Einzelbild herunterladen
 

MchW AMng

mit dem Kreisblatt kür die Kreise Marburg und Kirchhain

»nd den Beilagen:Nach Feierabend" (wöchentliche Unterhaltungsbeilage) und Landwirtschaftliche Beilage."

SS

46. Jahr-.

Erstes Blatt

Gesellschaft vor die Frage

Schon ist die bürgerliche

gestellt, ob sie noch Herr im Hanse ist. Die andere

durch Dezimalen bezeichnet

bürgerliche Gesellschaft es

Aufgabe ist die, daß die

1910

2,6

2,7

1909 Rov.

24

Okt.

2,5

Winterweizen

Winterspelz (auch mit Bei­mischung von Roggen oder Weizen

Win erroggen

eine kurze Ansprache gehalten, in der er ausführte: Wir begrüben es, daß unsere schweren Beschlüsse der letzten Jahre von den Wählern im Lande gut gehei­ßen wurden. Wir werden selbständig vorgehen und fernerhin auch da Unterstützung nehmen, wo wir sie bekommen. Ich fürchte, die politischen Verhältnisse spitzen sich bald zu einem Kampfe zu, ob in unserem Vaterlande das Christentum und das Königtum von Gottesgnaden noch weiter bestehen solle. Kommt es im Parlament zu diesem Kampf, dann wird man uns auf dem Posten finden. (Beifall.)

Die Versammlung nahm zum Schluß eine Reso­lution an, die besagt: Gegenüber den immer stärker hervortretenden Bestrebungen, die eine Förderung des Umsturzes der bestehenden Staats- und Wirt­schaftsordnung bezwecken oder begünstigen, erachten wir es für dringend geboten, daß die staatserhalten­den Parteien für die Aufrechterhaltung der Autorität und für den Schutzs der Arbeitswilligen mit aller Energie eintreten, ...

nicht soweit kommen läßt, daß sie einfach an die Luft gesetzt wird. (Lebhaftes Sehr richtig.) Daher habe ich vor einigen Tagen, als wir vor die Wahl gestellt wurden, ob wir uns erlauben dürfen, daß unser Kaiser und König eine selbständige Meinung habe, ob wir religiösen Sinn hegen und haben dürfen, und ob unser Kaiser ein treuer religiöser Mann fein darf, als diese Frage gestellt wurde, da haben wir ihnen die richtige Antwort gegeben (Anhaltende Zustim­mung.) Es ist weit gekommen, daß man sich schon in diesen Verteidigungszustand versetzen muß.

Wir verlangen Ausnahmegesetze nicht, aber wir verlangen Schutz der bürgerlichen Gesellschaft gegen den Terrorismus, der soweit geht, daß wir das Recht auf unsere eigene Arbeit, auf unsere freie Meinungs­äußerung bei den Wahlen überhaupt nicht mehr ha­ben, daß Tag für Tag das, was uns heilig und teuer ist, in den Staub gezogen wird, ohne daß sich ein Richter findet, der diese Leute vor sein Forum zieht. Wie können Dinge wie in Moabit und im Wedding und in Bremen mit einem Schauspiel enden, daß man nicht weiß, wer der Angeklagte ist. Solche Zustände wollen wir in Deutschland nicht ha­ben, und eine konservative Partei, die das nicht aus­sprechen wollte, würde ihren Platz nicht verdienen. Bebel sagte in Magdeburg: Preußen, das ist der Feind. Da hatte er recht. Ich will nicht sagen, was als Abneigung ausgelegt werden könnte, aber es kann sich heute niemand mehr der Ansicht verschlie­ßen, daß das Preußen, das wir haben, ein so starker und fester Hort der Autorität und der ganzen Grund­lage des Staates und des deutschen Reiches ist, daß wir Gefahr laufen, unser Deutschland zu gefährden, wenn wir Preußen in seiner Grundlage und in sei­ner Eigenart erschüttern kaffen. Es ist ein Stück deut­sches Recht, wenn wir unser Preußen verteidigen, und da weiß ich, daß der Tag nicht kommen wird, wo das schwarzweiße Banner sinkt, solange noch ein Pommer lebt. (Minutenlanger stürmischer Beifall.)

Vor der Rede Heydebrands hatte der Vorsitzende der konservativen Reichstagsfraktion von Normann

ten, was zur Existenz des Reiches notwendig ist. Wenn wir in der heutigen Zeit ein Recht auf Existenz haben wollen, dann müssen wir eine fortschritt- liche Partei sein. (Lebh. Zustrmmung.)

