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mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain

*nb den Beilagen:Nach Feierabend" (wöchentliche Unterhaltungsbeilage) und.Landwirtschaftliche Beilage/'

M 267

-r-.eLverde,,.i>r,e Zeitung" erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn« und Feiertage. Der Bezugspreis beträgt viertel­jährlich durch die Post bezogen 2,25 .AL lohne Bestellgeld), bei unseren Aeitunasstellen und der Ernedition (Markt 21), 2.00 M. (Für unverlangt zugesandte Manuskripte übernimmt die Redak­tion keinerlei cheraotmortung.)

Marburg

Sonntag, 13. November 1910.

Die Insertion sgebühr beträgt fi:- Znjeren aus dem engeren Nerbreitungsgebiet des Blattes für die 7o"'-"ltene Zeile oder deren Raum 16 H, für auswärtige Inserate 20 A. für Reklamen 40 L- Druck und Berlag: Ioh. Aug. Koch, Universitcits-Ptickd''"ck>--i T'r. <* ":

Ma.fr 21 7-1 ---

45. Jahrg.

Trittes Blatt.

Tas niWche 2. GicMmnbcr nnb btr bcntldic Major in ^nbkritzbncht 1904.

Die Marine Rundschau, das offizielle Organ des Reichs-Marine-Amtes, hat das Werk des russischen Kapitäns zur See, Wladimir Ssemenow Raßplata" d. h. Sühne, Abrechnung, ins Deutsche übersetzen lassen, weil es die Ereignisse zur See während des russisch japanischen Krieges in Wah­rer und überaus Packender Weise schildert und daher für das deutsche seefahrende, wie landbe- Wohncnde Publikum von Interesse ist. Es möchte angezeigt sein, auch hier Einiges aus der Dar­stellung mitzuteilen.

Kapitän Ssemenow war im Beginn des Krieges bei der Port-Arthur-Flotte und al3 1, Offizier an Bord des Kreuzers Diana tätig. In der Seeschlacht bei Schanwng, 10. August 1904. durchbrach der Kreuzer, obwohl auf das Schwerste beschädigt, die japanische Linie und wurde dann in Saigon in Französisch-Jndochina, wohin sein Kohlenvorrat ihn noch gebracht hatte, auf Anordnung des russischen Großadmirals für die weitere Dauer des Krieges entwaffnet. Ssemenow, ein ebenso tapferer, wie einsichtiger Seemann, konnte nicht untätig zuseben, wie seine Kameraden von dem inzwischen in Kronstadt aus gerüsteten 2. Geschwader in den neuen mörderi­schen Kampf gegen Japan zogen. Mit nur we­niger. anderen Offiizeren die Nebligen blieben in Saigon schiffte er sich sofort und vor der Desannierung nach Europa ein, gelangte auch unbehelligt von den Japanern nach Liban, wo er dem Stabe des Geschwaderchefs zugeteikt wurde.

Befehlshaber des Geschwaders war der Ad­miral Rojestwenski, ein ebenso tatkräftiger, wie erprobter Seeoffizier, dessen Wirken unter den denkbar widerwärtigsten Umständen geradezu vorbildlich dastehen möchte. Das 2. Geschwader war nach den ersten schweren Schiffsverlusten bei Port Arthur in höchster Eile und mit enormen Kosten ausgerüstet worden. Es bestand aus völlig ungleichartiaen Schissen von ganz verschiedener Geschwindigkeit, teils waren die Fahrzeuge ver­altet teils neu. aber auf russischen Wersten un­glaublich liederlich gearbeitet. Die neueren Kriegserfahrungen blieben unbeachtet, obwohl deren Berücksichtigung' geradezu geboten war. Auf der ganzen Fahrt von Libau bis Madaaask rr mußte noch emsig an der Herstellung der Schiffe gearbeitet werden. Vom Tage der Abfahrt aber aus dem heimatlichen Hafen ergoß sich eine wahre Flut von Havarien über die unglücklichen Schiffe, die den Marsch unglaublich verzögerten und Hebungen im Geschwader selbst geradezu ge­fährlich machten. Bei der Ausfahrt aus dem Libauer Hasen war ein Teil der Schisse im Schlick so tief eingesunken, daß es erst besonderer Anstrengungen bedurfte, sie aus diesem heraus­zuarbeiten. Die Flottenbesatzung bestand zur

