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mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain A

unb den Beilagen:Nach Feierabend" (wöchentliche Unterhaltungsbeilage) und Landwirtschaftliche Beilage." A.

M 280

DieOöerhesi-iche Zeitung" erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage. Der Bezugspreis beträgt viertel­jährlich durch die Post bezogen 2,25 M sahne Bestellgelds, bei unseren Zeitungsstellen und der Ervedition (Markt 21), 2.00 M. (Für unverlangt zugesandte Manuskripte übernimmt die Redak- Hon keinerlei Verantwortung.)

Marburg

Mittwoi 30. November 1910.

Die Znsertionsgebübr beträgt ff- Anseren-e- aus dem engeren Verbreitungsgebiet der Blattes für die 70-'"»ltene Zeile oder deren Seern 16 i, für auswärtige Inserate 20 4, für Reklamen 40 4. Druck und Verlag: Zoh. Bug. Koch, llniversttäts-Buchdrnckerei. Inhaber Dr. <T ^i*v tarbnrg, Markt 21. 3" etf 55.

45. Jahrg.

Erstes Blatt

Ter heiligen yhimmer liegt bei Kreisblatt Nr. 96.

Kaijerdebarte und Presse.

Die Debatte über die Kaiserrede findet naturgemäß in der Presse eine sehr verschiedene Beurteilung, Ivii geben im folgenden einige Stimmen wieder und bemerken zu unserem gestrigen Leitartikel daß die vorige November- debatte unter dem Kaiser nicht 1909, sondern be­reits 1908 stattfand, das wir verwechselten.

Einig ist man sich rechts wie links, daß die monarchischen Parteien und die Regierung einen bedeutenden Sieg errungen haben, zumal die Sozialdemokraten ihre Interpellation kühn unter Enisaltung des Banners der Republik einbrach­ten. Bis in die Kreise der bürgerlichen Linken hinein blieb man diesem Verhalten gegenüber kühl bs ans Herz hinan". Manche gut monarchi­schen mittrlparteilichm Blätter verhalten sich zurückhaltend gegenüber der Regierung, sie sind der Ansicht, daß den Rovcmberdebaiten 1908 der Kern genommen sei. Wir haben bereits gestern auSgeführt, daß diese Anschauung falsch ist.

DerVorwärts" ist natürlich nicht erbaut und lädt seinen ganzen Zorn aus Herrn von Heydebrand ab:Der Sprecher der kleinen, aber »tüchtigen Partei des Land- und Militär­adels und der Kamarilla wußte ja: tua res agitur, deine Sache steht auf dem Spiel, und er ^-machte aus seinem vollen Herzen keine Mördergrube."

DerBerliner Börsenkurier" schreibt:Wer gehofft hatte, daß wienigsKcns der bürgerliche Liberalismus noch sich einmütig gegen diese Ver­zettelung und Verfälschung der ganzen Jnter- pellationsaffüre wenden werde, sah sich bitter ge­täuscht Herr Bassermann befolgt gründlich den Rat des Führers der preußischen Rational- liberalen. Hern v. Beihmann-Hollweg keinerlei Schwierigkeiten zu bereiten. Die Linke hat gestern leider wieder einmal eine Bataille verloren."

DieTägliche Rundschau" schwankt:Da- nials herrschte die vollste Einmütigkeit zwischen den Parteien; heut« klafften Gegensätze, war auf konservativer wie auf Zentrumsseite das Be­streben unverkennbar, !die Erinnerung an jene Nottage zu verwischen (?) Daß Herr von Heyd - brand sich nicht mit der Abwehr der sczialdenw- kratisckien Angriffe begnügte, sondern frisch zum Angriffe vorging, war parteitaktisch eine der ge­schicktesten Taten dieses Führers, die aber für die Allgemeinheit viel von dem Errungenen der Novcmbertage in Frage stellt. Immerhin ist wenigstens ein Ereignis mit Befriedigung zu konstatieren: Die Soz'aldemokratie hat mit ihrer Agitation ein Fiasko erlitten, und das

monarchische Ansehen hat keine Minderung er­fahren."

