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»nb den Beilagen:Nach Feierabend« (wöchentliche Unterhaltungsbeilage) «nd Landwirtschaftliche Beilage.«

Der Welibankier Frankreich

der alte

Largent saft la guerrel

oas weiß hier

entspricht, der darum gemacht

jeder Kundige. Wir unserccsrits sind der unmaß­geblichen Mei-ung, daß durch solche Feststellungen wie in derD. Tagesztg." aber die politische Sound« unseres öffentlichen Lebens hier nur vertieft wird.

32 3 Be­rn« 14 6 mit und als

fünf Milliarden betrug allein der Wert der Ernte aus Weizen, Roggen. Gerste, Hafer, Kartoffeln «nd Rüben. Die Weinernte betrug 1875 an 80 Millionen Hektoliter Und der französische Wein hat einen guten Namen in der ganzen Welt wenn er auch an Geist und Kraft nicht an den deutschen Wein heranreicht.

Anders steht es mit der Viehzucht. Mit Recht bewundern wir die franrösischen Rasftzuchttiere mögen es nun Rinder, Pferde oder Schaft sein. Sie sieben qualitativ außerordentlich hoch, nur ist die Menge unzureichend Was hat man sich in Freihandelkreiftn Deutschlands nicht von der Zufuhr aus Frankreich verbrochen um der Fleisckmot zu steuerns Das Mi'sterländle Bad-m hat seine Grenzen geöffnet, um d-r Rot zu steuern und wie kläglich war der Erfolg, als die erste Sendung eintraf! Frankr-ich bat eben selbst nicht genug Fleisch. ' Der Rinderbestand im Jahre 1906 umfaßte 7 377 000 Kühe Schafe gab es zur selben Zeit nur noch IT^ Millionen bei der Züchtung im Jahre 1896. Schwäne wurden 7 Millionen gezählt. Die Zahl der Pferde wird mit 3 165 000 angegeben.

Frankrech Hai wie Deutschland enorm unter der Abwanderung nach den S'ädien zu leiden Und daß der Staat dabei nicht gerade Vorteile hat zeigt das Eingreifen der d-nnokratischen Re- gieniug zu Gunsten des Bauernstandes. Jnten-

haben, ist die Zeit gekommen, diese Streifrage, die der fortschrittlichen Gesetzgebung den Weg völlig sperrt, dem Schiedsspruch der Nation zur endgültigen Entscheidung zu unterbreiten. (Lebhafter Beifall aus Seiten der Ministeriellen.) Nach der Rede des Pre­mierministers ergriff Balfour das Wort und gab seinem tiefen Bedauern über die Politik der Regie­rung Ausdruck. Nach weiterer Aussprache wurde die zu Anfang der Sitzung beantragte Entschließung, den Rest der Session für die Regierungsvorlagen zu ver­wenden, angenommen und die Sitzung darauf vertagt.

Zrn Oberhaus gab Earl of Crewe eine ähnliche Erklärung ab, wie die von Asquith im Unterhause. Lord Landsdowne bezeichnete die Auflösung als ein parlamentarisches Manöver, das mit dem größten Cynismus ausgeführt werde. Er stellte die kate­gorische Frage, ob die Regierung die erbetenen Ga­rantien erhalten habe und unter welchen Bedin­gungen. Earl of Crewe gab keine direkte Antwort. Er erklärte:Der Rat, das Parlament aufzulösen, ist der Krone auf Grund der Annahme erteilt wor­den, daß die Peers die Veto-Bill nicht annehmen werden. Weng Lord Landsdowne mir die Versiche­rung gibt, daß er die Veto-Bill annehmen will, so wie sie ist, so würde die Frage erneut erwogen wer­den. Ich nehme an, daß die Peers, wenn die Re­gierung mit einer genügenden Mehrheit aus den Wahlen hervorgehi, bereit sein werden, dem Willen des Volkes nachzukommen, so wie er bei den Wahlen zum Ausdruck gelangt."

Politische Umschau.

