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OßerMsche Leitung

Deutscher jirichvtag.

SlimmungÄild.

Berlin» 29. November.

Die Beratung der Schisfahrtsabgabenfrage, die Heute fortgesetzt wurde, könnte sich, so sollte man meinen, recht fließend abwickeln, denn es han­delt sich doch schließlich um Flüsse und Ströme, deren Benutzung vom Reiche unter ZinS gestellt jtoerbett soll. Nun ja, sie fließt auch, aber nicht so majestätisch, wie der große Elbstrom, sondern mehr wie ein ruhiges Bächlein in der Ebene. Es Handelt sich hier eben um eine rein wirtschaftliche Jntercssenfrage, an der nur diejenigen teilnehmen, welchedie nächsten dazu" sind. Diese reden sich ins Zeug" oder hören aufmerksam zu je nach­dem während die anderen sich in den dickleibi­gen Etat vertiefen, oder auch in den Couloirs !oder in den zahlreichen idyllischen Konferenzzim- merchen verschwinden, wo sie sich davon praktisch überzeugen, daß ein kleiner Schach-Match zu den anregendsten Unterhaltungen dieser Welt gehört . - Da an der Angelegenheit keine Partei vls solche interessiert ist, so kann man die Beobachtung machen, daß Kollegen, die sich sonst spinnfeind gegenüberstehen, friedlich Arm in Arm mit einander gehen. In allen Parteien sind die Meinungen geteilt und stehen sich zum Teil schroff gegenüber. Heute waren es in der Hauptsache die Opponen­ten, die das Wort führten, und mehr oder weniger die G-Aaite auf der Violine des PartikularismuS anklingen ließen. Es waren leider keine Paganini- töne, aber recht kräftig waren sie zum Teil doch. Der badische Centrumsabgeordnete Zehnter kann sich auch nur bedingungsweise mit dem Entwurf abfinden und verlangt gründliche Umarbeitung und besteht darauf, daß auch das Ausland zu den Kosten beitrage. Für die Sachsen in cumulo tritt Abg. Wagner ein, der sogar einen sächsischenGe­samtblock" gegen die Schiffahrtsabgaben in Szene fetzt was in unserem Blockzeitalter kaum noch üherrascht. Wasblockt" sich heutzutage nicht vlles l Der Redner betont namentlich die schweren Schädi­gungen der sächsischen Industrie, worin er von dem sächsischenGenossen" Stolle kräftig unter­stützt wird, der es nicht lassen kann, seiner Ver­bitterung gegen die Bergewaltigungspolitik deS preußischen Junkertums leidenschaftlichen Ausdruck ,u geben. Auch der Pole Korfanty beteiligt sich an der Diskussion gegen die Vorlage im Interesse deS oberschlesischen JndustrterevierS. In diesem oder ähnlichem Sinne sprachen dann noch eine lange Reihe einzelstaatlicher Redner gegen die Vorlage; Minister Breitenbach, der die Vorlage alsverant- ivortlicher Redakteur zeichnet, fand bei seiner Ab- »Vehr Unterstützung seitens deS bayerischen Cen­trumsabgeordneten Lib. Gerstenberger sowie seitens

Direktors Dr. D. Hahn vom Bunde der Land­wirte. Sn,wischen war cS aber bereits 7 Uhr geworden, und da endlich machte ein Schlußantrag dem grausamen Spiel wenigstens für das Plenum ein Ende. Morgen kommen die Kurpfuscher auf die Reichsanklagebank.

* '

Sitzungsbericht.

89. Sitzung vom 29. November. '

Am Tische des Bundesrat», v. Breklenbach, Dr. Delbrück.

Präsident Gros Schwerin-LSwitz eröffnet die Sktzung um 1 Uhr 15 Minuten.

1. Lesung des Schiffahrtsabgabengesetzes.

(2. Tag.)

