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45. Jahrg.

5)teIDDrrncirii'tie Zeitung" erjcheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage. Der Bezugspreis beträgt viertel-

Zur Ausführung des Enteignungsgesetzes.

Seit einiger Zeit wird die Frage, ob jetzt einmal mit der Ausführung des Enteignungsgesetzes in den Ostmarken begonnen werden soll, in politischen Krei­sen lebhaft erörtert. Von einzelnen politischen Kor­porationen wurde die unverzügliche Inangriffnahme des Gesetzes gefordert. Demgegenüber schreibt jetzt dieD. Tgsztg." offenbar auf Grund guter Informa­tion von Seiten der Regierung folgendes:

Kürzlich hat eine Versammlung der berliner Ortsgruppe des Deutschen Ostmarkenvereins stattge­sunden, in der darüber geklagt wurde, daß das Ent- rignungcgesetz überhaupt noch nicht zur Durchführung geommen sei; es wurde daran die Aufforderung ge­knüpft, an die Durchführung möglichst bald und mög­lichst energisch heranzutreten. Heute veröffentlicht eine hiesige Korrespondenz eine Darlegung, die ihr »on einer Seite zugegangen sein soll, die der Posener Ansiedlungskommission nahestehe. In dieser Zuschrift heißt es, die Frgge der Zwangsenteignung werde in Berlin als ein ncill .ms tanxere betrachtet, während man in den maßgebenden Kreisen Posens die Durch­führung des Gesetzes als sehr dringlich ausfasie; die Ansiedlungskommission könne sonst ihre Aufgabe nicht erfüllen. Der Artikel schließt mit der Bemer­kung, die Polenpolitik der Regierung schlafe den Dornröschenschlaf. Die Regierung denkt nicht daran, das Enteignungsgesetz in der Schublade liegen zu lassen; sie ist vielmehr entschlossen, es durchzuführen, wenn und soweit es nötig und zweckmäßig ist. Das Gerücht, daß Anträge auf Zwangsenteignung, die von der Ansiedlungskommission gestellt worden wa­ren, vom Staatsministerium zurückgewiesen seien, ist falsch. Selbstverständlich wird das Staatsministe­rium gegebenenfalls prüfen müssen, ob die Zwangs­enteignung in dem einzelnen Falle notwendig und zweckmäßig sei. Das entspricht aber durchaus Wesen des Gesetzes und den Ausführungen, die bei seiner Beratung vom Regiernngst .;e aus gemacht worden sind. Man wird dem Ministervräsidenten nicht verdenken können, wenn er bei der Durchfüh­rung des Gesetzes prüfende Umsicht walten läßt. Wir hoffen aber, daß er in nicht zu langer Zeit durch die Tat bekunden wird, wie nichtig das Gerede war, daß er aus allgemein politischen Gründen die Durchfüh­rung des Gesetzes Unterlasten wolle. Ein fortwäh­rendes Drängen und Treiben, das einen tendenziösen Eindruck machen muß, ist hier nicht am Platze. Es muß unbedingt der Eindruck vermieden worden, als ob die Enteignung lediglich deshalb durchgeführt werde, damit etwas geschehe, Rur rein sachliche Ge­sichtspunkte können in Betracht kommen.