DieDeutsche Tageszeitung" beschäftigt sich in einer Zuschrift aus akademischen Kreisen Marburgs mit der hiesigen Versammlung des Hansabundes, indem sie ausfüh--t, es sei bei der hiesigen parteipolitischen Zerfahrenheit unnötig ge­wesen, daß auch der Hansabund noch auf den Plan trete. Dazu möchten wir bemerken, daß die hiesige Ortsgruppe des Hansabundes bereits vorher eine große Anzahl Mitglieder aufwies und daß es füglich keiner Organisation verwehrt werden kann, für ihre Zwecke zu arbeiten. Irren wir uns »-'cht, so hat Herr Knobloch auch dem Bund der Landwirte diese Tätigkeit nicht zum Vorwurf gemacht. Im übrigen aber muß jeder, der der Versammlung bei­wohnte, bezeugen, daß die durchaus maßvolle Art des Redners, die sogar auf die verworrenen Ver- hältniffe im Wahlkreis Rücksicht zu nehmen schien, nicht nur den besten Eindruck machte, sondern auch kaum dazu beigetragen hat, die parteipolitischen Ber- hältnisie hier noch zu komplizieren. Das wäre ftei- lich zu beklagen gewesen, es ist aber nicht ge­schehen.

Leider hat das Blatt aber Recht mit seiner Schil­derung der eigenartigen politishon Verhältntsie hier. Man liest da:

Besonders die Stadt Marburg ist schon seit Jahren beliebtes Versuchsfeld und allgemeiner Tummelplatz unreifer Schwärmer und gewissenloser Wühler. Wie die Verbind'ngen der Studentenschaft

siver Zollschutz, Ausbau des Kreditgesellschafts- wesens, Schaffung von leistungsfähigen land­wirtschaftlichen Versuchsstationen das sind nur einige Daten aus der Tätigkeit der demokratischen Regierung, dft schon offen ausgesprochen hat, daß die Erhaltung einer leistungsfähigen Land- Wirtschaft eine dringende Aufgabe des Staates ist. Unsere Demokraten sind anderer Ansicht. Ob aus sachlichen oder aus parteipolitischen Grün­den, das bleib« dahingestellt. Frankreich weiß, daß es den größten Teil seiner Finanzkraft seiner Landwirtschaft verdankt und daß diese den Staat in de« Stand gefegt hat, den Weltbankier zu spielen.

Dabei sind von 53 Millionen Hektar Land Millionen Hektar unter landwirtschaftlick-'r arbeitung. Von dieser Fläche waren 1906 Getreide 32,5 Millionen Hektar bebaut, Millionen mit Futtermitteln. 1.7 Millionen Rüben 16 Millionen mit Knollengewäckftn 0:18 Hektar waren Gartenland. Mehr

Montecucculi hat zwar einmal gesagt, zum Krieg führen gehöre erstens Geld, dann noch- mals Geld, und nochmals Geld und dann erst feien Soldaten und Offiziere nötig, aber daß das Geld Kriege gewinnt, ist ein ganz modernes französisches Wort. Das ist sogar den Einge- dorenen der französischen Kolonien geläufig ge­worden und die wissen entschieden Bescheid. In Marokko hat auch mehr das französische Geld gewirkt, als die Kanonen und Maschinenge­wehre, und in der Türkei hätte Frankreich bei­nahe einen weittragenden Politischen Sieg an seine Fahnen geheftet, wenn nicht diesales Pnrssiens" in die Tasche gegriffen und gezeigt hätten: das können wir eventuell auch schon! Der ftanzösische Ueberseehandel ist recht be­deutungslos geworden und die ftanzösische In­dustrie hat in der Expansion trotz günstigster Vor­bedingung nicht gleichen Schrift mit der deut­schen gehalten. Trotzdem ist Frankreich reich, so reich daß es alsWeltbankier' gilt und un­blutige poliftsche Siege erkämpfen kann.

Woher kommt das?

Franfteich ist ein reiches Land. Ein mildes Klima, vorzügliche Bewässerungsverhältniss-, erstklassiger Boden, reiche Mineralschätze eine arbeitsame Bevölkerung von hoher Intelligenz sichern ibm eine wirtschaftliche Stellung, die an­dere Völker sich erst mübsam erkämpfen mußten.

Die Auflösung des englischen Parlaments.

London, 20. Nov.

