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mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain

»nd den Beilagen: .Mach Feierabend" (wöchentliche Unterhaltungsbeilage) «nd.Landwirtschaftliche Beilage.

45. J-Hrg.

* Ho 9RQ iShrlich durch unseren .sseltu

DieOberhessische Zeitung" erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn» und Feiertage. Der Bezugspreis beträgt viertel» jährlich durch die Post bezogen 2,25 M lohne Bestellgeld), bei unseren Zeitungsstellen und der Ervedttion (Markt 21). 2DO M. (Für unverlangt zugesandte Manuskripte übernimmt die Redak­tion keinerlei Verantwortung.)

Marburg

Sonnabend, 10. Dezember 1910.

Die Inserttonsgebühr beträgt für Inserente:- aus dem engeren Verbreitungsgebiet des Blattes für die 7g^""ltene Zeile oder deren «aum 16 für auswärtige Inserate 20 A. für Reklamen 40 4. Druck und Verlag: Ioh. Aug. Koch, Universttäts-Buchdri-ckerei. Ink»ab»r Dr. C. frtt 1 '"iorhnrn, Markt 21. 7r,->.

Erstes Blatt.

in gewissen Richtungen dieses Recytsgut und führt durch seine Bestimmungen recht häufig zu offenbaren Härten, namentlich, wenn es sich um Fälle des erschwerten Hausfriedensbruchs handelt. Aber oftmals handelt es sich beim

Znr Strafgesetzbuch-Novelle

wird uns geschrieben: Anfang nächster Woche dürfte im Reichstage die zweite Lesung der im letzten Frühjahr nicht mehr erledigten Strasgesetz- buch-Novelle beginnen und wir können unS fraglos auf intereffante und jedenfalls auch leb­hafte Debatten gefaßt machen. Bedauerlicher­weise hat die Allgemeinheit diesen Reformfragen lange Zett gleichgültig gegenüber gestanden; erst in unseren Tagen ist das Interesse de. Rechte wieder von neuem geweckt worden. Unser geltendes Straftecht bedarf einer gründliche Reform, das wird niemand bestreiten. Das Sttafgesetzbuch ist jetzt 39 Jahre al:. Für ein Gesetz kein übermäßig hohes Alter. Aber es kam schon alt zur Wett: es ist eine nur in Neben- pilnften revidierte Neuausgabe des prmßischen Strafgesetzbuches von 1851. Run ist indes auch dlses bei der geringen gesetzgeberischen Kraft jene, Periode in starke Abhängigkeit geraten von dem für seine Zett vortrefflichen Code psnal Napoleons vom Jahre 1810. In d n achtziger Jahren des verflossenen Jahrhunderts setzte nun «ine scharfe Bewegung gegen das geltende Recht ein. die besonders nachdrücklich Anpaffung der Strafe an die Persönlichkeit des Täters und Beseitigung veralteterDistinktionen" forderte. Jedoch wurde mit der Reformarbelt erst im Jahre 1902 begonnen und veranlaßte die Reichs- justizvetwalttmg. einerechtsvergleichende Dar­stellung des deutschen und ausländischen Straf­rechts« zu schaffen, an dem gegen fünfzig Kriminalisten deutscher Universitäten arbeiteten und Me rnnmuBr in fünfzehn Harfen Wtaben rt>- geschloflen vorliegt. Am 12. März des vorigen Jahres trat dann endlich die Regierung mtt einemEntwurf eines Gesetzes, bett Aende- ningen des Sttafges^tzbuches" vor den Reichstag Die Novelle soll sieben Puntte regeln: 1. Die Strafen für Hausfriedensbruch, 2. für Arrest­bruch. 3. für kleine Diebstähle mildern. 4. die Strafen für Tierquälerei und 5. für Kindermiß­handlungen schärfen. 6. bei Beleidianngen soll nicht nur das Strafminimum erhöht, sondern auch das Rech« zur Führung des Wahrheitsbe­weises für den Beleidiger eingeschränfl werden, 7. die Bestimmungen über Erpreffung sollen ge­ändert werden, daß nicht mehr die im wirtschaft­lichen Kampf von Angebot nnd Rachftage unver­meidlichen Drohungen der Sttafe verfallen z. B. diedes Arbeitsgebers oder Arbeiters, der durch Drohung mit Ättlassung bezi-hungswesse Arbeitseinstellung die Gegenpartei zu Zugeständ- nisien hinsichtlich der Lohn- und Arbei'sbe- fiimmungen bewegen will."

