mit dem Kreisblatt für dre Kreise Marburg und Kirchhain
*nb den Beilagen: „Nach Feierabend" (wöchentliche Unterhaltungsbeilage) und „Landwirtschaftliche Beilage."
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i?ie „vveryessische Jeirung" erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage. — Der Bezugspreis beträgt vierteljährlich durch die Post bezogen 2,25 M lohne Bestellgeld), bei unkten Zeitungsstellen und der Ervedition sMarkt 21), 2,00 Jt. (Für unverlangt Zugesandte Manuskripte übernimmt die Redak- hon keinerlei Verantwortung.)
Marburg
Sonntag, 30. Oktober 1910.
Die Inserttonsgebühr beträgt für Inserenten aus dem engeren Verbreitungsgebiet des Blattes silr die Tp^-oltene Zeile oder deren staunt 15 », für auswärtige Inserate 20 A, für Reklamen 40 A. — Druck und Verlag: Zoh. «ug. Koch, Universitäts-Buchdrii-terei. Inboti-e Dr. C Ai' -rhurg.
gjfnrft 21. — ToTo^nn 5S
45. Jahrg.
Zweites Blatt.
Die Mädchen vom Lande ..als Erwerbstätige in der Großstadt.
Mait schreibt uns:
Ganz in der Stille vollzieht sich in der Gegenwart alltäglich infolge des Hin- und Herflutens der Bevölkerung im Deutschen Reiche eine Völkerwanderung, gegen die an Energie und Zahl jene geradezu verschwindend ist, die vor siebzehn Jahrhunderten die alten germanischen Völker in Bewegung setzte, um das stolze Römerreich in Trümmer zu schlagen und die ganze damalige Kulturwelt mit neuen Staatengründungm zu beglücken. Die in den letzten Jahren rasend zunehmende Industrialisierung hat wie nie zuvor in Deutschland den Landarbeiterstand mobil gemacht und eine Abwanderung vom Lande in die Städte, besonders die Großstädte, zur Folge gehabt, die in einzelnen Gegenden fast zur Uehev- bevölkerung geführt hat. Die großen Städte Berlin, Hamburg, Leipzig, Breslau usw. sind zu Riesenstädten geworden, die ihren ständigen Zuzug nicht nur aus der nächsten Umgebung erhallen, sondern oft von weither.
Einen großen Teil an dieser Völkerwanderung hat auch das weibliche Geschlecht; kamen doch, wie vor kurzem Pfarrer Sell ausführte, nach den Tabellen über die Bevölkerungsvorgänge Berlins 1907 rund 47 500 Dienstmädchen nach der Reichs - Hauptstadt, von denen nur 13 400 aus den Vororten stammten, die übrigen aber unmittelbar vom Lande. Nach den Beobachtungen der letzten Jahre nimmt dieser Zuzug der weiblichen Bevölkerung tn die großen Städte noch immer zu, obwohl sich die Hoffnungen, die daran geknüpft werden, durchaus nicht immer erfüllen. Für sehr viele ist dieser Zuzug ein Zug in Elend und Tod, und die, denen es gelingt, in der Großstadt ihr Brot zu finden, kommen auch nicht immer in die soziale Position, die sie erträumt hatten. Eine Uebersicht über die vemfsarten, in welche die Frauen vom Lande in der Großstadt eintreten, zeigt, daß sie sich in ihrem Verdienste durchaus nicht über die Stufe erheben, die sie zu einem Wohlleben nicht kommen läßt, die ihnen oft nicht einmal die heißersehnte Unabhängigkeit schenkt. Wenn auch, was anerkannt werden soll ,ein großer Teil der Frauen und Mädchen vom Lande von dem Geld« lebt, das sie in schwerer Arbeit verdienen, und verzichtet auf Unterstützungen von Hause und Zuwendungen von anderer Seite, so ist doch bei dem Leben, das sie zu führen gezwungen sind, viel Lebensfreude auSgeschaltet, und von den Genüssen, die von der Großstadt geböte« werden, bleibt für sie nur blutwenig über, und dagegen tauschen sie ungenügende Ernährung, schlechte Wohnung und ungesunde Luft ein.
Frau Lilv Forst hat vor kurzem eine hoch- intereffante Zusammenstellung über die Berufe gemacht, in denen die Frauen und Mädchen vom Lande Unterkunft finden, und über die Zahlen,
12 fWacbbrntT verboten.)
Christiane Tanner.
Roman von Claire v. Glümer.