Seit einigen Tagen geht es im englischen Parla­ment sehr lebhaft zu. Hervorgerufen wurden diese erregten Debatten durch das Scheitern der Vetokon- ferenz, in der man über die Frage des Einspruch­rechts des Oberhauses zu keiner Einigung gelangen konnte. Die Lage hat sich jetzt so zugespitzt, daß die Regierung dem König geraten hat, das Parlament zu schließen . lieber die Sitzung vom Freitag bringen wir nachstehenden Bericht:

Das Haus war wegen der erwarteten Erklärung des Premierministers in allen Teilen dicht besetzt. Die Mitglieder des Parlaments selbst waren in so großer Anzahl erschienen, daß mehrere von ihnen keine Sitze fanden. Balfour und Asquith wurden bei ihrem Eintritt in den Sitzungssaal von ihren Anhängern enthusiastisch begrüßt. Premierminister Asquith teilte zu Beginn seiner Rede mit, daß die Regierung dem König geraten habe, nach Erledi­gung der parlamentarischen Arbeiten die gegen­wärtige Session und das jetzige Parlament zu schlie­ßen. (Lebhafter Beifall bei den Ministeriellen.) Asquith erinnerte an die Annahme der von der Re­gierung beantragten Veto-Resolutionen, die im April durch starke Mehrheiten im Hause erfolgt sei, und an den einzigartigen Vorgang, daß bei dem Tode des geliebten Königs Eduard die beiden bereits in Schlachtordnung siebenden Parteien ihre Waffen niedergelegt und die Führer sich zu einer vertraulichen Konferenz zurückgezogen hätten. Was diese Kon­ferenz angehe, so sckäme er sich nicht zu gestehen, daß er fast bis zum letzten Augenblick auf die Möglich­keit einer Verständigung gehofft habe lBeifall auf Seiten der Ministeriellen) und diese Hoffnung sei wohl von allen Mitgliedern der Konferenz geteilt worden. Das Ergebnis ist, daß wir wieder zum Kriegszustand gelangen. Wir haben es für unsere Pflicht gehalten, der Krone die Auflösung zu einem möglichst frühen Zeitpunkt, nämlich zu Anfang der übernächsten Woche, anzuraten. Die allgemeine Wahl kann zeitig vor Weihnachten beendet fein und wird daher nur eine oanz geringe Störung der Interessen des Geschäftslebens und der allgemeinen Bequem­lichkeit der Nation verursachen. Nachdem zwei auf- einanderfoften.de Unterhäuser dasselbe Hr+eil gefällt

in allen möglichen Farben, so schillern auch die po­litischen Bünde chamäleonartig in allen Farben de, Regenbogens und noch einigen mehr, nach allen Rich­tungen der Windrose von der äußersten Rechten zur äußersten Linken schwanken die Bürger auseinander, und sehr merkwürdige politische Wetterhähne haben hier eine Rolle zu spielen vermocht. Hier ist es noch nicht einmal gelungen, Herrn v. Eerlach für immer fortzuscheuchen."

Auf die beaknnte politische Tätigkeit der Herren Professoren Rade und Schücking wird dann weite, eingegangen. Zum Schluß wird allgemeinen An- sichten über die politische Tätigkeit der Professoren, die in kleinen Universitätsstädten zur Zersplitterung führe, Raum gegeben. Aber auch hier müssen roix der Zuschrift widersprechen. Es ist in letzter Zeit zweifellos in Marburg besser geworden. Wir sinh feft überzeugt, daß die nächste Reichstagswahl mit dem alten Ruhme Marburgs, ein politische, Unikum zu sein, brechen wird. Der Einfluß, den die Eigenbrödler mit ihren Gruppen und Grüppchen haben, wird bei weitem überschätzt, speziell ist e; in ber Professorenschaft sehr gering. Sovielgelehrte Ideologen", die sich alsselbständige Leuchten" füh­len undGruppen r" Grüxpa-eo bilden, in denen sie das große Wort führen, haben wir hier garnicht; es handelt sich immer nur um bekannte Herren,' -reu wirklicher Einfluß in keiner Weise dem La m

Die Moabiter Strakenkrawalle vor Gericht.

S. & H. Berlin, 19. Rov.

In der heutigen Sitzung stellte R.-A. Rosenberg den Antrag auf Vernehmung einiger 3eugen, welche bekunden würden, daß bei den aroßen Wahldemon­strationen unter der Menae sich Polizei-Provokateur« befunden hätten, roetoeBluthunde" aerufen und die Arbeiter aufgehetzt batten, so der Kriminalbeamte Sckilaf, der sogar selbst damals die Polizeibeamten besibimnft habe, wie das aus einem in der Ange­legenheit ergangenen Urteile hervorgehe. Dr. Rosen­feld will durch diese Vernehmung es wahrfcheinlick machen, daß auch bei den Moabiter Krawallen sich Polizeibeamte zum Zwecke der Provokation f>»fnnbe? unb ft'.rll bas Wort ..Bluthunbe", welches Polizei leutnant Falte öfter gehört, gerufen haben. Die alt Neunen vernommenen Potimile"^nanft Folie und Goetze haben beobachtet, daß die Tumultuanten viel­fach Unterstützung bei den Bewohnern der angrenzen­den Käufer dadurch fanden, daß die Haustüren ab- ntwrnffen wurden, nachdem die Leute einaelassen worden waren. Es geschah dies, um sie der polizei­lichen F»ltna6me zu entziehen. Polizeileutnant Bis« .Ard d-s ^--'i-eimaiors Klein, bat das«

