann im Auslande nicht mehr wie jetzt noch vielfach ohne Bedenken mit englischen und französischen Werten handeln, sondern sein Geschäft von deutsch-nationalen Gesichtspunkten aus leiten lasten. Sie müsten allmählich an eng­lischen und französischen Beispielen zur Erkennt­nis gelangen, daß es unabweisbare Notwendig­keit ist, ihre wirtschaftliche Kraft und Bestrebung vor allem in den Dienst des eigenen Volkes zu stellen, und daß sie damit kein idealistisches Opfer bringen, sondern etwas nationalökono­misch höchst Vernünftiges und Praktisches. Rur so wird dann jener Wechselstrom zwischen der heimatlichen Scholle und den Ausländsdeutschen hergestellt, der für beide von weittragender Be­deutung ist. Wenn jeder Ausländsdeutsche so seine Pflicht erfüllt, wird er sich auch in der Ar­beit mit seinen Landsleuten am Orte zusammen­finden und die von den anderen Nationen so oft verspottetedeutsche Zwietracht" wird aufhören. Unsere Kriegsschiffe haben also eine wichtige Aufgabe im Auslande zu erfüllen, und wir sehen alles Vertrauen in ihr Können.

reichung einer besonderen Adreste ab. Der Kron» prinz unterhielt sich in ungezwungenster Weise mit jedem Einzelnen und zeigte großes Inter» este für die indischen kommerziellen und indu­striellen Einrichtungen. Vormittags besichtigte der Kronprinz die arabischen Ställe; nachmit­tags erfolgte die Abreise nach Haiderabad. Zur Verabschiedung waren der Eouverneuer Sir George Sydenham Clarke mit seiner Eemahlio am Bahnhof erschienen.

Di« Arbeiten des Bundesrats. Berlin, 16. Dez. DerReichsanzeiger" meldet: In der am 15. Dez. unter dem Vorsitz des Staatssekre­tärs des Innern abgehaltenen Plenarsitzung des Bundesrats wurde dem Entwurf der deutschen Arzneitaxe für 1911 sowie der Vorlage, betref­fend eine anderweite Festsetzung der Gesamt­menge des Absatzes von Kalisalzen für die Zeit vom 1. Mai bis 31. Dezember 1910 die Zustim­mung erteilt. Anahme fanden die Vorlage be­treffend die Aenderung der Zllndwarensteuer- ausführungsbestimmungen bezw. der Zündwa­renkontingentierungsordnung, die Vorlage be­treffend die Aenderung der Zuckersteuerausfüh­rungsbestimmungen, die Vorlage wegen Aende­rung und Ergänzung der Branntweinsteuerbe­freiungsordnung, die Vorlage betreffend die Herabsetzung der von der Vergällungspflicht be­freiten Branntweinmenge für das Betriebsjahr 1910/11, die Anträge des zuständigen Aus- schustes wegen der Feststellung bestimmter Grundsätze über die Behandlung der Anträge auf die Einreihung von Orten in eine höhere Ortsklaste des Ortsklassenverzeichnisses sowie die Vorlage betreffend die Verwaltung. Der Be­triebsauflage von Branntwein stimmte die Ver­sammlung zu, außerdem wurde über mehrere Eingaben Beschluß gefaßt.

Der preußische Landtag. DieNordd. Allg. Ztg." schreibt, der Preußische Landtag sei auf den 10. Januar 1911 einberufen.

Das Gesetz über den Patentausführungs» zwang. Berlin, 16. Dez. Wie derReichsanz." meldet, ist den Regierungen de rBundesstaaten vom Reichskanzler der Entwurf des Gesetzes be­treffend den Patentausführungszwang mit dem Ersuchen um Prüfung mitgeteilt worden. Der Reichsanz." bringt den Entwurf nebst Erläute­rungen heute zum Abdruck, um auch weiteren Kreisen Gelegenheit zur Meinungsäußerung zu geben.

Dementi. DieNorddeutsche Allgemein« Zeitung schreibt: DieKölnische Volkszeitung* hält in ihrer Nummer vom 15. Dezember die Nachricht aufrecht, daß die Verhandlungen der Moabiter Krawallprozesses zu einer anderwet- ten Verwendung des Polizeipräsidenten v. Ja« goto führen würden. Wir sind ermächtigt, fest­zustellen, daß die Nachricht auf Erfindung be­ruht.

düng ihres Geschickes stellen? Je länger sie da­rüber nachdachte, umso größer und quälender wurde ihre Unsicherheit; so schnell als möglich mußte sie ihr ein Ende machen, trug die Lampe auf den Schreibtisch, der mit allem Nötigen versehen war, und schrieb dem Freunde:

.^Lieber Wilhelm: Wie Saul, der auszog, seines Vaters Eselin zu suchen, und ein Königreich fand, ist es mir ergangen. Auf das flüchtige Vergnügen eines Balles war ich vorbereitet, und habe meinen Vater gefunden!

