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mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain

Hirt den Beilagen: ,Mch Feierabend» (wöchentliche Unterhaltungsbeilage) und.Landwirtschaftliche Beilage."

45. Jahrg,

Marburg

Dienstag, 18. Oktober 1910

Die Jnsertionsgebühr beträgt für Inserenten aus dem engeren Verbreitungsgebiet des Blattes für die 7p^""ltene Zeile oder deren stauiti 16 für auswärtige Inserate 20 4, für Reklamen 40 £. Druck und Verlag: Joh. Aug. Stoa), Universitäts-Buchdruckerei. Jnbab-r Dr. C. f>ih-?rr !>. : -arbnrg, Markt 21. TeP"Sn 55.

DieOberhessische Zeitung» erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage. Der Bezugspreis beträgt viertel- T|<? 014 jährlich durch die Post bezogen 2,25 M (ohne Bestellgeld), bei

*/»=- Crfc-* unseren Zeitungsstellen und der Erveditton (Markt 21), 2.00 M.

(Für unverlangt zugesandte Manuskripte übernimmt die Redak- tion keinerlei Verantwortung.)

Zweites Blatt.

König Demos.

In Lissabon kriselt's schon wieder. Die ge­treuen Helfer des neuen Regiments sind nicht auf ihre Kosten gekommen. Selbst die Matrosen und Soldaten sind unzufrieden. Sie sind zum KriegK- minister gegangen und haben mehr Brot, mehr Geld und weniger Dienst verlangt. Und die lichtscheuen Massen, die bei dem Sturze des Königs am begeistertesten mithalfen nota bene, feit es keine blauen Bohnen mehr aus der Rich­tung des kgl. Palastes regnete fühlen sich ge­kränkt, Weil die neue Regierung dem durch sie erst geförderten Hasse gegen dasPfaffentum» im eigensten Interesse gewisse Grenzen ziehen muß. Hei, wie hatten ste sich darauf gefreut, auf die Verwirklichung des Schillerschen Räuber­liedes .... . rauben, morden, balgen, das ist unser -Zeitvertreib! Und nun ist's Essig. Die Regie­rung, der man erst auf die Beine half, die Gott weiß was nach Demokratenart versprochen hatte, fällt ihnen in dem Augenblicke in die Arme, wo es an die Einlösung der eingebildeten oder wirk­lichen Versprechungen gehen soll!

So war's immer, vor, bet und nach blutigen Revolutionen. Die Personen wechselten, daS System blieb.

In Portugal scheint die Sache für die Regie­rung nicht unbedenklich zu sein. Die Zensur waltet mit einer Schärfe, wie ste schlimmer nicht von den Revolutionären im heiligen Rußland gehandhabt wurde. Und das will viel heißen. Der neue Kriegsminister bat den protestierenden Matrosen die Hände geschüttelt und hoch und heilig versprochen, nach dem Rechten zu sehen, als sie Brot verlangten, mehr Geld und weniger Dienst. Die Herren von gestern, die Alles so scharf an der Leine hielten, haben die Autorität verloren. Die Leidenschaften sind entfesielt, sie snckcn nach einem Ventil. Glattrasierten Herren werden die Hüte vom Kopfe geriffen, und wenn sie die Tonsur wagen, geht's ihnen Übel. Att-n- tate seitens der Geistlichkeit werden fingiert, da­mit der Mob Blut, Pfasfenblut sehen kann, nach dem er so lüstern gemacht wurde durch eine fana­tische Hetze.

Meßgewänder von historischem Werte werden «ns den Behältern geriffen, zerfetzt, beschmutzt, zertrampelt, und ein Offizier der Palastwache wirft sich in Gegenwart von Berichterstattern In den Stuhl, auf dem der König saß und ahmt dm verjaaten König nach.

Alle Bande der Ordnung sind zerrissen. Selbst die Sittengefetze haben aufgehört zu bestehen wenigstens in den Städten. Die Großmächte Europas zögern, einer Regierung die staais- recktliche Anerkennung zu gewähren, die sie drin­gend braucht, und sie zögern mit Recht. Denn erst wird die republikanische Regierung zeizen

müssen, daß ste in der Lage ist, die Ordnung wieder herzustellen und aufrecht zu erhalten.

