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,-d j)tn Beilagen:Nach Feierabend" (wöchentliche Unterhaltungsbeilage) und.Landwirtschaftliche Beilage."

Marburg

Frettag, 18. November 1910.

Die InferttonsgebShr beträgt für Inserenten aus dem engeren Verbreitungsgebiet des Blattes für die To^-iltene Zeile oder deren Nanni 15 für auswärtige Inserate 20 .Z. für Reklamen 40 L Druck und Verlag: Zoh. Bug. röo), Universitäts-Buckdruckerei. Inboh-r Dr. E. ^i rrbnrg,

Wirft 21. 55.

DieOüekhessisihe Zeitung" erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn» und Feiertage. Der Bezugspreis beträgt vicrtel- jährlich durch die Poft bezogen 2,25 M (ohne Bestellgeld), bei

unseren Zettungsstellen und der Ervedition sMnrkt 21), 2.00 JL (Für unverlangt zugesandte Manuskripte übernimmt die Redak­tion keinerlei <n(>r!l]i;mnrtunq.)

Erstes Blatt.

Tie blutende Wunde des Vaterlandes/' knp. In einer der Sitzungen d r ftanzösischen Kammer, in denen um das Schicksal des Ministe­riums Briand und die von diesem Sozialisten ge­handhabte Politik der starken Hand gekämpft wurde, erklärte der Radikale Pelletan, früh r Minister und heute noch ministrable, daß er wie Viele andere die Wunden von 1870 noch nicht vergessen habe. Er gehöre zu denen, die aufs tiefste Bedauern, daß die Jugend so schnell ver­gesse.Nennt mich einen Chauvinisten, wenn der ein Chauvinist if., der die blutende Wunde des Vaterlandes im eigenen Herzen osfenhält."

Der Bericht verzeichnet hier Beifall im ganzen Hause, nur die Sozialdemokraten hätten sich dies­mal nicht daran beteiligt.. Mit der pathetischen Aufforderung,entehrt unser Banner nicht", hat danu der Redner unter wiederholtem begeisterten Brisall geschloffen. Man weiß zwar nicht was die Ereignisse von 1870 mit dem Eisenbahner­streik von 1910 zu tun haben und konnte die -be- ziehungsreichc Anspielung daran,' für eine rheto­rische Entgleisung halten, wenn sie nicht eben den lebhaften Beifall bei den Freunden dc, Redners ausaclöst hätte. Dann soll man nicht vergessen, daß die Radikalen von jeher fär Friedensfreunde gegolten haben und ihre Wortführer, darunt.r auch Herr Pelletan. auf den Kongressen der Pazi­fisten stets für den ewigen Frieden -ingetreten find. Dieser ewige Friede r>at eben für den Fran­zosen stets eine Vorbedingung, die dr Redner deutlich genug bezeichnet hat. Und darin gibt cs bet ihnen kaum einen Unterschied der Parteien. Wenn es sich in diesem Fall" nicht um eine Streik­bewegung, also um eine sozialdemokratische Ak­tion. gehandelt hätte,, so wäre der Beifall im ganzen Hause auch bei den Sozialisten allgemein gewesen.

Das erinnert an jene Geschichte, die Moritz Hartmann, der Miene- Achtundvierziger, in sei­nen Denkwürdigkeiten erzählt. Nach dem Sch b fern der Revolution in der Heimat war er nach Paris geflüchtet, das Herz erfüllt von den Ide­alen der Völkerverbrüderung, die das nunmehr befreite französische Volk allen unterdrückten Nationen bringen werde. Dafür fand er volles Verständnis bei den französischen Revolutionären, die ebenso für die allgemeine Freiheit und Brüderlichkeit der Völker schwärmten. Er wurde eines Tages aber fet f>m enttäuscht, als man die­ser Frage einmal praktisch näherirrten wollte Ein Krieg sei noch nötig, wurde ihm mit der klaren Selbstverständlichkeit, mit der heute Herr Pelletan die offene Wunde im eigenen Herzen, von den damaligen Radikalen und Friedens­freunden erklärt, nämlich der Krieg mit Deutsch­land. der das linke Rheinufer mi. den aTtcn frän­kischen Königsstädten Trier. Köln usw. zum alten Stammlande, zu Frankreich bringe. Hartmann War etwas verblüfft bei dieser Ankündigung und damals aing ihm, wie er später unter veränder­ten Verhältnissen mit einer gewissen Heiterkeit

27 (a7«-t,xri,y verboten.)

