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xnb den Beilagen:Nach Feierabend"

»rg und Kirchhain

und.Landwirtschaftliche Beilage."

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DirOberheisische Zeitung" erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage. Der Bezugspreis beträgt viertel­jährlich durch die Post bezogen 2,25 sahne Bestellgeld). bei unseren Zeitungsstellen und der Ervedition (Markt 21). 2.00 (Für unverlangt zugesandte Manuskripte übernimmt die Redak- tfon keinerlei Verantwortung.)

Marburg

Freitag, 25. November 1910.

Die Insertion «gebühr beträgt für Inserenten aus dem engeren Verbreitungsgebiet des Blattes für die 7ge^--<,ltene Zeile oder deren Mannt 15 für auswärtige Inserate 20 4, für Reklamen 40 4. Druck und Verlag: Ioh. Aug. Koch, Universitäts-Buchdrnckerei. sinbob-r Dr. (£. Hitzeraitz. Ärarburg, Markt 2t.

45. Jahrg.

Bestellungen

IMU- für den Monat Dezember "Wn mif dieOberhessische Zeitung" nebst ihren Beilagen werden von unserer Expedi­tion (Markt 21), unseren Ausgabestellen in Kirchhain, Neustadt, Wetter, Ebs­dorf, Hachborn, Heskem-Mölln, Lei- denhofen, Dreihausen, Wittelsberg, Niederweimar, Niederwalgern, Damm und Lohra sowie von allen Post- anstalten und Landbriesträgern entgegrngenom- men.

Freiherr v. Pechmann.

Der Münchener Bankdirektor, der sich durch seine Anfrage über die Stellung des neuen Hansabundes zur Sozialdemokratie politisch bekannt gemacht hat, ist nunmehr aus dem Hansabunde ausgetreten. Er gibt als Grund an das bekannte Flugblatt des Hansabundes, das ja auch von offiziöser Seite starke Kritik fand. Demgegenüber hat Geheimrat Riester der Präsident des Hansabundes, in einer Versamm­lung in Wiesbaden sich wieder scharf gegen Frei­herrn v. Pechmann gewandt. Lassen wir den Kampf auf sich beruhen. Im Zusammenhänge dieses Streites hat aber Frhr. v. Pechmann positiv Anschauungen geäugelt, die allgemeine Beachtung verdienen und auch von dem durch ihn bekämpften Hansabunde gebilligt werden dürften. Einem Ver­treter derlägt Rundschau" gegenüber führte Frei­herr o. Pechmann aus:

Ich habe das graste Glück gehabt, in einer kleinen, alten Stadt aufzuwachsen, wo man so viel mehr und so viel Besseres lernt, als in der großen. Dort in Memmingen hat sich mir für immer die lebendige Anschauung davon eingeprägt, wie unauflöslich das Band ist, das Stadt und Land in ihrem Wohl und Wehe verbindet. Und je mehr ich im praktischen Leben, namentlich seit 24 Jahren in meiner Tätigkeit an der Bayerischen Handelsbank, ges-hen, beobachtet, erfahren habe denken Sie sich den Interessenkreis, einer Hypothekenbank mit gegen 850 Millionen Pfandbriefen, zugleich einer gemischten Bank mit etwa 25 Filialen in allen Teilen des rechtsrheinischen Bayerns desto unumstößlicher ist für mich die Ueberzeugung geworden, daß Gewerbe und Landwirt­schaft gegenseitig o feinander angewiesen sind, daß keines ohne das andere gedeihen kann, aber auch die weitere Ueberzeugung, daß die starken, die letzten Wurzeln unser-' Kraft nicht in den großen, oder gar den Großstädten liegen, sondern auf dem flachen Lande, in der oft so töricht mißachtetenProvinz"!"

Mein ganzes Verhalten und meine Stellung­nahme steht auch damit im Zusammenhänge, daß ich mi* politisch z-itlebens zu dem Grundgedanken

83 rw->*hnir? verboten.)

Christiane Tanner.

Roman von Claire v. Glümer.

(Forttetzung.)

Die Lampen brannten, mehrere Liederhefte faßet, auf Pult und Deckel. Christian fragte, toc seine gnädige Cousine zu hören befehle; sie bat ihn, selbst zu wählen.

Da ist Mendelssohn," fügte sie hinzu, indem ste ihm eines der Hefte zuschob.

Aber ihre Hoffnung, daß Cbristtan als Hul­digung für Cara singen werde:Du bist wie eine Blume." ging nicht in Erfüllung. Der Vetter war heute nicht für Mendelssohn gestimmt, bat um Schubert und durchblätterte, die ungeduldig am Flügel sitzende Dame scheinbar vergessend, ein Heft nach dem anderen.

