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mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg and Kirchhain

»nd den Beilagen:Nach Feierabend" (wöchentliche Unterhaltungsbellage) «nd ^Landwirtschaftliche Beilage.

Marburg

Wo 919 jährlich durch v*=- unseren Zeitu

Sonnabend, 15. Oktober 1910.

Markt 21.

DieOberhessische Zeitung" erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn« und Feiertage. Der Bezugspreis beträgt viertel« ' cch die Post bezogen 2^5 <M (ohne Bestellgeld), bet unseren Zeitungsstellen und der Exvedition (Markt 21), 2,00 M. (Für unverlangt zugeiandte Manuskripte übernimmt die Skedak« Hon keinerlei Verantwortung.)

Die Jnsertisnsgebübr beträgt für Inserenten aus dem engeren Berbreitnngeg^tet de« Blatte« für die 7ge^altene Zeile oder deren Kaum 16 4, für auswärtig« Inserate 20 4, JR tot Reklamen 40 4. Druck und Verlag: Iah. Ang. Koch, rlniversitäts-Buchdruckerei. Inhaber Dr. C. Kitzerochi '.Jt-nburg, Markt 21. Televbon 55.

Der heutigen Nummer liegt bei Kreisblatt Nr. 83.

Zar und Kaiser.

Der Zar weilt seit nunmehr sechs Wochen in Deutschland. Beim Betreten deutschen Gebietes hatte er, wie dies üblich, ein Telegramm an den Kaiser gerichtet und ein Telegramm vom Kaiser erhalten, lieber diesen Telegrammwechsel hin­aus hört man nichts mehr von einer Berührung der deutschen Souveräne. Es tauchten zwar eine ganze Reihe von Gerüchten über angeblich in Friedberg oder Homburg geplante Begeg« nungen, zu denen auch der König Georg von England kommen sollte, auf; aber alle diese Ge­rüchte erwiesen sich als unwahr und wurden de­mentiert. Nun besteht aber kein Zweifel mehr darüber, daß sm Laufe des November eine Be­gegnung der beiden Monarchen, wie sie ihren freundschaftlichen Beziehungen entspricht; statt- findet und zwar in Potsdam. Die Wahl des- Platzes bringt eine kleine Ueberraschung. Der Zar war seit 1903 nicht mehr in Potsdam. Daß er jetzt nach Potsdam kommt, beweist, daß er auf das Fortbestehen der freundschaftlichen Bezieh­ungen, welche durchaus persönlicher und herz­licher Natur sind und die ihn von jeher ent­sprechend der Tradition der Bätet mit dem Deut­schen Kaiser und König von Preußen verbindet, Wert legt und einen Besuch in Potsdam einer Begegnung in Hessen vorzieht. Damit hat also das Rätselraten ein Ende und alle feinen Kom­binationen, die eine Störung diese, freundschaftt- lichen Beziehungen der beiden Herrscher nicht ungern sehen würden, haben das Nachsehen.

Natürlich handelt es bei der Begegnung in Potsdam um keinen offiziellen und hochpoliti- schen Besuch. Der Besuch hat, tote man aus bet Ankündigung schließen kann, einen mehr privaten Charakter. Er unterstreicht, daß die persönlichen Beziehungen der beiden Herrscher die gleichen ge­blieben sind und bleiben sollen und daß weder Preßfehden noch sozialdemokrafische Versamm­lungen daran bisher etwas ändern konnten.

