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45. Jahrs.

_ !ta ^eruet sollen die Irren und Idioten, deren Herzog Johann Albrecht eröffnete die Versami

49

verbotenI

geben,

den zog

Behutsam sei und schweige, Und traue keiner Wand;

Lieb' innerlich und zeige Dich außen unbekannt.

Kein' Argwobn darfst Du Verstellung nötig ist . .

Länger hielt sie es nicht aus.

nicht verwahrlosten- Kinder unter 14 Jahren, welche aber der Verwahrlosung, anheimzufallen

wurde noch beschlossen, das Protokoll über die Ver­handlungen den Mitgliedern des Reichstages zugäng­lich zu machen.

Auge hätte sie es nicht versucht, schriftlich tat ste's. Sie erzählte von Großmutter und Tante; vor allem mit lebhafter Freude von der großen Arbeit, die ihr anvertraut war, und erwähnte flüchtig, daß sie bet Rortheimbs mit einigen der Offiziere zusammengekommen sei; Christians Namen nannte sie nicht.

Vergebene Liebesmüh'! Wilhelms Antwort bewies, daß er nicht zu täuschen war. Nachdem «r über die fortschreitende Besserung seiner kranken geschrieben hatte, fuhr er fort:

.....Ich wollte, Du könntest mir wider­sprechen, wenn ich sage, daß mir Dein letzter Brief den Eindruck macht, als suchtest Du mir etwas zu verbergen. Hast Du Dir etwa einge­redet, mich in meiner Eigenschaft als Kranken­wärter schonen zu müssen, so vergiß nicht, daß d es am besten geschieht, wenn Du mir die be­ruhigende Ueberzeugung gibst, um alles, was Dich be rifst, Bescheid zu wissen. Was ich über­sehen itnd packen kann, kann ich auch überwin­den oder ertragen, während Unklarheit, Unge­wißheit Gespenster sind, vor denen ich mich fürchte. Darum bitt« ich Dich, mir zu sagen, was Du auf dem Herzen hast, selbst wenn Du weißt, daß es mir weh tun muß. Unsere Kameradschaft, das verspreche ich Dir, soll nicht darunter leiden. Denke, wenn Du mir wieder schreibst, ich säße Dir wie in in alten, gute» Tagen an Tante Lores Näbtischchen gegenüber, und wie Du damals mit schwierigen Schulauf­gaben zu mir kamst, so schenke mir nun bet schwierigen Lebensaufgaben Dein Vertrauen.. .*

So weit hatte Christiane gelesen, als sie durch Cara unterbrochen wurde. Mit finsterer Mene trat sie ein, bfieb auf halbem Wege stehen

daß sie schon 1 Stunde 10 Minuten früher kehren. Dadurch, daß dann Zug 10 schon in Marburg Süd abgehl, ist ein d'rekte.' schluß an die Staatsbahnzüge 8.59 bezw in Marburg Süd geschaffen, woiurch den

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Jligtildfiirsorge mib Fnrsorgtcrziehimg.

.Die großen Fragen volkswirtschaftlicher und sozial-politischer Na'ur stehen heute im Vorder­gründe des allgeimeinen Interesses und haben manche Frage ethischer Natur, deren Lösung für das Volkswohl mindestens von gleicher Bedeu­tung ist, vollständig in den Hintergrund zu dränge«, vermocht. Die Fürsorgeerziehung, um die es heudc recht still geworden ist, bewegte vor noch nicht allzu langer Zeit alle Kreise unseres Volkes, als die bekannten flandalösen Vorgänge in einigen Erziehungsanstalten in der breiten Oeffentlichkeit bekannt wurden. Die Regelung gerade dieser Frage aber ist für das allgemeine KsttsWohl von so weittragender Bedeutung, daß immer wieder darauf hingeMesen werde« Mich Es ist ja möglich "und hoffentlich auch wahr­scheinlich, daß die Regierungen im stillen an der Lösung dieser hochwichtigen Frage arbeiten dann aber wäre ein etwas schnelleres Tempo recht erwünscht, damit auch endlich einmal etwas wie einResultat- in der Oeffentlichkeit zu ver­spüren wäre.

