OdcrheMche Teilung
Volkszählungen in alter und neuer
Eine Studie zur diesjährigen Volkszählung am 1. Dezember.
Von Viktor Thomas.
„Und die Summe der Kinder Israel nach ihren Vaterhäusern, von zwanzig Jahren und darüber, was ins Heer zu ziehen taug!« in Israel, die war sechsmalhunderttausend und dreitausendfünfhundertundfünfzig" — diese genaue Zahlenangabe von der Menge der wasfenfähigen Männer Israels, ohne die Leviten, ist nach dem 4. Buch Mosts das Ergebnis der Volkszählung, die Moses auf Geheiß des Herrn in der Wüste Sinai aus- führte. Es handelt sich hier offenbar um ein« Volkszählung von ehrwürdigem Alter. Solange es eine Geschichte gibt, gibt es auch Volkszählungen, nur ihr Zweck und Umfang hat sich im Laufe vieler Jahrhunderte wesentlich verschoben, und das Gleiche gilt von der Art der Ausführung, soweit darüber etwas bekannt ist.
Aus dem Altertum haben di« Geschichtschreiber verschiedener Völker ganz genaue Zahlenangaben ausgezeichnet, aus denen man auf wirklich stallgehabte Volkszählungen zu schließen geneigt ist; aber wo es sich um wirkliche Zählung, wo bloß um Schätzung nach irgend einer Methode handelt, ist heute kaum noch zu ermitteln. Als Kuriosum mag eine Schätzung des jüdischen Geschichtschreibers Josephus angeführt werden, deren Zahlenangabe mehr als zweifelhaft ist. Er sagt — es handelt sich um die Zeit Neros —, am Feste der - ungesäuerten Bro'e. wo kein Jude allein speisen darf, sondern Gesellschaften von mindestens 10 Personen gebildet werden, wurden in Jerusalem 256 500 Opfer geschlachtet; daraus schließt er auf eine Bevölkerung von 2 565 000 Köpfen? Die Römer allerdings hatten recht genaue Zählme'ho- de.r, und daher kann Gibbon in seiner Geschichte des Römischen Reiches die Angabe machen, daß das Römische Reich zu seiner Witte-eit 120 Millionen Einwohner, darunter 6 941 000 Bürger, hatte. Die Chinesen, die den Abendländern in so vielen Kulturerrungenschaften um viele Jahrhunderte vorausgeeilt sind, sollen ihre Volkszählungen bis ins Jahr 2238 vor unserer Zeitrechnung zurückverfolgen können; seit 1200 v. Ehr soll--, bei ihnen in kleinen Abständen Volkszäht- lungen nach Realstem stattgestmden haben, und aus dem Jahre 800 v. Chr. wird von einer wirklichen Vvlkszählnng erzählt. Auch Japan bat bereits zu einer Zett, wo in Europa der Bearisf der Volkszählung nicht einmal erkannt war. Zählungen ausgeführt: 610 n. Chr. fand dort, nach chinesischem Muster eine Zählung statt, und seit 670 werden genaue Geburts- und Sterberegister geführt, ja aus einem japanischen Agrargesetz aus dem Jahre 702 geht h rvor, daß ein Gesetz über Volkszählungen im Abstande von je sechs Jahren bestehen mußte. Aus dem Jahre 736 ist überdies das Ergebnis einer solchen japanischen Volkszählung erhalten.
Dem ganzen Mittelalter in Europa fehlte der Begriff Statistik wie auch der der Gesellschaft, und aus diesem Gmnde ist von Volkszählungen jahrhundertelang gar nicht die Rede. Es finden sich nur Registerführungen verschiedener Art, bet denm es aber nur auf die Einzelheiten ankam, denn es sind nirgends die Summen gezogen. Die noch heute erhaltenen Kirchenbücher, die jahr- hunderteweit zurückreichen, können h-ute zum Teil die Zählkarten für die Vergangenheit ersetzen; aus ihnen haben die Statistiker viele wertvolle Angaben über die Bevölkemng im Mittelalter gezogen. Aehnltch ist es mit d-n Regist-rn der Städte, wo die eidfähig-n Bürger oder die waffenfähigen Männer aufaeführt werden: all diese Register müssen den Statistikern der Gegenwart ge-
44 r>|f' verboten.)
Christiane Tanner.
Roman von Claire v. Glümer.
(Fortsetzung.)
