itnb den Beilagen: „Nach Feierabend" (wöchentliche Unterhaltungsbeilage) und Landwirtschaftliche Beilage."
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mit dem Kreisblatt kür die Kreise Marburg und
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Die „Oberhessische Zeitung" erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage. — Der Bezugspreis beträgt vierteljährlich durch die Post bezogen 2,25 J( (ohne Bestellgeld), bei unseren Zeitungsstellen und der Ervebitton 4Markt 21), 2.00 M. (Für unverlangt zugelandte Manuskripte übernimmt die Redaktion keinerlei Berontwortunq.)
Marburg
Freitag, 11. November 1910.
45. Jahrg«
Die Znsertionsgebühr beträgt fi"r Inserenten aus dem engeren Verbreitungsgebiet des Blattes für die 7ae^oltene Zeile oder deren »iauni 1b 4. für auswärtige Inserate 20 L, für Reklamen 40 4. — Druck und Verlag: Joh. Aug. Koch, Universttäts-Buchdri'^erei. Intznk-»- Dr. E ■ t n 'rbnrg. M-"-kt 21. — 55.
Deutsches Reich.
— Di« Reise des Kronprinzen. Suez, 9. Rov. Der Reichspostdampfer „Prinz Ludwig" . mit dem Kronprinzenpaar an Bord ist auf seiner Ostasien- fahrt heute früh 4 Uhr nach schneller und angenehmer Kanalfahrt in Suez eingetroffen. Die Abfahrt von Suez erfolgte um 8 Uhr.
— Die Oeffnung der französischen Grenz«. Metz, -. Rov. Die Kreis- und Erenztierärzte find amtlich dahin verständigt worden, daß die französische Grenze zur Einführung von Schlachtvieh geöffnet ist und zwar die Uebergangsstationen Avricourt, Alt- Munsterol und Rovöant zur Einführung nach den Städten Straßburg, Metz, Mülhausen, Karlsruhe, Heidelberg und Mannheim. Zum Schutze gegen die Eeuchengefahr sind eingehende Zeugnisse über die Seuchenfreiheit nebst Signalement der Tiere beizubringen, auch muß das Vieh nach grenztierärztlicher Untersuchung und zollamtlicher Behandlung in bahnamtlich verschlossenen Viehwagen in die Schlachthäuser der betreffenden Städte übergeführt werden. Die Zahl des einzufllhrenden Viehs wird den Bedürfnissen entsprechend kontingentiert. Die Vieh- zrreise sind in letzter Zeit in Frankreich im Steigen begriffen.
— Rußland und Deutschland. Petersburg, 9. Rov. In der „Rossija" wird morgen folgende Auslassung erscheinen: Die Monarchenbegegnung in Potsdam, liegleitet von Unterredungen des Reichskanzlers Dr. ». Bethmann-Hollweg und des deutschen Staatssekretärs des Aeußern v. Kiderlen-Mächter mit dem Verweser des russischen Ministeriums des Aeußern Ssasenow, hatte sehr erfreuliche Resultate ergeben. Die sich klar herausstellte, bestehen in den Anschaumgen der Regierungen beider Rachbarmächte über die Grundfragen der internationalen Politik keinerlei Meinungsverschiedenheiten. . Was verschiedene Fra- ■jen von weniger wesentlicher Bedeutung betrifft, so wurde die volle Möglichkeit festgestellt, die Lösung auf diesem Boden entstehender Mißverständnisse durch aufrichtigen offenen Meinungsaustausch zwischen den beiden Regierungen zu erleichtern.
— Der Norddeutsche Lloyd. Paris, 9. Rov. Der Korddeutsche Lloyd hatte wegen der übertriebenen Forderungen der Lotsen beschlossen, nicht mehr in kherbourg anzulegen, sondern in Boulogne. In kherbourg macht sich jetzt ein großer Unwille gegen die Lotsen geltend. In einem amtlichen Bericht wurde festaestellt. daß jeder einzelne Lotse alljäbr- Istch bei einer verhältnismäßig leichten Arbett nnn Franks verdiene. Es heißt auch, daß die Mehrheit der Lotsen angesichts der herrschenden Volkssttm- ’jnung nunmehr geneigt sei. den Tarif herabzusetzen.
