Einzelbild herunterladen
 

uni» den Beilagen:Nach Feierabend" (wöchentliche Unterhaltungsbeilage) undLandwirtschaftliche Beilage."

-

M271

'r)reOoerhessijche Zeitung" erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage. Der Bezugspreis beträgt viertel­jährlich durch die Post bezogen 2,25 JL lohne Bestellgeld), bei unseren Zeitungsstellen und der Eroedition sMorkt 21). 2.00 «AL (Für unverlangt zugelandte Manuskripte übernimmt die Redak­tion keinerlei Beron!mortung.)

Marburg

Sonnabend, 19. November 1910.

Die Jnsertionsgebübr beträgt für Inserenten aus dem engeren Verbreitungsgebiei des Blattes für die 7a->^nltene Zeile oder deren Raum 16 L, für auswärtige Inserate 20 A, für Reklamen 40 4. Druck und Verlag: Zoh. Aug. Koch, Untversttäts-Buchdrnckerei. Inbvb--» Dr. K ?>i- > ' 'rdnrg, $?nrff 21. 5a.

45. Jahrg«

Der heutigen Nummer liegt bei Kreisblatt Nr. 93.

Tie Aufgaben des Rei-tstags

22. tritt der Reichstag zusammen. An­fang Dezember wird Wohl die erst Lesung des Etats stattfinden und damit die Generaldebatte, auf die sich meistens das Haupli fteresse der Oeffentlichkeit richtet. Ueber die Unerquickltchkeit der innerpoltlischen Situation br:.cht kein Wort verloren zu werden. Die Parteitage ist nach allen Richtungen hin soweit erörtert, daß etwas Neues kaum mehr zu sagen bleibt. Da durch das viele Reden über die verschiedenen Blöcke doch nichts vorwärts gebracht und die Parteitage nicht . geändert wird, wäre es Wohl besser, die Oeffentt lichkeit und der Reichstag selbst würde sein Hauptaugenmerk nicht auf den sattsam bekannten . Zustand unseres Part.iwesens, sondern auf die sachlichen Vorlagen lenken, die er noch zu er­ledigen hat. Diese Vorlagen find derart, daß fte da? Interesse und die Mitarbeit der Oessentlich- keit nicht nur verdienen, sondern erfordern. Schließlich kommt es doch nicht auf die Reden und die Partei an, sondern auf Taten und brauch­bare Gesetze, die etwas vorwärts bringen.

Der Reichstag wird eifrig zu arbeiten haben, um d-ese Vorlagen noch zu erledigen. Da kommt zunächst die elsaß-lothringische Ber­fa s s u ug r f r a g e, gewiß ein schwieriges Problem rmd für di« Entwicklung des Reiches eine Frage MW Ranges. Die Vorlage geht numüchr dWiMrndesrat zu und dürfte von ihm, da der Entwurf Wohl aus die Wünsche der Bundesstaaten schon Rücksicht genommen hat und den Regier«rAen bereits bekannt tst, schnell er­ledigt werden." Wan stelle sich vor, wie eine Frage ähnlicher Art, wenn sie z. B. die irische Frage 6 .'trifft die öffentliche Meinung in England be­schäftigen und beherrschen würde, und man wird nicht leugnen können, daß ihre Wichtigkeit tn Deutschland nicht überall gebührend gewürdigt wird.

Aus der vorigen Session verbleiben dem Reichs­tag die R e i chs v e r s i ch e r u n g s o rd n u n g und die Strafprozeßordni.ng, welche beide von Reichs'agskommisstoncn während des Sommers beraten worden sind. Die Reichsver- sicheiungsordnung wird wohl unter Dach und Fach kommen, trotzdem die Materie recht spröde und verwickelt ist. Es ist keine leichte Aufgabe, unser ganzes bestehendes Versicherungswesen ein­heitlich zu regeln und zu kodifizier o gleich noch einige wesentliche Lücken ausgefiill. und Zu­sätze gemacht werden müssen. Auch die Straf­prozeßreform ist wichtig genug. Die erheblichen Mißstände unseres Prozeßwesens, die bei man­chen Gelegenheiten der jüngsten Zeit reibt drastisch in die Erscheinung getreten sind, dürfen nicht länger bestehen bleiben. Im übrigen wird sich der Reichstag noch mit den Schiffahr'sabaaben zu beschäftigen haben. Wir können es verstehen daß

28 r' - p-rbe'.e" )

Xr Christiane Tanner.

Roman von Claire v. Glümer.

(Fortsetzung.)

