Einzelbild herunterladen
 

mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain

; ,nd den Beilagen: »Jach Feierabend» (wöchentliche Unterhaltungsbeilage) und »Landwirtschaftliche Beilage.«

45, Jahrg.

ien 2,25 «M. söhne Bestellgeld), bei

Marburg

Dienstag, 13. D^ember 1910.

Die Fnsertionsgebükr beträgt für Inserenten aus dem engeren Berbreitungsgebier des Blattes für die 7ge'-altene Zeile oder deren Nanni 16 -S, für auswärtige Inserate 20 für Reklamen 40 4. Druck und Verlag: Ioh. Aug. äH, Universitäts-Buchdrnckerei. Inbaber Dr. C. Vlarüurg,

Markt 21. Telev5on 55.

DieOberhessische Zeitung« erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn» und Feiertag«. Der Bezugspreis beträgt viertel- K2 QQ1 jährlich durch die Post bezogen 2,25 JH (ohne Bestellgeld), bei

wl=. »öl unseren Zeitungsstellen und der Expedition lMarkt 21), 200 JL.

(Für unverlangt zugesandte Manuskripte übernimmt die Redak- non keinerlei Verantwortung.)

Erstes Blatt.

Der Kanzler.

Herr v Bethmann-Hollweg ist keiner von Venen, die sich von der Agitation treiben lassen, ter erträgt mit philosophischer Ruhe die schönsten Erfindungen« über seine schwarzen Pläne, um gelegentlich freilich abzurechnen. Und das ge- -sihah am Samstag. Die Nachricht derFranks. Zeitung«, er stelle eine Wahlprobe von dem Schutz der nationalen Arbeit auf, bezeichnete er als das, was sie war, als glatte Erfin­dung. Dem törichten Gerede vornschwarz- blauen« Kanzler wies er in den Witzblättern den richtigen Platz an, und gegen die Unter­stellung, als ob die Regierung eines besonderen Ansporns bedürfe, um die staatliche Ordnung zu schützen, verwahrte er sich entschieden. Unsere Zeit ist zu sehr an politische Sensationen gewöhnt, als daß nicht jede Behauptung in der Presse eine ausgedehnte Behandlung erführe und vom Publi­kum gläubig angenommen würde, zumal wenn die Ruhe des Opfers die schönste Zeit zu den üppigsten Phantaflebildungen läßt. Nun der fcr wußte ihnen zu Leibe zu gehen. Positiv legte er ein entschiedenes Bekenntnis für unsere be­währt Wirtschaftspolitik ab u. sprach sich wie Herr Wehrnutth am Freitag günstig über die Folgen der Finanzreform für baS Reich aus. Der Erfolg rechtfertige die Haltung der Regierung, sie habe die Finanzresorm annehmen müssen, um de« Miß- wirtschaft ein Ende zu machen. Nicht um die St ucrarten sei der Kampf gewesen^ was man jetzt im Parteiinteresfe verschleiern wolle. Den Wesen'liebsten Teil seiner Rede ab« bildete die Hlflttmg der Regierung gegenüber der Sozial­demokratie Mit großer Schärfe wandte er sich treffsicher an die kitkftvrste ME. so daß diese sich wild aufbäumte und von dem Präsidenten darauf aufmerksam gemacht werden mußte, daß man doch Herrn Scheidemann sogar zwei Stunden habe ruhig reden lasien. man also für den Reichs- kanzl.r dieselbeFreiheit« in Anspruch nehmen könne. Die Rede ließ erkennen, daß die Regiening sich über den revolutionären Charakter der Partei nicht im unklaren ist, und sehr richtig bezeichnete es der Kanzler als Pflicht aller, diese flare Er­kenntnis nicht verschleiern zu lassen und immer wett-r auszubreiten. In Magdeburg hat die So­zialdemokratie das Selbstbestimmilngsrecht der Massen an die Spitze ihrer Taktik und Politik ge­stellt. Die Massen werden von Jugerch auf dar­über belehrt, in allen Einrichtungen unseres Staa­tes und unserer Gesellschaft nur Veranstaltungen zu erblicken zur Entrechtung und Knechtung des Arbeiters. Wundert man sich da,datz die Köpfe die­ser Massen, bereit Instinkte ihnen souveränesPrin- zip flnb, verwirrt werben. Der Sozialbemokratie gel c die Macht der brutalen Zahl. Sie sei daher moralisch verantwortlich für die Exzesse in Moa-

57 verboten.)

Christiane Tanner.

