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mit dem Kreisblatt für die Kreise Marbmg und Kirchhain
»nd den Beilagen: .Flach Feierabend" (wöchentliche Unterhaltungsbeilage) und „Landwirtschaftliche Beilage."
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Die „Oberhessische Zeitung" erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertag«. — Der Bezugspreis beträgt vierteljährlich durch die Post bezogen 2,25 M (ohne Bestellgeld), bei unseren Zeitungsstellen und der Erveditton (Markt 21), 2LV M. (Für unverlangt zugesandte Manuskripte übernimmt die Redak. non keinerlei Verantwortung.)
Marburg
Donnerstag, 27. Oktober 1910.
Die Jnsertionsgebühr beträgt für Unseren»?' aus dem engeren Verbreitungsgebiet des Blattes für die 7g»'-"'ltene Zeile oder deren Raum 16 A, für auswärtige Inserate 20 A, für Reklamen 40 J>. — Druck und Berlag: Ioh Aug. Koch, Aniversttäts-Buchdruckerei. Iubab-r Dr. E. Sv - -rlmrg. Markt 2t. — Tel-nNnn 55.
45. Jahrg,
Zweites Blatt.
Die Taten der neuen Regierung.
V Lissabon, 19. Oktober 1910.
Die „große" französische Revolution hatte Nichts Eiligeres zu tun, als überall die Spuren des Christentums zu tilgen, bett Herrgott für ab- Sesetzt zu erklären und sogar den Sonntag abzu- haffen; anstelle der siebentägigen trat die zehntägige Woche. Auf ähnliche Bahnen kommt jetzt die neue Regierung in Portugal und „reformiert" eifrig einfach alles. Das republikanische Ministerium ist äußerst produktiv in Maßregeln. Nicht genug, daß es die Ausweisung der Kongregationen, die Trennung von Kirche und Staat, die Zu- «ssigkeit der Ehescheidung dekrediert hat, nein, es hat sogar auch die Anrufung Gottes in der Eidesformel verboten und die Abschaffung des Katechismus und aller anderen Bücher zu religiösen Zwecken in den staatlichen und städti- schen Volksschulen angeordnet. Statt des bisherigen Amtseides lautet fortan die Formel für die zeitweilige oder andauernde Ausübung von Funktionen in öffentlichem Interesse: „Ich er- ttüte auf meine Ehre, daß ich treu die mir an- vertrauten Futcktionen ausüben w-rde." In gleichem Sinne haben sich auch die Zeugen in Prozessen zu erklären. Die Kicher in den Schulen ober sollen völlig religionslo' aufwach- sen, ein Experiment, das sich anderswo bereits bitter gerächt hat.
Einen besseren Erdrück machen einzelne Maßnahmen auf dem Verwaltungsgebiete. Oo wird vollständig mit dem bisherigen Usus gebrochen, daß ein Beamter gleichzeitig mehrer bezahlte Posten im Staatsdienst übernehmen kann, oder daß ein Staatsbeamter gleichzeitig auch Stellmv- gen privaten Bankgeschäften, Kolonialgesell- toaften, Eisenbahndirektionen innehalten darf. In diesen Beziehungen ist seither viel gesündigt. Ob die Abschaffung aller Adelstitel und aller Ordensdekorationen, abgesehen von einer Tapfer- keftsmedaille, in dieselbe Rubrik der für Portugal nützlichen Verordnungen gehört, muß die Zu- sttnft lehren. Eine große Schwierigkeit aber mtsteht aus der Umbesetzung 'Her Vertrauensposten in Landheer, Marine und in Zivilstellungen, wo überall natürlich waschechte Republikaner einrücken. Selbswerständlich werden die zum Rücktritt veranlaßten Elemente die Unzufriedenen bilden, welche das Banner der — nächsten Revolution hochhalten werden. Vorerst hat freilich die neue Regierung noch alle Gewalt in Händen. Bei den bevorstehenden Wahlen zur Deputationskammer werden die Monarchisten an der Wahlurne nur in geringer Zahl erscheinen.
In der auswärtigen und der Handelspolitik ist man zunächst ungeheuer vorsichtig. Von der Einführung der Tabelle A des deutsch-portugiesi-
9 f<r?n*brnr' verboten.)
Christiane Tanner.
Roman von Claire v. Glümer.
< Fortsetzung.) .
V.
Um dieselbe Zeit hatte sich Christiane durch den Frühlingssonnenschein verlocken lassen, auf Umwegen von der Schule nach Hause zu gehen. Wilds Anerbieten, das junge Mädchen herbeizuholen, hatte Lore abgelehnt. Sie fürchtete das Schlimmste und wollte ihrem Herzblatte solange wie möglich den Anblick der Sterbenden ersparen.