Neun Cara nur etwas anderes gewesen wärek So sehr esschik" ist, wenn sich eine junge Dame ä la Jockei benimmt Schul jungenmanieren sind unerlaubt und ganz jfchuljungenhaft erschien ihm Cara, als sie jetzt, bei Christiane angelangt, de» Arm der Freundin faßte, und indem sie die Rose hoch erhob, ihren Verfolgern ein atmenloses:Hurra! gewonnen!" ptrief.

Aber er mußte sich überwinden. Schnell von rückwärts herantretend bemächtigte er sich der kleinen Hand, entzog ihr die Rose und befestigte sie zwischen den Knöpfen seiner Uniform.

Das gilt nicht!" rief Cara, die sich entrüstet zu ihm wendete.

Das gilt nicht!" riefen auch die Kameraden, die eben ans Ziel gelangten, und als Christian behauptetet, flinke Finger könnten ebensogut Preise gewinnen tot flink« Füße war di«. Klein« im Begriff, ihm ihr C\,entum mit Ge­walt zu entreißen.

Ein Zuruf der Mutter ließ es nicht dazu kommen.

Mama", rief sie .ihr entgegeneilend.Vettar Christian Leopold benimmt sich über alle Maßen frech!"

Und Du Dich über alle Maßen kindisch... wie eine Wilde siehst Du aus", lautete die ge­flüsterte Antwort; aber Blik und Lächeln nah I men dem Tadel die Scharfe. Wie Christiane fand auch Frau v. Northeimb Caras Aussehen 1

diese Erbschaft aus früherer Zeit der Regierung Kopfzerbrechen macht.

Dann kommt das Staatsangehörig­keit s g e s e tz, auf das der Reichstag ebenfalls bei der großen prinzipiellen und praktischen Be­deutung der Sache Arbeit und Interesse wird ver- wenderc müssen.

Mit der Erledigung aller dieser Aufgaben wird der Reichstag vollauf zu tun haben. Um so bedauerlicher ist es, wenn durch die gegenwär­tige Verbitterung und Verärgerung, durch das ewige Parteigezänk, der Reichstag und die Oeffentlchkeit nicht nur von den sachlichen Auf­gaben abgelentt, sondern auch eine Atmosphäre geschaffen wird, die der sachlichen Arbeit nicht ge­rade günstig ist.

Eine neue Rede des Kaisers.

Unser Kaiser hat vor einigen Tagen, wie wir be­richteten, das Kloster Beuron besucht. Seit langer Zeit unterhält er ja zu der Kongregation der Bene­diktiner gute Beziehungen. Bei seinem letzten Dort­sein hat er nun eine Ansprache gehalten ,die verdient Beachwng zu finden. Sie lautete nach derGer­mania":

Verehrter Herr Erzabt! Ich spreche Ihnen meinen herzlichsten Dank aus für die freundlichen Worte, mit denen Eie mich empfangen haben, und freue mich über die Gelegenheit, der Kongregation einmal einen Besuch machen und Ihnen mein aufrichtigstes Wohl­wollen aussprechen zu können. Von Anfang meiner Regierung an war es mir eine besondere Freude, die Benediktiner in ihren Bestrebungen zu unterstützen, da ich beobachtet habe, daß sie überall, wo sie gewirkt, nicht nur die Religion aufrecht zu erhalten und zu stärken bestrebt waren, sondern auch als Kultur­träger auf dem Gebietendes.Kirchengesanges, von Kunst und Wissenschaft und in anderem sich hervorge­tan haben, eine nicht zu unterschätzende Arbeit. Was ich von Ihnen erwarte, ist, daß Sie in den Bahnen Ihrer Vorfahren weiterarbeiten und mich unter­stützen in meinen Bestrebungen, dem Volt die Religion zu erhalten. Dies ist um so wichtiger, als das 20. Jahrhundert Gedanken ausgelöst hat, de­ren Bekämpfung nur mit Hilfe der Religion und mit Unterstützung des Himmels sieg­reich durchgeführt werden kann, das ist meine feste Ueberzeugung! Die Krone, die ich trage, kann hier nut dann einen Erfolg verbürgen, wenn sie sich grün­det auf das Wort und die Persönlichkeit des Herrn. Als Symbol dafür habe ich das Kreuz in dieser Kirche gestiftet, um damit, wie ich es in meinem Handschrei­ben gesagt habe, zu beweisen, daß die Regierungen der christlichen Fürsten nur im Sinne des Herrn ge­führt werden können, und daß sie helfen sollen, den religiösen Sinn, der den Germanen an­geb o r e n ist, zu stärken und die Ehrfurcht vor Altar und Thron zu vermehren. Beide gehören zusammen und dürfen nicht getrennt werden; darum fördere ich von ganzem Herzen die Bestrebungen, die Sie ver­folgen, wie bisher werde ich Ihnen auch in Zukunft meine Huld und meinen Schutz bewahren."

rrizender als je. und im Rosenraube sah sie eine ritterliche Huldigung, die ihre Hoffnungen belebte.