Hälfte aus soeben erst eingestellten Rekruten, die bisher nur infanteristisch mit dem Gewehr aus­gebildet waren, zur anderen Hälfte aus Reser­visten, die fast alles vergessen hatten; dasjenige aber, was sie behalten, entsprach kaum mehr den Anforderungen des inzwischen doch vielfach ver­änderten Maschinen-, Geschütz- und Seedienstes.

Bei den älteren und erfahrenen Seeoffizieren des Geschwaders bestand daher schon nach kurzer Fahrt auch nicht der mindeste Zweifel mehr, daß das Geschwader den Ansprüchen des Seedienstes in keiner Weise genügte, und daß es daher dem sicheren Untergänge entgegenginge, der es dann auch am 27. Mai 1905 in der Schlacht von Tschusima an der japanische« Küste ereilte. Die japanische Flotte war in allem den russischen Schiffen weit überlegen und ihre völlig erprobte, durch ihre bisherigen Kämpfe zu kühnstem Wagen bereite Besatzung brannte vor Begierde, sich mit den nunmehr heranziehenden Russen zu mellen. Eine solche Kampfesfreude kannten die Russen, namentlich im Hinblick auf . ihre mangelhaften Schiffe, indessen nicht; ersichtlich hatte sich ihrer. , trotz aller emsigen Gegenärbeft des Admirals, eine Depression bemächtigt. Nachdem der traurige Anstand des russischen Geschwaders so erwiesen, wäre es anaezeigt gewesen, die Fahrt desselben zu unterbrechen. Aber die öffentliche Meinung in Rußland verlangte stürmisch und zäh die Weiterfahrt, und die russischen Seeoffiziere wären von der aufgereizten Menge gelyncht worden, wenn sie, wie das geboten war, die Flotte in die heimischen Häfen zuruckftibrten.

Bis in den Kanal war das Geschwader ge­langt, als am 21. Oktober abends 9 Uhr der Transporter Kamtschatka durch Funkspruch mel­dete. er würde von feindftchen Torpedobooten angegriffen Im Ru flammt-m die Scheinwerfer des Geschwaders auf und unter deren kreuzenden, schimmernden und blendenden Lickte eröffneten alsbald die Geschützführer, zum Teil ohne jeden Befehl, ein wildes, ungezieltes Feuer aus einen Gegner, von dem man nichts sah Nur mit Mühe, ftotz des eindringlichen Hornrufes konnte das Fetwr abgestellt werden. Admiral Rojest wenski packte selbst mit eiserner Faust einen Ge­schützführer, der in seiner Nähe feuerte und brachte ihn fo erst zur Ruhe. Durch das eiaenc wirre Feuer waren einzelne Schiffe beschädigt worden, auch gab es Verwundete darunter ein Marine-Geistlicher, dem der Arm zerschmettert wurde. Dos war die wenig berühmte Affär.» von Hüll. Ein kleiner englischer Fffchdampser, der in die Nähe der Kamtschatka geraten war, -Md dem das Steuer dort versagte hatte den Anlaß zum Unheil gegeben. Schon beim Aus­laufen batte das Geschwader, zufolge allerhand Zeitungsnachrichten, mit einem Torpedoangriff der Japaner gerechnet; die -Besorgnis vor die­sem, die in der Nähe der englischen Küste sich steigerte hatte dann die Mottenbesatzung in eine fieberhafte Erregung versetzt.

