45. Jahrg.
Zweites Blatt
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PolMsche Umschau.
Fritz Reuter und di« Parteipolitik.
Es ist nur zu natürlich, daß unsere agitatorische Parteipolitik gern volkstümliche Männer für ihre Parteischablone reliamiert. Diesem Schicksal ist auch Fritz Reuter nicht entgangen. Das „Berliner Tageblatt" hat dies Kunststück fertig gebracht. Recht treffend fertigt die „Deutsche Tagesztg." diesen Versuch ab:
„Wir freuen uns dieses kernigen und prächtigen Darste^ers des me^'-nburgischen Landlebens, wenn auch unsere Weltanschauung mit der von ihm verkündeten in vielen Punkten nicht Lbereinstimmt. Wenn Fritz Reuter heute noch lebte, so würde er vielleicht nicht Mitglied des Tündes der Landwirte sein sicher aber ein ausgesp-ochener und geschworener Gegn-r der Asphaltpolitik, wie sie im „Berliner Tageblatte" ihre schönste Blüte zeitigt."
Wir erinnern uns bei dieser Gelegenheit eines Bildes in einem Witzblatt, das diesen Versuch der Parteien bei Schiller treffend karrikierte. Auf einem Jahrmarkt stehen vor den einzelnen Buden die typischen Vertreter der verschiedenen Parteien, sie locken das Publikum an, indem sie auf für ihre Politik paffende Worte Schillers Hinweisen, die aus dem Zusammenhang geriffen als Motto über der Bude stehen. Denselben komischen Eindruck machen die Versuche bei Fritz Reuter!
Marburg
Sonntag, 13 November 1910
Tagen vom 28. bis 30. November d. I. werden im ganzen Staate Zähler, insgesamt wohl ein« Viertelmillion und darüber, bet den einzelnen Haushaltungen vorsprechen, um für jede vom 30. November bis 1. Dezember d. I. voraussichtlich don übernachtende Person eine „Zählkarte A" und für jede Haushalümg ein „Haushaltungsvrv- zetchnts B* zu überreichen. Als Umschlag für diese Papiere, dem zugleich eine „Anleitung C zu ihrer Ausfüllung, sowie je eine Musteraus- füllung für beide aufgedruckt ist, dient ein .Zahlbrief D" Die Haushaltungsvorstände haben nur a) die Zählpapiere in Empfang zu nehmen, b) sie gemäß der Anleitung «ts zufüllen oder durch geeignete Vertreter ausfül en zu raffen und c) sie vom 1. Dezember d. I. mittags 12 Uhr ab zur Abholung durch den Zähler bereit zu halten. Die Viehzählunaen, welche das notwendige Material für die Berrrteilunq n'ld Bedeutung des Viehstandes in unserer Volkswirtschaft zu liefern haben sind der Bevölkerung ebenfalls bereits bekannt'und geläufig. Es werden gezählt die Pferde Rinder. Schafe und Sckw-ine. Auf '« genaueste Beantwortung der Fragen nach den Unterabteilungen der einzelnen Viebaa'tungen muß besondere Sorgfalt verwe"det werden, da nur hierdrrrch eine ausreichende Kenntnis der Zusammensetzung und der vor- oder rückwärts schreitenden Entwickelung des Viehstandes gewonnen werden kann. Diese Kenntnis ist für vi->le wirtschaftliche Zwecke, so u. a. für alle Maßnahmen zur Förderung der Viehzuc-t. unent- behrlich: insbesondere soll festgefiellt werden, ob durch die heimische Viebruckt di. für die Volks- ernährung nötigen Fleischmengen gewonnen werd"» können. Die Zäblnna erfolgt wieder nach viehhaltenden Haushastungen. Jedrr Haushaltunasvorsteber oder sein Stellvertreter hat das ihm aehö-ende oder unter «einer Obhut beftndftcke Vieh, welches in d-r Nacht vom 30. Novemb-r bis zum 1. Dezember 1910 auf dem (gedöste, wo er wohnt siebt nach Maßgabe der Zählkarte zu zäblen und in diese wabrbe'tSae'reu einzutraaen. Dabei sind die auf der Rückseite der Zählkarte aeaebcnen Erläuterungen genau zu beachten Die Viehzählung ist eine selbständig zu bewirkende Erhebung. Menn es daher aus Mangel an aeeirn--ten Personen auch vielfach nicht zu vermeiden sein sollte, daß dieselben Zäbler rni* der Ausftibruna be'der Aufnahmen befaßt werden so stnd