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mit dem Kreisblatt für -le Kreise Marburg und Kirchhain

xnb den Beilagen:Rach Feierabend" (wöchentliche Unterhaltungsbeilage) «nd »Landwirtschaftliche Beilage."

JUL 252

i)uetijcii=i<l)e Zeitung" erscheint tägltch mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage. Der Bezugspreis beträqt viertel­jährlich durch die Post bezogen 2,25 Jt lohne Bestellgeld), bei unseren Zeitungsstellen und der Ervedttion (Markt 21), 2,00 «M.. (Für unverlangt zugesandte Manuskripte übernimmt die Redak- klon keinerlei Verantwortung.)

Marburg

Donnerstag, 27. Oktober 1910.

Die Znsertionsgebübr beträgt für Inserenten aus dem engeren Berbreitungsgebier des Blattes für die 7o-'-altene Zelle oder deren Storni 16 i, für auswärtige Inserate 20 -5, für Reklamen 40 4. Druck und Verlag: Joh. Bug. Koch, Universrtäts-Buchd'-"ck?rei. In5-,k«>i- Dr. E ' "'t->rbnrg,

Markt 21. 55.

45. Jahrg.

Erftes Blatt.

ZeuMlsverweiilerunq.

Aus parlamentarischen Kreisen wird uns mH- geteilt:

Hart auf hart prallen jetzt Regierung und Kommission zusammen, so das: es in dem Schlachtbericht einst vielleicht heißen könnte: Keiner wankte, keiner wich?" Bleibt es dabei, dann ist die ganze Arbeit dieses langen Som­mers für die Strafprozeßreform vergeblich ge­wesen. denn die Regierung hat ihrUnannehm­bar!" wiederholt und die Kommission ihre ange­fochtenen Beschlüsse trotzdem nicht geändert.

Nachdem in verschiedenen anderen Punkten eine Einigung erzielt worden ist, bleiben vor­nehmlich noch zwei strittige Dinge: die Regierung will die allgemeine Zeugnispflicht der Beamten nicht cinführen, sondern nach wie vor von der Genehmigung der Vorgesetzten Behörde abhängig machen; und sie will umgekehrt die Zeuanis- psticht der Abgeordneten unbedingt aufr cht er­halten, statt ihnen das gewünschte Berufsgeheim­nis zuzubilligen.

Hier klafft die große Kluft. Wegen der Be- amtenfrage soll e:ne Unterkommission der Kommission einen Weg zur Verständigung aus­findig machen. Aber in der Frage ihrer eigenen Unvernehmbarkeit" bleiben die Parlamentarier hart. Rur die Rechte allein billigt den Stand­punkt der Regierung.

Gegen die Gepflogenheit, den Beamten ein Schweigegebot über alle amtlich zu ihrer Kennt­nis gelangten Dinge aufzuerleaen. soweit sie ntcbt ausdrücklich in einem Einzelfall davon dis­pensiert werden, stürmt besonders die Sozial­demokratie an Sie verlangt, daß beispielsweise die Polizei stets ihre Gewährsmänner nennen solle. WelcherAchtgroscheniunge" einen Genossen verpfiffen" bat, das will sie wissen, damit der Angeber nachherbelehrt" werden kann. Alle Vigilanten der Polizei sollen so allmählich der öffentlichen Verachtung" und handgreiflichen Beweisen davon überantwortet werden bis diese Sorte von Menschen freiwillig ausstirbt.

Regierung und Recht erklären demgegenüber, auf die paar Spitzel komme es bei diesem Para- gravben kaum an. Vielmehr sei deshalb die all­gemeine Zeugnispflicht der Beamten untunlich, weil dadurch garantierte Rechte der Staats­bürger verletzt würden, so das Steuergeheimnis, das Geheimnis in Vormundsschafts- und intim­sten Familiensachen und anderes mehr.

Ganz und garnicht will die Regierung über eine Erweiterung der Vorrechte der Parlamen­tarier mit sich reden lassen. Die verfassungs­mäßige Stellung der Abgeordneten sei durch Reichs- und Landesgesetzc festgelegt, von dem Rechte der Zeugnisverweigerung stehe nirgends etwas, auch würden den Abgeordneten Tat­sachen sa nicht zum Verschweigen, sondern zum Reden mitaeteilt; daber der Name Parlament.

Insbesondere wird befürchtet, daß der von der Kommission angenommene Paragraph Ver-

Vor tnmbert Jahren.

Von L. Müller.

