mit dem Kreisblatt für bie Kreise Marburg und Kirchhain
und den Beilagen: „Nach Feierabend» (wöchentliche Unterhaltungsbeilage) und Landwirtschaftliche Beilage."
M 249
Die „Oberhessische Zeitung» erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage. — Der Bezugspreis beträgt viertel- lahrlich durch die Post bezogen 2,25 M (ohne Bestellgeld), bei unseren Zeitungsstellen und der Ervedition (Markt 21), 2,00 JH. (Für unverlangt zugelandte Manuskripte übernimmt die Redak- non keinerlei Verantwortung.)
Marburg
Sonntag, 23. Oktober 1910.
Die Insertionsgebübr beträgt für Inserenten aus dem engeren Set6teihmgsgeMet des Blattes für die 7o--'--,ltene Zeile oder deren ««mm 15 für auswärtige Inserate 20 4, str Reklamen 40 4. — Druck und Verlag: Jo-. Äug. Koch, Universttäts-Buchdrinkerei. Inbab->r Dr. C ^>ii>.n '' ?n/<,rbnrg, Markt 21. — 55.
45. Jahrg.
Zweites Blatt.
Fürsorge für die schulentlaffene männliche Jngend in denr Regierungsbezirk Caffel.
(Nachdruck verboten.)
' Auf dem Gebiete der Fürsorge für die schulentlassene Jugend war im letzten Jahre auch in «nscrekn Bezirke ein reges Leben zu beobachten. Die Regierungsabtcilung für Kirchen- und Schulwesen hat durch eine Rundverfügung das Winterturnen in den Volksschulen ohne Turnhallen empfohlen und weiter angeordnet, daß zwecks praktischer Verwertung der seit Jahren eingeführten Spielkurse zur Ausbildung der Lehrer Spielübungen in den Volksschulen, in den wöchentlichen Turnstunden im Anschluß an die Turnübungen stattfinden sollen.
An Spielkursen fanden statt je einer in Cassel mit 27 Teilnehmern, in Fritzlar mit 39 (darunter 13 Mitglieder unpolitischer Turnvereine), in Gelnhausen mit 46, Hofgeismar mit 37, Hünfeld mit 9, Melsungen mit 29. Rinteln mit 36, Schlüchtern mit 26, Ziegenhain mit 28 Teilnehmern. Für diese 9 Kurse mit insgesamt 277 Teilnehmern bewilligte die Königliche Regierung zu Cassel 3000 M an Beihilfen. Im Bezirke Cassel find damit seit 1906 im ganzen 18 Kurse mit 491 Teilnehmern abgehalten worden. Im Nachbarbezirk Wiesbaden waren es bis dahin 27 mit zusammen 945 Teilnehmern. Seit Sommer 1909 besteht in Cassel eine „Gesellschaft für Gemeinwohl». Ihr Zweck ist, unter Wahrung der Sclb- ftändigkeit der bestehenden Wohlfahrtsvereine eine Zentrale zu schaffen, die di- gesamten Bestrebungen auf diesem Gebiete verfolgt, Anregungen gibt und zu verhüten sucht, daß eine gleichartige Tätigk-it von verschiedenen Vereinen unter unnötiger Vergeudung von Kraft- und Geldmitteln auf dasselbe Ziel hin ausgeübt werde. Im letzten Jahre sind 5 Lehrlingsheime oder Jugendheime neu errichtet worden, nämlich je eins in Melsungen. Sachsenhagen, Sontra. Span- genberg und Wanfried. Damit ist die Zahl der Heime im Bezirk auf 16 gestiegen. Das älteste derselben ist das hiesige, in Marburg. Einge- gangen ist das Lebrlingsheim in Hofgeismar. Neben den üblichen Winterveranstaltungen (Darbietung von Lesestoff im Heim, Gesellschaftsspielen, Vorträgen, Vorführung von Lichtbildern) haben einzelne Heime, darunter auch das Marburger, ihre Tätigkeit auch auf den Sommer ausgedehnt, so z. B. Wanderungen, sportliche und turnerische Veranstaltungen getroffen. Im Bezirk Caffel sind 3 Lchrerspielvereinigungm entstanden, nämlich je eine in Caffel, Gelnhausen und Rinteln. (Im Bezirk Wiesbaden waren es schon 32 mit zusammen 574 Lchrern und 108 Lehrerinnen. Die Leiter der Spielvereinigungen hn Bezirk Wiesbaden kommen regelmäßig zu gemeinsamen Besprechungen zusammen.) Größere Bäckereien bestehen schon an einer Reihe größerer gewerblicher und kaufmännischer Fortbildungs-
6 iiz verhottn.i
Christiane Tanner.