Selffam, daß Cara so gar nicht begriff! Aber vielleicht war es so gut . . . vieler-ahrene Männer werden durch Unerfahrenheit am sicher­sten bezaubert. Mit glattgeftrichenem Haar und der Mahnung, liebenswürdig zu sein, wurde die Kleine zu der jüngeren Gesellschaft zurückge­schickt, und bald klang ihr Lechen der Mutter wieder zu. die zerstreut an der Seite des Ritt- rne-fttrs wetterging.

Während dieser <en wohlgepflegten Schloß- aarten von Elmenach bewunderte sah sic im Geist den schönen Park von Harchauser. mit den hundertjährigen Bäumen, den Ivetten Rasen- fläch-m, dem großen Teiche, in dem sich das Schloß mit den beiden Ecktürmen spiegelt, und als Herrin dieses vornehmen Besitztums ihre kleine, törichte und doch so entzückende Cara. Alle Sorgen der. Gec-enwart vcrsm i«n neben dem heileren Zukunftsbilde: sie war wieder die leicht­lebige Melanie Northeimb früherer Tage; ver­gaß, wie karg es nm Keller und Küche bestellt war und lud ihre Gäste, da sie nicht zum Abend bleiben konnten, auf den nächsten Sonntag zum Diner.

Aus Wiedersehen, leider erst übermorgen!" sagt- Christian Leopold, als t; seiner älteren Cousine zum Abschied die Hand küßte, aber sein Blick suchte und fand Christianens Augen, und sio verstand, was er ihr sagen sollte.

V,

Verwirrt und erregt war Christiane nach Hause gekommen, hatte zu ihrer Erleichterung di« Tür der Großmutter schon verriegttt gesun-

Anch diese Rede gibt wieder dem tiefer, religiösen nicht konfessionellen Sinn Ausdruck, der unfern Kaiser beherrscht, und über den wir uns freuen.

Wie unsere Demokraten aber aus jeder Blüte Honig saugen, davon in diesem Zusammenhang ein Beispiel. Der Demokrat Haußmann hat in einer Versammlung derFortschritt!. Volkspartei" in Mannheim aus der Rede folgendes gemacht:Wenn Kaiser Wil­helm, so bemerkte er, die Rede, die er im Kloster Beu­ron hielt, auf der Wartburg gehalten hätte, so hätte man den Charakter allgemeiner Sentenzen darin er­blickt. Zu einem Abt, in einem Kloster vorn deut­schen Kaiser gesprochen, daß sich Kirche und Fürsten gegenseitig st ü tz e n sollen, in diesen schwierigen Zei­ten, wo das Jahrhundert neue Gedanken ausgelöst hat (? NB. eine einfache Verdrehung! D. Red.) in diesem Zusamenhang, an diesem Ort bedeutet sie doch für Deutschland eine überaus starke Ueberraschung. Hat der deutsche Kaiser den Schutz der Gewalten, die sich in Klöstern verkörpern, nötig? Da kann man nicht anders fragen: War der verantwortliche Staats­mann, war Bethmann Holweg, damit einver­standen, daß dies« Kundgebung in einem Kloster vom deutschen Kaiser erfolgte? Auch König Manuel glaubte bei den Klöstern den sichersten Halt zu finden und er hat sich geirrt

Diese Ungehörigkeit braucht man nur nie­driger zu hängen, um dem deutschen Volke zu zeigen, wie ungerecht gegen unseren Kaiser gehetzt wird. Dem Kaiser ist es garnicht eingefallen sich auf etwas zustützen", er hat nur seinem religiösen Empfinden Ausdruck gegeben, für das freilich die Herren, denen ReligionPrivatsache" ist, nicht das richtige Ver­ständnis haben. Vogelfrei sollte der deutsche Kaiser im deutschen Lande nun doch noch nicht sein.

Die Moabiter Strakelikrawalle vor Gericht.

Berlin, 17. Rov.

Zu Beginn der heutigen Sitzung sind vor den Richtertisch eine Reihe von Beweisstücken niederge­legt worden, die sämtlich auf den Krawall Bezug haben. Man steht da eingebeulte und eingeschlaqcne Sckutzmannshelme, zerrissene Jacken. Steine usw.