Auf den aktuellen Gang der Politik wird die Potsdamm-Begegnung schwerlich einen auch äußerlich merkbaren Einfluß haben. Unsere Be­ziehungen zu Rußland sind zeitweise freundschast- licher gewesen als heute, sind aber auch heute durchaus korrekt. Iswolsky ist Botschafter in Paris geworden und kann dort mit anderen ehe­maligen Ministern, Tittoni und Schoen, aber mit mehr Gmnd zur Unzufriedenheit mit sich selbst, über die Polifik der letzten Jahre Nachdenken. Möglich, sogar wahrscheinlich, daß mit ihm ein Element der Beunruhigung aus der Zentral­leitung der russischen Politik ausgeschieden ist und daß dieses Ausscheiden sich auch in der Ent­wickelung der deutsch-russischen Beziehungen fühl­bar machen wird. Sein voraussichtlicher Nachfol­ger, Stolypins Schwager, Herr Sassonow, soll

Vor 40 Jahren.

Kriegserlebnisse geschildert vom ehemafigen Füsilier der 10. Komp, des 83. Hess. Infanterie- Regiments Ehr. Schneider aus Dainrode, jetzt Gerichtsbeamter in Dortmund.

(Fortsetzung.)

Es war für uns keine Ueberraschung, daß wir eines Morgens alarmiert wurden und mit der ganzen Division nach der fünf Stunden ent­fernten Stadt Eorneville marschieren mußten. Kurz vor der Stadt wurde Halt gemacht. Alles deutete darauf hin; daß wir nahe am Feinde waren. Eine fliegende Batterie eilte unter Deckung unseres Bataillons durch die Stadt da- hir, wo der Feind in Sicht war. Die Batterie fuhr auf, protzte ab und nach einigen Schüssen war nichts mehr vom Feinde zu sehen. Wir hatten keinen Anlaß den Feind zu verfolgen fonbem marschierten zunächst zurück aus den Marktplatz des Städtchens, wo dem Maire auf- gegeben wurde, für das Bataillon ein warmes Essen zu beschaffen. Das geschah auch, so gut es die Verhältnisse erlaubten. Dann wurden wir zum Scheine einquarttert, marschierten aber des Nachts in aller Stille nach unserem Stand- quarttere Charters zurück. Einige Tage später wiederholte sich dasselbe Spiel, nur mit dem Unterschiede, daß wir diesmal gegen die Ein­wohner nidrt so friedlich waren, wie das erste­mal. Wiederum marschierten wir zurück und stellten eine starke Wache vor den Toren von Chartres aus, bei welcher auch ich mich befand.

In der Nacht vorher hatten sich drei Ulanen bei dem Städtchen, das wir eben verlassen hal­fen, in einer Mühle einqartiert. Das Lager hatten sie in der beste« Stube aufgeschlagen, wo unter anderem ein Billard stand, mit der Rich­tung nach der Eingangstüre. Nichts Böses

einnationaler" Politiker sein und eine solche I Politik zu verfolgen beabsichtigen. Damit wird I wohl gemeint sein, daß er sich mehr nach rein russischen Interessen als nach den in Westeuropa wehenden Winden richten wird. Indessen soll man sich durch diesen Ausdruck nicht etwa ver­leiten lassen, anzunehmen, der neue Minister plane eine Abkehr von England und von der durch die englisch-russische Entente bedingten Richtlinien der russischen Politik. Eine solche Ab­kehr, so sehr sie vom russischen Standpunkt aus verständlich wäre, ist nicht unwahrscheinlich. Trotz seines unbestreitbaren Reichtums und ttotz des ebenso unzweifelhaften wirtschaftlichen Auf­schwungs, der in Rußland seit ein bis zwei Jahren wieder eingesetzt hat, bleibt Rußland finanziell auf Paris angewiesen. Es liegt auf der Hand, daß Frankreichs Ententegenosse, auch wenn es bisher selbst den finanziellen Bedürf nisten Rußlands nur sehr wenig entgegengekom- men ist, von diesem Zustand profitieren wird, und Frankreich seinerseits alles daran setzen wird, die englisch-russischen Beziehungen möglichst gut zu erhalten.

