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mit dem Kreisblatt für ine Kreise Marburg und Kirchhain

itnb den Beilagen:Nach Feierabend« (wöchentliche Unterhaltungsbellage) «nd.Landwirtschaftliche Beilagen

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DieOberhessisch« Zeitung" erscheint täglich mit Ausnahme bet Sonn, und Feiertage. Der Bezugspreis beträgt viertel­jährlich durch die Post bezogen 2,25 «M. (ohne Bestellgelds, bei unseren Zeitungsstellen und der Ervedition (Markt 21), 2,00 M. (Für unverlangt zugesandte Manuskripte übernimmt die Redak­tion keinerlei Verantwortung.)

Marburg

Dienstag, 25. Oktober 1910.

Die Jnsertlonsgebühr beträgt für Inserenten aus dem engere« BerbreitMSgebiet des Blattes für die 7ae^oltene Zeile oder deren Raum II 4, für auswärtige Inserate 20 4, str Reklamen *0 4. Druck «nd Verlag: Joh. Aug. 5toch, Universttäts-Buchdriickerei. Inbob-r Dr. C. -'f' Marburg, Markt 21. 2>r0*'r-<m 55.

. Jahrg.

Hansabund undNordd. Allg. Ztg."

Auf die Vorhaltungen derNordd. Allg. Ztg", über die wir kürzlich berichteten, hat der Vorsitzende des Hansabundes Geh. Rat Rießer, in einer Inter­view Stellung genommen, das dieMünch. Reuest. Nachr." veröffentlichten, und auch dieKorrespondenz des Hansabundes" veröffentlicht jetzt eine Erklärung, die jenem Interview fast wörtlich entspricht. Es wäre, so heißt es, notwendiger und richtiger gewesen, wenn dieNordd. Allg. Ztg." die in der ganzen letz­ten Zeit nie ein Wort des Tadels gegen weit schärfere Wendungen des Bundes der Land­wirte, nicht einmal gegen dessen Boykottierungs­politik gefunden habe, einmal die allein wichtige ernste Frage untersucht hätte, woher es denn komme, daß selbst Männer, die sich ihrer Verantwortung voll bewußt find und ebensowenig wie ihre Gegner daran denken, der Arbeit aller Erwerbsstände den ihr not­wendigen Schutz zu versagen, fich in ihrem Gewissen verpflichtet fühlten, so scharf und so rückhaltslos zu reden. Sie hätte endlich einmal die Frage aufwerfen sollen, ob denn nicht in der Tat ein großer Teil der auch in solchen Kreisen herrschenden Erbitterung daher kommt, daß eine große Reihe von Gesetzen, Verordnungen und Enqueten der letzten Zeit, also vonMaßregeln der Gesetzgebung und Verwaltung", welche Gewerbe, Handel und Industrie nicht zur Ruhe kommen ließen, von der agrar-demagogischen Richtung teils aus Unkenntnis der gewerblichen Be- dürfnisse, teils aus rein egoistischen Sonderinteressen heraus sowohl der Regierung wie der Nation dik­tiert und aufgedrängt worden seien. Hätte die Nordd. Allg. Ztg." dem Ernste der Lgge entsprechend diese Fragen erörtert, so wäre wohl auch sie zur Er­kenntnis gelangt, daß es nur einen Ausweg' aus der heutigen Zerfahrenheit und nur einen Weg gebe, die «logistischen Ziele der Sozialdemokratie mit Erfolg zu bekämpfen, wenn es nämlich gelinge, eine offene «nd entschiedene Abkehr von der agrar-demagogischen Richtung, sowie ferner herbeizuführen, daß nicht mehr fast ausschließlich oder überaus vorwiegend ein­zelnen Schichten der Bevölkerung, sondern der Ge­samtheit des Bürgertums, die diesem gebührende Stellung in der Verwaltung und Leitung des Staates gesichert werde. Eine Politik des Zuredens «nd Abwartens sei nicht geeignet, den bürgerlichen Kreisen, worauf es vor allem ankomme, Vertrauen »nd neuen Mut einzuflößen