Nur mit unerbittlicher Strenge wird sie das erreichen können. Ob sie den Mut und die Kraft dazu finden wird? Ob sie jenes Talent zum Herrschen mitgebracht hat, das eine der größten Künste ist? Eine Kunst, die nicht von heute auf morgen erworben werden kann?

Es ist kein gutes Zeichen, das die Zensur so scharf arbeitet, daß die fremden Bettchterstatter ihre Briefe jenseits der Grenze erst xpedieren müssen. Englische und deutsche Berichte lassen erkennen, daß die Republik schon heute sich einer bedenklichen Krisis gegenübergestellt sieht. Die Vorgänge in Portugal sind für uns psychologisch ungemein beachtenswert. Wer ihnen nüchtern denkend folgt, wird unschwer erkennen, welche Unsumme von Leid und getäuschten Hoffnungen int Gefolge des Königs Demos sind. Los 'von ihm!

Tum- und Spietturins

für Volksschullehrer aus den Kreisen Marburg und Kirchhain vom 10.15. Oktober.

Gesundheit ist das notwendige Erfordernis für die Wehrfähigkeit eines Volkes, für Leistungsfähig­keit und Lebensgenuß." Dieses hohe Gut wird leider durch allerlei Mißstände, die eine Lberverfeinerte Kultur im Gefolge hat, gefährdet. Volksfreunde ha­ben dieses längst erkannt und find mit ihren Ver­einigungen bestrebt, Dämme zu errichten. U. a. wer­den Turnen, Jugend- und Volksspiele als Heilmittel angesehen. Die Vertreter dieser Richtung wissen: Leben ist Bewegung, Bewegung ist Kraft, Kraft ist Gesundheit." Soll dieses vaterländische Werk mit Aussicht auf Erfolg nur ausgenommen werden, müs­sen seineZiele im gesamten Volke Wurzel schlagen, begeisterte Förderer ihm helfend zur Seite stehen und mitwirkende sich in seinen Dienst stellen. Die Städte sind lange Zeit fast die alleinigen Träger dieses Ge­danken» gewesen und haben versucht, ihn in die Praxis umzusetzen. Wenig ist dagegegen auf dem platten Lande geschehen. Wollen wir aber auch in der Zuunft eine starke Eeneratton haben, muß hier das Versäumte nachgeholt werden, da ja das Land den Jungbrunnen unseres Volkes bildet, auf dem % unserer Kinder erzogen und das % aller waffenfähi­gen Männer stellt. Dorthin zu gehen und tätig zu sein in diesem Sinne ist besonders auch deshalb nötig, weil Turnlehrer sich dorthin fast nie wagen und der Einfluß selbst des begeistertsten Spielleiters nicht ausreicht. Von diesen Tatsachen geleitet und diesen Bestrebungen angeregt, hat das Kultusministerium Bestimmungen erlassen, die den Turnunterricht in­tensiver gestaltet wissen wollen. Besonders des Tur­nens auf dem Lande wird da gedacht und darüber ge­sagt:Wächst auch die Mehrheit der ländlichen Ju­gend in Verhältnissen auf, die der Entwickelung der Gesundheit und Kraft ungleich zuträglicher sind als das Leben in großen Städten, so haftet der Land­jugend vielfach eine gewisse Ungelenkigkeit und Schwerfälligkeit an, welche die spätere Ausbildung der sonst kräftigen und wehrtüchtigen jungen Leute im Waffendienst nicht unerheblich erschwert." Diesem Ministerialerlaß folgend, finden zur Zeit allenthal­ben Fortbildungskurse für Volksschullehrer im Tur­nen, Jugend- und Volksspiele statt, um so breitere Schichten der Landbewohner für Leibesübungen zu gewinnen.

Ein solcher Kursus, der von Herrn Turnlehrer Fischer dahier geleitet und von rund 40 Lehrern aus den Kreisen Marburg und Kirchhain besucht war, wurde in der Zeit vom 10.15. Oktober in der hie­sigen Nordschule, die mit den erforderlichen Geräten von der Stadt bereitwilligst zur Verfügung gestellt worden, abgehalten.

Herr Sjegierungsassessor Dr. Bredt eröffnete mit einem Hinweis auf die nationale Bedeutung der Leibesübungen den Kursus, dem Herr Rettor Zinn bestes Gelingen wünschte.

