mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain
«nd den Beilagen: »Flach Feierabend" (wöchentliche Unterhaltungsbeilage) «nd.Landwirtschaftliche Beilage."
Dir „Oberhessische Zeit««" erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage. — Der Bezugspreis beträgt vierteljährlich durch die Post bezogen 2L5 JW. (ohne Bestellgeld), bei unseren Zeitungssteuen und der Expedition (Markt 21), 2L0 J£. (Für unverlangt »«gesandte Manuskripte übernimmt die Skedak- non keinerlei Verantwortung.)
Marburg
Sonntag, 16. Ottober 1910.
Die Zusertiousgebübr beträgt für Inserenten aus dem engeren Verbreitungsgebiet des Blattes für die Ta^-iltene Zeile oder deren man« 16 für auswärtige Inserate 20 4, str Reklamen 40 4. — Druck und Verlag: Ioh. Aug Koch, Universitäts-Buchdruckerei. Inhab-r Dr. L. S>it»er-h. Saarburg, Markt 21. — Tel""iion 55.
45. Jahrg.
Zweites Blatt.
Frankreichs Unterwühlung.
Parts, 11. Okt.
Gesamtausstand auf dem Nordbahnnetz! Das tst die Neuigkeit, mit der uns die heutigen .Morgenblätter überraschten. Seit Mitternacht hat auf allen Schienenwegen dieses weitverzweig- len Betriebes der Verkehr aufgehört, der hiesige Hauptbahnhof ist geschlossen und von Polizeimannschaften besetzt, alle Linien bis zur Küste und bis zur belgischen Grenze sind militärisch überwacht. Wir haben in diesem Ereignis immerhin nur einen Anfang vor uns, nur ein Vorspiel. Es wird noch schlimmer kommen. Den Kameraden von der Nordbahn schließen sich vielleicht schon heute die Subalternen und Arbeiter der verstaatlichten Westbahn an, und wenn der Streik einige Tage dauert, ist der Beitritt aller anderen zweifellos. Die Offiziösen trösten uns mit der Versicherung, die Regierung habe sofort alle erforderlichen Maßregeln ergriffen. Wer lacht da? Die Ausständigen. Sie haben vorausgesehen, welche Maßregeln die Regierung ergreifen könnte, und sie machen sich darüber lustig. Die Bahnbeamten, soweit sie der Reserve angehören, sämtlich zur Fahne einberufen, den Bahn- Ibetrieb, wie im Augenblick einer Mobilmachung, der HeeresverwalMng anvertrauen und damit gleichzeitig das Betriebspersonal unter die Kriegsartikel stellen, so daß jedes Dienstvergehen sofort als Meuterei geahndet würde, das ist das Schreckmittel, mit dem die Minister und Er- Anarchisten Brand, Viviani und Millerand ihre alten Gesinungsgenossen einzuschüchtern und zur Mannszucht anzuhalten versuchen. Von solchen drakonischen Maßregeln sprach man zuerst, als vor Jahresfrist die Postbeamten streikten und die Bahnbediensteten mit ihnen gemeinsam« Sache zu machen drohten. Die Rädelsführer der Bet- wegung ließen sich wirklich verblüffen. Seitdem haben sie nachgedacht und rechtskundige Belehrung erbeten. Heute also wiffen sie, daß die Militarisierung des Bahnbetriebes nur im Kriegsfälle, nur auf Grund eines allgemeinen Mobilisierungsbefehls zulässig ist, und daß solcher Befehl einen vorgängigen Beschluß beider Kammern voraussetzt. Die Kammern sind aber noch in den Ferien, die neue Session beginnt erst am 25. Ottober, die Wiederaufnahme der parlamentarischen Arbeit ist erst nach dem Allerseelentag zu erwarten, und dann — wird ja hoffentlich nicht der geringste Vorwand zu Mobilmachungs- beschlüsien gegeben sein. Folglich wäre die Maßregel, welche die Ofiziösen ankündigen, ungesetzlich und verfassungswidrig, und der Kriegsminister General Brun wird sich gewiß noch be- sinen, ehe er sie verfügt. Jedenfalls haben ihm die Bahnsubalternen in demselben Tagesord- nungsbeschluß. mit dem ihre Vertrauensmänner heute Nacht die unverzögerte Arbeitseinstellung anbefahlen, den Gehorsam verweigert. Sie erklären ruhig und besttmmt, jeder militärischen Einberufung passiven Widerstand entgegensetzen zu wollen. Was können die regierenden Er- Anarchisten dagegen ausrichten? Die Eisenbahner sind zahlreicher als die Gendarmen, und diese gegen jene aufbieten, hieße den Bürgerkrieg entfesseln, ohne die Ordming auf den Schienenwegen wiederherzustellen
Reiseerlebnisse in Portugal.