In der verflossenen Session des preußischen Herrenhauses wurde ein Antrag, der die gesetz­liche Regelung der Fürsorgeerziehung betraf, an­genommen und auch von der Regierung sympathisch begrüßt. Darnach sollen alle noch

DirOberhefsifche Zeitung- erscheint täglich mit Ausnalnne der Sonn» und Feiertage. Der Bezugspreis beträgt viertel-

lejanbte Manuskripte übernimmt die Redak- Teinerlei Verantwortung.)

und sagte, während sich Christiane vergeben­des Hündchens zu erwehren suchte, das mit Freudengebell an ihr aufsprang:

Wir wollen nicht lange stören ... ich möchte nur wissen, warum Du nicht mehr kommst. Seit drei Tagen warte ich vergebens und habe mir eingebildet, es müßte Dir oder Deiner Groß­mutter was passiert sein ... Ta das, wie ich von Deiner Tante höre, nicht der Fall ist," fügte sie hinzu, indem sie nach Art ihrer Mutter hoch­mütig über ihr Stumpfnäschen niedersah,so hast Du keine Enffchuldigung . . . Komm', Netth!*

Sie wendete sich der Tür zu; Christtane hiev sie zurück.

Hier geblieben! Da ist meine Entschuldi­gung, antwortete sie und führte die Wider, strebende vor die Staffelei mit dem angefangenen Ofenschirmbilde.Sich' her, das soll ich malen... noch dazu schnell. Eine Riesenaufgabe neben meiner bisherigen Fächerpinselei. Die Arbeit Hai mich nicht losgelassen.-

Caras Augen sprühten sie an.

Das sagst Du auch noch!' rief die Kleine empört.Wenn Dir Deine dumme Arbeit lieber ist als ich, so bist Du eine schlechte Freundin ja, das bist Du . . . sonst hättest Du mich jetzt Nicht im Stich gelassen . . . gerade jetzt!*

Gerade jetzt!* wiederholte Christiane;was ist denn geschehen? Komm', setze Dich, er­zähle. ich habe keine Ahnung . . ."

Mit diesen Worten zog sie die Kleine neben sich ins Sofa. Cara sah sie ängstfich an; sie mußte doch wohl krank sein von ihrem unver. nünftigen Arbeiten vielleicht.

(Fortsetzung folgt.)

Komm,

Sonn- und Feiertage. Der Bezugspreis betragt werte!» jährlich durch die Post bezogen 2,25 M (ohne Bestellgelds, bei unseren Zeitungsstelle» und der Ervedition (Markt 21), 2.00 Jt. (Für unverlangt Meß " '* ' '

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Als sic nach Hause kam, fand sic einen Brief von Wilhelm. Seinem Vater ging cs besser, und Fritz, der ältere Bruder, außer Gefahr; aber dem kleinen Hans hatte der Kehlkopfschnitt gemacht werden müssen, und zwar ohne Zu­stimmung des Vaters, der nicht beunruhigt wer­den durfte, und gegen den Willen der Mutter. Der alte Dorfarzt batte sich geweigert, die Operation ohne Einwilligung der Eltern für notwendig zu erklären. Herr v. Lingenau, der ein Machtwort gesprochen haben würde, war ab­wesend; so hatte denn Wilhelm die Verant­wortung auf sich genommen, hatte den Elmenacher Arzt holen lassen, und während die verzweifelnde, halb mit Gewalt entfernte Mutter die Mörder ihres Kindes verwünschte, ward das letzte Rtttunasmittel versucht.