Unser Sttafrecht ist sehr feinfühlig in bezug auf die Wahrung des Hausrechts; es überspannt

Hausfriedensbruch um ganz geringfügige Ver­fehlungen ja um harmlose Vorkommnisse, bei denen nach keiner Richtung eine Störung des Friedens erfolgt ist. Man kann deshalb dem Vorschläge des Entwurfs nur zustimmen, daß zur Verfolgung, auch des ierschwerten Haus­friedensbruchs ein Antrag des Verletzten er­forderlich ist und daß auch die Mindeststrafe auf einen Tag herabgesetzt, auch Geldstrafe für zu­lässig erklärt ist.

Aehnliche Härten der Sttafandrohung finden sich in den Bestimmungen über den Arrestbruch, Siegelbruch, Vereitelung der Zwangsvoll- stteckung. Auch hier soll Abhilfe geschaffen wer­den durch Einführung von Geldstrafen für Fälle, in denen bisher nur auf Gefängnis erkannt werden konnte.

Bei den Bestimmungen über die Tierquälern ist eine Verschärfung eingetreten. In Zukunft wird jede boshafte Quälerei oder rohe Mißhand­lung von Tieren mit Gefängnis bis zu drei Monaten oder mit Hast ober mit Geldstrafe bis zu 600 M bestraft werden können, auch soll der­jenige mit Hast oder mit Geldstrafe bis zu 150 M bestraft werden, der die zur Verhütung von Tier. Quälereien erlassenen Vorschriften Übertritt

Zu besonderen Unzuträglichkeiien führten die bishettgen Bestimmungen über Diebstahl und Unterschlagung. Das alte deutsche Recht hat in Rücksicht auf die Delikt« bedeutend vernünftigere Anschauungen, als das preußische Sttafgesetzbuch von 1857. Es berückstiWte vor allem, ob das Vergehen aus eigener Wreicherungsabsicht ober nicht vielmehr aus Not begangen war unb ob eg itar man mtt oan, yrrtnnfttstae Gegenstände handelte. Der Vorschlag der Novelle bringt toi eher die alten Ansichten -zur Geltung. Es soll bei Diebstählen. Unterschlagungen unb BettÜge reien. die aus Not begangen werden und gering- werttge Gegenstände betreffen, eine Strafver­folgung nur auf Antrag erfolgen, der wieder zu­rückgenommen werden kann, und Gefängnisstrasr von höchstens drei Monaten eintreten können. Vor allem ist auch die Härte beseittgt, daß Vor­bestrafungen toeaen solcher Vergehen für den Begriff des Rückfalles in Frage kommen unb fo mit eine unverhältnismäßig schwere Bestrafung im Gefolge haben können.

Ein besonderes Augenmerk widmet der Ent­wurf der Regelung de, Kindermitzhandlung. die Novelle hat einen erhöhten Schutz jugendlicher oder gebrechlicher Perfonen vorgesehen Die letzten beiden Neuerungen des Entwurfes be­fassen sich vornehmlich mit dem Schutz der Ehre und des Privatlebens und wollen die gegen- wärttgen Bestimmungen des geltenden Straf rechts in Bezug auf Beleidigung üble Nach­rede und Erpressung verschärfen.

Deutsches Reich.

Der österreichische Thronfolger in Berlin. Ber­lin, 8. Dez. Der österreichische Thronfolger Erzherzog Franz Ferdinand ist um 5 Uhr 12 Min. hier einge­troffen und begab sich im Automobil nach dem Neuen Palais in Potsdam.

Die Internationale Hygiene-Ausstellung in Dresden. Dresden, 8. Dez. Nachdem Oesterreich seine Beteiligung an der Internationalen Hygiene-Aus­stellung in Dresden 1911 zugesagt hat, hat auch die ungarische Regierung beschlosien, mit einer Sonder- ansstellung auf der Internationalen Hygiene-Aus­stellung Dresden 1911 aufzutreten.

Dementi. Metz, 8. Dez. Die auch von uns gebrachte Nachricht, ein Unteroffizier habe sich hier zu landesverräterischen Umtrieben gebrauchen lassen, ist unrichtig. Zweifellos steht fest, daß irgendwelche Geheimgegenstände nicht ausgeliefert sind. Bei der Denunziation, die zur Verhaftung des Unteroffiziers führte, handelt es sich, wie es scheint, um die Aus­sagen eines geistig nicht ganz zuverlässigen Mannes. Uebrigens wird die eingeleitete Untersuchung Näheres ergeben.

Ausland.