doch die Zäblpapiere einer feden Erbebuna völlig von einand r getrennt zu halten Die Fragen der Zäblvap>re der Volkst wie auch der Viebräblung sind nickt zahlreich, dabei durckweg einfach und völlig ""Npr^nglich. Niemals werden die durck beide Zählunaen gewonnenen Nackrickten über eftue.'n« Perfonen und deren Besitz veröfientlickt oder für and re als statistische, beionl ers anck nickt sür s euerliche Zwecke benutzt. Die aus den Zäblpavieren gewonnenen Ergebniffe geben in allameine Tabellen über, in welchen der einzelne Mensch und sein- Viehhaltung nickt mehr -rkennbar ist. Die Zäblpapiere selbst werden nack beendigter Arbeit einaestamvfi: jedermann darf danach insbesondere auch Ücker sein daß die Angaben sei- ner stäblkarie über Alter. B-k -mtnis, Staats- anaebörigkeit, Beruf und Erwerb, etwaige Mängel und Gebrechen usw. niemals vor unberufene Augen kommen oder an die Oeffentfich- keit gelangen werden. Aus ein vertrauensvolle? Entgeaenkommen der Hausbafiungsvorstan x wie überhaupt der ganzen Bevötkerung. anck bin« sichtlich der nicht vom Staate sond rn von d-a einzelnen Gemeinden gestelltm Fragen dürfe« die Zähler hiernach wohl um so eher rechne«, als diele Männer ihre umfangreiche und mc>- volle Arbeit fast sämtlich fieiwillig übernomn.m haben und dem Gemeinwesen dadurch wertvolle Dienste leisten. Nachdem die zuständigen Behör« den Anordnung dahin gefioffen haben, daß den Beamten der verschiedenen Dienstzweig«, den höheren und den Elementarlehrern die für e-n« rege Beteiligung dieser Kreise an dem Zählgre schäfte erforderlichen Diensterleichterungen ru gewähren sind, darf erwartet werden, daß a«e noch hinreichend rüstigen und in ihrem Amte für einige Tage abkömmlichen Reichs-, Staats und Gemeindebeamten sowie die an hohe en. Mittel- oder Volksschulen angestellten und wegen Aus- fallens des Unterrichtes am Zahltage dienstfiei-n Lehrer einer Aufiorderung der G-meindeb'- Hörde, das Ehrenamt eines Zählers zu übernehmen, bereist illigst Folge leisten werden. DaS Gelingen beider Aufnahmen hängt wesentlich von dem Zusammenwirken der Zähler mit den Haushaltungsvorständen ab. Diese werden deshalb ersucht, den Zählern, deren jeder eine gröbere Anzahl von Haushaltungen aufzusuchen hat, ihr Amt nach Möglichkeit zu erleich- lern und ihnen unn tze Gänge oder Arbeiten zu ersparen. Sie können dies tun durch sachgemäße, deutliche Ausfüllung der Zählpapiere, durch bereitwillige Auskunft über einzelne etwa; noch verbliebene Lücken oder Nndeutl'chkeit in j
sei der Ostmarkenverein^der Störenfried, der angefangen habe; vor 20 und 30 Jahr-n habe der sckönste Friede zwischen Deutschen und Polen geherrscht. Uebrigens feien sie natürlich gute Deutsche; Hierzu sei — so wird uns aus Posen geschrieben — festgestellt, daß d'e Teilnehmer an dieser angeblich deutschen Versammlung zur Hälfte Polen waren. Die andere Hälfte fetzte sich hauptsächlich aus solchen Elementen zusammen, die ohnehin dem Ostmarkenver-in feindselig gegenüberstehen. Unter den vier Hauptrednern befand sich ein halbpolnischer Drogist, der eine Polin zur Frau hat und katholisch geworden. und der Krankenhausarzt des polnischen Josephstistes. Daß die große Mehrzahl der wirklichen deutschen Gewerbetreibenden Ltffrs diesen Treibereien durchaus fern steht, erhellt schon aus der Tatsache, daß etwa 90 davon der angefcindeten Ortsgruppe des Ostmarkenvereins angehören. Diese wird übrigens voraussichtlich ibre Liste dadurch berichtigen, daß sie in Zukunft alle diejenigen wegläßt, di- dies wünschen. Es ist durchaus erfreulich, daß dadurch die Spreu vom Weizen gesondert wird, denn die nationale Mahnung an die ostmärkischen Deutschen heißt: Unterstützt das Lrutsche Handwerk und Gewerbe!