Roman von Claire v. Glümer.
(Fortsetzung.!
„Deinen Vater?" rief Wilhelm.
„Du glaubst wohl, er wäre tot?" fiel ihm Christiane ins Wort. „Ich habe das auch geglaubt; aber nun hat mit Lore gesagt, daß er in die weite Welt gegangen ist . . . sage, Will, wärst Du bereit, ihn zu suchen?"
Armes Kind! Wenn sie geahnt hätte, wie leicht diese Aufgabe gelöst werden konnte. Wilhelm biß die Zähne zusammen; er hätte ihr gern gesagt. Dein Vater ist's nicht wert, daß Du auch nur einen Gedanken an ihn vev- schwendest . . . aber er durfte nicht, und so ant- wcrtete er mit erzwungener Heiterkett:
„Gewiß, edle Dame!"
„Ich bin zu Deinem Dienst berett, wenn auch in anderer Weise als der Ritter Landolin. Unsereins ist leider durch AbiturieMenexamen und Mlitärpflicht gebunden . . . aber mit Hilfe von Zeitungsannoncen und Telegraphen werde ich . .
Christiane stand auf.
„O bitte, bemühe Dich nicht!" sagte sie, und ihre Augen sprühten vor Unwillen. , Ich ... ich habe Dich nur prüfen wollen . . . und nun weiß ich, daß Du nicht mein Freund bist, denn Du verspottest mich!"
Vergebens suchte Wilhelm sie zurückzuhalten; sie machte sich los, lief in ihr Kämmerchen, schob den Riegel vor, warfstch aufs Bett und brach in Tränen aus.
Nach junger Mädchen Weise weinte sie um | alles mögliche auf einmal: um den verschollenen I Baler, um Wilhelms kränkende Antwort, um I
schulen. Neu eingerichtet sind mit staatlicher Hilfe solche in Gelnhausen und in Fulda. Zur Bekämpfung der Schundliteratur hat in zahlreichen Fällen das „Soziale Museum" Lehrer und Pfarrer mit Rat und Auskunft bei der Gründung und Leitung von Jugendvereinen unterstützt, hat andere für Vorträge und Aufsätze auf einschlägige Literatur hingewiesen oder geeignete Bücher und Schriften ausgeliehen. Erfteulicherweise haben sich an manchen Orten Buchhändler, Papierhandlungen u. a. steiwillig zur Säuberung und Reinhaltung ihrer Geschäfte von der schlechten Literatur verpflichtet. Eifrig hat sich die Königliche Regierung zu Cassel an der Bekämpfung der Schundliteratur beteiligt. Sie empfiehlt fortgesetzt gute Jugend- und Volksschriften, so besonders die „Deutsche Jugendbücherei" der vereinigten. Jugendausschüffe. Mit dem Caffeler Prüfungsausschüsse und dem Vorstande des hessischen Volksschullehrervereins, die in der Bekämpfung der Schundliteratur mit besonderem Eifer und Geschick vorgegangen sind, unterhält die Regierung beständig Fühlung. Die Pflege des Jugendspiels und die Einrichtung von Sviel- nachmittagen wurden gefördert. Die Kreisschulinspektoren sollen die Bekämpfung der Schundliteratur und des Schmutzes in Wort und Bild auf den amtlichen Lehrerkonferenzen zum Gegenstände der Verhandlung machen und die Mitwirkung der Gemeindebehörden in diesem Kampfe aufrufen. In Caffel ist ein „Verein zur Bekämst jung des Schmutzes in Wort und Bild" unter dem Vorsitze des Geh. Reg.-Rats Dr. Heuser gegründet worden; dem Verein gehört auch ein Vertreter des Lehrer ^Prüfungsausschusses an. Emstfehlenswert muß nach den gemachten Erfahrungen die Ausdehnung der bewährten Organisation der Buchhandlung des Rhein- Maiuischen Verbandes — er hat -in Netz von weit über 120 Verkaufsstellen geschaffen — auf den Bezirk Caffel erscheinen. **
Die diesjährigen großen Manöver in Frankreich.
Als allgemeine Kriegslage war angenommen:
„Während die Hauptkräste beider Parteien auf einem entfernten Kriegsschauplatz kämpfen, hat Blau an den Küsten der Normandie eine betrack tliche Trustenzahl gelandet. Paris, rote FesMng, ergänzt seine Kriegsbesatzung."