Die Kursisten waren jeden Tag 7 Stunden tätig, und zeigten die nach Erledigung der vorgeschriebenen täglichen Turnübungen" folgenden zahlreichen llebungen im Turnen, Jugend- und Volksspiele, daß dieLehrer des Volkes stets zu erwägen haben, daß Spiel und Sport zwar nicht prinzipiell, wohl aber graduell verschieden find und darum keine Ueber- schätzung des Spiels und keine Unterschätzung des Turnens stattfinden darf, daß volkstümliche Hebun­gen und Jugendspiele untrennbare und wertvolle Be­standteile des Turnunterrichts sind, daß das Jugend­spiel die edelste Perle des angewandten Turnens ist, und der pflichttreue Turner als eifriger Spieler das anzuwenden hat, was er in den Turnstunden gelernt und daß Abwechselungen ergötzt und eine Würze des Turnunterrichts ist. Bis zu welchen turnerischen Fer­tigkeiten selbst 1213jährige Jungen gebracht wer­den können, zeigte eine Knabenabteilung der Nord­schule unter Herrn Fischers Kommando. Die Lei­stungen fanden ungeteilten Beifall aller der Zu­schauer.

Neben den Leibesübungen wurden viele theore­tische Belehrungen gegeben. So sprach Herr Kreis­arztassistent Dr. Volte über dengesundheitlichen Wert der Turn- und Spielübungen" und beantwor­tete im Anschluß hieran diesbezügliche Fragen der Hörer. Herr Fischer gab, aus reicher Erfahrung schöpfend,methdischen Aufschluß", sprach überTur­nen und Spiel auf dem Lande",Mädchenturnen", Spielplätze",Spielgeräte",Turn- und Spielfeste" u. v. a., und mehrere Kursisten erörterten kurz ein­schlägige Fragen, die zu regen Aussprachen Anlaß gaben. Kurz, es war ein ernstes und strammes, mun­teres. eifriges und von hoher Begeisterung durchweh­tes Arbeiten.

Auf erfolgte Einladung wohnten die Herren Landrat Geheimrat v. Negelein der Oberbürgermei­ster Troje, die Rektoren Hentze und Zinn und Regie­rungsassessor v. Gilsa-Kirchhain den llebungen einige Stunden bei.

Am Schluß des Kursus sprach der Senior der Teilnehmer, der fast 70jährige und dennoch nicht alte Herr Kantor Becker-Tappel, Herrn Fischer für die ge­wissenhafte und mühevolle Anleitung den wohlver­dienten Dank der Kursisten aus, welcher dann ent­gegnete:Nicht wurzeln wo wir stehen, sondern wei- tcrgeljen, damit die Leibesübungen Allgemeingut unseres Volkes werden.

Mit einem frischen, fröhlichen ..Heil» trennten sich die Kursisten in der Gewißheit, Anregungen erhalten zu haben, die für die eigene Gesundheit von Vorteil, für die uns anvertrauten Kinder von Nutzen, für die schulentlassene Jugend von Wert und für unser gan­zes Volk von Segen sein werden, die mit baxu beitra­gen helfen, daß auch von uns das Wort gilt:

Dein höchstes Gut auf Erden sei dein Volk!

Ihm gilt die höchste Pflicht, die wärmste Liebe!"

llm die erlangten Fertigkeiten zu erhalten und M erweitern und um vor allem in dte unterrichtliche Behandlung, die noch neuen und neuesten Datums ist, einzuführen, wurde von den Kursusteilnehmern eine Sptelvereinigung gegründet, deren Mitglieder mo-

1 ct?nrflhTUr- verboten.)

Christiane Tanner.

Roman von Claire v. Glümer.

Erstes Buch.

Traumhaft still lag der beschneite Kirchplatz öon Elmenach in der Morgenfonne eines kalten Jännertages, und ebenso still war es in dem großen, alten Haufe, das dem Haupteingange der Kirche gegenübersteht.

e Es wurde noch immer dieBürgermeisterei» "genannt, obwohl Herr Karl Friedrich Tanner, der dritte und letzte seines angesehenen Geschlech­tes, der in der Vaterstadt das Ehrenamt des Bürgermeisters bekleidet hatte, schon vor zwei Jahren das Familienhaus mit der Familiengruft hatte vertauschen müssen. Settdem waren im Erdgeschoß die Läden geschlossen und an den meisten Fenstern des ersten Stockes die Rollvor­hänge niedergelassen. Nur an der rechten Seite zeigten sich hinter blanken Fensterscheiben weiße Gardinen, blühende Topfgewächse und der Kops der Frau Bürgermeisterin.

