mnd den Beilagen: „Nach Feierabend" (wöchentliche Unterhaltungsbeuage) und Landwirtschaftliche BeUage."
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Die „Oberhessijche 3eituwg* erscheint täglich mit $lusnnnre der Sonn» und Feiertage. — Der Bezugspreis beträgt vierteljährlich durch die Post bezogen 2,25 J( lohne Bestellgeld), bei unseren Zeitungsstellen und der Ervedition (Markt 21). 2.00 JL (Für unverlangt zugesandte Manuskripte übernimmt die Redaktion keinerlei Verantwortung.)
Marburg
Sonntag, 16. Oktober 1910.
Die JnsertionsgebShr beträgt für Inserenten aus dem engeren BerbreitMgsgebiet des Blattes für die 7o^""ltene Zeile oder deren «aum 15 A, fflt auswärtige Inserate 20 L, für Reklamen 46 4. — Druck und Verlag: Joh. Slug. Koch, Unlversitöts-Buchdrnckerel. iinbob->r Dr. C. ^it-erorb. lstknrbvrg, Markt 2t. — Teleag^n 55.
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45. Jahrg.
Drittes Blatt.
Des Hauses Braqimza Glück und Gude.
Geschichtliche Skizze von Dr. Hans Hasselkamp.
In diesen Oktobertagen sind fast auf den Tag 270 Jahre darüber verflossen, daß eine Anzahl portugiesischer Edelleute dem Herzoge Johann Aon Braganza, Portugals Königskrone an- trugen. Der Herzog war ein ruhiger, mißtrauischer und bequemer Herr, der die Jagd und die Unterhaltungen mehr liebte, als kriegerische Unternehmungen und kühne Wagnisse. Unsicher und schwankend suchte er in der wichtigen, ihm vorliegenden Sache um Rat, und wandte sich charaltcristischerweise damit an eine recht subalterne Persönlichkeit, seinen Privatsekretär, dessen Namen die Geschichte kaum aufbewahrt hat. Aber was der Sekretär seinem Herrn sagte, zeugt davon, daß er ein Mann von Feinheit gewesen sein muß. - „Was würde der Herr Herzog tun so fragte er den Braganza), wenn Porwgal sich als Republik konstituiert?" „Du weißt es Wohl", so versetzte der Herzog; „ich würde mich der Entscheidung des Landes unterwerfen und alle Gefahren mit ihm teilen." „Dann gibt es keinen Zweifel mehr; der Herr Herzog wird, wenn er doch bereit ist, als Untertan einer Re!- publik jede Gefahr zu teilen, mehr Ruhm darin finden, das Land als fein König zu führen." So sprach der Sekretär Antonio Pacs, nicht ohne auf Johann Braganza Eindruck zu machen. Aber er wollte noch eine andere Stimme hören: die feiner Gattin. Und die sagte ihm: „Besser im Besitze der Herrschaft zu sterben, als dienend zu leben; und was mich angeht, so will ich lieber eine Stunde Königin, als mein ganzes Leben Herzogin sein." Dies stolze Wort der Herzogin entschied und Johann Braganza nahm den Antrag der portugiesischen Edlen an.
Damals seufzte Portugal unter Spaniens Herrschaft, die das alte etnhetmiche Königtum der Herren von Burgund abgelöst hatte. Teuer war dem Lande die Fremdherrschaft zu stehen gekommen: es war verarmt, beraubt, von Steuern erdrückt, militärisch geknebelt, von Spaniern regiert und bewacht. Die Waffen waren außer Landes gebracht, die Festungen in spanische Hände gegeben worden. Nur einen einzigen im ganzen Lande Portugal fiirchtete der König in Madrid noch, und das war der Herzog von Braganza. Denn der Braganza besaß etwa den dritten Teil des ganzen Landes, er war hochangesehen und beim Volke beliebt, und er hatte unleugbare Ansprüche auf die Krone, weil sein Haus durch einen illegetimen Königssprotz von der alten Königsfamilie abstammte. Als der letzte dieses Hauses, Dom Henrique, gestorben war, hatten die Braganza denn auch auf den Thron Anspruch erhoben, jedoch ohne Erfolg zu haben. Das kühne Zugreifen Philipps II. von Spanien setzte damals die Braganza außer Spiel. Aber der Sohn des
Bor 40 Jabren.
Kriegserlebnifle geschildert vom ehemaligen Füsilier der 10. Komp, des 83. Hess. Infanterie- Regiments Ehr. Schneider aus Dainrode, jetzt Gerichtsbeamter in Dortmund.
t Fortsetzung.)