Rot, also die Truppen des eigenen Landes, standen unter dem früheren Kriegsminister Picquart, Blau unter dem Artillerie-General Neunter. Beide Parteien waren fast gleich, stark; jede Partei verfügte über ein durch ein» Infanterie-Brigade verstärktes Armeekorps, eine Kavallerie-Division und die erforderlichen technischen Truppen und Trains. Die Manöver dauerten sechs Tage, nach dem britten Manövertag war ein Ruhetag eingelegt.
Am 12. September stand Rot mit einer Infanterie-Division und einer Kavallerie Brigade südwestlich von Amiens. Blau ging, von Rouen
ihre eigene Torheit, diesem „prosaischen Menschen" ihre Herzenswünsche verraten zu haben; endlich über die Unzuverläfligkeit aller Freundschaft. — Ja, aller Freundschaft . . . denn wie hatte sich Christtan von Parnim benommen! Immer wieder, sosehr sie sich dagegen sttäubte, klangen ihr feine Worte im Ohre: „Wollen wir gute Freunde werden?" — Nun aber ließ er nichts von sich hören, kam nicht, fchrieb nicht. Es war eine Schande, daß sie noch immer an ihn dachte ... sie mußte und wollte ihn ver- geffen . . . gewiß, das wollte sie!
Sie tat Christian unrecht; fobald er wieder am Schreibtisch sitzen konnte, hatte er geschrieben, hatte Wilhelm, wie dieser meinte, mit übergroßer Wärme für seine Hilfe gedanft, ihn gebeten, der reizenden Christiane feine Grüße zu bestellen, und hinzugesügt, er würde sich „dem blonden Rcken" aufs neue verflichtet fühlen, wenn er ihm den Familiennamen des jungen Mädchens mitteilen wolle. „Je mehr ich mir ihre Züge vorstelle,' fchrieb er, „umsomehr finde ich darin etwas unbesttmmt Bekanntes, das mir vielleicht erklärlich wird, wenn ich erfahre, woher die kleine Schönheit stammt."
Wilhelm, der nicht wußte, was et antworten solle, hatte den Brief Tante Lote gezeigt, und sie wat der Meinung, daß er dem Fragenden keine Auskunft über das Kind geben dürfe.
Der Unglücksmensch werde eine gewisse Par- uim'sche Aehnlichkeit bemerkt haben meinte sie, denn sosehr Chtisttanens Züge denen der Mutter glichen, die seltene goldbraune Haarfarbe, die leuchtenden braunen Augen und das eigentümliche Aufwerfen des Kopses habe sie von ihrem Vater.
„Ich habe ihn nur ein einzigesmal gesehen," fügte sie hinzu: „aber noch heute steht es mir
aus, in zwei Kolonnen gegen Rot vor und sollte energisch angteisen, bevor die für Rot zu erwartenden Verstärkungen eintrafen. Die oberste Leitung griff indeffen durch Aenderungen der Kriegslage ein, die überflüssig, gleichzeitig die Enffchlüffe der Parteiführer lähmen mußten. Rot entwickelt sich am 12. in feiner Verteidigungsstellung zu schwach und fast ängstlich um seinen Rückzug bedroht, blau andrerseits geht zu langsam und zögernd vor und weiß seinen Angriff nicht einheitlich durchzufühten. Die Kavallerie saß zum Fußgefecht nicht ab, obwohl das Gelände hierfür besonders geeignet wat, wagte dafür aber recht gewagte Attacken. Am 13. greift Blau, obwohl weit überlegen, Rot nicht kräftig und rasch genug an. General Maunier erfährt dann durch feinen Fliegeroffizier, Leutnant Bellanger, daß erhebliche Verstärkungen für Rot im Anmarsche sind und gibt nunmehr die Offensive ganz auf. Dagegen ging Rot jetzt vor, indeffen kam es nicht zu einer kriegsgemäßen Entwicklung. Die beiden Parteien wurden durch die Schiedsrichter zu beiden Seiten der Straße CtSvecoeur-Grandvilliers aufgebaut, um am nächsten Tage dem eintreffenden Präsidenten Fälliges die Uebersicht Über die kämpfenden Truppen zu erleichtern. Am 14. waren alle verfügbaren Truppen auf dem Kampfplatz. Aber es wat kein Manövertag, sondern ehr glänzendes Schauspiel für den Präsidenten, mit Lenkballons, Flugmaschinrn und mächttgen im Voraus bestimmten Reiterangriffen. Am 15. war Ruhe. Am 16. geht Blau in der Dunkelheit unter starken Detachierungen und erheblicher Beschränkung der Befehlsbefugnisse der Unterführet zurück, Rot folgt und beide Parteien stehen sich dann 1—2 Kilometer entfernt gegenüber. Am 17. trifft der Kriegsminister Brun auf dem Manöverfeld ein und Rot greift, ebenfalls unter zu starken Detachierungen, an. Um Mittag wird das Manöver für sechs Stunden unterbrochen, um die kriegsmäßige Langsamkeit des Angriffs aus eine starke Höhenstellung datzustllen.