Wer in Portugal längere Zeit gelebt hat dem bot sich die beste Gelegenheit, die Verhältnisse dort kennen zu lernen. In der Annahme, daß gegenwärtig in unserer Stadt die Ereignisse in Lissabon mit brennendem Interesse verfolgt werden, will ich Weiteres über meine dortigen Erlebnisse mitteilen.
1. Land und Leute. Das Land ist reich an Naturschönheiten. Der Grund und Boden ist bei reeller Bewirtschaftung sehr ergiebig. Mais-, Getreide-, Obst- und Weinbau werden dott getrieben. Das Land könnte noch viel ertragsfähiger sein, wenn die Bewittschastung ratto- ncller betrieben würde Aber einmal fehlt dem Portugiesen Fleiß nach Unternehmungsgeist, dann verschlingen die hohen Ausfuhrzölle einen großen Teil des Verdienstes. Dazu kommt, daß der Staat Handel und Verkehr zu wenig unterstützt. In Horte ist ein wunderschöner Hafen. Unsere deutschen Schulschiffe benutzen ihn jedesmal auf der Heimreise von Amerika zum mehrtägigen Aufenthalt. Aber dieser schöne Hafen ist im Laufe der Jahre fast ganz versandet. Der Staat gewährt nicht die Mittel, um dm Hasen vor seinem Verfall zu retten.
In dem schönen, von der Natur so reich begünstigten Land lebt ein armes gedrücktes Volk. Die Leute sind wohl artig und zuvorkommend, I namentlich gegenüber den Fremden. Aber I Energie, Fleiß, Ordnungsliebe, Zucht, das sind 1
Wir haben also zur Stunde die Mmterei eines Teils der Reservisten. Auch das ist nur der Anfang. Die Rebellion der aktiven Soldateska dürste auch nicht mehr lange auf sich wartm lassen. Dafür sorgt die rastlose Propaganda derselben Demagoen, welche die Beamtenssyndikate ins Leben riefen, die Staats- und Gemeinde- dtener an die Arbeiterbörsen und in die Proletarierbewegung hineinlockten und seit Jahren auch diesen Eisenbahner-Ausstand vorberetteten. Die Gesellschaftsfeinde, die alles das ins Werk setzten, haben sich jeder Furcht entwöhnt. Unter dem Namen „Gesamtgewerkschaftsverband" — „Eonfederation Generale du Trivail", abgekürzt: C. G. T. — bilden sie die keineswegs geheime Nebenregierung, die ihre Armee in den Ber- bandsgenossen der verschiedenen Gewerke und chre Verwaltungsmaschine in den Arbeiterbörsen besitzt.
Minister und Parlament wagen gegen diesen Generalstab der Anarchisten nichts zu unternehmen, sondern sehen untätig zu, wi« er kaltblütig und verwegen dm „großen Abend" vorbereitet. Die Häuptlinge der „C. G. T." dünken sich erhaben über den Gesetzen des Bourgeoisstaates, weil sie tatsächlich ungestrast alles tun dürfen, was jedm anderen Franzosen ins Gefängnis bringen würde. Sie bedecken Tag und Nacht die Mauern in Paris und anderen großen Städten mit gedmcktcn Bekanntmachungen, in denen sie das Voll gegen die gesetzliche Gewalt aufreizm, besonders aber den Soldaten Rebellion und meuchlerische Beseitigung der Offiziere, ihrer „betreßten" Vorgesetzten, predigen, und für die sie grundsätzlich die dem Fiskus gebührende Plakatsteuer hinterziehen. Nicht einmal für die Unterschlagung der Stempelsteuer, geschweige denn für den aufrührerischen Inhalt ihrer Pro- ttamationen sind sie jemals zur Verantwortung gezogen worden! Eben in voriger Woche hielten die revolutionärm Gewerkverbände unter Leitung der „C. G. T." ihren Delegiertenlag in Toulouse. Ihre Berattmgen galten ganz besonders den „geknechteten Brüdern, denen die Barbarei der herrschenden Kasten die militärische „Livree" aufzwingt. Um dieser Sttaverei ein Ende zu machen, wurde eine verstärkte Agitation in der Armee beschlossen. Unter dem Namen „Soldaten-Sou" soll eine Kasse gegründet