Somtt wird wohl alles im wesentlichen beim alten bleiben. Das schließt aber nicht aus, daß man tu Petersburg anfängt, einzusehen, daß es Nicht im russischen Interesse liegt, wenn der Draht zwischen Berlin und Petersburg abreißt und daß die Aufrechterhaltung guter Beziehungen zu Deutschland nicht bloß ein Erbstück russischer Politik, sondern eines ihrer wichtigsten Gebote ist.

Der Eisenbahnerstreik in ftranfreidj.

Paris, 13. Ott.

Der Ausstand der Eisenbahner zieht immer weitere Kreise. Welch schwere Schädigung des gesamte« wirtschaftlichen Lebens in Frankreich damtt verbünde« ist, läßt sich noch gar nicht ab­sehen. Schon jetzt ist säst der gesamte Verkehr lahmgelegt. Es liegen folgende Meldungen vor, die sich teilwefle widersprechen:

Die fünf Führer des Eisenbahnerstteiks, Lemeine, Renault, Teffin, Leguenic und Antout sind um §y2 Uhr in den Geschäftsräumen Humanits" ohne Zwischenfall verhaftet wor­den. Ein Sechster, namens Chalaix weigerte sich, mttzugehen, weil sein Name auf dem Haft­befehl falsch geschrieben War. Die Situation war um 91/2 Uhr folgende: Auf der Orleans- Bahn verlief der Dienst normal; nur ganz Wenige Angestellte traten den Dienst nicht an. Auf dem Orsay - Bahnhof der Paris-Lyon- Mittelmeer-Bahn wickelte sich der Verkehr Abends und während der Nachtstunden in nor­maler Weise ab; einige Maschinisten fehlten. Alle Schnellzüge wurden abgelassen; drei Bor­ortszüge fielen aus. Auf dem Bahnhof St. Lazare sind fett 11 Uhr Abends 9 Züge eingetroffen. Als Resultat verschiedener Er­kundigungen ergibt sich, daß der Ausstand der Eisenbahnangestellten bei weitem kein allge­meiner ist. Zahlreiche Angestellte der Nordbahn

ahnend, schliefen zwei von ihnen bald ein. Der dritte jedoch konnte vor innerer Unruhe nicht schlafen, sein Augenmerk ist immer auf die Ein­gangstüre gerichtet. Es ist stille Nacht es wird 12 Uhr, da schleicht sich der Besitzer der Mühle, ohne Schuhe, auf den Strümpfen in das Zimmer, in der einen Hand ein Lickt, in der anderen ein langes Messer mit der Absicht, die drei Ulanen zu erdolchen. Nur wenige Augen' blicke und die-Tat wäre vollbrackt worden, wenn nicht bet wachende Ulan auf seiner Hut gewesen Er sieht die Hyäne in Menschengestalt auf sich losgehe«, paßt den Moment ab, wo der Schuft zum Stechen ausholen will und pariert den Stich. Die beiden Kameraden werden durch das Geräusch munter. Im Augenblick ist der Schuft entwaffnet. Die drei Ulanen fassen ibn an Kopf und Füßen an und spielen mit ihm Billard, her­auf auf das Billard, herunter vom Billard, und so fort, bis er an allen Körperteilen blau ist. Am kommenden Morgen binden die Ulanen den Burschen mit einem Strick ans Pferd und ließen ihn die fünf Stunden Weges ohne Schuhe hinter ben Pferden hermarschicren. So kamen die Ulanen mit der Meldung des Vorfalles bei unserer Torwache an. Wir warm unter die Gewehre getreten und konnten es nicht unter­lassen, dem Menschen wegen seiner meuchleri- schen Tat ins Angesicht zu spucken. Ein sofort einberufcneS Kriegsgericht verurteilte den Ujebel- täter zum Tode durch Erschießen, welches Urteil eine Stunde später vollstreckt wurde.