werden. Aus Antrag des Ersten Staatsanwalts wird beschlossen, da nach dem Gutachten des Eefängnis- arztes die Angekla-^e Reinhardt hocharadig nervo« sei, deren Sache abzutrennen und die Angeklagte, weil sie nicht fluchtverdächtig sei, aus der Haft zu entlasten. Sodann beantragen einige Verteidiosr die Sache der von ihnen vertretenden Mandanten abzutrennen, da die betreffenden Fälle ton Moa­biter Unruhen nichts zu tun haben. Die ausführ­liche Begründung beweat sich in demselben Rahmen wie bei der Bearündung desselben Antrages vor­gestern. R -A. Ulrich erklärt: Mein Name steht zwar nicht unter den Verteidigern, welche für die Abtrennung eintreten. Aber das kann ick aufrichtig sagen, daß auch mein Mandant Schulz und ich sehr zufrieden wären wen" n"tere ab->etrennt wer­den könnte, vom juristischen Standpunkte aus kann man freilich nichts für die Abtrennung sagen, da das ganze Milieu berücksichtigt werden muß. Die beiden Staatsanwälte betonen energisch, daß bei ihnen nicht die geringste Absicht vorgelegen habe, die Sache vor die dritte Strafkammer zu bringen, daß ihnen die Mitglieder der Kammer bisher sogar persönlich un­bekannt gewesen seien. Der Gerichtshof ziebt sich darauf zur Beratung zurück und berät über IV2 Stun­den. Als Resultat verkündet der Vorsitzende, daß die Anträae auf Abtrennung einzelner Fälle abne- lehnt worden seien. Der Gerichtshof stützt, so erklärt der Vorsitzende dabei auf berübmte Rechtslebrer wie Löwe und Stenalein und glaubt auch eine Reichsge- richtsentscheiduna. die in einem äbnli-ton Falle er- oina. für sich in Ansnruch nehmen zu dürfen. Ob ein Zusammenhang zwischen den einzelnen Sachen bestehe, unterliege lediglich dem Ermessen des Gerichtshofes. R.-A. fieine: Ich wiederhole nunmehr meinen Ab- lebnnnosantrag und zwar in bezug auf die stöndiaen Mitalieder der dritten Kammer. Die Verteidiaunq ist der Ansicht, daß die Erörterungen in der Presse, das Vorgehen der Etao^sa-nmaltschaft. s;" notwendig gewordenen Anträge der Verteidigung und die ganze Sachlage überhaupt geeignet seien, die Richter nicht mehr als unbefangen erscheinen zu lassen. Hierauf begründet auch Rechtsanwalt Bahn einen Ablebnunasantraa. Den Verdacht der Be­fangenheit habe namentlich die Bemerkung bervarae- rufen. daß die Straftaten eine Folge der politischen merfcetMimi stH-rns >er SazialU»a-gri-gele -feien Eine Rechtssache müsse aber ohne volitische Tendenz behan­delt werden. Grade vom Standpunkt der bürger­lichen Parteien aus sei es zu bedauern, daß die An­gelegenheit auf das volitische Gebiet hinübergespielt worden sei. Schließlich rechtfertige das Mißtrauen auch noch der Umstand, daß gegen ihn die höchste zu­lässige Geldstrafe erkannt worden sei. Im Uebrigen betont R.-A. Bahn.- daß er mit den Mitaliedern der dritten Kammer nie ein Zerwürfnis gehabt, und daß auch der Vorsitzende Lieber ihm gegenüber stets die urhansten Formen gewahrt habe. Der Vorützonde erklärt, daß es unmöglich sei, über den Ablehnungs­antrag noch heute zu befinden; er vertage daher die Sitzung auf Montag Mittag 12 Uhr.

Donaueschingen, 13. Rov. Der Kaiser nahm heute Vormittag mit dem Fürsten von Fürstenberg am Gottesdienst in der evangelischen Kirche teil. Später unternahm der Kaiser eine Rundfahrt durch die Stadt, um die neu aufgebauten Straßenzüge zu be­sichtigen. Der Kaiser, der Fürst und die Fürstin von Fürstenberg, sowie die Herren und Damen der hier versammelten Gesellschaft unternahmen heute Nachmittag eine Automobilfahrt nach Kloster Beu­ron.

Die Reise des Kronprinzenpaares. Aden, 13. Nov. Der Rei spostdampferPrinz Ludwig" des Norddeutschen Lloyd ist heute Morgen 7 Uhr in Aden eingetroffen. Das Kronprinzenpaar begab sich sofort an Land und frühstückte beim Gouverneur. Später besichtigte es die Stadt und die Umgebung. Es ist herrliches Wetter. Die Weiterfahrt erfolgte um ein Uhr nachmittags.