Bis zum Jahre 1810 stand in der Wettergasse ein städtisches Brauhaus, unterhalb demselben wohnte der Handelsjude Tob. Aron und ober­halb demselben der Metzgermeister Jeremias Brauer, der sogenannte Speck-Mejes. Marburg gehörte damals zum Königreich Westfalen. In der Nacht vom 25. zum 26. Oktober 1810 brach in genanntem Brauhause in der damals engen Wettergasse ein großes Feuer aus, bei dem beide anliegende Häuser mit abbrannten. Eine ständige Feuerwehr hatte man noch nicht, sondern es war jeder Bürger verpflichtet, bei der Bekämpfung eines ausgebrochenen Feuers hilfreiche Hand­dienste zu leisten und den Anordnungen der 16 Feuerherren Folge zu leisten. Die Stadt war in sechs Feuerwehrquartiere eingeteilt; im 1. Quar­tier, Barfüßerstraße bis an den Markt und ober­halb bis zur lutherischen Stadtschule, waren Feuerherren: Ruppertus Schwaner*. Nikolaus Häufler, Küschner Zimmermann und Weinwirt Roth*. 2. Quartier: Plan, Untergaffe bis ans Lahntor mit den Nebengassen: Joh. Philipp Bricl*. Strumpfweber Hausburg, Schneider, M. Bock* und Müller. Diese sollen die Reihen formieren. 3. Quartier: Mar«, Ritierstraße, Aul- gafle, Rcitgafle, Schuhmarkt, Hirschberg: Chri­stoph Bersch, Bertram Schäffer*. Christoph Blem Iier, Matthäus Schaaf*, sind bei den Feuereimern beordert. 4. Quartier: Wettergasse, Judengasse, Neustadt bis zum Kesseltor: Johannes Seebin- 6er*, Hofschlofler Guth, Bäcker M. Binder, Schreiner M. Schönhardt*, sollen ebenfalls | Reihen formieren. 5. Quartier: die ganze Ketzer- j bach mit Zwischenhausen und Steintweg: Dietrich 1

anlaflung zu bedenklichen Zuträgereien geben könne, zu unerlaubten Mitteilungen aus Beam­tenkreisen, womit eine Erschütterung der altbe­währten Gewissenhaftigkeit unserer Staatsange­stellten verbunden sei, Quae cum ita sink: Unannehmbar!

Deutsches Reich.

Das deutsche Kaiserpaar in Brüssel. Auf der Einzugsstraße hatte sich eine ungeheure Menschen­menge eingefunden, die auch die Balkons, Fenster und Dächer besetzt hielt. Aus dem Bahnsteig hatte di« Ehrenwache von den Grenadieren mit Fahnen und Musik Ausstellung genommen. Der König in bel­gischer Eeneralsuniform, mit der Kette des Schwar­zen Adlerordens, war mit den Spitzen der Militär­behörden und dem Bürgermeister von Brüssel, Mar, erschienen. Der kaiserliche Sonderzug lief um 2 Uhr 20 Min. ein; die Musik intonierte die deutsche Hymne. Der Kaiser, in der Uniform der Leibhusaren mit dem Bande des Leopold-Ordens, die Kaiserin und die Prinzessin Viktoria Luise entstiegen dem Wagen. Der Kaiser und der König küßten sich wie­derholt auf beide Wangen. Der Kaiser küßte der Kö­nigin wiederholt die Hand, während König Albert die Kaiserin und die Prinzessin begrüßte. Darauf ließ sich der Kaiser das Gefolge vorstellen und richtet« freundliche Worte an den Bürgermeister der Stadt Brüssel. Die Majestäten schritten dann die Front der Ehrenkompagnie ab. In der vorderen Bahnhofshalle hatten Schulkinder Aufstellung genommen, die in die belgische und die deutsche Nationalhymne etnsttmm- ten. Im Empfangssalon des Bahnhofs hielt eine Eskorte der Guides mit Standarte, die dann den Gafawagen zum königlichen Schlösse geleitete. Im vierspännigen Wagen folgten die Kaiserin und vk« Königin, Prinzessin Vittoria Luise auf dem Rücksitz«. Artillerie salutierte mit 71 Schuß. Auf dem Ein­fahrtswege bildeten Truppen Spalier. Hurra- und Hochruf« begleiteten den Einzug. Im Schlosse wur­den die Majestäten von der Gräfin von Flandern empfangen, außerdem von dem Prinzen und der Prinzessin Karl Anton von Hohenzollern. Wäh­rend des Einzugs de» Kaiserpaares manövrierte der LenkballonVille de Bruxelles" über dem könig­lichen Schloß. Um 4 Uhr nachmittags stattete der Kaiser, die Kaiserin und die Prinzessin Viktoria Luise der Gräfin von Flandern einen einstündigen Besuch ab und nahmen bei ihr den Tee. Hierauf be­gaben sich die Kaiserin und die Prinzessin Viktoria Luise nach der St. Gudula-Kirche, die sie eingehend besichttgten. Um 5 Uhr nachmittags empfing der Kaiser im Stadtschloß das gesamte diplomatisch« Korps, das ihm von dem deutschen Gesandten von Flotow vorgestellt wurde. Später sah Kaiser Wil­helm den König Albert längere Zeit in seinen Ge­mächern. Um 7 Ub- abends fand im Sckloß Eala- diner statt. Hierzu waren geladen: die beiden Ge­folge, der ganze Dienst des belgischen Hofes, sämt­liche belgische Minister, der belgische Hofmarschall, das gesamte diplomatische Korps mit seinen Damen,

