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45. Jahr,.
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vK «0 • unseren Zeitui
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Erstes Blatt
Dieselben Parteien
Frische an Körper und Geist dem Vaterlande M dienen.
günstigen Erfolg. Ebenso in Worms. Die nationalliberale Wormser Zeitung stellt mit Genugtuung fest, daß der gemeinsam erfochtene Sieg katholisch und evangelische Bürger geeint habe zu gemeinsamer treuer Arbeit zum Wohle der Stadt. Diese schönen Erfolge zeigen, was durch bürgerlichen Gemeinsinn gegenüber der die bürgerlich Ordnung gefährdenden Sozialdenu» kratie erreicht werden kann. Möge dies ein gutes, von immer weiteren Kreisen beachtetes Vorzeichen sein für die im nächsten Jahre bevorstehenden entscheidenden Wahlen zum Reichstag.
macht. Modernen Geschäftsleuten und klugen Realisten, deren Erfolge größer und wichtiger sind — deren Kampfesart nur eine andere geworden ist. Menschen, die mit Zähigkeit jahrelang Mißgunst und Bedrückungen der fremden Völker ertragen, um ganz langsam und leise zu ihrem Ziel zu gelangen. Diese Mensche« -'ehe« einen immer weiteren Kreis für den deutschen Einfluß um Deutschland herum. Industrie und Gewerbe drängen langsam die fremde Konkurrenz beiseite Für die gegenwärtig junge deutsche Generation finden sich in Holland, England der nordamerikanischen Union, Frankreich, Rußland, überall Plätze, an denen ihnen vorgearbeit-t worden ist. Es fällt ihnen leicht, sich sestzusetzen und ihre Geschäfte zu gründen.
Dies ist der Zustand, der geschäftlich am mer- sten zu-aaen wird. Wir brauchen wahrlich kerne großen Meister in der Diplomasie. Rur stelle Drahtzieher, di« mit Vorsicht und fleißiger Arbeit dafür sorgen, das hinter den Kulissen nichts in Unordnung gerät. Ein vorsichtiges Verfahren heißt hundert Mark ausgeben, um tausend da- durch zu gewinnen.
" ; *"r Unseren!-?!', aus dein Blattes für die 7o«"-">ltene
Deutsches Reich.
— Abgeordneten Jubiläen. Einer unserer beliebtesten Parlamentarier, Oftavio v. Zedlitz feierte gestern seinen 70 Geburtstag. Die „Post' widmet dem verdienten Führer der Freikonser- bflHbett ihren Leitartikel, dem sie die Ueberschrist, „Fünfzig Jahre für König und Vaterland' gibt. Frh. v. Zedlitz kann auf ein arbeitsreiches Leben zurückblicken. Sein Hauptverdienst liegt aus parlamentarischen'. Gebiet. Seit 1876 ist er Mft- gkstD dkD.zweiten preußischen Kammer. Hier hat er sich besonders in der Steuerpolitik, in Schul- tntfa Verwaltungsfragen äußerst rege betätigt. Herr von Zedlitz war stets ein Realvolitiker. und er hat selbst oft die Politik als die Kunst des Erreichbaren bezeichnet. Daher ist er auch der Vater manches Kompromisses. Der Miquelschen Einkommensteuer hat der vielgewandte Herr von Zedlitz die Wege gebahnt. Das Volksschul- unterhaltungsgesetz vom Jahre 1904 ist auf seine Initiative zurückzuführen, und seiner geschickten Taktik gelang es, es durch alle Fährnisse erfolgreich hindurchzubringen. Auch geht man wohl in der Annahme nicht fehl, daß die jetzt in Vorbereitung genommene Verwaltungsreform zum großen Teil seiner Anregung zuzuschreiben ist. Di« Regierung, für die er oft der ehrliche Makler war, hat sich hier seine reichen Erfahrungen und seine Arbeitskraft durch seine Berufung in di« Jmmediatkommission gesichert. Weniger vom Erfolg begünstigt war Herr von ZMitz bei der Wahlreform; hier gelang es ihm nicht, eine Verständigung durchzusetzen. — Roch ein anderes Mitglied der Reichspartei, Ulrich von Oertzm feier*« gestern seinen 70. Geburtstag. Herr v. Oertzen ist in den Parlamenten als fleißiges Mitglied bekannt. Außerhalb derselben ist er als einer der erfolgreichsten Förderer des Pferdesport bekannt und beliebt. Möge eS den beiden Jubilarn beschiedm sein, noch lange mit gleicher
habe» in Lüdenscheid,
Wanne und Bingen ein Zusammengehen beschlossen. In Iserlohn gelang es diesen 8 vereinigten bürgerlichen Parteien, einen vollständigen Sieg über di« Sozialdemokratie zu erringen, die bis auf einen Genossen aus dem Kollegium verdrängt wurde. Ein Zusammengehen des Zentrums und der Rationalliberalen in Wattenscheid und Witten hatte denselben
Marburg
Donnerstag, 8. Tezember 1910.
mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain
„nd den Beilagen: „Nach Feierabend« (wöchentliche Unterhaltungsbeilage) «nd.Landwirtschaftliche Beilage.
