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mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain

»nd den Beilagen:T"3 Feierabend" (wöchentliche Unterhaltungsbeilage) und.Landwirtschaftliche Beilage."

45. Jahrg.

ErNes Blatt

bezw. freie

Anstaltspflege nebst Angehörigenrente,

bis zu 60 v. H. des Lohnes, refp. im Falle des

.Sind wir fozial-

Artikel unter der Ueberfchrift:

Todes eine

(«rZnAbnir: verboien.)

60

du zitterst ja!" sagte er

. es ist so undankbar,

Blut ins Ge-

Tragfähigkett der deutschen Jn- und geringschätzend gegenüberge- diese Angriffe hat der ebenfalls Universität tätige baltische Pro­berTäglichen Rundschau" einen

freien Willen des Arbeiters überlasten bleibt.

Die Kosten der Unfallversicherung fallen in den Ländern voll und ganz den Unternehmern Last. Doch auch hierbei find die Leistungen

Christian Leopold v. Parntm." Wieder stieg der alten Frau das

114 913 900 M entfielen. Dieser sozialpolitischen Maßnahme hat England, außer einer Entschädigung für die in der Unfallversicherung eingeschlossenen sogenannten Eewerbekrankhetten, überhaupt nichts an die Seite zu stellen, da hier die Versicherung gegen die Folgen von Krankheiten vollständig dem

deutschen Versicherung erheblich höher als die eng­lischen. Zunächst find in Deutschland Versicherung^ pflichtig außer den Arbeitern auch Betriebsbeamte und Angestellte mit einem Jahresgehalt bis 3000 M, während in England nur solche Betriebsbeamte und Angestellte entschädigt zu werden brauchen, die weniger als 2000 <At verdienen. Sodann steht den Arbeitern in Deutschland freie Kur und Unfall­rente bis zur Höhe von 66% v. H. des Jahreslohn s

Tagelohnes zu. In England dagegen wird nur eine Unfallrente bis zu 50 v. H. des Lohnes oder eine entsprechende Kapitalabfindung, im Todesfälle eine einmalige Abfindung bis zur Höhe des drei­fachen Iahreslohnes oder Sterbegeld bezahlt. Außerdem aber ist in England eine Entschädigung bei grobem Verschulden des Verletzten ausge- schlosten, während in Deutschland alle Unfälle ent­schädigt werden, solange sie nicht direkt vorsätzlich herbeigeführt werden. Daß tatsächlich die deutsche Maßnahme bedeutend kostspieliger für die Arbeit­geber ist als die englische, ergibt eine im letzten Monat veröffentlichte Statistik des Handelsamtes über die Kosten der Unfallversicherung bei den sieben größten Eewerbegruppen Englands, nach der im Jahre 1909 bei 6 560 745 Versicherten an Ent­schädigungen 46 394 453 M. rund 7 M pro Kopf bezahlt find, während bei den deutschen gewerb­lichen Berufsgenossenschaften im Jahre 1908 auf den Kopf der Versicherten rund 12,50 «M. entfielen. Dabei ist weiter noch zu berücksichtigen, daß in der englischen Statistik nur die gefährlicheren Ge­werbe einbegriffen, während die deutschen Zahlen alle Gewerbe enthalten.

Den Schlußstein des deutschen Arbeiterver­sicherungsgebäudes bildet bis heute die Jnvaliden- und Altersversicherung, der gegenüber England im Jahre 1908 ein Alterspensionssystem ins Lebens gerufen hat. Die Kosten dieser Einrichtung aber werden nicht, wie in Deutschland, zur Hälfte von den Arbeitgebern getragen, sondern vielmehr voll und ganz vom Staate, d. h. also von allen Klassen der Bevölkerung, aufgebracht. Die Arbeitgeber als solche tragen keinen Pfennig dazu bei.

