Einzelbild herunterladen
 

mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain

xnb den Beilagen:Nach Feierabend" (wöchentliche Unterhaltungsbeilage) und.Landwirtschaftliche Beilage.«

JS278

DieOverheffische Zeitung" erscheint tägltch mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage. Der Bezugspreis betrSqt viertel« jährlich durch die Post bezogen 2.25 Jk sahne Bestellgeld), bet unseren Zeitungsstellen und der Ernedition (Markt 21), 2.00 M. (Für unverlangt zugelandte Manuskripte übernimmt di« Redak­tion keinerlei Berontmkirtnna.)

Marburg

Sonntag, 27. November 1910.

Die Insertionsgebübr beträgt für Inserenten aus dem engeren Berbrettungsgebiet des Blattes für die 7j"'-fltene Zeile oder deren Raum 16 4, füt auswärtige Inserate 20 A, fti Reklamen 40 L. Druck und Verlag: Ioh. Bug. Koch, Uniuerfitäts-Buchdrnckeret. Ink>ob»r Dr. C. < irbnrg.

Markt 21. 55.

45. Jahrg,

Die heutige Nummer umfaßt 3 Blätter.

kine rfii#olü|e Kitlillg

bietet am meisten zur Belehrung und Unterhaltung. Man abonniere sofort bei der Post oder bet unseren Ausgabestellen auf die

Oberhessische Zeitung

mit ihren BeilagenAmtliches Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain",Nach Feierabend", Fürs Haus",Landwirtschaftlich« Beilage" und Listen der Preuß. Klassenlotterie.

Die

Oberhesstsche Zeitung

bringt neben ihren beliebten Unterhaltungsbeilage« in ihrem allgemeinen "nd politischen Teil wertvolle Aufsätze zur Orientierung über die politische Lage im Reich und Ausland und unterrichtet schnell und sicher über die mancherlei Eretanisse des Tages. Besonder^ ist sie bestrebt, ihrem ständig wachsenden Leserkreis in Stadt und Land mehr Lesestoff zu bieten. Deshalb hat der Verlag sich entschlosien, die

ReickstaMerl fie

die auch in geringfügigen Fragen oft von großem Interesse sind, in ausgedehnterem Maße gesondert zu bringen. M- sind überzeugt, daß diese Neueinrich­tung, die den Wünschen vieler Abonnenten entspricht, Anklang findet und uns neue Leser zuführt.

Man abonniere sofort für den Monat Dezenlber.

Rückblick.

Die ersten Tage des Reichstagsbeginns find ohne besondere Zwischenfälle verlaufen. Ebenso, wie man in Universitätsstädten dasakademisch« viertel" respektiert, nimmt man im Reichstag (durch eine weniger wichtige Tagesordnung am ersten Tage) auf diejenigen Rücksicht, die da glauben, daß sie am zweiten Tage auch noch früh genug kommen. Selbst die Frage der Fleischteuerung, die den Reichstag nun schon so oft beschäftigt hat, daß die Interpella­tion wohl bald die Iubiläumszahl ihr-r 25maligen Wiederkehr erreicht haben wird, bot höchstens Ge­legenheit, Reden zum Fenster hinaus zu halte«. Ruhig ist auch die Wahl des zweiten Btzepräsiden- ten vollzogen worden, eine Angelegenheit, der man vor Parlamentsbeginn den Stempel einer großen politischen Bedeutung aufzudrllcken geneigt war. Nachdem also auch hier das Bedürfnis auf die erste Sensation" nicht befriedigt worden ist, sieht man der Debatte über die sozialdemokratische Interpellation wegen der Kakserrede mit Spannung entgegen. Zwar hat sich die Meldung, daß die bürgerlichen Parteien geneigt sind, durch den Mund des Herrn Baffermann eine kurze Erklärung abzugeben und so der Sozial­demokratie die Gelegenheit zu neuen Hetzereien zu nehmen, nicht bestätigt, aber es gibt doch allerhand Anzeichen dafür, daß viele des langen Haders müde sind. So hat der größte Teil der nattonalliberalen Fraktion bei der Wahl des 2. Vizepräsidenten sich zu einer positiven Stellungnahme für den Kandi­daten der Reichstags "brhett entschlossen.