Abg. Dr. Zehnter (Str.): Wir sind nicht gründ- sätzllch gegen Schisfahrtsabgaben, aber der Entwurf muß eine wesentlich andere Gestalt erhalten, durch knc die badischen Verhältnisse berücksichtigt werden. Das Aufsichtsrecht des Reichstags, vor allem für den Fall, daß Heraufsetzungen der Tarife vorgenom- men werden sollen, darf nicht verletzt werden. Es wurde auch genügen, wenn man nur das erheben wurde, was unbedingt zur Stromregulierung not» tocitbtg ist. Von wesentlicher Bedeutung für die Beurteilung des Gesetzes muß es sein, was mit den durch. dte^Abgaben. erlangten ^Mitteln, geschehen soll.

47 (Nachdruck verboten.)

Christiane Tanner.

Roman von Claire v. Glümer.

< Fortsetzung.)

Christiane hörte kaum, was Cara berichtete. Sie hatte Christians Stimme längst erkannt, und das Wiedersehen in Gegenwart anderer be­ängstigt sie. So heftig war ihre Bewegung, als Cara die Salontür öffnete, daß alles vor ihren Augen schwankte.

Christians vorsichtige Haltung half ihr, sich schnell zu fassen. Fremd und kühl wie der Ritt­meister grüßte o-ch er; dann schien er nur für die Ballberaiu Sinn zu haben. Richt ein­mal sah er »- em Fenster hinüber, an das sich die jungen Mädchen zurückgezogen hatten.

Nach einigen Bescheidenheitseinwendungen erklärte sich Frau v. Northeimb bereit, als Lady Patroneß zu fungieren. Der Rittmeister war ihr dafür umso dankbarer, da man wie er sagte ihre Liebenswürdigkeit für allerlei frag­würdige Elemente in Anspruch nehmen müsse. Die Festgeber könnten leider nicht umhin, zu dem Landadel der Umgegend auch die Familien der Domänenpächter, Aerzte und Prediger einzu­laden, bei denen Offiziere einquartiert waren.

Christian dagegen meinte, der Einblick in diese ländliche Gesellschaft zweiter Klasse werde Cousine Melanie amüsieren. Die städtischen Nobodys bei diesen Worten preßte Christiane Hände und Lippen zusammen; hatte er vergessen, daß auch sie zu diesen Nobodys gehörte, oder wollte er ihr die Kluft zwischen seinem und ihrem Lebenskreise bemerklich machen? Jedcn- falls schien er völlig unbefangen, als er fortfuhr. Die städtischen Nobodys suchten wohl oder übel die^ gute Gesellschaft nachzuLfken. was freilich

welche Stromtzäüten' geTürberf'werden"sollen? Mi I Redner fordert eine gründliche Regulierung des Oberrheins. Bon einer Tieserlegnng deS Rheins zwischen St. Goar und Mannheim ver­sprechen wir uns nicht viel, da die Schiffahrtsge­sellschaften auf den niedrigen Tiefgang durchaus eingerichtet sind. Es muß Vorsorge getroffen wer­den, daß sich auch die Schweiz nicht von den Kosten auf der Strecke Basel-Mannheim drückt. Den« sie hat an dieser Strecke das lebhafteste Interesse. Wir müssen die Garantie haben, daß auch das Ausland zu den Unkosten beiträgt, ehe wir so schwere Lasten auf uns nehmen.

Abg. Dr. Wagner (kons.) gibt im Namen der sächsischen Mitglieder der Konservativen, der Reichs­partei und der Reformpartei eine Erklärung gegen die Vorlage ab. Alle Parteien sind in dieser Sache verschiedener Meinung, im Lande draußen sogar die Sozialdemokraten. In Sachsen sind alle politi­schen Parteien ohne Ausnahme einig in der Ab­lehnung dieser Vorlage. Alle Städte, Industrie und Landwirtschaft marschieren Arm in Arm. Die jetzt so billige Schiffahrtsstraße der Elbe würde nämlich so verteuert werden, daß unsere Konkur­renz mit dem Auslande erheblich beeinträchtigt werden würde.

