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mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain

45. Jahrg.

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wird die Sozial- weder in Deusch-

sozialistischen Mehrheit in der Kammer sein und die Sozialdemokraten haben gerade durch ihre ungezogenen Kundgebungen bewiesen, daß sie von der parlamentarischen Macht den rücksichts­losesten Gebrauch macken würden. Ein so schar­fer Gegensatz auch gerade in Belgien zwischen dem liberalen Bürgertum und der herrschenden klerikalen Partei besteht, so sind doch beide darin einig, daß sie die Oberherrschaft der Sozial­demokratie. die notwendigerweise zur roten Re­publik führen müßte, nicht begünstigen können

und wollen.

Mit derartigen Mitteln demokratie nichts ausrichten.

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Der heutigen Nummer liegt bei Kreisblatt Nr. 91.

und den Beilagen:Nach Feierabend" (wöchentliche Unterhaltungsbeilage) und »Landwirtschaftliche Beilage."

land noch auch in Frankreich, wo sie eben jetzt durch ihr Verhalten persönlich radikal ge­sinnte Minister den gemäßiaten Parteien näher gebrackt hat. Auch in Deutschland wird die Sozialdemokratie, wenn Vorgänge wie die An- rüpelung Bethmann-Hollwegs im vorigen Win­ter oder die Straßentumulte von Moabit oder vom Wedding sich wiederholen, nur di« büraen- lichen Parteien einander näherbringen, was wohl im Jnteresie des Bürgertums liegt, aber nicht in dem der Sozialdemokraten.

Christiane Tanner.

Roman von Claire v. Blümer.

< Fortsetzung.!

Der Diener öffnete die Flügeltür- zur Linken der Einfahrt, und die jungen Mädchen traten in ein weites, hohes Vorzimmer, das mit seiner Neberladung von Stuckverzierungen an Decke, Kaminmantel und Wandpilasterr, seiner bunt­geblümten, verblaßten Dlastapete und den glei­chen Ueberzügen auf weißlackierten Taburetts und Bänken, die der ersten Hälfte des 18. Jahrhun­derts entstammten, einen vornehmen Eindnrck machte. Die bevorstehende Begegnung mit Frau v. Northeimb machte Christiane jedoch so befan­gen, daß sie weder für diese veraltete Pracht, noch für die neumodische Eleganz der Wohnräume, die sie Mil Cara betrat. Auge und Sinn hatte.

Mama, das ist unsere Heldin!" hörte sie dir fröhliche Stimme ihrer Führerin rufen, und während sie an dem gegenüberliegenden Fenster eine blonde Dame mit feinen, etwas scharsge- sckntttenen Zügen vom Schreibtisch aufblicken sah, sprang das Windspiel mit lautem Gebell so un­gestüm an ihr auf, daß sich die gefürchtete Vor­stellungszeremonie in lachendes Abwehren und Liebkosen des dankbar-n Hündchens auflöste.

Dann mußte sich Christtane Frau v. Northeimb gegenübersetzen und wurde von ihr mit herab­lassender Freundlichkeit einem der Verhöre unter­zogen, in denen jede Weltdame Meisterin ist. Nach Verlauf einer Viertelstunde wußte Frau Melanie v. Northeimb, daß Christiane weder Eltern noch Geschwister hatte, mit niemand verkehrte, durch shre Arbeit zu sehr in Anspruch genommen wurde, um jemals lästig zu werden; daß sie viel las, eine ernste Richtung hatte und nicht musikalilsch war ein negativer Vorzug, den die vorsichtige

sich ihrer Begegnung mit dem schönen Knaben erinnerte.

