Mnb den B-ilagen: .Mach Feierabend" lwöchentliche Unterhaltungsbe«°ge) und.Landwirtschaftlich- Beilage
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45. Jahrg.
Erttes Blatt.
.Aber eine wegen Verschwendung in Ungnade
f9?o*bnirf verboten.)
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Sollte
Erben
ganz
und schickte
man ihnen möglichst ent« nicht angängig ist, einen eine Kolonialtruppe oder mühte er wenigstens auf
unter Karte.
Flüstern ging die eben mit
des Schwarz- und Die Fürstenstände
die Ausländsdeutschen schränken wären, sollte gegenkommen. Wenn es jungen Wehrfähigen in die Marine einzustellen,
Ein mfltter,
xn.
durch die Reihen der Ballkritischem Blick eine Polka
mich wundern, wenn sie es nicht auf btn des Harthüusers abgesehen hätte."
„Das wäre denn doch zu stark!"
dein am 16. Dezember statt.
— Ferusprechgebiihrenordnuug. Zn der gestriges Sitzung der Budgetkommission des Reichstages fiel die Entscheidung über die Fernsprechgebührenordnung, die dem Reichstage schon seit längerer Zeit vorliegt. Der Beschluh der Kommissionsmehrheit geht dahin, dah eine Grundgebühr und entweder eine Gesprächsgebühr oder -ine Pauschalgebühr je nach Wahl des Teilnehmers erhoben werden soll. Gegen dies« Regelung waren drei nationalliberal« Mitglieder. Die Grundgebühr soll betragen i» Netzen von nicht über 1000 Anschlüssen 50 <M, bei mehr als 1000 bis 5000 Anschlüssen 65 -4t, 5000 bi« 20 000 Anschlüssen 80 M, 20000 bis 70 000 Anschlüssen 90 -4t, bei mehr als 70 000 Anschlüssen für jede angefangenen weiteren 50 000 Anschlüsse je 10 -4t mehr jährlich für jeden Anschluh, der von de, Vermittlungsstelle nicht weiter als 5 Kilometer ent«
ausgehändigt.
— Stichwahl. Labiau, 6. Dez. Die Stichwahl im Reichstagswahlkreise Labiau-Wehlau findet, wie heute amtlich bekanntgegeben wird, nicht am v„ son-
gezwungen wurde, sich einem andern Staatsverbande anzuschließen. Damit soll durchaus nicht behauptet werden, daß die Unterlassungssünde des Richteintragens in die Konsulatsmatrikel immer aus Rach- lSfltgkett geschehen ist. Biele deutsche Bauern, die in den ungeheuren, billigen Landesstrecken Amerikas sich mit geringen Mitteln eine Farm zu erwerben und mit deutschem Fleiß zu bebauen suchen, haben von dieser gesetzlichen Vorschrift in den meisten Fällen keine Ahnung. Allerdings soll Unkenntnis des Gesetzes nicht vor Strafe schützen, aber hier liegt doch kein solches Verbrechen vor, das gleich mit Ab- sprechung der deutschen Staatsangehörigkeit gesühnt werden mühte! Auch solche Fälle werden sich ost genug ereignen, dah ein Deutscher in eine menschenferne Wildnis verschlagen ist und im schweren Ringen um seine Daseinsbehauptung gar nicht in der Lage ist, eine vielleicht tagelange Reise zum nächsten Konsul zu unternehmen. Deshalb muh der Wiedererwerb der deutschen Staatsangehörigkeit nach DWglichkeit erleichtert werden. Heute wird bie» — namentlich der etwa noch nachzuholenden mllttärischen Leistungen wegen — oft zur Unmöglichkeit. Es muh eben ein Unterschied gemacht werden zwischen solchen Deutschen, die im Ausland« leben und durch die Ungunst der Verhältnisie vet-
„Mi! Entzücken habe ich 6eu‘e die Einladung des guten Lingenau zu den Oktober-Jagden angenommen; aber kommen kann ich nur, wenn Du aufhörst, mir jede kleinste Gunst zu versagen . .. Soll ich kommen-. . . Willst Du?"