Landtagsabgeordneter Dr. Hersig f. Beuthen, 13. N v. Der Landtagsabgeordnete Dr. Hersig (Zen­trum, Wahlreis 4 Oppeln) ist heute Nacht plötzlich an einem Herzschlag gestorben.

Zum Reichshaushaltsetat. Berlin, 12. Nov. In ihren Rückblicken bemerkt dieNordd. Allgem. Ztg." zu den Betrachtungen der Presse über den Etatsentwurf für 1911, daß die Reichsfinanzverwal­tung bei ihren Einnahmeschätzungen mit völliger Ob­jektivität, niemand zu Leide, niemand zu Gefallen, verfahren fei, ohne danach zu fragen, wie das gefun­dene Ergebnis nach der einen oder anderen Richtung ausgebeutet werden könnte. Ihre Schätzungen für 1910 dürften sich im Gesamtergebnis mit fast mathe­matischer Genauigkeit als zutreffend erweisen. Ver­suche, aus dem Etat ein Fiasko der Finanzreform nachzuweisen, müßten mißglücken; denn daß die er­rechneten Steuererträge von 417 Millionen jeden­falls in nächster Zeit nicht voll zu erwarten seien, sei vom Regierungstische in der Eratsdebatte des vori­gen Jahres ausführlich dargelegt worden. Schließlich erklärt dieNordd. Allg. Ztg." in Bezug auf eine Meldung von Differenzen zwischen dem Kriegsmini­ster. dem Staatssekretär des Reichsmarineamts und dem Staatssekretär des Reichsschahamts bezüglich der Forderungen des Marineamts im Interesse der Hee- resverstärkung:Es kann versichert werden, daß der Ausbau der Flotte programmgemäß erfolgen wird, daß von dem Betrage, den das Kriegsministerium für 1911 im Interesse der Heeresverstärkung für er­forderlich gehalten hat, nichts abg< tzt ist. Wie fast immer, gehören auch diesmal die scbön oufgevutzten sensationellen Nachrichten über persönliche Zusam­menstöße, Entlaflungsgesuche, Ve mittlungen und der­gleichen in das Reich der Fabel."

Viehzählung in Bayern. München, 12. Nov. Die außerordentliche Viehzählung in Bayern vom 10. Oktober ergab, daß di Rinder um 239 693 Stück oder 6,4 Prozent, die Schafe um 96 981 Stück oder 13,2 Prozent abgenommen haben, während die Schweine um 170 205 Stück oder 8,7 Prorent. die Zie­gen um 4 787 Stück oder 1,6 Prozent zu nahmen.

Ausland.

** Die Fleischteuerung. Wien, 12. Nov. Die agrarische Zentralstelle veranstaltete heute et.re (Snauete über die Teu°-rungssrage wo ei auch der Bund der Landwirte in Berlin vertreten war. Es wurden zwei Resolution-n angenommen, in denen auch die Teuerungsursachen angeführt wur­den, die nicht den Agrariern zur Last gelegt wer­den könnten. Namens des Bundes der Landwirte von Berlin sprach Oekonomierat Lucke.

** Die Republik Portugal Lissabon, 12. Nov. Di" Vertreter Schwedens. Norwegens. Rußlands und der Vereinigten Staaten gai en der proviso­rischen Regierung ebenfalls die Erklärung ab, daß sie von ihren Regieninaen ermächtigt toorb-n seien, die lausenden Geschäfte aufzun hmen.' Das tot Oktober erlassene Amnestie Dekret wird auch aus Franco und die Minister seines KM- net»s sich erstrecken, falls sie tsrur'etlt werden soll e. Fast alle Mitglieder des portugiesisch n Episkopats, soweit sie in Europa residieren, sind geaenwärsig beim Patriarchen tr "isscbon ver-