Inzwischen war Cara aus Christiane zuge­stürzt, deren langes Gespräch mit Christian sie beurubigte, und hatte die Freundin in das lauschige Winkelchen zurückgezogen, das sie eben verlassen wollte.

Was hat Dir der Harte gesagt?" fragte sie, Christiane besorgt in das erregte Gesicht sehend. Du darfst mir nichts verschweigen; . . . wenn Dich der abscheuliche Mensch beleidigt hat*

Beleidigt?" fiel Christiane ein.Wie kommst Du daraus, Carissima? Der abscheuliche Mensch," wie Du ihn ganz mit Unrecht nennst, war die Liebenswürdigkeit selbst . . . wir sind die besten Freunde."

O, bitte, nein! sage mir das nicht es wäre zu schrecklich!" rief CaraEr ist falsch wie Galgenholz, das kannst Du mir glauben der herzloseste, spottsüchtigste Mensch der Wett."

der alten Bismarckfchen Kartellpolitik bekannt habe: Nationalliberale und Konservative gehören für mich zusammen wie Bürger und Bauer. Gewiß, sie kön­nen und werden sich nicht immer vertragen, sie muffen und werden imme* wieder miteinander streiten: aber doch so, daß sie über dem, was sie entzweit, nie­mals oergeir n werden, was sie eint. Und mutatis mutandis gilt für mich das gleiche auch vom Zentrum. Gefühl und nüchternste Berechnung weifen mir den nämlichen Weg. Wenn es meinem Gefühl wider­streitet, irgendeinen Gegensatz innerhalb der Volks­gemeinschaft sich so verschärfen zu taffen, daß darüber das Bewußtsein der Gemeinschaft völlig verschwindet, fo sagt mir die ruhige Erwägung, daß die verschiede­nen Parteien zusammenwirken müssen, wenn ge­schehen soll, was im Interesse des Reiches geschehen muß, und daß diese ganz unentbehrliche Arbeitsge­meinschaft in Frage gestellt wird, wenn die Partei­gegensätze zu unversöhnlicher Todfeindschaft gesteigert und verschärft werden. Gerade das aber ist es. was feit dem Kampfe um die Finanzreform die Liberalen, leider auch ein großer Teil der Nationalliberalen und der größte Teil der liberalen Blätter für die wichtigste, für die einzige Aufgabe halten: Kampf bis aufs Messer, als gelte es den bittersten, den töd­lichsten Feind des Vaterlandes, gegen die beiden Parteien, die das unvermeidlich und unauffchieblich gewordene Werk der Finanzreform zustande gebracht haben. Gewiß nicht einwandfrei, aber doch fo, daß unser Finanzwesen und damit unsere ganze Volks­wirtschaft heute um viele« besser daran ist, al» wenn da» Werk gescheitert wäre. Und wem wird der Kampf zugute kommen? In erster Linie, daran zwei­felt niemand, der Sozialdemokratie, in zweiter aber ganz gewiß eben dem Zentrum, das man vernichten möchte, und dem man doch nur um fo sicherer zur aus­schlaggebenden Machtstellung verhelfen wird, je mehr es gelingen sollte, die Konservativen zugunsten der Sozialdemokratie zu schwächen."

Manchmal könnte man sich versucht fühlen, die zu beneiden, die, wie es scheint, nur eine einzige Sorge kennen: die Sorge um das, was sie die Niederzwing- ung des schwarz-blauen Blockes nennen. Aber ich kann mir nicht helfen: diese glücklichen Optimisten mögen Politiker fein, es sind aber nicht die, die am weitesten, und nicht die, die am tiefsten blicken; die wahren Bedingungen eines nachhaltigen Gedeihens unseres Volkes sind ihnen verborgen."

Dieser klaren, ruhigen Beurteilung der öffent­lichen Lage kann man nur eine weite Ausdehnung wünschen.

Politische Umschau.

Dank de» Reichskanzler».

Berlin, 22. Nov. Der Reichskanzler hat aus Anlaß seiner Ernennung zum Ehrendoktor der philosophischen Fakultät der Berliner Universität das nachstehende Dankschreiben an den Dekan der phUosophischen Fakultät der Universität Berlin,

Du gehst zu weit," mahnte Christiane;daß Dein Vetter spottlustig ist, will ich nicht bestrei­ten; aber falsch und herzlos, nein! . . . sicher nicht."