* 5 800 000 Franks für die durch Hochwasser Ge­schädigten. Paris, 8. Dez. Der Senat stimmte dem von der Kammer bewilligten Kredit von 5 800 000 Franks für die vom Hochwasser Geschädigten zu.

* * Neue Eabotagesälle. Paris, 8. Dez. Die 6a= botagefälle in der Gegend von Lens dauern fort. Heute nacht wurden vier Drähte der Telegraphen- und Telephonverbindung mit Lille durchschnitten. Die Zahl der seit acht Tagen durchschnittenen Drähte beträgt Über 100. Auf der Parts-Lyon-Mittel- meerbahn waren in der Nähe von Lyon in der ver­flossenen Nacht von bisher unbekannten Uebeltätern Schwellen über die Gleise gelegt und ein 2 Meter langer Eisenhebel zwischen den Schienen in den Bo­den eingerammt worden. Man glaubt, daß es sich um einen Anschlag gegen den Paris-Ealais-Mittel- meerschnellzug gehandelt hat, der glücklicherweise eine Verspätung hatte und die Stelle erst passiette, nach­dem durch einen Eüterzug die Hindernisse aus dem Weg geräumt worden waren.

* * Die Wahlen in England. London, 8. Dez., 6 Uhr 45 Min. Gewählt sind 133 Liberale, 189 Unionisten, 25 Vertreter der Arbeiterpartei, 45 Red- mondtsten, 5 Obrienisten. Die Liberalen gewinnen 12, die Unionisten 19, die Arbeiterpartei 4 Sitze.

* * Die Deutsch-Amerikaner bei Tast. Washington, 8. Dez. Präsident Tast hat heute 700 Vertreter deutsch-amerikanischer Vereine empfangen.

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Marburg und Umgegend. i (Nachdruck aller Originalarttkel ist gemäß § 18 bei Urheberrechts nur mit der deutlichen Quellenangabe ,

Oberheff. Ztg" gestattet.)

Marburg, 9. Dez.

* Adreßbuch 191L Für das Adreßbuch beftimmtc Inserate müssen baldigst dem Verlage zugejandt wer­den, wenn sie noch Aufnahme finden sollen. Eine ganze Seite kostet 10, eine halbe Seite 6 und eine drittel Seite 4 M. Eintragungen für das Verzeichnis der Handels- und Gewerbetreibenden können noch Berücksichtigung finden. Während des Drucks ein­gehende Aenderungen finden im Anhang Aufnahme.

* W«ihnachtsverkehr. Mit Rücksicht aus den gesteigerten Güterverkehr zur Weihnachtszeit und in Anbettacht des Umstandes, daß am 25. und 26. Dezember gleichwie an allen Sonn- und Feiertagen Frachtgüter überhaupt nicht und Eil» güter nur an den dem Hauptgottesdienste voran­gehenden 2 Stunden ausgeliesert werden, empfiehlt es sich zur Sicherstellung der recht­zeitigen Auslieferung der Weihnachtssendungen dieselben tunlichst längere Zeit vorher zur Auf­lieferung zu bringen. .

* Das Landesstempelgesetz. Das im Finanzmini­sterium herausgegebene Landesstempelsteuergesetz nebst den neuen Ausführungsvorschriften ist bei allen Hauptzollämtern zum Selbstkostenpreise von 1 4 jl kaufen.

* Gegen eine weitere Ausdehnung der Sonntags­ruhe. Der Zentral-Ausschuß Berliner kaufmänni­scher, gewerblicher und industrieller Vereine hat in seiner Plenarsitzung vom 5. Dezember ds. Js., in bei die Delegierten der angeschlossenen 107 Vereine nahe­zu vollzählig vertreten waren, mit allen gegen zwei Stimmen folgende Entschließung gefaßt: Der Zen- iral-Ausschuß gibt seinem lebhaften Bedauern da­rüber Ausdruck: daß der Magistrat der Stadt Berlin trotz der entschiedenen Proteste, die von der Gesamt­heit der Berliner Handelsvertretungen einmütig er­hoben worden sind, den Antrag auf weitere Beschrän­kung der Verkaufszeit an Sonntagen der Stadtver­ordnetenversammlung zur Beschlußfassung unter­breitet hat. Der Zentral-Ausschuß hegt das Ver­trauen zu der Stadtverordnetenversammlung, der als Vertretung der Bürgerschaft von Berlin im beson­deren Maße auch die Wahrung der geschäftlichen Interessen der Reichshauptstadt anvertraut ist, daß sie nicht minder einmütig als die Handelsvertretun­gen dem Magistratsbeschlusse, der für den größten Teil des Berliner Detailhandels, von den schäd­lichsten Folgen begleitet sein müßte, seine Zusttm- mung versagen möge.