Gott sei Dank, daß wir's gewagt haben!" schloß der Brief,aber es waren die schwersten Minuten meines Lebens, in denen ich erfahren habe, daß Not beten lehrt. Nochmals Gott sei Dank, daß dieses Beten nicht vergeblich war! Bis jetzt wenigstens nimmt alles seinen nor­malen Verlaus, und wir dürfen hoffen, daß uns der liebe kleine Bursche erhalten bleibt. Deiner Teilnahme, mein treuer Kamerad, brauchst Du

t zu versichern; aber ich hoffe, Du schreidstbald ein Wort über Dein Ergehen.*

Christiane schrieb gleich, aus überströmender Empfindung, solange sie sich mit den Zuständen im Pfarrhause beschäftigte; aber als sie über sich selbst w berichten begann, suhlte sie sich ge­hemmt. Wt e durfte si« verraten, was Christtan verschwiegen sehen wollte und wie war es möglich, dem ^Freunde zu verbergen, was ihr Denken und Emp,mden beherrschte? Auge in

Mäuschen spielen, wenn man einen lieb hat, ihn sozusagen verleugnen ... das ist feig, das ist widerwärtig.'

X.

In innerster Seele gab Christiane der Klei­ne« recht, und doch mußte sie sich »och denselben Abend darein finden, Vt Mahitt.ng des Liedes z« gehorchen.

, CbrMiane Tanner.

Roman von Claire v. Glümer.

tflortketzüng.l

Auch Frau v. Nottheimb atmete auf. Mit der Bemerkung, sie verlasse sich auf Christtanens Diskretion, kehrte sie an den Flügel zu dem unterbrochenen Liede zurück. Christtane ging Vater und Tochter entgegen.

Auf der Terrasse trafen sie zusammen. Wäh­rend Herr v. Northcimb an die Salontür trat, um das Lied anzuhören, teilte Cara der Freundin mit, daß Papa zur Raison gekomm r sei, alles eingesehen und zugestanden habe. Dalm lauschte auch sie; aber ihr lachendes Gesichtchen verfinsterte sich mehr und mehr, als sie auf die Liederworte achtend. Mama singen hörte:

Haiiptversamiillung der Deutschen Koloniatfltsellschuft.

Elberfeld, 1. Dezember.

wohnern des Nordviertels Gelegenheit geboten ist, schon am Morgen schnellst»»? dm Frauen­berg zu erreichm. Diese Aend-mng soll vor­läufig während des Winterfahrplans eingeführt werden. Des Weiteren w'rd beabsichttgt, nur an Sonntagen bei Rodelbetrieb auf b*m

Marburg und Umgegend

(Rack,d..:ck aller CriginalctdUel ist gemäß § 18 be« Urheberrechts nur mit der deutlichen Quellenangabe

Oberhess. 8tg? gestattet.)

Marburg, 2. Dez.

Bon der Kreisbahn. Auf vielseitigen Wunsch beabsichttgt die Bahnverwal'ung die jetzt nur Wochtmtags verkehrenden Züge 10 >tnb 11 (ab Marburg Süd 10.25 V) so zu verlegen,

ttnfmn hören wir nicht an,* sagte sie und Christiane der Terrassentreppe zu.Totes

ZW-M- in-chG Anstalten sich bereits gebessert hachAvt Familieupffege mttergebrachl werden. Mit bem Grundsatz der reinen Anstaltspflege soll gebrochen werden. Der jetzige preußische Finan - Minister und vormalige Magdeburger Ober­bürgermeister Dr. Lentze beton'e in der Begrün­dung dieses von allen Seiten des Hauses unter­stütz^,, Antrages, daß wir heute mit unserer Fürsorgeerziehung nicht ganz auf dem richtigen Wege steuerten. Die Erfolge der Fürsorgeep- ziehung würden umso nachdrücklicher fein, in je jüngerem Alter die betreffenden Zöglinge der Fürsorgeerziehung unterstellt waren. Bei der in Aussicht genommenen frühzeittgen Ueberweisung von Kindern unter 14 Jahren könnnte natürlich nur die Familienerziehung Berücksichtigung fin­den. Falls man die iuncten Menschenkinder unter 14 Jahren, deren Verwahrlosung vorauszusehen ist. nicht rechtzeitig einer Fürst rgeerzichungsan- stalt übergibt, würde sich diese Notwendigkeit später doch erheischm und in solchm Fällen wäre nur die Anstaltserziehung in Anwendung zu bringen. Die Familienerziehung mit ihrer gute,, Wirfimg fei dann gusgeschastet. Die recht­zeitig eingreifende Fürsoraeerziehung würde auch weniger Anstaltm bedingen.