Cara biß die Zähnchen zusammen, um nicht mit der Erklärung herauszuplatzen, daß des Harten Liebenswürdigkeit nur befoh-eneStraf­arbeit" gewesen sei Aber er hatte ja noch anderes auf dem Kerbholze.

Du kennst ihn nicht, sonst würdest Du ihn nicht verteidigen!" rief sie. rot vor Zorn.Oder ist es nicht falsch, wenn er mir ins Gesicht schön tut ein entzückendes Elfchcn hat er mich heute genannt, während er hinter meinem Rücken ge sagt hat:Cara Nottheimb wäre reizend? finde ich nicht Backfische sind ein fader Bissen," das nenne ich schändlich!"

Roch schändlicher ist das Wiedersagen und wenn Dein Vetter in scherzendem Tone gc sprochen hat*

O, seinen Ton kann ich mit denken," fi'l Cara ein;und ebenso die abscheulichen Augen, die er dabei gemacht hat, und seine ganze höh Nische Miene. Aber ich weiß schon. Ihr alle seid in ihn vernarrt: Mama, meine Freundinnen in der Residenz, Du, Herr von Enke sogar, der ihn immer gegen mich verteidigt das Einzige, was ich an dem reizenden Menschen nicht leiden mag . . . Uebrigens hat er mich vorhin gefragt, ob Du was gegen ihn hättest; Du wärst bei Tisch so stumm gewesen. Da habe ich ihm erzählt, daß Du um Deinen Freund Wilhelm in Sorgen bist, und er hat das von Dir furchtbar nett gefunden, während Christian" erglühend brach sie ab.

Christiane beachtete das nicht, denn eben er­klangen am Flügel von einer schönen, gut ge­schulten Baritonstimme die ersten Töne eines ihr unbekannten Liedes.

Geh. Reg.-Rat Prof. Dr. Gustav Roethe. ge­richtet:

Euer Hochwohlgeboren bitte ich, der Philo­sophischen Fakultät der Universität Berlin für die hohe Ehre, die ste mit durch die Ernennung zum Ehrendottor der Universität hat angedeihen lass >n, meinen herzlichen und aufrichtigen Dank zu übermitteln. Sie hat dadurch die Bande ver­stärkt, die mich durch die Erinnerung an die Tätigkeit meines Großvaters und an meine eigene Studienzeit mit der Universität verknüpfen. Die Begründung, die die Fakultät ihrem Schritte ge­geben bat, vertieft die große Freude, di« ich übet die Ehre empfinde. Unserer materialistischen Wertungen allzu sehr geneigten Zeit liegt der platonischnfichtescbe Irrtum, der die Grenzen zwischen Erkenntnis und Tat verwischt und die Philosophie zur Leitung des Staates be­rufen will, fern. Eher verfallen wir in den ent- gegeng-setzten Fehlet: Theorie und Praxis, die, so verschiedenes sie im Auge haben, doch aufein­ander angewiesen sind, als getrennte Reiche ?u betrachten und Macht und Wert der geistigen Ar­beit im politischen Leben der Ratton zu unter­schätzen. Der erbebende Verlauf der Jubel- f ei er der Berliner Universität bat durch ein­drucksvolle Kundgebungen und die Erinne­rung an die mit der Größe Preußens so eng verflochtene Geschichte der Universität knnd- getan. daß eine starke, stolze und freie Kultur des Geistes das Fundament auch der politischen und wirtschaftlichen Leistungen des deutsche» Volkes ist und bleiben wird."

Die Moabiter Straßenkrawalle vor Gericht.

8. L U. Berlin, 23. Nov.

Die ganze heutige Verhandlung wurde mit der Erörterung über den Zwischenfall ausgefüllt, dem die enalifchen Journalisten bei den Tumulten zum Opfer gefallen waren. Zunächst schildert der Zeuge Jour­nalist Wile, wie er mit seinen K-cc-aen beschlossen habe, sobald er Nachrichten von den Unruhen erhielt, sich persönlich davon zu überzeugen. Sie kamen im Auto angefahren und machten gegenüber dem Kran­kenhause einen Augenblick Sait, um die Voraänge auf der Straße zu beobachten. Die Turmstrgße wurde aerobe durch Schutzleute von Mentchen gesäu­bert, die Menge befand sich aber mindestens 200 Meter vor den Schutzleuten. Sobald das Auto hielt, rief einer von den Beamten: Auf die Leute dort los! Der Zeuge versuchte aufzustehen, um zu erklären, daß sie mit den Tumulten nichts zu tun hätten die Ant­wort war aber nur: Dreinschlaaen! Darauf wurden sie von den Schuhleuten mit Säbeln bearbeitet, ob­wohl sie sich im Magen niederduckten. Der Zeuge tief sodann dem-Ehauffeut zu, nach dem Kranl-nbause zu fahren, wo ste verbunden wurden. Sie hatten Schläge über Kopf und Nacken erhalten, auch die Kleidung wat voll Blut. Der Zeuge hat in st'"er Eiaenschaft als stellvertretender Vorsitzender des Vereins der ausländischen Presse eine 5Rct*wierbe über die Be- hanbluna. bet er und feine Kollegen ausaelekt waren, an den Reichskanzler gerietet. Die Verteidiger be­antragen. diese Beschwerde zu verlesen, um festzu- stellen, ob sie sich mit dem Bescheide des Polizeipräst- benten berfe. Die Verteidiger vermuten nämlich, daß an den Reichskanzler durch Vermittelung des Ministeriums des Innern ein Vettckst über

