mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain
Mnb 6en Beilagen: „Nach Feierabend» (wöchentliche Unterhaltungsbeilage) und.Landwirtschaftliche Beilage
Berlin. 99. Oktober.
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dem Verteidiger die Einsicht vorgelegten Akten nicht vev-
Riester Rcichstagskandidat
Für den Reictzstagswatzl
amten gezwungen sahen, blank zu ziehen und vorzugehen. Zahlreiche Tumultuanten wurden durch Säbelhiebe verletzt. Schon war die Polizei zurückgegangen, als ein Schuh aus der Menge das Zeichen zu neuen Ausschreitungen gab. Es wurde mit Steinen und Bierflaschen geworfen, auch die abgerissenen Eisenteile von Balkonen kamen als Wurfgeschoffe zur Verwendung. Zn verschiedenen Straßen trat völlige Dunkelheit ein, weil sämtliche Laternen zertrümmert waren. Erst nachdem verschiedene Haupttumultuanten festgenommen waren, gelang es, die Ruhe einigermaßen herzustellen. — Der Polizeibericht meldet darüber noch: Insgesamt wurden 14 Personen sistiert, darunter zwei Frauen, die Bluthunde, Verbrecher usw. gerufen hatten. In der Reinickendorferstraße wurde auf eine Abteilung ein Schuß aus dem dahinterliegenden Gelände abgegeben. Alle Aufforderungen an die Menge, sich zu zerstreuen, wurden mit Johlen Pfeifen und Schimpfreden beantwortet. Der Befehl zum Waffengebrauch wurde erst auf die gegen die Schutzmannschaft gerichteten Steinwürfe hin gegeben. Die Beamten konnten erst größtenteils morgens gegen 3l4 llhr entlasten werden. Daß man es bei diesen Ausschreitungen auch wieder vielfach mit oigant? fierten Arbeitern zu tun gehabt haben dürfte, geht wohl daraus hervor, daß mehrfach die Arbeitermarseillaise und andere Arbeiterlieder gesungen wurde.
stellt wird, darf aller dem Gerichte weigert werden.
— Geheimrat
derlichen Mttel in den Ausgaben vorgesehen. Dieser Abschluß war nicht ohne Schwierigkeit zu erreichen. Die Gesamteinnahme für 1910 wird den sehr vorsichtig bemessenen Voranschlag knapp et» Men. So kann der Etat für 1911 die Zölle und Steuern nicht allzuviel höher schätzen, als im gegenwärtigen Etat. Zur Herstellung des Gleichgewichts müssen auch die erhöhten Ueberschüfle der Reichsbetriebe und die zu erwartenden Einnahmen aus dem dem Reichstag vorliegenden Zuwachssteuergesetz herangezogen werden. Die Erträgnisse werden auch herangezogen werden müssen, um die Veteranen über das jetzige Maß hinaus zu versorgen. Trotzdem der Etat von 1911 für die Ausführung des Flottenplanes, die Erweiterung des Kaiser-Wilhelm-Kanals, die Erweiterung des Fernsprechnetzes und für die Eisenbahnen namhafte Beträge erfordert, ist es gelunaen, den Anleihebetrag erheblich niedriger zu halten als 1910 und darin zeigt sich die wohl- tätiae Wirkung der neuesten Finanzgesetzgebung. DieseErgebnisse seien nur durch weichehmdeSpar- samkeit errungen. Rach wie vor sei die Gesundung der Reichsfinanzen eine der dringendsten Politt- scken Aufgaben. Wer sich um dies Zi l müht, der wirkt nach einem Programm von überaus praktischer Bedeutung.
„erboten.)
Christiane Tanner.
Roman von Claire v. Glümer.
lForttetzung.)
bronzene und 2 ehrenvolle Erwähnungen gefallen. Auf der internationalen landwirtschaftlichen Aus- stellung daselbst erhielten deutsche Aussteller 40 große Preise, 28 Ehrendiplome, 106 erste Preise, 26 zweite Preise und 3 dritte Preise, sowie fünf ehrenvolle Erwähnungen.
und lauter fügte er hinzu: „Einerlei -w-r wollen es versuchen. Komm, zeige mir gleich einmal, wie Du es anfängst.“
Während Christiane, die sein Du setzt ganz in der Ordnung fand, klopfenden Herzens einen Stuhl heranzog, hatte Jonathan aus dem Wust auf seinem Art eitstifche Bleistift, Papier und ' ie flüchtige Skizze seiner Rokokodamen h rvorge- sucht und dann saß Christiane mit glühendem Gesicht über ihre Aufgabe gebeugt, indes Wild aus ihren erregten Zügen imm: neue Ähnlichkeit mit Mathilde Tanner herausfand. Um sich diesen Augenblick zu sichern, war er bereit, ihr Untericht zu geben, auch wenn sie nicht das mindeste Talent besaß. Aber nun reichte fi* ihm das Blättchen und hätte aufjauchzen mögen, denn ehe er ein Wort gesagt hatte, wußte sie, daß er zufrieden war; und dann faßte er ihre Hand und rief:
„Brav, Kleine . . . sehr brav! Der große Rokoko-Wild findet Dich würdig, seine Schülerin zu werden. Gleich morgen kanns losgehen.'