Darauf antwortet dieNordd. Allg.":Wir find aller Vorausficht nach noch ein Jahr von den Wahlen entfernt. Welche Berge von Verbitterung und Ver­ärgerung werden sich auftürmen, wenn es das ganze Jahr nicht.nur in dieser Tonart fortgehen soll, son­dern einer den andern an Schärfe der Sprache zu überbieten versuchen wird? Warnend einzuwirken, betrachten wir als unsere Pflicht. Dieser Pflicht würden wir uns auch nicht gegenüber agitatorischen Ausschreitungen des Bundes der Landwirte ent­ziehen. Wir müssen dabei aber feststellen, daß Lhn- i liche Angriffe auf Gesetzgebung und Verwaltung, wie

INa-Kdrint verboten.)

Christiane Tanner.

Roman von Claire ». Glümer.

l Fortsetzung.)

Eine Weile hatte die alte Frau diese Berichte mit schweigendem Ingrimm angehört; aber als sich Christiane eines Tages so weit vergaß, die ehemalige Amtsstube des Großvaters eine Mäusespelunke zu nennen, brach eine der heftig­sten Strafpredigten, die ihr jemals zuteil gewor­den waren, über die Frevlerin los, die mft den heiligsten Erinnerungen Spott trieb. Zum Schluffe verwies die Großmutter, mit dem Stocke aufftapfend, dasherzlose Geschöpf" aus ihren Augen.

Mit Tränen des Zornes und nichts weniger als reuevoll flüchtete Christiane zu Tante Lore in die Küche; aber statt des Trostes bekam sie auch hier nur Vorwürfe. Sie wäre nachgerade alt genug, um vorsichtig zu sein, sagte Lore Daß Großmama von den Wild'schen Ein­richtungen nichts totff en wolle, müsse sie doch längft bemertt haben.

Das habe ich nicht," fiel Christiane ein;im Gegenteil; ich bin überzeugt, daß sich Großmama sür reden Nagel interessiert, der da unten einge­schlagen wird ... darum habe ich ihr alles be­schrieben . . . Aber ich tu's nicht wieder; nicht ein Sterbenswörtchen soll sie mehr davon hören."

Wie Du nun wieder bist?" Nagte Lore. ^Wenn Du meinst was ich auch gar nicht be- stretten will daß es Deiner Großmutter lieb ist, um das, was im Hause geschieht. Bescheid zu wissen, so kannst Du ja davon spreche« .... aber auf andere Art , . .

sie vom Hansabunde ausgegangen sind, von agrari- I scher Seite gegenwärtig nicht zu verzeichnen sind. I Herr Geheimrat Rießer zählt eine Reihe von Maß- I nahmen der Gesetzgebung und Verwaltung auf, die I der Regierung von deragrar-demagogischen Rich- I tung" diktiert worden seien. Ist aber unsere Fabrik- I und Eewerbegesetzgebung wirklich ein Produkt der I Agrardemagogie? Bisher gingen die Klagen nach I einer ganz anderen Richtung. Daß das I Branntweinsteuergesetz landwirtschaftliche Interessen I berücksichtigt, ist gewiß richttg. Eine Regierung, die I bei dieser Materie nicht den Interessen der Land- I wirtschaft Rechnung trüge, wäre mit Recht den I schwersten Vorwürfen ausgesetzt. Inwiefern aber das I Gesetz den Kaufmann entrechten soll, ist völlig un- I erfindlich. Auch die Kanalpolitik der Regierung I kann den Vorwurf nicht rechtfertigen, daß sie unter I agrar-demagogischem Einflüsse steht. In den I Kämpfen um den Ausbau des Kanalsystems haben I doch die Interessen der Industrie gewiß nicht an I letzter Stelle gestanden, und das Kompromiß ist I schließlich unter Zustimmung der Industrie und ihrer I parlamentarischen Vertretung zustande gekommen. I Vollends künstlich erscheint uns die Heranziehung der I preußischen Wahlkreiseinteilung, mit der doch für die I angeblich durch unsere Wirtschaftspolittk verursachten I Schädigungen von Handel und Industrie absolut I nichts bewiesen werden kann. Hiernach müssen wir I den Versuch, die Sprache des Wahlzirkulars des I Ainsabundes zu entschuldigen oder zu rechtfertigen, I als mißglückt bezeichnen. Unsere Wirtschaftspolitik, I die eine Grundlage des wirtsachftlichen Aufschwunges I Deutschlands in Landwirtschaft und Gewerbe gewor- I den ist, beruht auf der gemeinsamen politischen Ar- I beit dieser Berufsstände innerhalb und außerhalb der I Parlamente. Die Fortsetzung dieser Politik, die wir | als eine Lebensfrage der Ration betrach- I len, erfordert auch die Fortsetzung der gemeinsamen I Arbeit."