Sammlnnqspolilik.
Als der Führer der konservativ«« Partei, Herr v. Heydebrand, an die Regierung die dringende Mahnung richtete, nicht länger Gewehr bei Fuß dazustehen, sondern den Kampf gegen die immer mehr zunehmende Unterwühlung unserer Staats- und Wirtschafts-^-ung und den unerträglichen Terrorismus der Sozialdemokratie auszunehmen, gab er nur den Gedanken eine« beute Men Ausdruck die sich dem wahren Vaterlandsfreunde schon längst aufgedrängt haben. Die Schrittmacher für bi« Sozialdemokratie in der bürgerlichen Press« entrüsten sich über diesen „Vorstoß des ScharfmachertumS' nicht wenig und setzen ihre Hoffnung auf die bisher ost gescholtene Passivität des Herrn v. Bethmann. Der weitaus überwiegende Teil der poliftsch denkeudm Staatsbürger, auch der Liberalen, aber hofft, daß das Gegenteil eintreten wird, mag sich auch der Gedanke bei dem lauten Geschrei der berussmäßigen Schlappmacherorgane — wenn dieser nicht gerade schöne, aber treffende Ausdruck gestattet ist — nur selten ans Licht wage«.
„Die Passivität der Regiemng stärkt die Aktivität der Bevölkerung in der Richtung der äußersten Linken.' So sagt nicht etwa ein Parteigänger des „schwarz-blauen Blocks,' sondern ein Reichstagsabgeordneter der Fortschrittlichen Volkspartei, und zwar der Württemberger Conrad Haußmann. Der süddeutsche Demokrat beschäftigt sich im neuesten Hefte des „März' mit dem letzte« Jahre des Reichstages und ergeht sich am Schluffe in allerhand Prophezeihungen über den politisch«« Äurg und di« nächsten Wahlen. Herr Haußmann »3 «Me >WI
der Regierung, nicht von dem der Linken folgenschwer, die Dinge c chen zu lassen. Jedermann wird darin eine indirekte Unterstützung der Hevdebrand'schen Ausführungen erblicken. Wie man aber auch im einzelnen zu ihnen stehen mag, man wird anerkennen müssen, daß hn Zusammenschluß bi« Kraft liegt, dafür hat man Beweise.
Bei den Kommunalwahlen in Westdeutschland, die in diesem Herbst stattsanden, hat sich die erfreulich« Tatsache gezeigt, daß in einet großen Zahl von Orten, wo die Sozialdemokratie Aussicht hatte, in die Stadtparlament« einzudringen, ein Zusammengehen der bürgerlichen Parteien zustande kam. So gelang es z. B. in Mainz, sämtliche bürgerlichen Parteien, Zentrum, Nationalliberale und Freisinn zu einem Kartell zu vereinigen, dessen Liste mit rund 1000 Stimmen Mehrheit über die Sozialdemokrati« siegte.
Ausland.
** Di« Wahlen in England. London, 6. Dez. Bis 1V2 Uhr Nachmittags waren gewählt: 89 Liberale, 126 Konservative, 16 Mitglieder d.r Arbeiterpartei, 19 Anhänger Redmonds. D>e Liberalen gewinnen 7, die Konservativen 1* Mandate, die Arbeiterpartei 1 Mandat. — Die bisherigen Wahlergebnisse zeichnen sich durch außerordentliche Uebereinstimmung nut den Ergebnissen der Januarwahlen aus. Dl« liberalen Blätter sind besonders bestiedigt über London und führen mit Genugtuung die Rede Wmsto« Churchills von gestern Abend an, in der er erklärte, die Londoner hätten seit dem Bürgerkrieg« keine wichtigere Handlung vogenommen als die Antwort, die sie jetzt für die Sache des Volkes gegeben haben. Sie bezeichnen die Behauptung, daß die Regiemng ihre Vorschläge nicht wett-r- verfolgen könne, weil sie der Majorität mcht gewachsen sei, als kindisch. Die Konservativen Blätter sind wegen der klemen An^hl der Gewinne zwar enttäuscht, finden aber Trost in dem allgemeinen Anwachsen der umomstffchen Stimmen Sie erklären, der Radikalismus habe so sihlecht wie möglich abgeschnitten, die Regierung sei infolge der Wahlresul'ate machtlos; sie könne die Velobill nicht durchdringen noch Garannen vom König erhalten. Sie sagen ferner daß di- Konservasiven nur sechs Monate fest zu stehen brauchten, um die Pläne der Koalition M nichts zu machen lind mit einer siegreichen Majorität die Mach' wieder ju erlangen. Sie nehmen an, daß die Regierung wahrscheinlich gezwungen sei, einer anderen Konferenz die Besprechung der Verfassungsftage vorzuschlagen.