— Bauschwindel und Bauhandwerk. Der Bauschwindel treibt in Großstädten besondere Blüten. Die Berliner Handwerkskammer hat nun einen neuen Weg eingeschlagen, um dem Bauschwindler- tume zu beaeonen. Sie hat Umfragen an die ein-
12 (w. verboten.)
Christiane Tanner.
Roman von Claire v. Glümer.
l Fortsetzung.)
„Sie haben reckt, ick bin sehr, sehr glücklich!" sagte sie. „Mama ist die liebste, beste Frau, und Papa der liebste, beste Mann der Welt. Aber statt fie Ihnen vorzuloben, will ich sie Ihnen zeigen — und sehen Sie, das ist mein Anliegen: jetzt gleich müssen Sie mitkommen, damit Mama Sie kennen lernt und Ihnen danken kann. . . und ehe wir Sie fortlaffen, müssen Sie versprechen, uns recht, rech^ oft zu besuchen."
Christiane fragte sich selbst mit klopfendem Herzen, ob die Schloßbewohner den Makel ihrer Geburt übers-hen wollen, oder ob fie nichts davon wußten. Klüger war 's jedenfalls nicht erst anzuknüpfen, was aller Wahrscheinlichkeit nach nicht von Dauer sein konnte.
Es wird nicht gehen, antwortete fie; „ich habe eine kranke Großmutter . . ."
„Ich Weiß, ich weiß?" fiel ihr Cara ins Wort. „Als Sie verschwunden waren, wie di« Fee tat Märcken blieb nichts übrig, als den alten Murner, unseren Diener, auf Kundschaft anszuschicken, und der hat in Erfahrung gebracht, daß Sie, wie eine verwunschene Prinzesfin, von Drachen bewacht find . . . Oh, nicht so böse Augen machen!„ unterbrach sie sich selbst, „ich habe ja nur sagen wollen, daß die Frau Bürgermeisterin für eine strenge Dame gilt. Aber ich werde Sie losbitten, liebe Christiane... es ist nicht leicht, nein zu sagen, wenn man richtig gebeten wird... lassen Sie uns zu ihr geben."
Auch Christiane konnte nicht mehr nein sagen. Obwohl sie keinen Erfolg erwartete, führte sie Cara der Großmutter zu.
Im ersten Augenblick schien die Bürgermei-
zelnen Innungen gesandt, deren Ergebnis den Po- lizeipräfidenten vön Berlin, Charlottenburg, Schöneberg usw. sowie dem Regierungspräsidenten von Potsdam und verschiedenen Amtsvorstehern unterbreitet werden sollen: Material für das Gesetz zum Schuhe der Bauhandwerker. Die Beantwortung so heikler Fragen scheut der Einzelne. Innungen können leichter darüber Hinwegkommen. Run liegen die ersten Ergebnisse vor. 11 von 23 Innungen, die geantwortet haben, bezeichnen nicht weniger als 193 Bauunternehmer als unzuverlässig. Als Beispiel sei angeführt, daß 65 Unternehmer, 17 Weißblechschmiede allein um 180 000 JC geschädigt haben. Ist es da ein Wunder, wenn das solide Handwerk untergeht? Die endgültige gesetzliche Sicherung der Bauhandwerker ist wirklich eine der dringendsten Forderungen der Zeit.
Die Moabiter Strakenkrawalle vor Gericht.
Berlin, 9. Rov.