Die Frage der Fleischteuerung Fleisch­not ist agitatorisch übertriebenbeschäftigteübrigen, auch gestern noch die Reichsboten. Unsere radikalen Parteien machen sich die Sache auch hier sehr einfach, sie donnern gegen die Regierung und die Agrarier «nd verlangen Oeffnung der Grenzen. Diese Kur t la Dr. Eisenbart wird aber von allen anderen nicht gebilligt. Man weiß, daß ein unvorsichtig«, Oeffnen der Grenze, das uns Seuchen mit ins Land brächte, wohl kurze Zeit billiges Fleisch, nachher aber «mso teuere, im Gefolge hat. Dabei würde auch unsere Landwirtschaft schwer geschädigt, nicht die große«, sondern g-"de die kleine« Land­wirt«, die an gesundem Viehstand und guten Vieh­preisen in erster fit:.!« interessiert find. DieLand­wirtschaftsfreundlichkeit" der Politiker, die Oeffnung der Grenzen und Herabsetzung der Zölle fordern, hat sich wieder einmal glänzend dargetan. Selbst der freisinnige Herr Wiemer war doch der Ansicht, daß ei« Wegnehmen der Zölle den Ruin der deutschen Iandwirtschast zur Folge haben würde. Den Finger i ....

gliedweise abzuhacken, meinte er, würde nicht so schmerzen. So wird man dem Uebel der Teuerung, das alle Einsichtigen beklagen, nicht beikommen, nur dadurch, daß man die Produktion der heimischen Landwirtschaft noch fortgesetzt hebt, um sich vom Aus­land« unabhängig zu machen. Di« Landwirtschaft selbst hat aber wie bekannt nur ein Interesse an st e - tigen Preisen, nicht an hohen, dann wird sie ge­neigt sein, ihre ganze Kraft noch mehr auf die Vleh- produktton zu werfen, als es bisher geschieht. Und daran hat auch der Konsument ein lebhaftes Interesse im Sinne ständiger nicht zu hoher Preise.

Zn der auswärtigen Politik lenkt vor allem das englische Parlament die Aufmerksamkeit auf sich. Das Scheitern der Betokonferenz hat die Lage so zugespi.^t, daß die Regierung sich entschlossen hat, das jetzige Parlament aufzulösen und noch vor Weih­nachten den Termin für die Neuwahlen anzusetzen. Der jetzt beginnende Wahlkampf hat eine Angelegen­heit der inneren Verfassungspoln.» Englands zum Gegenstände. Das war formell auch bei den Wahlen dieses Frühjahrs der Fall, wo es sich auch darum handelte, den' Widerstand des Ooerhauses zu brechen. Er ist mit einer unerhörten Heftigkeit geführt wor­den, und zwar haben die Parteien damals die veutfche Gefahr für sich ins Treffen geführt. Man kann heute noch nicht sagen, ob es diesmal wieder der Fall sein wird. Die Konservativen, die damals hauptsächlich diese Methode pflegten, und zwar mit Mitteln, die das in Deutschland in solchen Fällen Gebräuchliche weit hinter sich ließen, könnten diesmal auf Argumente zurückgreifen, die ihnen die innere Landesgeschichte an die Hand gibt. Die Iren, die schon in dem jetzigen Parlament das Zünglein der Wage bilden, hoffen mit d«n Geldern, die fie bei ihren Landsleuten in Amerika gesammelt haben, jetzt ausschlaggebend zu werden, so daß ein eigenes Parla­ment für Irland, also eine staatliche Selbständigkeit für diese älteste englische Eroberung durchgesetzt wird. Es sind knapp hundert Jahre her, daß das irische Parlament in dem englischen, die irische, wenn auch nur formelle Selbständigkeit in dem Vereinigten Königreiche aufging. Merkwürdig eine solche Tren­nung der Völker heute im Zeitalter der Konzentra­tion, der Eroßstaaten, der Riesentrusts, der Organisa­tionen.

Wie dieser Wahlkampf, dessen Ausgang für Eng­land von so außerordentliche Bedeutung ist, verlaufen wird, läßt sich schwer sagen. Die Liberalen scheinen ja gute Aussichten zu haben. Zn diesem Falle wäre England aber noch weit davon entfernt, aus, dem Dilemma herausznkom-nen, denn zunächst wäre dann auch noch da» Oberhaus da. Hier eine Lösung zu finden, ist eine Aufgabe, die den maßgebenden englischen Politikern wohl noch manche Kopfschmerz n bereiten wird.