Es wird in der Vernehmung der Angeklagten fori- gefahren. Der Angeklagte Paul Schulz soll mit sei­nem Vater entzweit gewesen sein, weil er sich der so­zialdemokratischen Bewegung angestossen habe. An- aekl.: Jawohl! Vors.: Angeklagter, der Schreiber Wandt soll zu Ihnen gesagt haben: Nimm einmal einen Stein und wirf eine Scheibe ein! Angekl.: Ja­wohl. Vors.: Sie haben dann auch noch nach einer Laterne geworfen? Angekl.: Jawohl. Der Ange­klagte Monteur Albrecht schildert in unverfälschtem bayerischem Dialekt, daß et an dem betreffenden Tage etwas über den Durst getrunken habe. Er sei auf der Wache gefesselt und geschlagen worden. Vors.: Sie sollenBlaue Hunde" gerufen haben? Angekl.: Von blauen Hunden habe ich nichts gesagt. Ich bin ange­trunken gewesen und mag da wohl ein Liedchen vom blauen Himmel gesungen haben. Der Verteidiger bittet, den Angeklagten zu befragen, wieviel et ge­trunken habe. Angekl.: Na, es mögen wohl so 25 Glas Vier und verschiedene Koanaks gewesen sein. Barbier Eisenreich wird beschuldigt, gerufen zu ha­ben:Haut ibn! Der Angeklagte gibt das zu, will

den, und suchte, während sie in ihrem dunflen Kämmerchen am Fenster faß, stm über den Ein­druck Rechenschaft zu geben, den das Zusammen­treffen mit Christian in ihr znrückgelassen hatte.

Aber so sehr ste sich mühte, sie kam nicht zur Klarheit, weder übet sich selbst noch übet ihn. Warum konnte sie sich dieses Wiedersehens, das so lange ihr Wunsch und Traum gewesen wat, nicht von ganzer Seele freuen? Hatte sie Christians Persönlichkeit enttäuscht? Unmög­lich! Er wat als Mann ebenso schön und vor­nehm. wie er ihr als Knabe erschienen war, und aus der Kühle seines W-sens brach noch heute ihr gegenüber in Worten, Ton und Blick dieselbe Wärme hervor wie bei ihrer ersten Begegnung, und wie damals wollte er auch jetzt ihr Freund sein.

Ihr Freund! Warum glaubte sie nicht daran? . . . @Iatib4e sie nicht an fein? Empfin­dung, oder mißtraute sie dem Namen den er da­für wählte? So rubig der Ton gewesen war, in dem er die alte Frage wiederholt hatte was die flammenden Augen begehen, wat mcr'r als Freundschaft.

Erglühend sprang sie auf: es konnte ja nicht fein ihre Phantasie mußte sie getäuscht haben! In dem engen Raume auf und nieder gehend, rief sie sich zurück, was Frau v. Northeimb im Laufe des Ab-nds von den glänzenden Erbaus- sichten des junaen Mannes gefagt hatte; von seiner Beliebtheit bei Hofe, seinen Erfolgen in der Gesellschaft und von den strengen Familien- satzungen in der Heirat des Harthäuser Majoratsherrn. Das waren nicht nur äußere Hindernisse eS waren innere, unüberwindliche Abgründe zwischen dem adelsstolzen Kavalier, dem eitlen, beifavsdursttgen Weltmann«, und

aber gar nicht gewußt haben, wer damit eigentlich gemeint ist. Er habe in bet Aufregung gehandelt, je­doch keine bestimmte Person im Auge gehabt. Glas­maler Wendt hat den Ruf des Eifenteich gehört. Wahrscheinlich habe der Angeklagte die Schutzleute gemeint. Vors.: Wie kamen Sie denn eigentlich zu einem geladenen Revolver? Angekl.: Den hatte ich von einem Freunde gekauft. Vors.: Sie wußten aber doch, daß in diesen Tagen schwere Unruhen erfolgten, und da liefen Sie einfach mit einer Waffe umher? Angekl.: Es wat ja nur eine Patrone drin, und die hat bet Verkäufer lediglich hineingelegt, um mit den Lauf zu zeigen. Ich habe keine bestimmte Absicht im Auge gehabt. Vors.: Was haben Sie denn mit der Steinschleuder bezweckt, die bei Ihnen votgesunden worden ist? Angekl.: Sie hat gar nichts zu bedeuten, jeher Mensch, der sie siebt, kann das bestätigen. Kunst­maler Weidemann erklärt, daß er nichts mit del Sache zu tun habe. Er sei erst an die Straße gekom­men, als die Unruhen vorüber waren. Die Ver­nehmung wird noch weiter fortgesetzt, und fast all« Angeklagten leugnen, sich irgendwie schuldig gemacht zu haben. Nach Schluß der Vernehmung der Ange­klagten erklärt der Staatsanwalt: Mir müssen erneut dazu Stellung nehmen, inwieweit weitere Haftentlas­sungen erfolgen können. Es ist nickt leickt. jetzt, wo die Angeklagten alles abstteiten und die Polizei be­lasten. zu dieser Frage Stellung zu nehmen. Immer­hin liegt doch bei einigen Angeklaaten die Sache einigermaßen klar. Der Staatsanwalt beantragt besf halb bei brei weiteren Angeklagten bie Aushebung bet Haftentlassung. Diesem Anträge stimmt das Ge­richt zu. Die Haftbefehle gegen bie übriaen Ange klagten werden aufrecht erhalten, weil bie Gründe zu ihrer Verhaftung heute noch mak-nebend seien. Da­raus wird die Verhandlung auf Freitag vertagt.