I In der Presse kommt der Zwiespalt zwischen rechts und links auch hier zum Ausdruck.Berliner Tage­blatt" undFrankfurter Zeitung" jubeln über die Ausführungen Rießers; diePost" dagegen meint: Aus dieser Fehde ist dieNordd. Allg. Ztg." ohne Zweifel als Siegerin hervorgegangen." Wir haben unsere Meinung über die Angelegenheit bereits ge­sagt. Der Hansabund kann wohl von sich sagen: Gott schütze mich vor meinen Freunden", denn wenn er sich dem Freisinn verschreiben wollte, worauf die linksliberalen Elemente in seinen Reihen hin­steuern, so würde er sich selbst das Grab der Bedeu- ! tungslosigkeit graben. Die Situation erscheint uns für ihn nicht leicht. In diesem Sinne ergreift die bekannte mittelparteilicheDeutsche volkswirtschaft­liche Korr." das Wort zu der Angelegenheit:

Die Gründer hatten damals nicht geglaubt, daß es sich bei der Gründung im wesentlichen um eine zweite Auflage des Handelsvertragsvereins handele, jenes einst viel besprochenen Vereins mit leise aus­gesprochenen demokratischen und freihändlerischen An­wandlungen und Absichten und mit der offen aus­gesprochenen Abneigung gegen unsere Landwirtschaft

-Ach so!" rief Christiane;Du verlangst, daß tch dabei seufze und klägliche Grimassen schneide, wie die alten Heuchelkatzen, die jetzt so ost Visite machen? . . . Aber, das kann icj nicht will ich nicht tu' ich nicht! Das Beste ist, ich sehe mtr nichts mehr an, dann kann ich auch nichts mehr sagen, was Euch ärgert."

Soweit sie konnte, hielt Christtane Wort das heißt, sie sprach nicht mehr von den Arbeiten in Haus und Hof, und wenn sie über den Flur ging, huschte sie. ohne aufzublicken, an den offe­nen Türen der künftigen Kontore und Muster- lager vorbei. Dagegen war es geradezu unmög­lich, den Vorgängen im Hofe bh Augen zu ver­schließen. Wenn sie nur den Rollvorhang ihres Kammerfensters auszog, mußte sie ja sehen, wie toeit man am vergangenen Tage mit dem'Tor­wege gekommen war, durch den der ehemalige Posthof mit der Bürgermeisterei in Verbindung gesetzt wurde Und als sie eines Morgens durch ein Raffeln und Dröhnen geweckt wurde, von dem das ganze Haus zittette, war's doch natürlich, daß sie aus dem Bette sprang, um sich zu überzeugen, ob ein Unglück geschehen sei.

