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45. Jahr«.

mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain

Mtlb den Beilagen:Nach Feierabend" (wöchentliche Unterhaltungsbeilage) und.Landwirtschaftliche Beilage.

Die Jnserttonsgebühr betragt für Inserenten aus dem engeren Verbreitungsgebiet des Blattes für die 7pe^oltens Zeile oder deren Raum 16 4, ffit auswärtige Inserate 20 A, kür Reklamen « 4. Druck und Verlag: Joh. Aug. K«h, Universitäts-Buchdruckerei. InbaO-r 3)t. E. fiiijetoih, Alarburg, Markt 21. Tel»ns>an 55.

Marburg

Sonntag, 20. November 1910.

DieLberhefsische Zeitung" erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn« und Feiertage. Der Bezugspreis beträgt eiertet« "WX 079 jährlich durch die Post bezogen 2,25 M (ohne Bestellgeld), bei

vi=« " unseren Zeitungsstellen und der Ervedition (Markt 21), 2,00 «AL

(Für unverlangt zugesandte Manuskripte übernimmt die Redak« ttnn keinerlei ^emntmnrhtnq.)

Erstes Blatt.

Die heutige Nummer umfaßt 3 Blätter.

Umschau im Auslande.

Tie Republikaner in Spanien.

Die revolutionären Vorgänge in Portugal haben im Auslande die Frage aufgerollt, ob und welch« politischen Folgen sich daraus für Spanien ergeben könnten. Ms in Portugtl die Republik ausgerusen wurde, waren viele überzeugt, daß auch in Spanien der Umsturz in naher Zukunst bevorstehe. Und doch hat das spanische Volk keinen Grund, sich über seinen Monarchen und die rüstig vorwärtsschreitende Reorganisation des Staates an allen Gliedern zu beklagen. In Spanien geht, und das steht unzweifelhaft fest, ein frischer Zug durch alle Zweige der Verwal­tung. Man tut sehr viel für den Unterricht, der Landwirtschaft, dem Hauptzwetge des nattonalen Lebens, Hilst man durch Wegebau. Talsperren« 'anlagen usw., und Heeres- und Justizwesen wer­den einschneidenden Aendemngen unterworfen. Dazu kommt, daß die inneren Fehler der repu­blikanischen Bewegung ihr jede gefährliche Schwungkraft und Aktionsfähigkeit genommen haben, ganz abgesehen von dem die ganze Partei zermürbenden ungeheuerlichen Ehrgeiz ihrer Füh­rer, die jede Disziplin unmöglich macht. Bei etwa 40 Abgeordneten, d. i. einem Zehntel der Kammer, kann man wenigstens sechs verschiedene Gruppen unterscheiden, die bemüht sind, sich gegen­seitig aujzuretben. Insofern könnte man sogar die republikanischen Parteien in Spanien als eine Stütze der Monarchie bezeichnen. Die Einig­ung der Republikaner hat sich jedoch nun schon zweimal vollzogen und trotzdem ist der Sieg der Republik ausgeblieben, nicht zum wenigsten wohl mich, weil es ihnen erstens an Geld und zwei­tens an Soldaten fehlt, und ohne die Mitwirkung des Heeres, das seinen König hoch verehrt, ist in Spanien bisher eine Revolution unmöglich ge­wesen und wird sie auch weiter sein. Volksauf­stände hat es Wohl gegeben, immer aber ohne Erfolg. Eine einzelne republikanische Fraktion, die Geldmittel hätte und auf die Mitwirkung eines Teiles des Heeres rechnen dürste, wäre imstande, die Umwälzung der heutigen Verhältnisse herbet- zuführen; alle Fraktionen vereint, aber ohne Geld und Soldaten, vermögen nichts. Die Mehr­heit des spanischen Volkes steht außerdem den Verheißungen der Republikaner sehr steptisch gegenüber; als Spanien 1873 eine Zeitlang Re­publik war, konnten sich die Republikaner über die Form nicht einig werden, jagten ihren utopisti- schen Idealen nach und verprügelten sich gegen­seitig. In der Präsidentschaft folgten die Ver­treter der verschiedenen Richtungen rasch aufein­ander. und keiner vermochte es, das Land geord­neten Verhältnissen zuzuführen. Ueberall zügel­lose Parteikämpfe, blutige Aufstände, Mißbräuche der Gewalthaber, Unbotmäßigkett der Untev- tanen, allgemeine Zerfahrenheit! Spanien hat die Schreckenstage der Republik nicht vergessen und trägt kein Verlangen danach, sie wieder­kehren zu sehen. Die fortschreitende Kultur und das Reformwerk der spanischen Monarchie wird den republikanischen Gedanken v'<d seine Anhän­ger von Jahr zu Jahr in haltlosere Positionen drängen und die Bevölkerung ihrem Königshause immer näher bringen.--

