45. Jahrg.
Marburg
Freitag, 28. Oktober 1910.
Die Znfertionsgebühr beträgt für Inserenten aus dem engeren Verbreitungsgebiet des Blattes für die Tp^^ttene Zeile oder deren Raum 15 4, für auswärtige Inserate 20 4, für ReNamen 40 4. — Druck und Verlag: Joh. Aug. Kmq, Univerfitäts-Buchdrr'ckerei. Inbab->r Dr. C. Bitzer-? il 'irbnrg, Markt 21. — TeP'nfcon 55.
mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain
und den Beilagen: .Flach Feierabend" (wöchentliche Unterhaltungsbeilage) und „Landwirtschaftliche Beilage."
Die „Oderhessische Zeitung" erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage. — Der Bezugspreis beträgt viertel- M4? 0X9 jährlich durch die Post bezogen 2,25 M. (ohne Bestellgeld), bei
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Zweites Blatt.
Die „Wahrheit" vor Gericht.
1Die Zeugenangst im Bruhnprozest.
(Von unserer Berliner Redaktion.)
In dem Bruhn-Prozetz sieht sich die Leitung und die Anklagebehörde vor einer fast unmöglichen Aufgabe. Dutzende von Zeugen sind geladen, um aus- zusagen, sie hätten der „Wahrheit" deshalb Inserate gegeben, weil sie sich durch sie bedroht fühlten. Wer kann so etwas bekennen? Wer will eingestehen, daß er Angst vor etwaigen Angriffen, also doch (so würde man schließen) kein gutes Gewissen hatte? Und nun kommt noch verdoppelt die gewöhnliche Zeugenangst hinzu: Was wird Bruhn mit seinen „Machtmitteln" tun, wenn man gegen ihn aussagt? Die Staatsanwaltschaft braucht sich also gar nicht zu wundern, wenn ihre Eideshelfer sie im Stich lasten und übereinstimmend erklären, sie hätten sich nicht bedroht gefühlt. Selbst wenn diese Aussage subjektiv und objektiv falsch ist, kann niemand die Zeugen des Meineids bezichtigen oder gar überführen, denn „Gefühle" kann man nicht nachweisen. Für die ganze Angstatmosphäre in dem Prozesse ist es bezeichnend, vie vorsichtig, wie möglichst unbestimmt alle Ausjagen gemacht werden, die des Sachverständigen nicht ausgeschlossen. Findet die Staatsanwaltschaft also nicht noch im weiteren Verlaufe der Verhandlung einen Zeugen, der mit dem Mute der Verzweiflung sich sagt: „Ich marschiere unbekümmert durch den dicksten Schmutz!", so ist ihr Spiel verloren und die „Wahrheit" kann als — gerichtsnotorisch anständiges Blatt aus dem Prozeß hervorgehen.
Wir Großstädter sollten nicht so überlegen über „Kleinstadtklatsch" absprechen und uns des freien Lebens in der modernen Asphaltwüste rühmen. Der Klatsch wird hier sogar industrialisiert, er kommt an die „Große Glocke" oder wird durch die „Wahrheit" oder ein anderes Blatt dieser Richtung — wir brauchen sie nicht besonders zu nennen — kund. Die Angst davor lähmt manchmal die untadeligsten Biedermänner,' und diese Angst allein bringt solchen Blättern fette Renten. Sie mögen alle gerichtsnotorisch anständig, sie mögen national, patriotisch und wer weiß was sonst noch sein — „sie sind alle, alle ehrenwert" —, auf jeden Fall sind sie Korruptionserscheinungen. Zum mindesten ist der Mannesmut bei uns arg korrumpiert und die Zeugenangst ein Merkmal aller Skandalprozeste. Aber ist das verwunderlich? Wenn nicht das öffentliche und peinlich korrekte Gericht die Sache führte, sondern Mister Lynch, dann würden die gerichtsnotorisch Anständigen bald baumeln.