. Aba. Korfanty (Pole): Es ist sehr gut denkbar, daß srch Rußland den Beiträgen zu den oberschlesi­schen Flußregulierungen entziehen wird. Die Ein­führung von Schiffahrtsabgaben wird auch die Exi­stenz der kleinen Schiffer in Frage stellen. Darum verlangen wir gewisse Garantien.

Abg. Stolle (Soz.): Der Kampf gegen die Schlffahrtsabgaben ist ein Kampf von Handel, In­dustrie und Gewerbe gegen die agrarische Politik Preußens. Der Reichstag darf sich dem Willen des preußischen Junkerregiments nicht fügen. Bei der Reichsfinanzreform wurde hochtönend verkündet, daß ihr Ertrag zu Berkehrszwecken, Kulturpolitik und Entlastung der Bundesstaaten verwendet wer­den soll. Diese Vorlage zeigt das Fiasko, das Sie mrt Ihrer Finanzreform gemacht haben. Ein Pro­test der sächsisch-böhmischen Dampfschiffahrtsgesell­schaft beweist die Industrie- und Verkehrsfeindlich­keit der Vorlage. Den Gegenbeweis hat uns noch memand, auch nicht die preußische Regierung ge­bracht. Zuerst müßte übrigens auch die Zustim­mung des beteiligten Auslandes eingeholt werden. Das, österreichische Abgeordnetenhaus aber hat mit Zustimmung des Ministerpräsidenten Bienerth und des Handelsministcrs Weißkirchner gegen die Schiff- sahrtsabgaben protestiert. (Beifall links.)

Abg. Dr. Junck (ntl.) begründet die ablehnende Stellung der sächsischen Fraktionsmitglieder. Wir hätten eine ordentliche Begründung verlangt. Die Einstimmigkeit des Bundesrats ist für uns nicht vmi sonderlicher Bedeutung, die kleineren müssen sich eben fügen. Hoffentlich sind sie auch überzeugt worden. Ich will meinen ließen Leipziger Mitbür­gern gewiß nicht die Erfüllung ihrer alten Sehn­sucht, der Verbindung mit dem Meere, mißgönnen, aber ich glaube, es wird sehr viel Wasser die Ströme hinabfließen, ehe der Kanal nach Leipzig gebaut wird. Nach einer Aufstellung desReichs­anzeigers" dürfte die Weser- und Elbregulierung etwa 200 Millionen kosten davon handelt die Vortage in zwei Seiten, bezüglich der Elbe tn sechs Zeilen. Wie anders war die Begründung der preußischen Kaualvorlage. (Sehr gut!) Könn­ten die vorgesehenen Strombauverbände nicht durch das ersetzt werden, was man das deutsche Reich nennt? (Heiterkeit.) So weit sind wir schon, daß einzelne Bundesstaaten feierliche Staatsver­träge miteinander abschließen. Das ist kein er­hebendes Schauspiel. Wir wissen noch nichts dar­über, tote eigentlich die Abgaben erhoben werden sollen. In den ersten vier Jahren werden netto kaum 65 000 Mark pro Jahr herauskommen. Vor­läufig sind auch Oesterreich und die Niederlande noch nicht gewonnen. Aber es ist leicht möglich, daß man die Zustimmung des Auslandes erkauft durch Konzessionen zu Ungunsten deutscher Schiffer. Großzügig ist weder die Vorlage, noch sind es die Reden des Reichskanzlers und des Eisenbahn­ministers. (Beifall bei den Nationalliberalen.)

Abg. Haußmann (Vp.): Wir bedauern es, daß bei diesem Gesetz einseitig preußische Interessen in den Vordergrund geschoben werden, und daß die Interessen des Reichslandes darunter leiden müssen. Die Abgaben sind ein unvolkswirtschaftliches Mittel, eine Lähmung des Verkehrs. Mit diesem Mittel will man ein volkswirtschaftliches Ziel erreichen. Sind die Schäden nur gering, so müssen wir des großen Ziels wegen den Wea neben. .Darüber, wer-

Honoratioren auf dem Lande, er wisse das durch seine Besuche in Harthausen, ständen jedoch selbstbewußt in ihren eigenen altmodischen Schuhen und lieferten in Toilette, Benehmen und Ausdrucksweise die ergötzlichsten Karikaturen.