Unter dem Vorsitz des in letzter Zeit viel genannten Landgerichtsdirektors Lieber begannen heute vormittag vor der dritten Strafkammer des hiesiaen Lanbgericktts I die Derbavdlunaen geaen die 35 Männer und Frauen. Die Feststellung der Zeugen und die PettonolfeMettun-» der Anaeklagten nahm geraume Zeit in Anwno-K Darauf baantraate Rechtsanwalt Heinemann die Abtrennung der nicht vor die dritte Strafkammer neNgrenden Anklaoe- fachen. Aucki R.-A. Dr. Kurt Rasenfeld machte für drei seiner Klienten geltend, daß sie nicht vor die dritte Strafkammer gehörten. Schließlich meldeten sich auch noch die Rechtsanwälte Dr. Liebknecht, Heine. Cohn, Walter Bahn und Bruno Blau mit ähnlichen Anträgen, denen Erster Staatsanwalt Steinert widersprach. Während dieser Zeit wurde eine der anaeklagten Frauen bereits ohnmächtig. Als R.-A. Rosenfeld ta leinet Erwiderung auf die staats- anwaltschaftlichen Ausführungen davon sprach, daß es sich bei den Moabiter Ausschreitungen nur um „Ermesse der Schul--nannschaft" bandle, wurde er vom Vorsitzenden zur Ordnung gerufen. Rach etwa einstündiger Pause lehnte das Gericht alle beantragten Abtrennungen ab. bis auf den Fall der ohnmächtig gewordenen Frau Reinhardt, falls diese sich inzwischen nicht wieder erholen sollte. Runmebr lehnte unter allgemeiner Bewegung R.-A. Heine sämtliche amtierenden Richter wegen Besorgnis der Befangenheit ab, weil die Ankloaebehörbe ungesetzlich vorgegangen sei und die Richter durch ihren Beschluß dieser Ungesetzlichkeit Vorschub geleistet hätten. Da über diesen Ablehnungsantrag zunächst ein anderes Richterkollegium Beschluß fallen muß. so vertagte der Vorsitzende Dr. Liebe- die Verhandlung hierauf bis Mittwoch früh 9% Uhr.
Die Tendenz der Verteidigung ist bereits jetzt klar: fie will nachweisen, daß es sich wieder um eine Art „Brausemetter-Kammer" bandle, dal- ein einens scharfer Präsident enggesucht sei, um „Klassenjustiz" zu treiben. Die Leute, die mit Steinen oder gezogenen Messern auf die Schutzmannschaft losoeaanoen find, find nach Ansicht der Verteidiger unschuldige Opfer, und auf die Anklaaebank gehöre die Polizei und das Gericht. Der „Vorwärts" behauptet steif und fest, daß die Sozialdemokratie mit den Moabiter Revoluzzern nichts zu tun habe. Merkwürdig, daß trotzdem die „Parteianwälte" Heine und Liebknecht
sterin geneigt, den Besuch der jungen Dame als unberechfigten Ueberfall anzusehen, aber Blick und Miene sänftigten sich mehr und mebr. als ihr Cara bei der Vorstellung die Hand küßte und, nackdem sie anädig ausgefordert war, sich zu setzen, von Christianens Heldentat berichlete.
Christiane hatte nichts davon getagt und wollte Caras überschwengliche Darstellung nicht gelten lassen. Die Kleine blieb jedoch dabei, daß ihr armes Hündcken ohne Christianens Beistand verloren gewesen wäre, daß sie selbst sich nie, nie darüber getröstet haben würde, und nie. nie aufhören werde, die Retterin ihres Lieblings als das beste, tapferste Mädchen der Welt zu ber wundern.
«Die Bürgermeisterin nickte vor sich hin. „Tannersche Art, ohne Besinnen zuzugreifen, wo es was zu tun oder zu helfen gibt," tagte fie: „es freut mich, daß mein« Enkelin so viel davon hat."
