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mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain

*nb den Beilagen:Nach Feierabend" (wöchentliche Unterhaltungsbeilage) und.Landwirtschaftliche Beilage.

J2 245

DirOberhessische Zeitung" erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage. Der Bezugspreis beträgt viertel­jährlich durch die Post bezogen 2,25 M (ohne Bestellgeld), bei unseren Zeitungsstellen und der Ervedition (Bkarkt 21), 2jD0 JL (Für unverlangt zugesandte Manuskripte übernimmt die Redak- hon keinerlei Verantwortung.)

Marburg

Mittwoch, 19. Oktober 1910.

Die Jnsertionsgebiihr betragt fn" Inserent:-: aus dem engeren Verbreitungsgebier des Blattes für die 7o^--fltene Zeile oder deren Raum 16 für auswärtige Inserate 20 4, für Reklamen 40 4. Druck und Verlag: Joh. Aug. Koch, Universitäts-Buchdruckerei. InbaK-i- Dr. E - --rbuea

Markt 2t. 5>Tor,n,.rt

45. Jahrge

Erstes Blatt.

Der heutigen Nummer liegt bei Kreisblatt Nr. 84.

Der gescheiterte Streik.

Der Eisenbahnerausstand in Frankreich, der so etwas wie der Auftakt zu dem von Rosa Luxemburg fröhlich gepredigten Eesamtausstand abgeben konnte, ist gescheitert. Das war vorauszusehen, die bare Un­vernunft läßt sich, ohne daß ein allgemeiner Taumel die Massen ergriffen hat, nun einmal nicht durch­setzen. Der Streik bedeutete nichts mehr und nichts weniger, als durch die Aushungerung einer großen Stadt dem Lande den Willen einiger im Dunkel blei­benden Demagogen aufzudrängen. Die Stadt will arbeiten, und um arbeiten zu können, muß sie leben. Wenn ihr wie in diesem Falle die Zufuhr unterbun­den wird, ist das nicht möglich, und da ist es selbst­verständlich, daß sich der Unwille der Bevölkerung ge­gen die Störenfriede richtet. Kein Streik ist siegreich, der nicht von den Sympathien nicht bloß der Masten, sondern des ganzen Volkes getragen oder doch unter­stützt wird: das haben die Erfahrungen der letzten Jahre, die zum ersten Male solch" Riesenarbeits- etnstellungen gesehen haben, unwiderleglich gezeigt. In Frankreich, das das klastische Land auf diesem Gebiete der modernen unblutigen Revolution gewor­den ist, hat man das bei dem Ausstande der Postbe­amten gesehen, der einfach unter dem Unwillen der Eeschäftsw-ft und der von ihr lebenden Kreise zu- fammenbrach. Dabei soll man nicht vergeffen, daß hier platonische Sympathien für das Menschenrecht auf Ausstand in Menge vorhanden waren! Aehnlich ging es mit dem Maflenausstande in Schweden und anderswo, wo man versuchte, die Dinge auf des Mes­sers Schneide zu stellen. Wo anerkannte Mißstände bestanden, Sympathien also nicht erst künstlich erweckt zu werden brauchten, da haben Ausstände auch ohne die durch Eewerkschoftskasten, Organisation viro. ge­schaffenen Voraussetzungen Erfolg gehabt. A^er ganz Unbeteiligte in einen solchen Kampf, besten Berech­tigung nicht von vornherein klar liegt, hineinzu­ziehen, wie hier die ohnehin hart ringende Bevölke­rung einer Großstadt, hat sich wieder einmal als ver­fehlt erwiesen, und so hat sich denn von neuem ge­zeigt, wie wenig die Agitatoren der Straße und der Volksversammlungen das Recht haben, sich als die Wortführer des wirklich arveuenoen Volkes anzu­sehen.

Daran und nicht an dem kräftigen Widerstande, den selbst die jetzige sozialistische Regierung den Machtgelüsten der Straßenagitatton entgegensetzte, ist der Eisenbahnerausstand gescheitert.