1 Fortsetzung.)
„Aber was willst Du denn anfangen, wenn Dir niemand hilft" rief Christiane bestürzt.
„Mir selbst helfen," antwortete er. „Ich werde mich schon durchbeißen. Was mir weh tut, ist, daß ich mir das Vaterhaus verschließe. Die Frau Mama wird mich zum verlorenen Sohn ernennen, der Buße tun muß in Sack und Afche . . . aber Kopf in die Höhe, kleine Dame! — Tante Lore darf uns nichts anmerken, und wir selbst wollen uns die Dinge nicht schwerer machen, als sie sind."
Bet diesen Worten straffte sich sein« kräftige Gestalt und der alte Frohmut leuchtete so sieghaft aus seinen Augen, daß Christiane etwas Heü>en- hastes in ihm fand . . . Wie schön er war!
Viel schöner als jener andere mit den bestrickenden Augen und Worten, deffen Bild noch einmal — zum letztenmal für Jahre — in ihr auß- tauchte; dann nahm der blonde Recke vollständig Besitz von ihrem Herzen. Bisher hatte sie seine Zuneigung als selbsterverständlich angesehen: jetzt fühlte sie, daß sie sich derselbm Wert machen müsse.
Am folgenden Morgen bekam sie die Nachricht, daß Wilhelm seinen Fluchtplan ausgeführt hatte.
„Ein böses Wort der Mama hat meinem Zaudern ein Ende gemacht," schrieb er an Christiane; „fie fürchtet für das Seelenheil meiner Brüder, wenn die Drei- und Fünfjährigen in täg- > licher Berührung mit einem Menschen bleiben, I der sich wie ich in Worten und Werken gegen das |
in denen sie sich an diesen Erwerbszweigen beteiligen. Der größte Teil findet sein Fortkommen durch die Industrie; die Zuzüglerinnen werden Lohnarbeiterinnen in den Fabriken. So zeigte die BeschäfligungsMer der vom Lande ausgewanderten Mädchen 150 000 in Spinnereim und 52 000 in Zigarren- und Zigarettenfabriken; 83 000 fanden als Wäscherinnen und Plätterinnm Lohn und Brot, aber das Brot war so sauer verdient, daß etwa 13 v. H. ihre Stellung verließen und sich dem häuslichen Dienste widmeten, um ihre Kraft und Gesundheit wiederzuerlangen. Das meiste Material nahm der Warenhandel auf. Als Verkäuferinnm brauchen die Mädchen vom Lande keine besondere Vorbildung und führen ein scheinbar freies und gutes Leben. Scheinbar, denn im Durchschnitt beträgt der Monatslohn 60 M, und hiervon müssen sich die Mädchen nähren und kleide« und die Wohnungsmtete tragen. Auf eine Besserung in dieser Beziehung ist nicht zu rechnen, weil der Zuzug vom Lande anhält und auch aus den Städten selbst sehr viele Mädchen sich diesem Berufe zuwenden, so daß das Angebot die Nachfrage weit übertrifft. Im Gast- und Schankgewerbe wurdm 167 000 Zuzüglerinnen vom Lande gezählt; unter ihnen fanden sich nur wenige, die direkt vom Lande kamen. Meist warm sie schon längere Zeit in der Großstadt und wählten diesm Beruf nur im Drange der größten Not.
Am besten stehen sich die Mädchen von Lande noch im häuslichen Dienst. Sie leben gesund und sorgenlos und sind in der Lage, sich eine nicht unbedeutende Summe mühelos zu ersparen. Es wurden 210 000 weibliche Dienstboten vom Lande gezählt. Ein großer Prozentsatz von ihnm verheiratete sich nach kurzer Zeit des Dienstes oder machte sich infofern felbständig, als sie sich einen Gemüseladen oder ein Milchgeschäft einrichteten, das ihnen eine unabhängige Stellung und auskömmliche Einnahme bot. Zweifellos stehm die Mädchen vom Lande, die einen Dienst in der Großstadt annehmm, am beften da, und es zeugt von einer kaum glaublichen Kurzsichtigkeit, daß sich verhältnismäßig so wenig Mädchen zu diesem Berufe entschließm. In der Gesundheits- und Krankenpflege war auch nur eine geringe Zahl der ländlichm Auswanderinnen zu zählen: im ganzen 75 000 fanden als Krankenpflegerinnen ober Krankenschwestern Stellung. Auch von diesen heirateten viele, andere kamen durch persönliche Beziehungm in gute Verhältnisse, indem sie lebenslänglich in Familim angestcllt wurden oder durch geeignete Empfehlungen und Fürsprachen sich dauemd verbessertm.