Christiane glaubte zu träumen und erstaunte noch mehr, als Caras Bitte, sie mitnehmen zu dürfen, gewährt wurde. Mit der Versicherung, daß die Frau Bürgermeisterin die liebste, beste aller Großmütter sei. küßte ihr Cara abermals die Hand und führte Christiane fröhlich von dannen.
Gleich darauf kam Lore ins Zimmer. Mit ängstlicher Miene trat sie auf die Bürgermeisterin zu und fragte mit ängstlich bebender Stimme:
„Frau Pate, Sie haben dem Unglücksfinde erlaubt, ins Schloß zu gehen?"
„Warum nicht!? Hast Du etwas dagegen!?" rief die Bürgermeisterin in dem herrischen Ton, der Lore sonst immer zum Schweigen brachte; aber diesmal mußte sie sich ein Herz fassen.
„Ich meinte nur ... ich dachte, nur . . ." stammelte sie.
„Das laß rmr gut sein; es kommt nichts dabei heraus!" fiel ihr die alte Frau ins Wort. „Sage
und noch zwei andere sozialdemokratische Advokaten geringeren Grades in dem Prozeß fungieren!
Ausland.
** Die türkische Anleihe. Konstantinopel, 9. Rov. Finanzminister Dschavid Bey und Dr. Helfferich haben heute abend den Anleihevertrag unterzeichnet. — Berlin, 9. Rov. Eine von der Deutschen Bank geführtes Konsortium übernahm von der türkischen Negierung eine vierprozentige in 41 Jahren tilgbare, durch die Zolleinnahmen von Konstantinopel sicher gestellte Anleihe von sieben Millionen türkischen Pfund zum Kurse von 84 Prozent weniger den Pauschalvergütungen für den ausländischen Stempel und die Emmissionskosten. Das Konsortium hat die Anleihe bis spätestens 14. März 1912 abzunehmen und leistet der türkischen Regierung inzwischen zu 5)4 Prozent Vorschuß auf Schatzwechsel, welche aus dem Anleiheerlös heimzuzahlen sind. Die türkische Regierung räumt dem Konsortium außerdem das Recht ein, weitere 4 Millionen türkische Pfund der gleichen Anleihe zum nämlichen Kurse zu beziehen.
** Der Steuerstreik der Winzer des Marnetales. Paris. 9. Rov. Aus Epernay wird berichtet, daß die Erregung der Winzer des Marnetales, die jüngst den Steuerstreik beschloss:» haben, in bedenklicher Sßeife zunimmt. Die Meldungen, daß auf dem Bahnhof von Damery 40 Fässer Wein aus der Tourain eingetroffen seien, erregte große" Unwillen und an 1000 Winzer zogen vor den Bahnhof unter den Rufen: Rieder mit den Weinfalschern! Der Unterpräfekt oab den Winzern die Versicherung, daß der Mein an die Absender zuriickgeschickt werden solle, aber es gelang nur schwer, die aufgeregte Menge zu beruhigen.
•* Die Republik Portugal. Lissabon, 9. Rov. Vier Admirale, darunter der frühere Ministerpräsident Ferreira Amaral, wurden verabschiedet.
** Der Sieg der Demokraten. Rewyork, 9. Rov. Bei den gestern stattgefundenen Wahlen in den Vereinigten Staaten siegten fast auf der ganzen Linie die Demokraten, wodurch die Wiederwahl Roosevelts als Präsident sehr in Frage gestellt wird. Roosevelt gehört der Partei der unterlegenen Republikaner an und hatte sich selbst an der Agitation lebhaft beteiligt.
** Revolution in Peru. Lima, 9. Rov. In der Provinz Chiclayo ist eine Revolution ausgebrochen. Die Regierung entsandte Truppen dahin. In hiesigen Kreisen herrscht Besorgnis.