Heute liegen folgende Meldungen vor:

Paris, 17. Okt. Eine in Sachen de» Eisen­bahnerausstandes zusammengetretene Gruppe von De­putierten der Stadt Paris und des Seine-Departe­ments nahm heute ein Schreiben des Ministerpräsi­denten zur Kenntnis, in welchem Briand ihnen mit« teilte, daß er bereit sei, von den legalen Eisenbahner­vereinigungen, deren Forderungen entgegenzuneh­men, um sie den Gesellschaften zu unterbreiten, unter der Beengung, daß die Vereinigungen aufhörten, sich gegen das Militärgeseh aufzulehnen und daß die Forderungen nicht von entlaßenen Eisenbahnern un­terzeichnet seien. Die Versammlung, in der 20 De­putierte, meist Sozialisten, zugegen waren, nahm mit 18 gegen 2 Stimmen eine Tagesordnung an, in wel­cher erklärt wird, daß Briand die ihm von der parla- mentari^cyen Gruppe gestellte Frage, ob er bereit sei, Verhandlungen zwischen den Syndikatsorganisatio­nen und den Direktionen der Eisenbahnen anzubah­nen, nicht beantwortet habe, und in welcher ihm die Verantwortung für seine Weigerung überlasten wird.

Weitere Ausschreitungen.

Paris, 17. Okt. Auf dem Boulevard de Pereire explodierte heute Nacht in einem dem nationalisti­schen Eemeinderat und Herausgeber derPatrie", Mastard, gehörigen Hause eine Bombe, die sämtliche Fenster des Gebäudes bis zum dritten Stockwerke zer- ttümmerte. An einem Fenster der Pförtnerwohnung bemerkte man Blutspuren, aus denen man schließt, daß der Urheber des Bombenattentas sich eine Ver­letzung zugezogen hat. Der Anschlag war zweifellos Segen Mastard gerichtet, da von dem Attentäter vor

Cingangstür ein Zettel befefttgt worden war, der Aufschrift trug: Erste Warnung Herrn Mastard.

s Blatt des Letzteren hatte den Eisenbahnerstreik überaus heftig bekämpft.

e 3" Arles wurden 200 streikende Arbeiter der EtsenbabnwerkftStte abaesetzt. In den Ortschaften

Mallemine und Fivelille verübten die ausständigen Eisenbahner große Ruhestörungen und schlugen den Arbeitswilligen die Fenster ein. Militär mußte zur Herstellung der Ordnung aufgeboten werden.

In einem Waggon der der Westbahn gehörigen Bahnlinie von Vincennes wurde eine Bombe gefun. den, deren Lunte bereits angezündet gewesen, jedoch * offenbar von selbst erloschen war. Der mit der lleber- wachung der Anarchisten betraute Polizeikornrnistar Euichard hegt den Verdacht, daß der verbrecherische Anschlag von einem streikenden Eisenbahner verübt worden sei. Im chemischen Gemeindelaboratorium wurde festgestellt, daß die Bombe mit 850 Gramm Dynamit und Eisenstücken gefüllt war.

Bei Firminy an der Loire wurde auf einer Eisen- bahnbrücke eine Bombe, durch die die Brücke gesprengt werden sollte, gefunden; in derselben Gegend wurden zahlreiche Telegraphendrähte zerschnitten. Eine Loko­motive stieß gegen einen riesigen Stein, der auf die Schienen gewälzt worden war. Dank der unaufhör­lichen Ueberwachung ereignete sich kein Unfall. Zwei Dynamitpatronen explodierten bei Miramas (Dep. Rhonemündung), ohne Schaden anzurichten; zwei weitere nicht explodierte Patronen wurden in der Umgegend gefunden.

In einem Walde bei Beauvais wurde ein Loko­motivführer der Nordbahn erhängt aufgefunden; in seiner Rocktasche fand sich ein Brief, in welchem er er­klärt, infolge seiner Weigerung, sich dem Streik anzu­schließlich sei ihm das Leben unerträglich gemacht worden.

Eine bemerkenswerte Jubelrede hielt beim Kommers anläßlich des Berliner Univerfitäisjubiläums Geheimrat Prof. Koechc. Er meinte u. a.:

Die Freiheit ist der Lebensatem der deuffchen UnivettMt. Aber die rechte Freiheit. Nicht die Freiheit, die sich mit Gleichheit verkoppelt: das ist nicht deuffche Art. Nicht dieFreiheit", die auf Maffenberrschaft hinausläuft: sie ist derWiderpart freien akademischen Geistes. Der rechte akademische Freiheit ist eng verwachsen mit deutscher Treue, von der Ihr auch so gerne singt; sie ist eine ernste Hobe Pflicht. Nur schwer selbsterarbeitete Wahr­heit Hai vollen Wert. Diese Freihett ist dem Starken hohes Glück, dem Schwachen schwere Gefahr. Aber für die Schwachen sind unsere Universitäen nicht da.