Es ist keine Frage: Die Zeit der Abrechnung mit dem unversöhnlichen Gegner des Staates wird uns nicht erspart werden, die Stunde wird kom­men und sie muß kommen. (Stürmische Zustimmung.) Unsere Feinde werden der bürgerlichen Gesellschaft den Kampf nicht ersparen, auch wenn in der bürger­lichen Gesellschaft gewisse Teile keine Neigung zum Kampfe haben sollten, danach wird nicht gefragt wer­den. Ich weiß so gut wie jeder von Ihnen, daß man solche Mächte, die anstürmen gegen alle, was wir für fest, heilig und wert halten, nicht mit äußeren Zwangsmitteln zu Tode bringt, sondern daß sie allein innerlich überwunden werden müssen. Das ist eine heilige Aufgabe unseres inneren Volkslebens, das sich durchkämpfen muß. Wir müssen unser Volk durchdringen, daß diese Mächte reduziert werden.

Rov.

2,6

2,1

24

Herr v. Heydebrand über die politische Lage.

Stettin, 30. Rov.

Unter Beteiligung von nahezu 8000 Personen sand heute mittag hier der Konservative Parteitag für hie Provinz Pommern statt, deffen bedeutsamstes Er­eignis eine große Rede des Abgeordneten Dr. von Heydebrand und der Lass über die gegen- Märtige politische Lage bildete. Reben verschiedenen Reichs- und Landtagsabgeordneten sowie Mitglie- -ern des Herrenhauses wohnten Vertreter fast aller größeren konservativen Organisationen des Reiches bei Tagung bei, zu der durch Seiten lange Inserate in der pommerschen konservativen Provinzpresse vor­her eingeladen worden war, sodaß infolge des An­dranges der Massen eine von cd. 2000 Personen be­suchte Parallelversammlung abgehalten werden mußte.

Herr v. Heydebrand wurde bei seinem Er­scheinen mit donnerndem Beifall begrüßt. Er führte aus: Ich bin in den letzten Wochen und Monaten viel im Deutschen Reiche herumgekommen. Die Eindrücke, die ich empfangen habe, sind geradezu großartig zu nennen. Wenn, wie behauptet wird, ich in Stuttgart gesagt haben soll, daß die Konservativen behaupten, daß die Reichsregierung sich in den Dienst der kon­servativen Sache stelle, oder wie man heute sagt des schwarz-blauen Blocks, so ist das unwahr. Davon ist keine Rede. Ich habe gesagt, daß, wenn die Reichs­regierung diese Vergiftung des Volkes, die in der ^leichsfinanzreform hervorgetreten ist, weiter duldet, wenn da» so fortgeht und nicht klar gestellt wird, man sich nicht wundern dürfe, daß eine gegenseitige Abweichung eintritt, und eine Lage geschaffen wird, die niemand wünschen kann. Wir find für indirekte Steuern eingetreten.- Wir find reichlich genug be­steuert worden. Wir werden im Parlament vielleicht etwas weniger werden, mancher wird sich vielleicht zurückziehen, weil er glaubt, daß es schlechter wird mit den Konservativen. Mögen sie gehen. Mögen sie glauben, daß wir nur im Schatten der Regierung ge­deihen. Diejenigen, die etwas anderes vorziehen als zu den beschränkten Konservativen zu gehen. Sie mögen gehen. Wir, die wir zurückgeblieben sind, wollen fest zu einander halten. Den Konservativen, der die letzte Entwicklung mitgemacht hat, erfüllt es mit selbstbewußtem Stolz, daß diese treuen Freunde sagen können, daß, wenn die Stunde kommt, wo die evangelische Sache in Gefahr ist, alle einig dastehen werden. Daß wir mit dem Zentrum zusammengehen, ist uns nicht zu verwundern, da es solche sind, die das Ehristentum und die nationale Arbeit stützen wollen. Wir werden der Industrie und den übrigen Zweigen ihre Rechte wahren. Wenn es eine Zeit gegeben hat, wo die konservative Partei eine Notwendigkeit für das Volk war, so ist es die heutige Zeit. Diejenige Partei, die die Autorität auf ihre Fahne geschrieben bat, kann nicht untergehen. Wir wollen und werden nicht vergeffen, daß wir dazu da find, das zu erhal-

DirOberheffische Zeitung" erscheint täglich mit Ausnahme der " Der Bezugspreis beträgt viertel­

ten 2,25 (ohne Bestellgeld), bei >er Expedition (Markt 21), 2,00 A.

Deutsches Reich.