Unsere auswärtige Politik ruht jetzt wie die Beurteilung des Zarenbesuches durch die internationale Presse klar ergibt, in guten, festen Händen. Es ist daher charatteristisch, daß die liberale Presse den nach einer Politik der Schwäche aus dem Amte geschiedenen Vorgänger auf Kosten des jetzigen Leiters des Auswärtigen Amts in den Himmel hebt und von ihm einen Ausgleich zwischen D,eutschland und Frank­reich erwartet. Ein Blatt versteigt sich sogar zu der Behauptung, die Verdienste dieses Staats­mannes könne nur beurteilen, wer unter vier Augen mit ihm gearbeitet habe und seine Ver­dienste entzögen sich heute noch der öffentlichen Behandlung! Herr, verschone mich vor meinen Freunden, wird der Gepriesene hoff ntlich sagen, denn um zu wissen, daß jetzt die Macht des nüch­ternen und konsequenten Willens im Auswärtigen Amte regiert und daß die fremde Diplomatie uns jetzt mit ganz anderem Respekt als noch vor einigen Monaten behandelt, bedarf es keines Ein- geweihtseins. Das lehrt schon ein Blick in die Times", dieNowoje Wremja'' oder den Ternps"! Der positive Erfolg, der in der An­näherung Rußlands an uns liegt, ist mit Händen | zu greifen. Frankreich wird doppelt vorsichtig I gegen uns sein. Eine schöne Gelegenheit uns I

seinen Willen zu zeigen, bieten die jetzt in Paris schwebenden Verhandlungen über die Grenz­regulierung zwischen Togo und Dahomeh. Eng­land wird es kaum gelüsten, seine sogenannte Ei.kreisungspolttik weiter zu akzentuieren oder gar die vomBerliner Tageblatt" so herrlich gei- fundenen Abrüstungsvorschläge an uns zu stellen. Oe st erreich aber wird jetzt via Berlin man­ches erreichen können, was es direkt nicht oder doch nicht so leicht in Petersburg durchsetzen könnte. Alles wird jetzt davon abhängen, ob Rußland die Annäherung an uns ernst ist, mit einem Worte, ob es Wert darauf legt, daß wir wieder wie einst zu Bismarck's Zeiten an seine Zuverlässigkeit glauben. Das kann natürlich nicht von heute auf morgen geschehen.

Deutsches Reich.

Längerer Aufenthalt der Kronprinzesstn in Aegypten. Die Kronprinzeffm wird in der zwei­ten Hälfte des Dezembers von Ceylon nicht direkt nach Deutschland zurückkehren, sondern in Aegyp­ten einen sechs- bis achtwöchigen Aufenthalt neh­men. Diesem wird sich dann noch ein kurzer Be­such in Abbazta und an der Riviera anschließen. Daher dürste die Kronprinzessin kaum vor Ende Febmar wieder in Berlin sein.

Zuviel Weihrauch. Unter vielen anderen guten Eig nischasten des jetzigen Reichskanzlers sticht eine ganz beson^rs hervor: er läßt nicht tagtäglich, wie sein Vorgänger in lausend Zungen sein Lob verkünden. Gegen das reklamebcdürstige Wesen Bülows macht die kühle Zurückhaltung Bethmann-Hollwegs einen wohltuenden Eindruck. Jetzt ist ihm auch noch etwas Unangnehmes widerfahren. Der Berliner Professor Breystg hat ihm imTag" hinterrücks Lobsprüche versetzt, die ihrer Maßlosigkeit wegen den Widerspruch der ganzen unabhängigen Presse erregen. Er nennt es ein nationales Unglück, wenn was nun doch auch einmal geschehen muß der Kanzler demffstoniere usw. Obwohl Herrn von Brtbmanw- Hollweq beim Lesen jenes Hymnus nicht die Worte in den Ohren klangen:Gott schütze mich vor meinen Freunden, vor meinen Feinden schütze ich mich schon selber."

Die mecklenburgische Verfassung. Malchin. 18. Rov. Der mecklenburgische Landtag ist er­öffnet worden. Eingegangen ist ein Reskript der Schweriner Regierung, worin angekündigt wird, daß die Verfassungsvorlage vom 19. November 11909 dem Landtag wieder zugehen wird, und zwar zunächst zur kommissarischen deputatischen Berawng. Ferner ist dem Landtag ein Entwurf zur Reform der best henden Steuergesetzgebung zugegangen, welcher progressive Einkommensteuer und Ergänzungssteuer vorsieht. Außerdem sind Vorlagen eingegangen über Gehaltserhöhungen für Beamte.