Auf bemAllgemeinen Fürsorgeerziehungs­tag*. der im Juni dieses Jahres in Rostock unter starker Beteiligung stattfand, gelangten drei Re­solutionen zur Annahme, worin derAllgemeine

Fürsorgeerziehungstag- erstens seine Mitglieder auffordert, sür die Verbesserung des Fürsorge­erziehungsgesetzes einzutreten, wie sie der preußische Minister des Innern int Herrenhause in Aussicht gestellt Hai. Die zweite Resolution verlangt von den staatlichen Behörden aus­reichende Mittel, um Jugendstaatsanwälte und Jugendrichter planmäßig über die einschlägigen Fragen zu orientieren. In der dritten Resolu­tton wurden ausreichende Mittel zur Durch- fühnmg einer planmäßigen Fachausbildung von Berusslehrern der Fürsorgeerziehung durch Fürsorgeerziehungsseminare und zweckdienliche Fortbildungskurse gefordert. Die Auswahl und Ausbildung der Lehrer für die Fürsorgeerziehung muß eine ganz besonders sorgfältige sein. Richt jeder tüchtige Lehrer eignet sich zur Erziehung und Heranbildung eines so spröden Materials, wie es die der Fürsorgeerziehung verfallenen Zöglinge darstellm. Unendliche Geduld und Herzengüte gepaart mit zäher Willenskraft sind dix. nottvxndigen Eigenschaften, die ein solcher Lehrer besitze» muß. Eine» Stamm ausgewghl;. ter. und auskömmlich besoldeter Lehrer zu schaffen, muß die vornehmste und erst» Aufgabe sein, um unsere Fürsorgeerziehung in neue, er! folgreiche Bahnen zu lenken.

Deutsches 'Reich.

Generaloberst von der Planitz P. Pots­dam, 1. Dez. Der frühere Generalinspekteur der Kavallerie, Generaloberst Edler von der Planitz ist in vergangener Nacht gestorben.

Der Rücktritt Dr. ». Rügers. Dresden, 1. Dez. Der König hat das Rückttittsgesuch deS sächsischen Finanzministers Dr. b. Rüger geneh­migt. In einem Handschreiben spricht der Köniz dem verdienten Staatsmannc feinen Dank aus. Die gesamte sächsische Presse widmet ihm lange Artikel, in denen seine ungeheure Arbeitskraft ge­lobt wird. DasDresdener Journal* meldet: Der König hat dem Staatsminister Dr. v. Otto den Vorsitz int Gesamtministerium, sowie bei den in Evangelicis beauftragten Staats,ninisterimn übertragen.

Die Reichsweetzuwachssteuerkommission Berlin, 1. Dez. In der Reichswertzuwachssteuer- kommisnon erklärte Staatssekretär Wenmtth, die Befürchtungen des Zentrumsredners, daß durch das Zuwachssteuergesetz eine große Anzahl von Prozesse» hervorgerufeu würden, seien übertrie­ben. Rund 27 Prozent der Veanlagungen in den Gemeinden zur Wertzuwachssteuer hätten zu Streiwerfahreit geführt. Es würden sich nach einiger Zeit auch die Veranlagungen friedlicher gestalten. Auf die Ausführungsbestimmungen w rbe ganz besonderer Wert gelegt, namentlich in der Richtung, daß 5,ärten ausgeglichen werden. Auf die von einem M.tgliede der Reichspartei ge­äußerten Zweifel, daß die Umsatz,teuer, wenn die Zuwachssteuer erst einmal fünf Jahre lang neb ;n der Umsatzsteuer erhoben worden sei, überhaupt noch aufgehoben werde, erklärte Staa'ssekretär Wermuth, von der Absicht, die volle Umsatzsteuer dauernd neben der Zuwachssteuer beizubehalien, könne keine Rede sein.