Saatenstand in Deutschland. Für den Saaten­stand in Deutschland Mitte November 1910 sind nach der Zusammenstellung des Kaiserlichen Sta­tistischen Amts, die stür die einzelnen Staaten und Landesteile imReichsanzeiger* veröffentlicht wird, die Noten folgende: Nr. 2 bedeutet gut, 3 mittel (durchschnittlich), die Zwischenstufen sind

Ausland.

** Meuterei in Macao. Macao, 30. Rov. Hier kam es in der vergangenen Nacht zu einer Meuterei der Land- und Seetruppen. Die Meu­terer marschierten vor das Haus des Gouverneurs und forderten Erhöhung ihres Soldes, Vertrei­bung der Nonnen und Unterdrückung der Zeitung Vida Nova". Um Unruhen zu vermeiden, wur­den die beiden letzten Forderungn bewilligt. Di« Offiziere sind außer Stande, die Leute in Schach zu halten. Das Leben und Eigentum der Be­wohner ist gefährdet. Durch die Vertreibung der Nonnen verlieren hunderte von Waisenkindern ihre Ernährer.

** Die Debatte über den Ankauf der deutsche« Schiffe. Konstantinopel, 30. Rov. In der Adreßdebatte bemängelte der frühere Marine- minffter Riza de« Ankauf der ehemaligen deut­schen Kriegsschiffe. Der Großveztr legte dar, daß die Türkei, um allen Eventualitäten gewachsen zu sein, zwei fertige Kriegsschiffe habe kaufen müffen. Er hob ferner den Wert der deutschen Schifft für die türkische Marine und den billigen Kauf­preis hervor und erklärte, die Regierung übev- nehme die volle Verantwortung im Bewußtsein, daß sie dem Lande einen großen Dienst erwiesen habe. Die Mehrheit nahm diese Erklärung mtt Zustimmung auf.

2,5

2,4

Obstbauverein für den Kreis Marburg

Marburg. 30. Nov.

An der heute Nachmittag im Fronhof unter der Leitung des Herrn Oekonomierats Direktor Dr. Hesse abgehaltenen Versammlung des Obstbauvereins für den Kreis Marburg nahm auch der Vorsttzende, Herr Geh. Reg.-Rat Landrat v. Negelein teil.

Marburg

Freitag, 2. D^ember 1910.

Dis Insertionsgebühr beträgt für Inserenten aus dem engeren Verbreitungsgebiet des Blattes für die 7p-'^ltene Zeile oder deren Summ 16 für auswärtige Jnt, ate 20_ .3, für Reklamen 40 4- Druck und Verlag: Ioh. «ug. nmy, llnioersitäts-Buchdriickerei. Jnba^-r Dr. C. tritze-^.o. iTirburg, Markt 2t. Tele"^»" 55.

fen. Das Archiv für wissenschaftliche Forschung». Hygiene erhielt 750 A zugesprochen. Dem Bested- lungsfonds für Deutsch-Ostafrika flössen 20000 A zu. Für die zum Teil in Südkamerun tätige Forschungs­expedition von Dr. Mitsbriad und Dr. Schulze wur­den ebenfalls 20 000 A bewilligt, dem Institut für ärztliche Mission in Tübingen 1000 A, für die süd- amerikanische Expedition des Herzogs Adolf Friedrich zu Mecklenburg 30 000, Dr. Meyr (München) für eine neue Forschungsreise nach der Insel Schantung 1500. Nach der Mittagspause wurden interne Angelegen­heiten der Kolonialgesellschaft erörtert. Abends fand eine glanzvolle Festaufführung im Stadttheater statt, an der auch der Herzog-Regent und fast sämtliche auswärtige Gäste teilnahmen.

Sonn- und Feiertags. Der 9Q9 jährlich durch die Post bezog, '*=- unseren Zeitungsstellen und du ,

(Für unverlangt zugeiandte Manuskripte übernimmt die Siebti- tion keinerlei Verantwortung.)

Hauptversammlung der Deutschen Kolomalgesellschafl.

. E l b e r f e l b, 30. Roo.