So eilte denn Christiane ahnungslos durch enge Gäßchen der Vorstadt zu und hier weiter und weiter, zwischen Gärtnereien, deren gelockerte Beete ihren Erdhauch mit dem bitteren Duft aufbrechet,der Blätterknospen mischten. — Ebenso poch es, wenn der Frühling kaum in Christianens Kindheitsparadiese, dem Pfarrgarten von Lin- genau und ebenso sangen dort die Lerchen, wie jetzt über den Feldern jenseits des Baches, der die Stadtgrenze von Elmenade bildet.
Christiane blieb am Ufer stehen, sah den Weg entlang, der vom alten Stadttore über den Lindenberg nach Lingenau führt, und erinnerte sich, wie oft sie als Kind Sonnabend heimlich fottge- huscht war, um Wilhelm entgegenzulaufen. Unter der Linde auf dem Hügel machte sie halt und wartete mit Herzklopfen, bis sie ihn vom Stadttore herankomen sah. Dann rief sie ihm zu und er eilte, die blaue Schülermütze schwenkend, mit langen Schritten herbei, um sich, während sie dem Pfarrhause zUgiugen, die wichtigsten Vorkommnisse der letzten Woche berichten zu lassen.
Ja, damals waren sie gute Freunde; jetzt i kümmerte er sich ebensowenig um sie wie jeder I «nbete, der ihr seine Freundschaft angeboten |
scheu Handelsvertrages, welche die vielfachen Zollerhöhungen enthält, kann augenblicklich gar keine Rede sein, da die junge Regierung sicher darauf bedacht ist, nicht Stimmung gegen sich in Deutschland zu machen; auch im Innern dentt sie ja vor allem an die „Stimmung", wie die beretts beschlossene Herabsetzung des städtischen Octroi beweist. Durch Anwendung d»s Zollzu- schlagsgesetzes würden außerdem England und Frankreich vor den Kopf gestoßen, und das republikanische Ministerium ist viel zu klug, sich die internationale Stellung zu erschweren. Dafür werden aber die portugiesischen Finanzen herunter gewirtschaftet, die dringend nach neuen schreien. Scylla und Charhbdis!
Von den Taten der neuen Regierung, welche direkt Deutschland berühren, ist erwähnenswert, daß das Ministerien den portugiesisch tt Böttchern versprochen hat, solange keine deutschen Fässer zum Transport von Wein und Trauben »ach Portugal hereinzulassen, als diese Böttcher in der Lage sind, bett Bedarf an Fässern zu decken. Es wird dieser Bescheid den deutschen Weinimporteuren wenig angenehm sein, da dadurch ihre bisherigen Dispositionen sehr beeinträchtigt werden. Nicht minder unangenehm wird den deutschen Korkfabrikanten fein, daß nicht nur für Bruttokorkholz die Ausfuhr verboten ist, sondern daß auch alle 12 000 portugiesischen Arbeiter in der Korkholzindustrie das Ministerium bestürmen, auch für alles andere Korkholz, in Platten rc. die Ausfuhr zu verbieten, sodaß nur noch verarbeitete Korke zur Ausfuhr gelangen würden. Infolge der eigenartigen Produktionsbo- dingungen für Korkholz wäre es für Deutschland sehr wünschenswert, wenn wenigstens für Korkholz in Platten die Ausfuhr nicht behindert würde. Aber mit Rücksicht auf ihre Popularität bei den portugiesischen Arbeitern wird die neue Regierung doch woh. zu diesen scharfen Maßregeln greifen.
So schnell sonst aufgeräumt wird, so liegen doch jetzt zwei Wochen nach dem Ausbruch der Revolution, die durch das Bombardement und die Flintenschüsse verursachten Beschädigungen der Häuser mit geringen Ausnahmen noch genau so, wie zur Zeit der revolutionären Vorgänge. Im Palais Necessidades ein durch Granaten verwüstetes Fenster, ein großes Loch am Dachanfang, viele Kugelspuren an den Außenwänden; neben der Artilleriekaserne große durch Granaten der Queluz-Batterie hervorgerufene Löcher in Umfassungsmauern und au einer Hausfront. Uebrigens wendet auch jetzt noch die Regierung alle Vorsicht an, so trafen noch gestern zwei Schwadronen Ulanen aus Elvas zur Verstärkt,ng der Lissaboner Garnison ein. Jetzt ist eine so starke Macht in Lissabon zusammengezogen, daß aus lange hinaus die Ruhe gesichert erscheint; meine Aufgabe als Berichterstatter über die portugiesische Umwälzung halte ich damit für beendet.
