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mit dem Kreisblatt'für die Kreise Marburg und Kirchhain

Mnt> den Beilagen:Nach Feierabend» (wöchentliche Unterhaltungsbeilage) undLandwirtschaftliche Beilagen

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yviL>herk'ei,r,ch« Ze-ruag» erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage. Der Bezugspreis beträgt niertel- jährlich durch die Post bezogen 2,25 M sohne Bestellneld), bei unseren Zeitungsstellen und der Ervedition sMnrkt 21). 2.00 lFür unverlangt zugesandte Manuskripte übernimmt die Redak- Hon keinerlei ^" orhitift)

Marburg

Freitag, 18. November 1910.

Die Jnsertionsgebübr betragt> unseren: ' aus dem enaeren Verbreitungsgebiet des Blattes für die 7g-^»ltene Zeile oder deren Raum 15 für auswärtige Inserate 20 , für Reklamen 40 4- Druck und Verlag: Joh. Aug. Koch, Universitäts-Buchdrnckerel. ft-boN»» Dr. (T f'i' ' ^rbnrg.

Merkt 21..

45« Jahrg.

Zweites Blatt.

Hmissens E folge.

Vor kurzem hat der dänische Abgeordnete zum deutschen Reichstage, Herr Hans Pet r Hanssen, mit seinen Gegnern in der Partei abge­rechnet und dabei seine Verdienste in ein helles Licht gerückt. Man braucht nun nicht jedes sei­ner Worte auf die Goldwgge zu legen, bei solcher Gelegenheit pflegt erfahrungsgemäß etwas dick ausgewogen zu werden. Daß cb r Hanssen sich seine Erfolge blank aus den Finger.» gesogen hat, ist undenkbar, wäre er doch dem Fluch der Lächerlichkeit unrettbar verfallen, wenn sich zei­gen sollte, daß er nur renommiert hat. Seine Gegner machen ihm zum Vorwurf, daß er am 19. Dezember 1906 für die Kolonialforderungen der Regierung gestimmt habe, während bis da­hin die Dänen gegen alle Forderungen der Re­gierung gestimmt hatten. Hanssen konnte nun darauf Hinweisen, daß er durch seine Hal'.unz anderweitige Erfolge erzielt habe. Der Optant-mvertrag vom Jahre 1907, der die nord- märkische Bevölkerung wie ein Blitz aus heite­ren: Himmel traf, über den offenbar von den bc- mn'etn Personen in der Nordmark niemand und über den von den deutsch gesinnten Abgeord­neten auch niemand gutachtlich gehört worden war, kam einzig und allein dem dänisch gesinn­ten Abgeordneten nicht übreraschend. Da ivar es denn nicht verwunderlich, daß Hanssen für die Kolonialforderungen eintre^en mußte, konnte er doch dafür einen großen Erfolg für seine Partei einheimsen. Ja, er erreichte noch mehr. Er setzte es schließlich durch, daß die aufgenom- men n Optantensöhne in bezug auf ihre Militär­pflicht so human wie möglich behandelt werden sollten. Wir wisie« es nun also genau, wem wir es zu verdanken baben, daß die älteren, immer hin aber dienstfähigen Op antensöhne fast alle vom Heeresdienst freikommen, was s. Zt. unter den deutsch gesinnten Nordmärkern starke Ver­wunderung, ja Mißstimmung erweckte. Schließ­lich ist es Hanssen auch geglückt, zahlreichen Optanten hier Heimatrecht zu erwerben, denen es laut Vertrag nicht zustand. Daß er auf diesem Gebiet nicht noch vielmehr erreicht, schreibt er der unklugen Haltung seiner Gegner in der eigenen Partei zu. Da dürste er in dem Bestr-ben, Letz­teren einige bittere Pillen zu drehen, etwas Weil gegangen sein. Der Optantenvertrag erregte in den Kreisen der nordmärkiscken Deutschen starke Verstimmung, und man versäumte nickt, an der Hand von Tatsachen darauf hinzuweisen. wie die N"uaufaenommenen ihren Dank durch Ein­tritt in die dänischen Kamvsvarteien der deutschen Regierung abstatteten. Na'ürlich bot das Auf­treten der Junadäven geaen Hanssen, aber auch gegen das Deutschtum den Ncrdmarkd"utschen noch willkommene Geleaenheit, toePe Kreise im deutsche» Vaterlande über die wahre Gesinnung des Dänentnms a«kmklären. Dieser Tätigkeit werden wir es in erster Linie u danken haben, we»n .ftansken auf dem Gebiete der Optanten­ausnahme keine größeren Erfolge mtfiutoci?en h"t. Aber auch in Bezug auf das Vereinsoeketz $6at er manches erreich«. Früher als andere Ab ^geordnete wuß^e er davon Bescheid daß für dos Getetz ein Sprackverbot vorgesehen sei und 'konnte es nun durchsetze». daß ;n den Gegenden Nordlchleswios, wo über 60 Prozent dänisch spreeben in den erste» 20 Jahren in Vereinsver- sammluna"n und später noch in Wablverlamm kunae» dänisch gesprochen werden dark Absolut nötig ist das nickt, denn die Rordschleswiaer. d>e am. öskentliche» Leben teilnebm-n, verstehen mit verschwindenden Ausnahmen genügend deutsch. Aber dänisch muß gesprochen werden, um die Fiktion aufrecht zu erha-'ten, daß Nord­schleswig dänisches Land sei. Daß Hanssen ge­rade daran etwas gelegen ist, beweist am besten, vo» welcher Art seingemäßigtes Dänentum ff-