Unter dem Vorsitz des Herzogs-Regenten von Braunschweig Johann Albrecht zu Mecklenburg trat heute hier die Deutsche Kolonialgesellschaft zu ihrer diesjährigen Hauptversammlung zusammen, nachdem bereits gestern Abend eine Begrüßungsfeier in den Sälen des Rathauses die Tagung eingeleitet hatte. Der Vorsitzende Herzog Johann Albrecht zu Mecklen­burg eröffnete die Verhandlungen mit einer An­sprache, in der er entführte: In oen ersten Tagen des Oktober fand im Deutschen Reichstage eine große und erhebende Versammlung statt. Zum dritten Male war der Deutsche Kolonialkongreß zusammengetreten: 126 Gesellschaften, Vereine und Institute batten sich zu dieser bedeutsamen Kundgebung vereinigt. Vor allem darf die Deutsche Kolonialgesellschaft mit Freude und Stolz auf diese Veranstaltung zurück- blicken. Das letzte Jahr ist leider nicht vorüberge­gangen, ohne daß wir schwere Verluste zu beklagen hätten. Der Redner gedenkt der Toten der Gesell­schaft im letzten Jahre, zu deren Ehren sich die Teil­nehmer von den Plätzen erhoben und fährt dann fort: Zu einer wichtigen Tagung sind wir zusammengetre­ten. Eine aroße Reibe bedeutsamer Anträge lieaen Ihnen vor, die Zeugnis davon geben, daß in den Ab­teilungen reges Leben und große Anteilnahme an der Forderung und dem Ausbau unserer Schutzgebiete herrscht. Still und verschlossen nach außen schreitet die Entwicklung unserer Kolonien weiter vor. Sie befinden sich in einem Zustande, rote rott cs nut wün­schen können. Aber grabe diese Art erweckt vielfach in Kreisen, die unseren Bestrebungen fernstehen, die Ansicht, als sei ein Stillstand in bet Entwicklung un­serer Kolonien eingetreten. An bet Deutschen Kolo- nialgesellschaft ist es. derartigen Anschaungen ent« gegenjutreten. Deshalb dürfen die Abteilungen nicht ruhen und tasten, sondern müffen arbeiten, um un­sere Bestrebungen in immer wettere Kreise zu tragen, stu diesem Zwecke bat bereits die Kolonialausstellung in Hamburg viel beigetragen. (Lebh. Beifall.) Nachdem einige Mahlen erfolgt waten, wurde übet die Bewilligungen der Deutschen Kolonialaesellschast für dieses Iabt beraten. Die Kolonialschule in Witzenhausen erhielt wiederum einen jährlichen Zu­schuß von 3000 A. In bet Debatte hierüber wurde von verschiedenen Seiten betont, daß die Erfolge der Kolonialschule in bezna aus die Ausbildung von Ko­lonisten ganz bedeutende seien. Ein gleicher Betrag von 3000 A wurde für die Beschickung von kolonialen Ausstellungen im Inlande und Auslande ausaewot-

48 ('TZ-i^brurt verboten.)

Christiane Tanner.

Roman von Claire ». (Blümer.

lFortsetzung.)

Herr von Rottheimb, der die Gäste ins Vorzimmer begleitet hatte, trat wieder ein, warf sich in einen Seffel am Mittelttsche und seufzte so schwer, daß Frau und Tochter besorgt auf ihn zueilten. War er unwohl? Hatte er Schmerzen? Sollte Cara feine Tropfen hetu rterholen.

Er hob abwehrend die Hände.Rein, nein.* Er war nur unzufrieden mit sich selbst . . . immer die alte Geschichte, die alte Schwachheit und Inkonsequenz! Kaum ein halbes Jahr war vergangen, seit sie sich aus unhaltbaren Ver­hältnissen in dieses Asyl gerettet hatten, fest ent­schlossen, sich in Einfachheit und Sülle einzuleben und ihr Kind zur Einfachhett zu erziehen. Aber ein Lockton aus dem verlassenen Kreise, uw die guten Vorsätze zerstoben in alle Winde. Vergebens beteuerte Frau v Rortheimb, daß sie sich nur diese einzige Ausnahme gestatten werde. Mit dem Ausrufe:Laß es gut fein, Melanie . . . überzeugen wirft Di: mich nicht!* erhob er sich und ging in den Garten.

Auf einen Wink der Mutter, die an der ; Terrassentür stehen blieb, ging ihm Cara nach und hing sich trotz feines Sträubens an seinen Arm.

Lieber Papa, nun wollen wir 'mal ein ver­nünftig-s Wort miteinander reben,* klang es in heiterem Tone vom Gartenwege zu der lauschen­de« Mama herüber, und es währte nicht lange.

bis sie den Gatten im Wettergchen den Kops er­heben sah und aus der Fer e Caras Lachm hörte.

Das liebe, einzige, reizende Gefcböpf . . . wer körntte ihr widerstehen?" sagte sie in Ge­danken mit mütterlichem Stolze zu sich selbst; bann trat sie ins Zimmer zurück und sah sich nach Christiane um.

Sie saß auf dem Klavierstuhl am Flügel und las. als Frau v. Rortheimb hereintrat, das Lied, das ihr Christian zur Beherzigung empfohlen hatte, um sich den Wortlaut einzuprägen, zum zwcitemnale.