wer den, um revolutionäre Druckschriften eigens für das Volk in Waffen herauszugeben, und auch, um kasernenscheuen Rekruten die Flucht ins Ausland zu erreichtem. Das ist nichts Nmes in diesem Musterlande der Freiheit. Tie Begünstigimg der Desertion wurde schon seit Jahren von den Arbeiterbörsen aus systematisch betrieben Der Kongreß von Toulouse hat denn auch wirffamere Mittel zur revolutionären Verseuchung der Armee ersonnen. Hinfort sollen in allen Garnisonstädten seitens der Gewerkschaften Präsenz- listm behufs Ueberwachung ihrer dort unter der Fahne stehenden Genossen gefühtt werden, und letztere selbst sollen zu regelmäßigem Besuch der Arbeiterbörse verpflichtet sein. Man wird ihnen dort ihre Mitgliedskarte behändigen, und der Perbandssekretär wird dieselbe von Zeit zu Zeit revidieren und „legalisieren". Mit einem Wort, der anarchistische Gesamwerband geht damit um, die Armee der Republik seiner Kontrolle zu unterwerfen. Das kündigt noch schlimmere Meutereien an als die Dienstverweigemng der zur Reserve gehörigen Eisenbahner.
Eigenschaften, die der Portugiese nicht lernt. Es fehlt eben die Erziehung in Schule und Kirche. Portugal hat die meisten Analphabeten, zirka 80 Prozent. Die römisch katholische Kirch ist nicht in der Lage, das Volksleben mit wirklichen Lebenskräften zu erfüllen. Ja, sie ist sogar ängstlich darauf bedacht, die Leute in Unwissenheit und Gleichgültigkeit zu erhalten, weil ihr dadurch die äußere Herrschaft erleichtert Wird
2. O ess entlieh es Leben. In Portugal spielt sich, wie überhaupt im Süden, das Leben meist auf der Straße ab. Das ist ein Lärm und ein Gescheit in einer portugiesischen Stadt. Hier reitet ein Milchverkäufer auf seinem Esel einher, dort bietet ein Fischverkäufer laut feine Ware aus. Obstverkäuferinnen ziehen durch die Sttaßen und Zeitungsjungen treiben ihren Mutwillen mit der Sttaßenjugend. Wie sieht es nun in den Läden der Stadt aus? Fenster und Türen sind alle nach der Straßmsette geöffnet. Das ist bei dem heißen südlichen Klima ja wobl auch nötig. In den Läden sieht man ost ganze Gruppen von Menschen, aber nicht, um zu kaufen, sondem um Tagesneuigkeiten auszutauschen oder um politische Ereignisse zu besprechen. In letzterer Beziehung ist es besonders schlimm in den Barbierläden, die bisweilen geradezu belagert sind. Der Aufenthalt auf den Straßen ist namentlich im heißen Sommer oft unerttäglich. Menschengewühl, Sttaßenlärm und Sttaßenschmutz, das ist so etwa das Bild, das sich dem Beobachter bietet. Nachmittags sieht man «uf den Sffertt-
Zu den Kaffernrevolten in Südwestafrika, wird uns von einem auf das Genaueste rntt den Verhältnissen verttauten Südafrikaner geschrieben:
Ein Glück ist es, daß die weitere Inanspruchnahme des britisch-südafrikamgyen Arbeitermarktes für die Zukunft ausgeschlossen ist. Schon seit längerer Zeit hat die britisch-südafrikanische Presse, besonders die kapländische, auf die Ministerien eingewirkt, sie sollten der deutschen Arbeiteranwerbung in britischem Gebiete entgegentreten. Für den Augenblick ist das für uns freilich eine wirtschaftliche Störung. Aber die Verhältnisse werden uns zwingen, die Bahn einzufchlagen, die die einzig richtige in Südafrika ist: Weiße die Arbeit Schwarzer verrichten zu lassen. Daß das nicht nur möglich, sondern ebenso nützlich für den Unternehmer, wie für die Interessen des kolonisierenden Staates ist. sieht zwar die Allgemeinheit heute drüben noch nicht ein, aber die britisch-südafrikanischen Versuche können nur dazu ermuntern.