Deutsches Reich.

Höchste Zeit für die Enteignung? Eraudenz, 18. Nov. Zur Frage der Enteignung wird demGe­selligen» von zuständiger Seite mitgetetlt, daß das

Plenum der Ansiedlungs-Kommission unverrückbar auf dem Standpunkt steht, daß es höchste Zeit sei, mit den Enteignungen zu beginnen. Dieser durch die eiserne Notwendigkeit bedingte Standpunkt der An­siedlungskommission sei der Ctaatsregierung auch seit Jahresfrist bekannt. Die Ansiedlungskommission wünscht dringend die Enteignungsmaßnahmen.

Gegen den Grotzblock. Frankenthal, 11. November. In einer recht gut besuchten Ver­sammlung des . Na ionalliberalen Vereins für Frankenthal und Umgebung referierte Landge­richtsrat Erbelding aus Frankenthal über. den Eaffcler Parteitag, wobei er zu dem Ergebnisse kam. daß in der Pfalz die na ionalliberale Partei zwar kein Bündnis, aber eine taktische Verein­barung mit Rechts haben müsse. Ganz entschieden wandte sich Herr Erbelding gegen den Großblock, und auch der nachfolgend? Redner der Land- tagsabgeordnete Buhl, sagte:Ich würde nie­mals eine Grobblockpolitik weder im Reiche noch in Bavern. mitmachen.»

Kapitulanten und landwirtschaftliche Aus­bildung in der Armee. Unser neues MannschaftZi versorgunosg-'setz hat in das Versorgungswesen der Militärinvaliden ein neues Moment hincin- geiragen. nämlich das der einmaligen Abfindung der 12 Jahre gedienten Kapitulanten anst-lle der Uebergabe des Zivilversorgungsickreines mit einer Summe von 1500 Jl. Diese Maßnahme hat zum Ziel solchen Kapitulanten die durck Fa- milienverhälnisse oder aus persönlichen Gründen ein Unterkommen im Privatleben finden können, eine Summe mt die Hand zu g'ben, mit der sie im Wirtschaftsleben den Anfang zu machen in die Lage versetzt werden. Angesichts des in den letzten Jahren cinaeführten landwirtschaftlichen Unterrichts in jer Armee drängt sich die Frage auf, ob hier wohl ein Weg sich fände, einen Teil der Kapitulanten im praktischen Leben statt im Beamtenbcnife unterznbringen. Wie die Ver­suche des letzten Jahres im Bezirke d s Bereiches des 2. Armeekorps gezeigt Haber sollen stck diese Kurse bei den Unteroffizier?» und Mannschaften, ja auch bei den Offizieren einer steigenden Be­liebtheit erfreut haben. Es steht zu erwarten, daß sich hier und da wohl auch Kapitulant-m finden werde», die in den landwirtschaftlichen Beruf überzutreten wünschen. Uebertriebenen Ho'f- nungen darf ma» sich in dieser Hinsicht aber kaum hingeben, denn frühere Versuche, die Militäv- invaliden als praktische Landwirte anzusiedeln, sind kläglich gescheitert. So sind uns eine Anzahl von Erlassen aus dem Anfänge des vorigen Jahrhunderts bekannt, welche in dieser Bezieh­ung keinen Zweifel darüber lasten, daß damals diese Maßnahme verfehlt war. Man wird also zunächst auch die jetzigen Bestrebungen mit Ge­wehr bei Fuß beobachten müssen, da ein allzu großer Optimismus zunächst kaum eine Berech­tigung hat und in den Kreisen der Unteroffiziere auch nickst besteht Jedenfalls steht aber fest, daß durch solche praktischen landwirtschaftlichen Ueb- ungen die Liebe zur Scholle und zum Landleben sebr gehoben wird. Auch das wird uns nicht schädlich sein. Es ist zu wünschen, daß sie auch wieder mehr Eingang bei den Beamten finden.

