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*nb den Beilagen: .Jach Feierabend" (wöchentliche Unterhaltungsbeilage) und Landwirtschaftliche Beilage."

J2 243

DieOberhessische Zeitung" erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage. Der Bezugspreis beträgt viertel­jährlich durch die Post bezogen 2,25 <M. (ohne Bestellgeld), bei unseren Zeitungsstellen und der Ervedition (Markt 21), 2.00 JL (Für unverlangt zugesandte Manuskripte übernimmt di« Redak­tion keinerlei Verantwortung.)

Marburg

Sonntag, 16. Oktober 1910.

Die Znsertionsgebübr beträgt für Inserenten aus dem engeren Verbreitungsgebiet des Blattes für die 7ge'»altene Zeile oder deren Siouiii 15 fflt auswärtige Inserate 20 L, für Reklamen 40 4. Druck und Verlag: Joh. Aug. Koch, Universttäts-Buchdruckerei. Inhaber Dr. E. .^ttzeroih. Wtarburg, Markt 21. Tefonfinn 55.

45. Jahrg.

Erstes Blatt.

Die heutige Nummer umfaßt 3 Blätter.

Zur Jubelfeier der Alma Mater der Armee.

Noch wehen, von goldenen Sonnenstrahlen mnflutet, die Wahrzeichen preußischer und deut­scher Macht von staatlichen, städtischen und pri­vaten Häusern der Reichshauptstadt, die das Fest des hundertjährigen Bestehens der Alma Mater Berolinensis feierte. Da hebt ein anderes Fest an. Am 15. Oktober jährt sich zum hundertsten Male der Tag, da dieHochschule für Kriegs­wissenschaften" ihre Tore öffnete.

Das stolze Preußen lag gedemütigt im Staube. Fremder Krieger Füße zerstampften erbarmungs­los die Saat, die fleißige Deutsche gestreut. Die Fahnen der stolzen Regimenter aus friederiziani- scher Zeit neigten sich vor dem großen Korsen. Die deutschen Fürsten mutzten sich demütigen mit ihren Völkern vor dem ruhmgierigen Empor­kömmlinge, der es wagte, den greisen Herzog von Brannschweig mit den Worten in den Bann zu tun: Que monsieur de Brunswick sen aille au delä. des mers! Partout mes troupes le trouveront, il sera prisonnier et executä!

Aber, was Preußen und Deutschland an äußerer Macht verloren hatten, das hatten sie an innerer Einheit und moralischer Spannkraft ge­wonnen. Und aus dieser gewaltigen Spannkraft schuf zur Zeit tiefster Demütigung der der Hälfte seiner politischen Macht beraubte Preußenkönig Friedrich Wilhelm III. die Berliner Universität und gleichzeitig dieAllgemeine Kriegsschule"

Sie hatte schon Vorläufer gehabt. Das war die acad^mie militaire, eine Schöpfung Fried­richs des Großen, dann die 1791 gestiftet Ar­tillerieakademie, die Potsdamer Jngenicur- akademie und die unter Scharnhorsts Leitung geständeAkademie für junge Offiziere". Keine dieser Anstalten genügte den Erfordernissen. Scharnhorst selbst hatte den Satz aufgestellt, daß die Erziehung der Offiziere auf der Ausbildung des Verstandes beruhe, die notwendigerweise leiden müsse, wenn sie in der Jugend nur als Gedächinissache betrieben werde". Und an ein Racbbolen in späterer Zeit sei nicht zu denk-n. So schlug Scharnhorst die Dreiteilung vor: Aw stalten für Kadetten, für schon im Dienst befind­liche Unteroffiziere, Junker und Portepee: fäbnriche, und für junge Offiziere zur Er­langung angewandter Militärischer Kenntnisse, also Kadettenanstalten, Kriegsschulen und die Krieashochschule, die spätere Kriegsakademie.

Vor wenigen Tagen haben wir die feiern hören, welche die Universität verließen, um draußen im Kampfe um Preußens Ehre den Heldentod zu sterben. Wir haben uns berufenem Munde vernommen, welchen Anteil die akade­mische Jugend an dem Freiheitskampfe genom­men wie sogar gebrechliche Profesioren die Feder mit der schweren Sieinschloßflinte ver­tauschten als der König rief. Wieviel mehr traf das auf dieAllgemeine Kriegsschule" zu!