Es entfallen demnach an Lasten des gewerblichen Unternehmertums auf den Kopf der Versicherten in der Kranken-, Unfall- und JnvalidiiSisversicherung in England 07,00 «X, in Deutschland 8,7012,40 6,05 <X. also zusammen in England 7,0 <M, Deutschland 27,15 «M. So sieht die von Professor

Augenblick bleibt nichts übrig, als Melanie ins Vertrauen zu ziehen. Sie wird meine Tochter fteundlich aufnehmen. Du kannst zufrieden sein. Der Verkehr mft Ehristtane wird auf diese Weise um vieles zwangloser als im Tanner'schen Hause."

Christian wendete sich ab; unter Melanies spöttischen Augen als Verlobter mit Ehristtane ver­kehren zr sollen es war nicht auszudenken! gut, daß ihm der Dienst glaubhaften Vorwand bot, feine Besuche bei Northeimbs einruschränken. Auch jetzt sollte et ihn aus der ersten Verlegenheit retten.

Christiane kam zurück; der Vater ging ihr rasch entgegen.

Wie blaß du bist . .. mit leisem Vorwurf.

JEs wird mir schwer . daß ich gehe," flüsterte sie.

bei- zur der

Ballod behauptete lleberlegenheit Englands auf diesem Gebiete in Wirklichkeit aus.

Kein deutscher Arbeitgeber wird bestreiten, daß der Grundgedanke der Sozialreform ein durchaus gesunder ist und daß die durch die Arbeiterverfiche- rung bewirkte wirtschaftliche Hebung der Lohn­arbeiterschaft nach unsrer industriellen und gewerb­lichen Leistungsfähigkeit zu wesentlichem Vorteil gereicht hat. Wogegen der Arbeitgeber aber Front macht, das ist die llebertreibung der staatlichen Fürsorgetätigkeit für die Lohnarbeiterschaft, durch die Recht und Billigkeit gegenüber den andern Be­rufsständen nachgerade auf den Kopf gestellt wer­den und die Art alle Leistungen des Unternehmer- tusm auch in dieser Hinsicht als minderwerttg hin­zustellen.

Sozialpolitische Blindgänger.

Man schreibt uns:

Der Berliner NationaMonom Prof. Dr. Bern­hard hat es unternommen, dem Kathedersozialis- mus, der immer rettungsloser in den eigentlichen Sozialismus mit seinen sozialpolitischen Hyper-

politisch überlastet" veröffentlicht, dessen Erundton genügend gekennzeichnet wird durch die Tatsache» daß er in der sozialdemokratischen Presse aus­giebigst verwertet worden ist. Prof. Ballod hebt mit besonderer Betonung hervor, daß bei einer % Milliarden-Belastung der Unternehmer durch die Arbeiterverficherung, die Hälfte dieser Summe als Beiträge der Versicherten selbst zu streichen seien, die Arbeitgeber hätten zwar 388 Millionen, die Versicherten aber ebenfalls 328 Millionen geopfert. Herr Prof. Ballod gibt sich hier einem schweren Irrtum hin. Auf Grund des § 152 E.-O. ist und war die Arbeiterschaft imstande, den auf sie ent­fallenden Teil der Sozialversicherung auf die Unternehmer abzuwalzen. DieDeutsche Arbeit­geber-Zeitung" hat denn auch in entsprechender Weife diese Behauptung beleuchtet. Vollends ins Unglück gerät Herr Professor Ballod de»' weiteren mit seinem Bemühen, die sozialpolitische Belastung des deutschen Unternehmertums mit der des eng­lischen in Vergleich zu stellen und aus dieser Gegenüberstellung den Schluß zu ziehen, daß die englischen Unternehmer noch weit höher belastet find als die deutschen. Es sei ihm nicht weiter an­gerechnet, daß er vollkommen die Notwendigkeit übersieht, bei einem solchen Vergleich die Kapitals­kraft der konkurrierenden Industrien in Rücksicht zu ziehen. Die vom Prof. Ballod angeführten Zah­len enthalten aber nicht nur die eigentlichen sozial­politischen Auflagen der Industrie, sondern auch die Armenlasten. Was hat aber das Unternehmertum als solches mit den Armenlasten zu tun? Dieser Posten ist augenscheinlich nur eingestellt worden, um die Leistungen des deutschen Unternehmertums unter allen Umstünden kleiner erscheinen zu lassen. Wie stellt sich nun die wirkliche sozialpolitische Be­lastung der industriellen Produktion beider Länder?