Matthäi*, Daniel Ockershausen*, Johannes Schott und Marttnus Schuchhard, sind bei den Feuerhacken. 6. Quartier: Weidenhaufen Grün Lahntor und Pttgrimstein: Matthaus Klein*. Jeremias Hermann, Joh. Heinr. CSfar*, Her­mann Mittler, sind bei den Feuerleitern kom­mandiert. (Die mit * bezeichneten waren die eigentlichen Feuerherren, die anderen deren Stellvettreter.) Diese Feuerherren hatten bei einem ausbrechenden Brande nur die Leitung der Lösckarbei'en zu überwachen, wahrend die übrige Bürgerschaft ihnen Hilfe leisten mußte. Studenten und junge Mädchen waren besonders behilflich im Herbeischaffen des Wc.flers, das aus den Brunnenreservoirs entnommen wurden. Es wurden Reihen gebildet und das Wasser in sogen Feuereimern in die Spritzen zur Brandstelle weiter befördett. In der einen Reihe gingen die gefüllten Eimer hin und auf der anderen Seite die leeren Eimer zurück. Wie mir noch eine Augenzeugin erzählte, die damals als junges Mädchen Wasser hat zubringen helfen, ist es ein mächtiges Feuer gewesen, und feien die Spritzen aus der ganzen Umgegend nach Marburg zu Hilfe geeilt.

Im Departement-Blatt finden wir folgende Bekanntmachung:

Am 26. Oktober brannte das städtische Brau­haus in der Wettergasse ab, es ij erben alle die­jenigen, welche Sachen eingebracht ober auf ge­nommen haben, ersucht, dieselben auf die könig­liche Maitte zu bringen, damit sie dem wahren Eigentümer abgegeben w rben können. Ebenso fehlen eine Menge lederner Eimer, sowohl der Maire wie auch der Krondomäne und der Ge meinde Goßfelden gehörig, welche beim Löschen herbeigeeilt war; es wird Jedermann ausge-

die Herren der deutschen Gesandtschaft mit Damen, der Reichskommissar der Deutschen Abteilung auf der Weltausstellung. Beide Majestäten hielten sehr herz­lich gehaltene Trinksprüche.

Zur Kronprinzenreife erhält unsere Ber­liner Vertretung die bestimmte Auskunft, daß die Ostastenreise des Kronprinzen i.u§ dem kaiser­lichen Dispositionsfonds bestritten wird, nicht auS Staatsgeldern, und daß außerdem die Krone selbst zu den Repräsentationskosten einen Zuschuß leistet. Die Nachricht der seit Bülows Ausscheiden merkwürdig schlecht informiertenFrankfurter Zeitung", daß das Auswärtige Amt die Kosten bergeben werde, war also falsch. Ebenso falsch ist übrigens die Mitteilung, daßim Gefolg" des Kronprinzen einige Journalisten an der Reise teilnehmen würden. Die Herren tun das auf eigene Faust, etwa ebenso, wie auch Dernburz auf feinen Kolonialfahrten von B richterstattern begleitet wurde. Bei biefer Gelegenheit wollen wir zu bemerken nicht unterlaffen, daß unser Kaiserhaus ausnehmend rücksichtsvoll ist; in Eng­land wurden Kronprinzenreifen, so di« Welt­umsegelung des Prinzen von Wales 1875, stets aus Staatsmitteln bestritten. Das könnte man mindestens für die offiziellen Empfänge im Aus­land bei uns ebenso machen.