Der ewiye Kandidat.
Vor einigen Tagm machte ein Berliner Lokalkllatt den Vorschlag, Hcm Dernburg zum Oberhaupte der Reichshauptstadt zu wählen. Demburg wäre der geeignete Mann, um den verfahrenen Berliner Karren aus dem Dreck zu ziehen. In einer Zeit, wo die Stadt Berlin so viel Feinde habe, wo man ihr „oben" andauernd
vierte Gebot versündigt. So habe ich denn geistern abend meinen Abschiedsbrief an den Vater geschrieben, habe gepackt, was mir nachgeschickt werden soll, und bin jetzt, nachdem ich ein paar Stunden geschlafen habe, tu Begriffe, nach dem Bahnhof zu gehen, um mit dem Frühzuge fortzukommen. Mein erstes Ziel ist die Allensteiner Oberförsterei, um mir Onkel Martinys Rat für meine weiteren Lehrjahre zu holen. Er wird mir auch helfen, den Vater mit meiner Berufswahl zu versöhnen; ich bitte, tue Du dasselbe bei Tante Lore.
VII.
Von nun an war das Leben in der Bürgermeisterei noch einförmiger als bisher, besonders für Christiane, die gleichzeitig Freund und Schule vermißte. Unwillkürlich lauschte sie in den ersten Tagen bei jedem Klang der Haustürschelle, ob nicht Wllhelms Tritt auf der Treppe zu hören sei, und wenn sie sich im nächsten Augenblicke darauf besann, daß sie für lange Zeit, vielleicht für Jahre auf ein Wied rsehen verzichten müsse, krampfte sich ihr Herz zusammen.
Hätte sie wenigstens von dem schmerzlich Vermißten sprechen können! Aber Tante Lore weigerte sich, die Bewunderung des jungen Mädchens für Wilhelms Mut zu teilen . . . Seitdem der Neffe mit dem Wohlwollen seines Paten Stipendien und Patronatspfarre verscherzt hatte, war er sür sie zum „Unglücksmenschen" und „armen Jungen" herabgesunken, dessen Namen sie nur mit Seufzen und Achselzucken nannte. Selbst der Brief, durch den Wilhelm die Zustirn- mung der Tante zu gewinnen hoffte, machte wenig Eindruck. Sie fand es zwar anerkennenswert, daß et auf jede Beihilfe des Vaters verzichtet hatte; der Vorwurf seiner Stiefmutter: er
I die kalte Schulter zeige, sei eine energische Kampf- natur wie Dernburg nötig, um die bestehenden und hinzukommenden Konflitte durchzufechten. Zwar weiß man nicht, ob Herr Kirschner, der frischgebackene Ehrendoktor, seinen Posten aufzugeben gedenkt, ebenso wenig ist aber bekannt, was Herr Demburg zu diesem schönen Plane sagt. Vermutlich gar nichts. Er wird den Uebev- eifer seiner Freunde dankend quittieren, denn für Reklame — wohlgemerkt im guten Sinne — ist der ehemalige Staatssekretär immer empfänglich gewesen. Er weiß eine gute Presse zu schätzen, das hat er sozusagen vom Vater. Es kann ihm eigentlich nur lieb sein, wenn ihm der Rus des starken Mannes, der vordem an der Börse den Spitznamen eines Sanierungsrates führte, weiter erhalten bleibt. Denn nichts ist vergänglicher und wechselvoller als die Meinung des lieben Publikums.
Was für Posten sind nicht schon Herm Demburg zugedacht worden! Bald sah man ihn in das Reichsschatzamt einziehen, bald als Erben des Herrn von Schoen die auswärtige Polittk des Deuffchm Reiches in seine feste Hand nehmen. Ganz gescheite Leute munkelten sogar, Bernhard Demburg würde der Nachfolger des philosophischen Reichskanzlers werden! Dann hieß es, er sei dazu ausersehen, Herrn Ballins Erbschaft anzutreten; der Norddeutsche Lloyd, die A. E. G., alle sollen sich angeblich nach Demburg sehnm. Man könnte die Liste der Demburg-Kandidaturen beliebig vermehren. Wamm nicht z. B. die Direktion von Kmpp, die Leitung der Deuffchen Bank oder irgend ein anderer wichtiger Posten. Das Frage- und Antwortspiel wird wohl noch einige Zeit weiter gehen. Auch Reichstagswahlkreise sind dem Glücklichen schon in mehrfacher Zahl angeboten worden, bald im meemmschlun- genen Schleswig-Holstein, bald im Westen, wo die Fabrikschlote rauche« und die schwarzen Diamaw- ten aus der Erde geholt werden. Das verschleierte Bild wird indeffm e'nmal gelüftet werden. Denn binnen kurzem kehrt der Vielgefragte und Vielumworbene aus dem fernen Osten zurück. Dann muß es sich offenbaren, was die Zukunft mit der Exzellenz a. D. vor hat.
