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am 19. und 20., Der 20. Oktober
Spanien und die Revolution.
Nichts ist natürlicher, als daß das spanische Volk den lebhaftesten Anteil an den Vorgängen in Portugal nimmt. Bisher war es in Spanien eine ganz allgemeine Erscheinung, daß man auf Portugal von oben herabblickte; man spottete gar zu gern über diese und jene Eigentümlichkeit der Portugiesen. Und jetzt mit einemmale spricht man mit Bewunderung van ihnen, die dank einer vorzüglichen Organisation, dank hervorragender Führer mit verhältnismäßiger Leichtigkeit und nach sehr kurzer Ueberlegung den Staatsstreich riskierten und durchführten. Umgekehrt hatte bisher die Erfahrung aber auch die Portugiesen gelehrt, nicht viel Gutes von Spanien zu erwarten, und ein recht oft in Portugal zitiertes Sprichwart sagt, daß aus Spanien „weder guter Wind, noch gute Heirat" kommt, also ungefähr dasselbe, was man in Berlin dem Spandauer Wind und den Charlottenburger Pferden nachsagt. Daher ist es auch nicht zu verwundern, daß die Portugiesen ohne jede Verabredung mit den Spaniern vorgingen, ohne sich um die Propaganda des Barcelonaer Universitätsprofessors Dr. Roviray Ribera zu bekümmern, der in öffentlichen Reden für die Schaffung der drei Republiken Katalonien, Kastilien und Portugal eintritt, die durch engstes Bündnis sich gegenseitig für die industriellen Waren Kataloniens, für die verschiedenartigsten Erzeugnisie Kastiliens und für die kolonialen Produkte Portugals einen sicheren Markt schaffen sollen. •
Spanien hat mit Portugal eine gemeinsame Grenze von 90 Meilen, der Tejo (in Spanien der Tajo), der Douro (in Spanien der Duero), der Guadiana sind beiden" Nationen gemeinsam und vermitteln, ebenso wie die Eisenbahnen Vigo—Oporto, Medina del Campo—Oporto und Lissabon, Madrid— Lissabon einen ununterbrochenen Verkehr zwischen den beiden Nationen. Ein besonderer, auf diese nach- -arlichen Verhältnisse und auf den Transitverkehr Spaniens nach Liffabon und Oporto Rücksicht nehmender Handelsvertrag bringt die beiden Nationen wirtschaftlich nahe aneinander, wie dies auch aus einer Klausel des deutsch-portugie^,u)en Handelsvertrags hervorgeht, dem zufolge an Spanien seitens Portugals größere Vergünstigungen gewährt werden können als an Deutschland. Ist es unter diesen Ver- hältniffen zu verwundern, wenn die jüngsten Lissaboner Vorkommnisse einen gewaltigen Eindruck in Spanien machen, wenn die spanischen Zeitungen täglich voll sind von eingehenden Berichten über die Er- eigniffe jenseits der lufitanischen Grenze? Immer hatte man in Spanien geglaubt, daß, wenn überhaupt einmal auf den beiden Ländern des Pyrenäenhalbinsel die Republik triumphieren sollte, Spanien
vorangehen würde. Umso größer ist jetzt die Ueber- raschung.
Wird nun Spanien dem Beispiele Portugals folgen? So leicht wie in Portugal liegen die Verhält- niffe in Spanien nicht. Vor allem fehlt es den spanischen Republikanern und Sozialisten an einer strammen Organisation. Dann kommt in Betracht, daß in einem Lande wie Portugal mit einer Bevölkerung entsprechend nur der doppelten Zahl der Einwohnerschaft Groß-Berlins solche Putsche leichter durchzuführen sind, als in dem über dreifach größeren Spanien; ferner daß die einzelnen Bezirke Spaniens voneinander stark abweichende Interessen haben. Der Republikanismus steckt in Barcelona, Bilbao, in Andalusien; die Sozialdemokratie in den Arbeiterzentren in Katalonien, am Biskaischen Meerbusen; der Karlismus in den kleineren Orten des Baskenlandes und Kataloniens, sowie in klerikalen Kreisen. Schon daraus ergibt sich eine ganz verschiedene Auffassung etwaiger revolutionärer Umtriebe.
Aber die spanische Regierung ist auch auf der Hut; die Manöver zwischen Chicläna und Medina Sidonia wurden plötzlich abbestellt, der Eeneral- kapitän von Valladolid besichtigte unvermutet die Garnison von Salamanca, verschiedene Truppenverlegungen haben stattgefunden, und wenn auch von der zuständigen Behörde in Bilbao Meetings zur Feier der Proklamation der portugiesischen Republik gestattet wurden, so haben doch die Behörden im Osten Spaniens alle für den letzten Sonntag angesagten Versammlungen der Republikaner und Sozialisten untersagt. Man wird abwarten müssen, ob diese Verbote respektiert werden, oder ob jetzt oder später versucht wird, die Versammlungen in dieser oder jener Form doch durchzusetzen. Auf jeden Fall kann es gar keinem Zweifel unterliegen, daß in Coruna, Santander, Bilbao, Barcelona, Zaragoza, Valencia, Cadiz und anderen Städten eine begreifliche Erregung vorhanden ist, welche die spanische Regierung scharf im Auge behalten muß. An Neigung, auch in Spanien die Republik aufzupflanzen, fehlt es ganz bestimmt nicht.