Ebenso unmöglich erschien es ihr, der Großmutter und Tante Lore über Christton Rede zu stehen. Als sie den beiden Wilhelms Brief vor- Iaa. übersprang sie die Erkundigung nach dem Reiter auf dem Lindenberge. Der Name Parnim wurde nicht genannt; und so blieb Christiane der weitere Verkehr bei Northeimbs unverwehrt.
Auch heute ging sie, obwohl es heftig regnete, nach vollbrachtem Tagew-rk dem Schlosse zu. Die Hoffnung Christian dort zu sehen, hatte sie aufgegeben; wie hätte er seinen Besuch bei solchem Unwetter motivieren sollen? Sie aber kämpfte sich, um wenigstens von ihm sprechen zu hören, durch Wind und Reg-n.
Mit bedenklicher Miene ließ sie der alte Murner ein. Die gnädige Frau hätte 'mal wieder ihre Migräne und da müsse das gnädige Fräulein immerzu bei ihr s-in, und er dürfe eigentlich keinen Besuch anmelden. Aber ob nicht das gnädige Fräulein böse würde, wenn er Fräulein Christiane bei diesem Schandwettcr fortgehen lasse. . .
„Natürlich würde ich sehr, sehr böse!" fiel ihm Cara ins Wort, die leise aus dem Salon gekommen war. „Fräulein Christiane, das merke Dir, wird zu jeder Stunde bei Tag und Nacht angenommen." Dabei half sie der Freundin sich von ihren nassen Hüllen zu besteien, befahl Murner, für Tee zu sorgen, führte Christiane ins Eßzimmer, fiel ihr, sobald sie die Dür geschlossen patte, um den Hals und brach in Tränen aus.
ES dauerte eine Weile, bis sie neben Christiane jim Divan sitzend so wett zur Ruhe kam, daß sie, noch immer von Schluchzen unterbrochen, den Vrunv ihrer Betrübnis erkläre,» könnte.
naue Rechenschaft über die Vergangenheit geben, soweit zuverlässige Schätzungsmethoden ermittelt werden können.
Von wirttichen Volkszählungen kann man schon bei dm Aufnahmen reden, die einzelne Städte ausführten, z. B. Nürnberg im Jahr« 1449, Sttaßburg von 1473 bis 1477. Hier handelte es sich um Kriege, die den Städten drohten, und wegen der Proviantierung nahm der Rat vollständige Einwohnerlisten auf. Solange aber die Zählung nicht Selbstzweck, sondern ein Neben! ergebnis war, machte die Volkszählung durchaus keinen Schritt der Entwicklung Nur bei besonderen Anlässen kam es zu einer Art von Volkszählung, dann nämlich, wenn durch ein ganz außergewöhnliches Ereignis sich der Stand der Bevölkerung wesenttich verändert hatte. So fand im Jahre 1592 die erste wirkliche Auszählung eines Sterberegisters in London nach dem Erlöschen der Pest statt. Aehnliches geschah 1667 in Paris. Im Jahre 1683 suchte der Große Kurfürst die Menschenverluste zahlenmäßig zu ermitteln, die im Dreißigjährigen Kriege Brandenburg erlitten hatte. Der Gedanke einer wirklichen Volksstatistik, den Kurfürst August von Sachsen bereits 1571 ausgesprochen hatte, mußte noch recht lange auf seine Verwirklichung war en. Der Kurfürst hatte nämlich in diesem Jahre eigenhändig eine Getreideordnung verfaßt, die am An fang den Grundsatz aufstellt, die Zahl der Konsumenten müsse ermittelt werden, um Ordnung und Sicherheit in das Magazinwescn zu bringen; alle Schöffen und Amtsverwalter sollten angeben, jeder für sich, „alle Haushaltungen in ihren Aem tern, ohne Unterschied mit Angabe von Zahl, Alter, Hantierung der Männer, Frauen und Kinder bei 10 Gulden Strafe für jede ausgelassene Person». In einem zweiten Register sollte jeder Untertan angeben, wieviel und was für Getreide er gebaut oder gekauft und was er im Vorrat habe, bei Verlust des ganzen Vorrates für unrichtige Angaben. Nach diesen beiden Registern sollte dann die Getreideverteilung in den einzelnen Aemtern geregelt werden. Hatte Kurfürst August hierbei auch ein wirtschaftliches Sondergebiet im Auge, so macht sein Gedankengang doch durchaus den Eindruck, als habe ihm bereits eine Volkszäblung im heutigen Sinne vorgeschwebt.