Der Vorfall brachte, da mehrere englische Boote in den Grund gebohrt waren, die Eng­länder in hellen Zorn, obwohl das Mißverständ­

nis auf der Hand lag und sofort Entschädigung angeboten wurde. Englische Kriegsschiffe be­gleiteten jetzt in auffälliger Weise das Russische Geschwader und ein Kampf mit ihnen erschi n keineswegs, ausgeschlossen.

Nur nach langwierigen mühsamen Verhand­lungen kam es zu einem Vergleich, der den Russen schwere Zahlungen auferlegte.

Am 26. Oktober traf das Geschwader im Spanilschen Hafen Vigo ein, wo bereits fünf deuffche Kohlendampfer der Hamburg Amerikc»- Linie lagen, um die Schiffe mit Kohlen zu ver­sorgen. Zum grenzenlose« Erstaunen der Russischen Offiziere befand sich indessen auf jedem der Kohlendampfer ein spanischer Hafen­beamter, welcher ebenso schneidig, wie unbe- rechftgt die Kohlenübernahme zu verhindern suchte wil sie in neutralen Häsen tückt mehr er­folgen dürfe. Selbstverständlich erffärte sich der Admiral Rojestwenski mit diesen N-miralitäts- reaeln, die völlig neu unter dem Enfluß Eng­lands, dem Verbündetem .^opans, jetzt einaeführt .werden sollten, r icht einverstanden. Die russische Regierung legte entschieden . Verwahrung Än? Madrid ein, worauf sich die spanischen HasSn- beamten verflüchtigte« und die Kohlenübernahme stattsinden konnte. Von besonderem Interesse war es ab"r daß die Bevölkerung ganz auf Seite der Russen stand in lebhafter Erinnerung der eigenartigen Haltting Englands im Spanische Am^r-kanitchen Krieae. Als de Admiral ans Land ging, bereitete man ihm die lebhastesien Hnldiaungen. In Tanaer wurde« die Rullen, trotz d-s rnWuebenen Einspruchs des englischen Kons"s-t ebenfalls herzlich bearüß!. Denn wie der Suttern vo« Marokko dem Admftal faaen ließ, bringt nach bei» Wort des Brovbtten iess?r /Fremdling Segen in das Haus, das ihn bebet« bLt man frage daher nicht, wer er fei. woher er komme, und wobt« er refr *ht Gesetz sei bei- n«er als das d->- Ggsttreimbkchaft Diele, wenn auch muhamedanische Lebre ffiicot dach weit bock» trrvoer als Sie juristisch ausgeklügelten Neu- tralitäts-Deklanationen der modernen Diplo­matie!

Von Tanaer ab trennte sich das Geschwader, e « ~eil desselben unter dem aere'tz schwer >r- krankten Admiral Fölk»rsamb. ging durch d n Sue'-Kangl nach Madagaskar die anderen Schiffe unter dem Gesckwgdercke^ nahmen den Weg um das Kap der guten Hoklnuna. Der Grund der Tr°nnun" lag wohl in >>er Wgtzr- n hmung, daß die Schiffe eben nicht sgg'tttck den lchweren Seeen an der afr;,enif*t« Westküste bei dem Feble« «ceinnetev Schutzh^ftn, aewacksi« waren Admiral Roiestwms'i r Sn van T'twer ans zunächst Kurz aus Dakar liran'tzsisch Sene­gal), um hier d'e Kahkenporrg« mtt'ftTif'**en Tie de"tfchen Kohletffckjtte der a>^»,s,nro-

Amerika-Liwe lagen auch dort schon bereit aber der franrösische Kommandant bat die Russen knmmelboch Ickttm-igst mieber b;e r'"a'*?«- (KcVnSiTer »tt veftallm. mindestens «nr auf der damals stürmisch bewegten Hoden ®e Kops'« zu nehmen. Japan, von sei .m treuen Ver­

24 <" verboten.)

Christiane Tanner.