An erster Stelle steht in Deutschland bekantlich die Krankenversicherung, deren Nersicherungsträger im Jahre 1908 nach der amtlichen Statistik an Ein­nahmen einen Betrag von 365 99-1 100 <X zu ver­zeichnen hatten, wovon auf die Arbeitgeber allein

DieOberhessische Zeitung" erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn» und Feiertage. Der Bezugspreis beträgt vieriel- ' ...... ,en 2,25 M (ohne Bestellgeld), bei

____oer Erpedition sMarkt 21). 2.00 -X.

(Für unverlangt zugesandte Manuskripte übernimmt die Redak­tion keinerlei $eranireortung.)

Marburg

Freitag, 16. Dezember 1910

Torheit! . . . komm' nur. Wir gehen jetzt zu Northeimbs; von dort aus kannst du deiner Groß­mutter schreiben," antwortete Parnim, indem er der Tochter den Arm bot und sie die Treppe hin­unterführte. Christtan, der vorausgeeilt war, um die Haustür zu öffnen, stteß beinahe mit einem Ma in zusammen, der, auf zwei Krücken gestützt, vom Kirchplatz hereinkam.

Pardon!" rief der junge Offizier, ohne den schäbigen, von Regen triefenden Menschen, der sich mit einet geschickten Bewegung an die Wand stellte, weiter zu beachten. Umso aufmerffamer flog Jonathans scharfer Blick zwischen den beiden Par- nims hin und her und ein leiser Fluch Hang den Hinausgehenden nach, als ihm die Lage der Dinge klar wurde.

Versöhnung nach allen Seiten das war nicht meine Absicht," sagte et zu sich selbst, während er sich nach dem Arbeitssaal in Bewegung setzte.O Jonathan, Jonathan, wenn ich nur wüßte, ob du mehr Esel oder mehr Pechvogel bist!"

Ehristtane wat im Begriff gewesen, dem Vater zu sagen, daß bet Lahme, der, als sie vorüber­

ficht und ein böser Blick streifte den sich verbeugen­den Offizier.

Verlobt, ohne meine jufttrnmung! rief sie mit bitterem Auflachen.

Wir wollten Sie eben darum bitten," sagte Parnim.

Das können Sie sich ersparen!" fuhr sie heftig fort.Niemals, unter keiner Bedingung gebe ich zu, daß meine Enkelin einen Mann heiratet, der Ihren verhaßten Namen trägt.

Großmama!" flehte Christiane; der Vater er­faßte ihre Hand.

Komm, liebes Kind, wir müssen Deiner Groß­mutter Zeit lassen, sich zu besinnen," sagte er mit mühsam behaupteter Ruhe.Christian, gib Deiner Braut den Arm."

Halt!" rief die Bürgermeisterin, indem ste sich erhob und mit der einen Hand auf den Tisch, mit der anderen auf die schreckensbleiche Lore gestützt stehen blieb;Du kennst mich, Christiane, weißt, daß ich durchführe, was ich beschließe. So laß Dir denn gesagt sein, daß Du zu wählen hast zwischen mir und . . . und diesen Leuten . . ."

Genug! Du gehst mit mir, Christiane!" fiel Parnim nun auch mit ausbrechender Heftigkeit ein, umfaßte die zitternde Gestalt seiner Tochter und führte sie aus dem Zimmer, während die Bürger­meisterin, bitter auflachend, ins Sofa zurücksank, Halb angeekelt, halb empört, schloß Christtan die '. Zu der Verlobung mit ihm versagte eine Frau Tanner ihre Einwilligung.