DieBerliner Neuesten Nachricht n" sagen: In nationalen Kreisen wird man diese Er­ledigung der sozialdemokratischen Interpellation nur willkommen heißen. Dabei muß betont werden, daß von den Ergebnissen der schweren Krisis, die wir vor zwei Jahren dnrchzumachen hatten, nicht preisgegeben ist. Gewiß ist es nicht ztveckmäßig, wenn der Monarch allzu häufig mit Aeußerunge» vor geringerer oder größerer Publizität zum Gegenstände der Polemik wird, gewissermaßen in die Arena hin­abgezogen wird aber solche Aeuscrungen be­deuten noch lange keine Störung der Stetigkeit der Pofitik und keine Beeinträchtigung ihrer ver- anwortlichen Leitung. Versuchen die Sozial demokraten der kaiserlichen Erklärung diese Aus­legung zu geben, so läuft da? darmif hinaus, dem Monarchen, der in Preußen wenigsten der Träger der Souveränität und der entscheidende Faktor der Staatspolitik ist. den Mund zu ver­bieten. Gegen eine solche Fälschung der staats- rechtlichen Stellung des Königs aber müssen alle einnrütig zusammenstehen, die sich ehrlich zu unse­ren verfassungsmäßigen Zuständen bekennen." Das ist auch unsere Ansicht.

DiePost" schreibt:So war der heutige Tag eine Blamage für den dreisten Redner der Sozialdemokratie. Herrn Ledebour. Er saß schließlich auf seinem Platz wie ein hereingefave- ner Schulbube, dessen Stilblüten und Beweis­gründe von dem Lehrer vor der Klasse unbarm­herzig zergliedert und auf ihre Mangelhaftigkeit zurückgeführt werden. So hat die gute Rede des Reichskanzlers, der energische Vorstoß der Rech tcn und die Einigkeit der bürgerlichen Parteien dem 26. November eine Bedeutung gegeben, die noch lange in der innerpolitischen Geschichte Deutschlands nachwirken wijrd."

DieGermania" hingegen ist der Ansicht: Von dem Abgeordneten von Heydebrand war es vielleicht nicht aanz klug, daß er bei dieser Gelegenheit die Regierung zu scharfem Vorgehen geg'n die Sozialdemokratie mrfforder'e. Das bot den Genossen den willkommenen Agitastonsstofi, der bei der Jnterpellationsmaterie selbst nicht herausspringen wollte, Sehr fatal für die Liberalen war auch das wiederbol'e Bekennftiis der Sozialdemokraten zum Rchublikanismus, und die Mahnung des Abgeordneten Basser- mann zum Anschluß an die Monarchie klang da­rum fast komisch."

Man sieht die Ansichten sind sehr verschieden.

Politische Umschau.

ReichSschatzsekretär Wermuth über die Reichs- wertzuwachssteuer.

Berlin, 26. Rov. DieRordd. Allgem. Ztg." veröffentlicht in msfübrlcher Weise Dar­legungen des Reichsschatzsekrctärs Wermuth in der gestrigen Sitzung der Reichstagskommission zur Beratung der Wer'zuwachssteuer. Wir ent­nehmen folgendes: Nachdem der Staatssekretär