Unter Caras Vettern schien sich übrigens keiner durch Schönheit oder Liebenswürdigkeit auszu­zeichnen. Sie nannte sie insgesamtgute Retle", bis auf den Harten, der zwar nichts weniger al- hart sei sondern unausstehlich fein, selbsb- gefällig undvon oben herunter" Hart sei der Onkel, der trotz senes Reichtums er war MajoratSherr von Harthausen und hatte keine Kinder feine armen, von i)M abhängigen Neffen über die Maßen kur; halte. Dir Zulage, die er ihnen gab. solle zwar ganz anständig fein, aber sie durften keinen Pfennig Schulden machen, nickt die kleinsten Spielschulden und LiebeS- gesckichten dürfen sie auch nicht haben waS dock, wie Cara von ihren mit Brüdern gesegneten Freudinnen wußte, für junge Offiziere durchaus schick ist. Aber Onkel Parnim behauptete. daS sei nicÄadelig" auch das Schuldemnachen nicht. Konnte sich Christiane so etwas denken?

DaS konnte sie; aber Cara behauptete, daß sie sich diese ffeinbürgerlichen Ansichten abgewöhnen müsse; sie paßten nicht zu ihr. (Forffetzung folgt.)

kam. Bald war es ihr eine liebe Gewohnheit, wöchentlich ein paar ihrer bisher so einsamen Abende bei Rortheimbs zu verleben.

Cara genügte das nicht; so ost es Mama er­laubte, erschien sie in der Bürgermeisterei, um wie sie es nannte Christiane loszueisen oder, wenn das nicht anging, wenigstens am Maltische mit ihr zu lachen, zu plaudern und ihr von dem himmliscken Leben in der Residenz" zu erzähle::. Denn obwöhl Cara noch nicht vorgestellt war, hatte sie. teils im Hause der Eltern, teils im Kreise der Bekannten,alles gesehen", was zur Gesellschaft gehört.

Die Kleine fand es reizend von Christtane, daß sie sich so lebhaft für alle diese unbekannten Men­schen interessierte Die ältesten Knackse müsse sie ihr genau beschreiben, und sie höre dann ebenso aufmerffam zu. als wenn ihr Papa die geheimen Sckönbeiten seines Gerümpels erklärte. Arme Christiane! So oft sie sich gesagt hatte, ihr Pater müsse tot sein die Hoffnung, ihm zu begegnen, erwachte doch immer wieder, und mft Nopfendem Herzen suchte sie in Caras Berichten nach der ersehnten Spur. Aber keine der ge­schilderten Persönlichkeiten entsprach dem Bilde, das sie sich geschaffen hatte.

Unter den vielen Namen, die sie von Cara hörte, war auch nur einer, den sie kannte. Die Kleine erzählte von einem wunderlichen Onkel Parnim und einer Anzahl junger Vettern dieses Namens, die sie, da mehrere von ihnen Christian hießen, mit ihren Beinamen als den Roten, den Dicken, den Waldburger und cken Harten zu be­zeichnen pflegte. Christiane batte wissen mögen, ob ihr ungetreuer Freund darunter war, aber sich nach ihm zu erkundigen, war sie nicht im­stande. . Sie hatte so wenig erlebt, daß sie jeden Eindruck festhielt. Noch heute konnte sie sich eines beflemmenben Gefühles nicht erwehren, wenn sie

nigs am 16. November in Wien erfährt, hatte der König die Absicht dem Kaiser Franz Josef am 18. August in Ischl zum 80. Geburtstage seine Glück- wiknsche darzubringen. Wie die Besuche anderer Monarchen ist auch der des Königs seinerzeit unter- blieben, damit die Kürze der Ruhezeit des Kaiser« in Ischl nicht durch offizielle Veranstaltungen unter­brochen wurde. Der König benutzt nun seinen gegen­wärtigen Aufenthalt in Wien, um die beabsichtigt« Beglückwünschung nachzuholen. In seiner Beglei- tung befindet sich der Minister des Aeußeren Graf Vitzthum von Eckstädt. Im Anschluß an den Besuch in Wien ist ein mehrtägiger Aufenthalt in Tarvi« geplant.