Maßnahmen gegen eine Wiederholung des Falles Helm. Uns wird von militärischer Seite mitgeteilt. daß für die deutschen O'fiziere Maß­nahmen getroffen werden, die eine Wiederholung einesFalles Helm" verhindern sollen. Es wer­den Bestimmungen getroffen werden, welche die bisherigen Verfügungen über Reisen unserer Of­fiziere int Auslande nach den Gesichtspunkten er­gänzen die im Falle Helm zutage traten.

Fiasko der französischen Vieheinsuhr? Mannheim, 18. Rov. Der erste Versuch, die Fleischteuerung durch Einfuhr französischen Groß­viehs nach Baden herabzumindern, hat vorläufig sehr enttäuscht. Die Regierung hat bekanntlich eine wöchentliche Einfuhr von je 200 Rindern und 200 Schweinen nach Karlsruhe und Mannheim und von 50 Rindern und 100 Schweinen nach Heidelberg gestattet und es soll dann nach Ab lmff einiger Wochen geprüft werden, ob diese Maßnahme eine verbilligende Wirkung auf die Viehpreise ausübt. Wenn sich aber die Vieh­zufuhr weiter in dem gleichen geringen Maß­stabe vollzieht, wie an den letzten Viehmärkten, so wird der Effekt gleich Null f leiben. Es sind nämlich auf dem Markt in Mannheim nur 22 Stück erschienen, in Karlsruhe 45 Stück und in Heidelberg nur 9 Stück. Schweine sind ganz aus- geblieben. Da die inländischen Händler in Er­wartung größerer Zufuhr französischen Viehs mit der eigenen Zufuhr zurückhielten, war der Auf­trieb in Mannheim im Ganzen um 200 Stück ge­ringer als sonst und die Folge war ein Anziehen der Preise statt eine Verbilligung! Man wird nun die nächsten Viehmärtte abwarten müssen, an denen vielleicht eine lebhaftere Zufuhr aus Frank­reich stattfinden wird. Sehr wahrscheinlich ist dies jedoch nicht, denn der Viehbestand Frankreichs ist int ganzen nicht viel größer, als derjenige Deutsch­lands. In Deuffchland kommen auf 1000 Ein­wohner 335 Stück Rindvieh und 360 Schweine, in Frankreich allerdings 365 Stück Rindvieh, aber nur 180 Schweine. Dex Unterschied wird nur aus­geglichen durch die bedeutend stärkere Schafhal­tung Frankreichs. Es ftägt sich aber dennoch sehr, ob man in Frankreich größere Mengen des dort

geradeso wie bei uns lebhaft begehrten Rindes und Schweines abgeben wird. Inzwischen hat auch Württemberg bis auf weiteres die Einfuhr von wöchentlich zusammen 300 Stück Großvieh und Kälbern und von 300 Schweinen ans Frank­reich in den Schlachhof zu Stuttgart gestattet. Die Stadt Freiburg im Breisgau hat ebenfalls um die Zulassung von französischem Schlachwieh ersucht und die Mirgerrneisterei in Mainz wünscht in einer Eingabe, die sie an das großherzogliche Ministerium gerichtet hat, daß wöchentlich 100 Stück Großvieh und 200 Schweine auS Frankreich zugelassen werden. Man wird gespannt sein dürfen, wie sich der Versuch weiter entwickelt.

Ausland.

** Die antirussische Bewegung in Persien. Köln, 18. Rov. DieeKölnische Zeitung" meldet aus Teheran: Auf dem Kanonenplatz trn Mittel- punst der Stadt hatten sich viele Tausende ver­sammelt. um in einer zweistündigen Kundgebung gegen die russische. jeglichem Fortschritt PersienS feindlich gesinnte Positik. die dauernde Anwesen- heil russischer Truppen und bi< neuerdings zutage getretene englische Haltung Einspruch zu erheben. Fünf Redner begeisterten die Menge gegen Ruß­land und England empfahlen die Anlehnung an die Türkei und als letzte Zustucht den Schutz des Deutschen Kaisers, des Schutzherrns aller Moslems. Ein enffvrechender Beschlußantrag wurde gefaßt und unter lautem Beifall verlesen. Er soll allen europäischen Parlamenten und Kabinetten mitgeteilt werden. Die Versammlung verlief ungestört und machte einen tiefen Ein­druck Aehnliche Kundgebungen wurden in den Provinzen beabsichtigt. Ein Boykott gegen eng­lische Waren wurde von verschiedenen Seiten ins Auge gefaßt. Die Verhandlnnaen mit der Selig­mann Gruppe über die Anleihe stocken infolge der Gattung der englischen Regierung, die der persischen mitteilt, sie unterstütze nunmehr die Vorschläge der Jmperialbank.