Hansabund «ndRordd. Allg. Ztg." In einer Versammlung des Berliner Ortsverbande» des Hanfabundes kam Direktor Knobloch auf den Zwist mit derRordd. Allg. Ztg." zu sprechen. Er führte aus:Wir bestreiten derNorddeutschen Allgemeinen Zeitung" das Recht, uns Vorschriften darüber zu machen, wie wir die uns anvertrauten Interessen von Handel. Gewerbe und Industrie öffentlich ver­treten. Wir find unabhängig und wollen uns diese Unabhängigkeit wah-en. namentlich aber dagegen protestieren, daß mit zweierlei Maß gemessen wird, daß matt uns bei der ersten greifbaren Gelegenheit bet ein paar Redewendungen eines Wahlfondsauf­rufs unter di« Sozialdemokraten wirft, dagegen nur höfliches Schweigen für die brutale Verunglimpfung des deutschen erwerbenden Bürgertums von jener anderen Seit« hat." Uns scheint, als ob der zur Mäßigung mahnende Ruf derRordd. Allg. Ztg." eine derartige Zurückweisung nicht verdient hätte. Die Zeiten find für einen Kampf aller gegen all« doch wahrhaftig zu ent ft und zu schlecht.

Die Erträge der Börsensteuer. Berlin, 22. Okt. DieBerliner Politischen Nachrichten" schreiben:Die Börsensteuer hat ir der ersten Hälfte des laufenden Jahres eit . Einnahme von 37,8 Millionen Mark abgeworfen, wovon 23,6 Millionen auf den Wertpapierstemvel, 2,5 Mil­lionen auf Gewinnanteilschein- und Zinsbogen und 11,4 Millionen Mark auf Anschaffungsge­schäfte kamen. Da die Hälfte des Etatsansatzes für 1911 sich auf 31,3 Millionen Mark stellt, so hat die Börsensteuer im ersten Halbjahr 6,1 Mil­lionen Mark mehr abgeworfen, als von ihr er­wartet worden ist. Besonders ausgiebig ist bis­her die Stempelabgabe für die Anschaffungsge- schäfte gewesen. Sie ist für das gat.ze Rechnungs­jahr auf 13,5 Millionen Mark veranschlagt und hat, wie gesagt, bereits in der ersten Hälfte 11,4

fordert, dergleichen Gerätschaften, scwie die von den Bewohnern hergegebenen Holzeimer, Zöber und Handspritzen, wovon noch manches vermißt wird, sofort abzuliefern.

Marburg. 27. Oktober 1810.

Für den Mair«: Der Adjunkt Bode."

Bei dem am 26. Oktober morgens : m 4 Uhr ausgebrochenen Brande sind dem Handelsjuden Aron, Löb L"cas, dessen Haus zum Teil abge­brannt, nachdem er es verlassen, viele Sacken wegg-tragen worden, um sie dem Feuer nicht aus­zusetzen. Manches bat er wieder b kommen, aber viele Stücke fehlen noch. Man sieht, daß die. die den Schein der Hilfe angenommen haben, sich als Diebe darstellen. Dem redlich Gesinnten dafür, daß er kein Diebshebler sein will, eine Belohnung anzubieten, würde ihn beleidigen. Von dem, der bloß für Geld zum Anzeigen feil ist, läßt sich nicht viel erwarten. Ein solcher mag bedenken, daß sein« Wissenschaft entdeckt werden kann. Die öffentlichen Behörden werden erfucht, besonders bei den Schneidern zu bigilieren.

Der Friedensrichter Happel."

Auch der Bürgermeister sprach in folgendem seinen öffentlichen Dank aus:

Öffentlicher Dank!

Namens hiesiger Stadt halte ich mich für ver­pflichtet, unserem verehrungswürdigen Präfetten, der von dem Ausbruch des in der Nacht vom 25. zum 26. d M. in dem hiesigen Brauhaus sich ent­zündet habenden Feuers bis zu dessen Dämp­fung mit väterlicher Sorgfalt die zweckmäßigen Beifügungen persönlich anordnete und deren Ausführung leitete, sowie den Bewohnern dersel­ben und besonders den Bauprofeflionisten für ihre rastlose Tätigkeit und ihr kühnes, jeder Gefahr trotzendes Benehmen zu danken, womit biefdben

Millionen Mark erbracht. Hält sich die Börsen, steuer auf der einmal erreichten Entwicklungs­höhe, dann kann von ihr eine recht günstige Be­einflussung des Hauptkaffenabschlusses am End« des Rechnungsjahres erwartet werden."