die verschiedenen Phasen der Entstehungsge­schichte dargelegt und darauf hingewiesen hatte, daß diese Abgabe einer einmütigen Anregung aller Parteien während der Finanzreform ihre Entstehung verdanke, schilderte er, wie die Reichs­finanzverwaltung Sachverständige aus allen Kreisen, den Banken, Börsen, der Industrie, des Bergbaues, des Grundstückshandels, des Haus- besttzes, der Kommunen, den Handelskammern sowie der Wissenschaft und der Publizistik gehört habe. Inzwischen habe ja die Protestbewegung eingesetzt, di« aber durchaus nicht etwa sämtliche Hausbesitzer oder Grundstt'icksiweressenten um­fasse. Aus dem wichttgsten Jndustriebezirk er- klärte ein größerer Verband, der sechzig Haus- besitzervernne umfasse, daß er richt prinzipieller Gegner der Steuer sei. In dm Berliner Vor­orten zeigte sich gerade jetzt, wie die Interessen der Hausbesitzer und Terraingesellschasten bei der Zuwachssteuer auseinander gingen; in land­wirtschaftlichen Kreisen erhoffe man sogar einen volkswirtschaftlich günstigen Einfluß gegen die Güterzertrümmerung aus der Steuer. Die von de« Reg'erungen während der sommerlichen Vertagung veranstaltete Umfrage bet den Ge­meinden, die die Zuwachssteuer bereits einge- fiirht haben, habe di« Grundlosigkeit dieser Be­fürchtung dargetan, als könnte die Zuwachs- st uer eine Lahmlegung der Bautätigkeit oder des Heraufgehens der Mietzinsen zur Folge haben; nur vereinzelte, vier bis sieben, Gemein­de» hätten dies beobachtet, 287 verneint. Gerade im Interesse der Gemeinde» läge eine einheitliche Regelung, da sie sonst kaum die örtlichen Wider­stände würden überwinden können. Daß das Reich gebühre aber auch ein Anteil des Wertzu­wachses an Grund und Boden, denn nur auf Grund der geivaltigen durch das Reich ermög­lichten wirtschaftlichen Entwickelung sei es zu der Entstehung jenes Zuwachses gekommen, wie der Staatssekretär auf Grund eines reichen Zahlen­materials im einzelnen darlegte. Es gäbe kaum eine andere Steuer, die sich so sehr zur Besitz­besteuerung durch das Reich eigne, wie die Zu­wachssteuer, die im Volksbewußtsein ttef« Wurzel geschlagen habe und umso unentbehrlicher sei. als dem Re'ch wegen der Rücksicht auf die einzelstaat­liche Einkommens- und Vermögensbesteuerung nur wenige S'euerquellen zur Verfügung ständen. Tie Belastung des Besitzes bilde aber einen von allen Parteien als unumgänglich notwendig er­kannten Ausgleich für die in der Finanzreform erfolgte Mehrbelastung des Verbrauchs. Es sei durchaus folgerichtig, daß ein Bruchteil des mühe­losen Gewinnes, welcher aus bei seit der Grün­dung des Reiches eingetretenen rapiden Wett­steigerung emporgewachsen sei, für die Pflege der Wehrhaftigkeit Deutschlands und zugleich für eine freundschaftlichere Gestaltung des Lebens­abends derer verwendet wird, die opferwillig Leib und Leben für das Vaterland einaesetzt haben. Hier sei Gelegenheit gegeben, an der Entwicklung unserer Heereseinrtchtungen und an der Verbes­serung des Loses unserer Veteranen mitzuarbeit- ten. Wie in dem neuen Etat die Balanzierung

46 verbeten)

Christiane Tanner.

'Roman von Claire ». Glümer.

«Fortsetzung.)

So schwieg denn Christiane, nahm auch die Strafrede, zu der sie in Großmama« Schlafzim- mci befohlen wurde, ohne Widerspruch hin, ließ sich - gefallen, von Tante Lore gleich ins Bett ge­bracht zu werden, und war nun endlich allein, konnte sich endlich ihrem berauschenden Glücks­gefühl hingebeu. Immer hött« sie Christians Jubelruf:Du liebst mich, wie ich Dich liebe!" Ihr Liebesfrühllng war gekommen, nun mußte sich alles, alles wenden!"

Aber wie? Am nächsten Morgen, als das Alltagsleben wieder an Christiane herantrat, be­sann sie sich auf die Hindernisse, die ihr Glück be­drohten; den Adelsstolz der Parnim, ihre strenge» Familiensatzungen. Chttstians Abhängigkeit von seinem Onkel. Würde der vom Schicksal und Menschen verwöhnte junge Mann die Kraft haben, mit den Traditionen seines Hauses zu brechen, sein« bevorzugte Stellung aufzugeben, seiner glänzenden Karriere $u entsagen?

Einen Augenblick entsank ihr der Mut; aber dann ettnnerte sie sich, wie unbefriedigt Christian fia, fühlte, wie leidenschastflch er sich nach einer Liebe sehnte, die nur ihm selber galt und sie glaubte wieder.

Aber sie war sie der uneigennützigen Liebe fähig, die Chttstian suchte? Haft« sie sich nicht auch durch Rang und Reichtum bestricken saffm? Törichte Frage! Beim ersten Sehen hatte sie dem schöne« Knaben th-.- Herz geschenkt i nb war ihm, ohne das mindeste von seinen I Verhältnisse« zu wissen, unbewußt treu geblie- I

den, so daß ihr Wiedersehen ein augenblick­liches Wiederfinden gewesen war. Willenlos wie das erstemal beugte sie sich jetzt der Macht der Sympathie, und so ungestüm sie es ersehnt batte, den Namen ihres vornehmen Vaters führen und im Glan; der großen Welt leben zu können mit Christian würde sie in den be­scheidensten Verhältnissen glücklich sein und stoh- gemut arbeiten wie bisher.

Nttn, besser als bisher! Das Bewußtsein, die Entbehrungen zu erleichtern, die der geliebte Mann um ihretwillen auf sich genommen batte, müße ihre Arbeitskraft verdoppeln, ihre Phan­tasie befeuern. Malte sie doch heute schon mit einer Lust und Leichtigkeit wie lange nicht mehr.