Die farbigen eingeborenen Bahnarbeiter erhielten monatlich 50 M und freie Verpflegung beim Bau der Südbahn, kapländische farbige Arbeiter 100 bis 150 M.. Und diese Summen wurden jedesmal nach Ablauf der Dienstperiode fast vollständig im englischen Gebiete an den Händler gebracht. Schon damals wurden die britischen Kaffern wie rohe Eier behandelt. Das hat sie übermütig gemacht. Denn im Englischen haben sie weit weniger Rechte und Freiheiten, als bei uns. Sogar Schnaps bekamen sie bis 1907 noch. Erst das neue Gesetz verbietet auch in Südwest den Verkauf von geistigen Getränken an Eingeborene, gleichviel welcher Herkunft. Unter den 300 Transkeikaffern, welche beim Umbau der Eisenbahn Karibib-Windhuk beschäftigt sind, mögen etliche dabei gewesen sein, welche mit den neuen Bestimmungen nicht vertraut waren. Diese werden gewiß als „schon Dagewesene", als Autoritäten bei den übrigen Stammes- und Rassengenossen angesehen worden sein. Die Weigerung des Hotelbesitzers, Schnaps an Farbige zu verkaufen, ist als ungefetzlich angesehen worden und da haben die systematisch in ihrer Heimat an die Verachtung der deutschen Macht gewöhnten Schwarzen, wie üblich, zur Selbsthilfe gegriffen.
Mit der äthiopischen Bewegung" und mit von englischen Interessenten geschickten Aufwieglern hat die Sache nichts zu tun. Daß die paar Soldaten, welche zur Stelle waren, gleich bei dem Sturme der Kaffern auf das Hotel einschritten und ein Dutzend der im Nu zu wilden Teufeln gewordenen Kaffern „umlegten", beweist Schneid und wird für die Folge heilsam wirken. Der Eingeborene kennt eben nicht den Begriff Milde, sondern nur Schwäche oder Stärke.
Die Maßnahmen der britischen Regierung Südafrikas bezüglich der Arbeiterwerbung haben mit dem an sich beklagenswerten Vorkommnisse in Karibik nichts zu tun.
Politische Umschau.
Der politische Massenstteik und die Gewerkschaften.
In Hagen in Westfalen ließ sich die dortige Ortsgruppe des Metallarbeiter-Verbandes von der Ee-
licken Plätzen viele Spaziergänger Die Bureaus sind geschlossen. Der portugiesische Beamte hat nun seinen freien Nachmittag. Den verbringt er müßig entweder draußen auf einem Stadlplatz, oder in einem der zahlreichen Klublokale. Denn ein Familienleben, wie wir Deutsche es kennen, ist dem Portugiesen unbekannt.
3. Familienleben. Die Familie ist die Grundlage des Staates. Von dem Wohl der Familie hängt das Wohl des Staates ab. Wenn die Verhältnisse in Portugal so Näglich sind, wenn der Staat schon lang: reif zur Revolution war, so liegt das wohl daran, weil eben das Familienleben in den südlichen Ländern vielfach zerrüttet ist. Der Portugiese lernt ja auch seine Frau erst dann wirttich kennen, wenn »t sich mit ihr verheiratet. Bis dahin leben beide Geschlechter streng von einander geschieden. Nach portugiesischer Anschauung erfordert es Sitte und Anstand, daß Brautleute nicht harmlos und ungezwungen mit einander verkehren. Später gehen Mann und Frau ihre eigenen Wege. Die Fran lebt zurückgezogen im Haus und der Mann geht seinem Beruf und seinen Vergnügungen nach. Natürlich leidet unter diesem wunderlichen Familienleben die Erziehung der Kinder. Die Mädchen werden fröter wieder tu strenger Abgeschlossenheit gehalten, während die Knaben in den Wegen des Vaters gehen.
In Horte auf den Azoren waren die meisten jungen Leute Müßiggänger. Die Jahre, in denen •ei uns der junge Mann sich auf einen LebenS-
nossin Rosa Luxemburg einen Vortrag über das Thema „Der politische Massenstreik und die Gewerkschaften" halten. Was die Referentin sagte, kann dabei weniger interessieren als die Aufnahme, welche sie mit ihren Ausführungen fand. Hierüber schreibt der „Vorwärts": „In längeren Ausführungen, ost von tosendem Beifall unterbrochen, besprach.....
die Genossin Luxemburg die Propagierung des Massenstreiks in unseren eigenen Reihen, das Verhalten der Gegner einer solchen Propagierung und betonte, daß gerade die Gewerkschaften bedacht sein müßten, sich mit der Idee des Massenstreiks mehr wie bisher zu beschäftigen." Am Schlüsse heißt es: „Waren schon bei dem Erscheine der Genossin Luxemburg im Saale begeisterte Hochrufe auf die Genossin ausgebracht, wurden oftmals die Ausführungen durch stürmische Zi-stimmungs- und Beifallskundgebungen unterbochen, so brach am Schlüsse des Vortrages die Versammlung in einen stürmischen Beifall aus, wie et wohl selten in ein ■ nierk- schaftsversamrnlung in Hagen zu verzeichnen gewesen ist."