Ueber die Verhandlung erhalten wir folgenden Bericht:
Berlin, 26. Okt.
Dem Angeklagten gegenüber, der sich darauf berufen kann, daß keiner der in der Voruntersuchung vernommenen 104 Zeugen zuaestanden habe, sich'„bedroht" gefühlt zu haben, hat der Staatsanwalt einen
schweren Stand. Er wird heute noch schwerer, da auch der einzige journalistische Sachverständige, der vom Gericht vorgeladen ist, Dr. Paul Liman, sich außerordentlich vorsichtig ausdrücki und zu dem Schluß kommt, daß die „Wahrheit" doch kein Revolverblatt sei. Die Ausführungen des Sachverständigen, die mehr als 1(4 Stunden in Anspruch nehmen, gehen auf eine Reihe einzelner Nummern verschiedener Jahrgänge der Wochenschrift ein, die als Stichproben entnommen find. Dr. Liman gibt den Inhalt von rund 40 Artikeln kurz wieder und knüpft daran gelegentlich Kritiken. Es befinden sich darunter Aufsätze wie „Liebe und Arbeitsverhältnis bei Jandorf", „Der Venus-Parfumeur Kohn" u. ä. m. Einiges darin, das Persönliche, erklärt der Sachverständige allerdings für „unerfreulich", aber die meisten Artikel seien sachlich und ruhig; sie hätten den Zweck, der Partei zu dienen, der der Angeklagte Bruhn angehöre. Irgend ein Erpressungsbeoürfnis leuchte aus den Artikeln nicht hervor.
Ein als Zeuge vernommener Annoncenacquifiteur bekundet, daß er im Auftrage der „Wahrheit" zu allen möglichen inserierenden Firmen gegangen sei, aber nicht zu denen, auf die Angriffe erfolgten.
Von Zeugen aus Iournaistenkreisen wird zunächst der Parlamentsberichterstatter Berlowitz vernommen, der es als übereinstimmendes Urteil der Kollegen der Presse hinstellt,, daß die „Wahrheit" ein Revolverblatt sei, selbst wenn man nicht über das nötige Beweismaterial dafür im einzelnen verfüge. Das Blatt übe indirekt eine Nötigung aus, indem es durch seine bekannte Art diejenigen Leute, die „Butter auf dem Kopfe" hätten, zwinge, sich gut mit ihm zu stellen, um nicht in die Oeffentlichkeit gezerrt zu werden. Die ganze Aufmachung der „Wahrheit" zeige, daß die Artikel nicht auf Gewinnung vieler Leser, sondern darauf berechnet seien, Druck auszu- Lben. — Hierauf bemerkt der Vorsitzende ihm, daß der Angeklagte hiergegen eingewendet habe, daß er, Zeuge, Jude sei und daß die Beriner Journalisten- Vereinigungen fast ausschließlich aus Juden zusammengesetzt seien und daß bei anderen Berliner Zeitungen die Jnseratenagenten auch nicht auf den Kopf gefallen seien. Der Zeuge bleibt dabei, daß Bruhn in keinem Berliner Journalistenverein Unterkunft Snden würde. — Anderer Ansicht ist der Journalist Öring, der für die „Wahrheit" Artikel schreibt, die ein deutschnationales regierungsfrenudliches Wochenblatt fei.
