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45. Jahrg.

Deutsches Reich

Reaktionär, als Ludwig XTV.

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sam blieb sie auch, wenn sie

I

Hunderten Frankreich Bündniffe und hem schlossen.

Malerei Vaters; Wiesen, suchen;

einsam wanderte sie um Vorbilder für einsam verbrachte sie nachdem sich Lore

Bord des Reichs- 4. Nov. (Durch vormittag 10 Uhr

ihre Arbeiten M die letzten Abendi- mit der Bürger­und innerlich ein- mit ihren Hausge-

Du Weißt, seit der ersten

ihres Lehrers schrieb:

Referendare, um das englische Gerichtswesen zu stu­dieren; junge Nattonalökonomen, die sich in da» großbritannische Wirtschaftsleben vertiefen wollen; endlich auch Kandidaten der neueren Philologie, bte besonders Sprachstudien nachzugehen beflissen sind.

Man kann sich diesen Wünschen nur anschließen.

Elmenach. 8. Juli 1883. allerschönste Christiane, daß mir Stunde meiner Rückkehr der Bo-

Vorwürfe zu machen. Es war häßlich von mir, fortzulaufen, ohne zu sagen, wie dankbar ich ihm bin. Morgen will ch das nachholen und nie mehr empfindlich sein, to-'nn er verdrießlich oder spöttisch ist, und will mir beim Malen so viel Mühe geben, wie ich iraend kann. Wenn ich von Kunst auch nichts verstehe, so weiß ich doch, daß alles, was ich male, nur Buchstabieren ist, wäh­rend Herr Jonathan sobald er den Pinsel nimmt, deutlich und schön zu sagen weiß, was er nur will. Das meiste, was er so sagt, schnut Herrn Ferdinand Wild freilich nicht zu gefallen; aber von ihm lernen muß ich noch jahrelang, ehe ich ihn erreiche wenn ich's überhaupt jemals so

DieOberhessische Zeitung- erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage. Der Bezugsprei - betragt mer.el- ____ - "-r v , AS n <_______ a ne ii i » (DaiIaTi AAinl np

diese nickt Auserwäblten haben ihr Lebmlang eine Sisvphusarbeit zu tun und Tantalusaual zu leiden. Wehre Dich gegen dies Verhäng­nis; bescheide Dich; wolle nicht mehr, als Dir erreichbar ist.

Lachst Du über meine Widersprüche? Ich lache mit, so bitter ich's nur kann, denn es wird mir schwer, Dir zuzugeben, daß der elende Ge­werbetreibende Ferdinand Dick bequemere W"ge führen wird, als der Künstler Jonathan ehe­mals."

-xviv verbalen.1

EbriAane Tanner.

Roman von Claire v. Glümer.

(WtirHefcung.)

Sklavenhalter Ferdinand Wild verkauft hast, wird er Dich nie wieder zur freien Kunstübung komm tt lasten, und so bleib* mir, als dem Mohren, der seine Schuldigkeit getan hat, nichts weiter übrig, als mein Bündel zu schnüren.

Wenn Deine sündigen Augen dies Blatt über­fliegen, bin ich seit Stunden in die weite Welt hinausgedampst; wo ich halt mache, weiß ich noch nicht.

Deine sündigen Augen? Ja Kind, mehr als Elmenach und mein edler Vetter sind sie schuld,daß ich Dich lasten muß Marie!" Sie erinnern mich zu sehr an das einzige Weib, das ich wirklich geliebt habe, und sind doch wieder

nossinnen zusammen war.

(Fortsetzung folgt.)

Zweites Buch.

I.

Drei Jahre waren vergangen, seit Christiane ihr Malgerät aus derArbeitshöble" in da- Vorderhaus geschafft und wie Jonathan ge­sagt haben würde ihre Tätigkeit alshöheres Fabriksmädchen" begonnen batte.

Der höfliche Ferdinand Pflegte siemeine junge Künstlerin" zu nennen. Er war ebenso entzückt von ihren Leiswngen wie von ihrem Fleiß nud sand, daß sie beständig Fortschritte mache, während sie selbst sich nach und nach matt werden fühlte.

Der enge, immer gleiche Rahmen, dem sie ihre Phantasiegebilde einzusügen hatte, bedrückte ft, und das dutzendweise Wiederbolenmüffen des­selben Borwurfes erfüllte sie bald mit prickeln­der Ungeduld, bald mit lähmender Langeweile.

Politische Umschau.

Das Recht des akademischen Bürgers.