Die Borkumer Spione. Leipzig, 1. Dez. D-r Prozeß gegen die englischen Offiziere Trench und Brandon vor dem Reichsgericht ist nicht am 15 , sondern am Freitag, de» 16. Dezember.

Marburg

Sonnabend, 3. Dezember 1910.

Die Jnsertionsgebühr beträgt fir Jnsereitte- aus bem engeren Verbreitungsgebiet des Blattes für die 7a-'"»ltene Zeile oder deren staunt 16 für auswärtige ?n't ite 20 A, für Reklamen 40 4. Druck und Verlag: Joh. Rüg. Koch, Univerfttäts-Buchdriickerei. Dr. C.- rbutfl,

Markt 21. 55.

Gewiß ein erfreuliches Zeichen und ein Beweis, daß die wirtschaftlichen Quellen der Kolnien sich mehr und mehr erschließen. Wer weiter das so prächtig aufblühende Tsingtau gesehen hat, der muß auf sein Heimatland stolz sein, dessen Negierung, Volksver­tretung und Kaufmannschaft den Hauptanteil an dem Gelingen des vorgenommenen Werkes zuzuschreiben ist. Ein wichtiges Ereignis hat das letzte Jahr ge­bracht, das für unsere Kolonien von weittragender Bedeutung ist. An die Spitze der Kolonialverwal­tung wurde an Stelle des sich durch klugen kaufmän­nischen Blick und rastlose Schaffensfreudigkeit beson­ders auszeichnenden bisherigen Staatssekretär Dern- burg, unter dessen Amtsführung die Kolonien einen gewaltigen Aufschwung genommen haben, ein n.uer Staatssekretärs berufen worden ist, Erzell. v. Linde- quist. Hervorgegangen aus dem praktischen kolonia­len Verwaltungsdienst hat er sich durch mehrere Jahre als Generalkonsul in Afrika, wie durch ein­gehende Studienreisen in Ostafrika sich den Blick ge­weitet. Er hat durch seine Tätigkeit als Gouver­neur von Südwestafrika und als Ünterstaatssekretär des Reichskolonialamtes kennen gelernt, wie die Ver­waltung der deutschen Gebiete geleitet werden soll. Einem so vorbereiteten Mann, der schon seit langen

Herzog Johann Albrecht eröffnete die Versamm­lung mit einer Ansprache, in der et folgendes aus: führte: Meine Reffe nach dem fernen Ost hat mich auch nach unserem Pachtgebiet Kiautschou geführt, das einen Aufschwung genommen hat, wie ihn wohl nur wenige zu erwarten hegen und das in der kurzen Spanne Zeit deutscher Verwaltung ein Hauptplatz an der chinesischen Küste geworden ist. Weist der der Mert des Gesamthandels gegenüber dem Vorjahre einen Zuwachs von über acht Millionen Taels auf.

mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain

und den Beilagen:Nach Feierabend" (wöchentliche Unterhaltungsbeilage) und »Landwirtschaftliche Beilage.

Im Kaisersaale der Stadthalle trat heute vormit­tag wiederum unter dem Vorsitz des Herzogregenten Johann Albrecht, von Mecklenburg die zweite und letzte Hauptversammlung des diesjährigen Bundes- ,

Jahren das volle Vertrauen der kolonialen Verwal­tung besitzt, dürfen wir folgen mit voller Zuversicht.