** Die Unruhen in Honduras. Berlin, 9. Rov. Der kleine Kreuzer „Bremen", der infolge der in Amapala (Honduras) oitsgebto jenen Unruhen zum Sckutze des de"ffchen Eigentums und der deutschen Interessen dorthin beordert wurde, ist, aus Panama kommend, am 8. November in Amapala eingetroffen. Ein französisches Kriegsschiff und ein Kreuzer der Vereinigten Staaten find bereits dort. Ein eng-
Dir lieber, daß ich zu allem, was ich tue. meine guten Gründe zu haben pflege. Seit ich den böfen Anfall gehabt habe, quält es mich, daß Christiane, wenn ich die Augen schließe, ganz allein steht. Um ihr Fortkomm-'n ist mir nicht bange; sie ist geschickt und fleißig. Aber mit fremden Menschen umzugehen, hat sie nicht gelernt. Darum ist mir die Bekanntsckaft mit den Northeimbs recht . . . Was starrst Du mich an? Kannst Du das nicht begreifen?'
„Das wohl . . . aber Christiane hat doch bis jetzt keinen Umgang haben fallen."
Die Bürgermeisterin lachte bitter auf. „Nein, mit den Elmenachern nicht," antwortete sie. „Christiane soll keine Freundlickkeit von Leuten onnebmen, die sich einbilden, uns damit eine Gnade zu erweisen und nickt aufhören, sich sckadenfroh an unser Unglück zu erinnern. Fremde Menschen, die davon nichts wissen, sehen ein, was das Mädchen wert ist. Du hättest hören sollen, wie viel der Keinen Rortbeimb daran lag, daß ich Christiane u.ttgehen ließ."
„Wcnn's nur gut abläuft?" Nagte Lore. „Unser armes Lamm bei diesen vornehmen Leuten . . ."
„Unsinn!" rief die alte Frau, und auf Christiane deutend, die eben mit Cara am Arm, gefolgt von dem Bedienten, über den Kirckplatz ging, fügte sie hinzu: „Die ist kein armes Lamm! Du brauchst doch nur zu sehen, wie ruhig sie neben diesem Keinen Irrwisch dahingeht, um zu wissen daß sie sich nichts vergeben wird."
Im Ton und Blick der Bürgermeisterin lag einmal wieder das alte Tannersche Selbstgefühl. Lore seufzte und schwieg.
Chrisfiane war nicht so ruhig, wie sie der Großmutter erschien. Der Eintritt in die Lebenssphäre ihres Vaters beängsttgte sie. Jeder Name, der dort genannt wurde, konnte der sei- nige sein; selbst et» Zusammentreffen war nicht
lisches Kriegsschiff wird erwartet. Die telegraphisch« Verbindung mit dem Festlande ist wiederhergestellt, die übrigen Verbindungen sind noch unterbrochen.
Marburg und Umgegend.
(Nachdruck aller Ortginalarttkel ist gemäß § 18 des Urheberrechts nur mit der deutlichen Quellenangabe „Oberheff. jjtg.' gestattet.)
Marburg, 10. Rov.