— Der deutsche Frauenbund in Südwest. Man schreibt uns: In der letzte,, Zeit hat ein Brief eines Mädchens aus Keetmansbeop Eingang in verschiede-.e deutsche Zeiruugen gefunden, der sich mit der Artest des Frauenbundes der D-utsch-n Kolonialcesellschaft in Deutsch-Süd- westafrika befaßt. Wie der rDeustchen Journal- Post" von maßaebender Stelle mitget ilt wird, enthält der Brief nur durchaus unrichtiae Angaben: sein Inhal« zeigt, daß die Verfafferin nur ganz unklar« Vorstellungen von der Arbeit des Frauenbundes bat. Es erscheint verwunderlich, daß deutsche Zeitungen solche Zusckrr ten abdrucken und sich nickt vorder an den Frauenbund um Auskunft wenden. Der Frauenbund der Deutschen Kolonialaesellschaft b müht sich, tüch- ttcrn weiblichen Hilfskräften aus der aeimat in Deutsck-Südwestafriko geeignet« Dienststellen in ehrenwerten Familien zu versckmffe-. Der An- fanaslobn beträgt im Durchschnitt 50 M. Das Heimatöbaus in Keetmannshoop das tut Laufe dieses Monats eröffnet wird, soll d'e jungen Mädchen in d-r ersten Zeit ihres Doriseins aufnehmen und sie in der afrikanische Wirtschaft untert'ckfin. Auch für diese Lehrzeit erhalten die Mädcken einen Lohn, der einsiweilen mis 30 -M festgesetzt ist. Wohl gibt es in Südwest- afiika Stellen an denen deutsch« Mädchen höhere Löhne als monatlich 50 M bekommen können, das sind jedoch im allgemeinen nur s lche Lokale und Häuser, in denen die Mädchen sittlich gefährdet sind. Der Frauenbund der Deutschen Kolonial- gesesischaft wird niemals «’ne „Lohndrückerei" geaenüber den Weißen Dienstboten gutheißen. Er tritt jedoch stets dafür ein. daß «uck in Südwest- ofi'ka di« Arbeit nicht schändet und daß unsere Diensiboen nickt all« und jede Arbeit auf die Schwarzen abwälzen.
Marburg und Umgegend.
(Nachdruck aller Originalartikel ist gemäß 8 18 des Urheberrecht? nur mit der deutlichen Quellenangabe .Qberheff. Ztg." gestattet.)
Marburg, 12. Roo.
? Ansprache an di» Bevölkerung über die Bedeutung und Ausführung der Volkszählung, sowie der Viehzählung in Preußen am 1. Dezember 1910. Mit dem 1. Dezember d. I. kehrt in Preußen wie im ganzen Deutschen Reich« der Tag der Volkszählung wieder. Die unbedingte Notwendigkeit regelmäßiger Aufnahmen dieser Art ist allgemein bekannt. Kein Volk vermag sie zu entbehren, das sich mit Sicherheit über sich selbst und die ersten Bedingungen seiner Entwicklung und Größe, über Zahl. Geschlecht und Alter, Familienstand Beruf. Religionsbekenntnis und sonstige persönliche Verhältniffe seiner Ange höriaen unterrichten will. Die Ergebniffe der Volkszählung dienen aber bei uns nicht nur als Hilfsmittel wiffenschastlicker Erforschung wichtiger Verhältniffe des Volkslebens, sondern auch zu mancherlei praftischen Zwecken, wie zur Verteilung gemeinsamer Einkünfte und Lasten der einzelnen Bundesstaaten, zur Regelung der Münzprägung, zur Ordnung vieler Verhältniffe, welche sich nach der Bolkszahl richten — wie z. B. die Zuständigkeit von Behörden de" allgemeinen Landesverwaltung, die Bildung von Stadtfieifen und Urwahlbezirken, die Wahl von Abgeordneten zu den Kreis- und Provtnzialland'agen, das Verfahren bei den Gemeindewahlen usw. — Eine Aufnahme von dem Umfange >r; Volkszählung ist natürlich ohne erhebliche Mühe nicht durchzuführen. Ein Blick auf den allgmeinen Verlauf des Zählverfahrens zeigt aber ^gleich, daß der Bevölkerung selbst hieraus verhältnismäßig nur wenig Arbeit und Belästigung erwächst. 3» den
mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain
und den Beilagen: .Jach Feierabend" (wöchentliche Unterhaltungsbeilage) und.Landwirtschaftliche Beilage
Deutsches Reich.