Es wurde aber nur eine der Maschinen her­beigefahren von denen Großmamas Heuchel­katzen achselzuckend berichtet hatten, wie viel sie Mieteten und welche Wunderleistungen Fer- drnand Wild, der mit Gewalt auf seinen Banke­rott loszusteuern scheine, davon erwartete

Was Christiane aber weit mehr interessierte, war die Mitteilung, daß Wild in seinem Fabrikantenubermut sich sogar einen Maler, einenwtrkltchen Kunstmaler", wie die Bericht­erstatterinnen sagten, aus München verschrieben habe.

Da« herrlichste Luftschloß war bei diesen

und ihre Vertretungen. Einig war man fich allge- mein in dem Bestreben, für Gewerbe, Handel und

Industrie eine gemeinsame Vertretung zu schaffen, die danach streben sollte, dem Einfluß dieser Er­werbsgruppen in den Parlamenten, in den Gesetz­gebung unb Verwaltung und im gesamten öffent­lichen Leben diejenige Erweiterung zu verschaffen, die ihm von Rechtswegen gebührt. Deshalb fand fich auch sofort der allergrößte Teil unserer Industriellen bereit, dir Ziele des Hansabundes zu unterstützen. Sie setzten dabei voraus, daß an unserer Wirtschafts­politik zum Schutze der nationalen Arbeit, döm Ver- mächwisse Bismarcks, nicht gerüttelt werde; fie setzten ferner voraus, daß in bei Bekämpfung der Sozial­demokratie nicht ein Stillstand et «trete, sondern mit gesteigerter Energie fortgefahren werde. E» ist noch nicht entschieden, ob beide Voraussetzungen vom Hansabunde jetzt als irrige bezeichnet werden, aber das hat sich bereits gezeigt, daß im Hansabunde mäch­tige Gegner dieser beiden Programmpunkte fich fin­den. Hier wird es unbedingt zu einer Auseinander­setzung kommen müssen. Auch wird dem Gründer des Hansabundes, Herrn Geheimen Justizrat Rießer, da­bei nicht verhehlt werden, daß der von ihm wie von allen Industriellen ohne jede Ausnahme beklagte Gang unserer Fabrik- und Eewerbegesetzgebung nicht von eineragrar-demagogischen Richtung" gemacht worden ist. Wer der eigentliche Urheber dieser Ge­setzgebung ist, weiß jeder Industrielle. Es ist neben der Sozialdemokratie jenes kleine Häuflein von Eroßstadt-Demokraten, das aus Parteinöten heraus um die Stimmen der Massen bet den Wahlen wirbt. Sollte der Hansabund fich dieser Wirtschasts- und Sozialpolitik zuwenden, fich ihr auch nur in erkenn­barer Weise nähern, so würde damit sein Zerfall, und wenn auch vielleicht nicht sein Ende, so doch seine gänzliche Bedeutungslostgkeit befiegelt sein."

Deutsches Reich.

Der elsaß-lothringische Zentrumstag. Straß­burg, 23. Oki. Der Andrang zum ersten elsaß-loth- ringischen Zentrumstag war ungemein stark, sodaß der 1500 Personen fassende Saal desSängerhauses" wegen Ueberfüllung polizeilich gesperrt werden mußte. Eine zweite Versammlung wurde deshalb gleichzeitig intRitter" abgehalten, während in einem Nebenraum des Sängerhauses eine dritte Ver­sammlung für französisch Sprechende siattfand, an der etwa 200 Personen teilnahmen. In der deutschen Versammlung, in der Reichstagsabgeordneter Dr. Vonderfcheer den Vorsitz führte, kam es zu einer star­ken Betonung des Zusammengehens der elsaß-loth­ringischen Zentrumspartei mit der altdeutschen Zen­trumspartei. Es sprachen unter anderen: Reichs- iagsabgeorneter Hauß über die politische Lage in Elaß-Lothringen und die Verfassungsreform, wobei er ausführte, daß auch das Zentrum für ein propor­tionales Wahlsystem fei, aber erst müsse das geheime und direkte Wahlrecht für die Wahlen zur 2. Kam­mer bewilligt werden, worauf man versuchen könne, es durch ein proportionales Stiftern zu verbessern.