Noch einmal kamen wir nach unserem Quav- tler zurück. Da wurde eines Tages wieder alar­miert; wir solltm den Bayern zu Hülfe kommm. Diese hatten schwere Kämpfe zu bestehen und wurdm von den Franzosen am 9. November stark bedrängt, so daß sie Orleans räumen muß­ten. Unsere Hülfe kam zu spät; die Franzofen hattm sich wieder in de« Besitz von Orleans

nahmen den Dienst wieder auf. Mehrere Ange­stellte wurden tolegen Beeinträchtigung des freien Rechts auf «rbett verhaftet. Etwa fünfzehn Beamte der verschiedenm Bahnm erhieltm ihre Kündigung. Die Passagierzüge auf der Nord­bahn verkehren in größerer Zahl. Auf der Ost- bahn ist der Dienstbetrieb normal. Auf derstaat- lichm Westbahn ist der Verkehr der großm Linim sichergestellt. Vom Bahnhof Mont Pmmasse sind mehrere Züge abgegangen. Vom Bahnhof St. Lazare ist der Verkehr immer noch unterbrochm. Im Jnvaliden-Bahnhof sind alle Lebensmittelzüge angekommen. Das Komitee ger Angestellten der Bahnen von Bordeaux und vom Süden, welchm in Bordeaux zufammenge- treten ist, entschied sich dafür, heute Abend in den Ausstand einzutteten, aber dieser Beschluß muß erst durch eine Versammlung der Angestellten ge­billigt werden. Auf der staatlichen Westbahn ist die Zahl bet Ausstänbigen nicht groß. Die Eisenbahnangestellten im Kohlenbecken von Pas de Calais weigerten sich in der Mehrzahl, bett Einberufungen zu ben Truppenteilen Folge zu leisten. Die Bediensteten der Trambahnlinien von Paris nach St. Germain streiken. Man befürchtet, daß heute Abend das Personal der anderen Trambahnlinien des Seine-Departe­ments in ben Ausstand treten werden. Ministerpräsident Briand ließ dem Bureau des Munizipalrats die Erflärung zugehen, baß bie Verpflegung von Paris sichergestellt sei. Die Ablieferungen in ben Hallen unb auf bem Schlachtviehmarkt vollzögen sich in normaler Weise und werden sich ebenso fernerhin voll­ziehen. Die S) emittierten der geeinigten Sozia­listen beklagen sich über bie von ber Regierung ergriffenen Maßregeln und forbem sofortige Einberufung ber Kammern. Der sechste zu verhaftende Führer der Ausständigen. Challais, wurde in seiner Wohnung verhaftet. Man nimmt an, daß noch weitere Verhaftungen statt- finden. Auch bie Bediensteten der Orleans- Bahn beschlossen, sich dem Ausstand anzu- schließen. Es heißt, daß bie Arbeiter ber Elektrizitätswerke ber städtischen Untergrund­bahnen heute Abend in den Ausstand treten wollen, um bie Einstellung des Verkehrs zu er­zwingen. Die Gesellschaft der Kohlenberg­werke von Courriöre gab den Bergleuten be­kannt. daß sie infolge des Eisenbahnerstreikes ge­nötigt sei. ihr Personal nur abwechselnd ein« fahren zu lassen. Von den neuntausend Arbei­tern werden augenblicklich bis auf weiteres nur 4500 beschäftigt.

Nach einer heute Nacht von den Vertretern der Heizer und Maschinisten gefaßten Entschei­dung soll der Streik auf der Ostbahn heute stüh 6 Uhr beginnen. Das dortige Syndikat ber Heizer und Lokomotivführer, fo wird aus Algier gemeldet, hat beschlossen, sich bem Eisenbahner- ftreif cmzuschließm, sobald vorn Pariser ©treib ausschuß ber Befehl hierzu eingegangen sein würde. Das Syndikat der städtischen Unter« grundbahtt-Bediensteten undArbeiter, erflärte