Cara hielt es nicht länger aus.

Ich glaube, daß man unter uns ebenso viele Karikaturen finden kann wie anderswo!" sagte sie altklug und warf einen nicht mißzuversteheen- den Blick auf den Rittmeister, der trotz Falstaff­gestalt und Kupfernase wegen seiner zärtlichen Augen und gezierten Redeweise unter den jüngeren Kameraden dasMamsellchen" hieß.

Frau v. Northeimb erschrak Christtan hatte Mühe, das Lachen zu verbeißen; nur der gute Rittmeister schien Cara nicht verstanden zu haben. Als in diesem Augenblicke Murner meldete, daß der Tee serviert sei, und die Frau vom Hause die Gäste dazu einlud, bot er ihr mit behaglichem Lächeln den Arm und beruhigte sie durch die Bemerkung, daß ihr reizendes, kluges Töchterchen der reizenden, klug.» Mutter immer ähnlicher werde.

Christian ging mit den jungen Damen dem Teettsch« zu, aber ein vertrauliches Wort mit Christiane zu wechseln war nicht möglich; erst im Eßzimmer, als ihr Vater die Gäste begrüßte, ließ Cara den Arm der Freundin los, und schon winkte Frau v. Northeimb den Vetter an ihre Seite. Zur zweiten Nachbarin wurde ihm Cara gegeben; Christiane saß ihm schräg gegenüber zwischen dem Hausherrn und dem Rittmeister, der, von Frau v. Northeimb unterstützt ihrem Gatten das Ballprojekt mitzutetten begann

Christian wendete sich zu Cara.

Heraus mit der Sprache, enfant terrible, was hat Dir mein armer Rittmeister getan?" sagte er leise.

..Und Dir. meine arme Christiane?" fragte

ven'wrrnocy zu enrMetden DaöeiCTteT ramerinO) rst es, daß der Reichskanzler bei einer Verletzung der Verfassung mitroirtt Trotzdem erwarten wir, daß die Gesarnttendenz der Vorlage der national- ökonomischen Entwickelung fruchtbar gemacht toirti Sre wimmelt aber von Lücken. Bor allem ist e» notwendig, die ganze Aktton von dem Mißtrauen loszulösen, das wir hegen müssen, so lange uns kerne näheren Mitteilungen vom Bundesrat gemacht werden. (Beifall links.)

Eisenbahnminister v. Brtttenbach: Der Abge­ordnete Zehnter hat ziffernmäßig die Vorteile be­rechnet, die Baden aus der {Regulierung de» Rheins riehen würde. Dabei hat er freilich die Kosten der Unterhaltung zu berücksichtigen vergessen. Nach umcren Berechnungen wird daS erforderliche Kapi­tal etwa 16 Millionen Mark betragen. Gegenüber der rundweg ablehnenden Stellung, die der Abge­ordnete Stolle hier eingenommen hat, möchte ich auf einen Artikel derSozialistischen Monats­hefte" verweisen, in welchem die grundsätzliche Bil­ligung der Schisfahrtsabaaben ausgesprochen Wirb. Wenn von verschiedenen Rednern der Linken betont wird, daß Handel und Industrie gegen die Vorlage feien, so möchte ich mir die Frage erlauben: Wie kommt es dann, daß die bedeutendsten Handels­kammern, und zwar gerade diejenigen, deren Sitz an den großen schiffbaren Strömen gelegen ist, sich auf den Standpunkt des Gesetzes gestellt haben? Auch die Behauptung, daß das Gesetz hauptsäch­lich beit Zweck verfolgt, bie Konkurrenz, fcte bte Wasserstraßen den Eisenbahnen bereiten, abzu­schwächen, ist falsch. Durch die Verbesserung der Wasserstraßen wird gerade im Gegenteil die Kon­kurrenz der Wasserstraßen erhöht. Auf das Zahlen­material des Abg. Junck werden wir in der Kom­mission eingehen. Dr. Junck hat gesagt, in den Strombeiräten werde der preußische Einfluß über­wiegen. Die Strombeiräte setzen sich aus den Interessentenkreisen zusammen und die Zugehörig­keit zu diesem ober jenem Bundesstaat spielen da gar keine Rolle. Ueberhaupt bat der Abg. Junck den ganzen Gesetzentwurf mit einer leisen Ironie überschüttet. In der Kommission wird sich er­geben, daß der Entwurf eine solche Ironie nicht verdient. Der Abg. Haußmann hat ausgesührt, für Preußen wären bei dem Gesetzentwurf lediglich fiskalische Gesichtspunkte ausschlaggebend gewesen: Für unsere Entschließungen waren lediglich wirt­schaftliche Gesichtspunkte maßgebend, wenn wir natürlich die fiskalischen Gesichtspunkte auch nicht ganz bei Seite lassen.