Jubiläum der Bergakademie. Berlin, 12. Nov. Die Bergakademie beging heute das Fest ihres fünf­zigjährigen Bestehens unter Teilnahme des Handels­ministers Sydow, von Vertretern der Universität, der Berliner Hochschulen und zahlreich n Angehörigen des Bergbaus und der Industrie. Die Festrede hielt Direktor Bergrat Bornhardt. Der Handelsminister und mehrere Delegierte von Ingenieurverelnen brachten in kurzen Ansprachen ihre Glückwünsche dar. Die bergbaulichen Vereine Preußens und Lothrin­gens überreicht«"- eine Stiftung von 100 000 <M für das Studium der bergbaulichen Wissenschaften.

Die enolischeu Spione. Berlin, 12. Nov. Aus London verlautet, das britische auswärtige Amt suchte um die Erlaubnis nach, bei der Gerichtsver­handlung gegen die unter dem Spionageverdacht ver­hafteten Enaländer Leutnant Brandon und Haupt­mann Tren«*« vertreten sein zu dürfen.

Feuerbesta tung. Braunschweig, 11. Nov. Der dem braunschweigischen Landtage zugegan- gene Gesetzentwurf über die fakultative Feuer­bestattung bestimmt im § 1 folgendes:DieFeuer- bestatung darf erfolgen, wenn fc von dem Ver­storbenen oder, falls er minderjährig war, von dem Elternteile, dem zur Zeit d s Todes des Kindes die Sorge für dessen P.son oblag, an- georbnef und von der Ortspolizeibehörde deS Bestattunasortes genehmigt ist."

Gedenktafeln. In den nächsten Wochen werden in len Gotteshäusern der preußischen Militäraemeinden fast aller Standorte Gedächt­nistafeln angebracht, auf denen die Namen der­jenigen Angehörigen der betreffenden Militär- aemeinde verewigt sind, die bei bei ost asiatischen Expedition und im südwestafrikanischer. Feld­zuge den Heldentod gefunden haben. Die Tafeln werden auf Kosten der Militärverwaltung be­schafft und angebracht. Ihre Einweihung fintot in Verbindung mit einer einfachen würdigen Feier statt; Dolce et decorum est pro patria mori!

Die Moabiter Gtrakenkrawalle vor Geriet.

S. & H. Berlin. 12. Nov.

Nacks bet zweimaligen Vertagung des Prozesses wea-g ber Moabiter fall

heute in die materielle Derbanblung einaetreten

Deutsches Reich.

Bom Kaiser. Donaueschingen, 12. Nov. Der Kaiser ist um 12 Uhr 35 Min. mittels Sonderzug hier eingetroffen Am Bahnhof war der Fürst zu Fürstenberg, ebenfalls in Hofjagduniform, zum Emp­fange erschienen, ferner waren die Spitzen der Behör­den und Gäste des Fürsten anwesend. Am Schloß- portal wurde der Kaiser von der Fürstin zu Fürsten­berg und den beiden Prinzessinnen begrüßt. Das Wetter hat sich nach einem trüben Morgen aufgehellt.

Dis Jnserttonsgedühr betragt f- ,_wVi , "us dem engeren Verbreitungsgebiet des Blattes für die 70" -'»ftene Zelle oder deren «anm 18 für auswärtige "Meinte 20 A. für Reklamen <0 4. Druck und Verlag: Zoh. «ug. Kmq, Universstäts-Buck,d'-"-t-rei Dr < r -.ro,

Wff 21 -

Marburg

Dienstag, 15. November 1910

IVn Ofift jährlich durch die Post bezogen 2,25 M. lohne Bestellgelds, bei

e/"=- ÄVO unseren Zeitungsstellen und der Erveditivn lMorkt 21s, 2.00 JL

(Für unverlangt zu gesandte Manuskripte übernimmt die Redak­tion fetnerl-i rn-- >«^nrtunq.s

mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain

und den Beilagen:Nach Feierabend" (wöchentliche Unterhaltungsbeilage) und »Jandwirtschasttiche Beilage."