Marburg und Umgegend.

(Nachdruck aller Originalarttkel ist gemäß S 18 bei Urheberrechts nur mit der deutlichen Quellenangabe .Oberheff. Zig." grtMfrt )

Marburg, 19. Rov.

* Totensonntag. Das Totenfest ist der ernsteste Tag des Jahres und gesellt sich harmonisch zu der Trauer, welche jetzt über der ganzen Natur lagert. Tot ist das Pflanzenleben und das eines großen Teiles der Tiere. Mit Recht ge- denft zu dieser Zett der fühlende Mensch pietät­voll der Dahingeschiedenen, deren Abschied von diesem Leben eine Stelle der Leere im FreundeSi- und Familienkreise verursacht hat. die lange noch mit ihrem fühlbaren Mangel drückend und weh­mutsvoll auf die Lebenden wirkt. Welke Blätter sind die zurückgelassenen Andenken nur, wie sie der jetzige Herbstwind in Menge über die Sttaßen und Gärte« fegt. Die stillen, kahlen Hügelreihen auf den Friedhöfen, das vertrock­nete, geheimnisvoll raschelnde Laub, die mor­schen Zweialein auf welche unser Fuß tritt, das entlaubte Gesträuch dies alles stimmt zu in sich gekehrtem Ernst und laß» uns die Vergäng­lichkeit alles Irdischen deutlich vor die Augen treten. Es sagt uns:O lieb', so lang du lie­ben kannst, o lieb', so lang du lieben magst." Aber der Totensonntag schafft auch ein be­friedigendes Gefühl: man kehrt erhoben mtt innerer Genugtuung heim wenn man durch eine Blumenspende auf das Grab der sieben Toten seine innere lebendige Herzensverbindung mtt den Dahingeschiedenen wieder kund getan hat.

* Elisabethvereiu. Die diesjährige Feier bes Elisabethoereins wurde durch den Gesang des Liede» Lobet den Herrn" eingeleitet, worauf Herr Pfarrer Heermann eine Ansprache hielt. Hierauf trugen die Kinder ein Lied vor, an das sich das gemeinsame Dankgebet schloß. Herr Professor Dr. Freund nahm dann das Wort zur Erstattung des 31. Jahres­berichts. Die Zahl der int Elisabethhaus unter­gebrachten Kinder schwanke zwischen 30 und 35. In den letzten Wochen waren 5 Kinder an den Masern erkrankt, die wegen der Ansteckungsgefahr in die Klinik gebracht wurden. Vier derselben find bereit» wieder hergestellt, während das fünfte sich auf dem Wege der Genesung befindet. Zwei Kinder konnten nach Bad Soden geschickt werden. Weiter streifte 6er Berichterstatter noch kurz die Feiern, die tn diesem Jahre veranstaltet wurden. Die Kleinsinderschule war durchschnittlich von 60 Kindern besucht. Der Mütterverein zählt 50 Mitglieder. Die segensreiche Arbeit der Schwestern streifte der Redner ebenfalls. Der Redner tat noch eines Zwischenfalls Erwähnung, durch den die Schwestern in einige Angst versetzt worden seien. Sie hätten daher den Wunsch ge­äußert, daß doch zu ihrer Sicherheit vor den Par- terreftnstern Läden angebracht «erden möchte«.

Herr Prof. Dr. Freund gab der Bitte Ausdruck, daß sich vielleicht jemand finden möge, der diesen berech- tigten Wunsch durch Stiftung der dazu nötigen Summe zur Erfüllung bringe. Nach nochmaligem Vortrag eines Liedes seitens des Kinderchors schloß der offizielle Teil der Feier. Bei Kaffee und Kuchen blieben die Teilnehmer noch einige Zeit beisammen.

* Blumenverkauf am Totensonntag. Zu unserer gesttigen Notiz wird uns mitgeteilt, daß die Set« fügung diesmal auf die hiesige Stadt nicht zutrifft, weil die Blumenverkäufer es unterlassen haben, nm einen Dispens von der Sonntagsruhe nachzusuchen. Blumen und Kränze dürfen morgen deshalb nm bi» 2 Uhr nachmittags verkauft werden.

* Akademische Krankenkasse. Zu Vorstandsrnit- gliedern der Akademischen Krankenkasse für da» Wintersemester 1910/11 wurden folgende Herren ge­wählt: Stud. med. Gust. Schulte, Sind. phil. Herb. Holtorf, Stud. med. Paul Honnecker, Stud. phil. Karl Joseph, Stud. tut. Hans v. d. Ropp.