.Wie kannst Du fragen?" stieß sie hervor, und nun rih er sie an sich, küßte ihre Augen, ihren Mund, aber int nächsten Moment hatte sie sich losgemacht, ellte leichtfühig den Balkon entlang und verschwand im Hause, Christian ging ihr langsam nach.
Aufatmend trat Parnim vom Fenster zurück; so kurz die Szene gewesen war, die ersehnte Gewißheit, daß sich die beiden liebten, hatte sie ihm gegeben und damit jedem Zweifel an dem, was zu tun war, ein Ende gemacht. Gleich morgen wollte er Christian von der notwendigen Umgestaltung seine, Verhältnisie unterrichten. — Aber feiner Tochter in die Augen zu sehen, konnte er
gen beträgt 10 000 jährlich. Die Gebührensätze können durch den Reichskanzler ermäßigt werden. Im
Fernverkehr betragen die Gesprächsgebühren für eine Verbindung von nicht mehr als drei Minuten Dauer bei einer Entfernung bis zu 20 Kilometer 10 4, bis zu 25 Kilometer 20 H, bis zu 50 Kilometer 25 4, bis zu 100 Kilometer 50 4. bis zu 250 Kilometer 75 L, bis zu 500 Kilometer 1 -4l, bis zu 750 Kilometer 1,50 M, bis zu 1000 Kilometer 2 -4t, über 1000 Kilometer für jede angefangenen weitere« 250 Kilometer 50 4 mehr. Als Termin für das Inkrafttreten des Gesetzes umrde der 1. Oktober 1911 festgesetzt. — Staatssekretär Krittle erklärte, die Wiedereinführung der 250 Kilometer-Zone bringe eine llnterbilanz von rund 2 Millionen Mark. Wenn dieser Beschluh in der zweiten Lesung nicht geändert werde, habe die Vorlage für die Regierung keinen Wert mehr. — Zweite Lesung Sonnabend.
überwachten.
„Wer ist der große, vomehm aussehende Mann, den Melanie Rortheimb so steundlich begrüßt?"
.Der Harthäuser Parnim . .
.Unmöglich! Wie sollte der sich auf einen Elmenacher Ball verirren . . . läßt sich ja kaum herab, die Hoffest« zu besuchen."
Aber man mußte sich überzeugen, daß er es war. Vielleicht kam er den betben Reffen zuliebe, die zu den Festuntemehmern gehörten . . . auch Frau von Rortheimb war ja eine geborene Parnim.
Deutsches Reich.
— Die Hosjagd im Springe, Snnpark. An bet Hofjagd im Springer Saupark am 9. und 10. Dez. werden auf Einladung des Kaisers auch bet österreichische Thronfolger Erzherzog Franz Ferdinand, der Erzherzog Friedrich von Oesterreich, der öfter« tetchische Botschafter am Berfiner Hofe Graf v. Szö- gteny-Marich u. a. teilnehmen. Alle Vorbereitungen für den Besuch des Kaisers und seiner Iagdgäste sind,
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° tion keinerlei Verantwortung.)
Staatskosten von seiner neuen Heimat nach Deutschland und nach Ableistung seiner Wehrpflicht ebenso zUrUckbesvrdert werden. Es Hegt im eigensten Interesse des Reiches und des Deutschtums, jo viel wie möglich den im Auslande lebenden Deutschen durch die Erhaltung der deuffchen Staatsangehörigkeit einen festeren Rückhalt als bisher mit ihrer heimatlichen Scholle zu schaffen.
Lrwerb und Verlust der Staats- Anqedörigkeit.