Eine zeitgemäße Reform des Studentenrechts wurde von Akademikerverfammlungen in vielen Universitätsstädten gefordert. Es wurde folgende Resolution gefaßt:

,Me am 4. November 1910 in Berlin gleichzeitig mit den Kommilitonen in Posen, Braunschweig, Breslau, Danzig, Darmstadt, Eisenach, Göttingen, Greifswald. Halle, Heidelberg, Kiel, Königsberg, Marburg, München und Stuttgart versammelten Studenten und Akademiker sind der Ansicht, daß die Disziplinarvorschriften für Studierende einer grund­legenden Reform bedürfen. Sie sprechen die Hoff­nung aus, daß die preußische Regierung der ein­mütigen Stimme aller Parteien, die in der Sitzung des preußischen Abgeordnetenhauses vom 13. Juni

Bahnhof waren der Eroßherzog söhne erschienen.

Die Kronprinzenreise. An postdampsersPrinz Ludwig",

Funkenspruch über Pola.) Heute postierte der Dampfer des Nordd. LlovdPrinz Lud­wig" bei herrlichem Wetter die Straße von Messina. Der Kronprinz und die Kron -inzestin, die sich in guter Stimmung befanden, betrachteten Mestina und Roggio mit großem Interests.

Das schwedische Kronprinzenpaar in Berlin. Berlin, 6. Nov. Der Kronprinz und die Kron­prinzessin von Schweden sind heute vormittag hier eingetroffen und begaben sich nach Potsdam.

Wechsel i** der hoh» en Diplomatie. Berlin, 5 Nov. Wie dieNordd. Allg. Ztg" hört, ist a«f

Marburg

Dienstag, 8. November 1910.

mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain

und den Beilagen:Nach Feierabend» (wöchentliche Unterhaltungsbeilage) undLandwirtschaftliche Beilage

Christiane folgte ihm; der Spötter sollte ihr die Freude nicht verderben. Lore, di« gute Tante- Sore, würde ihr Entzücken teil n. Aber sie sah sich getäuscht.

. . . Ich fürchte, die arme Tante hat das Freuet, verlernt " schrieb sie an Wilhelm.

Als ich ihr jubelnd von meinem Glück er­zählte, bekam sie ihr ängstliches Gesicht, weil wir nun mit Großmama von Herrn Wifi» sprechen müßten. Und als ich vorschlug, nun gleich für sie selbst ein Sonntagskleid und für Großmama den ersehnten Lehnstuhl zu kaufen, antwortete sie mit der gräßlichen Vernünftigkeit, die einen wie mit kaltem Wasser überschüttet, davon könnte nickt die Rede sein. Erstens würde mein bißchen Geld dreißig Mark ein bißchen? nicht dazu aus­reichen, und zweitens brauche ich selber Stiefel und Hut und fo weiter. Endlich bestand sie da­rauf, mein Geld in Verwahrung zu nehmen, da­mit ich keineDummheiten" machen könne! Einen einzigen Taler ließ sie mir, mit der Mahnung, ja reckt sparsam zu sein. Wenn die gute Tante wüßte, daß ich schon jetzt keinen Pfennig mehr habe? Das erste war, daß ich für eine Mark Briefmarken holte; es war schauder­haft, wie ich bisher darum bttkn und betteln mußte. Und dann habe ich Tante Lore und mit für fünfzig Pfennig Kirschkuchen gekauft, denn aus Lingenau haben wir dies Jahr keinen bekommen, und den Rest habe ich für ein paar Blumentöpfe in Großmamas Fenster ausge­geben soll mich wundern, was sie morgen früh dazu sagen wird. Und nun, Wil, bin ich so vergnügt und fürchte tnich weder vor Groß­mamas, noch vor Herrn Jonathans bösen Wor­ten. Herr Jonathan hätte übrigen» recht, mir

den Elmenachs unter den Füßen gebrannt hat. Nur um Deinetwillen, das heißt solange ich hoffen konnte. Dir als Lehrer nützlich zu sein, habe ich's hier ausgehalten. Das ist vorbei; denn nachdem Du Deine arme Seele dem

stunden,

Meisterin zurückgezogen hatte,

weit zu bringen vermag . . ."