Aber Kommilitonen, Ihr seid nicht einzelne: Ibr gehört dem Vaterlande, Ih. esid Preußen, seid Deutsche. Gewiß, kein Volk liebt die freie Prsönlichkeit fo warm wie wir Deutschen, und das Vaterland braucht zu seinen Führern eigene Geister, die sich selbst gehören, bei denen jjer Druck der öffentlichen Meinung, oieses ärgsten Tyrannen versagt. Aber derselbe, der das souveräne Ich in seiner schöpferischen Frei­heit proklamiett, hat auch die Reden an die deutsche Nation gehalten.

Kommilitonen! Wir haben es dank der Lage unseres Universitätsgebäudes alle oft genug er­lebt, wie mitten in die eifrig angehörte Vor­lesung der vorübergehende preußische Militär- marsch hineinschmettette. Es hat mich nie ver­drossen, wenn dann die aufmerksamsten Gefickter zerstreut wurden: reckten sich dafür doch die Leiber straff empor, fühlte ich doch, wie es rhvtmisch in die Beine zuckte! In uns Preußen fleckt Gott sei Dank immer etwas vom preußischen Soldaten. Deutsche Frcihei. und der Geist preußischer Zuckt ftnb_ ein Ehepaar, das schlechteren,s zusammen­gehört, und ich kann den Süddeuffchen nur wün- fcken. daß sie von der seelenbezwingenden Mackt des Preußengeistes willig einen starken Hauch in sich aufnehmen, statt sich aus den Karrikaturen d s SimpWssimus und leider ar cf derJugend" übe- preußische Art belehren zu lassen. DieS Fest soll nickt vergehen, ohne daß wir des großen Preußendichters gedenken, der so unbegreiflich schön prophettschen Blickes die Freiheit deutschen Geistes und den sittlichen Ernst preußischer Selbst bezwingnng vereinigt sah. Das Grab am Wann­see draußen soll dem Berliner Studenten ein Heiligtum sein.

Daß Ihr ein Her; habt für Eure Aima mater Berolinensis, das habt Ihr. hebe Komiliton n, wahrlich bewiesen in diesen Tagen. Gewiß, Ihr Watt nicht ganz einig: bei »iner großen Sache hat immer der Unrecht, der schmollend zur Seite steht

Humottsttsch fühtte Prof. Rotthe noch aus: Berlin ist keine Universitätstadt: wie ichs heute drastisch erlebt habe, ruft der Student in Wichs als ganz fremdartige Erscheinung hier m Sr Aufregung hervor als Mohren und Chinesen Es gibt in Berlin zahlreiche Studenten, die nie einen Kommers mitgemacht haben, kaum wissen, was ein Komnn.sbuch ist: sie als rechte Studen­ten gelten ztt lassen, wird mir doch sauer

| Politische Umschau.

I Aus Portugals großen Tagen.

Die Entthronung König Manuels II. weckt die Erinnerung an jenen großen Vorgänger, nach dem der junge Pttnz einst seinen Namen erhielt, an König Manuel I. (14951521). 400 Jahre portu­giesischer Geschichte, was ist in dieser Zeitspanne aus dem Weltreich Portugal geworden, über das Manuel I. zubenannt der Glückliche, einst herrschte? Jetzt lebt der schwache Staat sozusagen von Englands Gnaden, dessen Bedeutung er doch selbst einmal besaß. Manuel I. war es, der Vasco de Eama aussandte, damit er das von Bartolomeo Diaz aufgefundene Kap der guten Hoffnung umsegele und den Seeweg nach Indien finde. Eabral, der dies Werk weiter fortführen sollte, kam auf seinen Irrfahrten durch Zufall nach Brasilien, das er für den König von Portugal in Besitz nahm und Terra da vera Eruz nannte. Welch eine Ironie der Weltgeschichte, daß der Vertreter des einstigen portugiesischen Kolonial­reiches jetzt gerade in Lissabon weilen muß! Wo ist der Ruhm des Volkes der Weltentdecker und -Er­oberer geblieben, deren kühnes Sieben auch An­gehörige anderer Nationen mitriß, wie den unter Manuel entsandten Italiener Jmerigo Veospucci, der kühne Ostindienfahrer, deren Herrschaftsbereich sich zuletzt bis in die malaiische und javanische Insel­welt erstreckte? . Von dem Reichtum des damaligen Pottugal erzählte der Chronist Goes, daß er oft ge­sehen habe, wie in dem indischen Kaufhaus in Lissa­bon Kaufleute, die mit Säcken voll Geld- und Silber­münzen erschi-n-n waren, um f"r empfangene Waren Zahlung zu leisten, unverrichteter Sache wieder heim­kehren mußten, weil die mit der Zählu ig des G->ides betrauten Beamten infolge der Unsummen ihr Tages­pensum nicht bewältigen konnten. Die Regierung Manuels lebt in der Geschichte als das goldene Zeit­alter Portugals fort. Ein heroischer Zug geht durch diese Zeit der Welt- und Erobererfahrten, der seinen stolzesten Ausdruck in den unsterblichenLusiaden" des portugiesischen Nationaldichters Lutz Vaz de Eamo-ns gefunden hat. Es ist wobl anzun-bwen, daß König Manuel II. in der Zeit seiner unfreiwil­ligen Muße dieses Heldenaedicht ni'' zur Hand neh­men wird. Die Erkenntniffe. die se'ne Lettüre birgt, wäre zu bitter für den weichgesinnten Fürsten, für Manuel den Unglücklichen .