Die nächsten Tage brachten uns außer Kreuz- und Quennärschen nichts Neues. Am 30. November erhielten wir zum vierten Male Ersatz und zwar diesmal vom 34. Regiment. Damit waren wir wieder vollzählig, auch ein neuer Major, von Lengerke, kommandierte jetzt das Bataillon. Seit dem 10. Oktober, dem Tage der Verwundung unseres Herrn Majors von Möge, waren wir nämlich ohne Major gewesen. Der Herr Major von Möge mußte wegen seiner Blessur, in Orleans zurückbleiben und geriet am 9. November bei der Räumung von Orleans durch die Bayern in Gefangenschaft.
In der Nacht vom 1. auf den 2. Dezember nahmen wir in dem an einer Chaussee liegenden Städtchen Toury Quartiere. „Quartiere" sage ich. Es waren verlassene Häuser, in denen Kavallertsten der 4. Kavallerie-Division fett 4 Wochen gehaust hatten. Die Räume zu ebener jgrbe hatten Mann und Pferd beherbergt. Fenster und Türen gab es nicht mehr, diese Karen wegen Mangel cm Holz verbrannt worden.
6. Die Schlacht bei Orleans.
Schwerverwundet.
Am
. Morgen des 2. Dezember ließ uns der perr Major bei Tagesgrauen antreten. Das psettet war klar, es hatte gefroren und der pegnee lag etwa eine Hand hoch. Wir marschieren eine für e Strecke, btz uns das Gelände links
Herzogs, der im Wettbewerbe mit Philipp II. Unglück gehabt hatte, Theodosia von Braganza hielt die Ansprüche seines Hauses mit Feuer fest Er tröstete sich nie über den Verlust des Thrones, er unternahm verschiedene Versuche, ihn zu erlangen, und als sie alle mißglückten, versank er in Gram und Geistesstörung. Noch mit verdüstertem Geiste träumte er nur von Waffen und Schlachten, und als der Arme zum Sterben kam. heischte er mit feinen Dienern, mit königlichen Ehren begraben zu werden, was sie denn auch taten. Der Sohn dieses Tbeodosio war Herzog Johann, dem Portugals Edelleutc 1640 die Krone anboten, um des spanischen Joches ledig zu werden. Des Vaters Haß gegen Spanien hatte Johann wohl geerbt, seinen leidenschaftlichen Tatendrang aber nicht. Doch die Verhältnisse zwangen ihn beinahe, die Hand nach der Krone auszustrecken, denn er mußte inne werden, daß der Spanier sich redliche Mühe gab, feiner bedeutungsvollen Person sich zu versichern. Man ernannte ihn zum Oberaufseher der Flotte, damit er bei der Besichtigung eines Schiffes in aller Heimlichkeit entführt und nach Spanien verbracht werde — aber ein Sturm zerstreute die Flotte. Man übertrug ihm die Inspektion der Festungen, um ihn dabei gelegentlich festzunehmen, — allein der Braganza, mißtrauisch, wie er war, erschien immer nur mit stattlichstem Gefolge. Und so, seines Lebens nicht sicher, vom Adel gedrängt, von der hochsinnigen Gattin angespornt, nahm er endlich den Antrag der Verschwörer an.
Es war am 1. Dezember 1640. als zu Lissabon sich die 40 verschworenen Fidalgos zusanv- menfanben. Einer von dem versammelten Gefolge wollte wissen, was denn zu unternehmen wäre. Ihm warb die Antwort: „Eine Kleinigkeit; einen König entfernen und einen anderen einsetzen." Die Verschwörung gelang vortrefflich. Den verhaßten spanischen Statthalter fand man in einem Papierschranke verborgen, feuerte auf ihn und stürzte ihn noch halb lebendig durch das Fenster in den Schloßhof hinab, wo ihm das versammelte Volk grausam den Rest gab. Wenige Tage später zog der Braganza jubelnd empfangen in die Tejo-Stadt ein. und am 15. Dezember wurde er auf einer glänzend ausgestatteten Bühne, die auf dem Platze vor dem königlichen Palaste zu Lissabon aufgerichtet war, feierlich atff den Thron der alten portugiesischen Könige gesetzt. Er war mit allen Insignien der portugiesischen Herrscher geschmückt, und nach den angemessenen Feierlichkeiten und Formalitäten entrollte der Alseres mor die Fahne Portugals und rief dreimal: „Real por El Rey Dom Joao 0 Quarto Rev de Portugal". So beftieg Johann IV. von Braganza Portugals Thron, so begann das Glück der Braganza.