gesetzt, ihrer Uebermacht hatten die Bayer» weichen müssen. Von nun an ging der Marsch bald hierhin, bald dorthin, so daß wir nicht mehr wußten, wo wir uns befanden. Noch einmal vor der großen Hauptschlacht bekamen wir Ge­legenheit, uns mit dem Feinde zu messen; es war am 21. November bei Bretonselle. Am Morgen dieses Tages führten wir einen Maire als Geisel mit uns. ber uns ben Weg zeigen unb darüber aufflären sollte, wo bet Feind steckte. Wir marschierten in einem Terrain (Tal), das zu beiden Seiten gebirgig war und im Tale von einer Chaussee und einem kleinen Gewässer durchzogen wurde. Plötzlich wurden wir beschossen. Unsere Artillerie ersah sofort eine günstige Stelle zum Auffahren und beschoß den Feind wirksam. Wir Füsiliere bekamen Be­fehl, unter Zurücklassung einer Bedeckung für die Artillerie das Wasser zu durchwaten und die linke Seile des toupierten Terrains recht vorsich­tig abzusuchen. Bei dieser Gelegenheit nahm ich wahr, daß vor uns von der Spitze des Berges, wo ein Stück Ackerfeld lag, hinter einer hohen Hecke hervor Feuer gegeben wurde, das aber bald verstummte. Wir schlichen uns nach jener Stelle hin und standen, nur durch die Hecke ge­trennt, plötzlich dem Feinde gegenüber. Wir hatten den Vorteil, daß das Terrain an unserer Seite viel tiefer lag als an jener, wo die Fran­zosen standen, hielten die Gewehre durch die Hecke und blieben ruhig liegen. Bald kamen auch die 11. Pioniere bei uns an. Am oberen Ende der Hecke war eine breite Lücke; durch diese stürmten wir vereint mit ben 11. Pionieren vor und machten einige Gefangene. Jetzt gestalt le sich bas Terrain zu einer Art Hohlweg, ber über ben Kamm des Gebirges führte. Wir konnten mir sprung- und schrittweise vorgehe«, je nach­dem sich die Franzosen -es waren Marinesolda­ten) zur Gegenwehr fetzten. Hier fand tth noch

in einer heute Nacht abgehallenen Versammlung, daß zur Verwirklichung seiner Forderungen nur der Gesamtausstand übrig bleibe. Die Führer des Syndikates wurden beauftragt, zur Er­teilung des Streikbefehles die ihnen geeignet et« scheinende Stunde zu bestimmen. Bis heute früh 8 Uhr, so wird aus Metz mitgeleilt, hat sich der Verkehr mit Frankreich in normaler Weise abgewickelt. Sämtliche Züge sind fahr­planmäßig eingetroffen. Die Compagnie Transatlantlque hat Maßnahmen getroffen, um die Reisenden, die sich übermorgen in Havre nach Rewyork einschiffen wollen, auf dem Fluß- Weg befördern zu lassen. Der Streikausschuß ließ heute Nacht einen weiteren Aufruf an« schlagen, in dem es heißt: Die MobilisterungS« order sei nicht nur eine ungesetzliche, fonbem auch eine vergebliche Maßnahme, da die Einbe­rufenen in Friedens zetten eine vierzehntägige Frist hätten, um dem Mobilisterungsbefehl zu entsprechen. Kein Eisenbahner werde dem Be­fehl nachkommen. Der ®eneratfefretär deS nationalen Eisenbahnarbeitersyndikals Bide- gatry und ein anderer Führer der Ausständigen wurde heut« Nachmittag in Paris verhaftet. Eine andere Verhaftung wurde in Rouen vorge­nommen. Bei den in Rouen und Dreux bei den Führern bet Ausstänbigen vorgenommen rn Haussuchungen wurde eine umfangreiche Kon» spondenz beschlagnahmt. Ein Eisenbahnb» blenfteter in Rouen wurde wegen Verleitung zur Niedetlegung ber Arbeit zu drei Monatm Gelängnis verurteilt. In Regierungskreisen macht sich betreffs des Eifenbahnerstreiks eine beruhigtere Auffassung bemerkbar, insbesondere wird ein von dem Ausstandskomitee an Briand gerichtetes Schreiben, in welchem dasselbe seine Bereitwilligkeit zu einer Unterredung mit bem Ministerpräsidenten unb ben Bahndirektoren be­kanntgibt, als ein Anzeichen dafür angesehen, daß die Eisenbahner selbst nunmehr wenig Hoffnung aus einen Erfolg ber Ansstanbsbe- wegung haben. Ministerpräsident Briand et- fiärte einem Berichterstatter, das Ministerium wisse, daß die ungeheure Mehrheit der Bahnbe­diensteten für die gegenwärtigen Vorkommnisse Nicht verantwortlich gemacht werben könnte und' er fei nach tote vor bereit, alle Versuche zu einer gütlichen Lösung bes Ztoisckensalles zu färb« n.