Deutsches Reich.
— Das Gesetz über die Schiffahrtsabgaben. Berlin, 27. Ott. Der dem Reichstag heute zugo- gangene Entwurf eines Gefetzes betreffend den Ausbau der deutschen Wassefftraßen und die Erhebung von Schiffahrtsabgaben bestimmt in Artikel 1: In Artikel 54 der Reichsverfassung wird Abs. 3, Satz 2 gestrichen. Abs. 4 erhält folgende Fassung: In allen Häfen und auf allen natürlichen Wasserstraßen dürfen Abgaben nur für folche Werke, Einrichtungen und für eine sonstige Anstalt erhoben werden, die zur Erleichterung des Verkehrs bestimmt sind. Diese Abgaben, sowie die auf den künstlichen Wasserstraßen zu erhebenden Abgaben dürfen bei staatlichen und kommunalen Anstalten oder Wasserstraßen die zu ihrer Herstellung und Unterhaltung erforderlichen Kosten nicht übeffteigen. Es gehören zum Rhein-
nehme den Heinen Brüdem „das Brot vom Munde", war damit beseitigt. Ai-er daß er außer den Paar hundert Talem, die ihm von seiner Mutter zufielen, auf Freitische und Stundengeben angewiffen war, bekümmerte sie schwer; und daß et getröst, ja geradezu fröhlich von der Knappheit seiner Mittel sprach und fest daraus rechnete, so gut wie bisher in Elnanach, auch in Münden, wo er die Forstakademie b suchen wollte, Schüler zu finden, war eben Leichtsinn der Jugend. Wie gut hätte er es haben können, und tote mußte er nun entbehren und arbeiten!
Um seine Arbeit beneidete ihn Christiane; daß sie keine befriedigende Tätigkeit fand, wurde ihr zur täglich wachsenden Qual. Als sie in Haus und Küche zugreifen wollte, erklärte dir grimme Frau Lautensack, dazu sei sie von Herrn Wild angestellt und mache alles schneller und besser allein Auch von der Pflege der langsam genesenden Großmutter blieb sie noch immer ausgeschlossen. — Nur etwas verlesen durfte sie ihr dann und wann; aber sobald sich die Kranke in ihrer abgebrochenen, kaum vefftändlichm Redeweise mit der Enkelin zu unterhalten versuchte, schickte Lore unter dem Vorwande, bet Frau Pate werde das Spreckm noch zu schwer, das junge Mädchen fort. Ihr wirklicher Gmnd war die Besorgnis, daß die Bürgermeisterin durch ein unbedachtes Wort Christianens an die Wildsche Fabrik und die Pflichtvergessenbeit des Sohnes erinnert werden könnte.
So blieb denn für den Tatendrang des jungen Mädchens nichts übrig als Tante Lores Flickkorb, und obwohl es ihr in tiefster Seele verhaßt war, zwang sie sich Tag für Tag dazu, die älteste Tisch- und Bettwäsche aus Großmamas überreichem Vorrat mit haarfeinen Fade« zu durchstopfe«.