Einige Berliner Zeitungen brachten jüngst die Meldung, an mahgebender Stelle beschäftige man sich ernstlich mit einer grundlegenden Revision des Gesetzes über Erwerb und Verlust der Staatsange- Hörigkeit. Es wurde sogar behauptet, daß die Vorarbeiten bereits so wett gediehen seien, dah der Gesetzentwurf in „nächster" Zeit dem Bundesrat vorgelegt werden kann. Diese Meldung ist richttg.. Es gehört nun wahrlich nicht zu den Vorzügen unseres heutigen öffentlichen Lebens, daß wir seit einigen Jahrzehnten aus der ewigen „Gesetzesmacherei" nicht herauskommen, andererseits aber läßt sich auch nicht leugnen, daß unser ganzes politisches und wirtschaftliches System bereits seit der Schaffung des neuen deutschen Reiches so vielen Veränderungen unterworfen war, daß manche Gesetze und Verordnungen, die noch vor wenigen Jahrzehnten Handel und Wandel richtig zu regeln vermochten, den Anforderungen der heutigen Zeit nicht mehr zu genügen vermögen. Auch das Gesetz über Erwerb und Verlust der Staatsangehörigkeit kann recht gut eine Neuregelung vertragen, um eine solche Gestaltung zu erfahren, daß e« den heutigen Anschauungen von Recht und Billigkeit entspricht.
Fälschlicherweise wird immer von einer „deutschen" Staatsangehörigkeit gesprochen, obwohl eine solche — mit Ausnahme derjenigen der Elsaß- Lothringer — offiziell garnicht besteht, wie es auch sehr deutlich zum Ausdruck gelangt, wenn der Staatsbürger h* «t~« »«hör»«
schriftlich oder mündlich sein Nationale mitzuteilen. Da wird nur nach preußischer, sächsischer, bayrischer Staatsangehörigkeit, aber nicht nach „deutscher" ge- fiagt. Nun mag man diese Staatsangehörigkeit deutsch oder nach dem betreffenden Bundesstaate, der engeren Heimat, bezeichnen, es ist jedenfalls ein mißlich Ding, daß man ihrer sehr leicht verlusttg gehen kann, ohne Vorhandensein eines plausiblen Grundes ober daß man gar von einem solchen Verluste Kenntnis erhält. Dafür sorgt jene gesetzliche Bestimmung, nach der jeber Deutsche, der seinen Wohnsitz im Auslände nimmt und deutscher Staatsbürger bleiben will, sich mindesten» einmal in zehn Jahren in die Matrikel eines deutschen Konsulat» eintragen zu lassen verpflichtet ist. Versäumt er, dieser Vorschrift zu genügen, so verliert er ohne weiteres nach zehn Jahren seine Reichsangehörigkeit. Durch diese harte Bestimmung hat das deutsche Reich im Auslände manchen Staatsbürger verloren, der vielleicht bi» dahin ein vortrefflicher Pionier de» Deutschtums und ausgezeichneter Kulturträger war, durch den Verlust seiner Staatsangehörigkeit aber
Christiane Tanner.
Roman von Claire v. Glümer.
(gortfebung.)
Welch ein glücklicher Zufall — nein, eine glückliche Schicksalsfügung wollte er es nennen, daß et dazu nach jeder Richtung imstande war. Für bi« Opfer, bie Christian bringen mußte, konnte er reichen Ersatz bieten, und wenn die Mesalliance den Agnaten auch noch so widerwärtig war — em Veto einzulegen, totsten sie sicher nicht, wenn der Harthäuser, dem sie alle mehr oder weniger verpflichtet waren, seine Enwilligung gab. Was lag daran, ob man sich zuflüsterte, warum er es tat; wenn nur endlich seiner Tochter die Stellung zuteil wurde, bie ihr zukam.
Werden sollte sie ihr in der Familie wie in bet Gesellschaft. Seine ganze ost erprobte Energie wollte er daran setzen; und daß Christiane verstehen werd«, sich in den neuen Verhältnisien zu behaupten, bezweifelte er keinen Augenblick. War sie doch eine Parnim und wurde von dem anspruchsvollsten ihrer Vetter geliebt.