Der Versuch dazu olieb ihr versagt. Am näch­sten Morgen fand sie In der Arbeitshöhle statt seinen Abschicdsbrief. Jonathan

neu Gesetze der Gastfreundschaft auf das schmäh­lichste verletzt, denn wir haben längst darauf ver­zichtet, bei der sozialdemokratischen Presse Re­spekt vor den natürlichsten Geboten der Kultur und der Menschlichkeit zu finden. Wir meinen nur, daß das einfachste Gebot polifischer Klug- het' denVorwärts" hätte veranlassen müssen. seinemHaß gegen den Zaren und Rußland in die­sem Augenblicke Zügel anzulegen, wie es ja auch ein notorisch so deuschfeindliches Blatt wie die Nowoje Wremja" im Augenblicke der Zusam­menkunft der beiden Monarchen vermocht hat, seine antideutschen Gesinnungen zum Schweigen zu bringen. Für dieses Blatt und andere Organe gleicher Gesinnung ist nun derVorwärts"- Nrtikel ein gefundenes Fressen, denn sie können jetzt nach der Monarchen zusammenkunft erklären, daß sie die Hand zum Frieden geboten hätten, daß aber diese Hand von Deutschland aus mit rauher Gebärde zurückgewiesen worden fei. Daß derVorwärts", insbefondere was die aus­wärtige Politik Deutschlands anbelangt, sich im Widerspruche zu der unendlichen Mehrheit des deutschen Volkes befindet, brauchen die russischen Blätter ihren Lesern ja nicht zu verraten.

DerVorwärts" hat für seinen fanatischen Arttkel nicht einmal die Entschuldigtmg des Gegensatzes seiner Auffassungen zu der inneren Politik Rußlands. Denn der Gegensatz dieser Anscharmnaen schließt eine Verständigung in der äußeren Politik durchaus nicht aus. Das republi kaniscke Frankreich und das demokratische Enap land sichen in einem freundschaftlichen Verhält­nisse zu Rußland, und sckon in früheren Jahr­hat das katholische und autokrattsche

Der Kaiser von Rußland. Peues Palais, 5. Nov. Die beiden Kaiser und die Jagdgesellschaft sind mit dem kaiserlichen Sonderzuge um 945 Uhr in per Station Wildpark wieder eingetroffen und be­gaben sich nach dem Neuen Palais. Kaiser Niko­laus begab sich am späteren Nachmittag im Auto­mobil nach dem Mausoleum, um an den Sarko­phagen des Kaisers und der Kaiserin Friedrich Kränze niederzulegen. Um 11 Ubr 15 Min. reiste Kaiser Nikolaus nach Darmstadt. Darmstadt, 6. Nov. Der Zar ist im Sonderzuge um 10 Uhr 20 Min. auf der Station Engelsbach einaetroffen und'begab sich nach Schloß Wolfsgarten. Auf dem und die Prinzen-

Dazu kam. daß ihr ganzes Leben in lastender Einfamkeft verfloß. Einsam saß sie mit ihrer im ehemaligen Wohnzimmer des Groß- durch Felder und

zum Ausdruck tarn, in »ollem Umfange Rechnung | tragen wird. Sie erwarten, daß insbesondere die I Bestimmungen über das studentische Versammlungs- I recht eine Neugestaltung nach Maßgabe der allge- I meinen Reichsgesetzgebung erfahren werden. Die Versammlung wünscht endlich in allen deutschen Staaten eine einheitliche Regelung des Studenten­rechts."

Aus der Versammlung in Berlin ist erwähnens­wert, daß die anwesenden Parlamentarier Graf Clairon d'Haussonville (kons.), v. Zedlitz, (fteikons.) und Prof. v. Liszt (freis.) sich mit den Forderungen einverstanden erklärten und wünschten, daß die Stu­denten sich die Unterstützung sämtlicher Parteien des Abgeordnetenhauses auch weiterhin durch ein ruhiges Vorgehen in der Frage sicherten.

Die Marburger Studentenschaft scheint keinen Wert daraus zu legen, daß ihre Beschlüsse und For­derungen, di^ auch die Allgemeinheit angehen, in der Oefsentlichkeit bekannt werden!

Die Rbodes-Stipendiaten in Oxford.