Es wird dann in die Tagesordnung eingetreten und zunächst der Geschäftsbericht besprochen. Danach ist der Mitgliederbestand um einige hundert gegen­über dem Vorjahre aus 36 928 gestiegen. Die Abtei­lung Svrottau bringt zur Sprache, daß der Koloniale Frauenbund der Gesellschaft Abbruch tue. Die Män­ner treten aus und lassen dafür ihre Frauen Mitglie­der des Frauenbundes werden. Kontreadmiral z. D. Strauch teilt mit, daß auch bei der Abteilung Berlin eine solche Abmeldung erfolgt sei mit der Begrün­dung, daß der Beitritt der Frau zum Kolonialen Frauenbünde billiger sei als die Zugehörigkeit zur Kolonialgesellschaft. In der weiteren Debatte trat der Wunsch zutage, daß die Frage generell geregelt werde. Herzog Johann Albrecht zu Mecklenburg prä­zisiert seine. Stellung als Vorsitzender da.hin, daß der Frauenbünde nicht damit werde rechnen können, im Ausschuß der Deutschen Kolonialgesellschaft jemals ctrireien zu sein.

Zum folgenden Punkt der Tagesordnung erstattet Kontreadmiral Strauch den Bericht des Deuffch-Ost- afrikanischen Siedlungskomitees, dem in der gestrigen Sitzung ein jährlicher Zuschuß von 20 000 JL gewährt mordetr ist. Der Berichterstatter konnte mitteilen, daß die Siedlungen al? llrlun^en zu bezeichnen seien. Nur hier und da seien finanzlelle Schädigungen Auf­getreten.

Hierauf wurde in die Erörterung der Frage der Errichtung eines Kolonial- und Konsulargerichts- hofes eingetreten. Hierzu lag zunächst vor ein An­trag des Gaues Rheinland:Die Deutsche Kolonial­gesellschaft begrüßt es dankbar, daß die Reichsregie­rung der Schaffung eines Kolonial- und Konsular- gerichtshofes mit dem Sitze im Deutschen Reiche näher getreten sei. Sie hält es für geboten, daß sämtliche Mitglieder des Gerichtshofes alle Garan­tien persönlicher Unabhängigkeit erhalten werden, welche die Richter nach dem deutschen Gerichtsver- fassungsgesek oenießen." Ein weiterer Antrag hier­zu lag von Lübeck, München und Nürnberg vor:

1. Den Reichstag zu ersuchen, eine Aenderung des Entwurfes eines Gesetzes über die Errichtung eines Kolnial- und Konsulargerichtshofes zu beschließen, an Stelle von Berlin Hamburg zu setzen. 2. Den Reichskanzler von diesem Ersuchen in Kenntnis zu setzen."

In der Debatte wurde für Hamburg geltend ge­macht, daß dort große Bevölkerungskreise mit kolo­nialen Fragen zu tun hätten, und daß die Richter in Hamburg viel Gelegenheit zu Informationen haben würden. Für Berlin wurde der Vorzug der zentralen Sage, seine Eigenschaft als Sitz der Reichsämter, be­sonders des Kolonialamtes geltend gemacht. Der Antrag Rheinland wurde schließlich zurückgezogen und dafür ein Ausschußantrag eingebracht, der be­sagt:Die Hauptversammlung begrüßt freudig die Schaffung eines besonderen deutschen Kolonial- und Konsulargerickttsbofes. Sie ist der Ueberzeugung, daß dieser Gerichtshof nur segensreich wirken kann, bet voller Unabhängigkeit seiner Mitglieder, die im Hauptberuf tätig sein müssen." Zur Frage Ber­lin Hamburg wurde ein Vermittlungsantrag ein­gebracht, der besagt: Es wird der Hoffnung Ausdruck gegeben, daß die Regierung bei der Entscheidung über den Sitz des neuen Gerichtshofes sich nur von sach­lichen Gründen leiten lassen wird. In der weiteren Debatte wurde für Berlin ins Feld geführt, daß auch Berlin heute eine Erportstadt sei und daß seine über­seeischen Beziehungen ebenso mannigfaltig seien wie die Hamburgs. Auch in Berlin würden sich die Rich­ter über überseeische Fragen informieren können. Schließlich lief ein Schlußantrag ein, der angenom­men wurde. Der Vermittlungsantrag auf lieber» lassung der Entscheidung an die Regierung wurde mit einer bedeutenden Majorität abgelebnt, der Antrag Lübeck Müncken-Nürnberg angenommen. Endlich