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hatte .... Aber sie wollte ja nicht mehr an ihn denken, auch an Wilhelm nicht. Er ging ohnehin nächstens auf die Universität, und wenn sie sich nicht mehr sahen . . . Ein halb schmerzliches, halb verächtliches Achselzucken vollendet- ihren Gedankengang, während sie, der Lingenauer Höhe und allen Erinnerungen den Rücken kehrend, den Heimweg einschlug.
Aber nun erklang ihr aus einem Heckengäßchen ein fröhliches „Hallo?" entgegen; der Sünder, den sie eben aus Kops und Her; verbannt hatte, trat auf sie zu und sagte, indem er nach ihrer Schultasche griff:
„Hier draußen mit all der schweren Gelehrsamkeit! Her damit, kleine Dame!"
Bei diese» Worten hatte er sich der Last bemächtigt: aber statt des Dankes wurde ihm nur ein spöttisches „Du bist ja heute beinahe galant!" zuteil.
„Und Du beinahe spitzig. Dars ich wissen, wodurch ich Dich erzürnt habe?" antwortete er in der unerträglichen guten Laune, der so schwer beizukommen war.
„Du fragst noch?" rief Christiane empört. „Als ob Du nicht wüßtest, daß Du Dich abscheulich benimmst . . . Sonst waren mir Deine Freitischtage bei uns die liebsten in der ganzen Woche. Da hörte ich doch mal was anderes als Klagen über die böse Welt oder Vorwürfe über meine eigene Schlechtigkeit . . . Und nach dem Essen, wenn Großmama schlief, hattest Du Zeit, mit mir zu plaudern und zu lachen . . . Jetzt kommst Du womöglich erft, wenn die Suppe fchon auf dem Tische steht; bist wie auf den Mund geschlagen; läufft fort, fobald Du gesegnete Mahlzeit gesagt hast . . . und daß es mir schlimmer geht als je, daß ich Großmama nichts, gar nichts recht machen kann, kümmert Dich nicht!"
„Armes Kind!" sagte ei herzlich; „ich habe nichts davon gewußt ,. ,•
Marburg und Umgegend.
(Nachdruck aller Originalarttkel ist gemäß § 18 bei- Urheberrechts nur mit der deutlichen Quellenangabe
„Oberhess. Ltg." gestattet.)
Marburg, 26. Ott.
* ' Die diesjährigen Herbsttontrollversammlungen für den Kreis Marburg beginnen am Dienstag, den 1. November, in Schönstadt. Für Marburg sind sie wie folgt fette: .eH: ;.) v r- mittags 9 Uhr für die Mannschaften der Stadt Marburg, b) vormittags 11 Uhr für die Mannschaften aus den Orten Bauerbich. Cölbe, Cappel, Gisselberg, Marbach, Niederweimar, Oberweimar, Gutsbezirk Oberweimar, Ockershausen, Schröck und Wehrda, c) nachmittags 3 Uhr für sämtliche Offizier-Aspiranten, Unterärzte, s^jäh- rig gediente Sanitätsmannschaften, Unterapotheker und Militärapotheker. Das Nähere ist aus dem Kreisblatt ersichtlch.
Versammlungen, Konzerte, Theater, Vergnllgung»- Rachrichten ufro.
* Stadttbeater. In der „Sappho"-Aufführung am kommenden Donnerstag find neben Frau Baumeister in der Titelrolle Fräulein Engel als Melitta und die Herren Mark, Volck und (fhnv'ti beschäftigt. — Eine besondere Veranstaltuw findet am Samstag, den 29. Oktober, statt, indeo. die Traumtänzerin Madeleine Tribby ein einmaliges Gastspiel absolviert. Madeleine Trilby singt und tanzt, resp. versinnbildlicht im Traumzustände klassische und moderne Meister aus Vergangenheit und Gegenwart, illustriert schauspielerisch Gedichte und Monologe aller Art in künstlerischer Vollendung und stellt alle menschlichen Leidenschaften in plastischer Pose dar. Der Darstellung von Madeleine Trilby, die überall auch das Interesse der wissenschaftlichen Kreise erregte, gebt eine Aufführung des bekannten Schwankes „Im weißen Rössl" durch das Personal des Stadttheaters voraus. Die Preise sind die gewöhnlichen.