Prof. Rein (Jena) nimmt imTag" Gelegen­heit, einige Wünsche in dieser Frage vorzubringen, die geeignet sind, Beachtung zu finden. Nach Be­richten englischer und deutscher Zeitungen bemängelt Rein, daß die Stipendiaten vorwiegend aus aristo­kratischen Kreisen stammen, ein verhältnismäßig ge­ringer Teil aus bürgerlichen. Bei einer Anzahl der ersteren dürfe angenommen werden, daß sie einer Unterstützung für Studien in England nicht be­dürfen. Ferner fei zu bedauern, daß die jungen Deutschen, die zumeist im Beginn ihrer Universitäts- studien stehen, ein auffallend luxuriöses Leben füh­ren. Nun sei es gewiß sehr wünschenswert, daß die- deutschen Oxford-Stddenten in ihrem ganzen äußeren Auftreten sich sehen lassen können. Tex Luxus müsse aber als eine üble Frucht des englischen Auf­enthaltes angesehen werden.Wenn weiter in den Berichten noch hervorgehoben wird, daß die deut­schen Studenten ihren Schwer^...» nicht in ernst­haften Studien über Land und Leute, ihre Geschichte und ihre Einrichtungen erblicken, sondern in Spiel und Sport, der Außenseite des englischen Studenten­lebens, dann müssen die Bedenken sich noch steigern und der Wunsch sich auf die Lippen drängen, daß bei der Auswahl der deutschen Oxford-Studenten in erster Linie die wissenschaftliche Be­fähigung ins Auge gefaßt werde. Diese aber kann man am besten am Schluß der Studien auf einer deutschen Universität erkennen und beur­teilen." Deshalb empfiehlt Prof. Rein, -m die Rhodes-Stipendien nicht nur für den einzelnen In­haber, sondern für unser Volk recht auszunützen, die deutschen Jünglinge nicht am Anfang ihrer Studien­jahre, sondern nach ihrer Beendigung hinüberzu­schicken: Kandidaten der Thologie, um das religiöse Leben jenseits des Kanals kennen zu lernen; junge

Dis Jnsertionsgebühr beträgt für Jnseren.-n aus dem engeren Verbreitungsgebiet des Blattes für die 7g" -"ffene Zelle oder deren staunt Iss L, für auswärtige Inserate 20 4, für Reklamen 40 L Druck und Verlag: Joh. «ug. Koch, Universttäts-Buchdrnckerei. Jnbab-r Dr. (£ Aiaer,.- ...

Markt 21. Telen^an 55. _______

unter der Herrschaft der Bourbonen mit der mohammedanischen Türkei rupnblikanischen Nordamerika abgr- Jn dem Sinne der Unfähigkeit, ans praktischen Gründen über polittsche Gegensätze hinwegzusehen, ist also derVorwärts" mehr

fo ganz anders, fo ganz Du. daß fu mick armen Teufel aus der Verganaenbeitshöllr immer wie­der in die noch heißere Hölle der Gegenwart zerren. Das verstehst Du natürlich nicht: brauchst mich deshalb auch nicht zu verdammen, ist es doch besseren Leuten, als ick bin. nicht besser ergangen. Kennst Du CbamissosDrei Sonnen"? Ich nehme nur zweie für mich in Anspruch: ZuerstDeine Mutter o Mädchen, nccu sah ich die Schönere nicht" bis Du kamst, denn nun schau ich Dick an, wie ' Sv' le, ge­blendet von Deinem Licht ..." Du könntest die rührende Geschichte zu meinem Gedächtnisse hin und wieder durchlesen. Aber nimm sie nicht zu tragisch? Selbst wenn Du Dich wie die Sckönen des Dichters,dem anderen neien* solltest, habe ich nicht die Absicht, mich deshalbins Grab zu fiaen". Ich wünschte Dir sogar einen 1 ackeren Anderen der Dick vor der Fronarbeit für meinen Herrn Vetter erlöst und nebenbei fluq genug ist, um berauszufinden tote viel mchr Du bist und in Dir hast, als alle Philister! öchter von Elmenach zusammengenommen. Oder haben mir das Deine Augen nur toeisgemachi? . . . Kind, toenn Dir beim Lesen Lieser Zeilen die Ahnung aufdämmern sollte, daß ick dummer, al­ter Kerl in Dich verliebt bin, brauchst Du Dich nicht dagegen zu sträuben, brauchst es aber auch niemand zu verraten, denn das verdiente Aus­lachen meiner Torheit besorge ich selbst.

