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mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain

«nd den Beilagen:Nach Feierabend« (wöchentliche Unterhaltungsbeilage) «ndLandwirtschaftliche Beilage.«

DieOberhessische Zeitung« erscheint täglich mit Ausnahme der

45. Jahrg.

Marburg

Dienstag, 18. Oktober 1910.

Die Insertionsgebübr beträgt für Inserenten aus dem engeren Verbreitungsgebiet des Blattes für die Ta^itiene Zette oder deren summ 18 4, ffir auswärtige Inserate 20 4, für Reklamen 40 4. Druck und Verlag: Ioh. Aug. Koch, AniversttSts-Buchdruckerei. Inhaber Dr. C. r ' i-fwrg. Markt 21. Telei^-in 55.

Sonn- und Feiertage. Der Bezugspreis beträgt viertel- Nn 944 jährlich durch die Post bezogen 2,25 M. (ohne Bestellgeld), bei unseren Zeitungsstellen und der Exvedition (Markt 21), 2,00 M. (Für unverlangt zugesandte Manustripte übernimmt die Redak­tion keinerlei Verantwortung.)

Erstes Blatt.

Der Eisendahne: streik om Scheitern.

Die Haltung der Regierung «nd Presse.

Paris, 15. Okt. Die Streikbewegung wird nun­mehr im wesentlichen als beendet angesehen. Meh­rere radikale Blätter sprechen die Hoffnung aus, daß bei beiderseitigem guten Willen eine Wiederkehr sol­cher Ausstände für lange Zeit hintangehalten werden .wird.- Der ministeriellePetit Parisien« schreibt: Die öffentliche Meinung wird der Regierung Dank oafür wissen, das; sie einerseits mit Festtgkeit die Ordnung aufrechterhalten, andererseits eine versöhn­liche Tätigkeit ausgeübt hat. Andere Blätter ver­langen abermals dringend ein entschiedenes Vor­gehen gegen den allgemeinen Arbeiterverband, der der Haupturheber der unaufhörlichen Streiks sei. DerFigaro" schreibt: Es heißt, daß die Regierung dem Parlamente, unverzüglich einen Gesetzentwurf unterbreitet werde, durch den das Syndikatsgesetz von 1884 abgeändert werden soll. In der Tat ist eine solche Aenderung unumgänglich notwendig. Denn man darf nicht vergessen, daß der Eisenbahnerstreik im Namen des Gesetzes angezettelt wurde. Die Action" sagt, es existiert offenbar im Lande irgend­wo eine beständige Verschwörung gegen das Vater­land: diese muß mit der äußersten Energie bis auf den letzten Teil zerstört werden.

Paris, 16. Okt. Ministerpräsident Briand emp­fing eine Abordnung von Vertretern der Eisenbah­nen, die ihm den Wunsch vortrug, er möge Schritte tun, damit unverzüglich Verhandlungen zwischen den Eisenbahnvereinigungen und der Gesamtheit der Eisenbahngesellschaften in die Wege geleitet würden. Der Ministerpräsident erklärte, daß er diesen Wunsch zur Kenntnis nehme und sich darüber mit seinen Mi­nisterkollegen besprechen werde. Er betrachte den Ausstand als beendet, somit könnte er nicht einmal eine Besprechung hierüber zulassen. Das nationale Syndikat und die nationale Vereinigung der Eisen­bahnarbeiter haben Briand mitgeteilt, daß sie stets bereit gewesen seien, mit ihm und den Eisenbahnge­sellschaften ihre Angelegenheiten zu besprechen.

Reue Ausschreitungen.