Nachrichten vor den Augen der jungen Phan­tastin aufgestiegen. Ein Maler sollte in der Bürgermeisterei aus upb ein gehen? Er konnte lhr begegnen .... vielleicht mit ihr sprechen? Wie er toohl aussah? Daß er jung, schön unb besonders" war, verstand sich von selbst. Auf den ersten Blick mußte ihn Christiane erkennen Wenn sie, toas freilich in dem He'nen Elmenach nur selten geschah, auf dem Schulwege eine un­bekannte Männergestalt bemerkte, schlug ihr das Herz, bis sie sich beim Räherkommen überzeugte, baß sie ein ganz gewöhnliches Menschenkind vor sich hatte; selbst während des Unterrichtes, mit dem sie es sehr ernst nahm, kam es vor, baß sie plötzlich an ben Ersehnten dachte. Herr Ferdinand Wild konnte der Eröffnung seiner Fabrik nicht ungeduldiger entgegensetzen als Christiane.

Endlich-seS war inzwischen Frühling ge­worden war der Tag des Einzuges da. Musik , voran, marschierten Arbeiter unb Arbeiterinnen im Sonntagsstaate in ben ge- schmückien Hof. Auch Verwandte und Freunde des Fabriksherrn waren in Feierfleidern ev- schienen, und er selbst, der kleine, freundliche Herr mit ben raschen Bewegungen, hatte heute etwas Feierliches. Es wurde zesungen, geredet, Hoch" geschrien, wobei die Sttaßenjungen, die sich im Posthofe eingeschlichen hatten, nach Kräf­ten mitwirkten; dann zog die ganze Versamm­lung wieder mit Musik nach bem Schützenhause, wo sie ein Festmahl erwartete.

Christiane fand das alles zwar sehr schön; aber daß sie unter ben Festgenossen ihren Raffael nicht zu entdecken vermochte, trübte ben Genuß. | Die Großmutter grollte, daß Ferdinand | Wild, der Bäckerssohn, der ehemals in bet I

Professor Spahn trat bann für die Konfessionsschule« ein und untersttich dabei kräfttg die Notwendigkeit des Zusammengehens mit der altdeutschen Zentrum«- partei. Für den erkrankten Reichstagsabgeordnete« Dr. Heim-Regensburg sprang der Reichstagsabgeorb. nete Will ein, der über die Mittelstandsfrage sprach.

Der Pofischeckverkqr. Berlin, 21. Oft Der Postscheck))erkehr des ganzen Deutsche« Reiches umfaßte am 1. Oktober 55 599 Sontti Diese Zahl ist nach einem Bestehen der Postscb^ etnrtchtung von 1% Jahren erreicht worden. Dies ist ungefähr soviel als Oesterreich in 17 Jahren erreicht hat. In ben ersten neun Monaten b. I. belief sich bei deutsche Gesamtumsatz auf über 15% Milliarden Mark. Aus Guffchriste« entsallen 7634% Millionen, auf Lastschriften 7620% Millionen Mark. Im internattonalen Postgiroverkehr wurden seit seiner Einrichtung im Februar d. I. bis Ende September 29% Millionen Mark umgesetzt. Von den bayerischen Scheckämtern hatte Anfang Oktober Nürnberg 2619 Konten, München 2605, Ludwigshafen 1263, zusammen 6586. Der Umsatz bet bayeri­schen Scheckämter belief sich auf 1546 Millionen. Das Gesamtguthaben bet Teilnehmer betrug @nbe September mehr als 9 Millionen. Da« württembergische Postscheckamt Stuttgart hatte 2920 Konten. Sein Gesamtumsatz erreichte in ben neun Monaten dieses Jahres 834% Millionen. Die Kontoinhaber hatten Ende Sep­tember nicht ganz 4% Millionen gut.