Abg. Gerstenberger (Ctr.): Herrn Juncks iro­nische Bemerkungen waren wenig angebracht. Dazu ist doch bie Sache zu ernst und wirtschaftlich zu bebeutenb. Es ist völlig unrichtig, baß wir Bay­ern unb Württemberger uns als Vorspann Preu­ßens haben benutzen lassen. Die Mehrheit beS bayerischen Centrums steht prinzipiell ben Schiff­fahrtsabgaben günstig gegenüber. Die bisherige Abbabensreiheit ist ein ganz unberechtigtes Privi­legium. Großhanbel unb Kohlenkontor können die geringen Gebühren wohl ertragen. Bleiben Sie uns mit Ihren lächerlichen Gegengründen vom Leibe. (Oho!-Rufe links.) Die paar Pfennige kommen gar nicht in Betracht. Holland hat von unseren Flußregulierungen nur Vorteil. Hoffenttich wird das Gesetz so verbessert, daß es mit großer Majo­rität angenommen wird. Das wird einen guten Eindruck nach außen machen.

Abg. Dr. Hahn (kons.): Unsere deutschen Wasser­läufe sind Kunstwasserstraßen, für die Gebühren durchaus angebracht sind. Es mußte endlich auf­hören, daß dauernd aus allgemeinen Mitteln des Staates Aufwendungen gemacht wurden, die nur einer speziellen Jnteressentengruppe zu Gute kom­men. Können denn bie Gegner des Gesetzes mit gutem Gewissen den bisherigen Zustand beibehal­ten wollen? Die Besorgnisse für Sachsen wer­den nicht eintreten. Es wird im Gegenteil eine Verbilligung der Frachten erfolgen. Hoffentlich wird die Vorlage einstimmig angenommen.

. Abg.. Lehmann (Soz.): Unsere Fraktion wird einstimmig dagegen sein. Keine süddeutsche Han­delskammer ist dafür gewesen.

Abg. Wetzel (ntl.) hofft, daß bei gegenseitigen Konzessionen die Kommissionsarbeit ein brauchbares Aesetz liefern werde. Schmerzlich berührt hat uns die knappe Absage auf ben Wunsch nach wirtschaft­licher Ausschließung des Reichslanbes.

Abg. Günther (Vp.) spricht vom sächsischen Standpunkt gegen bte Vorlage. Die Vorlage ver­kürzteinen...Teil ber , sächsisch en. H.ohetts.rech,te.

an. »Wie abscheulich, in ihrer Gegenwart über die Gesellschaft zu spotten, zu der sie gehört!"

»Sie ... zu der Gesellschaft!" fiel er ein; Kind, ich hätte Dich für klüger gehalten . . . siebst Du denn nicht, daß sie die geborene große Dame ist?"

War das fein Ernst? Cara wußte nie, wie er es meinte. Mit einem Achselzucken, das deut­lich sagte: ich glaube Dir nicht, kehrte sie ihm dcn Rücken.