* Die Kreiskrankenkasse hielt vorgestern ihre HerbstrEeneralversammlung ab. Es handelte sich in der Hauptsache um Wahlen und geschäftliche Mit­teilungen.

* Zur Stadtverordnetenwahl. Im Restaurant Fronhof fand gestern abend eine Besprechung von Wählern der 3. Klasse über die bevorstehenden Stadt­verordnetenwahlen statt. Rach eingehender Aus­sprache beschlossen die Anwesenden die Gründung einer Bereinigung der Wähler der 3. Klasse. Zum 1. Vorsitzenden wurde Töpfermeister Karl Eckhardt gewählt. Der Verein trägt keinerlei politischen Cha­rakter, worauf in der Versammlung besonder» hin« gewiesen wurde.

Herr Zentrum. Wir ent­

nehmen derFuldaer Zeitung" solgertden Bericht:

Au» Oberhessen, 18. Rov. Die aus gestern nach Kirchhain einbernjene Bertrnuensmännerversamm« lung der Zentrumspartei im Wahlkreis Marburg» Ktrchhatn-Frankenberg erfreute sich eines zahlreiche» Besuche». Au» allen tn Betracht kommenden Ee meinden waren die gewählten Vertreter und teil, weise auch die Stellvertreter erschienen. Vom ge> schäftsführenden Ausschuß in Fulda nahmen u. a. blt Herren Kaufmann Robert Kircher und Amtsgerichts- rat Landtagsabg. Rhiel an der Versammlung teil. Der Vorsitzende, Herr Pfarrer Ebel, wies in seiner Begrüßungsansprache vor allem darauf hin, wie not­wendig gerade in diesem Wahlkreise die Einigkeit sei, die allein die ca. 2400 Zentrumsstimmen in wirk- samer Weise zur Geltung bringen könne. Herr Rob. Kircher verbreitete sich dann über die allgemeine po­litische Lage und übet die Stellung des Zentrums zu den im Wahlkreis vertretenen Parteien. In der sich nun entspinnenden regen Diskussion ergriffen zum Teil wiederholt die Herren Landtagsabg. Regie­rungsrat Klocke-Treysa, der ZShlkandidat des Zen­trums bei der letzten Reichstagswahl, Landtagsabg Amtsgerichtsrat Rhiel, Dechant Kräh, Pfarrer ®tu| und der Referent das Wort. Allgemeine Urbeteit« stimmung herrschte in der Versammlung darüber, das unter keinen Umständen die Zentrnmswähler für bei sehr weit links stehenden Kandidaten der Demokrati­schen Bereinigung, Herrn v. Gerlach sich gewinne» lassen dürften. Eine Richtung, die liberale Kultur­politik treibe, die die Verweltlichung der Schule, die Trennung von Kirche und Staat erstrebe, die für da» für die Landwirtschafi verhängnisvolle Freihandels­system schwärme, stehe im krassesten Gegensatz zu den Grundsätzen der Zentrumspartei, und kein treuer Zentrumsmann könne und dürfe da mithin. Im übrigen werde es, da wir noch ein ganzes Jahr bi» zu den Wahlen Zett hätten, das Beste sein, diese Frage, ob man einen eigenen Kandidaten ^ufftelle» oder für den Vertreter einer rechtsstehenden Partei gleich im ersten Wahlgang stimmen solle, einer spä­hen Versammlung zur Entscheidung zu überlassen. Im weiteren wurden noch recht beachtenswerte Vor­schläge zur weiteren Verbreitung der kathol. Presse gemacht, um in allen Gemeinden immer mehr Inter­esse und Verständnis für das öffentliche Leben und für die Zentrumspolittk zu wecken und zu fördern. Der einmütige Verlauf der Dertrauensmännerver« sammlung bietet eine Garantte dafür, daß es um die Zentrumssache in Oberhessen gut stehe."

Diese bündige Absage hat Herr v. Gerlach wohl nicht erwartet, an zarten Versuchen seinerseits, da» Zentrum zu gewinnen, hat er es ja nicht fehlen lassen. Wer weiß, welche Bedeutung bet der Stich­wahl die Stimmen der Zentrumspartei in unser« Wahlkreise haben, wird sich seine Schlüsse selbst ziehen können.

verlassen zerlassen, verlassen bin ü? Da» Ver­hältnis de» hiesigen Freisinns zu Herrn v. Gerlach haben wir bereits öfter behandelt, wir wußten, daß fich seit etniger Zeit wohl gerade die angesehensten '