Roman von Claire v. Glümer.

l Fortt etzung.j

Wilhelm dagegen suchte sie zu überzeuge«, daß der Verkehr mit de« Schloßbewohnern nicht für sie Passe. Da er seinen Hauptgrund, die Be­sorgnis vor einer vielleicht peinlichen Begegnung zwischen ihr und ihrem Vater nicht angeben konnte, begnügte er sich, sie vor derungesunden Luft der großen Welt" zu warnen, und machte ihr halb im Scherz den Vorwurf, daß sie sich durch Acußerlichkeiten blenden lasse, ihre neuen Bekannten überschätze, ihre Zeit und ihr Jnter-- esse verschwende. Cara zeige sick selbst in Chri- sttanens freundlicher Beleuchtung als ein über­mütiges, egoisttsches, unbedeutendes Backfischchen, und Frau v. Northeimb sei dem allgemeinen Ur­teil nach eine der oberflächlichsten, vergnügungs­süchtigsten Weltdamen; sie hab». durch ihren Lurus nicht wenig zu der Zerrüttung der Nort- ^e^^chcn Bennögensverhältnisse beigetragen oY! ihr Man« durch seine Leidenschaft für kost- spieligen Trödelkram Endlich sei es zum Krach gekommen; Northeimbs hatten sich notgedrungen nach Elmenach zurückgezogen, wo sich Mutter und Tochter langweilten und nach alle«! griffen, was Zerstreuung biete. Ein solches Zerstreuungsmittel sei ihnen Christiane natürlich rur für drn Augenblick; wenn sich nach und nach die ver­scheuchten Standesgenossen wieder bei ihnen ein­fänden, würden sie Christiane fallen lassen. Diese Erfahrung wünsche er ihr zu ersparen.

Sie antwortete umgehend.

...So gut Deine Absicht ist, Dein Mief Hut mir weh getan. Mein Kamerad müßte wissen, daß ich mich trotz meiner Freude an schönen

Räumen und künstlerischem Schmuck nickt davon blenden lasse, de« Rahmen nickt höher schätze als das Bild. Was mir die Besuche im Schlösse lieb und immer lieber gemach - hat. ist zum Teil der Einblick in das harmonische Zusammenleben dieser drei grundverschiedenen Manschen, bi* gleichzeitig ihr- Eigenart zu b haupten unb sich einander anzupassen wissen; haupffäcklick aber ist es die Freundlichkeit, die sie mir erweisen. Daß Dir Cara unbedeutcud, egoisttfch und übermütig erscheint, kann nur an meiner mangelhaften Schilderung liegen. Sie ist ein liebes, warmher­ziges, ansckmiegendes Kind, dessen Heiterkeit mir unsäglich wobltut, mit dem ich lachen kann wie früher mit Dir. Drei Jahre lang habe ich das entbehrt, denn so oft ich mich über Jonathan Wild amüsiert habe, es war immer nur ein Lache« des Verstandes. Dhe rechte das Herz er- frisckende Heiterkeit ist ganz anders. . .

Nie hatte Wilhelm ein Brief Christianens so tief berührt, wie diese Zeilen. Die ganze Freud­losigkeit ihrer Juaend stand ihm vor der Seele, als er las.' daß sie drei Jahre lang das Lachen entbehrt habe. Heißes Verlangen, sie wiederzw sehen. sich zu überzeugen, was wäbrnd der lan­gen Trennung aus ihren lebensprühenden, freude- durstigen Augen geworden sei, kam über ihn und drängte sich in seinen nächsten Brief aber das sollte nickt sein! Obwohl es ihm längst zur Ge­wißheit geworden war, daß nur Christtane die Gefährtin seines Lebens werden könne sie zu binde« oder auch nur aus der Seelenruhe zu Wecken, fühlte er sich nicht berechtigt.