„Wenn ich nur darf!' sagte Christiane benommen.
„Ja so?' fiel Jonathan ein, indem er leicht mit der Faust auf den Tisch schlug. „Hohe obriz- keitliche Bewilligung muß ich ja euch erst einholen. Ohne meines Vetters Zusttmmung darf hier im Hause nichts geschehen . . . und kontrolliert wird man! — Jede Arbeitsbiene, die vorbcikommt, guckt mir ins Fenster und rappor- tiert dem Bienenvater, ob ich fleißig bin . . auch Du müßtest es sein, damit man nicht sagen kann. Du störtest mich in der Arbeit.'
„Das sagen die Leute vielleicht schon sicht!' rief Christiane und stand auf. Jonatha« griff nach seinen Krücken.
(Fortsetzung folgt)
Neue Tumulte in Berlin.
Durch den Schiffahrtskanal, der sich zum Nordhafen erweitert, ist Moabit vom Wedding geschieden. Leide Berliner Stadtteile tragen ungefähr den gleichen Charakter und enthalten eine zahlreiche straffe sozialdemokratisch organisierte Arbeiterschaft. „Und wählt Ihr heute nicht rot, habt Zhr morgen weder Salz noch Bütt!" stand auf'den Zetteln, den „Zehn- Eebote-Hoffmann» durchzubringen. Die Diktatur ist durchgeführt und niemand darf dagegen aufmucken.
Einer der Diktatoren, ein Fleischergeselle in einem Geschäft der Adolfstraße am Wedding, machte Montags regelmäßig „blau", verlangte aber trotzdem seinen vollen Wochenlohn, den der eingeschüchtette Prinzipal auch wiederholt bezahlte. Endlich ging es nicht mehr weiter, der eine Tagelohn wurde einbehalten. Da aber mischten sich die 14 übrigen Gesellen entrüstet ein, stellten den Prinzipal, kommandierten: „Maul halten und zahlen!" und legten, als es nicht geschah, einmütig die Arbeit nieder. Nun machen sie alle zu-. sammen „blau", belagern aber außerdem das Fleischwarengeschäft und verjagen jeden sich nahenden Kunden durch Rippenstöße, reißen den Frauen die Marktkörbe aus der Hand und die Schürzen vom Leibe. In der Nacht hat es Tumulte „nach Moabiter Art" gegeben. Wieder wurden die Straßenlaternen ausgedreht und zertrümmert und im Dunkeln ging es gegen die Schutzmannschaft los. „Macht die Bluthunde kaput!" Heute früh wurden diejenigen Aufrührer, deren man hatte habhaft werden können, im grünen Wagen von der Polizeiwache zum Präsidium gebracht. Es sind samt und sonders sozialdemokratisch organisierte Leut«.
An den Häusermauern klebt überall ein Aufruf der „organisierten" Schlächtergesellen an die Bevölkerung, sie sollte in dem bestreikten Geschäft nichts kauft«. „Der Schlächter zahlte nicht an Rot, drum nehmen wir ihm Salz und Brot!" könnte cs ebensogut auf den Plakaten stehen. Für die Nacht zum Montag werden schwere Kämpfe erwartet. Die in der Nacht auf heute von allen Seiten mit Steinen beworfenen und gelegentlich sogar beschossenen Schutzleute sollten . endlich einmal ein Exempel statuieren; alle anständigen Elemente würden sie dazu beglückwünschen.
Berlin, 30. Okt. Am Wedding im Norden Berkins, kam es, dem „Lokalanzeiger" zufolge, gestern Abend zu schweren Ausschreitungen, bei denen die Polizei tätlich angegriffen und zahlreiche Personen verletzt wurden. Die Ursache war eine geringfügige. Einem Fleischergesellen, der nicht zur Arbeit gekommen war, wurde von seinem Chef erklärt, der Tag könne ihm nicht bezahlt werden. Darauf legten vierzehn Gesellen die Arbeit nieder. Abends erfolgten dann zahlreiche Angriffe auf das Geschäft, namentlich seitens halbwüchsiger Burschen und Frauen. Nachdem ein Dreizehnjähriger aus einem Revolver geschossen hatte und ein Feuermelder zerstört worden war, sammelte sich wie auf ein Kommando, eine nach Tausenden zählende Menge, aus welcher Steine auf die Schutzleute geworfen wurden, weshalb sich die Be-
Das Programm der Renierunq.