Auf der brasilianischen Flotte ist eine Meu­te r«i-ausgebrochen, die bei uns einfach undenkbar ist. Die Besatzung des PanzerschaffesManis Eeraes" hat nach Reuter drei ihrer Offiziere ermor­det, das englische Maschinenpersonal an Land gesetzt und dann die Stadt bombardiert. Ein wahnsinniges Beginnen, da die Meuterer den Schiffen keine Be­wegung zu geben in der Lage find und die Eisen- kolosse direkt unter den Kanonen der Forts der Zlha das Eobras und der Halbinsel S. Domingos ankern, die der Regierung treu geblieben fein sollen. Und der Grund? Unzufriedenheit mit Lohn, Kost und Dienst. Es ist ein Verhängnis der lateinischen Na­tionen, daß ihre Glieder keine Autorität anerkennen wollen, daß das Gefühl für ^taatsnotwend^gkeiten immer mehr versiegt und die Personen, und seien es noch so unbedeutend«, sich immer stärker in den Vor­dergrund drängen. Das find die Früchte doktrinärer Eletchmächerei, wie fi« auch unsere bürgerlichen De­mokraten anstreben. Selbst in England sind solche Meutereien nicht selten. Wenn sie dort einen ern­steren Charakter nicht annehmen, so ist das darauf zu- rückzuführen, daß das britische Seeoffizierkorps im- merhin einen höheren Grad von Verantwortungsge­fühl an den Tag legt, und vor allem sich bestrebt, die Achtung der Untergebenen zu erwerben.

Die Vorgänge vor Rio de Janeiro, das fast zur Hälfte von Euroväern bewohnt ist, biden ei« War- nungszetchen für jeden, der noch Sinn für die Reali­tät des Leben» besitzt.

Arbeiterwoynunfls- Darlehen und Lebensversicherung.

Die landivirtschastlichen Behörden der Pro­vinz Ostpreußen haben vor einiger Zeil einen Beschluß gefaßt, der für ben Bau von Arbeiter­wohnungen auf dem Lande von größter Wichtig- keit sein dürste. Sie wollen die Deckung der I Darlehen, die von bat Landesversicherungsan- I

statten für den genannten Zweck gegeben werden, auf dem Wege der Lebensversicherung geschaffen wissen, die von dem Darlehnsnehmer in der Höhe des dargeltehenen Kapitals zugunsten der barleihenden Landesversicherungsanstalt ausge­nommen werden. Bekanntlich haben die Landes- Versicherungsanstalten tm Laufe der Jahre auS ihren reichen Mitteln zum Zwecke des Baues von Arbeiterwohmrngen einen bedeutenden Betrag dargeliehen, der bis zum 31. Dezember 1909 280 517 984 Mark betrug. Di« Rückzahlung wurde bislang auf dem Wege der Amorttsatton erreicht, die bei 3 v. H. Verzinsung und 2 v. H. TUgung 31 Jahre und bet 3 v. H. Verzinsung und W-z v. H. Tilgung sogar 38 Jahre in Anspruch nimmt.

Trotzdem sich nun nicht leugnen läßt, daß dieses Tilguugsverfahren wertvolle Dienste ge- leistet hat, birgt eg aber doch den Mangel in sich, daß bei einem vorzeitigen Tode des Darlehns­nehmers in den meisten Fällen der Ernährer der Familie ist. für die Hinterbliebenen leicht erheb­liche Schwierigkeiten ensstehen. Es wird ihnen meist schwer s 'cn. außer den notwendigen Aus­gaben für die Familie auch die schuldigen Zinsen und Tilgungsraten für die Hausdarlehen aufzu­bringen. Sie wird dann entweder versuchen, das Haus zu veräußern oder es so dicht zu vermieten, daß die Mieiserträgnise eine nicht unbedeutende Beihilfe zu den Einnahmen li fern. ES würde dahin kommen, daß die gemeinnützigen Bau­vereine oder die bürgerlichen Gemeinden usw. vor die Notwendigkeit gestellt werden, der Lan- desversichenmgsanstast gegenüber für die weitere Abwickelung der Darlehnsgeschäste eintreten zu müssen. Dabei würde aber das eigentliche Ziel des Unternehmers, Arbeiterfamilien womöglich zu einem eigenen Hause, jedenfalls zu guten und gesunden Wohnungen zu verhelfen, nur zu häufig nickt ereicht werden: und wenn man bedenkt daß die Bewilligung von Darlehen für Arbetterhäuler erst seit einigen Jahren größeren Umfang ange­nommen hat «nd daß die meisten Arbeiter, die durch einen Bauverein ein Haus «rwoben haben oder unter Bürgschast einer G meinde belieben werdm, im rüstigsten Alter stehen so muß man Wohl damit rechnen, daß Fälle von Schwierig- keften der geschilderten Art mit dem Fortschreiten der Jahre häufiger eintreten werden.