* Volkszähler gesucht. Leute, die bereit sind, das Ehrenamt eines Zählers bei der am 1. Dezember d. I. ftottfinbenben Volkszählung in hiesiger Stadt zu übernehmen, wollen sich im Zählbureau, Markt 8, melden
* Hessischer Geschichtsvereta. In der Sitzung vom 7. Rovmeber sprach Landgerichtsrat Heer über das Studentenleben in Marburg im 16. und 17. Jahrhundert unter Mitteilung vieler Einzelheiten aus den Quellen. Diese beschäftigen sich freilich fast ausschließlich mit Mißständen und Ausschreitungen, so daß wir nur die Nachtteiten des Studenten- le" .ns der, damaligen Zeit kennen lernen. Während in der ersten Zeit nach der Sttftung der Universität keine Klagen über dta Studenten laut werden, machen sich letztere mit der Zunahme des Besuches der Universität feit etwa 1540 durch allerhand meist nächtlichen Unfug bemerklich, rs wird von Schlägereien von Studenten unten« einander und von solchen mit Bürgern und Hos- bedienten berichtet, die nicht selt r. mit dem Tode eines der Beteiligten endeten, da beide Teile sich bewaffneten. Seit 1544 suchen wiederholte Erlasse der Universität, der Regierung und des Landgrafen dem Unfug zu steuern, indem sie den Studenten verbieten, abends im Sommer nach 9. int Muter nach 8 Uhr auszugehen, indem sie dar Schreien. Lärmen und Musizieren auf der Straße, u:.v besonders das Tragen von Waffen namentlich von Schußwaffen, unter strenge Strafe stellen. Die Erfolglosigkeit dieser Anordnung veranlaßt 1566 den über den sckl-mmen Ausgang einer Schlägerei zwischen Studenten und Hof- bcdientcn erzürnten Landgrafen die Befolgung dieser Anordnungen energifch einzusckörfen. doch sieht er sich bald in der Lage, die angedrohten barten Strafen zu mildern. — Die Besserung des Betragens der Studenten war nicht von Dauer, namentlich seit 1590 Men wieder öfter Exzesse der stets bewaffnet einhergebenden Studenten vor. Zwar legen diese die Wessen wieder ab, aber schon int Anfang des 17 Iadthmtderts und vollends in den Zeiten des Dreißigjährigen Krio- ges wurde es wieder allgemein üblich, daß der Student mit Degen oder gar mit Schießgewehr bewaffnet einherging, und lo erneuten nnd »er? mehrten sich di- alten Uebelstände. Seit Anfang des 17. Jahrhunderts erregte der tagen. Pen- naffsmus die Aufmerksamkeit der Behörden. Der Vortragende gedachte der Magoreien geaen Me jungen Studenten, der tagen. Vennall-Kmäuse, der Tisckrückung. der Hausaktionen und Haus
ausgeschlossen. — Und wenn — sie hatte so viel von der Stimme de§ Blutes gelesen — wenn sie dann fühlte, daß er es war, wie sollte fte’4 ertragen?
Von diesem Gedanken erfüllt, hötte sie nut mit halbem Ohr auf das Geplauder ihrer Gefährtin, in das fie. um ihre S-immung zu verbergen, hin und wieder eine Frage einsckaltete. Cara wurde nicht müde, das „„riesige Glück" zu preisen, das sie in Christiane gefunden habe Wenn Eltern auch noch so gut wären, eine Fremtd'n brauche man doch, erklärte fie. In der Residenz hätte sie ein ganze Meuae gehabt, aber von den jungen Mädchen in Elrnenach wäre Christtane die aller-, allereinzige, mit der sie verkehren möge.
Ob ihr d'e kleine Stadt überhaupt nicht gefalle, fragte Christiane. „O ja!" antwortete sie nach einigem Zögern. „Mama meinte sogar, daß Papas Ernennung zum Sckloßhauptmann von Elmenach eine große Gnade des Herzogs gewesen sei. für die sie alle sehr dankbar sein müßten. — Der arme Papa, der feines Befindens weaen nicht länger Offizier bleiben könne, verstehe sich nämlich ganz prachtvoll auf altes Ge- rümvel: Waffen. Schilde, zerbrochene Töpfe, ver- schossen« Teppiche. Solcher Krimskrams sei ta allen Winkeln des Elmenacher Schlosses zu finden, und damit solle Papa in bet ersten Etage eines von den greulichen Altertumsmuseen ein- tickten, die heutzutage so „sckickig" gesunden würden . . . Jammerschade für den große« Saal... wie himmlifch hätte fich's darin tanzen lassen!"
„Die fünf Mittelsenster stnd's," fügte sie hin- zu, während sie ihre Gefährttn mtt beschleunigte« Schritten über den Schloßhos führte. Uebrtgen« ist auch unsere Parterrewohnung entzückend. — Schnell, Murner, schließ auf!"
(Fortsetzung folgt.)