Erschrick nicht, Wil, und fürchte nichts für mich, vor allem, glaube nicht, was man Dir von ihm er­zählt haben wird. Denn nicht wahr, Du weist Be­scheid um das Schicksal meiner Mutter, und haft bis jetzt in meinem herrlichen Vater einen Unhold gesehen? Glaube mir, er ist warmherzig und treu, und meine Mutter liebt er heute noch. Aber er selbst soll Dir die Geschichte seiner Jugendliebe er­zählen; ich lege bte Blätter ein. die er mir nach

Christiane Tanner.

Roman von Claire v. Glümer.

(Fortfetzung.)

Nachdem Parnim, der sich erst zum Abendzuge von seiner Tochter losreißen konnte, davongefahren war, kam Frau v. Northeimbs Mißstimmung so deutlich zum Ausdrucke, und Cara wich der Freundin so ängstlich aus, daß Christiane um Erlaubnis bat, sich zurückzuziehen. ,

In ihrem Zimmer fand sie einen Handkoffer mit allerlei Notwendigem nebst einem langen tränen- feuchten Brief von Tante Lore, der sie einige Zeilen

Lore,denn feit ich weiß, daß Du vorläufig in Elmenach bleibst, hoffe ich wieder, daß Du Dich an­ders besinnst. Ich kann es nicht glauben, daß Du im Ernste fortgegangen bist, und wenn Du es getan hast, weiß ich nicht, wie wir es aushalten sollen. Aber von mir will ich nicht sprechen; ich bitte Dich nur, sosehr ich kann, an Deine arme alte Groß­mutter zu denken.

So wenig sie sich'» merken läßt, ihr Stolz und

an Deiner Mutter versündigt hat, nicht die gering­sten Ansprüche machen darf, und daß Du nur uns, das heißt Deiner Großmutter gehörst. Ganz un­begreiflich aber, Du UnglLckskind, ist uns Deine Verlobung mit dem anderen Parnim, der da so plötzlich hereinschneit. Seit wann kennst Du ihn denn? Und warum hast Du nie von ihm gesprochen? Wenn man jemand lieb Hai, kann man das gar nicht verschweigen so viel weiß ich auch noch von früher her. Wenn ich mir aber vorstelle, Du könntest nur, um eine gnädige Frau zu werden oder weil es Dein Herr Vater will, einen heiraten, den Du. nicht liebst, noch dazu einen, der so hochmütig, so kalt und so spöttisch ausfieht wie dieser junge Herr, möchte ich mir die Augen aus dem Kopfe weinen. Darum, bitte, komm' morgen nachmittag, während Großmama schläft, und gib mir Auskunft, wie das alles geschehen ist, und warum der Un­glücksmensch ich meine Deinen Vater Dich so plötzlich haben will. Die Frau Pate klingelte, lebe wohl und komm' zu Deiner betrübten Tante Lore.

P. S. Eben war ich bei Deiner Großmutter; um ihre Gesundheit ängstigte Dich nicht; es geht ihr nicht schlechter als sonst. Wenn Du Dich nur ent­schließen wolltest, die Parnims Parnims fein zu lasten und wieder zu ihr zu kommen, sie würde ja gewiß alles vergeben und vergeßen."

Unmutig warf Christiane den Brief beiseite; wie konnte Tante Lore solche Forderung an sie stellen? ....Die Parnims Parnims fein lasten" nach einer verkümmerten Kindheit, einer fteud- lofen Jugend im Hause der Großmutter ihr nun auch das Glück der Zukunft opfern, nein, tausend­mal nein! Sie hatte lange genug entbehrt; mit aller Kraft wollte sie fasten und hatten, was ihr an Herzensglück geboten war.

Sie zog ein Billett aus der Tasche: Christians ersten schriftlichen Gruß, den sie im Laufe des Nach­mittags aus Ltngenau erhalten hatte küßte da»

Deutsches Reich.

Die Reife des Kronprinzen. Bombay, 16. Dez. Sämtliche Mitglieder der deutschen Ko­lonie begrüßten gestern Abend den Kronprinzen im Bungalow des deutschen Konsuls. Aus Wunsch des Kronprinzen sah man von der llber-

Unsere Kriegsschiffe im Ausland und die Ausländsdeutschen.