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4- Kirchhain, 26. Okt. In der gestern abend abgehaltenen Sitzung der Stadtverordneten wurde folgendes beschlossen: Für Heizung des Lehrzimmers der Hufbeschlag-Schule wurde eine jährliche Entschädigung von 15 M bewilligt. — Dem Beschluß des Magistrats, wonach 200 M zwecks Vertilgung der Mäuse an den Feldwegen zur Verfügung gestellt sind, wurde zugestimmt. — Das Gehalt der Kleinkinderlehrerin wurde um 120 M pro Jahr erhöht. — Zur Deckung der Abfindungssumme von je 110 M für ab- gclöste Nutzungen am Stadtwalde soll ein Kapital bei der hiesigen Sparkasse ausgenommen werden. — Dem Magistratsbeschluß, wonach die an die Nutzungsberechtigten zu zahlende Waldentschädigungssumme von je 110 .41 vom 1. November 1909 ab mit 4 Proz. verzinst werden soll, wurde zugestimmt. — Diejenigen Nutzungsberechtigten, deren Losnummer sich noch in der Urne vom Eichenholz befinden, sollen mit je 5 Jl entschädigt werden. — Die tauschweise Abtretung von Grundeigentum vor dem Hause des Schuhmachers Heinrich Schmitt fand Genehmigung.
V Bottenhorn, 24. Okt. Wer feit vorigem Jahre nicht mehr in unserem Dorfe gewesen ist, wird sich schon von weitem erstaunt fragen, was das für ein prächtiges Gebäude sei, das sich wie ein Schlößchen aus der Mitte der übrigen Häuser hervorhebt. Es ist das neue Schulhaus, und heute wurde es feierlich eingeweiht. Kein wehmütiger Abschied war es, den
„Das ist's ja eben!" fiel sie ein; „richtige Freunde müssen alles voneinander wissen!"
„Nun, dann weißt Du auch — Du siehst, ich halte Dich für eine richtige Freundin —, was ein Nbiturientenexamen bedeutet, wenn man, wie ich, durchaus die erste Zensur haben muß," antwortete Wilhelm.
„So, mußt Du das?" fragte Christiane. „Wer hat mich denn ausgelacht, als ich vergangenes Jahr darüber weinte, daß ich bei der Versetzung nur die zweite geworden war?"
Wilhelm lachte aucht jetzt wieder. „Ja, Bauer, das ist ganz was anderes," sagte er. „(Sine zweite höhere Tochter kann ebenso viel wissen und wert sein wie die erste, während in meinem Falle . . Uebrigens ist mir dabei hauptsächlich um meinen guten Vater zu tun. Er soll nicht denken, daß ich mich aus Unfähigkeit weigert«, Theologie zu studieren."
„Aber sollst Du denn nicht in Lingenau Pastor werden?" rief Christiane.
»Ja, fo war's beschlossen in der Santa Cafa Heilgen Registern," antwortete Wilhelm. „Aber weißt Du nicht mehr; es war. einmal ein kleines Mädchen, das bei unangenehmen Änforberungen zu sagen pflegte: „Ach, das soll ich nur, aber motten will ich'- nicht!" — So geht's mir jetzt — ober besser gesagt, ich kann nicht! — Rein, ich kann nicht!" wiederholte er nach einer Pause mit liefern Ernst. „Ich habe keinen Beruf zum Geistlichen."
Beinahe verschüchtert sah bas junge Mäbchen zu ihm auf. Wie seltsam er aussah unb sprach; ganz anders als sonst. Schweigend gingen sie eine Weile nebeneinander, bann fragte sie mit einer gewissen Beklommenheit:
„Was willst Du benn nun plötzlich werden?"
„Forstmann . . . aber nicht plötzlich," antwortete Wilhelm. „Der Wakb bat es mit von ßeher angetan; weißt Du das nicht mehr?«
Lehrer und Schüler von den alten Unterrichtsräume« mit einem aufrichtig gesungenen „Nun danket all« Gott" nahmen, denn die Säle waren dumpf unb feucht. Um so Heller ists im neuen Heim, vor dessen hoher Eingangstüre Herr Lehrer Stotz die Fest- unb Begrüßungsrede hielt. Beherzigenswerte Wort« sprach er über bas Thema „Schule und Haus" unb nach ihm Herr Kreisschulinspektor Premer aus Gladenbach von der rechten Pflichterfüllung seitens Lehrer und Lernender. Herr Kgl. Landrat Dr. Daniel« wies auf die Opferwilligkeit der Gemeinde hin, die, obwohl nicht in günstiger finanzieller Lage befindlich, dennoch bereit gewesen sei, das Haus zu baue« zum Wohle ihrer Jugend. Ferner gedachte er der erheblichen Beihilfe aus Staatsmitteln, ohne die bat Werk gar nicht zustande gekommen wäre, unb bet Allerhöchsten Jugendfreundes, des Kaisers, dem die Fefwerfammlung ein dreifaches Hoch widmete. Dan« schritt man zur Besichtigung der drei geräumige« Lehrsäle und der dazu gehörigen Lehrerwohnungen, nachdem ein gemischter Ebor unter Leitung des Herrn Lehrers Krause den Ambroll-mir-o-n vobgesanz schwungvoll zum Vortrag gebracht hatte. Eine gemütliche Nachfeier mit Bewirtung der Festteilnehmei auf Gemeindekosten schloß sich an die Einweihung an. - -----
Unpolitische Tagesnachrichten.