Der Brief, der ihr seine« Herzenszustand ver raten hätte, wurde zerrissen, und da dem zweiten, bei dem er sich Zwang angetan hatte, die Wärme fehlte, an die Christiane gewöhnt war, hörte sie aus dem Versprühen, daß Wilhelm sie in ihrem Verkehre mit Northeimbs nie mehr stören wolle,

eine Gereiztheit heraus, für die sie nur eine Er­klärung fand. Neckend warf sie b-nt Freunbe vor, baß er auf Cara eifersüchtig sei. woraus er nun wirklich gereizt zur Antwort gab: seine Kamerabsckaft mit Christiane stehe ihm zu hoch, um sie bnrch große ober Keine Salongruppen ge­fährdet zu glauben.

Christiane war empört. Im nächsten Briefe, kündigte sie Wilhelm an, daß er zur Strafe für feine unritterliche Aeußerung vo« den Schloßbe- wohnern nichts mehr hören solle, und so schwer es ihr wurde, sie hielt Wort.

Auch von einer peinlichen Begegnung mit Jonathan Wild konnte sie dem Freunde nicht alles sagen. Zum erstenmale sah sie die lange Gestalt mit den Krücken und dem Schlapphute, als sie an einem Hellen Mondfcheinabend unter Muru-rs Schutz vom Schlosse t ach Hause ging Jonathan schien sie ebenfalls gesehen zu haben, denn er blieb stehen, als ob sie erwatten wollte. Aber als sie mit beschleunigten Schritte« heran­kam. verschwand er in der Tür d"s ärmlichen Hauses, vor dem er Halt gemacht hatte.

Sobald am nächsten Morgen der Fabriksherr im Kontor zu finden war, suchte 'hn Christiane auf, um sich nach Jonathan zu erkundigen, und erfuhr, daß er gestern angekommen sei, um vor­läufig in Elmenach zu bleihen.

Nervöser als je strich Herr F rdinand über sein spärliches blondes Haar, währ nb er versicherte, daß er nicht anders gekonnt habe, als den lin- glücklichen wieder aufzunehmen. Seine Frau sei zwar nicht damit einverstanden; ihrer Meinung nach hätte man den verkommene« Menschen, der eine Schande für die Familie fei, in der Ferne unterbringen müssen. Aber wenn Fräulein Christiane ihm den Gefallen tun wolle, Jonathans letzte« Brief zu lesen, werde sie begreifen . . . Dabei reichte er ihr ei« schmutziges Blatt Papier,

bündeten Englang unterstützt, hatte auch hi r gegen die Kohlenergänzung protestiert. Natürlich erhob der russische Ad ^iral sofort Klage, seine Regierung unterstützte ihn in Paris und es wurde ihm dann gesta tet. seinen Kohlenbestand aufzu­frischen, wenn dies innerhalb 24 Sb nden ge­schehen könnte. Schon in Judo China hatten sich die den Russen doch eng verbündet-, Franzosen so wepig zuverlässig unb freundschaftlich er­wiesen. Die nächste Kohleneinnahm-' war in Libreville, französisch Guin-a. 40 eilen nörd lich vom Aeguator. in Aussicht genommen, die folgende in der portugiesischen '*>rcb- Fischbucht und die Vorkehrungen hiernach getroffen. Aber mar wußte ja nicht, ob nicht dort englische Kriegsschiffe einen französischen oder porttigiest- scken Protest vielleicht doch unterstütz"« würden, und um nicht schließlich auch wck unter einem Mangel von Kohlen zu leiden, belud man die Schiffe in Dakar statt mit 11 Oft mit 2200 Ton­ne«. Das war keineswegs unbedenklich. Denn die Linienschiffe gingen in Folge sträflicher Baw- ausfübrunaen überhaupt tiefer, wie nützlich, und fee Ueberlab'.mg mit Kohlen konnte also leicht zum Kentern führen, zumal man mit einer be­wegten See zu rechnen hatte. Man vertz-l lte sick das keineswegs, traf auch eir.iae vorbeugende Maßnahmen, ohne die Gefahr wesentlich zu mindern.