Paris, 15. Okt. Noch immer werden zahlreiche Fälle von Sabotage gemeldet. In der Nähe des Bahn­hofs von Lille wurden nachmittags kurz vor der Ab­fahrt des Par- Schnellzuges die Schienen in einer Länge von 12 Metern losgeschraubt. Gliickffcheaweise wurde der Anschlag rechtzeitig bemerkt und der Scha­den rasch ausgebeffert. In Hazebrook wurden zwei Eisenbahner verhaftet, die die Armbinde der Reserve trugen und gleichwohl ihre Kameraden zum Streik veranlassen wollten. Beide wurden auf die Festung gebracht und werden vor ein Kriegsgericht gestellt werden. In Sin-le-Noble auf der Nordbahnlinie wurden zwei Lokomotivführer von Streikenden über­fallen, mißhandelt und gezwungen, Kohlen zu effen. Bei Dreuil an bet Eisenbahnlinie Amiens-Bou- longe explodierte heute Morgen eine Bombe, ohne Schaden anzurichten. Der Schnellzug Calais-Paris konnte ein Kilometer von dem Orte der Explosion angehalten werden und setzte später die Fahrt fort. Bei Cormeilles an der Westbahn hielten Ausstän­dige zwei Züge an und bedrohten das Personal und die Reisenden. Kurze Zeit später konnten jedoch die Züge wieder weiter fahren. Dieselbe Bande hin­derte einen Zug Paris-Dieppe auf dem Bahnhof Csr- meille auszufahren. Sie lösten die Kuppelungen, schlugen und verfolgten die Zugbeamten. Nachdem Polizeimannschaften getroffen waren wurden Maß­nahmen ergriffen, den Zug seinem Bestimmungsorte zuzuführen.

Zwischen streikenden und arbeitswilligen Schlos­sern kam es heute Abend im Stadtviertel Vaugirard zu einem Zusammenstoß. Die Polizei schritt ein und nahm eine Verhaftung vor. Drei Polizeibeamte wur­den leicht verletzt. Mehrere Blätter melden aus Auxerre, daß ein Leutnant des 4. Infanterieregi­ments, welcher anläßlich des Eisenbahnerstreiks mit seiner Abteilung die Ueberwachung des Bahnhofs Saint Florentine übernehmen sollte, sich geweigert habe, diesem Befehle nachzuknmmen. Von der Mili­tärbehörde wurde über diesen Vorfall Untersuchung eingeleitet. Auf der Westbahnlinie ist die Wieder­aufnahme des Lokalverkehrs infolge der zahlreichen Saboiagefälle sehr erschwert. Namentlich auf den Strecken von Paris nach Versailles und St. Germain P neuerdings viele Drähte durchschnitten und an ° e en ®teöen Balken über die Schienen gelegt wor- -®n' ~ Süge können nur äußerst langsam fahren,

ach Uhr dürfte von St. Germain überhaupt kein

Zug mehr abgelasfen «erden. I

St. Etienne, 16. Ott. Nach Beendigung der Protestversammlung gegen. die Einberufung der Eisenbahner kam es gestern Mitternacht zu heftigen Zusammenstößen zwischen Demonstranten einerseits und Polizeimannschaften und Truppen andererseits. Die Menge empfing die Polizei mit Revolverschüssen und ließ gegen die auf der abschüssigen Straße zum Angriff übergehenden Dragoner Karren und Tonnen hinabrollen. Ein Rittmeister und drei Demonsttan- ten erlitten Verletzungen. Ein Hilfsmaschinist wurde auf dem Wege zum Bahnhof von Demonstranten halbtot geschlagen.

Der normale Betrieb sichergeftellt.

Paris, 16. Ott. Nach einer amtlichen Mittei­lung des Ministeriums der öffentlichen Arbeiten machte sich am gestrigen fünften Tage ein vollstän­diges Abflauen des Ausstandes bei der Nordbahn und der staatlichen Westbahn bemerkbar. Der Aus­stand könne als beendet angesehen werden. Das Ministerium des Innern gibt bekannt, daß der nor­male Dienstbetrieb auf dem Pariser Nordbahnhof von heute Abend ab wieder fichergestellt ist.

Zugeständnisse seitens der Eisenbahngesellschaften.

Beim Empfange beim Minister der öffentlichen Arbeiten Millerand erklärten die Direktoren der Eisenbahngesellschaften, daß den Beamten und Arbei­tern aller Eisenbahnnetze, soweit sie in Paris an­sässig sind, spätestens am 1. Januar 1911 ein Mindest­gehalt von fünf Francs für jeden Tag, an dem sie Dienst getan haben, bewilligt werde. Das Eisen­bahnpersonal werde von dieser Aufbesserung benach­richtigt «erden.

Der Bauarbeiterstreik.

P a r is, 15. Okt. Mehrere tausend-Maurer hiel­ten heute Nachmittag eine neue Versammlung ab, in welcher sie die Fortsetzung des Streiks beschlossen. Einer der Führer des Streiks teilte mit, daß gegen­wärtig in Paris 80 000 Bauarbeiter im Ausstand stehen. Nach Schluß der Versammlung kam es auf der Sttaße zu mehrfachen Zusammenstößen zwischen Streikenden und Schutzleuten.