Roman von Claire v. Glümer. ' tAortietzunal

Am liebsten würde ich Euch gleich verhei­raten« sagte er,und in Harthausen bei mir be­halten. Beides geht leider nicht. Meine Frau hatte eine andere Partie für Dich im Sinn und würde sich schwer an Christiane gewöhnen. Glück­licherweise bleibt Ihr mir in Buchhalden so nahe, daß wir uns täglich sehen können. Vor­läufig, das heißt, bis Du Dich eingennaßen unter meiner Anleitung in Deine Gutsherren- tätigkeit eingearbeitet hast, mußt Du von Chri­stiane getrennt bleiben. Sorge, daß es nicht zu lange dauer«. Sobald die Manöver beendigt find, nimmst Du selbstverständlich den Abschied.«

Den Abschied . . . ich? Nein, Onkel, das kann ich nicht?«

Du mußt, in Deinem Regiment wird keine Mesalliance gestattet.«

Der Oheim hatte recht, und einen Augenblick war Christian im Begriffe, ihm zu sagen:Laß mich frei; ich liebe Deine Tochter nicht genug, um für sie meiner bisherigen Lebensweise zu ent­sagen.« Aber mußte er das nicht in weit grö­ßerem Maße, wenn der Harthäuser im Zorn die Hand von ihm abzog? Und wenn ihm auch, solange er die Familienstatuten nicht verletzte, das Majorat zufiel auf den Antritt dieser Erbschaft konnte er rüstig, wie der Oheim war noch ein Menschenafter zu warten haben. Ueberdies kam es, wie die Dinge sich jetzt gestalteten, nicht in Frage, zwischen dem Sperling in der Hand und der Taube auf dem Dache zu wählen, denn Christiane mit den Kohlenlagern von Quelldorf war die Taube, die er bereits in der Hand hatte: das um Buchhalden zu Gunsten eines künf- ttgen Schwiegersohnes verkürzte Majorat war nur noch ein Sperling.

bit, denn zuerst mit derJanhagels-Theorie«, dann mit derProvokationstheorie', als habe die Polizei nur provoziert, (so behauptet ja auch Herr v. Gerlach), habe der »Vorwärts« die Massen ausgehetzt, um dahinter die eigene moralische Mitschuld zu verbergen. Zu begrüßen ist es, daß der Reichskanzler die Vorgänge in Moabit in das richtige Licht gerückt und als das erwiesen hat, was sie in Wirklichkeit sind, nämlich revolutionäre Vorübungen der Sozialdemokratie. Die Exzesse stimmen mit bett taktischen Lehren der Führer überein. Aber zu Ausnahmegesetz n Will die Regierung sich nicht drängen lassen und das ist gut so, es ist stets vom Hebel Märtyrer zu schaffen und vielfach wird ja nicht mft Unrecht behauptet, daß das Sozialistengesetz erst den Nährboden für die Sozialdemokrafte abgegeben habe. Der Kanzler vertraute mit Recht cmf bas an seinem Kern gesunde deutsche Volk, bas Wohl verführt werden könne burch die demokratischen Utopien und Hetzmanöver, sie aber im Herzen ab lehne. Das Reich habe ein System so- zialer sorge geschaffen, das sehr viel besser fei als die aller anderen Länder, darin werde es sich srelich nicht irre machen lassen, ebenso sei es aber Pflicht, allen gesetzlichen und gewaltsamen Angriffen auf seine Ordnung unter Anwendung aller ihm zur Verfügung stehenden gesetzlichen Mittel mit nachdrücklicher Energie niederzuschlagen, und diese Energie werde wach­sen mit der Heftigkeit der Angriffe. Der Reichs­kanzler mußte zugeben, daß die Staatsordnung in anderen Ländern, besonders in England und Frankreich, durch das dort bestehene beschleunigte Verfahren bei er Aburteilung von Vergehen, die sich gegen die öffentliche Ordnung richten, un­zweifelhaft besser gestellt ist als in Deutschland. Dies Rechtsverfahren, nach dem derartigen Ver- geben erft nach Monaten, toten Überhaupt, ihre Sühne finden, en'spreche nicht mehr dem Rechtz- vewutztseln des Volkes urtb verfehle durch feine Weitläufigkeit den staatlichen Zweck. Wie die neue Strafprozeßordnung Bestimmungen Vor­schläge, um den sich hieraus ergebenden Mißstän- den abzuhelfcn und die beabsichtigte Reform un­seres Strafgesetzbuches eine schärfere Bestrafung der aufreizenden Tätigkeit fanatischer Agitatoren einen größeren Schutz bet persönlichen Freiheit und des Selbstbestimungrechts vorsehe, so ver­folge auch die Reichsversicherungsordnung den Zweck, die fozialpolitifchen Einrichtungen davor zu sichern, daß sie nicht zu Werkezeugen sozial- bemokratifcher Machtpolitik werden. Der Hinweis des Reichskanzlers auf den früheren national- liberalen Führer Bennigsen und seine entschiedene Kampfessüellung zur Sozialdemokpatke war im Rahmen dieser Ausführungen und in Anbetracht des noch wenig geläuterten Verhältnisses der Nationalliberalen zur Sozialdemokratie in Baden ebenso bemerkenswert, wie fein tre'sends Urteil Übr die theoretische und praktifche Kooperation des Freisinns mit der Umsturzpartei.