Nachdem dann einer der früheren Mitteilhaber der „Staatsbürgerzeitung", R-A. Dr. Hahn, Auskunft über Bruhns Tätigkeit bei dem Blatt gegeben hat, wird unter allgemeiner Spannung der Schriftsteller Plack-Podgorski aufgerufen, von dem schon vorher bekannt war, daß er zu den heftigsten Gegnern Bruhns gehört. Es wird ihm oorgehalten, daß er inzwischen wegen einer Mordbeschuldigung zu 6 Monaten Gefängnis und schon früher wegen Miquel- Beleidigung zu 1(4 Jahren Gefängnis verurteilt worden ist. Der Zeuge, der sehr geräuschvoll auftritt, erklärt dazu. Minister Miquel habe ihm später sein Bedauern ausgedrückt, was Bruhn als eine Schändung des toten Miquel bezeichnet. Der Zeuge wendet sich darauf persönlich gegen Bruhn, hält ihm vor, daß er damals noch ein freisinniger Schullehrer gewesen sei und daß damals der ganze Antisemitismus einschließlich der „Staatsburger-Zeitung" Miauel mit bekämpft habe. Darauf geraten beide, Angeklagter und Zeuge, in der heftigsten Weise aufeinander, da Plack dem Bruhn Stellenschacher, Kautions- schwindel, Unterstblaguna. Betrug und andere Dinge vorwirft, auch behauvtet. daß Bruhn im Fall Israel zum mindesten verdächtig vorgegangen sei. Sehr scharf wendet sich der Zeuge dann auch gegen die übrige Berliner Bresse, weshalb der Sachverständige Dr. Liman das Wort erbittet. Der Zeuge bleibt bei seinen Behauvtungen und soll morgen weiter vernommen werden.
Ein vierter Journalist, der vern-mmen werden sollte, Schweitzer, hat ein Krankheitsattest eingereicht, äst aber, wie der Staatsanwalt durch die Polizei hat feststellen lassen, täglich auf der Börse zu finden.
Rach Verlesung des Artikels „Der tote Israel und der lebende Eehlsen" wird zum Schluß der heutigen Verhandlung noch der Annoncenacquifiteur Weimer vernommen, der erklärt, es fei ihm ausdrücklich verboten worden, bei Angegriffenen zu acqui- rieren. — Inzwischen ist dem Vorsitzenden mttgeteilt worden, daß der als Zeuge geladene frühere Abgeordnete Ahlwardt nicht auffindbar ist.
Politische Umschau.
Di« Unterstützung beg polnischen Sozialismus
lieber die Unterstützung des polnischen Sozialismus durch Gelder der deutschen Sozialdemokratie haben zwei Organe der großpolnischen Presse im Anschluß an den sozialdemokratischm Parteitag in Magdeburg berichtet. Rach dem „Slowo Polskie" (Lemberg) hat der „polnische Sozialismus in Preußen" nach wie vcr lediglich den Geldunterstützungen der deutschen Organisation sein Dasein zu verdanken und ist infolgedessen vollständig von ihr abhängig. Aus den Erklärungen des Parteivorstandes geht hervor, daß er im letzten Jahre an die sozialdemokratischen Blätter 101150 M an Unterstützungen gezahlt hat. Den größten Betrag, nämlich 13 200 M, erhielt die polnische sozialdemokratische „Gazeta Robotnicza". In den vertraulichen Sitzungen wurde festgestellt, daß die sozialdemokratische Agitation unter den Polen ohne namhafteren Erfolg geführt werde und keine Ergebnisse gezeitigt habe. Es wurde darüber Klage geführt, daß jeder polnische Sozialist der sozialdemokratischen Organisation jährlich 6 Jt koste. Nach den neuesten Informationen setzt sich die polnische sozialdemokrtische Partei in Preußen aus 6 Gauorganisationen zusammen, wobei der Berliner Gau 51 Mitglieder, der Bremer 69, der Posener 151, der Hamburg«. 145, der westfälische 201 und der oberschlesisch- 1578 Mitglieder zählt. Mit Nachdruck wurde hervorge- boben, daß die Zahl 151 der Posener Sozialdemokraten am besten „den Mangel an Verständnis für den Sozialismus bei den Polen beweise". Die Unterstützung für die „Gazeta Robotnicza" soll: nicht gewährt werden, und der polnische Sozialismus möge allmählich eingehen, wenn er nicht lebensfähig sei. . Schließlich siegte jedoch die Ueberzeugung, daß die Aenderungen nicht erwünscht seien, uiü> die „Gazeta Robotnicza" soll weitere Unterstützungen erhallen."
Deutsches Reich.