Diesem Mangel will man nun damit abhelfen, daß man statt der üblichen Tilgung die Lebens­versicherung zur Abtragung der Hhpotbekenschuld heranziehe. Der Gedanke ist nicht neu. Er stammt her von der Generalsparkasse in Belgien und ist bei uns zuerst von der LandesversicherunaSanstalt Rbetnprovinz in die Frage unterer Arbeiter- wohnunasfürsorae eingefübrt worden; die ge­nannt Anstalt bat bereits Darlehen und Lebens­versicherung gegeben und für ihren Bezirk für di-sen Zweck eine ebene Lebensverücherungsbank gegründet. Das Reichsversicherungsamt hat in Aniehuna der hoben sozialen B deuttmq des Ge­dankens die Durchführung der Idee wesentlich ae- sördert und es l'eat nun an den zuständig»« Be­hörden. fie auch ihren Bezirken in die lebens- warm« Wirklichkeit zu übertragen. Zu bemerken ist ausdrücklich, daß auch bereits bestehende seit m-br ober weniger langer Zeit schon amortisierte Darleben in der Form der Lebensversicherung für die Restfchuld umaewandelt werden können.

Und mm die Kosten? Für diele Fraae möge folaendes Be spiel dien-n: Gebt ein Arbeiter eine Lebensversicherung ein, die tm Todesfälle oder bei Lebzeiten spätestens nach 30 Jahren »ur Aus- zablnna d»s Kapitals lfib^en soll und läßt er in di» Nerficherunq einschließen, laß sie bei Er- werbchinsähiakeit obre weitere Prämienzahlung in Krafi bleiben toll, so zablt e; bei einem Ein- krittSalter von 25 Jabren etwa 3 4 V. H., der Vell- stcherunassnmme, von 30 Fahren 3,66 v. H. und von 35 Jabren 4 v. H. Wäblt er das Svstem der ftemenb»n Divid-nde. so beläuft sich die Brämie des 25iäbrigen nach 15 Jabren n'ckt mebr aus 3 4 sondern nur noch auf 2.15 v. S., nach 25 Jabren nur noch auf 1.29 v. H._ Der 30iSbrlae zabl« nach 15 Jabren nur noch 2 29 und nach 25 Jahren nur noch 1.37 v. H. und der im Alter von 35 Jabren Stehende zablt nach 15 Jahren 2 52 und nach 25 Jahren nur noch 1,51 v. H. Der Rbeinitche Verein zur Fördenmg des 9fr- heiterwobminaswesens erzählt von einem Ar­beiter. der mit 25 Jabren ene abaekiirzte Ver­sicherung über 10000 Jl auf di» Dauer von 20 Jalften abaeschlaffen bat und dabei um 1542 Mk. weniger zu leiste« hat. olS w»nn er das Dar­lehen von 10 000 Mark in der gleichen Frist amor­tisieren würde.

BraManer und Deutschs.

White blackmen Weiß« Reger nennen die Eingeborenen Afrikas die Portugiesen. Di« Brasilianer verdienen dieselbe Bezeichnung. Richt etwa, daß wir Anstoß an bet Hautfarbe nähmen, sondern vielmehr an der Lebensauffassung dieser

I einander verwandten Völker, die sich grundsätzlich von der deutschen unterscheidet. Das sind nicht mehr die kühnen Scharen des Portugiesen Pedro Alvarez, welche von 400 Jahren tn der »Terra da Santa Cruz" landeten und ihre Macht dort ausbreiteten, sondern ein Gemisch von Nach­kommen der Verbrecher, welche Portugal nach der Besitzergreifung Brasiliens dorthin entsandte, und Bauern, die drüben weite Ländereien sich erobern durften. Eine starke Beimischung von Indianer- und Regerblut brachte di« Geschlechter immer mehr herunter und so sehen wtr heute die Pro­dukte dieser Entwicklungsgeschichte, die so gar keine Aehnlichkeit mehr mit den Portugiesen der Glanzzeit des lusitanischen Reiches haben. Sie nennen einanderCaballero, Ritter aber sie sind weit davon entferntCaballeros- zu sein im Sinne der Spanier. Höchstens eine äußerlich« Grandezza erinnert noch an benCaballero" ver­gangener Jahrhunderte.