In diesen Tagen ist der deutsche Kronprinz In Indien an Bord des dort für ihn bereit­

liegenden PanzerkreuzersEneisenau" gegan­gen, um mit diesem Schiffe seine Reise nach dem fernen Osten fortzusetzen. Schon Monate vorher kamen uns von im Auslande und zumal in in­dischen Häfen wohnenden Deutschen Aeußerungen freudigster Hoffnung und später größter Genug­tuung, zur Kenntnis, daß der Thronfolger des Deutschen Reiches diese große Reise unternehme, und vor allem, daß er ihren zweiten und wich­tigsten Teil an Bord eines starken und modernen deutschen Kriegsschiffes mache. Es ist ja schon viel gesagt und geschrieben worden über die heil­same Wirkung vom Erscheinen deutscher Kriegs­schiffe in außerheimischen Häfen, besonders dort, wo Deutsche wohnen, auch ist es ein geläufiger Ausdruck, daß dasZeigen der Flagge" tm Aus­lände den deutschen Jntereffen diene, aber gar oft denkt man sich bei solchen Wendungen nur sehr wenig oder gar nichts, und manche fragen sich mit gewissem Erstaunen, was vermag wohl ein deutsches Kriegsschiff in einem britisch-in­dischen Hafen dem Ansehen des Deutschen Reichs und den Interessen der in dem betreffenden Ha­fen wohnenden Deutschen zu nützen? Kann man doch nicht, wie ein sozialdemokratischer Ver- sammlungsredner einmal sagte, in einem un- tiuilifieitett Lande die Eingeborenenmit Ka­nonen zwingen, uns und nicht anderen unsere Waren abzukaufen und ihre Produkte zu ver­kaufen", so ist doch in einem großen Hafenorte mit Welthandel, unter britischer Oberhoheit sicher nicht der mindeste Erfolg irgendwelcher Art zu erzielen! Dieser Auffassung gegenüber sollte aber die Tatsache zu denken geben, daß die Ausländsdeutschen, wo immer man sie antrifft und welche von ihnen man befragt, den möglichst häufigen, jedenfalls aber regelmäßigen Besuch deutscher Kriegsschiffe als äußerst wichtig für sie und ihr Fortkommen betonen, nicht etwa aus sentimentalen Gründen, wenn auch die Freude, Heimatsdeutsche zu sehen, und das Schiff, diese Brücke von der Heimat, zu betreten, naturgemäß eine große und berechtigte Rolle dabei mitspielt.

Wir haben uns von patriotischen und ein­sichtigen Ausländsdeutschen erzählen lassen, daß die Stellung der Deutschen in einem ausländi­schen Hafenplatze, besonders int Falle englischer Besetzung, viel mehr an Bedeutung gewinnt, wenn ab und zu deuffche Kriegsschiffe einlaufen. Rasch ist man sonst mit der Meinung zur

Idee gebracht, die kostspieligen Apparate und Anlagen der Telegraphenlinien durch eine eigen­artige und praktische Einrichtung derLetter­grams", auch in der Nacht nutzbar zu machen. Diese Brieftelegramme werden gegen eine er­heblich ermäßigte Taxe von 9 Uhr abends bis zu einer bestimmten, frühen Morgenstunde ange­nommen, während der Nachtstunden abtelegra­phiert und am Bestimmungsort mit der üb­lichen ersten Post vom Briefträger ausgetragen. Jeder Geschäftsmann wird ohne weiteres ein­sehen, welch großer Vorteil für ihn in einer sol­chen Einrichtung liegt. Sie gewährt ihm die Möglichkeit, am späten Abend oder während der Nacht, wenn es für die Absendung eines gewöhn­lichen Briefes, der noch am nächsten Morgen mit der ersten Post seinem Geschäftsfreunde einge­händigt werden soll, bereits zu spät ist, für ein billiges Geld diesen Brief auf telegraphischem Wege, zur rechten Zeit an seinen Bestimmungs­ort befördern zu können. Diese telegraphischen Briefe, die von der.Kanadischen Telegraphen­verwaltung und der Western-Union-Telegraph Company eingeführt worden sind, haben sich beim Publikum in kürzester Zeit eine derartige Beliebtheit erworben, daß das vorhandene Per­sonal der Gesellschaften bedeutend vermehrt wer­den mußte. Die Briefe, die mindestens 50 Worte enthalten müssen, werden auf ein ofenes Blatt niedergeschrieben, durch Marken frankiert und in bestimmte, von der Telegraphenverwaltung aufgestellte Kästen geworfen, die im Laufe der Nacht geleert werden. Mit diesenLettergrams" ist für das Publikum nicht nur eine große Be- quMlichkeit, sondern auch für die Telegraphen- vertvaltungen eine beträchtliche neue Einnahme­quelle geschaffen worden. Vor etwa Jahresfrist verlautete in eingeweihten Kreifen, daß auch unsere Reichspostverwaltung beabsichtige, die Einrichtung der Brieftelegramme im Deutschen Reichspostbezirk einzufiihren. Seitdem aber ist es wieder still geworden, wenigstens sind keiner­lei Nachrichten mehr in die Oeffentlichkeit ge­drungen. Es wäre nun außerordentlich bedauer­lich, wenn unsere Reichspostverwaltung die Idee mit den Brieftelegrammen hätte fallen lassen. Die Einführung dieser Einrichtung würde Herrn Krätke übrigens reichlich Gelegenheit verschaf­fen, sein beim großen Publikum verloren ge­gangenes Vertrauen wieder zu befestigen und wir wollen wünschen, daß er diese wohlgemeinte Anregung nicht ungehört verhallen läßt.