Der Bremer Straßenbahnerstreik. Bremen, 22. Oki. Der Vorsitzende des Eewerbegerichts hatte heute die Straßenbahnkommission zu sich geladen, um Eint- gungsversuche mit der Direktion der Straßenbahn anzubahnen. Die Straßenbahner lehnten es ab, mit der Direktion ohne Verbandsvertreter zu verhandeln, während die Direktion erneut erklärte, daß sie an dem Beschluß festhalte, nicht mit den Verbandsoer­tretern zu verhandeln. Damit sind die abermals an­gebahnten Einigungsversuche gescheitert.

Die Moabiter Straßenunruhen vor Gericht. Wegen bet Straßenunruhen in Moabit ist bereits gegen 17 Personen Anklage vor der Strafkammer und gegen 9 vor dem Schwurgericht erhoben. Vor­aussichtlich werden sich etwa 40 Personen vor der Strafkammer und etwa 20 vor dem Schwurgericht zu verantworten haben.

L Hauptversammlung des Reichsverbandes deutscher Städte.

s. & H. Berlin, 22. Ott.

Im hiesigen Elite-Hotel hielt gestern und heute der Reichsverband deutscher Städte, der die Ort« schäften unter 25 000 Einwohnern des Deutschen Reiches und die Preußischen Landgemeinden umfaßt, seine 1. ordentliche Hauptversammlung ab. Bekannt­lich sind die Städte von über 25 000 Einwohnern im Deutschen Reiche im Deutschen Städtetag, der unter dem Vorsitz des Oberbürgermeisters Kirschner (Ber­lin) und des Oberbürgermeisters Ritter Dr. von Bericht (München) ftebt, zusammenaefaßt, und dieser Verband tritt alljährlich zur Abhaltung eines Deut­schen Städtetages zusammen, auf dem die Angelegen­heiten der mittleren und kleinen Städte einschließlich der Landgemeinden eine genügende Vertretung ihrer

Bürgermeisterei nur als Fritz Tanners Spiel­kamerad geduldet war, jetzt nach Gefallen grat- brotig darin schalten konnte.

Und die alten Damen, die sich heute wieder zahlreich einstellten, schrien Wehe über die Sei- denfleider und Samtmäntelchen der weiblichen Wildangebörigen; fanden aber für sich und die Bürgermeisterin einigen Trost in. den ver­heißungsvollen Sprichwörtern, daß Hochmut vor dem Falle kommt, und daß Vögel, die zu früh singen, von der Katze gefressen werden. Christiane, die sich von ihrer Enttäuschung zu zerftteuen suchte, zeichnete das hochwürdige Konvivium mit überraschender Äehnlichkeit als Vögel rupfende und fteffende Katzen, worüber Lore so böse wurde, daß sie das Blatt ^rriß.

Und dann gab es noch schlimmere Tage als bisher. Die Bürgermeisterin kam mit zu bald zu der Einsicht, daß Herrn Wilds Arbeit noch aufdringlicher war als sein Fest. Vom frühen Morgen an stampfte di« Lokomobile im ehe­maligen Wascbhause, und aus den angrenzenden Arbeitstäumen und vom Posthofe herüber ant­wortete das Raffeln. Knirschen und Schnurren der verschiedenen Maschinen, die sie in Be­wegung setzte. Zwischendurch Nangen schrille Glockensignale, das Zu- und Abfahren bet Kohlenwagen, das Schwatzen der Arbeiter, wenn sie kamen und gingen.

Die Empörung der alten Frau wuchs von Tag zu Tag. Wild überschritt seine Befugnisse; sie brauchte sich das nicht gefallen zu lassen. So sehr sich Lotte dagegen sträubte, endlich blieb ihr nichts übrig, als, ihren Mut zt/ammennebmend, tn das Kontor des Fabriksherrn hinuntetzu- gehen und ihm die Beschwerden bet Bürger­meisterin vorzulegen. (Fortsetzung folgt.)