Am Schlüsse des ersten Lehrjahres erstattete Scharnborst Bericht über die Kriegsakademie an den König.Der Andrang der Offiziere war größer, als man anzunehmen berechtigt war" hieß es da. Das zweite Studienjahr war an­gebrochen Die wissenschaftliche Betätigung litt nirgends mehr als bei den jungen Offizieren, die von der allgemeinen Begeisterung, das stemde Joch abzuschütteln, naturgemäß noch stärker erfaßt waren, als alle andern Berufs­stände.Nie wohl" schreibt Professor b. Scharfenort in seinem klassischen Werke über die Kriegsakademie (Verlag von Mittler u. Sohn, Berlin) sind im Krfise junger Männer toll­kühnere Pläne gefaßt worden, als in diesem Jabre, wo Preußen von Allen verlassen rettungs­los der Vernichtung preisgegeben schien und wir wissen es heute rettungslos preisgegeben war wenn der König dem Drängen der Kriegs­partei, an deren Spitze ein Scharnhorst und ein Clausewitz standen, nachgegeben hätte. Wie konn­ten junge Offiziere dieser Bewegung fern blei­ben die Besonnene mit sich fortritz? Am 24. März 1812 wurden die Tore der Akademie zeitweilig wieder geschlossen. Die Offiziere tra­ten zn ihren Regimentern zurück, und erst im Herbst 1814 begann die Arbeit von Neuem, die sich immer weiter entwickelte. Der Einflutz der Allgemeinen Kriegsschule", die 1854 den Namen Kriegsakademie" erhielt, tritt am deutlichsten in die Erscheinung beim Klange der Namen wie Clausewitz, Roon, Fransecktz, Waldersee, Kirch- hach, Bonsort von Schellendorf. Sie Alle waren Ochulmeiste, an der Akademie, der wir nicht zum

wenigsten die glänzenden Taten des Heeres ver­danken, die unser Reich groß und stark gemacht haben. Taktik, Kriegsgeschichte, Geschichte der Kriegskunst, Generalstabsgeschichte, Waffenlehre, Bcfestigungskunst und Festungskrieg, Gelände­lehre und Aufnahmen, Geodäsie, Militärgeo­graphie, Verkehrsmittel, Staats- und Militär­verwaltung, Militärrecht, Seekriegslehrc, Mili­tärgesundheitspflege, Mathematik, Astronomische Ortsbestimmungen, Allgemeine Geographie, Physikalische Geographie, Physik, Eher.ie, Allg Literaturgeschichte, Logik, Geschichte der Philo­sophie, Französisch, Russisch, Englisch, Polnisch, Japanisch und Reiten wahrlich eine Fülle von Lehrgegenständen, die zeigen, was von den zukünftigen Generalstabsoffizieren verlangt wird.

Viel ist in dem nun verflossenen Jahrhundert in rastloser Bildungsarbeit errungen worden. Aber Stillstand gibt es nicht. Auch die Kriegs­akademie wird eine Jubiläumsgabe erhalten. Wie der Alma Mater Berolinensis Forschungs­institute angegliedert werden sollen, so der Alma Mater unseres stolzen Heeres ein eigener Lehr­körper für die kriegswiflenschastlichen Diszip­linen. Mag im neuen Jahrhundert die Hoch­schule unserer Offiziere in noch erhöhtem Maße für die gesamte Armee werden, was sie bislang war, ein Jungbrunnen für Kriegstüchtigkeit und Schlagkraft unserer Wehrmacht, unter berent Schutze sich Handel und Wa.del weiter ent­wickeln können zum Heile des gesamten deuffchen Volkes!

Ter Eisenbahnerstreik in Frankreich.

Paris, 14. Ott.

Nach den heute vorliegenden Meldungen scheint der Generalstreik vor dem Scheitern zu stehen. Die Solidarität der Eisenbahner ist in Wirklichkeit sehr lose. Dafür häufen sich aber die Meldungen von Sabotageakten. Die Stimmung im Ministerium ist heute mittag sehr zuversicht­lich geworden. Dieser Optimismus gründet sich haupffächlich auf Nachrichten aus allen wichtigen Provinzstädten, weil die von der Pariser Arbeitsbörse ausgegangenen Befehle den Ver­hältnissen der Pronvinzarbeiter wenig Rechnung tragen und demzufolge entweder nur sehr lau durchgeführt werden oder ganz unberücksichtigt bleiben, namentlich ist es die Anordnung des Pariser Zentralkomitees, der von den Eisen- bahuem jeder mögliche Widerstand entgegenge­setzt wird. Nach bei; heute mittag eingetroffenen Depeschen ist die Zahl bet Militärdienstver­weigerer in den französischen Depattements sehr gering Viele von denen, die sich gestern noch sehr ttotzig gebärdeten, haben sich gestellt, weil ihnen bekannt wurde, daß die Gendarmerie be­rechtigt ist, jeden einberufenen Reservisten in vorläufige Haft zu nehmen. Der Elettrikerkönig Pataud, welcher verhaftet werden sollte, war heute unauffindbar.