Vor einiger Zeit hatte sie der Fabriksherr aufgefordert, einen Rokoko-Wandschirm zu ent­werfen, der zu einer goldenen Hochzeit verschentt werden sollte. Als Jonathans Schülerin, meinte er. müsse Chttstiane dergleichen mühelos finden Bisher war ihr nichts eingefallen heute skiz- ziette si« für das Mittelfeld ein Dickicht weiß- blühender Waldrebe und blatzroter Kletterrosen, m:s dem sich auf verschnörkeltem, zerbröckelndem Postament ein Amor von verwittertem Sand­stein erhebt. Die kleine Linke hält nur noch einen Ueberrest des Bogens, die Rechte ist wie gefesselt vor dornigem Gerank; der Köcher, der die bemooste Schulter überagt, ist geborsten' Der Götterknabe ist der Zeit erlegen, selbst sei« Lächeln ist nur noch ein Ettnnern an Vergange­nes aber die Rosen, die das morsche Stein­bild umblühen, zwei Schmetterlinge die dar­über schweben und das brütende Finkenweibchen zwischen den Pfeilen im Köcher zeigen die Lebensfülle, die das Vergehend« überdauert So machte das Blatt trotz seiner ernste» Grund- j stimmung einen freundlichen Eindntck und war I technisch, durch Anmut der Zeichnung und leuch-

lende Farbenharmonie, Christianens beste Leistung.

Sie arbeitete wie im Fieber. Der andauernd« Regen war willkommener Vorwand für heute, den Besuch im Schlosse aufzugeben. Christian kam ja nicht. Als die Dämmerung anbrach, war die Skizze fertig, und Christiane ging gleich damit ins Kontor, sie Herrn Ferdinand Wild vorzulegen.

An Lob ließ ez der freundliche Mann nie­mals fehlen, aber diesmal übertraf die Aner­kennung alle Erwartungenfeiner Künstlettn". Tue Idee ihres Entwurfes, den sie gleich aus- fvbren sollte, entzückte ibn; felbst Jonathan, der bissige Meister in Rokoko, werd« nichts daran tadeln können. Da kam er eben über den Hof; Christiane möge gleich auch sein Urteil hören.

Sie erschrak; nur jetzt nicht mit Jonathan Zusammentreffen; Unter dem Vorwande, daß sie von der Großmutter erwartet werde, macht« sie sich los; aber »och ebe sie die Tr pp° erreicht hatte, trat der Gefürchtete in den Hausflur.

-'s ischt nit lang, daß es g'reguet hot, Die Baumle tröpfle noch . . ."

sang er mV krächzender Stimme vor sich hin; dann erst schi-m er das junge Mädchen zu be­merken, stemmte die Krücken fest, zog de» Huf und rief der treppauf Steigenden zu:

Geborfamer Diener, allerlchönste Mathilde!"

Christiane wandt« den Kopf.Ich bin nicht Mathilde!" antwortete sie mit einer Mischung von Zorn und Bestürzung. Dann flog sie vollends die Treppe hinaus. Abe« Jonathans hämisches:Man soll den Tag nicht vor dem Abend loben!" hötte sie noch.

IX.

Sonnenschein und Herzensunruh« trieften Christiane am folgenden Nachmittage von der

zwischen den neue» Ausgaben für das Qni»> quenat und die Beteranenfürsorge einerseits und die Einnahmen aus der Wertzuwachssteuer an­dererseits gedacht sei, legte der Staatssekretär dann in einzelne« zochlenmäßig dar. Die Aus­führungen schließen mit der Bitte, nach der vor­angegangenen langen Beratung der Zuwachs- steuer nunmehr das Interesse des Etats, bei Grundstückshandels und der Gemeindefinanzen zu einem möglichst baldigen Abschluß zu bringen.

Die Moabiter Straßenkrawalle vor Gericht.

S & H. Berlin, 28. Rov.