Man darf sich bei den Ausführungen des auf«

Das alles ging ihm mit Blitzesschnelle durch den Sinn, während er unter dem durchdringenden Blicke des Onkels die Augen niederschlug, und als dieser nach einer Pause unmutig anftng:Wenn Du zauderst . . .« fiel er ihm hastig ins Wort:

Nein, nein. . . von Zaudern ist nicht die Rede!« rief er;aber daß ich meines Fürften Rock, den ich mit Stolz getragen habe, nur un­gern ausziehe, wirst Du begreifen . . . nicht wahr, Du tust es?«

Parnim antwortete nicht. Statt des dank­baren Entzückens, das er erwartet hatte, Bedenk­lichkeiten! Aber er wünschte so sehr an die Neigung des Neffen zu glauben, daß er sich sagte, es sei ungerecht, die Empfindungsweise der heu­tigen Jugend nach der einer früheren Generation zu beurteilen. Auch Christiane liebte anders als ihre Mutter; sie und Christian waren Kinder der neuen, ftügeren, kühleren Zeit.

Du hast Christiane bei Northeimbs kennen gelernt?« fragte er nach einer Pause.

Nur wiedergesehen,« antwortete der junge Mann und berichtete, wie er vor Jahren mit ihr zusammengetroffen war und welche Eindruck das schöne Kind auf ihn gemalt hatte.

Vergessen haben wir uns beide nicht,« fügte er hinzu,und als wir uns wieder begegneten, haben wir uns unsere Neigung nicht verbergen können.«

Also auch hier Liebe auf den ersten Blick! Parnim fand feine volle Zuversicht wieder.

Daraus darf ich Dir keinen Vorwurf machen; habe ich doch dasselbe erfahren,« fagte er.Ich wünschte nur, daß Du Christiane nicht kompro­mittiert hättest.«

Kompromittiert, unmöglich! Selbst Me­lanie hat nie ewas entdeckt.«

Parnim zuckte die Achseln.Ein Freund Chrl- stianens hat mir geschrieben, daß ich Dich aus ihrer Nähe entfernen müsse. . . Aber lassen wir das auf sich beruhen! Eure Verlobung wird dem

rechten Kanzlers freuen, sie zeigen, baß die Re- glerung im wichtigsten Punkt unserer inneren Politik nicht gewillt ist, bie Härwe in ben Schoß zu legen. Ebenso kann man ihm zustimmen, wenn et iuiebet einmal aus bie gemeinsamen Er­folge unb bie gemeinsamen Pflichten bet bürger­lichen Parteien hinwies. Auf gewisse Teile bes Freisinns, beten Aiflehnungsbebürfnis an bie Genossen allzu stark ist, wird man in diesem Zu- hanunenhange freilich verzichten müssen, aber es ist doch die Hoffnung, baß bie anderen, durch die Forderung des Tages gezwungen, über allem Trennenden das Gemeinsame nicht vergessen.

Deutsches Aeich.

Vom Kaiser. Station Wildpark, 10. Dez. Der Kaiser mit seinen Jagdgästen ist heute Abend 9 Uhr 15 Min. aus Springe in Wildpark einge­troffen Der Kaiser begleitete den Erzherzog Franz Ferdinand zu dem für diesen bereitstehen­den Sonderzug. Nachdem sich der Kaiser vom Erz­herzog auf bas herzlichste verabschiedet hatte, setzte sich der Zug, der ben österreichischen Thron­folger über Berlin nach Wien bringt, wenige Mi­nuten vor 10 Uhr in Bewegung. Der Kaiser be­gab sich zum neuen Palais. Erzherzog Friedrich bleibt bis auf weiteres in Potsdam und nahm bei der Erbprinzessin zu Salm-Salm Wohnung.