Christiane Tanner.

1 Roman von Claire ». Glümer.

l Fortsetzung.)

So kurz von Gedächtnis^ antwortete .er Fällt Ihnen auch jetzt nichts ein? Besinnen Sie sich; keine Auskunft auf meine Frage nach Ihrem Familiennamen, keine Arttwort auf bk warmen Grüße, die ich Ihnen durch den großen, blonden Jungen geschickt habe."

Christiane schlug das Herz; sic hatte ihm un­recht getan!

Sonderbar", sagte sie, während ste sich, um nicht aufsehen zu muffen, mit ihrem Strauß be­schäftigte:Wilhelm hat mir nichts au8g<i= richtet."

Parnim lachte; dann sagte er ernst:Wenn Sie wüßten, wie es mich beglückt, Sk von der Unfreundlichkeit freisprechen zu können, die mir damals nein, bis zu diesem Augenblicke so weh getan hat! Ja, lasten Sie mich's gestehen, ich habe den Eindruck uns'rer flüchttgen Begeg­nung nicht loswerden können.

Durch alle die Jahre hat mich das Verlangen begleitet, die kleine Ungetreue wieder zu seh n, der ich in knabenhafter Schwärmerei meine Freundschaft anbot . . . wissen Sie noch?"

Der heiße Blick, mit dem er ihr bei diesen «orten in die Augen sah, durchschanerk sie.

Ich erinnere mich," antwortete sie mit er­zwungenem Lächeln, indem ste ihre Schritte be­schleunigte;aber vorbei sind die Kinderspiel« und alles rollt vorbei . . ."

Richt alles!" rief Parnim;Sk glauben dak auch nicht und . ,. bitte, gehen Sie nicht

berichtete, der Gedanke auf, daß die Völkerfreiheit kein französisches Exportgut, sondern wol auch eigenwüchsig auf anderem Boden gedeihen könne. Auch daß die Abrechnung zwischen Deutschland und Frankreich anders ausfallen müsse, etwa so, wie sie jetzt noch als Wunde im französischen Herzen brennt.

In der Gegenwart haben sich bk französischen Ansprüche allerdings ermäßigt, man denkt nicht mehr ar die französischen Königsstädte die. seil einem Jahrtausend Mittelpunkte deutscher Kultur und Herrschaft waren, sondern böckstens noch an die verlorenen Provinzen Elsaß und Lothringen. Auch die Sehnsuch! '-.ach diesen wird verstummen müssen, wenn man den Frttdensworten jenseits der Vogesen Glauben schenken soll ohne bat lächelnden Vorbehalt, den der deutsche Idealist und Revolutionär schon damals zu machen sich genötigt sah.

Politische U nschau.