Deutsches Reich.

Vom Kaiser. Donaueschingen, 17. Rov. Der Kaiser besichtigte heute Vormittag in B» gleitung des Fürsten von Fürstenberg bie fürst­liche Brauerei. Der Kaiser ist heute Nachmittag nao) 2^4 Uhr von hier abgereist. Er ivurde von dem Fürsten zu Fürstenberg zum Bahnhos ge­leitet.

Die Arbeiten be8 Bundesrats. Berlin, 17. Rov. Der Bundesrat stimmte dem Entwurf des Gesetzes gegen die Mißstäiwe im Hetlge- werbe zu.

Zur Fleischeinfuht. München, 17. Rov. Nach amtlicher Mitteilung wird die Einfuhr vor Schlachtrindern und Schlachtschweinen aus Frank­reich nach Bayern in einigen Tagen mit der Maß­gabe gestattet werden, daß wöchentlich eingebracht werden dürfen: in den Schlachthcf Augsburg 100 Rinder und 100 Schweine; Hof: 50 Rinde, und 200 Schweine; Kaiserslautern: 100 Rinder und 200 Schweine; Ludwigshafen: 150 Rinder und 200 Schweme; München: 500 Rinder und 400 Schweine; Nürnberg: 300 Rindet und 400 Schweine und Regensburg: 70 Rinder und 100 Schweine. Der Einführende hctt spätestens fünf Tage vorher bei der Schlachthofdirektton des Be­stimmungsortes unter Angabe der Stückzahl an» zufragen, ob bie Zulassung nach Maßgabe beS Wochenanteils gestattet werben kamt.

---*---

bet Namenlosen, bie Christiane Tanner genannt würbe. Aber tat sie ihm nicht unrecht? Wußte sie nicht aus seinem Munde, daß «r sich gegen daschinesische Zeremoniell" der Gesell- fchaft auflehnte, wenn es feinen Herzens­wünschen hinderlich war und wenn er liebt« ... fie wollte den Gedanken nicht weiter» spinnen.

Ans Fenster tretend, sah sie in den Hos hin­unter, der vom untergehenden Mond spärlich beleuchtet war.

Eng und grau wie mein Leben, bis mich Cara an ihrem heiteren Dasein teilnehmen ließ," sagte sie zu sich selbst. Wie kam es, daß ihr iw diesem Augenblicke Wflhelms Warnung vordem Verkehr« int Schlosse einfiel, und daß ste Jonathans Sttmme wiederholen hötte:Ich hätte Mathilde Tanner geheiratet; ihr vor­nehmer Galan dachte nicht daran."

Ein Schauder ging ihr durchs Herz, wie da­mals, als sie die Worte in Wirklichkeit anhören mußte; aber im nächsten Moment hob sie stolz den Kopf. Unnötige Mahnung! Christian von Parnim war nicht wie wie jener andere, ste nicht, wie ihre arme Mutter; auch war zwischen ihr und Cdristtan von Liebe nicht bie Rede. Warum sollte sie sich des Beisammenseins nicht erfreuen, von dem sie beide nichts ermatteten und begehr­ten, als ein paar fonnig« Stunden? Ueber» morgen würden ste sich Wiedersehen Cara hatte die Einladung der Freundin durchgefetzt.

Mit der Vorfreude auf die-Uebermorgen" legte sich Christiane nieder und blieb bie ganze Nacht im Traume wie im Wachen damit be­schäftigt.

(Fortsetzung folgt.)