Zum 100. Geburtstag Simfons. Berlin, 10. Rov. Der Präsident des Reichstages Graf v. Schwa- rin-Löwitz hat heute am 100. Geburtstag des ver­storbenen ersten Präsidenten des Deutschen Reichs­tages v. Simfon einen Kranz am Grabe nieder­gelegt und an Familie ein Telegramm gerichtet, in welchem er me Verdienste des Verstorbenen her­vorhebt. Von den Fraktionen des Reichstages find gleichfalls Telegramme an die Familie gesandt worden.

Herabsetzung des Gesamtkontingents der Bren­nereien. Berlin, 10. Rov. Der Bundesrat setzte ans Grund der §§ 25 und 26 des Branntweinsteuer- gesetzes vom 15. Juli 1909 das Eefamtkontingent der Brennereien für das Betriebsjahr 1910/11 auf 1757 783,39 Hektoliter Alkohol herab, was eine ent­sprechende Kürzung des Konttngents der einzelnen Brennereien zur Folge haben wird. Weiter beschloß der Bundesrat für das Betriebsjahr 1910/11 bei der für das Betriebsjahr 1909/10 vorgesehenen Kürzung des allgemeinen Durchjchnittsbrandes um vierzehn Hundertteile bewenden zu lassen und auch in An­sehung d-r Vergütung der Betriebsauflage die Sätze von 18 und 9 für vergällten und aüsgeführten Branntw-in bis auf weiteres unverändert in Gel­tung zu lassen. Nach § 72 Abs. 6 des Gesetzes erfor­derliche Nachprüfung, ob die von der Vergälltungs- pflicht befteite Branntweinmenge zu erhöhen oder herabzufetzen ist, hat sich der Bundesrat vorbehalten, bis die Ermittelungen über die Einwirkung der Kon- tingentsherabfetzung auf die vergälltungsfreie Branntweinmenge abgeschlossen sind und auf Grund der damit gewonnenen Ziffern übersehen werden kann, ob die Gesamtmenge des vergälltungsfreien Branntweins dem Bedarf im Betriebsjahre 1910/11 entspricht.

Nachspiele zum Brnhn - Prozess. ®ei Reickstagsabaeordnete Wilhelm Bruhn, der bockerbobenen Hauptes" den Sitzungssaal der Moabiter Strafkammer verlassen hat, ist von sei­nen Anhängern nach seiner Freisprechung wi« ein H'ld gefeiert worden. In dem bekannten antisemitischen Bierlokal, derHopsenblüte" Unter den Linden, deren Inhaber der Zeuge im Brubn Prozeß, Gastwirt Hermann Rieprich ist, und dessen weibliche Bedienung eine große An-

Die Moabiter Strakenkrawalle vor Gericht.

Berlin, 10. Ngv.