Christtan sah cs kaum; seine Absicht war er­reicht: Christianens aufieuchtender Blick ver­riet, daß sie seine letzten Worte gehört hatte; da­mit mußte er sich vorläufig begnügen. Jetzt hatte er für den Ball mitzukämpfen, gegen den sich Detter Northeimb mit unerwarteter Ent­schiedenheit sträubte.

Aber Cara wollte ,fo riesig gern" auf einem wirklichen Balle tanzen; Frau v. Northeimb sand es lächerlich, von Sparsam'cttsrücksichten zu sprechen, wenn sich's um das Vallkähnchen eines jungen Mädchens handelt, sie hatte wirklich die Absscht, dem Traumbilde von weiß m Krepp mb Silber über blaßblauer Seide zu Gunsten eines Mnsselinfle dchens zu erttfaaen; Christian war so seit überzeugt, daß eine Beteiligung an diesem gesellschaftlichen Hors doeuvre nicht als das Wied-rausiiebmen abgebrochener Be­ziehungen ausgefaßt werd n könne, und der Ritt­meister verfocht den Spruch:Frauenwille, Gotteswille" mit so betäubender Beredsamkeit, daß dem gut-n Northeimb, wie gewöhnlich, nichts übrigblieb, als sich gegen seine Ueber- zeugung der Mehrzahl zu fügen.

Etwas getrübt wurde Frau Melanies Sieges­freude, als sie beim Aufstehen vom Teettsche er­fuhr, daß die Herren nicht zum Abendessen blei­ben konnten; sie versprachen jedoch, bald wieder-

Zweites Blatt

Nr. 281

Donnerstag, 1. Dezember :

^rum- Wagtet man bte nwwn " MvMttn nicht? Das bient nicht ben Interessen des inneren Neichsfnebens.

Ein Schlußantrag wirb angenommen.

Die Abgg. Dr. Dahlem (Ctr.), Hug (Ctr.) und BehrenS (wirtsch. Lgg.) bebauern, ihre Reben nicht halten zu können.

Die Vorlage geht an eine Kommission

von 28 Mitgliedern. i

Mittwoch 1 Uhr: Reichsbanknotenschutz, Kur­pfuschergesetz

Schluß 7y< Uhr.

Engländer vor deutschen Gerichten.