Scharmanter Tert, nicht wahr? . . . und ebenso hübsch ist die Melodie ... sie soll aber von Bach fein . . .* sagte Frau Melanie, setzte sich auf den Klavierstuhl, von dem Christiane aufgeftanben war, präludier'e und sang:

Willst du dein Her, mir schenken,

So fang' es heimlich an, Daß unser beider Denken Niemand erraten kann. Die Lieb' muß bei uns beide« Allzeit verschwiegen sein, Drum schließe Leid und Freude« In deinem Herzen ein . . .*

Damit brach sie ab. Ein anderesmal wolle sie weiterfinaen; jetzt müsse st das ungestörte Beisammensein mit Christiane zu einer längst ge­wünschten Aussprache benützen, sagte sie, ver­tauschte den Platz am Klavier mit der bequeme­ren Chaiselongue und wies dem fangen Mädchen den gegenüberstehenden Sessel an.

Es handle sich um Cara, fahr fft mit sorgen­voller Miene sott, nachdem sie sich behaglich in

die Kissen gedrückt hatte. So reizend die Kleine sein könne, ein Kindskopf, noch dazu ein recht eigenfinnioer sei sie immer noch und komme dadurch in Gefahr, ein Glück zu verscherzen, wie es ihr zum zweitenmale schwerlich geboten werde. Daß sich Christian Leopold für Cara interessierte, werde der klugen Cbristtane nicht entgangen sein. Die Kleine wollte das leider nicht zugeben; ttotz aller mütterlichen Warnungen fahre sie fort, den Vetter zu brüskieren, so daß er endlich den Mut verlieren m'sse Eine Freun­din te aber in solchen Dingen ost mehr Ein­fluß als eine Mutter; darum bitte sie Christiane, ihr beizustehen. die Heine Widerspenstige zur Vernunft zu bringen.

Ich weiß, meine Liebe, daß ich auf Sie zählen kann* schloß Frau v. Rortheimb mit dem Bewußtsein, das fange Mädchen durch ihr Vertrauen hoch geehrt zu haben.

Aber statt sich zu der erwarteten Hilft bereit zu erklären, erlaubte sie sich, wenn auch in aller Bescheidenheit. Einwendungen zu machen.

Ich fürchte, gnädige Frau.* sagt« sie . . . Cara hat mir zwar nichts bertraut . . . aber mir scheint, als ob sie eine andere Neigung hätte . . .*

Für Herrn v. Enke, meinen Sie?* fiel Frau v. Nottbeimb ein.Kindische Einladung, wei­ter nichts! .... Junge Herzen müffen gelenkt werden ... fachen Sie, liebe Christiane, mit großer Vorsicht natürlich, diesem Herrn v Enke en'gegenzuarbeicen, indem sie Vetter Christtans Vorzüge Schönheit, Distinktion, Esprit von alldem hat jener andere keine Spur ins recht« Licht stellen; und dann weise« Sie die liebe

Kleine, die uns bisher nur Freude gemacht hat. darauf hin, daß uns ihre Verheiratung mit dem Majoratserben von Harthausen für alles ent­schädigen würde, was wir verloren haben, wäh­rend uns die Mesalliance mit einem Enke vollends zu Boden drücken würde . . .*

Mesalliance mit Herrn v. Enke?* fragte Christiane. Frau v. Rortheimb zuckte di« Achseln.

Talmiadel, liebes Kind!* antwortete sie. Der Vater des Leutnants, Geheimrat Enk«, wegen seiner Verdienste als Militärarzt anno 70 geadelt, die Mutter eine Tochter des Räh- malchinenfabrikanten Huhlemann. Die Enkes sollen ehrenwerte, in ihrem Kreise angesehene und sehr reiche Leute fein; aber unsereins kann sich doch nicht mit ihnen verschwägern . . . dft verwandtschaftliche Entourage, meine Liebe.*

Sie brach ab; Christianens aufflammende Augen erinnerten sie, daß sie «in« Bürgerliche vor sich hatte. Mtt halb »erlegenem, halb ver­bindlichem Lächeln fügte sie hfazu:Daß ich mich so rückhaltlos ausspreche, liebe Christiane, darf Sie nicht wundem . . . Sie gehören t» uns*

Christiane sah stumm vor sich nieder; was von dieser Versicherung zu halten war, wußte sie und fühlte sich tote erlöst, als in diesem Augen­blick Caras Stimme vom Fuß der Terrasse beraufHang und dem peinlichen Gespräch etw Ende machte.

(Fortsetzung folgt.)

------ -