Das Fiasko der Tschechen

Beiläufig hat in den Delegation-n Dr. Kra marsch eine Aeußerung getan, die nichts ge ringeres bedeutet als das Eingeständnis, daß er und mit ihm die Tschechen von der Erfolglosig­keit ihrer bisherigen Politik überzeugt sind Kramarsch will weder ein den'sches. noch ein slawisches Oesterreich, weil zwei deutsche oder zwei fiawische Großstaaten neben eina der nicht friedlich bestehen könnten. Was las Verhältnis Oestereichs zu Deutschland anderes sein soll als ein auf die Dauer berechnetes herzliches und friedliches Einvernehmen. wird außer Dr. Kramarsch und den Freunden feiner Politik wohl kaum jemand angeben können. Wir Reichs­deutschen behandeln und be rächten obwohl es nicht zrttrifft, Oesterreich auch jetzt noch als deut­schen Staat aber niemand von uns denkt auch nur im en f mieftc« daran, das Verhältnis zu unserem Nachbar jemals anders, unfreundlicher zu gestalten. Anders freilich lägen die Dinge mit einem slawischen Oesterreich, selbst wenn die Frage zur Zufriedenheit gieaelt fein sollte, ob die Tschechen oder die Polen darin die führende Rolle zu bekleiden Hätten. In beiden Fälftn würden Rivalitäten und sogar krieaerische Zu­sammenstöße mit Rußland in furier Zeit sich als umimgänalich notwendig Herausstellen denn von beiden Seiten würden die expansiven Be- ftrebuttaen sich begegnen. Sollten die Tschechen da« endlich einsehen? Fast zweifeln wir daran, aber Dr. Kramarsch Hat freilich mehr als andere Gelegenheit gehabt, sich über Wesen und Ziele der russischen Politik zu unferrWea, und er hätte auch erfahren können, daß sich die tschechi­sch n Hoffnungen innerhalb Oesterreichs nicht verwirklichen lass-n. Wenn die Söhne Libustas jetzt endlich zur Einsicht gelangt sein sollten, so würde die entschiedene Halwna der böhmischen Deutschen die vor den tfcbetb/chen Drohungen nicht zurückgewichm sind Wohl dieses Eraebnis gehabt haben, das man im Inter-sie Oesterreichs allerdings mir begrüßen könnte. An der Festig- kei: des deutschen Widerstandes müssen eben die tschechischenHoffnungen" zerschellen.

so schnell; gönnen Sie mir noch ein paar Minuten ungestörten Zusammenseins und ant­worten Sie mir jetzt auf die Frage mit der ich Ihnen vor fo vielen Jahren zu Füßen fiel, der Frage: ob wir Freunde fein wollen?"

Es klang wie Scherz, aber der Blick, der die Worte begleitete, gab ihnen ernstere Bedeutung Christiane schlug errötend die Augen ni'ber.

Trotz der vielen Jahre weiß ich das noch nicht," antwortete sie in demselben leichten Ton--.

Zweifeln Sie an unserer Shmpathie?" rief Parnim;ober meinen Sie, daß Freundfchait zwischen uns gegen das chinesische Zeremoniell der Gesellschaft verstoßen würde? Was haben Sie die Künstlerin, damit zu tun? Aber fei es drum, fügen wir uns: bleiben Sie mir, solange neugierige Augen auf uns sehen,gnä digeS Fräulein." wenn Sie nur bei ungestörtem Beisammensein Christiane sind." Und ehe sie antworten konnte, fügte er, da die Vorangehen­den wartend stehen blieben, eine Bemerkung Über die Farbenpracht ihres Straußes hinzu. Cara zog ihn beifeik und fragte:

Du hast lange mit Christiane gesprochen... wie findest Du sie?"

Richt Übel!" anttoortek er. Erzürnt kehrte ihm die Kleine den Rücken und hing sich an den Arm der Freundin.

Du schienst in eifrigem Gespräch mit dem Harten ' flüsterte sie:wie findest Du ihn?"

Christiane kam in Verlegenheit; was sollte sie sagen?Ich weiß nicht recht," gab sie zögernd zur Antwort.

Oh, Du brauchst Dich mir gegenüber nickt zu genieren!" rief Cara.Wenn Du ihn hoch­mütig arrogant eingebildet, mit einem Worte unausstehlich findest, freut'- mich, daß wir

Die Moabiler Straßenkrawalle vor Gericht.