So blieb es jedoch sobald irgendeine Zählung nötig erschien, bei einer Abschätzring, die meistens aus einem Vergleiche der Geburtsregister mit der, Sterberegistern der Kirchenbücher gewonnen wurde.
Ein Umschwung der Dinge trat erst im 17. Jahrhundert ein. Graunt hatte seine Arbeiten über Sterberegister 1661 veröffentlicht, Hallev, der Asttonom und Matbematiker. die feinen 1691, und seit 1700 ging Scbweden den übrigen Völkern mit einer amtlichen Reg'sterführung voran. Damit begann das Jahrhundert, seit dem es in Europa Volkszählungen gibt, die sich zu den heutigen weiter entwickeln konnten. In Deutschland war Friedrich Wilhelm I. unter den Herrschern der erste, d-r seine Staatsmacht durch Zählungen kennen zu lernen suchte. Die preußische Zahl- Wette war allerdings nicht von großem Erfolge gekrönt. Seit 1718 sollten in den Städten jährlich, auf dem Lande sogar halbjährlich die männlichen Einwohner gezählt werdm allein da sie wußten, daß die Zählung auf fiskalische oder militärische Zwecke hinmtslief, entzogen sie sich ihr. »Die Leute retirierten", heißt es oft in den Berichten über diese primitive Volkszählung. Um diese Zeit erttstand auch das erste wissenschaftliche Werk über Volkszählungen, die berühmte Göttliche Ordnung von Süßmilch, Friedrichs des Großen Zeitgenossen. Das Werk heißt vollständig: Ueber die göttliche Ordnung in den Veränderungen des menschlichen Geschlechts, aus der Geburt, dem Tode und der Fortpflanzung desselben erwiesen.
Mama, die sonst so himmlisch gute Mama, die alles, was ihr Töchterchen tat, zu bewundern pflegte, war wie umgewandelt. Gestern abend sch-n und heute früh wieder hatte sie der Kleinen eine „schauderhafte Pauke" gebalten über die Ungezogenheit. zu plaudern, wenn jemand singt, und über die Geschmacklosigkeit, einen ganz unbedeutenden Menschen — damit meinte M^ma den reizenden Enke — lieber ;u mögen als den Harten, diesen Phönix, diesen Halbgott, diesen — diesen — o, er gab keinen Namen für diesen unausstehlichsten aller Vettern! . . . Tas Aller-, Aller- schlimmste war aber daß sich Mama über Caras Widerspruch ihre Migräne angeärgert hatte, so daß die Kleine als g - Tochter nie, nie wieder wagen durste, Herrn von Enke s zi' verteidigen, wie sie es ihm eigentlich schuldig war — Sie hatte sogar versprochen, fortan ft. .ndlicher ge.,en der Hatten zu sein.
Aber wenn sie das — der M: "er zuliebe — fertig bräcbtx. heiraten würde sie Ort --ocr nicht — gewiß und wahrhaftig nicht, und wenn er noch so viele Majorate und noch so viele Ahnen hätte und Mama es noch so seh- wünschte.
Ein scharfes Anziehen der Vorsaalglocke unterbrach das Klagelied der Kleinen.
„Besuch!" flüstette sie erstaunt und horchte. Auf das Murmeln des Dieners a.ttwrtttte eine Männerstimme, bei deren Klang Christianens Herz hoch auffchlug. Auch Cara hatte sie erkannt.
„Abgeblitzt!" rief sie, nahm schadenftob kichernd ein« Rotenrolle in Empfang die Murner auf einem Präsentierbrett hereinbrach^e, und als sich in diesem Augenblick das Handglöckcken der Mama hören ließ, eilte ste fort, ehe der Alte den geborsamen Empfehlungen des Jpeern Leutnants von Parnim II hinzufügen konnte, daß der Herr Leutnant ttotz Murners untettänigster Einwendungen darauf bestanden habe, unangemeldet zu dem gnädigen Herrn hinauf zu geh n.