Wirklich ließ sich unter diesem ersten Fürsten aus dem Hause Braganza vieles gut an. Portugal behauptete feine Selbständigkeit gegen Spanien, und wenngleich es in Indien viel verlor, so konnte Dom Joao doch Brasilien von den Holländern zurückerobern. Er war im ganzen
und großen ein guter Regent; und wenn er auch, wie noch viele seines Hauses später, eine starke Schwäche für das schwache GeMecht hatte, so war er doch klug genug, sie bei schönen Untertaninnen aus dem Volke zu beliebigen. So vermied er es, sich eine Favoritin großzuziehen, deren Macht Anstoß erregt hätte. Er hatte einen hochbegabten und vielversprechenden Sohn, der den Namen seines Großvaters Theodosio trug, abc ein unseliges Geschick brachte diesen begab« t ■’ Jüngling vor der Zeit weg, und fo kam Ai uS seines Namens der VI., auf den Thron, eia 13jähriger Knabe, dessen Erziehung völlig vernachlässigt worden war, dessen Lieblingsumgang Gassenjungen bildeten, und der als König es liebte, mit Raufbolden nächtlich durch die Straßen zu lärmen und bedenklichen Häusern seinen hoben Besuch abzustatten. Völlig für sehnen Beruf ungeeignet, war Alfons zugleich doch leidenschaftlich, empfindlich und hochfahrend, und so gestaltete sich seine Regierung zu einer völligen Tragödie Einen Günstling niederen Standes, einen italienischen Kaufmann namens Conti, mußte man von seiner Seite reißen. Der Graf von Castello-Melhor, der schließlich für den König mit Weisheit die Regierung führte, glaubte ihn auf bessere Weg? zu führen, indem er ihn verheiratete. Aber Maria Franziska von Nemours, die den Thron Porttigals bestieg, sollte vielmehr das Werkzeug seines Sturzes und des Dom Alfonsos werden. Sie verlangte Anteil an der Regierung, sie drängte den Grafen aus dem Amte, und schließlich, des unberechenbaren und unerträglichen Gatten müde, flüchtete sie in ein Kloster und forderte Heimkehr nach Frankreich. Da kam die Revolutton zum Ausbruche. Der König wird zur Abdankung gezwungen. fein Bruder, der Jnsaut Dom Pedro an feine Stelle eingesetzt und mit des
Papstes wird die Ehe Alfonsos geschieden, und der neue König heiratet seine bisherige Schwägerin. Der arme Alfons wurde gefangen gesetzt und starb später in der Gefangenschaft. Als ihm die Krone vom Haupte genommen war, ließ er feinem Bruder lagen, er bäte Dorn Joao, der Hüter feiner Jagdhunde, möge kommen und ibm Gesellschaft leisten. Als er diese Botschaft vernahm, stiegen dem neuen König die Tränen in die Augen.
Dieser zweite Pedro war übrigens, ohne hervorragend zu fein, ein tüchtiger Regent, und seine Gestalt gebärt zu denen dieses Königshauses. über die die Geschichte wohl mit das günstigste Urteil fällt. Sein Sohn und Nachfolger Johann war vielleicht der interessantere Charakter, aber während Pedro II. ausgeglichen, mäßig und verständig gewesen war, so war Johann V. leidenschaftlich, impulsiv, großartig und halsstarrig. Er war sehr jung, als er 1706 den Thron bestieg. Die Jesuitenväter hatten seine Erziehung geleitet, sie waren auch feine Beich- tiger. Als er nach einigen Jahren eigenen Anteil an der Regierung zu nehmen begann, zeigte es sich bald, daß er feine Selbständigkeit mit einer Hartnäckigkeit behauptete, die sich bis zum