Die Reise be8 Kronprinzenpaares. Co­lombo, 11. Dez. Der heute zu Ende gehende Aufenthalt des Kronprinzen und der Kron­prinzessin auf Ceylon ist in jeder Beziehung durchaus befriedigend verlaufen. Trotz des ein­gehaltenen Inkognitos ist von den Behörden und der Bevölkerung alles geschehen, um das Ver­weilen der hohen Gäste so angenehm wie möglich zu gestalten. Der Kronprinz benutzte, wie be- kannt, die in Ceylon verlebten Tage, um die ihm hier »inn erstenmal« entgegentretend« Tropenwelt kennen zu lernen und nahm an mehreren Jagd- expeditioneu teil, bie infolge wechselnder Witte­rung manch riet Zwischenfälle mitbrachten. Der Kronprinz besuchte in Begleitung der Kronprin­zessin die historischen Denkmäler der Insel und besichtigte mehrere industrielle Etablissements. Gestern fand nach dem Diner bet dem deutschen Konsul ein Empfang im deutschen Klub statt, wo­bei der Kronprinz und die Kronprinzessin sich sämtliche Mitglieder der hiesigen deutschen Kolo­nie vorstellen ließ und in längeren zwanglosen Gesprächen mit ihnen verweilten. Heute gibt der Gouverneur zu Ehren des kronprinzlichen Paares ein Abschieds frühstück. Die Kronprinzessin be­suchte hierauf dieGneisenau« und begibt sich mit dem Kronpinzen auf den LloyddampferLützow«, mit dem sie bie Rückreise antritt, während bet Kronprinz auf bieGneisenau« zurückkehrt. Um 6 Uhr abends verlassen beide Schiffe gemeinsam den Hasen. Am 14. Dezember morgens wird bieGneisenau« in Bombay eintreffen, wo der Gouverneur ben deutschen Thronfolger an Bord

Gerede ein Ende machen. Bist Du mit Dir im Klaren, so wollen wir gehen, Christiane erwartet mich . . . Oder willst Du alles noch einmal über­legen? Dann gehe ich allein . . .«

Nein, lieber Onkel, ich habe nichts zu über­legen« antwortete Christian, unb stand so hastig auf, daß Parnim darin den Ausdruck ber Liebes­ungeduld fah, während es Christian nur barum zu tun war. dem Oheim sein Gesicht zu verbergen, das sicherlich berra'ett hätte, wie ihm zumut: war. Ein Freund Christianens hatte geschrie­ben? Vielleicht er schämte sich des Ver­reichtes. konnte ihn aber nicht abweisen viel­leicht auf ihre Veranlassung! Was hätte er darum gegeben, sich losreißen zu können; aber Armut unb Verwöhnung sind f«ste Ketten. Das empfand et mehr als je in dieser S unde, sagte sich dazu, daß es die einzige Erleichterung sei, zu wollen, was man muß und find endlich, wäh­rend er stumm neben dem ebenfalls verstummten Oheim dem Tannerfchen Hause zuging, einen ge­wissen Trost in der Aussicht, das schöne Mädchen, das er glühend begehrte, fein E gen zu nennen.

XIV.

Erst im Morgengrauen war Chrisfiane in einen unruhigen Halbschlaf gesunken. Die Tanzmusik zitterte durch ihre Nerven, in eine« Flut von Licht unb Farben schwebten Gestalten vorbei uno aus all dem Getön und Geflimmer tauchte immer wieder das schöne, stolze Aittlitz auf mit dem spöttischen Munde und den goldbraunen Augen Und dann verwandelte sich's in ein alleres Gesicht mit ben gleichen, nur noch stolzeren Zügen unb ben gleichen, nur ernsteren Augen, und bann war es wieder das jüngere Antlitz.

Auch als sie erwacht war, drängte sich das Bild des Harthäuser Parnims in bie süßesten Nachklänge des Festes, und die Hoffnungen, bie des Gefürchteten Freundlichkeit in ihr erweckt hatten, versanken im kalten Grau des Regen­tages. - - , -> - , .. .....

begrüßen wird und die zum Stabe des Prinzen kommandierten englischen Herren sich melden werden.

De« Reichskanzler und Moabit. Berlin, 10. Dez. In berFrankfurter Zeitung« wird er- zählt, daß bet Reichskanzler, als er in einer Un­terredung auf die Vorgänge in Moabit hinge­wiesen worben fei, erwidert haben solle:Das bißchen Moabit!« Dazu schreibt dieD. TageS- ztg.«: Wir haben die Veranlassung, diese Erzäh­lung für unglaubwürdig zu erachten, da wir be­stimmt wissen, daß der Reichskanzler die Moabite» Vorgänge ebenso wie die ähnlichen in Bremen und anderwärts sehr ernst genommen hat. Nach der Samstagsrede desKanzlers wird kein Mensch berFransurterin« glauben, daß er dasMoabi­tern« nicht ernst nähme. Solche Enten fliegen nicht lange.