In ihren Rüblicken schreibt die „Norddeutsche Allg. Ztg.' unter Bezugnahme auf die letzte Rede des Direftors des Hansabundes, den Führern des Hansabundes könnten Vorschriften über ihre Agb tationsweise natürlich nur aus dem Hansabunde heraus gemacht werden, wohl aber sei es ihr. der „Norrdd. Allg. Ztg.', Recht und Pflicht, zu warnen, wo ihr eine Schädigung der allgemeinen Interessen entgegentrete. Sie komm» dann auf das Programm des Reichskanzlers zu sprechen und erinnert daran, daß der Abg. Oldcnburg-Januschau kürzlich mit besonderem Nachdruck die Notwendigkeit der scharfen Bekämpfung der Sozialdemokratie betonte. Auch der Reichskanzler setze darin eine der Hauptaufgaben der Regierung und der Parteien. Die „Nordd. Allg. Ztg.' geht weiter auf das Gebiet der Finanzpolitik über. Gelingt es, einen guten Etat aufzustellen, der streng sparsam doch allen Anforderungen namentlich der Wehrkraft gerecht wird, so ist damit ein sehr wichtiges Programm durch die Tat verwirklicht. Der neue Etat wird zeigen, daß man dem Ziele der Gesundung der Reichsfinanzen ein gittes Stück näher gekommen ist. Dies Resultat rechtfertigt zugleich die Annahme der Reichsfinanzreform trotz ihrer Mängel durch die Regierung. Die Vorarbeiten zum ReichShausbalts^tat für 1911 habest" zu einem, dem Finanzplan für 1909/13 entsprechenden Ergebnis geführt. Die ungedeckten Matrikularb-iträge werden auf 80 Pfennig pro Kopf gerechnet, trotzdem sind die zur Fortentwickelung des Heeres, der Marine, sowie für Abbürdung des Fehlbetrages von 1910 erfor
deren Bierflaschen und Zigarrenkisten; ein paar Stühle und ein alter Kartentisch, auf dem Bücher, Zeitungen und Waschgeräte ein» trächtig Unterkunft gesunden batten, das war die Ausstattung des eisten Ateliers, das sich Chri- stianens Auge zeigte.
So dürftig di-s alles war, das junge Mädchen stand einen Augenblick wie gebannt vor Entzücken: sie hatte an ter Wand ein paar mit Kopierzwecken befestigte Farbensfizzen entdeckt und auf dem darunter stehenden Stuhle eine offene Mappe mit durcheinanderliegendcn Zeichnungen und Aquarellen.
„Darf ich sie ansehcn?' fragte Christiane und schickte sich an. ihren Strauß aus der Hand zu legen. Aber Jonathan griff so hastig zu, daß sie die Finger nicht lösen konnte.
„Nichts da!' rief er. „Sie werden Ihr Kunstwerk zerstören ... es muß genau so bleiben, wie Sie es zusammengefügt haben. Kommen Sie, Kind, hier in dem Wasserkrug wollen wir es unterbringen. Aber vorsichtig, vorsichtig, wenn Ihnen ihr Leben lieb ist! Der Faulbeerbaumzweig muß genau so niederhängen wie jetzt, die Mandelblüte genau so wie jetzt zwischen dem fei« nea Birkenlaube hervorschimmern.'
Halb verschüchtert, halb belustigt folgte Christiane seinen Anordnungen, während Jonathan, dem das Stehen schwer fiel, sich der Krücken entledigte und auf den Stuhl am Arbeitsttsche niedersank.
„Recht so, recht so!' sagte er dann. „Sie haben Formen- und Farbensinn, Kleine. Die linke Seite Ihres Straußes wäre ein hübscher Vorwurf für meine Fächerpinselei . . . Aber ich weiß schon,' fügte er mit seinem mißtönenden Lachen hinzu, „diesen Frühling brächte ich nicht zustande; für
Ausland.
♦* Das Befinden des serbischen Kronprinzen. Belgrad, 29. Ott. Im Befinden des serbischen Kronprinzen ist neuerlich eine Verschlimmerung eingetreten Infolge von Furunkulose fiebert der Pattent leicht; auch stellte sich ein schwacher Lungenkatarrh ein.