25 verboten.s

Christiane Danner.

Roman von Claire v. Glümer.

t Fortsetzung.)

.Wie gut, daß Sie Arbeit für ihn hatten!' sagte Christiane bewegt, indem sie dem Fabrik­herrn den Brief zurückgab. Der Seine Mann zuckte die Achseln.

Die hätte er eigentlich nicht gehabt, aber wenn man nicht finde, müsse man erfinden, gab er zur Antwort. Natürlich hätte er dem Vetter sofort telearaphisch Geld angewiesen, hätte bete gefügt: .Untere Säle Aufseherposten frei", und daraufhin sei Jonathan gekommen. Da möge er nur Herumstampfen, wenn es ihm beliebe, und sich einbilden, etwas zu tun. Lange werde er nicht ausharren, aber bis er sich wieder aus dem Staube mache müsse man versuchen, den ver­bitterten Menschen auf andere Gedanken zu brin­gen. Hoffentlich werde auch Fräulein Christiane dazu helfen.

Sie versprach, das Ihrige zu tun, obwohl ihr bei der Erinner:ng an Jonathans Abschiedsbrief unbehaglich zumute war. Aber als sic ihm einige Tage darauf im Hausflur begegnete, gewannen Mitleid und Dankbarkeit die Oberhand, so daß sie freundlich auf ihn zueilte.

.Wie freue ich mich . . ." fing sie an; aber als er, die Krücken einftenunenb, den Hut vom Kopfe riß, sah er so finster aus, daß sie ver­stummte.

Jst's. möglich, man kennt mich noch!" fagtc er in seiner sarkastischen Weife. .Die lieben klmenacher behaupteten, das gnädige Fräulein Verkehre nur noch mit ihren Verwandten väter- Üdiet Gelte;*

Dabei hatte er ihre Hand ergriffen.

.Lassen Sie mich los wie können Sie so etwas sagen?!" rief sie empört.

.Warum denn nicht, schöne Dame!" gab er zur Antwort. »Art läßt nicht von Art; und wenn Sie den Spuren Ihres edlen Herrn Vaters nachgehen, ihn wohl gar gesunden haben . . ."

.Ich will's nicht länger hören!" rief das junge Mädchen, riß sich los und lies die Treppe hinauf.

.Sprühteufelchen!" rief ihr Jonathan nach, .nicht so unwirfch gegen Deinen treuen Knecht. Ich bin ja nur um Deinetwillen in dies verruchte Rest zurückgekommen . . . habe mich, nur um Deine schöne Augen wiederzusehen. . ."

Da wurde oben eine Tür heftig ins Schloß gedrückt. und den Hut wieder aufftülpend stapfte Jonathan mit grimmiger Miene dem Hose zu.

Von der Stunde an wich ihm Christiane nach Möglichkeit aus; er aber wußte ihr immer wieder zu begegnen, bald im Hausflur, bald in den Heckenwegen an der Hinterpforte des Schloßt gattens, oder in den Seinen Gassen die sie abends dem-alten Murner zuliebe einschlug. War sie allein, so unterließ es Jonathan nie, ihr, während sie mit stummem Gruß vorübereilte, ein Wort zu sagen; erkundigte sich, ob sie die Fähtte eher p£re" noch immer nicht gefunden habe; riet ihr, sich zu dieser Jagd eines Spürhundes zu bedienen, und betonierte, daß sie feine Hilfe verschmähe. War sie von Murner oder Cara begleitet, so begnügte er sich mit einem vertrau­lichen Kopfnicken, das die Kleine von diesem schäbigen Individuum" empörend fand.