Auch Parnim brannte der Boden unter den Füßen.

Schnell Kind, deinen Hut und Regenmantel, daß wir forikommen. Alles weitere findet sich", sagte er, und ohne Zögern machte sich Christiane zum Ausgehen fertig; auch sie fühlte sich schon von de Willen des kaum gefundenen Vaters beherrscht.

Was willst Du mit ihr anfangen? Nimmst Du sie mit nach Harthausen?" fragte Christian, wäh­rend er und der Oheim die Regenmäntel umnah­men. Parnim runzelte die Stirn.

Nein, erst muß ich mit Karoline gesprochen haben," antwortete er. ,^Die alte Tanner wirst alle meine Pläne über den Haust« ... Für den

gingen, den Hui zog, der Briefschreiber Wild ser, aber für den Augenblick machten Wind und Regen jede Mitteilung unmöglich. Das Wetter war, wie an jenem Abend, als Christian sie von Northeimbs nach Hause begleitet hatte. Ob er jetzt auch daran dachte? Vergebens suchte sie seinem Blick M be­gegnen. Den gesenkten Kopf zwischen die Schul­tern gezogen, das Gesicht im heraufgeschlagenen Mantelkragen neben ihr hin.

An der Kirche, die einiger Schutz gewahrte, blieb er stehen.

So leid es mir tut, hier muß ich Abschied nehmen; es ist die höchste Zeit, mein Pferd zu holen und nach Lingenau zu reiten, sagte er, in­dem er Christiane und dem Oheim die Hand bot. Sobald ich kann, finde ich mich im Schlosse ein, womöglich heute abend," fügte er hinzu, indem et noch einmal Christtanens Hand erfaßte und an die Lippen zog; ein Aufblitzen im Auge des Oheims hatte ihn zur Vorsicht gemahnt. Noch ein beinah zärtlichesAuf Wiedersehen!", dann schlug er auf­atmend den Weg nach dem Schützenhause ein aufatmend, daß er endlich von der Gegenwart des Onkels erlöst, über die seltsame Wendung feines Geschickes nachdenken konnte.

Das tröstliche Ergebnis dieses Nachdenkens war, daß seine Stellung dem Oheim gegenüber eine an­dere geworden sei. Der Dienst, den ihm der Neffe erwies, indem et seiner illegitimen Tochter Namen und gesellschaftliche Stellung gab, wat so groß, daß Ehristian sich berechtigt fühlte, fortan zu fordern, statt sich wie bisher, gehorsamst dankend, mit de« zu begnügen, was ihm gegeben wurde. Zweifelhast war ihm nur, ob es ratsamer sei, mit seinen An­sprüchen gleich ober erst nach der Hochzeit h«rvor- zutreten ober ob er besser tue, persönlich im Hinter­grund zu bleiben und seine Wünsche nach und nach durch Christianens Vermittlung zu erreichen. 3w mußte reiflich erwogen werden.

LFortstchuna folgt.)

(Mffiane Tanner.

Roman von Claire v. Gliimer.

(Fortsetzung.)

Mit einem Schreckensruf eilte Christiane auf sie zu; auch Christian wollte den Versuch machen, die Wankende zu stützen; aber als sie seine Absicht merkte, ließ sie den Stock zu Boden fallen und er­griff hastig den Arm der Enkelin, die sie mit Lores Hilfe nach dem Sofa geleitete. Erschöpft sank sie darauf nieder, lehnte den Kopf zurück und schloß die Augen. Ihr erdfahles Gesicht sah aus wie das eines Sterbenden.

Aber die Schwäche war schnell vorüber. Als Christiane mit Kölnischem Wasser herbeikam, richtete sich die alte Frau schon wieder auf, wies ihre Enkelin mit einer Handbewegung zurück, sah den älteren Parnim, der ebenfalls herangetreten war, feindselig an und sagte:

Ich wollte Sie erinnern, daß Sie nicht das Recht haben, hier zu fein.

Parnim neigte den Kopf.