— Deutscher Flottenverein. Eisenach, 24. Ott. Gestern fand hier die Hauptversammlung des Deutschen Flottenvereins für das Großherzogtum Sachsen Weimar unter Teilnahme desProtettors, des Grobherzogs von Sachsen, statt. Es wurde beschlossen, die im Frühjahre 1912 stattfindende Hauptversammlung des Flottenvereinc in Weimar abzuhalten. Großadmiral v. Koester er- fiärte, daß der Flottenverein lediglich di« Durchführung des Flottengesetzes betreibe; gerade zu diesem Zwecke sei es notwendig, die nicht mehr
10 (Ra^druä verboten.)
Christiane Tanner.
Roman von Claire v. Glümer.
(Sortierung. I
„Wer ich bin, willst Du wissen?" rief der unheimliche Mensch dem jungen Mädchen zu. „Bei den Kameraden hieß ich der Rokoko Jonathan; hier bin ich wieder der Lump Jonathan . . . nebenbei Arbeiter in der Fabrik meines Herrn Vetters. Willst Du mehr von mir wissen, so frage Deine Großmutter." Darauf setzte er feine Krücken wieder in Bewegung und stapfte zm Haustür« hinaus.
Christiane hatte Wilhelms Arm um- llammert.
„Kind, Du zitterst ja," sagte er verwundert, indem er sie aufwärts führte.
„Zu dumm, so zu erschrecken, noch dazu, wenn ich meinen Ritter bet mir habe!" antwortete sie, war jedoch nicht imstande, die erzwungene Heiter- heit festzuhalten; sie blieb von neuem stehen und fügte, zu dem Freunde auffehend, ängstlich hinzu:
„Wil, als der Mann von Kameraden sprach und mich Du nannte und an Großmama verwies, ist mir der schreckliche Gedanke gekommen, ob er... ob er etwa mein Vater ist . . ."
Aber nun lachte Wilhelm so herzlich, daß Christiane seiner Erüärung kaum bedurfte, um ihren Irrtum zu erkennen.
„Du siehst Gespenster," sagte er. „Der arme, lahme Mensch ist Jonathan Wild, ein verdorbener Maler, Vetter des gutherzigen Ferdinand Wild, der ihn in seiner Fabrik beschäftigt."
Ein Maler, der? Hoffentlich nicht der von Lhristiane so ungeduldig erwartetes Aber ehe sie
fragen konnte, ob nicht noch ein anderer, ein wirtlicher Künstler kommen werde, fuhr Wilhelm fort:
„Eine gewisse Beziehung zu Deiner Mutter hat er gehabt; das heißt, er hat sie leidenschaftlich geliebt, sie hat ihn abgewiesen, und um sich zu trösten, hat er allerlei dumme Stteiche gemacht. Talent soll er haben . . .*
Tante Lore, die eben an die Treppe heran- ttat, unterbrach den Bericht.
„Annes Kind!" tief sie, die Hände zusammenschlagend; und als Christtane, von ihrem verstörten Aussehen erschreckt, auf sie zueilte, umfaßte sie ihren Liebling und fügte, in Tränen ausbrechend, hinzu: „Deine Großmutter liegt im Sterben!"
Mt einem Aufschrei machte sich Christiane los und stürzte ins Schlafzimmer, wo die Bürgermeisterin noch immer bewußtlos auf dem Bette lag. Vergebens bat der Hausarzt, der um die Kranke beschäftigt war, um Ruhe. Weinend warf sich das junge Mädchen am Bette nieder.
„Großmama, liebe, liebe Großmama!" schluchzte sie und küßte die starre Hand der alten Frau, der sie — wie ihr plötzlich zu Bewußtsein kam — trotz aller Härte viel zu danken hatte. Aber wie schlecht hatte sie das getan — wie lieblos über die Großmutter geurteilt . , . noch heute!