ttnfere Politik amerikanisiert sich. AuS Wiesbaden wird uns geschrieben: Die Sozial- demokratte ist im Besitze eine« Kriegssonds von mehr als 1670 000 JK, der Zentralverband deutscher Industrieller sammelt Hunderttausend«, der Hansabund hofft auf Millionen für die Wahl­agitation, der Bund der Landwirte rüstet sich ebenfalls, wenn auch in bescheidenerem Maße, kurz, wir werden 1911 Hochkonjunktur für Flug­blattdrucker und Berufsagitatore i haben. Ein Beifpiel für das Aufeinanderplatzen großer Kapi­talien, das schon*»sast amerikanisch anmutet, er­leben wir in Wiesbaden, wo dem fteistnngen Kandidaten, Albert Sturm, ganz gewaltige Mittel zur Verfügung stehen, der nationalliberale Gegenkandidat, Kommerzienrat Battling, stch aber auch nicht lumpen läßt und eben 150 000 Ä für den Wahlfonds seiner Par ei gestiftet bat Von ihm stammen übrigens auch die Hunderttau­sende von Mark, die seinerzeit in denRbeinischen Kurier" tu Wiesbaden und in di«Rational- zeittmg" in Berlin gesteckt wurden. Sicherlich wird die nächstjährige Reichstagswahl Unsummen in Bewegung setzen.

Eine vergebliche freisinnige Jnterpellatton. Wi. der Lohgerber, dem die Felle fortgeschwom- men sind, schauen die Berliner Kommunalgrößen dem Tempelhoser Felde nach. Sie können eS nicht verschmerzen, daß sie ihre bureaukratische Langsamkeit und Bummeligkeit darum gebracht haben, während die Tempelhoser herzhaft zu- grihen, und sie wünschen nur eHen Gewaltstreich, der ihnen nachträglich zu dem schönen Spekula- ttonsgelände verhülfe. Die Berliner freisinnigen Reichstagsabgeordneten wollen im Parlament den Kanzler ersuchen, et solle hen Verkauf rückgängig machen. Aber ersten' ift der Verkauf mit Zustimmung des Kanzlers erfolgt, zweiten- hat der Reichstag sich im Prinzip schon mit dem Verkaufe einverstanden erttärt, drittens ist es dem Reichstage höchst gleichgültig, ob Berlin oder Tempelhof kaust Außerdem handel, es sich um ein rechtsverbindliches Geschäft, das der Kriegs- minifter ganz verfassungsmäßig abschloß und ab­schließen konnte und die angedrohte Nichtbe­willigung des Einnahmepostens ist demgemäß ganz unzulässig.

Auslaiw.

Das Scheitern der türttsch-franzöfischen An- kdiheverhandlungen. Konstantinopel, 24. Ott. Di« Pforte teilte halbamtlich der Presse die Bedingungen der französischen Regierung für die Kotierung der türkischen Anleihe mit. Danach verlangte Frankreich: 1, Ernennung eines französischen Beirats, der in alle durch den Oberrechnungshof zu revidierende Doku­mente Einsicht nehmen und darüber wachen soll, daß die Befugnisse des Rechnungshofes den Beschlüssen der Kammer entsprechend ausgeübt werden. 2. Er­nennung eines französischen Generaldirektors des

sich den reißend um sich greifenden Flammen mit einem der engen Straße wegen 'besonders bewun­derungswürdigen glücklichen Erfolg zu bemeiftem wußten. Ebenso wenig kann ich unterlassen, der Pflicht mich zu erledigen, dem tt-hmlichst gelei­steten Beistand der Studierenden, sowie den unermüdlichen Bemühen der hiesigen jungen Mädchen in He.öeijchaffuno d«S nötige,. Wassers, womit diese das meiste zur mittelbaren Löschung des Feuers bitgetragen und mitgewirtt haben und denen auswär'iaen Ge­meinden, worunter ich auch die Gemeinde Gladenbach aus dem Großher;ogt.-m Hessen zu zählen habe, welche unter Anführung ihres wür­digen Schultheißen mit 30 Manu und ihrer Feuerspritze zur Hilfe hierher eeilt waren, für ihre tätige Mitwirkung zur Löschung des Feuers und bewiesene nachbarliche Teilnahme hiermit meinen innigsten und wärmsten Dank auszu­sprechen.

Marburg, 28. Ottober 1810.

Der Kantons-Maire Wagner.

Rach diesem Brande wurde den Hausbesitzern aufgegeben, die hölzernen Schornsteine mH Leimen zu bewerfen und künftiges Frühjahr aber ganz steinerne Schornsteine herzusillen, die Kessel und Oefen mit Türen zu versehen und die ge­fährlichen Stellen der Rauchkammern und Feuer- Herde auszubeffern.

Marburg. 10. September 1810.

Der Polizei-Kommissar Boll.

Auch wurde angeordnet, daß sämtliche Boden­lucken mit Fenstern oder Schaltern sollten ver­sehen werden und daß alle feuergefährlichen Gegenstände ans der Näh« der Schornsteine ent­fernt werden sollten.