Süßmilch stand als Königlich Preußischer Ober- konsistorialrat und Propst in Kölln einer solchen Arbeit eigentlich fern. Um so mehr ist anzuerkennen. mit welchem Scharfsinn et seine Ausgabe gelöst hat, und zu welch guten Ergebnissen er ttotz des unzureichenden Materials gelangt ist. Seit der Einführung der Zählungen in Preußen unterblieb die Zählung nach Taufen, Trauungen und Sterb-fällen; auf Veranlassung Süßmilchs wurde sie unter Friedttch dem Großen jedoch wieder ausgenommen. Wahrscheinlich hat Süßmflch die damals eingeführten Zählformulare selbst en* worfcn, Friedrich der Große hatte für den Gedanken der Volkszählung, der für Süßmilch nebensächlich war, großes Interesse; er sorgte für Verbesserungen und genaue Verordnungen und ließ sich die Ergebnisse selbst vorlegen. Zunächst waren die Zählungen nur „Volks"zählungeu gewesen. 1750 wurden sie auf die privilegietten Klassen ausgedehnt, seit 1776 wurden in ganz Preußen einheitliche Zählformulare verwendet. Die Ausführung der Zählung lag ganz in Händen der Geistlichen. Mit dem Tode Friedrichs des Großen nahmen diese Volkszählunaen ein Ende, jedoch nur auf kurze Zeit. Fttedrich Wilhelm III. führte ste wieder ein und über'rug sie einer besonderen Abteilung der Regierung, nämlich der Finanzkommission (1798).
Die Schaffung einer besonderen Verwaltungsstelle der Volkszählung, eines stattstischen Bureaus findet zuerst in Schweden, dem Lande, das überhaupt zuerst den Wert der Volksstatistik erkannte und auch in die Tat umsetzte.
Seit 1756 führte in Schweden eine eigene statistische Kommission in Abständen von je drei Jahren Zählungen aus, die gute Eraebnissc zeitiaten. Von 1775 an wurde ein längerer Zäblzhklus von 5 Jahren als ausreichend befolgt.
Von dieser Zeit, der Mitte d-s 18. Jahr Hunderts an. abmten fast olle europäischen Staaten die Beispiele d"r Volkszählung nach. 1769 begann die Volkszählung in Oldenburg. 1770 die in Dänemark und Rorweaen. Oesterr-ich ffihtte 1786 die Neuerung ein. feit 1780 zählt Rußland, das übrigens feit 1718, ebenso wie Pr-mßen. die männlichen Einwobnr geröhrt hatte, die ganze Bevölkeruna. mir Frankreich blieb einstweilen bei einer Abschätzung nach Steuerlisten und Kirchen- reaistern Das erste Land, das einen Zählzvklus eingeführt hat. der noch beute befolgt werden kann, sind die Vereinigten Staaten. Seit 1790 finden dort nach je zehn Jahren Volkszählungen statt.
Während Schweden schon lange ein eigenes statistisches Amt batte, dauerte es bei den übrigen Stea'en noch einige Zett, ehe eine solche Verwaltungsstelle geschaffen wurde. Am Anfang des 19. Jahrhunderts erst entstanden neben dem schwedischen andere statistische Aemter. im ersten Jahrzehnt in Frankreich, auf Veranlassung Napoleons, und beinahe gleichzeittg in Badern, Württemberg und Oesterreich; olle diese Aemter endeten aber zugleich mit der Napoleonischen Herrschaft. Das preußische Stattsttsche Amt. das 1805 der Finanzkommisston die statistischen Arbeiten abnahm, b(;eb jedoch bestehen, und rasch entftanben im Anfänge des 19. Jahrhunderts in vielen Ländern ähnliche Aemter: 1820 in Württemberg 1826 in den Niederlanden unter Leitung des berühmten Ouetelet. ein Amt, das später nach Brüssel verlegt wurde und als belgisches statisttfches Amt noch beute besteht; 1828 gründete Oesterreich ein statistisches Amt, 1832 Griechenland. 1832 Bahern statistische Kreisbureaus, 1834 entstand in Sachsen der Statistische Verein. 1834 in Frankreich; im selben Jahre führte Bayern ein statistisches Landesamt ein 1836 wurde in England das ftattstisch- Am» errichtet, 1845 das norwegische, 1848 das niederländische, 1850 das
Christiane war ans Fenster getreten und sah in den Gatten hinaus. S'e fragte sich, ob ste nicht besser tue, zu gehen — aber für den Augenblick schien es faitm möglich. Der Regen schoß in Sttömen nieder und mit dem Heulen des Rord- weststtirmes vereinigte sich das Klaffchen und Gurgeln des Wassers das Streifet en der Wetterfahnen. das Knarren und Aechzen der gepeitschten Baumkronen zum unheimlichen Herenfabbat.