Die Umgebung des umfangreichen Eerichts- gebäudes in Moabit zeigt heute wieder das gewöhn­liche Aussehen. Ohne viel Kontrolle werden die Prozeßbeteiligten eingelassen. Auf den benachbaffen Straßen zeigen sich einige Kriminalstudenten, die respektvoll drei oder vier Kriminalpolizisten beob­achten. Der Zuhörerraum ist aber auck heute wieder überfüllt und die Presietische womöglich noch diäter besetzt als am ersten Verhandlungstage. Der Beginn der Sitzung war auf M.-10 Uhr angesetzt. Nachdem unter allaemeiner Erwartung eine halbe Stunde ver­gangen war, erschien der Gerichtsdiener Tuvinski und verkündete mit Stentorstimme, daß bis 12 Uhr Pause sei. Unterdessen beriet ein Dreimännerkolle­gium der zweiten Strafkammer über den Ableh­nungsantrag der Verteidigung. Der Vorsitzende dieses Kollegiums war Landgerichtsrat Westermann. Es wurde 2 Ubr nachmittags, bis sich die Türen des Gerichtshofes wieder öffneten. Die Angeklagte Frau Reinhardt, die bereits gestern einen Schwächeanfall erlitt, wird auch heute wieder von einem solchen be­fallen. Sie nimmt außerhalb der Anklagebank Platz und es werden ihr Stärkungsmittel gereicht. Wäh­rend noch alles gespannt auf das Erscheinen des Ge­richtshofes wartet, wird den Angeklagten folgender schriftlicher Vefcheid des als Zwischenkammer ein­gesetzten Gerichtshofes durch einen Eerichtsdiener übermittelt:Die Ablebnungsaesuche sind unbegrün­det und zwar aus folgenden Gründen: 1. Die Be­hauptung. daß die Staatsanwaltschaft im Interesse der Anklage gerade die dritte Strafkammer benutzte, ist nach dem von der Staatsanwalt>ck>aft dargelegten Sackverholt unzutreffend. Keinesfalls berechtigen die über die Verbindung der Straffachen ergangenen Befchtsikse zu der sn-sürcktung. daß sich die abaelebn- ten Richter durch diese angebliche Absicht de- Staats­anwaltschaft hätten beeinflussen lassen. 2. Wenn die Verbindung zweckmäßig und angemessen erschien, so

Deutsches Reich.

Der Gegenbesuch des Kaisers in Wolssgarte«. Wildpark, 10. Nov. Der Kaiser hat %11 Uhr mit­telst Sonderzuges die Reise nach Wolfsgarten, Baden- Vaden und Donaueschingen angetreten. In seiner Begleitung befindet sich u. a. der Vertreter des Auswärtigen Amtes Frhr. v. Jenisch.

Besuch des Königs von Sachsen i« Wien. Dresden, 10. Nov. Wie die Korresp. Sächsischer Landesdienst zu dem bevorstehenden Besuche des-

Ri'peltaktik.

Wie die sozialisttsche Presse Deiitschlands es sich angelegen sein ließ, unter schmählicher Ver­letzung des Gastrechts den Zaren bei seinem Be­suche in Potsdam zu beschimpfen, so haben die belgischen Sozialdemokraten es für angemessen erachtet, den belgischen König und seine Gattin bei der feierlichen Eröffnung des Parlaments an« zurüpeln. Als der König vom Stadtschloß nach dem Kammmergebäude ritt, wurden Tausende von weißen Papierblättchen g gen s in Pferd geschleudert, so daß er. wie dieVossische Zei­tung" meldet, in eine wahre Papierwolke hinein- gebüllt war. Auf den Papierblättchen stand Auflösung! Es lebe das allgemeine Wahlrecht!" Als die Königin den Sitzungssaal betrat und ein Abgeordneter ausrief:Es leb- die Königin", schrieen die nach deutschem Muster sitzen- gebliebenen Sozialisten ibm zu:Maul halten"; und als bann der Kön'a die Thronrede verlesen wollte, erhoben die Sozialdemokraten einen derartigen Lärm, indem sie Lieder an- stimmten und mit ihren Pultdeckeln trommelten, daß der König erst nach 20 Minuten zur Ver­lesung der Thronrede gelangte. Die belgischen Sozialdemokraten verhielten sich also ähnlich wie im vorigen Jahre die preußischen, als Herr von Bethmann Hollweg das Wort zur Wahlrechtsvor- kage ergriff.

DerVorwärts" ist von der Haltung der bet« ssiscken Gesinnungsgenossen entzückt. Er erffärt, daß die Kundgebung geaen die Infamie des Pfttralwahlreckis glänzend gelungen fei und tiefen Eindruck hervorgerufen habe. Es fei dem Könige bei feiner ersten Thronredeoute Gelegenheit ge­boten worden den wahren Willen des belgischen Volkes ffar erkennen zu lernen."