verbände: Preußen, Bayem, Baden, Hessen und Elfaß-Lothringen, mit dem Rhein von der schweizerischen bis zur niederländischen Grenze, mit dem Neckar von Heilbronn bis zur Mündun- in den Rhein und mit dem Main von Aschaffenburg bis zur Mündung in bett Rhein. Zum Weserverbanbe: Prmßm, Oldenburg, Braunschweig, Lippe und Bremen, mit der Weser oberhalb der Bremer Kaiserbrücke, der Aller von der Leine bis zur Mündung in die Weser, die Fulda von Cassel bis zur Mündung in die Weser. Zum Elbverbande: Preußen, Sachsen, Mecklenburg- Schwerin, Anhalt und Hamburg, mit der Elbe von der österreichischen Grenze bis zur Eiset» bahnbrücke bei Hamburg und Harburg, mit bet Saale von bet Mündung des geplanten Kanal- in Leipzig-Kreypau bis zur Mündung tn die Elbe. Die Selbständigkeit der Staaten im Sttombau bleibt unberührt. Die Verpflichtung zur Aufwendung von Mitteln für die Verbesse- rung und Unterhaltung natürlicher Wasserstraßen durch dieses Gesetz ist unbegründet. Die Angelegenheiten der Verbände werdm durch Ausschüsse aus Veriretem der Staaten verwaltet. Im Rheinverbande haben Preußen acht, Baden fünf, Bayern und Hessen je biet, Württemberg und Elsaß Lothringen je drei (Stimmen; im Weserioerbande Preußen vier, Breme drei, Braunschweig zwei, Oldenburg und Lippe je eine; im Elbverbande Preußen fünf, Sachsen vier, Hamburg drei, Anhalt zwei, Mecklenburg-Schwerin eine. Den Vorsitz hat in allen Ausschüssen Preußen In den Verbänden werden die Befahrungsabgaben nach einheitlichen Tarifen erhaben und zwar für Güter in fünf Klassen mit tonnenkilo- metrischen Einheitssätzen, die nach den Stromabschnitten unter Berücksichtigung der verschiedenen Leistungsfähigkeit abgestuft werben unb für bie einzelnen Klassen höchstens 0 02, 0.04, 0.06, 0.08 unb 0.1 Pfennig betragen soll. Der Abgaben» ertrag fließt in gemeinsame Stromkassen und wirb von biefen an bie Verband "staateu im Verhältnis ihrer Aufwenbungen berteitt. Nach Artikel 6 wirb ben für Oesterreich unb bie Niederlande aus dem Verttage zwischen bent Norddeutschen Bunde und Oesterreich vom 22. Juni 1870 unb bet Rheinschiffahrtsatt vom 17. Ott. 1868 hervotgehenben Rechten burch bieses Gesetz nicht vorgegriffen. In der allgemeinen Begründung heißt es: Hebet He Frage, ob die neue Fassung des Artikels 54 eine Auslegung ober teilweise auch eine Aenderung der Verfassung bat» stellt, unb wieweit etwa bet eine ober bet anb-nre Fall ist, bedarf es hier keiner Erörterung, da bie Vorlage vom Bundesrat einstimmig angenommen ist.
— Der „Reichsberband für die Sozialdemokratie". Wit haben einen Reichsverband geg e« die Sozialdemokratie, der große Erfolge etziett hat, die im wesentlichen bet Linken z» Gute gekommen sinb. Namenflich bei ben letzte» Wahlen trat dies in Erscheinung, wo es dem Wirken des Verbandes zu verdanken wat, daG in zahlreichen Kreisen nur ein einziger bürgerlicher Kandidat ausgestellt wurde, der bann alle nationalen Stimmen erhielt unb ben sozialbemo-
Aber als eines Spätnachmittags nach beut Vergtollen des ersten Frühlingsgewitters bie Sonne wieder schien unb ein wonnigfrischer Luft- Hauch ins Fenster brang, überkam sie allen Vorsätzen zum Trotz bie Ungebulb früherer Tage. Sie warf bie Arbeit beiseite, holte Hut ui* Regenmantel, rief Tante Lore, bie, vom Zufalle» einer Tüt erschreckt, aus dem Krankenzimmer kam, hasttg zu:
„Ich muß einmal hinaus ... ich ersticke!* unb fort war sie.
Betrübt ging Lore zu der schlafenden Kranke« zurück. Was war das nun wieder! In letzter Zeit hatte sich das junge Mädcben so vernünftig benommen. Aber durfte man ihr zürnen, wen« sie die Einförmigkeit ihrer Tage müde wurde» Nicht einmal, feit Wilhelm fort war, hatte sie Christiane lachen hören wie fönst.
Aber es war Frühling und fein frischer Hauch, der selbst alte Herzen zu berauschen vermag, übte feinen Zauber auf Christianens junge Seele. Sobald sie die Heckenwege bet Vofftadt err-icht hatte, verschwand ihre trübe Stimmung wie Nebel im Sonnenschein. Ans beschwingten Sohlen eUte sie weiter, mit erfrischten Sinnen nahm sie da- fprießende, duftende, jubilierende Frühlingsleben in sich auf.
Als sie zurückkam, hatte sie Blumen in de» Händen und Freude in den Augen.
Die Haustür in alter, ungestümer Weise öffnend, wäre sie beinahe mit Jonathan Wilb zu« fammengestoßen. Verlegen errötend, wollte sie mit einer Entschuldigung vorübereilen, aber et stemmte die Krücken ein, so daß er ihr ben We- veffperte.
(Fortsetzung folgt.)