„'en gräsiges Wetter, Fräulein Christiane," sagtt der arte Diener, während er den Teetisch für vier Personen deckte; 'en ganz gräsiges Wetter. — Werden 'nen schlimmen Nachhauseweg haben. In den engen Straßen mag's ja wohl geben aber wie wir s prästteren wollen, um die Kirche 'rum zu kommen . . ".
„Sorgen Sie sich nicht ... ich begleite das gnädige Fräulein!" unterbrach ihn Christian, der eben mit dem .Hausherrn eintret, und fügte — Christiane begrüßend — höflich-kühl h-nzu: daß er hoffe, sie werde sich seinem stärkeren Schutze anberfrauen; dann w<mdete er sich zu Cara, die mit dem Ausrufe: „Du bist noch hier!" zwischen den Türvorbängen des Salons erschien.
„Ja, Kleine," aniwottttc er so unbefangen als ob er nicht bemerkt hätte, wie unfreundlich ihr Ton und ihre Miene waren; „ich konnte unmöglich gehen ehe Du mich für mein Kommen mit einer Tasse Tee belohnt hast."
„Was ich unvernünftig finde, kann ich nicht belohnen." gab ste schnippisch zur Antwort.
„Cara!" mahnte Herr von Rortheimb, der Christtane begrüßt hatte und an den Teetisch führte. „Kommen Sie Parnim; dem Kindskopf zum Trotz soll Ihr Teedurst befttedigt werden . . bitte, verzeihen Sie dem dummen Dinge."
„Verzeihen, bester Herr von Rortheimb? Das Ewig-Weibliche hat ji die Mission, unsereins ab- zukanzeln " sagte Chttstian mit dem spöttischen Lächeln, das Cara so verhaßt war, setzte sich an ihre Sette, würdigte sie aber keines Wortes und
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Sonntag, 27. November
sächsische und das dänische; Mecklenburg folgte dem Beispiel 1851. Baden und Branschweig tatet 1853 dasselbe. Seit 1854 hat in Schottland et* statistisches Bureau die Volkszählung in Händen, seit 1855 ist es ebenso in Oldenburg; es folgten 1859 Rumänien, 1860 die Schweiz, Spanien und Portugal, 1861 Hessen, die thüringischen Staaten und Italien, 1862 Serbien, 1863 Irland, 1865 Finnland, 1866 die Vereinigt n Staaten, 1861 Ungarn und 1871 das Deutsche Reich.
Vorbildlich für die statistischen Aemter bei meisten Staaten war Belgiens Amt, das sich unter Que'elets ausgezeichnet-r Leitung entwickelte. Quetelet verlangte zuerst die Veröffent. fichung der Arbeiten der statistischen Aemter uni gab 1846 eine muftcrgiltige Volksstatistik heraus. Auf seiner Anregung beruhen auch die internationalen statistischen Kongresse, deren erster sich 185? in Brüssel vereinigte. Die Forderung diese; Kongresse, alle Länder sollten die Volkszählungen so ausführen, daß die Ergebnisse miteinander gut vergleichbar seien, hat nur zum Teil erfüllt wer den können, weil jedes Land sein Sonderinteresse bei seiner Volkszählung, zunächst ins Auge faßte Selbst für die deutschen Staaten ist diese Forderung erst seit 1866 erfüllt. Bis dahin zählten die einzelnen Stactten nicht in gleichen Zeitabständen und auch in verschiedener Weise. Völlige lieber- einftimmuna führte erst die Errichtung des Kaiserlichen statistischen Amtes herbei, das die erft< deutsche Volkszählung am 1. Dezember 1871, also vor gerade 40 Jahren, ausführte seitdem im Abstande von je fünf Jahren gezählt ha4 und mich nach dem vorhandenen Material Volkszählungen für die Vergangenheit aufstellt.