Sie saß auch jetzt am Fenster, in demselben Lehnfessel, vor demselben Näbtischchen wie feit zweiundvierzig Jahren. Ueberhaupt hatte sich die Zimmereinrichtung in dieser ganzen Zeit kaum geändert. Da standen noch immer, an den Wänden gereiht, die schwerfälligen, dunkel ge­wordenen Mahagonimöbel, die sie als Aussteuer ins Haus gebracht hatte. Da waren blanke Messtngfchlösser und Ofentüren, der bescheidene Vüchervorrat int Häng bord und um die Stutzuhr aus der Kommode zwischen bemalten Tassen allerlei Spielerei von Porzellan oder Elfenbein.'

Aber während diese altmodische Umgebung den Eindruck der Behaglichkeit machte, schien die Frau, deren Tage sich darin abspannen, nichts i

Behagen zu wissen. Sie saß steif aufge- I Achtet und strickte mit fieberhafter Emsigkeit, |

während ihre strengen, graublauen Augen in die Ferne ftarrten.

Sie mußte schön gewesen sein, ehe der Gram ihre Stirn gefurcht, ihr Haar gebleicht, ihren feinen, regelmäßigen Zügen den Ausdruck der Verbitterung gegeben hatte. Etwas Stattliches war ihr gebliehen, aber fympctthisch war sie nicht, war sie trotz ihrer Schönheit auch früher nicht getoefen.

In ihrem starken Selbstgefühl hatte sie davon keine Ahnung, empfand es vielmehr als Unge­rechtigkeit, daß ihr wenig Liebe und Vertrauen zuteil wurde. Wie gewöhnlich in einfamen Stunden, ließ sie auch jetzt Bilder der Vergan­genheit an sich vorüberziehen, und aufs neue drängte sich ihr die alte, bittere Frage wieder auf: warum sie, trotz des besten Willens und der treuesten Pflichterfüllung, als Gattin wie als Mutter Enttäufchung auf Enttäufchung erleben mußte.

Ihre Ehe, dem Anfchein nach friedlich, war in Wirklichkeit ein unablässiges, fruchtloses Rin­gen ihrer tatkräftigen Natur mit der Lässigkeit ihres Gatten gewesen. Während sie auch von Geburt eine Tanner, die eckte Tochter dies.r Augen, ehrenhaften Kaufmannsfamilie war, be­saß er weder denScharsblick noch die Entschlossen­heit, die das Exportgeschäft des Hauses feit Ge­nerationen zu hohem Ansehen gebracht hatten. Gewissenhaft wie seine Vorgänger, hatte er zwar die Ehre seiner Firma gewahrt; aber der Wohl­stand zerrann in seinen unfähigen Händen, und als er starb, weigerte sich sein Sohn, die Hand­lung weiterzuführen. Vergebens bat ihn die Mutter, mit feiner jungen Kraft und dem an­sehnlichen Vermögen feiner jungen Frau das alte Haus wieder aufzurichten; er sehnte sich fort m,s der Enge der Vaterstadt und ging nach Berlin, wo er den rechten Boden für seine Tätigkeit zu finden glaubte.

Hatte er schon die Mutter dadurch tief ge­kränkt, so wurde er ihr durch den Weg, den er weiter einschlug, vollends enffremdet. Das Gründungsfieber hatte ihn gepackt und ließ ihn nicht wieder los. Er sah nicht und wollte nicht sehen, daß er selbst im Falle des Gelingens feinen guten Namen in Gefahr brachte. Schon jetzt, nach kaum zwei Jahren, war geschehen, was ihm die Mutter vorhergesagt hatte: nicht mir sein Vermögen, auch sein Kredit war verloren; die alten Geschäftsfreunde hatten Fttedrich Tanner fallen lassen; durch feine Schuld war eine neue Schmach zu der alten gekommen, die wie ein Alpdruck auf der Seele seiner Mutter lastete.

O, diese alte Schmach! Sollte sie nie damit fertig werden? Bei jeder Erinnerung an die Tochter, die fchon feit vierzehn Jahren im Grabe lag, kam dasselbe Gefühl vernichtender Erniedrigung über die alte Frau, wie tu der Un­glücksstunde, als sie ihres Lebens Stolz und Freude aus Herz und Haus verfloßen mußte, und wie damals bäumte sie sich dagegen auf ebenfo fchmerzlich, ebenso vergebens.