Wie hast Du nur einen Augenblick neben solchem Vagabunden sitzen können!" sagte sie vorwurfsvoll, als ihr Christiane etSärte, daß

Jonathan ihr Lehrer gewesen, und hob. als sie ihm wieder begegnete, das Näschen in nicht zu mißdeutender Weise.

Aber statt sich »u ärgern, amüsierte sich Jonathan wie er Christiane beim nächsten Zu­sammentreffen mitteilte .über die vornehmen Grimassen des Seinen Vollblutes" und gab ihr den Rat, diesem glänzenden Vorbilde nachzu­eifern.

IV.

Die Ernte war vorüber; auf der Lingenaner Flur fanden Manöver statt und mit dem Wohl- gesübl. in ihr lang entbehrtes Lebenselement zurückzukehren, erwartete Frau v. Northeimb den Bekuch der bekannten 'n der Nähe einquartierten Offiziere.

Es handelte sich dabei um mehr als eine Wieder­aufnahme gesellschaftlicher Beziehungen. Ein Plan, der tote so vieles andere durch ihr Unglück vernichtet toorden toar Unglück nannte Melanie Northeimb die Folgen ihrer Mißwicte schäft gewann neues Leben, als sie erfuhr, daß an dem 8ingenauer Manöver auch der harte Parnim teilnahm.

Nach sorgender Mütter Weise hatte sie fett Caras Geburt unter den Söhnen des Landes nach einer passenden Partie für ihr Töchterchen Um­schau gehalten und hat den harten Parnim, Ref­fen und Erben des Majoratsherr,, v. Harthausen, zun Eidam erkoren. Als sie erfuhr, wie mit­leidlos der Harthäuser Vetter über ihr Mißge­schick urteilte, hatte sie mi blutendem Herzen auf dies Heiratsprojekt verzichtet. Run aber raunte ihr die Hoffnung zu, daß sich noch alles nach Wunsch gestalten könne, ihre Verbannung aus der Residenz wurde plötzlich jur wunder­baren Schicksalsfügung. Wer mochte sagen, was

geschah, wenn der junge Parnim nach heißen Manövertogen in der Behaglichkeit W Elme- nacber Schlosses, den Augen des Onkels entrückt, ungestört von geselligen Ansprüchen und Rück­sichten. wieder und wieder mit Cara zusammm- kam?

Bisher hatte sich zwar die Sane Tönn ziem­lich schnippisch aeren len Vetter tonv Aber

w-mn er ihr zeigte, daß sie ihm gefiel und ge­fallen mußte sie jedem, der sie jetzt sah so war zu hoffen daß auch sie sich nicht länger dem Zau­ber feiner allgemeinen anerto.mten Schönheit und Liebenswürdigkeit entziehen werd-. WaS eine Mutter tun körnte, um die oufkeimende Neigung zu hüten und zu pflegen, wollte sie ton. Auch die Gelegenheit, sich zu verständigen, wollte sie den jungen Herzen fctoffen. Mochte yc der Harthäuser Vetter noch so ernstlich zürnen, was lag daran? Eine Verlobung rückgängig zu machen, würde er sich nicht erlauben ein ge­gebenes Wort war ihm heilig und durfte in die­sem Fall- umsoweniger gebrochen werd n. da sich gegen die Verbindung seines Erben mit einet Tochter aus dem Hause Rorthc-mb nichts Stich­haltiges einwcdeu ließ der Rorthe'mbsche Stamm­baum toar ebenso all und hatte sich von wilden Schößlingen freier gehalten als der Parnimsche; auf Vermögen hatte der künftige Majoratshert nicht zu sehen, und Caras Persönlichkeit war nn- tadelhast, denn was konnte sie dafür, wenn ihw Eltern nicht zu rechnen verstanden? Sie selbst war einfach und anspruchslos vielleicht zu ein­fach für dir verwöhnten Augen des jungen Offi­zier«. Vor allem zu findlich, zu wenig junge Dame

(Fortsetzung folgt.)