Verzeihen Sie, antwortete er mit kühler Höf­lichkeit,da die erste Aussprache mit meiner Toch­ter nur hier im Hause stattfinden konnte."

Sie durste nicht stattfinden!" fiel die Bürger­meisterin ein.Sie hatten Ihr Wort gegeben, sich nicht um Christiane zu kümmern."

Und habe mein Wort gehalten, solange ich mich überflüssig glaubte. Jetzt aber hatte ich die Aufgabe, meine Tochter mit dem Manne zu ver­loben, den sie liebt. Erlauben Sie, Frau Bürger­meisterin, daß ich ihn verstelle: Mein Neffe

Die Moabiter Slraßenkrawalle vor Gericht.

Berlin, 14. Dezember.

Die gestrigen Siurmszenen im Reichstage, die infolge der neuen Stellungnahme des Reichskanzlers zu den Moabiter Krawallen sich ausgelöft hatten, machten sich heute in einem enormen Andrangs des Publikums zu der Prozeßverhandlung in Moabit bemerkbar. Eine Anzahl Schutzleute sorgte vor dem Portal des alten Kriminalgerichts, in dessen großem Schwurgerichtssaal die Verhandlungen statt- finben, dafür, daß nicht Unbefugte in das Gebäude gelangten. Die Zuhörer mußten bis zur Eröffnung des Sitzungssaales auf dem Trottoir Queue bilden und die vielen Hunderte bildeten infolgedessen eine lange Menschenschlange, die bereits wieder die Aufmerksamkeit des übrigen Publikums erzeugte und den Andrang nur noch verstärkte. Die Ver­handlung begann mit längeren (Erörterungen über die Persönlichkeit des gestern eingehend vernom­menen Journalisten Steinberg. Er gibt eine für die Berliner Presse bestimmte Zeitungskorrespondenz heraus, aus der die Blätter ihr Material über die Vorgänge im Leben der Berliner Polizei schöpfen. Während die Korrespondenz sonst über Morde, Ein­brüche, Unglücksfälle und dergleichen berichtet, hat sie während der Moabiter Krawalle auch hierüber Schilderungen veröffentlicht, die nach Meinung der Verteidigung von der Polizei inspiriert und doch so gehalten waren, daß sie die angeblichen Verfeh­lungen von Polizeibeamten verschwiegen. R.-A. Heine machte gegen die Glaubwürdigkeit des Zeu­gen Steinberg geltend, daß gegen diesen einmal ein Meineidsverfahren geschwebt habe, das allerdings mit feiner Freisprechung geendet habe. Doch seien in den Akten so viele Angaben über die journalistische Tätigkeit dieses Zeugen, der danach schon mehr als Privatdetektiv anzusprechen sei, enthalten, daß er die Herbeiziehung dieser Atten beantragen müsse. Der Journalist Steinberg tritt diesen Angaben mit Entrüstung entgegen. Es habe niemals ein solches Verfahren gegen ihn geschwebt, es könne also auch keine Freisprechung stattgefunden haben; vielmehr habe nur einmal jemand gegen ihn

Hinterbliebenenrente bis zu 60 v. H , sowie ein Sterbegeld in Höhe les zwanzigfachen