Seltsam, daß er. bet Menschenkenner, sich über diesen Reffen so lange täuschen konnte. Gr hatte nut den Weltmann und Streber in ihm gesehen; nicht geglaubt, daß er einer rücksichtslosen Leidenschaft ober tiefen Liebe fähig fei. — Aber noch weniger vermochte er, ihm — wie fein Ankläger tat — Leichtsinn ober Unehrenhaftigkeit zuzutrauen.
War überhaupt den Angaben biefeä unbekannten Briefschteibers Glauben zu schenken? Vielleicht hatte er falsch gesehen — vielleicht wat bie Li be des jungen Paares, auf die sich Par- nirns Zukunflspläne gründeten, ein Hirngr- fpinnst? — Um sich darüber Gewißheit zu verschaffen, war et nach Elmenach gekommen, hatte
Marburg
Freitag, 9. Dezember 1910
| Rotwildes ist bereits begonnen.
I in beiden Revieren sind festlich geschmückt. Der kai- I setliche Sünderzug wird die Station Hannover weder auf der Hin- noch auf der Rückfahrt berühren, der
I Kaiser bie Stadt also nicht besuchen.
| — Sine Schenkung be» Kaisers. Toulon, 7. Deg
I Der deutsche Kaiser ließ dem Seesoldaten Lavault in I Anerkennung seiner gelegentlich der Bekämpfung be» Brandes bet deutschen Kaserne in Peking vor zwei I Jahren bewiesenen Aufopferung 4000 -4t überweisen. I Die Summe wurde Lavault von der Polizeibehörde
sich aus einer Ueberfütte bringender Geschäfte los gemcuht. . . und mußte nun bett ganzen Abend in Untätigkeit verlieren!
Seine Ungebulb wurde zur Pein. Das Abend- effen, bas er sich bringen ließ, blieb tmberührt, er trank nur ein paar Gläser Wein, währenb er Zigarren rauchenb in dem engen Raume auf und nieder ging. Zuweilen trat er ans Fenster, zuweilen warf er sich in die Sophaecke; bann sprang er toiebet aus, um von neuem gedankenvoll hin und her zu gehen.
Wohl eine Stunde mochte so vergangen fein. Parnim stand wieder einmal am Fenster und sah Über bie matt erhellten Baumwipfel ins Dunkle, als bet gedämpfte Ruf: „Christiane!" herauf« llang. Unwillkürlich beugte er sich heraus; eine weiße Frauengestalt, die am Balkongeländer lehnte, richtete sich auf und wendete sich einem schlanken Ulanenoffizier zu, der mit den Worten: „Wie habe ich Dich gesucht!" hastig an sie herantrat.
Es war Christian; Gestalt und Stimme ließen Parnim keinen Zweifel darüber. — Aber nun sprach sie. und es durchschauerte den Lauschenden, als bet weiche, tiefe Ton wie ein Nachhall aus vergangenen Tagen an sein Ohr drang:
„Wirklich! Hatten Sie Zeit dazu?" sagte bas junge Mädchen halb neckisch, halb mit leisem Vorwurf. Ungestüm fiel ihr Christian ins Wort:
„Richt Sie . . . wir sind allein, endlich, endlich! Wie schwer mir meine Pflichttänze geworden sind, brauche ich nicht zu sagen, aber der nächste Walzer gehött uns und vor allem dieser selige Augenblick!"
Er wollte sie umfassen; sie wich zurück und ließ ihm nur die Hand, die er küßte und dann in beide Hände nahm.
„Christiane, bas kann ich nicht ertragen!" sagte et mit leidenschaftlich bebenbet Stimme.
hindert find, ihren militärischen Pflichten zu genügen und solchen, die sich absichtlich ihrer Militärpflicht zu entziehen suchen. In Rücksicht auf die Ableistung des Militärdienstes in der Front, worauf Überhaupt wohl zu be«
Gefallene," meinte ein Freund ihres Hauses.