Politische Umschau.

Die chinesische Mauer.

Im sozialdemokratischen Phrasenlexikon neh­men die schönen Worte von der Völkerverbrüde­rung, von der wahren internationalen Solidari­tät, die nur bei dem Proletariat zu finden fei, während die übrige Menschheit am beschräntten Nationalismus, d. h. Chauvinismus zu kleben pflegt, einen bedeutenden Platz ein. Man sollte deshalb meinen, die sozialdemottatischc Presse müßte einem Ereignis wie der Berliner Univer- sttätsfeier, an der die Bildungsstätten der ganzen Wett durch ihre würdigsten und bedeutendsten Vertteter teilnahmcn, die ihm gebührende Be­achtung schenken, obwohl sich das Jubiläum noch im verhaßten Klasienstaat vollzieht. Der .Vor­wärts« tut aber die ganze großartige und wüv- dige Feier mit wenigen Worten ab. Für ihn ist sie nurein höfischer Festakt«, bei dem die Hohenzollernnach bekanntem Rezept als Pfle­ger der Wiffenschaften« usw. aevriesen werden. Das Zentralorgan der sozialdemokratischen Par­tei findet an der Rede des Kaisers inhaltlich nichts Bemerkenswertes und druckt nur den Teil daraus ab, in dem die Stiftungen für die freie Forschung angekündigt werden. Das ist für die Verhältnisse desVorwärts« schon obfettiv ge­nug! Seine Leser dürfen aber beileibe nichts weiter erfahren, für sie existiert das lokale Er­eignis einfach nicht, weder der internationale Gelehrtenkongreß, der versammelt war, noch die Studenten. Von dem Riesenfackelzug, der selbst im brausenden Gewimmel der Millionenstadt ein unvergeßliches Schauspiel darstellt, erwähnt er kein Wort, er schweigt sich über die ganze mehr­tägige Feier gründlich aus. Die sozialdemo- kratischen Parteibonzen wollen eben eine chine­sische Mauer um die Arbeiterschaft ziehn, die Kluft zwischen ihr und dem Bürgertum soll um jeden Preis vergrößert werden. Armselige Scheu- flappentattik! Von den Erinnerungen an eine schwere aber große Zeit, die das Jubiläum heraufbeschwört, _ darf der waschechte Genosie nichts hören. Für ihn gilt nur die parteiamtlich abgestempeltematerialisttsche Geschichtsauf- fasiung«.

Deutsches Reich.

Die Jahrhundertfeier der Kriegsakademie. Berlin, 15. Ott. Die Jahrhundertfeier der Kriegs­akademie erreichte in einem Festatt der in An­wesenheit des Kaisers in der Aula der Kriegs­akademie stattfand, ihren Höhepuntt. In dem festlich geschmückten Vestibül präsentierten Wacht­posten in historischen Uniformen und die Dffi«

I ziere des jüngsten Jahrgangs der Akademie bib- deten auf der Treppe Spalier. Nachdem der Kaiser eine Ansprache gehalten und die aller­höchsten Gnadenbeweise bekannt gegeben hatte, hielt der Direktor der Akademie, Generalleutnant Fieiherr von Manteuffel, eine Rede, in der er zunächst dem Kaiser den Dank der Kriegsakademie für sein Erscheinen aussprach, um sodann auf die Bedeutung des Tages einzugehen.

Deuschlands Handel. Berlin, 15. Ok. Der Wert der Einfuhr im Spezialhandel belief sich ohne Edelmetalle im September d. Is. auf 698.7 Millionen Mark; in den neue.: Monaten Januar bis September d. Is. aus 6291,5 Mill. Mark (gegen 6253,5 Millionen Mark im Vor­jahr). Der Wert der Ausfuhr betrug im Sep­tember 664,0 Millionen Mark; in den neun Mo­naten Januar bis September d. I. 5446,9 Mill. Mark (gegen 4706,2 Millionen Mark im Vor­jahr). Die Eedelmetalleinsuhr erreichte im Sep­tember 97,8 Millionen Mark; in den Monaten Januar-September d. Is. 380,6 Mill. Mark -gegen 209,8 Mill. Mark im Vorjahr); die Edel- metallausftlhr im September 20.2 Mill. Mar., in den Monaten Januar-Septeml : d. Is. 149,8 Mill. Mark (gegen 212,9 Million n Mark im Vorjahr). Dabei sind nur Gold und Silber berücksichtigt.