** Stiftung zur Förderung der deutsch-amerikanischen Kul urbeziehunqen. Rewvork, 6. Dez Die Kuratoren der Columbiann.versiat teile« mit daß der Universität ein Geschenk von WO'OOO Dollars gemacht worden sei. dessen Zinsen dazu verwandt werden sollen, die deutsch- amerikanischen Kulturbeziehungen zu fördem. Eine weitere Gabe von 30 000 Dollars wurde für die Erwerbung eines deutschen Hauses sur die Universität bestimmt, das ein germanistisches Jnsti'ui zum Studium bet deutschen Geschichte und Kultur enthalten so«. m
** Statistik über bett Besuch ber Brüsseler Weltaussteung Die Gesamtzahl der Besucher der Weltausstellung hat nach der soeben veröffentlichten statistischen Zusammenstellung 12 900 000 Personen betragen. Davon haben 4200 000 Personen einen Frank Entree auß r- bem 250 000 ermätzig'es Entree berahlt und 1350 000 hatten Dauerkarten. Der stärkste Besuch war im August mit über einer Million Besuchem, im Juni mit 530 000. im Juli 809 000, 'm September mit 506 000 und im Oktober mit 450 000 zu verzeichnen. Der 14. und 15. August haben mit je 200 000 Besuchem und je 94 0000 Frank Einnahmen den Rekord geschlagen.
Die Insertionsgebübt beträgt tuen geren Verbreitungsgebiet des Blattes •» -r — geile oder deren xaum 16 4, für auswärtige Fn>erate 20^ 4, ifit Reklamen 40 4. — Druck und Verlag: Joh. Aug. «och, LnivetsitSts-Buchdmckerei. Jnbab-r Dr. C. Mnrburg,
Markt 21. — T-le^n
Die „Oberhessische Zeitung« erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage. — Der Bezugsprei s beträgt viertel- 3 durch die Post bezogen 2,25 M. föhne Bestellgeld), bet unteren Zeiwngsstellen und der Ervedition lMarkt 21J 2Ä1X f jfflt unverlangt zugesandte Manuskripte übernimmt die Redak- tion keinerlei Verantwortung.)
Deutsche Weltpolitik.
Paris, Adventszeit 1910.
Ein kalter Tag, cm dem die Stadt in Regenschauern eingesponnen wird. Um drei 3 Uhr nachmittags 3ür>‘- ■ .. an die Lichter an. In schlechtester Laune <fti mit ein französischer Politiker ein Privati sstmuin über Deutschlands weltpolitische Bestrebungen. Und in schlechter Laune fällt das Wort: Die Japaner setzen sich jetzt in Korea fist. $8ir sind neugierig, wann die Deutschen ihr europäisches Korea besetzm werde«. Ei« bischen Chinesentum steckt in bet europäischen Politik. Ganz unhörbar uttb sacht« setzt sich bas Deuffchtum überall fest. I« Belgien, Holland, England, Frankreich, in Rußland — überall, wohin man blickt. Ohne Lärm, ganz unauffällig. Arbeitssam, wucherisch, fleißig. Die d utsche Di- plomatte meidet vorsichtig jeden Krieg, weil die Dinge gegenwärüg so liegen, daß die Denffchen das geschäftstüchtigste Volk sind und im Frieden mehr Eroberungen machen können, als durch einen Krieg. Die deutschen Diplomaten find im Auslande nicht sehr beliebt und gelten als Ränkeschmiede. Sie befolgen geradezu eine chinesische
Zwei Tage später erzählt« man sich an bet Pariser Börse Geschichtchen über bas Eindringen des deutsche« Kapitals. Die Schwätzet hätte« ausgegtaben, daß weite Landstrecken in der Nähe von Paris durch deuffches Kapftal erworben seien und daß stanzöstsche Hochöfen durch geschickte Ftnanzoperasionen unter deutschen Einfluß -ekommen seien. Ungefähr zu derselben Zeit erregen die Artikel eines enalischm Kapitäns Äuffehen, weil er auf die Gefährdung Belgiens und Hollands durch den denffchen Racbbar hinweist. Die Dänm zerbrechen sich bte Köpfe übet neue Landesvetteidigungspläne. In Rußland vermehrt sich trotz aller Liebesmühen ber Haß des Voltes gegen bas Dmffchtum. Don Jahr zu Jahr wälzt sich ein immer größer werdender Strom über die schwarz-weiß roten Grenzpfähle hinaus nach benachbarten Ländern, Arbeiter, Gewerbetreibende, Lehrer, Landwirte, Handwerker. Sie setzen sich irgendwo fest, bringen sich in die fremden Verhältnisse hinein, lernen die fremden Sprachen und verdrängen allmählich die Alt- angesessenen von ihren Plätzen. Wie es Japan in Korea getan hat. Der alt« Typ des blonden, biederen und ehrlichen German n, ber mit brutal t Gewalt über seinen Nachbar h rfiel, hat einer anderen Klasse von Menschm Platz ge1-
53 verboten.)