Es war SchubertsWanderer". Cara zuckte mißmutig die Achseln; sie liebte nur heitere Musik, huschte fort und kam im Schutze eines Blumen- ttfches mit dem Retten und Herrn von Enke über- e:n, daß des Harten melancholisches Gewinsel altmodisch und langwellig sei. während Christiane tiefbewegt auf die Frage lauschte:

Wo bist du. wo bist du, mein geliebt s Land? Gesucht, geahnt, doch nie gekannt . . ."

Für sie wurden die Wotte und Töne zur Fottsetzung ihres Gespräches trit Cbristtan, zum Ausdrucke seines Empfindens, und schönet als je erschienen ibr seine Züge aus denen beim Sin­gen der gewöhnliche, bochmüttg-sarkastifche Aus­druck völlig verschwand

Seine Äugen konnte ste nicht feben; sie waren auf das Rotenblatt gesenkt, das vor bet Beglei­tenden stand. Erst bei den Schlußworten:Da, wo du nicht bist, da ist das Glück." hob er den Blick, suchte den ihren, und wie ein Strom von Licht und Wärme überflutete ihn die Begeista rung. die aus ihren ttänenvollen Augen prahlte. So hatte ihm noch keine zugehört! Er lächelte befriedigt und weigerte sich wehr zu singen. Christianens Bewegung sollte nicht durch neue Eindrücke gestört werden.

Zu einem Gespräch mit ihr kam et nicht mehr. Frau von Nottheimb. überzeugt, daß nur das Kichern hinter dem Blumentische an seiner plötz­lichen Heiserkeit schuld sei, suchte die Unart des Töchterchens durch verdoppelte Liebenswürdigkeit gutzumachen.

Erst als die älteren Herren ihre Whistpattie beendet hatten und bet Oberst zum Aufbruch mahnte, gab sie Christian frei. Selbst beim Ab- j fchiednehrnen fand er nur so viel Zelt, Chtt- I stianens Dank für fein Lied mit der Versicherung I

die Vorgänge erstattet worden fei. Der Gerichtshof lehnt aber einen dahingehenden Antrag ob Auf Be­fragen bekundet bet Zeuge noch, daß sich in ihrer Nähe überhaupt keine Menschenmenge befand, nur zwei Mädchen waren da, die von der Polizet mit Säbelhieben fortgetrieben wurden; deren Schuld be­stand nur daran, daß sie nicht schnell genug fortliefen. Der Wachtmeister Fritz, bet bie Schutzleute komman­dierte, welche auf die Journalisten einhieben, be­kundet, baß sie ben Auftrag hatten, am Kleinen Tier­garten Aufstellung zu nehmen. Auf einmal kam ein Auto angefahren, in bem ein Herr stanb und mit dem Finget nach einer bestimmten ml-tte.