** Eine stürmische Anarchistenversammlung. Paris. 28. Ott. Heute Abend wurde zur Erin- nemng an die Erschießung Ferrers eine zahlreich besuchte Versammlung abgehalten, der Soledad, Villafranca und eine Anzahl Deputierter beiwohnten; die Versammlung ve lief äußerst stürmisch. Einige hiesige spanische Anarchisten, dir beschlossen hatten, den früheren Marineministn Pelletan nicht zu Worte kommen zu lassen, wen sie in Spanien ebenso gehandelt haben würde«, wie die spanischen Minister, die Ferrer erschießen ließen unterbrachen Pelletan, als er das Wort ergriff, durch den Ruf: Nieder mit den Parlamentariern! durch Singen der internationale und durch Pfeifen. Infolgedessen entstand ein heftiger Wortwechsel zwischen Pelletan und fernen Widersachern. Als dem stüheren Minister andererseits Beifall gezollt wurde, kam es zu einem unbeschreiblichen, lang andauernden Tumult, der Pelletan am Sprechen verhinderte. Das Bureau der Versammlung versuchte, die Tagesordnung zur Abstimmung zu bringen, in der die spamsche Regierung aufgefordert wird, das Volk vom Joctze der Kirche zu befr-ien und Ferrer zu rehabilitieren; aber die Anarchisten nahmen im Sturme die Tribüne. Bei dem sich nun ent- wickelnden Handgemenge wurdm der Saal und die Bänke völlig demoliert. Frauen wurden hernmgestoßen und zu Boden geworfen. Als die Anarchisten Herren der Räumlichkeit waren, wollten sie die Versammlung fortsetzen, sie Wurden daran aber dadurch gehindert, daß die Verwaltung das elettrische Licht ausschalten ließ. Die Versammlung ging dann ohne Prügeleien auseinander. .
** Tumultszenen in der stanzösis e« Kammer. Paris, 29. Okt. Zum Schluß de- Sitzung kam es zu furchtbaren Tumultszenen. Brland sagte in feiner Rede, mit welcher er die Angriffe Jaur6s' zurückwies: Wenn die Regierung in dem Gesetz nicht das Mittel gefunden hätte, um Herr der Landesgrenzen und der Eisei:bahnen zu bleiben. so hätte sie selbst zu Ungesetzlichkeiten chre Zuflucht genommen. Bei diesen Motten Beifall auf der Rechten und im Zentrum, dagcg— erhob sich auf der äußersten Linken, insbesondere bei den Sozialisten ein ohrenbetäubender Lärm, welche rufen: Diktator! Demission! Verräter! und schlagen dabei mit den Pultöeckeln den Tatt. Der sozialistische Deputierte Colly wollte sich auf die Tribüne stürzen, um offenkundg Briand tat»
m ch ist der Lenz nun einmal kein „holder Junae', wie der Dicht-r sagt, sondern ein verliebtes Paar, Schäfer und Schäferin, ober Herr und Dame im Louis auinze-Kostüm '
„So wie hier!' rief Christiane, an die Wandbilder tzerantretend: „O, das ist wunderschön!'
„Weiter, Kind, weiter!' sagte Jonathan, als sie errrö+enb abbrach. „Ihre klugen Augen unb Worte hm meiner armen Seele wohl. Mein Vetter ~erbinanb, müssen Sie wissen hat die Ge- schmacklosigk-it, meiner Rokokopbantasien über« drüsig zu fein, nennt sie veralteten Rumpelkram, verlangt Zeitgemäßes . . . Ze^gemäßes auf Fäckern! — Ich habe mir schon bett Kopf zerbrochen, welche Parlamentsarößen sich dazu am besten verw-nden ließen. Oder meinen Sir, daß auch in diesen Frühlinastagen Ihre Blumen zeit- gemäß wären? . . . Können Sie sich's denken, wie ich's meine?'
„Sie sagten es ja schon,' gab Christiane eifrig zur Antwort „Links die Weißen hängenden Faulbaumblüten, dann auf dem blaugrünen Hintergründe der Tannen, das helle Birkenlaub und die roten Mandelblüten, und zum Abschluß noch dieser Büschel Anemonen ... O, wenn ich malen könnte!'
„Willst Du's lernen, von mir lernen?' fiel Jonathan ein, und lachte, aber nicht in seiner spöttisch-bitteren Weis«, als sie ihn sprachlos anstarrte und, wie eines Halts bedürftig, nach der Tischecke griff. „Es ist mein Er ft,“ fuhr er fort; „wir können wenigstens den Versuch machen, ob Deine Hand ebenso begabt ist, wie Dein Äuge . . . Aber vielleicht hast Du schon g«- zeichnet?“
„Nur in der Schule,' sagte sie kleinlaut. Jonathan machte eine Grimasse.