— Die „gutfi, Deutschen" von Liffa. Die freisinnig« Preff« (unter Vorantritt des „Berliner Tageblattes") unterbreitet ihren Lesern eine Schauermär von dem Protest der deutschen Kaufleute und Gewerbetreibenden von Liffa in Pofen gegen die von der dortigen Ortsgruppe des deutschen Ostmarkenvereins herausgegebeue Liste deutscher Geschäfte. Die H-rr-n behaupten in einer Protestversammlung, durch die gegen ihren Willen erfolgte Aufnahme in das Adreßbuch geschäftlich geschädigt zu fein. Ueberhaupt
was die „Große Glocke" längst gebracht haben sollte. Ich klagte sofort. Und erfocht eine Verurteilung des Redakteurs wegen Verleumdung und später eine Zurücknahme der Vorwürfe."
Unserer Ansicht nach genügt das, um ein Verhalten wie das des Dr. B. h ö chst seltsam zu finden.
Ebenso wie uns ergeht es übrigens bei Herrn B. andern Blättern, und wir befinden uns dabei in guter Gesellschaft. Die neue „Berliner Montagszeitung", die von bedeutenden nationalen Schriftstellern Berlin gegründet ist, um Blättern vom Schlage der „Welt am Montag" Konkurrenz zu machen, soll noch schlimmer sein als wir, weil sie sich folgendermaßen über Herrn Dr. B. und seinen Prozeß geäußert hat. Herr Dr. B. ist so unvorsichtig, die Worte abzudrucken:
„Herr Pfemfert hatte dem streitbaren Herrn, dessen anmaßende Manieren der Demokratischen Vereinigung bereits ein Viertel ihrer Mitglieder gekostet hat, „böswillige Verleumöung und Operieren mit gefälschten Papieren" vorgeworfen. Und Herr Dr. Rudolf Breitscheid wurde mit seiner Klage kostenpflichtig abgewiesen, weil das Gericht den. materiellen Behauptungen des Klägers beitrat und den Vorwurf böswilliger Verleumdung für berechtigt erklärte. Der unsympathische Kopf des Herrn Breitscheid ist um einen recht unsympathischen, recht häßlichen Zug reicher. Der Vorgang ist in der politischen Geschichte der letzten Jahre ohne Beispiel, doch in der Preffe fand ich kaum in zwei Blättern ein paar Worte des Kommentars. Warum? Wenn der also vom Gericht Gezeichnete nicht zufällig Rudolf Breitscheid, sondern Ernst von Heydebrandt hieße: des Lärmens wäre acht Tage kein Ende."
Sapienti satis!
Dr. B.s Persönlichkeit intereffiert uns nicht im mindesten. Die „demokratische Vereinigung", deren gesamter Vorstand sich mit Dr. B. solidarisch erklärte, ist uns interessanter. Und nur weil wir durch die Verhältniffe gezwungen sind, uns ab und zu mit dieser Blüte Berliner Asphaltpolitik näher zu beschäftigen, die in einem Blatte wie die „Welt am Montag" ihre Vertretung findet, haben wir unseren Lesern ein Bild „Aus einer kleinen Partei" geben wollen. Herr Dr. B. mag persönlich ein ehrenwerter Mann sein. Diese oben sfizzierten Vorkommniffe dürfen um so weniger verschwiegen werden, als sie sich bei Leuten finden, die sich berufen glauben, Arm in Arm mit den Ee- noffen die verderbte Kultur der Bourgeoisie vom Freisinn bis zur Rechten — Herr v. Eerlach sagt der offenen und verkappten Reaktionäre — über den Haufen zu rennen.
Demokraten unter sich.
(Eine Erwiderung in eigner Sache.)
Unsere Berliner Vertretung hatte zum Beweis«, daß Blätter wie die „Wahrheit" usw. von allerhand Herren dazu benutzt werden, über andre Leute irgend welche unangenehmen Dinge in die Öffentlichkeit zu bringen, in einem Stimmungsbild über den Bruhn- Prozeß behauptet, daß auch der Führer der demokratischen Vereinigung Dr. Breitscheid in dem Bestreben, seinen Parteifreund Pfemfert als Redakteur unmöglich zu machen, so gehandelt hasse. Diese interessante Feststellung glaubten wir natürlich unfern Lesern nicht vorenthalten zu dürfen. Als uns am andern Tage (Samstag) der objektive Prozeßbericht vorlag, sahen wir, daß diese Behauptung nicht richtig war, daß vielmehr nur das seltsame Vorkommnis vor Gericht konstatiert, war, daß Dr. Breitscheid sich bei seinen Versuchen Herrn Pfemfert zu verdrängen auf einen Artikel in der „Großen Glocke" berief, der Pf. der Homosexualität beschuldigt haben sollte, aber — überhaupt nicht in dem Blatte erschienen war. Acht Tage später erst konnte man den Artikel in — der Vruhnschen „Wahrheit" lesen. Diese Richtigstellung schloffen wir am Samstag unserm Prozeßbericht an, erhielten aber trotzdem von Dr. Breitscheid Montags eine Berichtigung, er habe weder direkt noch indirekt mit der „Wahrheit" etwas zu tun gehabt, was also bereits richtig gestellt war.