A-'s nnderen Blattern.

Stimmen der Preste. Zum Moabiter Prozeße schreibt dieRheinisch-Westfälische Zeitung":

Der rote Faden, der sich von dem so selbstbewußt in den Saal eintretenden Landtagsabgeordneten Ströbel hin zu den Schächern auf dem Armensünder­bänkchen zieht, *mn selbst dem politisch Blinden kaum noch verborgen bleiben. Leute vom Schlage der Ströbel, Hoffmann, Ledebour und Stadthagen, gehören zu jenen großen llebeltätern, die man leider laufen lasten muß, während die Kleinen dafür büßen müssen. Wer Wind säet, wird Sturm ernten. Und als Sämänner haben die Genannten es an der auf- hetzenden Tätigkeit in Berlin nicht fehlen lasten. Das eigenartige Bild, das sich in Moabit entrollte, ist nach jeder Richtung hin charakteristisch. Schon die ganze Zusammensetzung der aufgebotenen Zeugen und der Angeklagten zeigen uns, daß diesesmal Bürger­tum und Rechtsstaat ziemlich geschloßen der roten Internationale und dem sich an seine Schöße hängen­den Janhagel gegenüberstehen. Ans der Art der Ver­handlungen, die sich Voraussicht h über Wochen er­

strecken dürften, und dem Endresultat werden wir er­sehen, ob der Staat von heute die nötige Energie be­sitzt, um so einzugreifen, daß seine Maßnahmen nicht nur der Stunde gerecht werden, sondern aus längere Zeit hinaus vorbeugend wirken."

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Wilhelm Raabe ch. B r a u n s ch w e i g , 15. November. Wilhelm Raabe ist heut» Abend 5% Uhr sanft entschlafen. Neber die letzte» Stunden Wilhelm Raabes berichtet dieLandesMung": Raabe konnte seit längerer Zeit des Zimmer nicht mehr verlaßen; ex litt an einem langwierigen Blasenleiden und verbrachte den Tag meistens im Bett. Heute Nacht machte sich ein starker Schwächeanfall bemerkbar. R be hc deshalb das Bett nicht verlaßen können Während des Tages sprach er wiederholt, konnte ober nicht verstanden werden. Als feine Ga 'in eine Stunde vor seinem Ableben mit der Hand über seine Stirne strich, bewi rkte er vernehmlich:Das ist schön" Dies waren seine letzte» Wo ste. Eine Stunde später verschied er sanft und ol)re Todes­kamps, Am Sterbelager waren vcn seinen näch­sten Verwandten, seine drei Töchter, von denen zw-i verheira'et sind, sein Bruder, der Oberamts­richter Raabe-Braunschweig und sei» Schwieger­sohn Dr. Waßerfall-^iel, sowie der ihn behaw- delnde Arzt versammelt.

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Darmstadt Uebungsplatz 11. Nov. Prinz Heinrich von Preuße» absolvierte heute mit einer Euler-Flugmaschine bei ziemlich heftiaem Winde auf dem Darmstädter Truppenübungsplatz einen Rundflug von 4 Kilometer Länge ir ?twa 10 bis 15 Meter Höhe in Gegenwart d-r amtlichen Zeit­nehmer des Deutsche» Luftschifftrverbandes.

Unpolitische Tagesnachrichten

Erdbeben. Paris, 15. Nov. In Boghain, Algerien erfolgte gestern ein harke-, Erdbeben, das beträchtlichen Sachschaden anrichtete. Dfi Bevölkerung, die durch die seit einigen Monaten wiederholt erfolg en Erdersck-üst-'rnngen lebhaft beunruhigt ist. kampiert zum größten Teil im Freien.

Nachwehen zum Eisenbahnerstreik. Paris, 15. Nov Auf An'rag des Untersuchungsrichters wurde der Sekre'är der Rordbabngruppe des Eisenbahnsvndikotes Fiollet verhaftet, weil fest gestellt wurde, daß er der Verfaßer der bei mehreren Mitpli-'dern des Streftko'. Kees vorge­fundenen Briefe fei in denen Anwistngen zur Sabotage der Lokomotiven und der Signale er­teilt werden.