eine Denunziation eingereicht, die absolut keine wei­tere Folge für ihn gehabt habe. Das Gericht hält diese Sache damit für erledigt, zumal bet , Staatsanwalt bie Akten bereits zur Hand hat ui* , aus biegen feststellt, daß das Verfahren gegen Stein­berg tatsächlich im Oktober eingestellt worden fei. Es folgen bann wiederum längere Auseinander­setzungen über bie Elaubwürbigkeit bet Berichte bes Zeugen. Steinberg beruft sich barauf, daß feine Korefponbenz feit Jahren von allen Berliner Blät­tern, barunter auch vomVorwärts" verwenbet würde. Er bestreitet nach wie vor, daß er feine Berichte der Polizei zur Zensur vorgelegt habe und bleibt dabei, daß seine Beobachtungen richtig seien. Im Anschluß daran wirb bet Arbeitet Wille vernommen, bei angeblich bei Mann ist, bet sich vor dem ihn verfolgenden Polizeileutnant Folte uner einen Wagen flüchtete. Der Zeuge hat tatsächlich ein Holzbein und bekundete, daß er an den Moabiter Krawallen in keiner Weise beteiligt gewesen sei. An dem Krawalltage habe er seine Schwester besucht und dabei die Beusselstrahe passiert. Dort habe ei eine Menschenmenge bemerkt, bie von einem Schutz­mannsaufgebot bie Straße entlang getrieben würbe. Er sei in bas Gewühl hineingeraten unb, ba « mit seinem Stelzfuß nicht schnell genug vorwärt» kommen konnte, von einem Schutzmann gestoßen wor­den, baß et gegen eine Wanb flog unb barauf be­wußtlos nieberstürzte. Als er nach längerer Zeit mieber zur Besinnung gekommen sei, habe er in einem Lokal gelegen, wo man ihn erfrischt hatte unb ihm bann erklärte, daß er auf Umwegen nach Hans: zu kommen, suchen solle, ba in bet Straße Tumulte vorgekommen seien. Im Bewußtsein bes ihm widerfahrenen Unrechts habe er sich an bet nächsten Straßenecke an einen bort stehenden Po- lizeiofizier gewandt und diesem die Sache vorge­tragen. Der Leutnant habe ihm darauf gesagt, er solle doch zu Kupfer & Co. in der Sickingerstratze gehen, dort sei eine fliegende Polizeiwache eingerich­tet. Als der Zeuge an dem Eingang des Kohlen­platzes erschien, will er hier sofort abermals miß­handelt worden sein, als er sein Anliegen zwei dort stehenden Schutzleuten und einem Kriminalbeamten vortrug. Davon, daß er nach d m ersten Rekontre mit der Polizei unter einen Wagen gekrochen sei und von einem Polizeioffizier mißhandelt wurde, weiß der Zeuge nichts. In der Nähe de^ Lokals, in das man ihn geschafft hatte, habe zwar ein Wagen ge­standen, auch hüten ihn die Leute dann erzählt, daß ein Polizeioffizier nach ihm gestochen habe, doch könne et sich auf irgendwelche Einzelheiten nicht er­innern, weil er ganz bewußtlos gewesen sei. Es Mjei.t so, als ob der Zeuge überhaupt mit jenem jungen Manne nicht identisch ist, den andere Zeugen unter dem Wagen haben liegen sehen, sondern daß hier zwei Fälle ganz ähnlicher Ar in der Beweis­aufnahme fortgesetzt miteinander verwechselt werden.

Belastend für den Zeugen Will ist die Aussage eines Schutzmannes Jsner, der ihn mitten unter bet Menschenmenge gesehen unb gehört haben will, baß Wille bie Schutzleute mit dem bekannten Ru;

Bluihunbe" beschimpfte. Es wird bann roieber

Dis Infsttionsgebühr beträgt iv- Faseren: aus bem engeren Verbreitungsgebiet bes Blattes für bie 7p-^tene Zeile ober beten Saunt 16 für auswärtige Jnierate 20 4, für Reklamen 40 4. Druck unb Verlag: Joh. «ug. n.my, Universitäts-Buibdrt'ckerei. ,$>r. E. <T" 1rfl.

Markt 21. - Tel--'"-"

Sonn» unb Feiertage. Der 11/X OQ4 jährlich burch bie Post bezog, unseren Zeitungsstellen und bi (Für unverlangt zugeso

forberungen hineingerät, ben Krieg zu erklären unb festzustellen, daß bie nationalökonomische Wissen­schaft ber letzten vierzig Jahre sich bem inbustriellen Unternehmertum mit bem gefährlichen Dogma von her unbegrenzten hustrie feindselig stellt habe. Auf an ber Berliner fessor Ballod in