Der Deuffche Schulschiffverein. Fri d- ricksbafen. 15. Ott. Die Teilnehmer an l r Versammlung des Deutschen Schuffchiffvercins unternahmen heute Vormittag eine Rundfahrt auf dem Bodensee. Nachmittags wurden die Herren von dem König von Württemberg im Königlichen Schlosse empfangen. D'r König ließ sich mehrere Teilnehmer an der Tagung vorstellen. Auch Graf Zeppelin wohnte dem Empfang bei. Stuttgart, 14 Ott. Dem Stutt­garterMerkur« zufolge übernahm Herzog M- . brecht von Wüttemberg den Ehrensitz über die neugegründete württembergische Vereinigung des Deutschen Schulschiffvereins.

Eine deutsche Schule in Italien. Rom, 15. Ott. Heute Vormittag fand die Einweihung des neuen deutschen Schulgebäudes in Vicolo Zucchelli statt. Es toobnt-n derselben bei: Ge­schäftsträger Prinz zu Stolberg, der preußische Geschäftsträger von Bergen, der bayerische Ge­sandte Freiherr von der Tann, der Vertreter des Auswärtigen Amtes Professor Schmidt, Konsul Schnitzler, die Eltern der Schüler, zahlreiche Mit­glieder der Kolonie. Das Vorstandsmitglied der Sckule Dr. Nassau brachte ein Hoch auf den Äaiser aus, in das die Versammlung begeistert cinftimmte. Prinz zu Stolberg teilte mit, der Kaiser habe der Schule aus den Zin'eu des ihm zur Verfügung stehenden Kapitals 750 Mark, d-r Reichskanzler ans dem Reichsschulionds 500 Mk. gespendet. Professor Schmidt überreichte die Bildnisse d«s Kaisers urs der Kaiserin, welche Ihre Majestäten den Schulen verliehen haben und feierte den Kaiser als einen großen Förderer der deutschen Scb flen im Auslande.

Unsere Flagge in Maroffo. Graf Revent- low bringt in derDeutschen Tageszeitung« eine peinliche Angelegenheit zur Sprache. Als jüngst ein großer deutscher Kreuzer eine Woche lang vor Tanger ankern sollte, wandten sich die Deutschen Casablancas an die Gesandffchast, sie möchte beim Kommando die nötigen Schritte unternehmen, damit das Kriegsschiff auch einen Abstecher nach Casablanca mache. Die Antwort lautete kühl und geschäftsmäßig: Es bestehe nicht die Absicht zu^ einem Anlaufen Casablancas. Wir möchten dazu in aller Bescheidenheit bemer­ken. daß die vom Reichstag bewilligten Aus­land kr-uzer in erster Linie dazu da sind, dort unsere Flagge zu zeigen, wo dasDentschtum einer Rückenstärttmg bedarf, und nickst dazu, in weitem Bogen um alle kritischen Stellen herum zu dampfen. In Casablanca tun die Franzosen, als seien fie die Herren der Welt und als gäbe es keine Atte von Algeciras, derzufolae sie längst diesen Platz mitsamt dem Hinterlande geräumt haben müßten. Sie drangsalieren die dortigen Deutschen und versuchen, sie in den Augen der Maroflaner aus jede Art herabzusetzen. Nicht nur die Kaufleute in Casablanca selbst, sondern auch die deutschen Landwirte der Umgegend, darunter der alte Georg Krake, dem bei den letz­ten Unruhen die Frau erschlagen wurde, und Alfred Mannesmann, der ein Mustergut soeben eingerichtet haj, wiffen ein Lied davcn zu singen. Gerade um der Eingeborenen willen wäre die Entsendung des Kreuzers empfehlenswert ge­wesen. Herr von Kiderlen-W'lchter wird im Reichstage sicherlich wegen dieser Affäre gestellt werden.