Die Berichtigung fand natürlich Aufnahme, gleichzeitig machten wir aber darauf aufmerksam, daß wir die Sache bereits richtig gestellt hätten und wunderten uns, daß Dr. B. nicht auch gleich nähere Auskunft über das seltsame Geschick des verleumderischen Artikels der „Wahrheit" gab, der ihm doch hatte dazu dienen sollen, Pfemfert als Redakteur des „^laubuchs" un-ögftch zu machen. Wie wiederholten dabei, was wir Tags zuvor mit Quellenangabe der „D. Tagesztg." entnommen hatten. Herr Dr. D. hat nun, zumal er der Ansicht ist, daß die gesamte Preffe über seinen Prozeß gegen Pfemfert, bei dem er vorläufig schwer hineingefallen ist, unwahr berichtet habe, sich in einem wutentbrannten Artikel gegen diese gewandt, und auch wir werden ob unseres oben geschilderten Verhaltens mit SteinwLrfen bedacht. Wir hätten, nachdem wir gezwungen worden seien, seine Beri.hftgung aufiunehmen, gemeint, die Geschichte mit dem „Wahrheit"-Artikel sei doch seltsam. Das ist objektiv unwahr. Weiter meint Herr B„ das sei die Manier der Ehrabschneider, die mit verleumderischen Andeutungen verdächtigten, die gerichtlich nicht zu fassen seien. Das ist natürlich eine plumpe Beleidigung, wir entnehmen aber vorläufig daraus, daß unsere freundlich« Anfrage, nach der Aufregung des Herrn Dr. B. zu urteilen, den Nagel auf den Kopf getroffen hat. Es lohnt sich für uns nicht, uns mit Herrn Dr. B. weiter herumzustreiten, der über seinen Mißerfolg nicht erfreut sein mag. Bei der nächsten Verhandlung soll ja ein stenographisches Protokoll aufgenommen werden; dafür wird der Vorstand der demokratischen Vereinigung, der sich mutig vor Herrn B. gestellt hat, sorgen. Ob das Protokoll an den Tatsachen etwas ändert, ober an dem Urteil unbefangener Richter? Auch der Gegner des Herrn B., Redakteur Pfemfert, rollt in einem Artikel des „Demokraten" die Prozeßgefchichte noch einmal auf. Sie intereffiert uns nur in dem oben angezogenen Punkte. Es heißt da unseres Erachtens ziemlich deutlich:
„-Ich hatte zu beweisen, daß Breitscheid mich bei dem Herausgeber des „Blaubuch" der Homosexualität verdächtigt hatte, mit der Absicht, Dr. Jlgenstein zu veranlassen, mich zu -itlaffen. . . Womit Breitscheid die Notwendigkeit der Entlassung begründete? Jlgensteins eidliche Aussage stellte es fest. Br. berief sich auf einen Artikel der „Großen Glocke", in dem ich angeblich der Homosexualität verdächtigt worden war. Auch mit hat Dr. Breitscheid, mit dem ich bis zu der Stunde befreundet war, von diesem Aufsatze erzählt und gefordert, ich sollte di« „Große Glocke" verklagen. Ich erklärte mich zur Klage sofort bereit. Krampfhaft suchte ich das Exemplar der „Großen Glocke", in dem der Angriff enthalten sein sollte. Ich durchstöberte sämtliche Nummern. Vergeblich. Der Artikel war noch nicht erschienen und «r ist, wie Breitscheid vor Gericht und in seinem Schriftsatz zugeben mußte, niemals in der „Ero- |jen Glocke" erschienen!!!! Aber B. forderte.unbeirrt -ms Grund dieses Artikels meine Existenz/ Acht löge nach diefir Geschichte erschien dann in der Vruhnschen „Wahrheit" ein Angriff, der das brachte,
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