Und nun lebe Wohl, schönes, liebes, gutes Geschöpf einziger Trost in der Galeere von Elmenach Der Himmel erhalte Dich, toie Du bist, zur Erquickung für Augen und Seelen, und erhalte mir den Glauben an die Unfehlbarkeit der modernen Philosophie, die dem Aberglauben von der Freiheit des Willens gemacht hat. Ohne sie käme ich in Gefabr, es zu bereuen, daß ich Dich in ben Zauberkreis der Hexe, die man Kunst nennt, eingeführt habe. Sie pflegt viele zu berufen, aber wenige auszuwählen, und

den durch bte Pensionierung des Gesandten von Pilgriw.-Baltazzi fteigeroo-benen Posten bes kaiser­lichen. Ministerrestbenten in Cetinje (Montenegro) der bisherige kaiserliche Ministerresibent in Havana, v. Eckarbt, berufen worben. Zum Nachfolger bes letzteren in Havana ist bet bisherige Geh. Lega­ts onsrai unb Vortr- -aber Rat im Ausw. Amt, Pauli, ernannt. Auch erhielten die beiben den Titel unb Rang eines aubeTorbcntIi|b»n Gesandten unb bevollmächtigten Ministers verliehen.

. Dom; obst Pichler. Passau, 5. Nov. Der Reichstagsabgeorbnete Domkapitular Pichler wurde zum T'nnwrobit in Passau ernannt.

Enthüllung des Teublitz Denkmals. Drebnitz, 5. Nov. Heute mittag wurde das hier errichtete SeydlitzDenkmal e-chiillt. Der Feier wohnten als Vertreter des Kaisers General der Kavallerie z. D. Freiherr v. Bissing, Angehörige der Familie Sevd- litz und der kommand'erende General des 6. Armee­korps, v. Wonrsch, bei.

Wie derVorwärts" auswärtige Politik treibt.

Die sozialdemokratische Presse verkündet bei ollen passenden und noch mehr bei allen unpassen- ben Gelegenheiten, daß ihre Partei allein den Weltfrieden auftccht zu erhalten imstande und gewillt sei. Die Regierung und die bürgerlichen Parteien werden unzählige Male angeklagt, aus Hurrapatriotismus" oder aus Eigmnutz aben­teuerlustige Gesinmlngen zu hegen, die nut aus Furcht vor der Sozialdemokratie im Zaume ge­halten würden.

Nun sollte auch der polittsch naivste Mensch wenigstens so viel von auswärttger Politik ver­stehen, um zu wissen, daß es keine bessere Ge­währ für den europäischen Frieden geben kann, als ein freundliches Verhältnis zwischen Deutsch­land und Rußland. Denn wenn Rußland sich nicht in ein kriegerisches Abenteuer gegen Deutsch­land hineinziehen läßt, so wird Frankreich nun und nimmer Wagon, seinen Revancheneigungen praktischen Ausdruck zu verleihen. Es weiß ja, daß es militärisch Deutschland nicht gewachsen fft, daß es also in einem Kriege gegen das Deutsche Reich nur dann einige Aussicht hätte, wenn Deutschland genötigt wäre, eine Million Soldaten oder noch mehr zur Deckung seiner Ost- grenze aufzustellen.

Jeder Friedensfreund muß also alles be­grüßen, was der Erhaltung eines freundlichen Verhältnisses zwischen Deutsckland und Rußland dienen kann, und in diesem Sinne muß man die eben stattgehcibte Begegnung zwischen dem Kaiser und dem Zaren in Potsdam als einen erfreu­lichen Vorgang betrachten, auch wenn man im übrigen fein Freund der russischen Zustände ist.

Das sozialdemokratische Zenttalorgan ver­fährt indessen nach dem entgegengesetzten Rezept. Es bekacktet die Anwesenheit des russischen Kaisers in der Nähe der deutsche« Reichshaupt­stadt als die passendste Gelegenheit, den Zaren mit einer Flut gemeiner Beschimpfungen zu überhäufen. Unter der UeberschriftEin Schnor­rer und Verschwörer" (womit der Zar gemeint ist) veröffentlicht derVorwärts" einen Leit­artikel, der vielversprechend folgendermaßen be­ginnt:Nun hat sich der Würger des russischen Volkes, der allzu lange schon aus deutschem Boden jene Sicherheit genießt, die dem Verhaß­ten das eigne vergewaltigte Land versagt, als Gast Wilhelms II. nach Potsdam geto- Im weiteren Verlaus des Artikels wird der bet ewig Zitternde genannt, dessen eft: Volk schändet und der sich nirgends vor Verachtung schützen könne, weil der Abscheu vor dem Trager des verfaultesten Regierungssystems der Welt überall fief sei.

Das sind so einige Blütenlesen ans dem Vorwärts"-Artikel. Wir wollen mit dem Blatte gar nicht darüber rechten, daß es die schon den Urvölkern bekannt gewesenen nngeschriebe-

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