S. & H. $ e r I i n, 15. Rov.

Am Moabiter Eerichtsgebäude zeigte sich auch heute nicht die geringste Ansammlung von Menschen und der Eintritt der Zuhörer geschieht in durchaus ruhiger Weise. Die Sitzung beginnt wiederum mit einiger Verspätung. Es hat sich eine große Reihe neuer Zeugen eingestellt, die nach Eröffnung der Sitz­ung vom Vorsitzenden vor den Zeugentisch gerufen werden. Unter ihnen befinden sich die vier englischen und amerikanischen Journalisten, welche bei dem Krawall von Polizisten verletzt wurden, was dann zu einer Entschuldigung von feiten des Polizeiprästden- ten führte. Hierauf stellt Verteidiger R.-A. Cohn für sich und seine Mitverteidiger den Antrag auf Haft- entlaffung des noch in Untersuchungshaft befindlichen Teiles der Angeklagten. Man könne ja verstehen, raß die Polizeibehörde als eine politische Behörde £>ie vorläufige Festnahme anordnete und damit dem ganzen Verfahren die Basis gab. Die Staatsanwalt­schaft treffe aber der Vorwurf, daß sie blindlings den Festnahmen des Kommissars Kuhn folgte. Noch nie sei in einem Prozeß die Untersuchungshaft so massenhaft verhängt worden wie in diesem. Man könne sagen: die Untersuchungshaft trete hier als Massenerscheinung auf. Sie stelle sich nicht dar aus schlichen Motiven sondern ohne Ueberlegung den Anordnungen des Polizeipräsidenten folgend. Zu bedenken sei auch, daß die meisten Angeklagten ge­ständig seien, sodaß auch Kollusionsgefahr nicht vor­liege. Erskr Staatsanwalt Steinbrecht: Staats­anwaltschaft und Gericht haben in allen Fällen ge­prüft, ob die Untersuchungshaft gerechtfertigt sei ober nicht. Es sei keineswegs schematisch vorgegangen worden. Es sei aber zu berücksichtigen, daß im vor­liegenden Falle ganz besonders schwere Straftaten in Betracht kommen, die eine besonders ernste Sühne er­fordern. Fast eine ganze Woche hindurch fei der Ber­liner Stadtteil Moabit in Aufruhr gewesen, da könne nur von schweren Strafen die Rede fein. Der Untersuchungsrichter Hat alle Momente einoehend geprüft und es ist auf Grund feines persönlichen Ein­drucks die Inhaftierung aufrechterhalten worden Die Verteidigung hat auch übersehen, daß in zehn Fällen die Untersuchungshaft auf Antrag der Staatsanwalt­schaft aufgehoben worden ist. Ich muß ferner darauf Hinweisen, daß nicht nur eine Eröfsnmmskammer, sondern fämtli^m Eröffnun-'skammern des Lavdge- gerichts I in Berlin bei diesem Verfahren in Frage kommen und diese haben stch zustimmend zur Aufrecht­erhaltung der fiaft geäußert. Der Staatsanwalt stellt ober schließlich anheim, die Haftentlassung von vier Angeklagten auszuivrechen. Nach längerer Beratung beschließt der Gerichtshof vier Anaeklaate aus der Haft zu entlassen. Es wird dann in die Vernehmung der einzelnen Angeklagten im einzelnen einaetreten. Die Angeklagten sprechen überaus leise und machen in ihrem Auftreten durchaus nicht den Eindruck von Führern einer aufrührerischen Bewe­gung. Der Angeklagte Meier aibt zu. mitKoh- len st ii ck ch e n" geworfen zu haben. Der Angeklagte Trekowski hatBluthunde" gerufen, weil andere das auch taten, sich aber nichts dabei gedacht. Der 9rnacff-"'*e fragen will von Schutzleuten an der BeiGeldrücke mißhandelt worden fein; die Be­amten feien wie eine Beute wilder Tiere über ihn bergefollen. Die Angeklagte Frau Friefe erklärt, daß sie auf her Polizeiwache gukerordevtlich unanständig behandelt worden fei. fodasi sie die betreffenden Aus- d'ücke nW wiederaeben könne. Sie fei eine ordent­liche Frau, habe sich nie etwas zu schulden kommen lallen und kümmere sich um Krawalle überhaupt nicht. Sie fei sogar mit dem einen Inhaber der Firma Knvfer verwandt, habe alfo keine Veranlas­sung. gegen die Firma etwas zu unternehmen. Der

einer Meinung sind. Komm, wir wollen uns mit dem kleinen Enke und dem gutenRoten" amüsieren."