* Die Fürsorge-Erziehung in Kurhessen. Dor Fürsorge-Erziehung wurden im Regierungsbezirk Cassel im Etatsjahre 1. April 1900 bis 31. März 1910 nach einem vom Landesausschusse erstatteten Berichtt 213 Minderjährige überwiesen. Gegen die die Für­sorge-Erziehung anordnenden Amtsgerichtsbeschlüsse

Zum 100 jMaeit Geburtstag des Pfarrer Ditbmar.

Wir glauben das Andenken an bett früheren Gymnasi alprofessor Pfarrer Dtthmar nicht besser ehren zu können, als wenn wir am heutigen Tage ber 100jährigen Wiederkehr seines Geburts­tages bie Erinnerung wachrufen an bett Mann, ber ben weitaus größten Teil seines langen Lebens in Marburg verbracht unb fast 40 Jahre lang am hiesigen Gymnasium gewirft hat.

Am 10. Dezember 1810 in Homberg an ber GfK geboren, besuchte Dtthmar zunächst bie Rek- loratsschule seiner Vaterstabt unb ttat bann in bas Gymnasium in Hersfelb ein. an bem er zu Ostern 1828 das Abiturienten-Examen bestand Dann wandte er sich nach Marburg, um hier Theologie und Philologie zu studieren. In Marburg wurde er aktiv bei bem CorpsTeu­tonia". Noch in seinen letzten Jahren erinnerte er sich gern der Mensuren, bie et als Teuione ge­schlagen hatte unb die ihm den Ruf eines hervor­ragenden Fechters gebracht hatten. Rach wohl- bestandenem Examen wurde Dtthmar zunächst Hauslehrer in ber Familie des Herrn v. Blumen­stein zu Rotenburg an bet Fulba; wurde bann Rektor in seiner Vaterstadt Homberg und erwei­terte auf ausgedehnten Reisen seine Kenntnisse von Land und Leuten. Im Jahre 1836 wurde er für kurze Zett Lehrer am Gymnasium zu Fulda, verheiratete sich als solcher mit Helene Jordan aus Homberg unb folgte 1837 einem Rufe Vil­mars an bas Gymnasium zu Marburg. Aus der nun folgenben Zett ist nichts Bemerkens­wertes über ben Werdegang Dithmars zu berich­ten; es ist anzunehmen, baß eigenes körperliches Selben, viele Krankheiten in bet Familie und der Perlust mehrerer Kindet ihn hinderten, stärker hervorzutteten, wozu ihn sonst fein reiches Wis- ' tue Mn ttaxer Verstand unb fein wunderbares

Gedächtnis befähigt hätten. Wie sehr ihm bet Tod der in früher Jugend dabingestorbenen Kin­der zu Herzen ging, wie niederschmetternd beson­ders bas Ableben seines ältesten Sobnes, ber hervorragend begabt und mit seltenen Charakter- Eiaenschatten unb Herzensgüte ausgestattet war

unb als Abiturient starb, mtf ihn einwirkte, geht aus Auszeichnungen hervor, bie et nach bem Tobe der Kinder gemacht hat, und die außerdem von der Tiefe seines Gemüts und von seiner inner­lichen Frömmigkeit Zeuanis ablegten. In bief-it Jahren scheint Dtthmar außer ber Ab­fassung bes Deutschen Historienbuches unb einer Abhandlung für das Programm des Gvrnna- fiums keine wissenschaftlichen Arbeiten geliefert zu haben. Der Unterricht cm Gymnasium unb vorübergehend an einer Töchttrfchule haben jeden­falls s ine Zeit vollkommen in Anspruch genom­men; besonders in den fünfziger Jabren muß feine lehrende Tätigkeit von hervottagenbem Er­folg begleitet gewesen fein; ber.n gerade die Schüler unb Schülerinnen aus jenen Jahren haben ihm zeitlebens ein bankbares Andenken unb große Anhänglichkeit bewahrt. In der folgenben Zeltepoche fchrieb Dtthmar wissen- fchaftliche Abhandlungen über bie Geschichte bet beutfchen Grammatik, über H. W. Kttchhof, übet Johann Pauls Schimpf und Ernst und gab meh­ren Auflagen von Vilmars Littraturgefchichte neu heraus. Seine poetische Aber scheint Dith- toar erst spät entdeckt unb kultiviert zu haben. Zum ersten Male tritt er. soweit unsere Kennt­nisse reichen, 1859 mit einem tiefsinnigen unb formvollendeten Gedicht zu Schillers lOÖjahtiaem Geburtstag in bie Oeffentlichkeif. Dann aber folgen in großer Zahl, begünstigt burch erstar­kende Gefundbett, Gelegenheitsaebichte ernsten und heiteren Inhalts. Die meisten bisset poett- schen Ergüsse würben im Hessenlanb, ben hessi­schen Blättern, bet Oberhessischen Zeitung und