Die radikalen Blätter berurtetlen ben Eisen­bahn erstreik auf das schärfste. DieSanteme* fckreibt: Der Ausstand der Nordbahn-Be­diensteten ist eine Ungehörigkeit, aber der Ge­samtstreik ber Eisenbahner ist reiner Wahnsinn. DieAction" meint: Die Eisenbahner haben bas Vaterland in eine große Gefahr gestürzt. Um eine Erhöhung IhrerLöhne zu erlangen. Haden sie die Nord- unb Ostgrenze ber deutschen In­vasion geöffnet.

Deutsches Reich.

Di« Jahrhundertfeier der Berliner Universität.

Berlin, 13. Okt. Der Kaiser und die Kaiserin trafen

«inen Mitkonfirmanden, den Kameraden JohS. Hesse ans Haubern in. Hessen Nassau, der mit dem Ersatz angenommen war. Bald standen wir bem Feinde wieder in geringer Entfernung gegenüber, Hesse hatte sich zur Deckung einen Baumstumpf gewählt, ich noch nicht zehn Schritte von ihm enffernl links eine Hecke. Vor mir lag ein breites Wiesenseld, von bem jenseits ge­schossen wurde. Ich erwiderte das Sckießen, in­dem ich mehrere Schritte bald rechts, bald links lief und Feuer gab, unt ben Feind irre zu führen. So ging es abwechselnd fort, bis das Feuer mir gegenüber schwächer wurde. Mein Kamerad Hesse bekam einen Schuß und wurde kampfun­fähig. Ich lauschte mein Gewehr gegen daS seinige, welckes noch neu war, um und empfahl ihm, sich zurück zu ziehen. Nach kurzer Zett sammelten wir uns zum Vorgehen und schlugen die Franzosen in die Flucht. So waren wir bald im Besitze von Bretonselle. Tiefe Hohl­wege führten in den Ort hinein, in dem Sperr- material aufgestapelt war, u. a. auch große Fässer. Ich bemertte. wie aus einem solchen Fasse aus uns geschossen wurde, und machte ei­nen Fähnrich, bet neben mit lag, daraus auf­merksam. Diefet meinte, Ich solle Ihm mal mein Geweht leihen. Aber Im nächsten Augenblick wat ber Sckütze schon von mir getroffen und kroch auf allen Vieren, um Pardon bittend, au8 seinem Versteck heraus. Daraus nahmen wir noch einen Anlauf und waren im Ort brtn. Unsere Artillerie stieß auf der Chaussee wieder zu uns. Der Kampf wat für heule zu End«. Wir hatten viele Gefangene gemacht UM be­zogen Biwacks. So unbedeutend dies Gefecht auch an und für sich war, konnte ich doch an­nehmen, daß ich drei Treffet gemacht hatte, in» zwar je einen an der großen Lücke, jenseits bet Wiese und in dem Fasse.

(Fortsetzung folgt)