Auch wir glauben, daß das Verhalten der helgiscken Sozialdemokratentiefen Eindnrck" gemacht hat, aber wahrlich nicht im Sinne der Förderung der sozialistischen Absichten. Weder der König noch die büraerlichen Parteien können durch das rüpelhaft-' Verhalten der Sozialdemo­kraten dem sozialistischen Wunsche nack der Ein- ftibrung des allgemeinen gleichen Wahlrechts günstig gesttmmt worden fein. Dei.n sie müssen aus der sozialistischen Brutalität entnommen haben, wie gefährlich es wäre, gerade dieser Partei die Herrschaft über Belgien einzuräumen. Denn auf nichts anderes würde die Einführung des gleichen allaemeinen Wahlrechts in Belgien hinausloufen. Diefes dichtbevölkerte Land ist in einem Umfange wie fein anderer selbständiger Staat Eurovas Industriestaat. Die industrielle Arbeiterschaft bildet dort die Mehrheit der ev- wachsenen männlichen Bevölkerung. Die Ge­währung des allaemeinen gleickren Wahlrechts würde also gleichbedeutend mit der sicheren

Marburg

Sonnabend, 12. November 1910

mußte sie schnell erfolgen. Der im Eröffnungs­beschluß enthaltene Mangel der ausdrücklichen Be­scheidung läßt auf Befangenheit ebenso wenig schlie­ßen, wie 3. die Aufrechterhaltung der gegen die An­geklagten Weiß. Pflaster und Romanowski erlassenen Haftbefehle. Es liegt somit fein Grund zum Miß­trauen gegen die Mitglieder der dritten Strafkammer vor. gez. Westermann. Haberstrob. Wagner."

Um %3 Uhr erschien der ursprünglich eingesetzte Gerichtshof, die dritte Strafkammer. Der Vorsitzende Landgerichtsdireftor Lieber teilt mit, daß der Refe­rent Landaerichtsrat Musiol erfranft und daß für ibn als Ersakrickter Assessor Dooet eingetreten fei. Da aber die Verhandlung längere Seit in Anspruch nehmen werde, so seien noch zwei andere Ersatzrichter o.ufgefordert und auch aenebmigt worden. Der Ge­richtshof habe aber beschlossen, mit Rücksicht darauf und auf die vorgerückte Zeit die Verhandlung auf Sonnabend früh 9'4 Uhr zu vertagen.

Bevor der Gerichtshof den Saal verläßt, erbittet Rechtsanwalt Walter Bahn das Wott. Vor­sitzender: Die Sitzung ist geschlossen, ich kann Ihnen das Wort nicht mehr erteilen. R.-A. Bahn: Mir ist das Wort schon gestern abgeschnitten worden. Vars.: Das Wott ist Ihnen abgeschnitten worden? Ich habe nichts mehr zu erklären, wir ziehen uns zur Beratung zurück. Nach kurzer Zeit erscheint der Gerichtshof wieder und der Vorsitzende Lieber ver­kündet, daß gegen den Rechtsanwalt Walter Bahn wegen seiner Aevßeruna. daß ihm durck den Gettchts- hof das Wort abaefcknitten worden sei, eine Geld­strafe von 100 J£ verhängt worden sei. Damit war die heutige Sifeunq definitiv beendet und die Prozeß- beteiliaten verließen den Saal.