Der Werftarbeiterstreik. Hamburg, 15. Ott. Tie Verhandlungen zwischen den Beamten des Gesamtverbandes deuffcher Metallindustrie und den Vertretern der Arbeiter wurden mtt der heute erfolgten ZustimmungserNärung der Wersten zu I den getroffenen Vereinbarungen Wege» der Siche- I rang der Akkordüberschüffe beendet. Nunmehr 1

finden noch Verhandlungen mit der Hamburg- Amerika-Linie und Lokalverhandlungen der aus­wärtigen Werften statt, die hossenttich eine bal­dige Aufnahme der Arbeit gestatten werden. Brake, 15. Ott. Die heute zu Ende geführten Verhandlungen zur Beilegung des Hafenarbeiter- fireiks hatten zum Ergebnis/' daß die Arbett Montag wieder aufgenommen wird. Die frem­den Arbeiter werden bis zum 22. Ottober ent­lassen. Die Einstellung erfolgt nach Maßgabe bei Bedarfs. Den Arbeitern ist eine Erhöhung bei Lohnes für Sonntagsarbeit und Ueberstunden, ben Stundenarbeitern eine Erhöhung des Tage­lohnes zugestanden worden. Bremen, 15. Okt. AktiengesellschaftWeser« an die Arbeiter, sich zur Aufnahme der Arbeit in der kommenden Woche zu melden, ist bisher ohne Erfolg gebffeben. ES meldete sich niemand, da die Werst dem Verlan­gen der Arbeiter, alle Arbeiter sofort wieder ein­zustellen, aus betriebstechnischen Gründen nicht entsprechen konnte Die Werft machte heute durch Anschlag bekannt, daß, nachdem inzwischen in Hamburg die grundlegenden Vereinbarungen beiderseits unterzeichnet worden seien, weitere Mitteilungen am 17. Ottober nachmittags 5 Uhr durch Anschlag erfolgen werden

Reichsbankpräsjsient a. D. Dr. Kochi-.

Der frühere langjährige Präsident der deutschen Reichsbank, Dr. Richard Koch, ist am Sonnabend in Charlottenburg gestorben. Am 15. September 1834 in Cottbus geboren trat Koch nach einer längeren juristischen Ausbildung als Hilfsarbeiter in da« preußische Hauptbankdirektorium ein, dessen Mitglied und Justitiar er unter Ernennung zum Geh. Finanz, rat später wurde. Als am 1. Januar 1876 die deutsche Reichsbank gegründet wurde, trat er in das Direk­torium des neuen Instituts ein, das er, nach bei« Tode des Präsidenten von Dechend bis zu feinem 1908 erfolgten Rücktritt. Dr. Koch hat sich sowohl als Jurist wie auch als hervorragender Kenner aller Fragen des Geldmarktes und des Notenbankwesen« einen Namen erworben. Die Reichsbank hat unter seiner Leitung wichtige Wandlungen durchgemacht. Aus dem Richterstande hervorgegangen, beschäftigte er sich bis zu seinem Tode besonders gern mit juristi­schen Fragen. Namentlich die Zivilprozeßordnung sowie das Scheck- und Giro-Recht haben ihn vielfach beschäftigt.

Ausland.

** König Manuel. Gibraltar, 15. Ott. Die königliche JachtVittoria and Albert«, die den König Manuel nach England bringen soll, ist heute Abend hier eingetroffen. Der König wird sich morgen, wahrscheinlich in Begleiwng des Herzogs von Oporto, einschiffen. Gibraltar, 16. Ott. Eine ftrenge Ueberwachung des Palastes des Gouverneurs, wo der König und seine Fa­milie Wohnung genommen haben, wurde an­geordnet. Es heißt, die Truppen der Garnison würden in Bereitschaft gehalten. Der Grund für die Maßregel ist unbekannt.

** Die Lebensmittelteuerung in Frankreich. Paris, 15. Ott. D-r Ministerpräsident Briand hatte heute als interimistischer Ackerbauminister mit dem Direktor für Ackerbau eine Besprechung wegen der Lebensmittelteuerun.. Ministerpräsi­dent Briand bereitet einen Erlaß vor, der die Einfuhr amerikanischer Kartoffeln gestattet, aber lcdglich solcher, die zur Nahrung dienen, und unterzeichnete bereits den Erlaß wodurch die Einfuhr von Rindvieh aus Marokko gestattet wird. Bezüglich des Getreides bessert sich die Lage; die Preise fallen und die Ernte wird als gut bezeichnet.

♦♦ Zur Lage in Spanien. Madrid, 16. Oft. In der Kammer machte der Ministerpäsident dir Mitteilung von der antipatriotischen Pro­paganda, die in den Kasernen betrieben werde,