„Scheint doch nicht so; der gestrenge Häuptling ist ja bie Freundlichkeit selbst, und die gute Melanie strahlt vor Entzücken. ~'w‘
„Ist sie auch; ein Gänseblümchen mit Stacheln."
Das Wort fand Beifall; sichernd gab man es weiter. Rur wenige schüchterne Stimmen widersprachen, nannten Cara hübsch und trotz Heiner Unarten ein- gutes, liebes Kind! — Umsonst? Der hohe Gerichtshof der Landadelsmütter kam überein, baß Melanie Rortheimb mit ihren Ansprüchen abzuweisen sei, da Christian Parnim mit feinem Namen, feinen Erbaussichten und feinem Aeußeren nicht nur bas Recht, fonbem die Pflicht habe, eine bessere Partie zu machen.
Auch bie Tanzenden hatten den Harthänfer bemertt Sobald bie Polka zu Ende war, eilt.« die jungen Gastgeber ihn zu begrüßen, aus be« Nebenzimmern kamen die älteren Bekannten herbei; cs war also natürlich, baß er Christian Leopold nur flüchtig begrüßte und bie Frage, welchem glücklichen Zufall sein Hiersein zu verdanken sei, unbeantwortet ließ. Dennoch konnte sich bet junge Mann eines unbehaglichen Gefiiyls nicht erwehren, das erst nach und nach verschwand, als er den gefürchteten Oheim leut- seliger, als sonst seine Art war, mit aller Welt verkehren sah.
(Fortfotzung folgt.)
sich nicht bis morgen versagen; schnell entschlossen warf er sich in den Gesellschaftsanzug, ging hin- Melanie Rortheimb seine
Die Moabiter Straßenkrawalle vor Gericht.
S. & H. Berlin, 7. ©ej.
Die heutige Sitzung beginnt mit einer Erklärung des Ersten Staatsanwalts Steinbrecht, der mittetlt baß er bem Polizeipräsidenten Jagow alle Zeugenaussagen soweit sie das Verhalten und die Tätigkeit der Polizeibeamten betreffen und die Polizei belasten, zur Einleitung einer Untersuchung unterbreitet habe. Daraufhin habe der Polizeipräsident Ermittelungen angeordnet, bie aber ergeben hätten daß bie Beobachtungen bet Zeugen unmöglich richtig sein könnten. Die einzelnen Beamten wüßten nichts von Mißhandlungen, die den Angeklagten, Zeugen ober anderen Personen auf der Krawallstätte oder der Polizeiwache widerfahren seien. Der Polizeipräsident stellt deshalb anheim, die betreffenden Be-
„Steht aber unserer guten Melanie _ . ähnlich . . . sie hält ihre Cara für eine Wunderblume .
Di- Jnieriionsgebüht beträgt für Unseren:-" aus dem engeren Verbreitungsgebiet des Blattes für die, 7g-> -^ltene Zeile oder deren Raunt für auswärtige Inserate 20 4, «t Reklamen 40 g — Druck und «erlag: Joh. Aug. noch, Unioersitäts-Buchdrnckerei. Jnbob-r Dr. C. Stit-nnn, Marburg, Markt 21. — Tel^"ir 5n.