selbe beobo<^iei. Rach Ansicht dieser Zeugen sind bte Wabn'i'aen, aus denen Schimpfworte gerufen, sowie Bs«m-n-Ä^fe und Bierflaschen beraboefchleuderi war« ^-n. n t * * etwa von Rowdies, sond»«n von besseren Arbeitern bewohnt. ES wurde fesiaesielst. daß infolge eines scharfen Vssstft «ine Menge Menschen aus den Däusern ae» stNr,i kam und sich an dem Tumult befeisZote. Das

Marburg

Dienstag, 22. November 1910

DreObecdesiische Zeitung« erscheint täglich mit Ausnahme bei Sonn- unb Feiertage. Der Bezugspreis beträgt vieriel- 97*4 jährlich durch bte Post bezogen 2,25 X lohne Bestellgeld), bei

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Markt 21. TeT-.f'-m ",

30 verboten.)

Cbrjstiane Tanner.

Roman von (Haire v. Glümer.

l Fortsetzung.)

Wahrend Christiane las. stand ihr der kleine, dicke Herr mit dem roten, barftosen Gesiebt, den energischen Zügen, dem eigensinnigen Munde, den dichten, strohfarbenen Brauen, unter denen scharfblickende, hellgraue Augen hervorblitzten, lebendig vor der Seele. Wie oft hatte sie ihn gegen Pastor Martinh die Ansicht verfechten hören, daß ein rechter Mann wie in anderen Dingen auch im Zorne konsequent sein müsse. Etwas verzeihen, was nicht reuevoll gebüßt oder gutgemacht ist. wäre weibisch. Und nun die­ser Brief dieserUnglücksbrief", hätte sie in Tante Lores Ausdrucksweise sagen mögen; die Aufgabe, die Wilhelm das Vaterhaus wieder öffnete, beängstigte sie.

Aber nun trat er aus dem Gepäckraum, eint Verkörperung jungendfrischer Kraft und Ent­schlossenheit, hoffnungsfroher Gemütsruhe; sie sagte sich, daß sie ihm ihren Kleinmut nicht zeigen dürfe, und ging ihm scheinbar ruhig entgegen.

Auch Wilhelm war nur scheinbar ruhig. Im ersten Augenblick des Wiedersehens war er im Begriff gewesen, sich zu verraten, im nächsten sagte er sich, daß es frevelhaft sei, um Liebe zu werben, während volle Kraft, vielleicht das Loben zur Erfüllung seiner Sohr.espflicht in An­spruch genommen wurde. Nur in alter Weise durste et in der Spanne Zeit, die jetzt noch ihm gehörte, mit Christiane verkehren.

Wie schön sie geworden war! - " , f

Entzückt hing sein Blick an der hoben, schlan­ken Gestali, die ihn in W rasch vorschreitenden Bewegung g» die Versoiller Diana erinnerte; auch der Stolz der Göttin sprach aus ihr n Zügen, ihrer Haltung; sie war eine andere als die Christiane seiner Erinnerung und ihm doch bis ins Innerste ihres Wesens vertraut und zu­gehörig wie bisher. Oder hatte sie nicht die gleiche Enipfindung?

Laß uns gehen " sagte er, als sie sich erreich­ter. und schlug raschen Schrittes den Weg nach Lingenau ein. Stumm gingen sie nebeneinander im warmen Herbstsonnenschein; in den Vorstadt­gärten zur Linken sangen Stare, dufteten Rosen und Reseden; auf den Wiesen zu. Rechten weide­ten Rinder und Pferde; in d r Ferne zog lang­sam eine Schafherde über die Stoppelfelder. Das­selbe heitere Herbstbild wie vor Jahren, w-mn Wilhelm zu den Sonntagen heimwärts wanderte und Christiane ihm bis zum Lindenberge das Geleit gab; wie damals ging sie heute an seiner Seite und wie damals war er beute nach langer Verbannung auf dem Wege zum Vaterhause Ein Glücksgefühl, das Sorgen und Zweifel besieate, kam über chn.