Weiter wird gemeldet:

Im Ministerrat gab der Ministerpräsident Briand eine Darlegung bet Maßregeln, die zur Sicherstellung der Lebensmittelversorgung ge- ttofsen worden sind und wies darauf hin, daß die fortschreitende Abspannung deutlich bemerk­bar sei. Der Minister der öffentlichen Arbeiten teilte mit, daß der Paflagierverkehr der Nord­bahn heute doppelt so stark sei wie gestern Abend; zahlreiche Züge mit Lebensmitteln träfen am Nordbahnhof ein. Am Vormittag hätten in Pans nur acht Prozent des Personals im Dienst gefehlt. Der Verkehr auf der staat­lichen Westbahn erhole sich schnell. Briand erhielt im Verlauf der Sitzung ein Schreiben des Aus­standskomitees. Es wird darin um Antwott auf ein Schreiben ersucht, das von dem Komitee an den Minister des Innern gerichtet worden War, um ihm mitzuteilen, daß das Komitee ihm und ben Eisenbahngesellschaften zu einer allge­meinen Besprechung zur Verfügung stände. Der Ministerrat enffchied sich dafür, in seiner Ant­wort den schon vor dem Ausstande gefaßten Be­schluß zu bestätigen, der dahin ging, den ver­schiedenen Eisenbahngesellschasten die Beschwev- ben der Angestellten mitzuteilen, den Angestell­ten di« Antwort zu übermitteln und die Ein- ro nbtntgen der Interessierten in Empfang zu neßmen um zu einer Lösung zu gelangen. Die Lage bessert sich weiter erheblich. In Patts und fit der Provinz nahmen zahlreiche Ange­stellte die Arbeit wieder auf. Im Laufe des Vormittags gingen vom Nordbochnhofe auf den Hauptlinien 18 Züge ab. Einige 30 Züge, die auf den Hauptstrecken der staatlichen Westbahn entliefen, gingen von hier wieder aus. Auf die­sem Netz ist der Vorottsverkehr zum größten Telle wieder hergestellt. Der Vettehr der Unter­grundbahn ist Wetter normal. Heute morgen wurde in der Avenue Kleber eine Bombe gefun­den und nach dem chemischen Laboratorium ge­schafft. Das Kommst« der vereinigten Bau-

I arbetter-Snydikate entschied sich heute Vormittag für den allgemeinen Ausstand. Die Versamm­lung bet Arbeitet bet elektrischen Industrie stimmte für die Fottsetzung des Ausstandes. Im Verlaufe bet Versammlung teilte ein Redner mit, daß Pataud sich in Sicherheit befinde Ein Haftbefehl sei gegen ihn' erlassen; er würde sich nach Beendigung des Ausstandes bet Behörde stellen. Auf den Linien der Südbahn sind heute zahlreiche Angestellte bei.; Dienst fernge­blieben. In Toulouse stnb alle Güterzüge aus­gefallen. In ben anderen Städten des Südbahn­netzes macht sich der Streik noch nicht fühlbar.