Die „Oderheffifche Zeitung" erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage. — Der Bezugspreis beträgt vierA — rch die Post bezogen 2,25 <M (ohne Bestellgeld), bei unseren Zeitungsstellen und der Ervedttion sMarkt 21), 2W°4t.
amten nochmals zu laden, ebenso die Polizeileut« i getroffen. Mit dem Einschlüßen nants welche den betreffenden Revierwachen vor- > m heoonnen.
stehen bezw. welche die über hundert Vernehmungen iwr Schutzleute und Kriminalbeamten bewirkt hatten. — R.-A. Liebknecht erwidert darauf namens der Verteidigung, daß, falls bas Gericht diese Polizeizeugen hören sollte, bie Verteidigung eine nochmalige Konfrontation ihrer mit diesen Zeugen beantragen müsse — Rach kurzer Beratung verkündet der Vorsitzende Landgerichtsdirektor Lieber, daß das Gericht sich bte Beschlußfassung übet beide Beweisantrage vorbehalte. Von beiden Parteien, der Staatsanwaltschaft wie der Verteidigung, sind außerdem zu der heutigen Sitzung noch etwa 40 neue herbeizitiert. Die Verhandlung wendet sich zunächst nochmals dem Falle des Schankwirts Pilz zu, in dessen Lokal bekanntlich die Arbeitswilligen verprügelt worden fein sollen. — Der Zeuge Wellschmidt, der ebenfalls in dem Lokale mißhandelt worden sein will, wirb von der Verteidigung über seine Erlebnisse nochmals sehr eingehend befragt. Er wie seine hierauf vernommene Schwester, der er den Vorfall sofort erzählt hat, bleiben dabei, daß "sichtbare Verletzungen davongetragen habe. Der Schankwirt Pilz habe ihn wiederholt hinter den Ladentisch bet« vorgestoßen und ihn dadurch seinen Peinigern aus« geliefert Der Angeklagte P"z bestreitet dies und behauptet, daß er den Zeugen Wellschmidt geschützt habe als die Streikenden über ihn herfallen wollten. L Staatsanwalt Steinbrecht richtet im Anschluß daran an die Schwester des Zeugen Wellschmidt die Frage, ob sie nicht einmal in Gegenwart anderer Leute gesagt habe: Wenn Du die Wahrheit sagst, bringen Dich die Leute um! Die Zeugin erklärt dies damit, daß sie ihren Bruder ermahnen wollte^ die Wahrheit zu sagen. — Der Zeuge Wellschmidt behauptet demgegenüber, seine Schwester und ferne Mutter seien bei ihm gewesen und hatten versucht, ihn zu richtigen Auslagen zu bewegen. Seine Schwester halte es anscheinend mit den Sozialdemokraten. — Die 47 Jahre alte Zeuain Frau Morre Schwänzer lebt von ihrem Manne getrennt und hat ..........---------
ein Verhältnis mit dem 32 Jahre alten Wellfchmrdt. I fernt m Die Gesprächsgebühr ist auf 4 4 für jede Sie bekundet, dieser sei eines Tages nach Haufe ge- I festgesetzt, als Pauschalgebühr sollen er-
konnte Auch diese Zeuain will wissen, daß die Mut- l 75 -4k jährlich, bet mehr als 2000 bis 4000 VerbiN- ter und Schwester des Wellschmidt auf ihn eingeredet I l)nnf>en 140 4000 bis 6000 Verbindungen 200 <M,
hätten, nicht die Wahrheit zu sagen, damit bte 2ln- I <. gierMtihntinpn osn u ROOO bis 10 000 geklagten, bie doch Familienväter feien, freigefpro- 6000 bis 8000 Verbindungen 250 <*, soooms ivwn dien würden. — Zeuge Schulrektor Schroder hat seine I Verbindungen 300 -M jährlich. Die Hochstzahl bet Wohnung gegenüber bem Pilzfchen Lokal und be- I ^ei einem Anschluß zulässigen Gesprächsverbindun« zeugt diesem, daß in dem Lokal stets Ordnung geherrscht habe. Er kenne Pilz als freundlichen, anständigen Menschen. — Zum Schluß der heutigen Verhandlung beantragen vie Verteidiger, sämtliche in Haft befindliche Angeklagte aus der Hast zu entlassen. Der Gerichtshof gibt diesem Anträge aber nur bet fünf Angeklagten statt. Morgen fällt die Sitzung aus. Die Verhandlungen werden erst Freitag weitergeführt.