Zu Beginn der heutigen Verhandlung wird ein arbeitswilliger Kutscher Kargus vernommen, der von der Menge beschimpft worden sein will. Ob einige Angeklagte, die ihm gegenübergestellt werden, da­runter waren, weiß der Zeuge nicht. Es wird dem Zeugen, der in seinen Aussagen sehr unbestimmt ist, seine Aussage vor dem Untersuchungsrichter vorge­halten; er vermag heute genaue Angaben nicht mehr zu machen. Seine Aussage vor dem Untersuchungs­richter sei die richtige, da damals die Eindrücke noch frisch waren. Der Zeuge wird in ein umfassende» Kreuzverhör genommen, ist aber nicht imstande, be­stimmte Ausdrücke wiederzugeben. Den Angeklagten Mertens habe er eine Zeit lang gesehen, wie er neben dem Wagen herging. An der Apostel Paulus Kirche hat er ihn aus den Augen verloren. Der Zeuge ist von einem Stein am Halse getroffen worden. Die Menge, die feinem Wagen folgte, bestand aus etwa 30 Personen. Demgegenüber macht der Angeklagte Tiedemann eine Rechnung auf, wonach von den 24 Streikenden nur 8 oder 9 dem Wagen gefolgt seien. Er gibt zu. gesehen zu haben, wie der Zeuge beworfen und getroffen wurde, ob er blutete, weiß er nicht. Der Angeklagte Mertens behauptete, daß die Menge, die dem Wagen folgte, nut aus etwa 12 Menfchn be­stand. ,

Zeuge Kohlenarbeiter Friedrich Piaster ist der Vater eines der Angeklagten. Es wird die Frage er­örtert, ob es zulässig sei, daß dieser Zeuge seine Aus­sage verweigere oder ob er wenigstens über den all­gemeinen Teil vernommen werden dürfe. Die Ver­teidiger beantragen hierüber einen Gerichtsbeschluß. Rach kurzer Beratung verkündet der Vorsitzende, daß b*er Zeuge zu vernehmen sei, aber nicht über die Dinge, die seinen Sobn betreffen. Der Zeuge, der bei Kupfer mitgestreikt hat. bekundet, daß er mit den Angeklagten Mertens und Tiedemann einem Wage« der Firma Kupfer gefolgt sei; er sei aber unterwegs abgebogen. An der Apostel Pauluskirche hatte sich eine große Menschenmenge angesammelt; die ganze Straße war voll. Aus der Menge wurde auf die Kutfcher der Wagen geworfen, aber nicht von ihm oder den genannten beiden Angeklagten. Der Zeuge ist bann weggeganaen. weil ihm die Sache gefährlich fchien. Wo die Steine plötzlich hergekommn sind, weiß der Zeuge nicht.

Zeuge Arbeiter Köster hat die beiden Angeklagten Tiedemann und Mertens beauftragt, den Kohlen­wagen zu begleiten, um zu sehen, was passieren würde. Die Anordnung ging eigentlich vom Streik­komitee aus. Zeuge Kargus, nochmals aufgerufen, bekundet, daß Wertens die Flucht ergriff, aber von Passanten aufqehalten wurde, und bei seiner Fest­nahme bat, ihn nicht unglücklich zu machen, da et nichts getan habe und Frau und Kinder besitze. Zeuge Arbeiter Mading wird unter Aussetzung der Vereidigung vernommen. (Er befand sich unter den

Arbeit ins Freie. So frohgemut wie gestern war sie nicht mehr. Der Makel ihrer Gefturi, ben sie in ihrer erste« Liebesseligkeit vergessen hatte, lag ihr seit ber Begegnung mit Jonathan schwerer als je auf ber Seele, ben« sie sagte sich, baß sie Christtan bavo» unterrichten müsse. Wie sie es über sich gewinnen werde, wußte sie nicht aber es mußte sein, sobald sie ihn ungestört spreche« konnte, womöglich heute noch.

Mit biefem Vorsatze ging sie nach langer Wanderung burch einsame Heckenwege bem Schlosse zu; im Vorzimmer kam ihr Cara ent­gegen. Herrlich, baß sie ba war. um sich mit zn freuen! Es war etwas Himmlisches im Werk«. Um sich für bie Gastfreundschaft zu bebauten, bie ihnen in ber Umgegend von Lingenau er­wiesen wurde, wollten die Ulanenoffiziere1 natürlich wurden auch die von der Infanterie eingeladen im Elmenacher Schützenhause eine« Ball geben. War das nicht furchtbar nett? Mama sollte dabei die Honneurs machen; eben waren der Rittmeister v. Allendorff und bet Harte gekommen, sie barum zu bitten.

(Fortsetzung folgt) --*--

Niemals.

Wenns im Winter stürmt und schneit, Mag ich gern des Frühlings denken, Träumen seine Herrlichkeit,

Mich in seine Pracht versenken.

So nach meiner Kindheit Glück,

Nach dem Frühling meines Lebens, Sehne ich mich oft zurück, Doch mein Sehnen ist vergebens.

Nach des Winters Not und Leid Kommt der Lenz und seine Lieder, Doch das Glück der Jugendzeit1

Kehret niemals, niemals wieder! jt

Hermann Haase- Gelnhausen.