Deutsches Reich.
— Dernburg, Ostafien und — Berlin. Der Herr Staatssekretär a. D. weilte, während in der „Berliner Handelsgesellschaft" der Thron seines alten Meisters und Vertrauten, Fürstenberg, ins Wackeln gekommen ist, im Lande der ^yryjanthemen und hielt, wie man jetzt aus dem „Berl. Tagebl." erfährt, den zwar kriegs-, aber nicht tinan^e..,geschulten Japanern Vorträge über Geschäftsusancen und die Wege, sich das Vertrauen der europäischen Geldwelt zu sichern. Danach scheint ni*t nur die glühende Sehnsucht, das Land der ausgehenden Sonne und seine lebenden und toten Reize kennen zu lernen, den Herrn Staatssekretär a. D. nach dem Osten gezogen zu haben, sondern vielleicht die Sehnsucht nach irgend einer neuen Betätigung. Auch in Tsingtau hat er chinesischen Eroßkaufleuten das Geschäft mit Berlin empfohlen. Aus diesen kurzen Nachrichten des „Berl. Tageblattes", das von Dernburgs Vater journalistisch bedient wird, darf man also wohl annehmen, daß der Herr Staatssekretär a. D. den Posten eines Gen: 'ldirektors der „Berliner Handelsgesellschaft" ambiert, wo er als nunmehrige Exzellenz eine gute Fi""r abgäbe.
— Die höheren Schulen in Preußen. Berlin, 10. Ott. Die Gesamtzahl der höheren Schulen in Preußen beläuft sich gegenwättig auf 719 gegen 556 im Jahre 1901. Von den jetz* bestehenden Anstalten sind 253 staatlich und 466 aichtstaatlich. Die Gesamtauswendungen für diese höheren Schulen betragen int lausenden Jahre 74 Mill. Mark. Hiervon werden gedeckt aus Einnahmen an Schulgeld und eigenem Vermöge» 36 Mill. Mark, mithin verbleibt ein Defizit von 38 Millionen, welches durch Zuschüsse gedeckt werden muß. Hieran sind beteiligt der Staat mit 14 Millionen und die Städte mit 24 Millionen. Dabei sind die Leistungen der Städte im letzten Jahrzehnt erheblich stärker angewachsm, als die des Staates, der im Jahre 1901 12 Millionen für die höheren Schulen aufwendete, während die Gemeinden 14 Millionen dafür verausaabten. Im letzten Winterfemester betrug d'e Zahl der
beruf vorbereitet, werden dort durch Nichtstun vergeudet. Daß diese jungen Portugiesen namentlich' bei uns Atisländern dadurch schweres Aergep- nis erregten, kümmette sie wenig. Sie konnten ja von dem Geldbeutel des Vaters lehen und später fanden sie wohl eine fogenamtte eine eure in der Stadt oder Staatsverwaltung.
Ich fasse zusammen: Ein Rückblick auf Land und Leute, auf das öffentliche Leben und auf das Familienleben belehrt uns, daß diefer Staat in feinem Lebensmark krank war. Dann ein König an der Spitze, der weder die Fähigkeit, noch di« Erfahrung und dm Willen hatte, fein Land vor dem Ruin zu retten.
. --*—
1910.
Sommer.
Der Sommer war nicht schön fürwahr, Es regnete unbändig;
Und nur, wenns rauh und stürmisch war, Dann war es auch beständig.
Herbst.
Wenn der Sommer arm an Sonne war.
Aber überreich an Regen,
Kommt ein Herbst, der sonnig, warm und klar. Jedem nm so mehr gelegen.
Und ein solcher Herbst scheint «ns beschert, Froh schlagt ihm das Herz entgegen;
Hoffen wir, daß er noch lange wahrt Und uns Allen wird zum Gegen!
-ermann Haase-Gelnhausen.