Organifattonen der Handwerkerjugend.

Wie im Bäckergewerbe wird nun auch in den Kreisen der Gesellen des Fleischergewerbes die Notwendigkeit erkannt, alle nichtsozialdemokra- lisch verseuchten Elemente zusammenzufassen. Leider ist allgemein den Fortschritten der Sozial­demokratie unter dem Handwerkernachwuchs viel zu wenig Aufmerksamkeit geschenft worden. Die Meister haben eine Abneigung gegen eine Or ga­nisation der Gesellen nicht überwinden können: nur die wiederholten Ausstände baben endlich der Ueberzeugung zum Durchbruch verhalfen, daß etwas geschehen muß. um Terrorisierungs- Versuchen der Genossen mit Erfolg entgegen« treten zu können. Es handelt sich im wesent­lichen um evangelische Gesellen, denn das Zen­trum hat. wo es nur irgend m "glich war, in b-n letzten Jahren Gesellenvereine gegründet, die enu rege Tätigkeit entfalten, da Geistliche und Zeninnnspolitiker sich vielfach in jenen Vereinen betätigen. Notwendig ist es. daß die Meister 2>e= rechtigte Forderungen der Gesellen unverzüglich erfüllen und Fühlung mit der Gesellenschaft auch außerhalb der Werkstatt behalten In den gro­ßen und selbst schon in den mittleren Städten ist der Geselle, ja auch der Lehrling schon nickt mehr dem Haushalt des Meisters anaealiebert, die Zahl ber verheirateten Gesellen wächst, bie Zustände nähern s.ch mehr und mehr denen der Industtte. Daraus erwachsen auch für die Handwerksmeister neue Pflichten und Aufgaben. Es ist Sache ber Handwerkskammern, vornehm« lu) aber ber Innungen, belehrend und in« feuernb vorzugehen. Nationale Gesellenbunde sind nicht nur für das Bäcker- und Fleischerge­werbe eine Notwendigkeit. Ohne organisato­rische Zusammenfassung der Gesellen läßt sich der Sozialdermokratte im Handwett nicht mehr entgegentreten.

Deutsches Reich.

Vom Kaiser. Neues Palais bei Potsdam, 27. Okt. Der Kaiser n-hm gestern Nachmittag den Tee beim Reichskanzler. Heute Vormittag empfing der Kaiser eine Deputatton der juristi­schen Fakultät zur Entgegennahme des Dottor- biplomes. Zur Frühstückstafel waren geladen: Prinz Christa» zu Schleswig-Holstein und Frei­herr von Schoen mit Gemahlin.

Schutz frühgeschichtlicher Denkmäler. Berlin, 17. Okt. Wie dieIns." erfährt, ist das Gesetz

entwurf zumSchutze frühgeschichtlicher Denkmälet und über Ausgrabungen und Funde von Alter­tümern in den beteiligten Ministerien fettiggestelli worden und es besteht die Abf-chi, ihn dem Landtage in den nächsten Tagen vorzulegen. DaS Gesetz soll die Mißstände abstellen, die sich bei unbefugten Gräbereien von Privatpersonen er­geben haben. Der Entwurf steht eine Anzeige- Pflicht vor. Die Genehmigung z:: Ausgrabungen soll gegebenenfalls von dem Regierungspräsi­denten erteilt toerbn.

Ausland.