Die Koffer des Prinzen Heinrich von Bayern ausgeplündert. München, 25. Okt. Das Gepäck besv Prinzen Heinrich von Bayern wurde während der letzten Jtalienreife zwischen Mailand und München von Dieben gplüudert. Ei« Koffer mit Pretiosen wurde g-'öffnet, mehrer« Schmuckfachen, teils Andenken, herausgenommen, und der Koffer wieder geschlossen.
Ein ungetreuer Postmeister. Nürnberg, 25. Ott. Der königliche Postmeister Kämmerer, wurde unter dem Verdachte Unterschlagungen amtlicher Gelder in Höhe von etwa 40 000 Jl begangen zu haben in Haft genommen.
Marktbericht«.
Cassel, 26. Oktober «Dieb Marktsbericht.) Schlachtviehpreise. Es kokten die 50 Kilogramm Schlachtgewicht von Ochsen: 1. Qual. 60—00 M. 2. Qu il. 82—?4 M. 3. Qual. 76—PO M. Bulle, 1. Qual. 76-78 M. st. Qual. 70-74 M. 8. Qual. 00-00 M. Kühe und Minder: 1. Qual. 76-78 M. 2. Qual. 72-74 M. 3. Qual. 65-68 M. Schweim 1 Qual 70-71 M. 2. Dual. 66 -69 < Eber das *li kg Lebendgewicht 42—48 Psg. Hämmel bat % kg Fleifchgewicht 74 —00 Dfg. Auftrieb: 6 Olsen, 8 Bullen 39 Kühe, 31 Rinder, 201 Schweine, 31 Kälber, 24 Hammel. Tendenz: langsam = = ... = ...... .
Verantwortlich für die Redaktion:
Dr. phil. Carl H i tz e r o i h in Marburg.
„Gewiß! ... aber Dein Vater und Dein Herr Pate, der Dir die Patronatspfarre geben wollte. .*
„Mit denen wird es freilich harte Kämpfe geben," fiel WUHelm ein. „Immerhin, durchsetzen muß ich'S, das begreifst Du und wirst mir den Gefallen tun, mit niemandem von meinen Absichten zu fprechen — auch mit Tante Lor« nicht. Wenn alles abgemacht ist, wird sie es leichter nehmen . . . nicht wahr, Du schweigst?"
„Gewiß, Du kannst Dich daraus verlassen!" verficherte Christiane, vor Stolz erglühend. Welche Ehre, daß Wilhelm ihr anvertraute, was selbst die gute Tante Lore nicht wissen sollte! Alle seine Missetaten waren damit gut gemacht. Das sagten ihm die leuchtenden Augen des jungen Mädchens; die Wärme, womit sie nach de« bisherigen Verlaufe seines Examens fragte; endlich, als sie Über den Kirchplatz gingen, die Bitte: wenn auch nur auf eine halbe, eine Viertelstunde mit hinaufzukommen. Und fo wenig Zeit der gute Junge hatte, er folgte feiner Tyrannin, die fröhlich durch den Flur eilte unb bie Treppe hinaufstieg.
Auf bem Absätze Hieb er stehen.
„Wer ist denn das?" fragte sie in bem durchdringenden Flüstertöne, der so weithin gehört wird.
Durch die Hoftür war ein Mann in den Flur getreten, der sich auf zwei Krücken mühsam fort bewegte; ein schäbiger Ueberzieher hing um bie hagere Gestalt; ein breitrandiger Schlapphut, unter dem graue Haarsträhnen bis auf bie Schultern fielen, verbarg feine Zuge; aber bei Christianens Geflüster hob er den Kops, und im Lichte das durch das Fenster über die Haustür schien, sah sie ein fahles, verwittertes Gesicht mit finsteren Augen emporstarren.
(Fortsetzung folgt.)