Auffälligetweise fuhren auch Rabfohrer hin und her. Da ging bem Zeugen bet Gebanke butch ben Kopf, daß die Herren mit der Sache zu tun haben könnten und er befahl: Auto weg! Einet der Herten er­widerte: Nein, noch nicht. Sofort waten Schutzleute da und da wat eben die Sache geschehen. Die drei anderen beteiligten Journalisten machten dieselben Bekundungen, wie ihr Kollege Wile. Der Zeuge Chauffeur Lewin schildert, wie er von ben Journa­listen den Auftrag erhielt, nach Moabit zu fahren. Schon an der Lübeckersttaße sah er, wie ein junger Mann von einem Schutzmann so geschlagen würbe, baß er sofort liegen blieb. Noch am nächsten Tage habe er seinen Fahrgästen die Blutlache gezeigt. Als er eine Strecke weiter gefahren wat, hielt er auf bas Zeichen eines Schutzmanns, bet mit erhobenem Säbel vor ihm stanb und fragte: Wohin? Der Zeuge er­widerte: Die Herten werden Ihnen das sagen. Als bann bet Herr, bet neben dem Zeugen auf dem Bock saß, in bie Tasche faßte, um eine Karte ober einen Baß hervorzuholen da bekam er einen Hieb unb schon wat die Schlägerei da. Et sei von niemand aufgefotdeti worden, weiter zu fahren, habe das aber aus freiem Antriebe getan. Immerhin habe es viel­leicht eine halbe Minute gedauert, ehe er die Ma­schine wieder in Gang bringen konnte. Der Schaben am Auto, bas vollständig mit Blut befleckt wat. be­lief sich auf 450500 M. Die folgende Zeugin Frau Solwin will gesehen haben, baß ein Schutzmann das Auto durch eine Hanbbeweauna zum Weiterfahren avfforberte. 3en«e Schuhmann Wenzel hat als erster auf die Journalisten eingeschlagen. Et bekam einen Schlag vor bie Brust, mit was, wisse er nicht, ein Stein könne es iedenfalls nicht gewesen sein. Et sah dann einen Kollegen von ihm an bem Auto stehen. Ein Herr im Auto stand auf unb griff in bie Tasche. Der Zeuge nahm an. daß er nach einet Waffe suche, glaubte bähet seinen Kollegen in Gefahr unb hieb ein. Zwei weitere Zeuaen bekunben, daß sie in bet fraglichen Zeit von Polizeibeamten unmenschlich ge- fchlaaen wurden, sodaß sie zu Roden fielen.

Am Freitag soll bie Dethanblung im großen Schmus--ri-r-'ssaale fortaesetzt werben.

Deutsches Reich.

Interpellation an ben Reichstag. Berlin, 23. Nov. Dem Reichstage ist eine nationalliberale Interpellation zugegangen, die Regierung möge in größerem Umfange als bisher Reichsmittel zur Be­kämpfung der Rebschädllnge, insbesondere zur Er­forschung wirksamer Methoden, zur Verfügung stellen, ferner weitere Maßnahmen zur Erleichterung und Verbilligung der Bekämpfung durch die Winzer er­greifen und endlich im Einvernehmen mit den be­teiligten Bundesstaaten eine einheitl.che und da­durch wirksame Bekämpfung in die Wege leiten.

Neichstagsnbgeorbneter Dr. Pichlet. Berlin, 23. Nov. Die Nachricht, daß der Reichstabgeordnete

zu beantworten, daß er nur für fi* gesungen habe, und daß er alles aufbitten werde, um ste bald, womöglich morgen, wiederzusehen.

VII.

In seltsamer Stimmung, halb stegesfroh, halb unmuttg, bestieg er fein Pferd, und kaum lag Elmenach hinter ihm, als ihn das Verlangen packte, umzukehren, um die strahlenden Augen wiederzusehen, die fo viel verrieten, und de, stolzen Mund, der fo viel verschwieg. Vergebens suchte er sich der Bezauberung zu erwehren, die das schöne, eigenartige Wesen auf ihn ausübte Selbst im Gespräch mit den Gefährten gelang ei ihm nicht, Christiane auch nur für Augenblick» zu vergessen. Endlich blieb er zurück, um sick ungestört seinen Gedanken zu überlassen. Bald rief er sich Christianens Wotte, den Ton ihrer Stimme, ihr Lächeln, Ihren Blick ins Gedächmis: bald malte er sich das nächste Zusammensein aus; bald erwog er, ob es möglich und zweckmäßig fein würde, sich in ihren Familientreis Zutritt zu verschaffen.

Auch die leidige Frage, wohin das alles füh­ren solle, drängte sich ihm auf, aber er schob sie beiseite. Hatte er doch immer zur rechte» Zett abzubrechen und aus schwierigeren Verhält­nissen, als hier Vorlagen einen ehrenvollen Rückzug zu vollfichren gewußt. Möglich, daß Christiane dergleichen ernfter nahm als andere und schwerer darunter litt. Aber das war ihre Sache; fein Herz stand unter dem Kommando eines Kopses, der sich Christian war nicht wenig stolz daraus durch keine Gesühls- schwärmerei. durch keinen Sinnenrautch verleiten ließ, die Gebote der Klugheit zu verletzen. Also vorläufig nur weiter, wie und wohin ihn bai Verlangen des Augenblickes trieb.

(Forfietzung folgt.)