Das Wort Volkszählung wendet man, uni mit Fug und Recht, noch immer für eine statistisch, Aufnahme des getarnten Volkes an, die viel mehi als eine bloße Zählung bedeutet. Als wett-nl König X"txes seine Soldaten ii einen Pferch treten ließ und sie so zählte oder eigentlich abmatz wie man Gemüse im Holzmaß obmißt. da bet anftafte'e er eine primitive Volkswhlung. Dft heutige Volkszählung aber albt nicht nur d' Zahl der Bevölkerung, fonbem auch erschöpfend, Auskunft über ihre B"wecmng, über die Vettel limg von Alter und @ef<Me*t ihre Gesundheit Ehe- und Familienverhöltnisse Berus und Er werb, ihre Bedürfnisse. Wohnsitze ?itachSrinMi zu Gemeinden od"t anderen Verbanden, ihr« Sprache, Religion Bildung ihre Vfl'chten. htr< sie li fett eine Beschreibung die all- erdenklicher Einzelheiten enthält.
Deutsches Reich.
— Der Saatenstand in Preußen. Berlin. 19 November. Saatenstand in Pr ußen um Mitt, November 1910 (wenn 2 gut, 3 nti'*el bedeutet); Junger Klee 2 6 (November 1909 2 5). Winttr- Weizen 2 7 (2.5), W'nter Svelz 2,4 (21) Wmt'v Roggen 2 7 (2 4), Winter Raps und Rübsen 2.5 (2.3). In den allgemeinen Bemerkungen bei „Statistischen Korrespondenz" heißt es: Di< Trockenheit war den jungen Saaten wen'a günstig. desto mehr dem Ausnehmen der Hackfrücktte Die weitere Bestellung der Herbstsaaten könnt- tüchtig g-fördert werden, sodaß hauptsächlich niti Weizenfaaten. selten auch Roggensaaten, rückstän big geblieben sind. Ungeheuer zahlreich sinl tierische Schädlinge vorhanden, un'er denen bi, Mäuse fast überall geradezu verhe-rend ans treten: aber auch die Hamst-r haben sich in manchen Gegenden sehr vermehrt. Vielfach Werder noch Ratten, Krähen. Schnecken und Insekten veremzelt auch Raben erwähnt. Die ang-wanb- ten Pettilaunasmittel haben jedoch nur geringen Erfolg gehabt. Fast gleichmäßig laufen bi« Nachrichten über b«n jungen Klee, ber infolge bet fruchtbaren Witterung zwar sehr üppig gewachsen
keines Blickes mehr, fonb-rn vettieste sich ml Papa in langweilige Erörterungen über alt« Scharteken. — Ihr war das gleichgültig, lieb to- gar! — Schabe nur. daß Mama nicht mit an- sehen konnte, wie unhöflich sich ihr Phönir bet- nahm. Die gute törichte Mama, die fest überzeugt war, daß Christian nur uw Caras willen Wind und Wetter getrotzt habe; — denn um einet arten Frau ein Lied zu bringen, tue man das nicht — Auch Christiane war langweilig; all« Versuche der Kleinen, sie in ein Flüstergefpräch zu verstricken schluaen fehl. — Wie war es nur m3g- sich, daß sie sich für Elzevirdrucke interessierte!
Christian war scharfstchtiaer; er wußte, daß Christiane während sie scheinbar Herrn v. Rott heimbs Erklärungen folgte, in wachsender Unruhe an den Heimweg dachte. Auch er war kaum imstande, das Gespräch fottzusehen: endlich hielt er es nicht mehr aus, sah nach der Uhr und sagt; daß er fort müsse.
„Denn, Klein- ganz fo unvernünftig, wie Du annimmft bin ich nicht." fügte er hinzu. »In der wohlverschlossenen Kutsche die einen mengen Arzt in das Pfarrhaus holen fönte, bin ich von Lingenau h-raekommen und mit dem Gutsherrn, ber’m der Residenz gewesen ist, fahre ich vom Bahnhöfe zurück. Du siehst also daß sich Derne Freundin mit ihren geringeren Kräften größerer Kühnheit — ober, wie Du sagst, Unvernunft — schuld g gemacht hat. als ich."
Unb ehe Cara antworten konnte wendete sich der abscheuliche Mensch, der '.atürlich nur feine Liebenswürdigkeit bewundern lassen wollte, an Christiane, die ja auch schon halb verblendet war und sagt«: er hoffe, daß ihr fein Arm ein festerer Krückstock fein werde, als der des alten Murner. Und Christiane errötet« und lächelte, und schre« Caras Unmut Über dies Benehmen lernet Beachtung wett zu halten.
(Fortsetzung folgt.)