nicht ich und die Leute würden Dich loben, nicht nur wegen Deiner Klugheit, weil er reich und vor nehm ist, sondern auch wegen des vierten Gebotes, i Im Grunde ist das aber gar nicht ihre Meinung: 1 sie denkt wie ich, daß Dein Vater, der sich so schwer |

Brieftelegramme.

Die Tatsache, daß die Telegraphenleitungen während der Nacht so gut wie nicht benutzt wer­den, haben die findigen Amerikaner auf die

unserer ersten Begegnung geschrieben hat. Du wirst sie mit wiederbringen, wenn Du nach Elmenach kommst; das muß freilich bald geschehen, denn mein Vater will mich nach Harthausen holen, und bei Northeimbs mußt Du mich aufsuchen. Großmama kann meinem Vater nicht verzeihen und hat mich um seinetwillen aus dem Hause gewiesen.

Du siehst, es ist gesorgt, daß auch meine Bäume nicht in den Himmel wachsen; aber trotzdem möchte ich immer wieder aufjubeln Über die GlücksfLlle, die mir zuteil geworden ist. Ihre Größe kannst Du nur etmeffen, wenn Du ahnst, wie mich erst das dunkle Gefühl, dann das Verstehen meiner miß­achteten Ausnahmsstellung, endlich das Bewußtsein bedrückt hat, daß mir ein Vater lebt, der kein Herz für mich zu haben schien. Nun ist mit diese Pein von der Seele genommen!

Der Vaters Brief hat alle Zweifel, alle Bitter­keit besiegt; ich darf ihn verehren und lieben; und während ich gestern noch heimatlos, namenlos, und das ersehnte Herzensglück der Stern« war, den ich nicht begehren durfte, ist mir heute ein Vaterhaus gegeben und mit dem Geliebten, dem ich verlobt bin, die Anwartschaft auf einen edlen Namen.

Diesen Namen hast Du längst erraten. Da» Haupthindernis, das meiner Verbindung mit Christian im Wege stand, hat mein Vater als Familienoberhaupt der Parnims durch feine Ein­willigung behoben, und was an Opfern zu bringen, an Mißbilligung zu ertragen ist, wird Christian fteudigtapfer auf fich nehmen. Wie mich darnach verlangt, Euch miteinander bekanntzumachen I Leicht zu kennen ist Christian nicht; so tief verbirgt er fein reiches Gemüt, fein leidenschaftliches Em­pfinden, daß ihn Tante Lore kalt, spöttisch und hoch­mütig gefunden hat. Du wirst scharfsichtiger und vorurteilsfreier fein, wirst den beiden gerecht wer­den, die nun auf immer M mir gehören, ebenso rote Du, mein guter Kamerad beim daß zwischen uns

ihre Freude bist Du gewesen, solange Du in ihrem Hause lebtest, und bist es immer mehr geworden. Nein, Kind, Du

Marburg

Sonntag, 18. Dezember 1910

mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchham

und den Beilagen:Nach Feierabend« (wöchentliche Unterhaltungsbellage) und.Landwirtschaftliche Beilage

DieOberhesiische Zeitung" erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage. Der Bezugspreis beträgt viertcl- ; ' :ch die Post bezogen 2,25 <« (ohne Bestellgeld), bei

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