„Gott, laß sie nicht sterben, laß mich gut machen!" flehte das reuevolle junge Herz, und — war es kein Irrtum? Hatte wirklich in trief cm Augenblick die Hand der Kranken gezuckt? Ja, ihr« kalten Finger schlossen sich um die Enkelin, ein leiser Atemzug hob ihre Brust, und der schwache Laut, der über ihre verzerrten Lippen
kam, wurde für Christiane z». dem Worte „liebes".
Jedenfalls war es ein Zeichen wiedererwach- tea Lebens. Noch eine bange Stunde, dann konnte der Arzt die Versicherung geben, daß die augenblickliche Gefahr vorüber sei. Bei klarem Bewußtsein war die Kranke nicht, aber Her; und Lunge taten ihre Schuldigkeit. Mit der üblichen Redensart, daß man das Beste hoffen dürfe, ging der alte Herr.
Auch Wilhelm, der darauf bestand, arbeitend an der Nachtwache teilzunehmen, ging fort, seine Bücher zu holen, während Lore üef erschöpft von der Angst der letzten Munden am Krankenbette sitzen blieb.
Christtane trat zu ihr.
„Sei nicht so traurig," bat sie, den Arm um Lores Schultern legend; „Wit pflegen Großmama gesund und sind dann viel glücklicher als früher. Hast Tu's nicht gehört, als sie mich zum ersten- male im Leben „liebes" genannt?"
VI.
Das neue Unglück der Bürgermeisterin erregte umso größere Teilnahme, je seltsamere Gerüchte über die Ursache des Schlaganfalles aufiauchten. Einige Tage lang kam Besuch auf Besuch. Selbst wer seit Jahren nicht mehr im Tannerschen Hanse verkehrte, ließ sich's angelegen fein, teilnehmende Erkundigungen einzuziehen, die freilich nicht den gewünschten Erfolg hatten. Lore konnte niemanden empfangen, da sie die Kranke nicht allein zu lassen wagte, und Christiane, das dumme Ding, wußte nichts oder wollte nicht erzählen; in der Beziehung war sie schon ebenso unleidlich wie die Großmutter selbst.
kriegsbrauchbaren Kreuzer der Hertha-Klasse durch wirfliche Panzer zu effetzen.
— Die Einnahmen des Reiches <m Zöllen. Berlin, 24. Ott. Der „Reichsanzeiger" veröffent- licht eine Ueberstcht der Einnahmen aus de» Zollgebühren für die Zeit vom 1. April bis End» September. Danach betrug die Solleinnahm« an Zöllen nach Abzug der Ausfuhrvergütunge» usw. 327 647 247 Mark, die Jsteinnahm, 305 629 355 Mark, gegenüber einem Jahresvort anschlag von 631 900 000 Mark. Bei der Tabak- steuer betrug die Solleinnahme 5 308 416 Mark, die Jsteinnahme 4 987 494 Mark, der Jahresvor- anschlag 14 413 000 Mark; bei der Zigarettensteuer 14 401 645 Mark, 10 '„42 159 Mark, 23 711000 Mark, bei der Zuckersteuer 77 653 834 Mark, 75141319 Mark, 147 178 000 Mark, bet der Salzsteuer 28 204 257 Mark, 26 654 503 Mark, 58 048 000 Mark, bei der Verbrauchsabgabe für Branntwein 85 568 025 Mark, 71 329 511 Mart, 180 000 000 Mark, bei der Essigsäureverbrauchst abgabe 366 637, 250 381, 503 940 Mark, bei de, Schaumweinsteuer4 883 279, 4 948 773, 19 210 C90 Mark; Leuchtmittelsteuer 4 320 586, 4068 029, 15 013 000 Mark; Zündwarenstei er 7292176, 6 280 283, 15 010 000 Mark; Brausteuer und Uebergangsabgabe von Bier 55 930 483, 53 019 774, 111500 000 Mark; Spielkartenstempel 792 148, 894 108, 1819 200 Mart; Wechselstempelsteuer 9 314 266, 9 314 266, 20 C00 000 Mart; Reichsstempelabgaben a) von Wertpapieren 24 058 833, 23 577 656, b) von Gewinnanteilscheinen und Zinsbogen 2 590 093, 2 451144 Mark (der Jahresvoranschlag für a) und b) zusammen 49 000 000 Mark), c) von Kauf- und sonstigen Anschaffungsgeschästen 11586 715, 11352 138,