Christiane Tanner.
Roman von Claire ». Glümer.
< Fortsetzung.)
Um dieselbe Zeit, als Christiane, die von Northeimbs abgeholt wurde, dem Schützenhause zufuhr, schlug der Bahnhofomnibus mit einem einzigen Passagier vom Abendzuge — es war bet Harthäuser Parnim — dtffelbe Richtung ein.
In die Wagen ecke gedrückt, ftcrrte er vor sich hin, und die Falte zwff^en dm Braue« wurde itiefer, während die Erinnerungen, die Jonathans Brief geweckt hatte, noch quälender als in bett letzten Tagen auf ihn eindrangen; wechselnde Szenen eines Ballabends, die ihm immer wieder dieselbe holde Mödchengefialt zeigten, dasselbe süße Gesicht mit den sanften Augn, halb erschreckt, halb zärtlich zu ihm cmff hend, während er feine fäh aufflammende Leidenschaft in Worten und Blicken über sie hinströmen ließ . . . Das beglückende Wiedersehen in Lingenau, wo Mathilde Tanner im Pfarrhause, et im Schlosse zum Besuch lvar; die Begegnungen im Walde, die nicht mehr dem Zufall überlassen blieb m; endlich nach kurzem, seligem Rausch ein zbrechender Abschied — aus zwei Jahre, wie sie «einten, in Wahrheit aus immer. Denn als er, liebeglühend, wie er gegangen war, von seiner Reise mit dem terbbrinjen zurückkam, war Mathilde tot. Selbst her Trost, sein K.nd aufwachse« zu sehe«, blieb ihm versagt; nach langen, peinlichen Vethand- fungen mit Mathildens Eltern, die sich weigerten, ihm dte Enkelin anzuvertraue«, hatte et seine Ansprüche aufgegeben und feine Hetzenseinsamkeit Als Buße hingenommen.
Nun aber hatte Jonathans Hilferuf fein väter- lich-s Plichtgeflihl und seine Sehnsucht nach d-m lang versäumten ftinbe in ihm geweckt — dem Kinde der Einziggeliebten, die für ihn eine Verkörperung höchster Anmut, Güte und Selbstlosigkeit gewesen war.
Wenn ihr die Tochter glich — und st« mußte ihr gleichen —, würde sie die scheinbare Lieblosigkeit des Vaters verstehen — würde v rzeihen, daß er sich nach langem Widerstreben dem Verban- mrngsurteil ihrer Grosseltern gefügt hatte.
Immer wieder während der mehrstündigen Eisenbahnfahrt nach Elmenach hatte er versucht, sich das erste Zusammentreffen mit Christiane auszumalen, ohne damit zustande zu kommen. Bald wollte er si« durch seinen Besuch überraschen, bald schien es ihm besser, sich brieflich anzumelden — aber wie. wenn ihr die Großmutter verbot, ihn zu empfangen? — Jonathans Mitteilungen nach war sie mit Notheirnbs bekannt — wie, wenn er Melanie bat, ihm die Tochter zuzuführen? Lieber hätte er sie, vor jeder fremden Dazwischenkunft. als sein eigenstes Eigen, fein Kind in Besitz genommen. Aber wie und wo?