Die englische Presse beschäftigt sich recht leb­haft mit der Angelegenheit der englischen Spion« von Borkum. Man traut der deutschen Justiz tu England nicht recht und da ist es Wohl angezeigt, auf einige Vorkommnisse hinzuweisen, welche die englische Presse güttgst beachten möge. Sie liegen schon etliche £>eit zurück, sind aber gerade nicht minder interessant, weil sie leider in Deutsch­land überhaupt nicht in die Oeffentlichket ge­kommen sind. In Südwestafrika spielte der Krieg mit all seinen Grenzschwierigkeiten, die wirklich bei der Truppe und selbstverständlich auch bei den Justizbehörden lebhaftes Unbehagen, ja Unwillen Hervorrufen mußten. Ganz abgesehen von den eigentlichen Prakttken der Engländer, welche den Aufständischen jeglichen Schutz angedeihen ließen, während sie deutschen Soldaten, die aus Unwissen­heit die Grenze überschritten, die Waffen ab­nahmen, ganz abgefehcn von den Schwierigkeiten, die systematisch unserer Verpflegung in den Weg gelegt wurden, kamen wiederholt Klagen über sehr ungesetzmäßige Handlungen uns ,u Ohren. Ein Bur, der englischer Untertan war, hatte drei Ochsenwagen nebst Gespannen von der deutschen Regierung erhalten und sollte damit Frachten von Upington nach der Grenze bringen. Er verkaufi« die ihm anvertrauten Wagen und konnte nicht be­langt werden. Englische Polizisten bemächtigten sich im November 1905 einer Anzahl von Ochsen, die soeben an die deutsche Regierung verkauft und aus der deutschen Station Dawignab mit dem Kronenbrande versehen worden waren, als sie nach dem englischen Gebiet ausgebrochen waren. Die Polizisten Montrose und Dreßler verkauften sie durch einen Eingeborenen vom deut­schen Schutzgebiete, Hendrik April, weiter. Die Sache war klar erwiesen, die Leute straf­los aus. Ein englischer Polizist lam bei Klipdam auf deutsches Gebiet. Er ritt ein Diensttameel und war in voller Uniform und bewaffnet. Der Mann sucht eine Herde Schafe, welche der Truppe ge­hörte und in der Nähe der Grenze ioeidete, ab­zutreiben, um sie dann im Englischen ou den br- rüchttgten Händler Spangenberg $it verkaufen, dessen Geschäft direkt unterhalb der englischen Polizeiftatton gelegen ist. Der Mann wurde von uns festgenommen und vollkommen überführt. In Keetmanshoop sprach man ihn nach Inter­vention der englischen Polizeibehörde um des lie­ben Friedens halber frei. Ein anderer englischer Polizeibeamter hatte den Dienst verlassen, um sich müheloser reichlichere Verdienste im deutschen Ge­biete zu verschaffen. Mc Donald hieß d-. Mana und ging auf der Station Klipdam aus und ein. Eines Tages kam er zu Besuch nach Fonteinje. Dort war ein Unteroffiziersposten in Stä *e von sechs Gewehren. Die Besatzung hatte unter zwei unerfahrenen Neulingm der 5. Etappenkompagnie die stehen Reittiere auf die Weide yetrieb-n und zu ihnen gesellte sich der englische Polizist a. D. Bereitwilligst erflärten sie ihm so gut es ging, den Mechanismus ihrer Gewehre. Wls die Sonne sich neigte, schickten sie sich an. ihre Pferde zu satteln, um der Station zuzustreben. Gegen die Vorschrift lehnten sie aus Beguemlichkeitsrückstch- ten ihre Waffen an einen Strauch und sattelten. Der Engländer tat so, als ob er den Mechanis-

Über acht Tage stattfinden sollte, mancherlei $u besprechen war.

Während sich der Rittmeister wortreich von Northeimbs verabschiedete, trat Christian rasch zu Christiane, di« am Flügel stand.

Richt irre werden, wenn ich Komödie spiele. Du wirst alles begreifen, wenn ich Dir beim nächsten Zusammensein . . . oder doch am Ball­abend Erklärungen geben kann ... bis dahin beherzige das Lied, das ich vorgestern gebracht habe." Dabei deutete er auf das Notenblatt auf dem Klavierpulte, verbeugte sich und ging der herankommend-n Cara entgegen.

Nun Kleine," fragte er,bist Du mir wie­der gnädig genug, mit den ersten Walzer zu schenken ..."

O bitte, item!" unterbrach sie ihn;enga­gieren darfst Du erst, iaeim Du Dich auf meiner Tanrkart« einschreiben kannst, fcnft mache cch Konfusion."

Damit lief sie zu Christiane, lachte, als sich der Vetter von der Tür aus nochmals mit ge­kränkter Miene aegcn sie verb-ugte; dann wünschte sie zu wissen, was er Christiane so eif­rig zu sagen gehabt habe.

Christiane kam in Verlegenheit.

Nichts B-sonderes," gab sie stockend zur Ant­wort:zum Balle hat er mich «ingeladen.

Was gar nicht nötig war ... Du gehörst einfür allemal zu uns!" tief Cara.Aber Du tust ja so gleichgilttg . . . freuft Du Dich nicht, 'ma* ordentlich zu tanzen?"

Ich weiß kaum, ob ich's noch kann." sagte Christtane:seit ich zum letztenmal« als Zwölf- jährige mit Wilhelm beim Lingenauer Erntefest, war. habe ich's nicht mehr versucht."

Wie ruhig sie das sagte? Cara bewunderte sie mehr als je, kam aber nicht dazu, ez auöz» spreckum '