Das Oeffnen der Stubentür entriß sie ihren Gedanken.

Nun, Lore, was gibt's schon wieder?» fragte ste unfreundlich, als ein fieines, blasses Wesen hereinttat.

Nachricht von Friedrich, Frau Pate, endlich mal wieder,» antwortete Lore, die trotz der Küchenschürze und ihrer verschüchterten Miene nicht den Eindruck einer Dienerin machte.Es steht eilig daraus,» fügte sie hinzu, indem sie der Bürgermeisterin den Bri f übergab.

Eilig!» wiederholte die alte Frau in grollen­dem Tone;dann brauche ich nichts weiter zu lesen Eilig hat es Friedrich nur, wenn ich Geld schicken soll. . .» Mit diesen Worten warf sie den Bries beiseite, wurde aber, als Lore hinaus- eilen wollte, anderen Sinnes.

natlidj an 23 Nachmittagen zufammenkommen und der Turn- und Spielfreunde beitreten können. Heil!

Hessen-Nassau und Nachbargebiete.

Friedberg, 14L Oft. Der Totengräber Otte Gunkelmann, der am Sonntag in total betrunke­nem Zustande eine Beerdigung ausführte und zu guierletzi zum Entsetzen der Leidtragenden in das offene Grab auf den Sarg fiel, wurde von feiner vorgefetzten Behörde sofort seines Amtes enthoben.

Herborn, 14. Ott. Vergangene Nacht wurde wiederum an drei Stellen in unserer Stadt ein­gebrochen, imHotel zum Ritter», in d-r Rückertschen Villa und in das Haus des Herrn Fritz Wissenbach

Weilburg, 14. Ott Durch Provinzial-Schulrai Dr. Kanzow aus Cassel fand vorgestern die Ein­führung des Gymnasialdirettors Dr. Euler in fei» Amt statt.

Erfurt, 15 Ott. Die Stadt Erfurt erhielt vom Staatsminister Luottts v. Ballhausen und von feinen beiden Schwägerinnen ein haochherziges Geschenk von 300 000Jl zur Förderung der Kunst.

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Bleib!» rief sie ihr nach;Du magst mir vorlesen, Was er schreibt... ich kann di« Krähenfüße nicht entziffern.»

Lore kam zurück; auch ste schien bedenklich ge­worden, denn trotz der Erwa mng, b'e aus den blauen Augen fprach, entfaltete sie das Blatt mit zögernden Hängen. Dann las sie:

Berlin, den 18. Jänner 1822. Liebe Mutter! Vor allem muß ich um Verzeihung bitten, daß ich Dir so lange nicht geschrieben habe. Den Dank für Deine Weihnachtsgeschenke haben Dir hoffentlich auch in meinem Namen, Frau und Kinder abgestattet. Ich war wieder einmal von Sorgen und Verlegenheiten halb zu Tode gehetzt.

Aber das ist es nicht, was ich Dir zu sagen habe. Da in Eurem kleinen Neste jeder von jedem Bescheid weiß, wird es Dir nicht unbe­kannt sein, daß mein chemaliger Schulkamerad Ferdinand Wild die Roihssche Lederfabrik gekauft hat. Strebsam, wie er ist, will er sie, den An­forderungen des Tages entsprechend, umgestalten. Er hat zu dem Zwecke auch den alten Posthof er­worben, bedarf aber noch einiger Räumlichkeiten und hat mir vorgeschlagen, ihm unsere Hinter­gebäude und das leerstehende Parterre im Vor­derhause zu vermieten.»

Die Bürgermeisterin fuhr auf.

Eine Fabrik im Tanner'fchen Hause ... ich nicht mehr Herttn unter meinem eigenen Dache!» rief ste heftig.Wetter, Lore, weiter!"

Lore, die das Briefttatt überblickt hatte, las mit stockendem Atem:

Ich weiß nicht, liebe Mutter, ob ich Dir be­reits mitgeteilt habe, daß ich Ferdinand tief ver­pflichtet bin. Ihm verdanke ich auch die Mittel, ein Projekt zur Ausführung zu bringen, da» mich in kurzer Zeit zum reichen Manne mache» wird; nächstens mehr darüber . . .»

(Fortsetzung folgt.)