Am 18. stellt der Kriegsministet, indem er die Entschlußfähigkeit der Führer ganz aufhebt, fest, daß die Fronten beider Partei^ viel zu ausgedehnt seien, worauf eine Zusammenziehung nach dem nördlichen Flügel hin erfolgt. Blau entwickelt darauf feine gesamte Artillerie, zum ersten Male die neu formierten 120 Geschütze eines französischen Armeekorps nebeneinander. Der blaue Fliegerleutnant Bellanger erkundet, daß die rote Kavallerie-Division in der denkbar harmlosesten Weise während des Kampfes lagert, meldet dies und die blauen Reiter überraschen die Roten völlig und werfen sie. Gleichzettig geht auch die blaue Infanterie, unter der man sich wohl nach der Kriegslage deuffche Truppen denken mußte, sehr schneidig zum Angreiff auf Rot vor, entzückt dadurch Alles und der letzte Manö- vertag wird zu einer journ£e triumphale, wie die französischen Blätter meldeten!
Bei den deuffchen Kaisermanövern östlich der Weichsel wurde Tag und Nacht ernster, anstrengender und kriegsmäßiger gearbeitet. Auch einen militärisch aufgeputzten Festtag gab es dort nicht.
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deutlich vor Augen, wie er in seiner prächtigen blauen Husarenuniform mit der schönen Mathilde Tanner durch den Saal flog. Es war Sebützenball: vom Herbstmanöver waren viele Offiziere herübergekommen, stattliche junge Herren, und der stattlichste war der Leutnant Christian v. Parnim . . ."
„Auch ein Christian . . . und nach diesem Burschen hat man das Kind genannt!" batte Wilhelm empört ausgerufen und dann gefragt, ob Christianens Bekannter vielleicht ihr Bruder sein könnte. Aber das hatte Lore enffchieden verneint.
Erst mehrere Jahre nach dem Tode der armen Mathilde habe Leutnant v. Parnim geheiratet, sagte sie, und wie zur ©träfe für fein Vergehen wäre feine Ehe kinderlos geblieben. Er werde das umso fchwerer empfinden, da er durch den Tod feines älteren Bruder» in den Besitz des Majorats gekommen fei. Christianens Bo- kannter müsse der jüngeren Parnim'schen Seitenlinie angeboren, der nach dem Ableben des jetzigen Majoratsherm die großen Familiengüter zufielen.
„Vornehm und reich genug wäre er also für unseren Kindskopf!' rief Wilhelm mit spöttischem Auflachen. Aber als Lore, die ibn mißverstanden hatte, Nagend einfiel: „Vergiß nicht, lieber Junge, daß er ein Parnim ist!" faßt er ihre beiden Hände und sagte ernst:
„Sei ruhig, liebe Tante, solange ich Dein Herzblatt bewache, soll ihr keiner von der Sippe etwas anhaben. Ihrem sogenannten Prinzen antwortete ich nicht; die Grüße an „die reizende Christiane" bestelle ich nicht; und damit kein tückischer Zufall sein Spiel treiben kann, wollen wir das Schriftstück des eMew Junkers verbrennen."
Deutsches Reich.