Das Kohlenübernehmen in den T'opcn. wo von 10 Uhr vormittags bis 3 Nh" nachinittags jedes L ben aufhört, war für die russischen Matrosen eine wahre Höllencncheit: die Tem- perattir betrug Tag und Nacht nicht unter 26 Grad Reaumur, in den Koblenbundern foaar 37 Grad Remimur Nur 15 Minuten konnte man es don aushalten unb rnuMe schleunigst an Deck eilen utr ben zahlreich eintretenden Hitzfckläg n vorm- beugen. '.

Auch i« Libreville war bst französische Gou­verneur voller Bedenken, zumal dort , ei« wach­samer enaliscker Konsul residierte; uichtsdesto- wmiger gelang es den Russen, an einer verbor- cen-n Stelle sich mit neuen Kohlen zu versehen. Aber in der zu Portugal gehörenden Großen Fitch huckt tauchten neue Sckwietw'eiten auf. die Nicht ganz ohne Am cor sind Wer erwarttten, in der See schlingernd, die deutschen Kohlen- bamvfer von Neuem die Sckiffefamofi Keele, befe Deutschen!" schreibt Ssemenow.sie ar. beiten so pünktlich wie der Chronometer." Als die Russe« über drei M-fte« von der Küste Anker geworfen, erschien ein flehte, portugiesisch r Fft ßdamvfer Limpovo, bewaffnet mit einer 6-5 Kanone, und forderte den Geickwaderch f stü'- mi''ck c>us, f Di ort wieder abw.whren. er dies abichnte geriet der portugiesische Kommandant in ti'ffte Enttüstung und dampfte empört ab. um feiner Behörde über die Weigerung zu berichten.

lieber die Anftmft und das Verweilen des Geschwaders in der deuttcken Lüd"itzbucht lassen wir den Kapitän Ssemenow hier elbst frechen

Am 11. November ankerten w'r in L" "Ntz- buckt hinter einer Vandmnge Dt« Kohlen- dampfer erwarteten uns. aber e? war wegen des

auf dem mit zitternde« Sckriftzüg"« zu lefen Dresden, 16. Juli 1888, Sckeffelgasse 10, 4.

Lieber Ferdinand! Obwohl id wegen chronischen Geld- und Kreditmangels r.ichts zu essen h^tte und zu trinken aitfh nichts al 5 Wasser, Witt ich aus banfharer Rücksicht für Dich mi: dem letzten Hüffsmittel wa.'en bis ich Ant­wort von Dir habe. Es wäre Dir dock Wohl unangenehm in der Zeitung zu lesen, daß der Maler Jonatha« Wild der sich ems! als Rokoko- W'ld eines gewissen Rufes erbeute, sich aus Hungec erhängt habe Also übe-fepe ob Du mir helfen kannst. Mit ei« paar S.lbecftnaen ist das freilich n-cht zu machen. Ich kann und will au: Gründen die niemand was angeben, nur in Elmenach w"tterleben; aber nicht von Deiner Almosen Gnaden, sondern von meiner Arbeti sie mag noch so untergeordnet sein. Malen kann ick nicht mehr, und wie es mit dem Schreiben stetzt siebst Du an dieser Kratelci die ztttern- ben Finaer versagen ben Dienst. Auch den Hof kehren Botengänge besorg-« ober die Maschine beize« kann ick erbärmlicher Krüppel nicht. Also, was mit mir aniangen? Ich Weiß nichts? Geht es Dir ebenso, so antworte nickt das ist Antwort genug vielleicht die beste, denn ste erlaubt mir, mich der einzige« Freiheit zu be= dienen, die uns Menschen gegeben ist* ver Freiheit aller Plackerei ei« Ende zu machen. Leb' wohl Ferdinand! Rackdem ich Dir aus diese hochherzige Weise die Entkckeidttng erleich­tert habe, zähle ich wie es auch werden mag auf ein liebevolles Gedächtnis für Deinen

Vett'r Jonathan." (gottfetiung folgt.) ---ch------