13 520 000 Mark, d) von Lotterielosen: a) für Staatslotterien 12 236 909, 12236 909, 31 325506 Mark, b) für Privatlotterien 10 107 393 Mark, 9 981 449, 10 850 000 Mark, c) Frachturkunde» 7 878 705, 7 721131, 14 700 000 Mark; f) vo» Personenfahrkartten 11123 942, 10 901 453,
18 620 000 Mark; g) von Erlaubniskarten für Kraftfahrzeuge 1925 217, 1886 712, 1960 LOO Mart; h) von Vergütungen an Mitglieder von Auffichtsräten 2 801 174, 2 745151, 3 920 C 90 Mark; i) von Schecks 1984 608, 1 f 84 608, 1944 9916, 7 350 000 Mark, k) von Grundstücks- Übertragungen 20 194 702, 21745 55-7, 25 490 000 Mark; Erbschastsster . 20 582 389. 0 582 389, 34 000 000 Mark; statistische Gebühr 886 708, 874168, 1476 960 Mark.
Ausland.
** Frankreichs Generalstabsdienst nach deu- schcm Muster. Paris, 25. Ott. Der Präsident der Republik hat einen vcm Kriegsminister ausgearbeiteten Gesetzentwurf unterzeichnet, durch den der Generalstabsdienst nach dem Muster de» Großen deutschen Generalstabs umoestaltet wer- den soll. Der Entwirf, der demnächst dem Parlament vorgelegt werden wird, beftimmt insbe- sonders, daß der Generalstabsdienst sowohl durch Offiziere aller Waffengattungen mit General- stabspatent, sowie durch Hilfsoffiziere ohne Generalstabspatent versehen werden soll. Hierdurch werde es möglich fein, die Generalstabs-
Deunoch ließ man es nicht an den üblichen Hilssanerbietungen fehlen; aber der einzige, der wirflich etwas tat, war Ferdinand Wild. So eindringlich er sowohl gegen ander« tote vor sich selbst jede Schuld an dem Unfälle der Bürgermeisterin bestritt, im Grunde war ihm unbehaglich zu mute; nur indem er nach Kräften zur Erleichterung der Kranken beitrug, fühlte er sich selbst erleichtert. Als Lore den Beistand einer Krankenwärterin ablehnte — sie war überzeugt, daß die Bürgermeisterin bei wiedererlangtem Bewußtsein kein fremdes Wesen in ihrer Nähe dulden werde, bestand er darauf, eine anstellige Witwe, die einst im Hanse seiner Eltern gedient hatte, zur Besorgung der häuslichen Arbeiten zu schicken. Und als Lore, so willkommen ihr diese Hilfe war, abermals zögerte, sie anzunehmen, besiegte er ihre Bedenken durch dir Behauptung, daß er von Fritz Tanner die Mittel zur Beschaffung jeder Pflege und Erquickung für die Kranke erbalten^babe^jt f)aHc der Leichtsinnige da- mit begnügt, Wilds telegraphische Benachrichtigung mit der Bitte um weitere Mitteilungen über den Zustand seiner „armen, heißgeliebten Mutter" zu beantworten. Dann kam ein Brief an Lore, in dem ihr Fritz Tanner die Sorge für die Knmke dringend ans Herz legte und seinen Besuch m Aussicht stellte, sobald er sich von fernen Ge- schäften Zeit abmüßigen könne. Da ihm Lore aber durch Wild sagen ließ, daß er orläufig nicht wagen dürfe, der Erzürnten vor Augen zu treten, blieb ihm nichts übrig, als gekränkt zu verstummen.
(Fortsetzung folgt.)