Unter der ÜberschriftDie ohnmächtige Pe- troleuse" wird uns zu dem Prozeß noch geschrieben: Zu einer ricktiaen Verhandlung im Moabiter Kra­wallprozeß wird es erst an diesem Sonnabend kom­men, aber einige nette Einzelheiten sind schon vom Donnerstag zu berichten, an dem im wesentlichen nur die Mitteilung des Gerichts erfolgte, daß es sich für unbefangen und zuständig erkläre. Der Rechts­anwalt Bahn wurde wegen Ungebühr zu 100 M. verurteilt, weil er wiederholt rief, man schneide ihm das Wort ab, obwohl in diesem Stadium der Ver­handlung eine Worterteilung an die Anwälte über­haupt nicht zu erfolgen bat. Eine Angeklagte aber, die schon tags zuvorihre Zustande" gehabt hatte, bekam oder martierte- wieder Obnmachtsanfälle. In dem offiziellen Gerichtsbericht wird das ohne Kom­mentar gemeldet. Wir können aber binzufügen, wes­wegen diele anscheinend so bedauernswerte schwäch­liche Perlon angeffaat ist: sie ist es nämlich, die mit voller Wucht einm Schutzmann eine brennende Pe­troleumlampe an den Kopf geworfen und bann mit männlicher Kraft sich geaen ihre Festnahme vertei­digt hat.Da wer den Weiber zu H"änen ..." Schiller ist wahrhaftig noch heute modern.

Die Znsertionsgebübr betragt für Inserenten aus dem engeren Verbreitungsgebiet des Blattes für die 7ge'~oftene Zeile oder deren 9tannt 18 4, fftt auswärtige Inserate 20 s, für Reklamen 40 4. Druck «nb Verlag: Joh. Aug. Koch, Universitäts-Buchdrwkerei. Fnbgb-r Dr. C. .re :> '.'narkwrg, gT?A*ff 2t. 55.

Weder Macht.

Roch hatten jünast bie Bäume Ihr herbstlich schönes Kleid;

Sie träumten süße Träume, Weil noch der Winter weit.

Da ist der Sturm gekommen

In schlimmer Wettemacht

Und bat mit fortgenommen Die bunte Blätterpracht. Was still bet Herbst gewoben Im Rebeffonnensttabl, In alle Welt zerstoben Ist es mit einemmal!

Herrn. Haas«, Gelnhause,

Mutter in Anbetrackt der Talentlosiakeit ihrer Tochter befonders schützte. Auch das Aeußere des jungen Mädchens erregte keinerlei Bedenken: die einfache Eleganz der Kleidung war ihrer Lek-ensstellung angemessen. Selbst ihre ernste Schönheit erschien Frau v. Northeimb ungefäbv- lich; wurde sie doch, ihrer Meinung nach, durch Caras elfenbafte Erscheinung völlig verdunkelt. So mochte denn die liebe, ffeine Törin ihren Willen baben.

Als Murner meldete, daß der Tee serviert sei, wurde Chttsttane dazu eingeladen und dem Haus­herrn, mit dem sie im Eßzimmer zusammen- trafen, als Caras'neue Freundin" vorgestellt', die Du sehr, sehr lieb haben mußt, lieber Papa," fügte Cara hinzu, indem sie sick neben ihn setzte, und Christiane an ihre andere Seite zog.

Herr v. Nottheimb antwottete nicht. Er war ein großer hagerer Mann mit schon ergrauendem Haar, krankhaft bleichem Gesicht, müden Augen und schlaffer Haltung. Anfangs hatte feine Wort- kargheit etivas Beklemmendes für Christiane. Aber wenn er einmal sprach, wurden Blick und Miene so freundlich, daß sich der erste Eindruck bald verwischte, und was Christiane vollends für ihn einnahm, war seine Zättlichkeit für Cara. Wenn er mit ihr sprach, wurde feine (stimme weicher als sonst, wenn er sie ansah, glänzten seine matten Augen, und während er mit zer- stteutem Lächeln den Mitteilungen feiner Fran über eben erhaltene Familienbriefe zuhötte, streichelte er hin und wieder das blonde Köpfchen an seiner Seite. Christiane wurde ganz behaglich in der fttedvollen Atmosphäre dieses Hauses, und als sie beim Fortgehen von Frau v. Nottheimb aufgefordett wurde, bald wiederzukommen, ver­sprach sie es gern.

III.

Der sympathische Eindruck dieses ersten Be­suches erneuerte sich, so oft Christtane ins Schloß

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