— Bethmann-Hollwegs politische Parteizugehörigkeit. Als der Landrat Dr. jur. Theobald von Bethmann-Hollweg von seinen getreuen Oberbarnimern sich in den Reichstag wählen ließ, nahm er dort bei ben Freikonservativen seinen Platz. Das ist ein Platz, der für gewesene ober künftige Staatsmänner nie kompromittierenb fein kann. Seit dem 21. Mai 1890, an der der Abgeordnete für Oberbarnim fein Mandat wieder niederlegte, sind nun schon mehr als 20 Jahre verflossen, und er selbst ist Reichskanzler geworden. Da könnte man ihn schon „eigentlich" z« einem Liberalen stempeln, sagten sich findige Polittker und verbreiteten die Mär, der Reichs- kanzler Dr. jur. Theobald von Bethmann-Holl' weg habe dem natwnalliberalen Abgeodrneten Fuhrmann offenbart, daß er „eigentlich" Parteigenosse fei. Solange man dies nur am Biertisch kolportierte, gings noch an; als es aber in die Presse kam, wurde unter der Hand um Remedur ersucht, und nun dementiert die „ Nationalliberale Korrespondenz" selber, daß der Kanzler jemals so etwas zu Herrn Fuhrmann gesagt habe. Bismarck hat einmal geäußert, er fühle sich, um einen studentischen Ausdruck zu gebrauchen, als Alter Herr der Konservattven. So mag Bethmann- Hollweg im Geiste bei sich noch Band und Mütze der Freikonservattven hängen haben. Aber für die aktuelle Politik wollen solche Fessstellungen überhaupt nichts bedeuten, denn die Alten Herren werden von den Attivitas nicht mehr kontrolliert.
— lieber den Handel des Schutzgebietes Kamerun im Kalenderjahr 1909 liegt jetzt die endgültige Statisttk vor, gleichzeitig bringt das Amtsblatt für das Schutzgebiet Kamerun einen ausführlichen Handelsbericht, der teilweise außerordentlich interessante Feststellungen macht. Der Gesamthände! des Jahres 1909 hat mit 33 423 000 M das bisher günstigste Jahr 1907 noch etwas übertroffen (33187 000 J£), die Einfuhr betrug 17 722000 M (17 296 000 M), die Aus- fuhr bleibt mit 15 701000 Jt noch etwas hinter der Ausfuhr dieses Jahres — 15 891 000 — zurück.
Ein Vergleich der Zu- und Abnahme des Handels in den Jahren 1908 und 1909 zeigt, daß die günstigen Gestaltung des Eesamthandels 1909 im Vergleich mit 1907 nur durch die Einfuhr in Duala und die Ausfuhr im Molundubezirk veranlaßt worden ist. In allen übrigen Puntten ist weder bei der Einfuhr noch bei der Ausfuhr die Höhe der Werte des Jahres 1907 wieder erreicht worden. Die Bezirke Rio bei Rey und Victoria haben die im Jahre 1908 eingetreten« Steigerung der Einfuhrziffern wieder verloren, Campo und Earua sind noch weiter zurückgegangen. Der Victoriabezirk bildet sich immer mehr zum reinen Plantagenbezirk aus, darauf beruht der Rückgang der Einfuhr von Geweben, Kleidern und Putzwaren, Eisen- und Messingwaren. Eine Steigerung zeigt dagegen die Düngereinfuhr um 283000 Kile (35 000 J() — eine Folge des intensiveren Betriebes — desgleichen von landwirtschaftlichen Maschinen — vornehmlich zur Palmölaewinnung und v->" buhlen
Mit diesen Worten hatte er die Ofentüre geöffnet und Brief und Umschlag in die Kohlm- glut geworfen.
„So, Tante Lore," hatte er hinzugefügt, als die Flamme darüber aufzüngelte, „mit diesem Brandopfer ist die dumme Geschichte aus und vorbei.'
IV.
Das schien wirklich der Fall zu sein. Je länger Christian v. Parnim auf Antwort wartete, umsomehr verwandelte sich für ihn der „blonde Recke" in einen ungehobelten Kleinbürger. mit dem ein Parnim nichts zu tun haben konnte, und immer schemenhafter wurde da- Bild der „Beinen Schönheit", das vollständig verschwand, als der Stubenarrest des jungen Herrchens zu Ende war.
Auch Christiane wurde durch die Unruhe, die über die Bürgermeisterei hereinbrach, von ihrem Herzenserlebnis abgelenft. Ueberdies hatte da- junge Mädchen, während Zimmerleute uni Maurer, Schlosser und Tischler in Hintergebäuden und Erdgeschoß ihr lärmendes Wesen trieben, um das vornehm-stille Haus für Fabrikszwecke herzurichten, noch schlimmere Tage als bisher.
Bitterer als je schalt die Großmutter auf Welt und Menschen, vor allem auf den Sohn, und mehr als je hatte sie an der Enkelin auszusetzen, die jetzt zu ihren alten Sünden noch den Beweis fügte, wie wenig Familiensinn sie besaß. — Ohne Bedauern für die Entweihung des Tanner'schen Stammsitzes erzählte sie von den Veränderungen, die darin vorgenommen wup- den, und freute sich, daß nun wieder Luft und Licht in die lang verschlossenen dumpfigen Räume gekommen feien.
(Fortsetzung folgt.)