Verhaftete Falschmünzer. A'tölling, 15. Nov. In Tittmoning wurde ehte mehr- kövfige Falschmünzerbande verhaftet. Es scheint stck um eine Bande zu handeln, deren Falsch münzerwerkstätte vor einigen Tagen in dem hie- sigen Staatsforst entdeckt wurde. Der Anführer der Bande, ein Böhme, ist entkommen. Die Logtsfrau, bei der die Faschmünzer wohnten, wurde ebenfalls verhaftet.

Zugentgleisung. Schloß Holte (West­falen), 15. Rov. (Amtlich.) Heute Morgen ent­gleisten aus Weiche II des Bahnhofes Schloß Holte die letzten vier Wagen des PersonenzugeS 653. Ein Personenzug wurde umgeworsen. Sechs Personen erlitten Kopfverletzungen, fünf leichte Abschürfungen. Ein Ger'stewagen ist an- g fordert worden. Der Verkehr wird auf Gleis III aufrecht erhalten.

Opfer des Alkohols. K o t t b u s, 15. Rov. In Kathlow, Kreis Kottbus, stieß gestern früh der Eigentümer Krüger seinem erwachsenen Sohne aus Unmut darüber, daß ihm dieser Geld für Schnaps verweigerte, ein Meßer ins Herz. Der Sohn war sofort tot.

Zur Explosion aus dem SchachtIda". B e u t h e n , 15. Rov. Durch die Explosion im SchachtIda» der Georggrube wurden zwei Ar­beiter getötet und zwei so schwer verletzt, daß an ihrem Aufkommen gezweifelt wird. Eine Anzahl Arbeiter wurden leicht verletzt.

Luftschisfahrt. Essen, 15. Nft Von den am Sonntag aufpestiegenen neun Ballons des Riederrbeinischen Vereins für Lust'chifsahrt sind acht gemeldet. Der BallonS-.ar", Führer Leutnant Bommeler vom Infanterieregiment Rr. 70. Mitfahrer Hauptmann Lange von demselben Regiment und Herr Zimmermann Elberfeld, wurden anscheinend auf die Nordsee hinausge­trieben. Es ist möglich, daß der Ballon in Skan. dinavien gelandet ist. Wilhelmshaven, 15. Rov. 20 Torpedoboote wurden abgesandt, um den BallonSaar» in der Nordsee zu suchen.

Die Hamburg-Amerika-Linie. Hamburg. 15. Rod. Die Hamburg-Amer' c? Linie steht im Begriff ihren persischen Dienst zu erweitern und zu konsolidieren. Sie kaufte zu diesem Zwecke die beiden DampferTu<iftan» undGerjistan* an, die erst vor Einigen Jahren fiir eine der in diesem Verkehr fül'renden englischen Reedereien erbau' worden sind. Die Dampfer gelangen in wenige» Monate» zur Ablieferung und werd ti dann sofort ihrer neuen Bestinrmunp zugeführt.

Mefferstecherei zwischen ausländischen und einbeimifdm Arbeitern. Essen, 15. Rov. Heute Recht en'stand in Berbeck zwisck cn -u-kändischen und einheimischen Arbeitern ein Streit, bei dem ein Rumäne namens Bora durch Messerstiche ge- tötft und ein Oesterreicher schwer verwundet wurde. Zwei weitere Personen wurden leicht verletzt. Di? Polizei verhaftete sieben Teil­nehmer an der Ausschreitung.

Graf Tolstoi. Tula. 15. Rov. Der Zustand des aus der Station Astapowo erkranften Grasen Tolstoi wird von den Aerzen als sehr ernst be­zeichnet. Tolstois Gemahlin und Söhne stnd nach Stafion Astapowo abge-eist. Asta­powo, 16. Rov. Tolstoi leidet nach Aussage der ihn behandelnden Aerzte cn Lungenentzün­dung. Die Temperatur beträgt 39,b Grad. Die Krankheit Tolstois wurde von den Aerzten endgülttg als Lunaenentzündung f stgestellt; der Zustand des Kranke» ist sehr ernst; doch nicht hoffnungslos. Heute früh war die Temperatur 37 Grad.

Die Cholera.-K oustantinopel, 15. Rov. Die Cbolera dauert in der Stadt mit unveränder­ter Stärke fort. Täglich werden über 20 Fälle verzeichnet.

Kunst und Wissenschaft.

-st- Kopenhagen. 15. Rov. Der Kunstmaler Profeflor Julius Exner ist im Alter von 85 Jah­ren gestorben.

Berokttwortlich für die Redaktion: Dr phil. Earl Hitzeroth in Marburg.

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