Das Haften des Wagens entriß ihn feine« Gedanken, und die erleuchteten Fenstetreihen des Schützenhaufes strahlten ihm entgegen, wie an jenem unvergeßlichen Ballabend vor einundzwanzig Jahren.
Im Hmisflur wurde Herr v. Parnim von dem Wirte begrüßt, der unendlich bedauerte, dem Herrn Baron — der Fremd« sah so vornehm aus, daß er unbedingt so tituliert werden mußte — das gewünschte gute Zimmer heute nicht gebe« zu fönnen.
Sie waren sämtlich an bte Herrschaften au8 ber Umgegend vergeben, die sich hier zu dem
Balle der Herren Ulanenofsziere vom Lingenauer Manöver ankleideten; ein großartiges Fest! . . . Gesellschaft, Menu, Getränke, alles hochfein . . .
„Wissen Sie. ob Herr und Frau v. Rortheimb zu dem Balle kommen?' fiel Parnim dem Red- fefigen ins Wort.
„Zu Befehl... die Herrschaften sind bereits eing »troffen . . . auch Fräulein Tochter. Die gnädige Fran mache« die Hmmeurs bei dem Feste, und wenn sich der Herr Baron etwa zu beteiligen wünlchm. . .'
„Nicht doch?' fiel Parnim abermg.s ein. „Ich wünsch« ein Nachquartier, wenn auch ein ganz bescheidenes Können Sie mir das geben?'
„Zu Bes-chl?" rief der Wirt, indem er. von dem ungeduldigen Tone des Fremden erschreckt, zu Leuchter und Schlüssel griff. „Freilich mutz ich gehorsamst bitten, sich zwei Treppen hinauf zu bemühen.'
Parnim war dazu bereit; aber trotz dieser Willfährigkeit lag etwas in seinem Wesen, das den Wirt verschüchterte. Schweigend führte er den Gast in «in niedriges, einfenstriges Zinnwt deS zweiten Stockes und konnte sich eines gastwirtlichen Schamgefühles nicht erwehren, als die beiden Kerzen, di« er auf den Sophatisch stellte, die verräucherte Balkendecke, die schmutzige Tapete und die Stbäbiakeit der ganzen Einrichtung beleuchteten. Glücklicherweise schien bet Fremde kein Auge bafür zu haben; nur bte dumpfe Zkmmev- luft schien ihm unbehaglich z" fein, beim während er befahl, sein Gepäck heraufzuschaffen und bet Wirt sich entfernte, riß et das Fenster auf.
Es ging nach dem sogenannten Garten hinaus, einem Kiesplatze mit Bäumen, unter denen feere Tische und Stühle standen. Der kühle Herbst- Hauch hatte die Gäste ins Haus getrieben; nur
ei« matter Lichtschein aus verhüllten Fenstern fiel auf die Baumwipfel und bett schmalen Balkon, bet sich längs d-s ersten Steckes hinzog.
Eben begann die Polonaise. Pa" 'Ms Z'm- ntet mußte unmittelbar über dem Fat.Caal liegen, denn trotz der tauschenden Militätmustk konnte cr in dem Festgetön auch das Lachen und Plaudern bet Gäste unterscheiden Das fünf bis s chs Stunden auszuhaften. war schwer, aber er mußte sich fügen. Die Absicht, b<m Abend bei Northeimbs zu verleben, um gesprächsweise etwas über Christian« zu erfahren, wurde durch den Ball verei'elt. „ ._
Einen Augenblick war Patn-rn im Begriffe, seinen Reffen Christian, der jedenfalls zu den Feftunietnehmetn gehörte, herauftufen zu lassen, gab es jedoch wieder auf. Ebe er irgenbemen Schritt zur Ausführung seiner Pläne tun bürste, mußte er sich überzeugen, ob Christiane betn Bilde entsprach, bas er sich von ihr gemacht hatte. . ,
Wie schon mehrmals, drängte sich wm auch jetzt ber Gedanke auf. baß dem jungen Mädchen bte Härte und die Unversöhnlichkeit der Großmutter onoeerbt oder anerzogen fein könnten; aber wie bisher wies et ihn zurück. Trotz ber Energie, die ihr Jonathan Wild zugeschri-ben hatte, mußte sie als Mahildens Kind mild und warmherzig fein.— Und sie war ja auch fein Kind, das sich ht Liebe zu ihm finden mußte, wenn et mit väterlicher Zärtlichkeit für sie forgte, sie für alle Ente bchrungen ihres bisherigen Lebens «^schädigte, vor allen Dingen ihrer Verbindung mit Christian den Weg bahnte.
(Fortsetzung folgt)