Auch Christiane wurde nach und nach leichter zumute, so daß sie endlich das Schweigen brach.

Ich wußte nicht daß Du Deinen Paten ver­söhnt hast." sagte sie;wie hast Du das ange- sangm und fcrtiggeb'acht?"

Weder angefangen noch fertiggebracht" gab er zur Antwort und der alte Humor leuchtete aus seinen Augen.Du weißt ja, ,des eilten Tod, des anderen Brot'. Meine plötzliche Be­gnadigung, das erste Lebenszeichen, das ich wie­der von meinem Herrn Paten echielt, habe ich

wohl zum Teil dem Verlangen des Vaters, bauvtsächlich aber dem Unwillen gegen die Mutter zu danken. Einerlei wenn ich nur nicht gezwungen bin, mich heimlich bei dem tränten Vater einzuschleichen, denn gekommen wäre ich jedenfalls, sobald ich von den Zuständen im Pfarrbause erfahren hätte. Doch nun zu Dir Christtane erzähle!"

Ich habe Dir alles geschrieben."

In der letzten Zett nicht mehr . . . Deine Briefe sind immer ftirzer geworden."

Wefl Ich nichts erlebe . . . sagte Christiane und brach ab ... . gestern hatte sie etwas erlebt, aber sie scheute sich, zu verraten, wie wichsig es ihr war: und ehe sie die tedrten Morte fand, b^oann Wilhelm zu fragen und kam auf alles mögliche zurück wovon sie ihm im Laufe der Jahre geschrieben hatte. Wie ehemals gab sie sich wieder der wohligen Empfindung seinw Zuneigung hin, die nicht vergaß, was sie betraf. Nur ihr Verkehr im Schlosse interessierte ihn so wenig oder war ihm so anttpathlsch, daß er schnell darüber wegging.

Um so eingehnder sprach er über Christianens Arbeit und fügte hinzu: er wisse ge­nau welche Fortschritte sie mache, denn feit Jahren lasse er sich zu feinem Geburtstage und zu Weihnachten einen ihrer neuesten Fächer kom­men und erfreue sich an dem individuellen Leben, das sie ihren Blumen zu geben wisse.

Christiane errötete vor Freude; Wilhelm war der einzige, der dafür Sinn und Auge hafte. Aber fie kam nicht dazu, ihm das zu sagen. Dir Höhe des Lindenberg- war erreicht; Wilhelm blieb stehen.

«Du kannst nicht weiter mttgehen," sagt« er

und deutete in das Lingenauer Tal hinunter, wo sich eben eine Jnfanteti-kolonne unter Trommel­wirbel und Hurrageschrei geaen den verschanzte« Feind in Bewegung setzte. Christiane hatte kaum einen Blick für das lebensvolle kriegerische Bild.

Ich soll Dich verlassen und habe nicht et» Wort von Deinem Leben gehört!" klagte sie, te« dem sie feine Hand mit beiden Händen festhielt. Wann sehen wir uns wieder? Wann kommst Du?"

Sobald die Ansteckungsgefahr vorüber tfl*

Aber schreiben kannst Du doch gleich-"

Ich werde ben Arzt fragen."

Rein? Schreiben mutzt Du!" rief Christiane, sonst komme ich ins Pfarrhaus und sehe nach Dir ... . Bescheid wissen mutz ich . . . ."

Gut, Nachricht sollst Du haben .... aber nun lebe wohl, ich darf mich nicht länger auf­halten."

Bei diesen Worten hatte et fie. außerstande, seinen Vorsätzen treu zu bleiben, in die Arme genommen, gekützt, sich eilig losgerissen und eilte den Abhang hinunter.

Ob er gefthen hatte, datz einer der drei Ulanenoffiziere, die eben dicht vor ihm quer über den Weg jaate«, zu Christiane hinauf salutierte? Peinftch berührt machte fie kehrt und eilte bergab gegen Elmenach; aber vergebens suchte sie den fragend aufblitzenden Augen zu entfliehen, mit denen Christian v. Parnim st« gearützt hatte. Den ganzen Tag drängte sich di 'n Blick in ihrer Sorge um Wilh-lm und die Seinen.

(Fortsetzung folgt.)