Und diesen Satten, deren einziges Trachten Mammon und Genuß ist, ist die Herrschaft über ein Land gegebenk welches nächst Rußland, Groß­britannien und der Nordamerikanischen Union das ausgedehnteste Reich der Erde darstellt. Die grün-gelbe Flagge weht über einer Fläche von fast 8% Millionen Geviertkilometern reichen, aber auch erst heute erschlossenen Landes. Von den 10 Millionen Bewohnern sind eine Viertelmillion Fremde, meist Pormgiesen. Der Zahl nach folgen die Deuffchen mit 50 000, die Neger mit 45 000, die Franzosen mit 6250.

Namentlich die Deutschen hatten es zu einem erheblichen Wohlstand gebracht. Das erregte den Neid derHerren" und obschon diese gerade un­serer deutschen Kultur- und Kolonisationsarbett unendlich viel verdanken, trat dies natürlich« Ge­fühl infolge des Neides immer mehr in den Hintergrund. Die einsichtigen Leute, welche in bet Regierung das Ruder sichren, dringen nicht durch. Diese wissen, was sie unseren Kolontsten zu verdanken und von Dentschkand zu erwarten haben. Bor nicht langer Zeit weilte der Mar­schall Hermes da Fonseca in Deuffchland am Hofe des Kaisers. Ein fiebenswürdiger Mensch mit bebeutenben Talenten. Manches Lob hörten wir aus seinem Munde auch über unsere Volksge­nossen in Brasilien, die treue und ruhige Bürger des riesigen Staatswesens find. Wir hörten auch aus di sem Munde Worte höchster Anerkennung für unser Heer und dies« Anerkennung war ernst gemeint. Demi der Marschall bat um Ueber- lassung deutscher Jnstrukttonsofsizier« und um die Erlaubnis, Brasilianer in D utschland dienen zu lassen.

Das Volk, dessen gewählter Führer der Mar­schall ist, denft anders ttnb Organe seiner Regie­rung zweifellos auch. Es besteht die Gefahr und sie von dem französischen Ex-Premier Mon­sieur Clemeneeau und durch die von derEner­gie Franyaise" beeinflußte Presse derEstadoS Unidos do Brazie" mächtig g förd»rt worden, daß die deuffchen Jnstruttionsoffiziere eine Stellung beim brasilianischen Heer einnehmen sollen, die sich weder mit d»n Abmachungen, noch mtt den Ansichten des Marschalls, noch mit un­seren nationalen Ehrbegriffen verträgt.

Roch leidenschaftlicher zeigt sich die Folge der Verhetzung deis l»cht erregbaren Volkes in einem Angriffe den verlotterte Soldaten auf fried- fertiae Deutsche unternahmen, b< in einem ge- scklsssen-m Saale eines deutschen Hotels de« Tanzfreuden huldigten. Ohne lebe Veranlassung drangen sie in den Saal ein, versiegelten mit Effenstäben, Säbeln, Knütteln die Teilnehmer, feuerten Revolver auf sie ab und bedrohten sie mit Mffsern. Draußen sckluo n Jhilat-entoelber b;e Fenster ein und ermuffgien dieckdatrn zum Plündern der Kassen des Hoteliers als erstes Opfer fiel. '

Die Brasilianer tun ihrem fiat . keinen Ge­fallen. wenn st« durch ihr Benchmen di-ses Er­ziehungswerk unseren Off Mieten unmöglich macken, sie schaben sich auch selbst, wenn st« Deutsche durch ähnlich» Brutalitäten, die sich leider oft wiederholen, abschrecken , in ihrem Lande sich niederrt,lassen, an dessen riesigem wirt­schaftlichen Aufschlüsse geradezu das deutsch« Anstedlerelement hervorragenden Anteil hat.

Politische Umschau.

Di« ri-ffifch-indifch« Bahn und England.

Das englische Parlament hat sich in diese« Tage« auch mit dem Projekt Rußlands einer russisch- indischen Bahn befaßt. Rach der Art, wie man dies« Angelegenheit behandelte, möchte man »«- nehmen, daß die englische Regierung bestrebt ist, ihrer eigenen Aktion tn Persien kein« Interpretation zu geben, die irgendwie als Beginn einer Austeilnng oder Annektion aufgefaßt werden kann. Im Unter­haus« fragte Dillon, welch« Haltung die englische Re, gierung für den Fall einzunehmen beabsichtigte, dich die persische Reaieruna es ablehnen sollte, ihr« Ein-