Aber es kam nicht dazu wahrscheinlich, weil sich der Harte zu ihnen gesellte und wie Cara später der Mama berichteteallev- gnäbigft an der Unterhaltung teilnahm."

Auch mit 'Christiane Ivar b: Kleine unzu­frieden. Sie blieb sckweigfam ließ alle Witze des Heinen Enke unbelacht, und schien für nichts Sinn zu haben, als für ihren langweiligen Strauß, den sie beständig umformte.

Und doch wußte ste kaum, was ihre Hände taten; ihr ©innen und Denken war nur mit Christian beschäftigt. Vergebens sträubte sie sich gegen den Zauber seiner Per^önlichkei.. Sie hatte ihm nicht geglaubt, als er von seinen Er­innerungen an ihr erstes Zusammentreffen sprach und doch mit Entzücken seiner. Worten ge­lauscht. Und wir schlug, ihr das Herz, als er jetzt Cara und den Kameraden erzählte, daß er schon einmal in Elmenach gewesen fei.Ich war mit den Prinzen hergekommen," fuhr er fort;war beim Schlittschuhlaufen gefallen, hatte mir den Fuß verstaucht und mußte mich von der guten alten Frau v. Erckendorff pflegen lassen. Sie tat das fo mütterlich und es war so behaglich still und der Blick aus meinem Fenster in große be­schneite Linden war so zauberhaft und dabei hatte ich fo wunderschöne Phantasien, daß ich immer wieder wie an ein kleines Paradies an Elmenach gedacht habe."

Seine Augen suchten Christiane und begeg­neten einem finsteren Blick, der er sosort ver­stand.

Erlauben Sie, daß ich Helf," sagk er, und bog «in«» Zweig roter Berberitzenbeeren nieder.

Hausdiener F. Heide, der heute zuletzt vernommen wird, behauptet, daß er von Schutzleuten bis zur Be­wußtlosigkeit geschlagen worden fei. Auf Befragen durch den Vorsitzenden gibt der Angeklagte an, daß er sich in seinen freien Stunden mit englischen und ftanzösischen Sprachstudien beschäftige. Einige An­geklagte geben zu, im Auftrage der Ver- bandsleitung bezw. der Vertrauenskommrssion die Kohlenwagen begleitet zu haben, da ste den Auf­trag hatten, ingütlicher Weise" auf die Ar­beitswilligen einzureden.

Deutsches Reich.

Der Kaiser in Donaueschingen. Donau­eschingen, 16. Nov. Der Ches des Marinekabinetts und der kommandierende General des 14. Armee­korps, Freiherr v. Hoiningen gen. Hüne, sind hier eingetroffen. Der Kaiser hörte heut Vormittag den Vortrag des Chefs des Marinekabinetts. Der Kaiser, die fürstlichen Herrschaften, sowie die fiirfb lichen Gäste nahmen das Frühstück in dem fürst­liche:. Jagdschlößchen Unterhölzer. Der Erzabt von Beuron ist als Gast des Fürsten von Fürsten- berg eingetroffen.