an der Chaussee eine etwas gedeckte Stellung bot. Dort ließ unser Herr Major aufmarschieren und die Gewehre zusammensetzen; dann rief er uns zu: „Kinder, wir stehen einstweilen hier in gedeckter Stellung. Daß mir aber Keiner zu weit vorn Gewehre weggeht, wir können jede Minute in Tätigkeit treten! Wegtreten!" Wir hielten zunächst Umschau, ob noch einige unserer Truppen nahe wären. Der erste Blick fiel auf unsere Sanitätskolonne, die uns unmittelbar auf den Fersen folgte. Das war das sicherste Zeichen, daß uns heute blutige Arbeit bevorstand. Hinter uns hielten auch unsere 13. Husaren. Ich eilte darauf zu, um meinen Schulkameraden, den Unteroffizier Daniel Seibel zu finden, was mir auch gelang. „Guten Morgen, Daniel!" „Guten Morgen, Ehriftian!" Mit diesen Begrüßungsworten drückten wir uns die Hände. „Hast Du etwas zu essen?" fragte Daniel. „Ja!" antwortete ich, „Brot zwar nicht, aber ein gekochtes Hühnchen im Feldkessel." „Und ich," erwiderte Daniel, „eine Flasche Champagner im Mantelsack." O, wie fchön! Herrlich! Prächtig! Wir taten uns gütlich, indem wir teilten, was wir hatten. Ein Hochgenuß war es, wie er uns im Leben noch nie beschieden gewesen. Es war übrigens erste Champagner, den ich zu fchmeckei- Diese kurze Spanne Zeit mit
dem b.' ndsreunde bei einem üppigen Mahle i.i. . ..gesicht des nahen Kampfes ist eine der schönsten Erinnerungen meines Lebens.*)
*) Der ehemalige Husaren-Unteroffizier Daniel Seibel waltet noch heute seines Amtes als Bürgermeister in dem Dorfe Grüssen in Hessen- Rassau. Mein Waffenbruder Nobis ist vor einigen Jahren in seinem Berufe als Maurer von einem Gerüst gestürzt und hat dabei den Tod gesunde«. ' Der Verfasser.
„An die Gewehre! Gewehr in die Hand!" wurde kommandiert. Nochmals wurde weggetreten, diesmal aber etwas länger, sodaß wir den Rest unseres Vorrats ver ehren konnten. „An die Gewehre! Gewehr in die Hand! Das Gewehr über! Bataillon, mit Sektionen rechts schwenkt marsch!" Wir waren bald wieder auf der Chaussee, vor uns standen noch die Vorposten. welche dorthin kommandiert waren; sie schlossen sich uns an, die Fühlung mit dem Feinde war nicht unterbrochen Schrapnells brachten uns die ersten Morgengrüße. Unbefümmert um diese Begrüßung marschietten wir weiter, einem Dorfe zu, von dem aus schon das rote Kreuz in weißem Felde entgegenwehte. Vor diesem Dorfe ließ uns der Herr Major aufmarschieren und das Gewehr abnehmen. Wer jetzt noch einen Happen hatte, verzehrte ihn schnell. Dann ertönte das Komando: „Das Gewehr über! Schützen vor! Das Bataillon manch!" und in wenigen Minuten hatten wir das Dorf hinter uns. Vor uns aus einer kleinen Anhöhe standen eine Windmühle und einige Häuser, die vom Feinde besetzt waren. Dorthin wurde der Angriff geleitet und so exakt wie auf dem Exerzierplätze ausgeführt. Die Schützen gingen vor, die Artillerie fuhr neben dem Bataillon auf, protzte ab und immer drängten wir weiter vor. In kurzer Zeit war die Stellung mit geringem Verlust unsererseits genommen. „Das Ganze Halt!" wurde geblasen. Wir wußten nicht, woran wir waren. Es schlugen noch einige Granaten in unserer Nähe ein, ohne zu platzen. Adjutanten sprengten hin und her, Kanonendonner wurde links von uns in anscheinend weiter Ferne hörbar. Da kam plötzlich im Galopp unser BataillonstAdjutant auf unseren Herrn Major zugeritte.: mit dem 1 Befehl: „Das Füsilier-Bataillon zur Bedeckung I der Artillerie halb links vor!" „Das Gewehr |
krankhaften Eigensinn steigern konnte. Wenn er eine Entscheidung getroffen hatte, fo hielt er nur darum eher an ihr fest, weil er sie eben getroffen hatte. Es war dieser König, dex unter allen Braganzas die ausgesprochenste Neigung für Künste und Wissenschaften befaß. Seine Baulust grenzte an Phantastische. Die Erbauung des Klosters Mafra allein erforderte über 70 Millionen. Woher hatte der König diese Mittel? Es war Brasilien, das sie ihm lieferte. Dieses Land schickte in den Tagen Johanns V. geradezu fabelhaft Schätze über See: allein im Jahre 1714 brachte die Flotte 26 Millionen von Brasilien nach Portugal. Aber die märchenhaften Reichtümer, die fo ins Land kamen, wurden mtt ebenso leichter Hand vergeudet. Die Finanzen Portugals gerieten in Zerrüttung, das Land blieb in Unwissenheit und Aberglauben. Sein Nachfolger Josef I. hatte nicht