Schwüle Stimmung im Reichs age. Der Hannov. Courier« meldete, daß die Abgeordne­ten der einzelnen Parteien wegen bet gereizten politischen Stimmung auf die fönst übliche Form des höflichen Verkehrs verzicht.ten undstill- fchweigend nnd ohne Gruß« aneinander vorbei­gingen. Das Blatt zieht jetzt zurück und schreibt, baß die Mitteilung von einer sonst gut unter­richteten Korrespondenz stamme, daß sie aber den Tatsachen nicht entspreche. Es herrsche viel­mehr zwischen den liberalen und konservative« Abgeordneten das beste persönliche Verhältnis. DiePost« meint dazu:

Der persönliche Verkehr naiionallibetaler, konservativer und srettonservativer Abgeordneter ist ebenso höflich, wie et früher gewesen ist. Die Abge» ordneten dieser Parteien sind doch zu gm erzogen, all daß sie aus politischen Gründen die einfachsten Ke­geln der Höflichkeit auße acht lassen sollten, im Ge­genteil ist in diesem Winter wohl kaum eine festliche Veranstaltung bei einem nationalliberalen oder kon. .sernativen Abgeordneten gewesen, ohne daß auch Mit­glieder der anderen nationalen Parteien daran teil» genommen hätten. Derregelmäßiger Besuchet" bet Reichstagsverhandlungen hat entweder Gespenster gesehen, oder irgendein Mißverständnis liegt der ganzen Meldung zugrunde.

UniversitiitsprSsung für Bolksschullehrer. In einet Ministetialkonfetenz der Erhalterstaaten der Universität Jena ist beschlossen worden, für die Bolks- schullehtet dieser Staaten, die sechs Semester studiert haben, eine pädagogische Universitätsprüfung einzu- richten.

Die Kommission für bie Wertzuwachssteuer. Berlin, 10. Dez. Die Kommission für die Wertzu­wachssteuer nahm den Antrag auf die Steuerpflicht ber Landeshertn mit 13 gegen 12 Stimmen an.

Dr. Liebknecht ein deutscher Patriot. Ber­lin, 9. Dez. Nach demBerliner Tageblatt" soll ®e- nosse Rechtsanwalt Dr. Liebknecht, der sich in Ame­rika aufhält, in San Franzisko eine Rede gehalten haben, in dem er zwar scharf gegen das Eottesgna- _ _ _

Sie faß noch vor dem Keinen Spiegel unb ordnete ihr Haar, als $<r<re Lore leise herein­trat.

Hast Du endlich ausgeschlafen? " sagte sie, unb bann bie Hände zusammenschlagend:Du meine Güte. Kind, wie siehst Du denn aus? Als ob Dir bie Petersilie verhagelt wäre, so blaß unb hohl­äugig!«

Nur Müdigkeit, liebe Tan^e,« antwortete Christiane mit erzwungenem Lächeln.Du mußt wissen, baß ich um mit Cara zu sprechen schauderhaft viel getanzt habe.«

Das habe ich mit gebacht!« ries Lore.Also war es schön auf bem Balle?«

Wunderschön!«

Lore die hinter dem jungen Mädchen stanb, sah im Spiegel, wie sie plötzlich erglühte, wie ihre Augen strahlten, unb bie immer wache Sorge ber guten Tante wenbeie sich einer neuen Rich­tung zu.

Kinb, mir kannst Du immer alles erzählen,' sagte sie;unb wenn ich höre, baß Du Dich airtüfiert hast unb welche von Deinen Tänzern Dir am besten gefallen haben, wirb's mir eine Freube fein. Aber tue mit bie einzige Liebe, Deiner Großmutter keine Namen zu nennen. Dein Großvater hat 'mal mit einem dieses adeligen Herren einen bösen Streit gehabt daran darf sie nicht erinnert Werber. . .. sie Hai so schon biese Nacht schlecht geschlafen.«

Daß bie afte Frau plötzlich von quälender Sorge um bie Enkelin befallen worben war in ihrem getrübten Gebächtnis mochte bie Erin­nerung an ben verhängnisvollen Ball vor btei# unbzwanzig Jahren erwacht sein behielt bie treue Seele für sich.

Christiane versprach, bet Weisung zu folgen, unb mehr als je kam Ihr. als st- bald darauft« ihrem Arbeitszimmer beim einsamen Frühstüch saß, die Freudlosigkeit ihres häuslichen Leben« zum Bewußtsein. (Fortsetzung folgt.)