Die Reisepläne des Kaisers. Der Kaiser trifft zur Vereidigung der Marinerekruten der Ostseestation und der Hochseeflotte am 19. Novem­ber früh 71/» Uhr in Kiel mit Sonderzug ein und begibt sich alsbald an Bord des FkBtenflagg- schiffsDeutschland", das ihm für die Zeit sri- nes Aufenthalts bei der Flott - als Wohnschff dient. Nach der Rekrutenvercid'^'ng nimmt bet Kaiser im Offizierskasino das Frühstück ein und fährt sodann zur Besichtigung der Arbeiten zur Erweiterung des Kaiser Wilhelm Kanals nach Holtenau. Am Sonntag hält der Kaiser an Bord derDeutschland" Gottesdienst ab und besichtigt febann dn Linienschifsskreüzcrb i her Tann", sowie andere Neubauten. Der 21. November ist dem Besuche der Marinesiation Flensb.'tg-Mur- wfl gewidmet, wo die offizielle Enweihung b.r neuen Marineschule erfolgt. Dann kehrt der Kai­ser nach Kiel zurück, von wo abends 11 Uhr mit Sondermg d'e RückrZ'e v ** Berlin erfolgt.

Der König von Sachsen in Wien. Wien, 16. Nov. Der König von Sachsen ist kurz nach 7 Uhr hier ctnaeiroffen. Da er inkognito reist, unterblieb die offizielle Begrüßung. Am Bahn­hof wurde der König von der Erzherzogin Maria Josefa, dem Erzherzog Karl Franz Josef, de« Gesandten Rex und dem Legationssekretär Frei­herr Biedermann empfangen. Der König, der Zivilfleider trug, begrüßte seine Schw f*er und seinen Neffen aufs herzlichste und fuhr mit seiner SckWetter in bas Auaartenpalais. wo er nach sei­nem Eintreffen bie Meldung des ihm zugeteilteu Ehrendienstes entgegennahm. Um 9 Uhr fugt der Kaiser vor bem A rgarienvalais v"r und be­suchte den König. Im Laufe des Vormittag- machte der König von Sachsen dem Kaiser in bet Hofbura einen Gegenbesuch.

Prinz Adalbert von Preußen. Kopenhagen, 16. Rov. Prinz Adalbert von Preußen ist henk Vormittag hier eingetroffen und von dem Prin­zen und der Prinzessin Harald am Bahnhof emp­fangen worden.

Das Kaiserabzeichen. Stuttgart. 16. Rov. Auf Befehl des Kaisers erhält das Jnfanterie-

nach dem ste vergebens die Hand ausstreckte, und während die anderen weitergingen, fragte et:

Zürnen Sie mir?"

Nein!" antwortete Christiane:ich versteh« Sie nicht."

Sk mich nicht verstehen!" rief Parnim. Haben Sie die Erfahrung nie gemacht, daß e- Erlebnisse gibt. Erinnerungen, Empfindungen, die entweiht werden, wenn wir Fremden davon sagen? Ich hatte plötzlich das Gefühl eines Un­rechtes, als ich von unserem ersten Zusammen- treffen erzählen wollte . . . ich mußte barübet schweigen . . . tun Sie bas auch wollen Sie?"

Lachen unb Zurufe schnitten Christiane bk Antwort ab. Aus bem nächsten Seitenwege stürmte Cara herbei, ohne Hut, mit gelöstem Haar, lachenden Augen und glühendem Geilcht, verfolgt vom Heinen Enke unb dir r ten Pav- nim. Allem Anschein nach ein Wettlauf um bk Marechal Riel- Rose, die bas junge Mädchen in der ausgestreckten Rechten hielt.

Wie entzückend sie aussteht!'sagte Christiane ein neckisches Elschen . .

Eine lästige, wilde Hummel sollten Sie sie nennen," fiel Christian ein; er zwang aber den unfreundlichen Worten zum Trotz eine freund­liche Miene, denn eben sah er Frau v. Northeimd mit bem Rittmeister v. Allerdorsf herankommen. So gleichgiltig ihm Caraz Abneigung bisher ge­wesen war, jetzt schien es ihm geraten, der Klei­nen ben Hof zu machen.

Sie selbst, und vor allem ihre Mutter muß­ten über bas leibenichaftliche Interesse getäuscht werben, bas ihm bei bem heutigen Wiedersehen noch mehr als vor Jahren Christiane taw- ner eingeflößt hatte. 1

(Fortsetzung folgt.) r.-v