„Kunst der höheren Töchter,' murmelte it,
Deutsches Reich.
— Die Justizkommission des Reichstages. Berlin, 29. Ott. Die Justizkommission des Reichstages nahm einstimmig zu § 147 der Strafgesetznovelle folgende Bestimmung an: Sobald ein Antrag auf Eröffnung des Hauptversahrens ge-
Die Insertionsaebühr beträgt für Inserenten aus dem enaeren Verbreitungsgebiet des Blattes für die 7a<- ",’Itene W ober deren Raum 16 -S, für auswärtige Inserate 20 4, I Kr Reklamen 40 4. - Druck unb Verlag: Zoh. Aug.
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Marburg
Dienstag, 1. November 1910. ’
Dir „Oderhessijche Zeitung' erscheint täglich mit Ausnahme bet Sonn» und Feiertage. — Der Bezugspreis beträgt viertel- Iß OSß jährlich durch die Post bezogen 2,25 M (ohne Bestellgeld), bei
ä’JV unteren Zeitungsstellen und der Eiwedition (Markt 21), 2.00 <M..
(Für unverlangt zugefandte Manuskripte übernimmt die Redaktion keinerlei Verantwortung.)
„Reizend, ganz reizend!' sagte er, den Blick von ihrem leuchtenden Gesicht zu ihrem Strauße senkend. „Gib mir die Blumen . . ." und als er sie den Kopf zurückwerfen sah, fügte er mit heiserem Anslachen hinzu: „Ach so, man ist nicht mehr Du . . . ist in versammelter Gemeinde zur jungen Dame proklamiert . . . Der Strauß hat Wohl schon seine holde Bestimmung?“ .
„Großmama sollte ihn haben,“ antwortete Christiane, „aber wenn er Ihnen gefällt,“ dabei reichte sie ihm die Blumen mit einem Lächeln, das sie ihrer Mutter noch ähnlicher machte; seine stechenden Augen wurden mild, und in beinahe wehmüttgem Tone sagte er:
„Nein, nein . . . behalten Sie den schönen Strauß; ich käme in Gefahr, ihn an der Krücke zu zerdrücken, ehe ich ihn nur bis in meine ArbeitA- höhle gebracht hätte.'
„Ich werde ibn hintragen,“ rief Christiane, von plötzlichem Mitleid erfaßt, und während sich Jonathan sagte, daß sie noch ganz Kind fei, ging sie, ohne seine Antwort abzuwarten, dem Hofe zu, wo sich, wie sie wußte, im Erdgeschoß des Fabriksgebälldes das Heiligtum oefand, das sein Inhaber als Arbeitshöhle bezeichnete.
Mit ehrfürchtigem Herzklopfen trat sie, gefolgt von Jonathan, in ein kleines, helles Zimmer, ohne jede Spur des künstlerischen Aufputzes, Mit dem sich heutzutage unsere Maler zu umgeben pflegen. Ein Arbeitstisch am Fenster; im Hintergrund ein eiserner Ofen; ein Regal mit Gestaubten Büchsen, Gläsern, Farbennäpfen,
kreis Göttingen-Münden ist dem „B. T.“ zufolge, Geheimrat Rießer , der Präsident des Hansa- bund-s, als nationalliberaler Kandidat für die nächsten Reichstaaswahlen in Aussicht genommen. Die Fortschrittliche Volkspartei wird die Kandidatur unterstützen.
— Botschafter von Schoen bei Fallit-res Paris, 29. Ott. Präsiden^ Fallit-res empfing beute Nachmittag den deutschen Botschafter von Schoen in offizieller Audienz. Der Einführer des divlomattschen Korps. Mollard holte den Botschafter von der deutschen Botschaft ab und geleitete ibn mit dem Dotschaftspersonal in einem, von einer Eskadron begleiteten, Wagen zur Präsidentschaft in das Elvsee. Ein Bataillon Infanterie erwies dem Boffchaster, als er vor dem Elvsee eintraf, die Ehrenbezeugungen. Der dienft- tuende Offizier Hellot und der Palastkommandant Jacauillat empfingen ibn am unteren Ende der Freitreppe, während Mollard ihn zum Präsidenten geleitete.
— Deutsche Erfolge. Buenos Aires, 29. Ott. Auf der Jwernattonalen Eisenbahn- und Ver- kehrsausstellung in Buenos-Aires 1910 sind an deutsche Aussteller 72 große Preise, 34 Ehren- diplome, 38 goldene Medaillen, 17 silberne, 5