** König Manuel auf bet Fahrt nach Eng- land. Gibraltar, 16. Ott. Die Königin-Witw« von Portugal begab sich heute Nachmittag, be­gleitet vom Herzog vcn Opotto an Borb bes italienischen KreuzersRegina Elena", welches hierauf nach Spezia in See ging. Die Königin- Witwe begibt sich nach dem Schlosse San Roß« sore, um dort den König und die Königin von Italien zu treffen. Im Laufe des Nachmittags schifften sich König Manuel u-I. die Königin- Mutter auf der englischen Königs-JachtVic­toria and Albett" ein, die hierauf ebenfalls in See ging. London, 17. Okt. Der König und die Königin beabsichtigen nächsten Sonntag dem König Manuel und seiner Mutter in Woodnorton einen Besuch abzustatten.

Marburg und Umgegend.

(Rachh.lict aller OriginalarNkel ist gemäß § 18 bej Urheberrechts nur mit der deutlichen Quellenangabl Oberhess. Zig." gestattet.)

9;: 18. Okt.

* Di« Stadtverordneten beschlossen gestern, den Magistrat zu ersuchen, einen Teil der Ehrenschen Sammlung (Trachten ulw) zum Preise von 1000 Jk für die Stadt zu erwerben.

* Perjonenstandsaufnahnie. Die Formulare für die diesjährige Perlonensiandsaufnackme werden jetzt wieder abgeholt. Bemerkt sei, daß trotzdem die For­mulare nicht verschloss»n zugesandt und abgeholt wer­den über den Inhalt Amtsgeheimnis gewahrt wer­den muß.

* Juristisches. Die Referendare Holle Ms Cassel, Albert Schade aus Cassel und Siroins'h aus Marburg wurden zu Gericktsassessoren be- fördett.

* Die Zahl bet Referendare ist nach dem Justiz-Ministerialblatt vom 1. August vorigen Jahres bis zum 1. August dieses Jahres nut ganz unerheblich gestiegen und zwar von 7634 auf 7701. Immerhin wird noch eine geraume Zeit vergehen, bis ein einigermaßen normaler Stand erreicht fein wird.

* Krieger- und Landwehr-Verein. Man teilt uns mit: Der Krieger- und Landwehr-Verein feierte am Sonntag Abend unter zahlreicher Beteiligung seiner Ehrenmitglieder und Mitglieder nebst Familien sein 38jähriges Stiftungsfest in den Räumen der Stadt­säle. Der 1. Vorsitzende, Kamerad Döring, begrüßte die Erschienenen, gab einen Rückblick über die Tätig­keit des Vereins, gedachte des verzogenen Ehrenvor­sitzenden, des Kameraden Blencke und brachte zum Schlüsse seiner Rede das Hoch auf den Koller aus, in das die Anwesenden begeistert einsttmmten. Ein EinakterEin möbliertes Zimmer zu. vermieten", wurde flott gespielt und beifällig ausgenommen. Herr Landgerichtssekretär Werner erfreute die Ver­sammelten durch mehrere in gewohnter Weise vorge­tragene Lieder; ein anderer Herr durch einige Kou- plets, die wahre Lachsalven heroorricsen. Während einer Tanzpause wurden wertvolle Gegenstände ver­lost. Alles in Allem reihte sich das Fest würdig den bisher vom Krieger- und Landwehrverein veranstal­teten Festen an.

* Feuerwehr-Uebung. Gestern nachmittag hielt die Freiwillige Feuerwehr eine größere Hebung ab. Als Brandobjekt diente das städtische, ehemals Ha- stenpflugsche Haus am Markt, von dem man annahm, daß im obersten Stock Feuer ausgebrochen und die Bewohner in Gefahr seien. Zunächst trat nur der erste Zug in Tätigkeit. Es wurde ein Leitergang und zugleich auch Schläuche angelegt. Im Untergeschoß nahm man starke Rauchentwicklung an, weshalb hier die Rauchmaske benutzt und diese Räume nach etwa dort noch vorhandenen Personen abgesucht wurdem Ta Gefahr für die anderen Häuser und das Rathaus angenommen wurde, traten auch noch die übriger Züge der Feuerwehr in Tätigkeit. Am Rathaus legte man die mechanische Leiter an und schätzte diese», wie auch die anderen Nachbarhäuser mittetft angeleg­ter Schläuche. Auch das Sprungtuch wurde hier tn Benutz genommen. Die ganze Hebung nahm den ge­hofften Verlauf. Im Anschluß begaben sich bi« Mannschaften in» Restaurant Bopp, wo bet Stow; »andani der Freiwillige» -«erwehr noch einig« '