Wie dieLuxemburger Zeitung" meldet, hat die Direktion der Prince Henry-Bahn heute von der französischen Ostbahn die Mitteilung er­halten, keine Güter für ihre Bahn mehr anzu­nehmen. Die Gesellschaft hat die Ordre der Generaldirektion nach Straßburg wettergegeben. Heute Morgen traf in Luxemburg, von Basel kommend, der sogenannte Malles des Jndes-Zug ein, der wegen des Eisrnbahnefftreiks in Frank­reich über Luxemburg nach Ostende-London ge­leitet wird. Ueberhaupt hat in letzter Zeit bet Verkehr zwischen London, der Schweiz und Italien und umgekehtt über Ostend--Luxemburg und Basel stark zugenommen. Im Minister- rat teilte der Minister Milerand mit, die zum Militärdienst einberufenen Eisenbahner müßten dem Befehle bei Vermeidung von Gefängnis­strafe unverzüglich Folge leisten. Die Reknv- tierungsbureau's hätten heute die Gestellungs­order für die Eisenbahner hestättgt Auf der Südbahn, so wird aus Bordeaux gemeldet, leistete nut ein Teil der Arbeiter dem gestrigen Beschlüsse, in den Ausstand zu treten, Folge. Für die Ausständigen wurde Ersatz geschafft. Die Lokomottvführer und Heizer sind zum Dienst er­schienen, der sich in der gewohnten Weise ab­wickelt Verschiedene Akte von Sabotage wur­den Abends aus der Provinz gemeldet. In Maifon Mfott wurden sechs Signaldrähte zer­schnitten. Bon 5 elektrischen Stationen die Patts versorgen befindet sich nur 2 ttn Ausstande. Im ersten die am linken Ufer der Seine liegt, lösch­ten die Streikenden die Feuer aus. Genie- soldaten werden den Betrieb in der Nacht wie­der in Stand setzen; die zweite streikende Station auf dem Platze Chlichy die ihren Sttom von Asnieres empfängt. Rach Asnieres wurden Ge­nietruppen abgeschickt, der Betrieb wird am Morgen wieder ausgenommen Es fhtb An­zeichen vorhanden für eine lebhafte Agitation unter anarchistischen Elementen. Zahlreiche Re­volver und Totschläger wurden gekauft; man spricht von einem neuen Fort Chabrol, in dem von der Polizei gesuchte Elemente sich der be­hördlichen Verfolgung entziehen wollen. In diesem Fall würden die schräfften Gegenmaß­regeln ergriffen. Die in bet Avenue Kleber heute Morgen aufgefundene Bombe enthielt 300 Gramm Cheddit, eine dynamitähnliche Substanz. Heute vormittag wurden bei vier Redakteuren derGurrte Sociale" Haussuchungen vorge­nommen. Von der Regierung wurden umfang­reiche militätische und polizeiliche Maßnahmen getroffen, um zu verhindern, daß die große für heute Abend angekündigte Verfammlung durch ein Eingreifen anarchistischer Elemente zu Un­ruhen und Gewalttätigkeiten fühtt.

Deutsches Reich.

Rückreise des Königs von Sachsen. Braun­schweig, 14. Ott. Der König von Sachsen begab sich heute nachmittag 2 Uhr in Begleitung des Herzog­regenten zum Bahnhofe, um die Rückreise nach Dres­den anzutreten.

Personaländerungen. Berlin, 14. Ott. Das Militärwochenblatt" meldet: v. Usedom, General­leutnant ä la suite, Zeughauskammandant in Berlin, wurde in Genehmigung seines Gesuchs mit Ende Ja­nuar 1911 mit Pension in den Ruhestand versetzt und bis dahin beurlaubt, v. Neulann-Cosel, Major, Flügeladjutant des Kaisers und Königs, wurde zur Vertretung des beurlaubten Kommandanten des Zeughauses in Berlin kommandiert.

Keine Reichstagskandidatur Dernburg. Ber­lin, 14. Okt. DieKöln. Ztg." meldet aus Schang­hai, daß der frühere Staatssekretär Dernburg ent­schieden erklärt habe, er beabsichtige zur Zeit nicht, sich aktiv an der deutschen Politik zu beteiligen.

Die Jahrhundertfeier bet Kriegsakademie. Berlin, 14. Okt. Die Jahrhundertfeier der Kriegs­akademie wurde heute abend durch ein kameradschaft­liches Zusammensein in den Räumen der Akademie eingeleitet. Das Gebäude ist reich geschmückt. Ehren­posten in historischen Uniformen von 1807 hielten Wache. Es versammelten sich neben Offizieren, Leh­rern und Beamten der Akademie zahlreiche frühere 1 Angehörige derselben. Eine Reihe von Aufführungen, I bargestellt und verfaßt von Offizieren der Akademie, I

zeigten ernstes und heiteres aus der Geschichte bet Akademie.

Tod in ben Kolonien. Berlin, 14. Oktober. Beim Kentern eines Bootes des Kanonenbootes Panther" sind in Kamerun erttunken die Obermaschinistenmaate Ehrenberg und Renner, die Maschinistenmaate Müllet und Franke, Wacht­meistermaat Zimmermann und Matrose Wilde.