anberen Blättern veröffentlicht. Am liebsten be­schäftigte sich Dtthmar mit bet Geschichte Mar­burgs, bet Stadt, die ihm die zweite Heimat gr- worden war. Die Sagen aus Marburgs Ver­gangenheit und manche der Anekdoten, die hier passiert sein sollen, hat er in poetischer Form ver­herrlicht und gesammelt im Jahre 1872 unter dem TitelAus der Vorzeit Marburgs" heraus­gegeben. Wer Marburgs Geschichte tenn-n ler­nen will, kann an diesem Werk nicht achtlos vorübergehen und wird in diesem manchen Schatz, der sonst bet Vergessenheit anheimgefallen wäre, finden. Ditmar liebte es, wie aus diesem Werk und anberen Gedichten und Schriften hervorgeht, sich hauptsächlich mit der Vergangenheit zu be­schäftigen und stand deshalb polinfchen und zeit­gemäßen Neuerungen fremd Md oft grollend gegenüber. Jedoch konnte er sich bet Neuzeit nicht ganz verschließen, wie seine Vthertlichung b?r Ta^en der Marburger Jäger 1870/71, ein Gedicht zu Kaisers Grburtstag und ein Geburts­tagsgedicht für Bismarck beweisen. Ist die Zahl ft .net Gedicht mit bisher benanntem Inhalt eine große, so ist diese gering im Vergleich zu denen, die er aus Anlaß festlicher Gelegenheiten in bet Familie, bei Bekannten ober auch bei Fern­stehenden verfaßte. Mancher wohl verdiente Dank wurde ihm dafür zutell. Die Mehrzahl seiner Gedichte läßt sein vielseittges Wissen et- fennen unb ist ausgezeichnet durch bie spielende Beherrschung ber lyrischen Formen. Hierzu be­fähigte ihn außer bem angeborenen poetischen Talent bie Vetttefung in bie griechischen Dichter unb die Beherrschung der gesamten Ltteratut. Nach seiner Pensionierung im Iahte 1875 wid­mete et sich fast ausschließlich seiner Lteblings- beschäfttaung, las griechische und lateinische Dich­ter «nd benutzte jede sich barbietenbe Gelegenheit, um anbete durch die Erzeugnisse seiner eigenen Muse zu erfreuen. Durch mäßige unb vernünf­

tige Lebensweife, durch fleißiges Spazierengehen unb Beschäftigung im eigenen Garten, bet zeit­weise bie schönsten Rosen Marburgs barg, wat Pfarrer Dtthmar in einem Alter gesund gewor­den, in dem andere Männer von Altersbeschwer- ben heimaefucht werden. Besonders fiisch blieben feine geistigen Fähigkeiten, sein staunenswertes Gedächtnis und seine poetische Schaffenslust. Noch wenige Monate vor seinem Tode hat er bei dem Ableben eines bekannten Arztts Marburgs der Familie die^s sein Beileid in poetischer Form ausgesprochen. Allmählich verließen aber auch ihn die körp-rlicheu unb geistigen Kräfte unb am 16. Mal 1901 ende'e ein sanfter Tod fein langes an Arbeit und Erfolgen reiches Leben, tief betrauert von feinen Angehörigen von dankbaren Schüler« und Schülerinnen unb von vielen Einwohnttw Marburgs unb bes Hessenlandes. ♦♦

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Zum 100. Geburtstag des verstorbenen Gymnasial Oberlehrers Professor Theodor Dtthmar.

Hell töne meine Leier Und gebe guten Klang, Denn einem edlen Manne Gilt heut' mein schlichter Sang! Zwar grub man feinen Namen In keinem Denkmal ein, Im Herzen aller Hessen Soll er bewahret fein. Noch sehe ich ihn wandeln. Die Locken silberweiß,

Mit hellem Ton verkündend Der Heimat Lob und Prei«. Ein Lächeln für die Tugend, Und manches gute Wort, Ein Zuckerbrot den Kleinsten, Für Arme Hilfe, Hort. Und grub man fein Gedenken Auch nicht in Marmor ein. In aller Hessen Herren _ __

Soll es bewahret fein. E