des Vaters Bauleidenschaft, aber er hatte eine andere Passion: die Jagd und das Theater, und biefen beiden opferte der König, der im übrigen ein sanfter, frommer und im Grunde verständiger, aber unsicherer und willenloser Mann war» ungeheure Summen. Das Theater im königlichen Paläste von Ajuda, das beim Erdbeben abbrannte, war das prächtigste und kostbarste im damaligen Europa. Garderobe und Saal allein erforderten monatlich 250 000 Franken an Unterhaltskosten. In Lissabon errichtete Josef eir herrliches Opernhaus, das am Tejo lag, sodaß man, wenn der Vorhang aufgezogen wurde, eine natürliche Meeresszene zur Schau bringen konnte. Die vorzüglichsten Sänger an dieser Oper bekamen 75 000 Franken jährlichen Gehaltes. Und dennoch gehört die Regierung dieses Josef I. zu denen, denen die Geschichte ein ehrendes Andenken bewahrt, aus dem Grunde, weil der König die Einsicht hatte, dem tüchtigste-, seiner dienet freie Hand zu lassen. Das war Sebastian Josef de Carvalhoe Mello bekannter geworden unter dem Namen Pombal. Pombal hat das System des aufgeftäden Despotismus in Portugal einzuführen sich bestrebt, er hat den Kampf gegen die bis dahin allmächtigen Jesuiten ausgenommen, die er ja aus Portugal bertrieben hat; und wenn er schließlich vielleicht weniger erreich: hat, als man erto arten könnte, so ist daran großenteils jene furchtbare Katastrophe vom 1. November 1755 schuld, da ein Erdbeben, mit Wasserfluten und Feuer bereinigt, die glänzende und stolze Stadt Lissabon binnen einer Viertelstunde in inen Trümmerhaufen berwaudelte. „Was ist zu tun?" so rief König Josef entsetzt an diesem Tage seinem Ministei zu „um dieser ©träfe der göttlichen Gerechtigkeit zu begegnen?" Und Pombal antwortete; „Herr, die Toten zu begraben und für die Lebew den zu forgen."
lieber 100 Jahre saßen damals die Braganza auf Portugals Königsthrone, — aber schon begannen die ersten Anzeichen sich zu melden, daß das Geschlecht den Abstieg angetreten habe. In die Regierung Josefs I. fällt das Attentat des Jahres 1758, das in mehr als einer Beziehung
über! Im Laufschritt halb links marsch, marsch!" befahl der Herr Major und kurz darauf erreichten wir unsere Artillerie, die auf der Chaussee nach dem Orte Pouprh zufuhr. Jetzt marschierten w'- in Bataillonsfrot auf dem Ackerfelde rechts neben der Artillerie int raschen Tempo vorwärts. Vorher hatte der Herr Oberstleutnant v. Heudeck vom 13. Husaren Regiment mit seinen Husaren weiter vor uns rechts aus einer Anhöhe Posto gefaßt. Von dort aus kam er auf unsere Stellung während beide salutierten, sah ich, wie der Herr während beide salutierten, sah ich, wie ger Herr Oberstleutnant mit dem Säbel die Richtung auf einen vor uns liegenden Eisenbahndamm cm- zeigte, welcher das vor uns liegende Feld durchzog. Als wir dort angefommen waren, ließ der Herr Major halten; wir knieten sofort nieder, denn wir wurden stark beschossen. In diesem Moment war die Stellung so: Wir hatten den rechten Flügel, links vor uns waren die Musketiere mit dem noch von Franzosen besetzten Poupry in hartem Kampfe, die Artillerie saß uns auf den Fersen und wechselte kurz nachher mtt uns die Stellung, indem sie auf den Eiscnbahn- damm fuhr, den wir räumten. Die 13. Husaren waren noch in der vorher erwähnten Stellung. Wir hatten nicht lange gekniet, da kam Herr Oberstleutnant von Heudeck nochmals herange- sprengt. Unser Major ritt ihm wieder entgegen und nach kurzer Besprechung kam er tm Galopp zurück mit dem Befehl: „Kinder, aufstehen! Schwärmen! Das ganze Bataillon . . ." Das war fein letztes Kommando. Wir überschritten den Damm und wurden mtt einem Hagel von Geschossen aller Art förmlich überschüttet, während «nfere Artillerie unsere Stellung übernahm.
(Fortsetzung folgt) ■----*----