Tagung des Deutschen Schulschiffvereins. Stutt­gart, 14. Okt. Die Mitgliederversammlung des Deut­schen Schulschiffvereins wurde heute Vormittag im Landesgewerbemuseum durch den Eroßherzog von Oldenburg eröffnet. Der König war mit ben Mit­gliedern des Königlichen Hauses erschienen. In der Versammlung bemerkte man weiter die Minister, hohe Offiziere, Mitglieder der Hofgesellschaft und Kammerpräsident von Payer. Der Eroßherzog be­grüßte insbesondere den König sowie die Vertreter des Reichs, der Hansestädte und der württembergi- schen Regierung und gab die Namen des Vorstandes der wütttembergischen Landesvereinigung . bekannt. Sodann teilte der Großherzog mit, daß der Kaiser dem Verein durch das Kabinett die besten Grüße und Wünsche habe aussprechen lassen und schlug die Ab« scndung nachstehenden Huldigungstelegramms vor: !*r Seine Majestät dem Kaiser, Berlin. Ew. Majestät bitte ich von der unter dem Ehrenoorsitze des Königs von Mütttemberg und in Anwesenheit der Prinzen des Königlichen Hauses tagenden Mitgliederver­sammlung des Deutschen Schulschiffvereins huldigen­den Gruß und die Versicherung entgegen zu nehmen, daß der Deutsche Schulschiffverein in der klaren Er­kenntnis der zum Besten von Deutschlands Kriegs­und Handelsflotte ihm auferlegten Aufgaben fort- fahren wird, Kraft und Arbeit einzusetzen. Hierbei wird Ew. Majestätgnädig und sachkundig für die Ent­wickelung unseres Vereins und seiner Bestrebungen dem Kurse unseres Vereinsschifes allezeit die Rich­tung weisen. Ew. Mas. Wohlwollen uns zu erhalten, wird die Hoffnung und das Ziel unserer Arbeit fein, gez. Friedrich August. Weitere Ansprachen hielten Vizeadmiral Winkler als Vertreter des Reichskanz­lers und des Staatssekretärs des Reichsmarine-Amts, Freiherr v. Gemmingen für die württembergische Landesvereinigung. Der Jahresbericht wurde von Professor Dr. Schilling, der Finanzbericht von Kom­merzienrat Max von Guilleaume erstattet. Geheimer Hofrat Professor Dr. Otto Günther hielt darauf einen Vortrag über die Ausgaben des Deutschen Schulschiff­vereins, sowie über die Bedeutung der Handelsma­rine für Handel und Jndusttte Süddeutschlands ins­besondere Württembergs. DerStaatsanzeiger" schreibt: Der König hat dem ersten geschäftsführenden Vorsitzenden des Deutschen Schulschiffvereins Kom­merzienrat v. Guilleaume in Köln das Ehrenkreuz des Ordens der wütttembergischen Krone und den gleichen Orden dem zweiten geschäftsführenden Vor­sitzenden dieses Vereins, Professor Dr. phil. Schilling in Bremen verliehen, ferner dey^ Reeder S. E. Bramslow in Hamburg das Ritterkreuz 1. Klasse des Friedttchsordens.

Zu ben Unruhen der Koffern. Berlin, 14. Ott. Aus Deutsch-Südwestafttka meldet ein telegraphischer Bericht des stellvertretenden Gouverneurs, daß der bedauerliche Zusammenstoß von Soldaten und Trans- keikaffern durch das aufsässige Verhalten der letzteren gegen die Bahnbauleitung veranlaßt wurde. Die An­gestellten baten die in der Nähe befindlichen Trupp« um Unterstützung, worauf die Koffern, mit Keulen und Messer bewaffnet, sich zusammenrotteten und die öffentliche Sicherheit bedrohten. Infolgedessen war das Einschreiten der Truppe nötig; diese machte erst von den Waffen Gebrauch, als die Koffern zum An­griff übergingen. Vierzehn Koffern find tot, die Ver­wundeten befinden sich in guter Fürsorge.

Ausland.

** Der Kronprinz von Serbien erkrankt. Belgrad, 14. Ott. Der Kronprinz Alexander ist erkrantt. Die Aerzte hghen nach mehrtägiger Beobachtung Symptome von Typhus festgestellt. Ein Wiener Spezialarzt wurde telegraphisch nach Belgrad berufen.

** Die Republik Portugal. Bern, 14. Okt. Gegenüber der Lissaboner Meldung, daß die Schweiz die Republik anerkannt habe, wird fest, gestellt: Die Rote der provisorischen Regierung von Portugal enthielt kein Begehren um Aner­kennung der Republik. Der fchweizettsche Bundes­rat ist daher bis jetzt noch nicht in der Lage ge­wesen, sich über die Anerkennung der neuen por­tugiesischen Staatsreform auszusprechen Lissabon, 14. Ott. Dem Vertreter des englische« Gesandten ist das persönliche Eigentum des ftfc nigs Manuel ausgehändigt worden. Die nächste« Wahle« erfolge« «ach dem allgemeine« Stimmp recht.