Hess. Infanterie- aus Dainrode, Dortmund.
Der Eisenbahnerstreik in Frankreich.
Paris, 12. Okt.
Der Streik nimmt immer größeren Umfang an. Am meisten hat Paris unter dem Streik zu leiden, wo die Lebensmittelpreise rapid in die Höhe steigen. Der Ministerpräsident erklärte Pressevertretern gegenüber zu dem Streik u. a. folgendes:
Es handelt sich nicht um einen Ausstand im gesetzlichen Sinne des Wortes. Die Umstände unter denen die Eifenbahnerbewegung vorbereitet wurde und die Strafhandlungen, welche
dieselben verzeichnen, zeigen daß sich die Regierung einem vjerbrecherischen Unternehmen voll Gewalttätigkeit, Unordnung und Sabotage gegenüber befindet. Diese Bewegung ist eine rein aufrührifche und vollständig dem Eisenbahn- personal selbst entglitten, welches zu spät einsehen wird, daß man es den schlimmsten Ausschreitungen entgegcntreibt. Der Ausstand ist ohne jeden Grunde ausgebrochen. Rach einer Unterredung, welche die Vertreter der Heizerund Lokomotivführer sowie des Eisenbahnershndi- kates mit mir und dem Minister der öffentlichen Arbeiten hatten. In dieser Unterredung ist vev- einbart worden, daß die Syndikatsgruppe mir ihre Forderungen sämtlich bezüglich der Lohnerhöhung in eingehender Weise darlegen. Ich hatte mich verfiichtet, diese Forderungen den Direktoren der Bahngesellschafien zu übermitteln damit ich aufgrund ihrer Antwort eine gütliche Unterredung zwischen den Vertretern der Eisenbahn und der Eisenbahnbediensteten vermitteln könnte, die gewiß zu einem Ergebnis geführt hätten. Schon vorher war der Minister der öffentlichen Arbeiten und ich bei den Eisenbahndirektoren dafür eingetreten, daß dem Personal alle berechtigten Verbesserungen bewilligt würden. Die Ost-Nord-Orleans- Und Paris Lyon Mittelmeerbahn hatten bereits in einzelnen Punkten den Forderungen der Eisenbahner Rechnung getragen. Speziell in der Frage der rückwirkenden Kraft der Ruhegehälter, hatten sich die Vertreter des Bahnpersonals von dem Vorgehen des Ministers der öffentlichen Arbeiten für beftiedigt erklärt. So war der Stand der Dinge, als plötzlich der Streik verkündet wurde und sofort die schlimme Wendung annahm. Ich wiederhole, die Regierung befindet sich nicht einem Streik, sondern einem Verbrecherichen Unternehme« gegenüber. Ich habe die Leiter der Eisenbahner vor ihrer eigenen Unvorsichtigkeit gewarnt und ihnen nicht vev- hehlt, daß sie sich furchtbaren Strafmaßnahmen aussetzen. Sie haben weder meine Ratschläge noch auch den guten Willen berücksichngt, welchen die Regierung zu ihren Gunsten bewiesen hat. Desto schlimmer für sie!"
Heute Nachmittag 1% Uhr verließen >.lle Heizer den Jnvalidenbahnhof. Der Zugverkehr ist infolgedessen eingestellt, der Bahnhof geschloffen. Auch auf dem Bahnhof St. Lazare ist der Zugverkehr eingestellt. Die Telegraphen- und Telephonlinien sind durchschnitten. Der Jnvalidenbahnhof und der Bahnhof Lazare gehören zum Netze der staatlichen Westbahn. Die Nordbahngesellschaft hat ungefähr 30 Beamte entlasten. — Als in Bois de Colombes bei Paris am Nachmittag ein Zug von Streikenden angehalten wurde, fielen die Reisenden über dir Ausständigen her und es kam zu einer heftigen Rauferei. — Da der Ausschub des Eisenbahnsyndikats befürchtet, daß sein in einem hiesigen
Füsilier der 10. Komp, des 83. Regiments Ehr. Schneider jetzt Gerichtsbeantter in (Fortsetzung.)
s An den folgenden Tagen, waren keine großen Märsche.
Kreditinstitut hinterlegtes Bereit svermögen mti Beschlag belegt werden könnte, wurde dasselbe aus der Bank zurückgezogen und in Sicherhett gebracht. — Privatunternehmer haben einen Automobilverkehr nach den Großstädten Ost-und Westfrankreichs eingerichtet, doch wird derselbe wegen der übermäßigen Preise nur wenig in Anspmch genommen. Ein Amerikaner zahlte einem Automobilchauffeur für die Fahrt von Boulogne sur Mer 3000 Franks. — Eine der Fragen, welche die Regierung gegenwärtig am meisten beschäfttgt, ist die der Verprovtantterung von Paris. Es heißt, daß hierzu vor allem die Wasserwege benutzt werden sollen, und daß die , Schiffahttsbehörden mit dem Kriegsministerium zu Hefent Behufe bereits einen detaillierten Plan ausgearbeitet haben. — Im Bahnhof von Colombes wurden heute Vormittag mehrere von Lisieux Havre und Nantes ankommende Züge von Ausständigen an der Weiterfahtt verhindert. Als ein Lokomottvführer sich weigerte, seine Maschine zu verlasteu, wurde er von den Streikenden mit Revolvern bedroht. Die Lokomotive wurde sodann quer über da- Gleis gestellt, so daß der Verkehr unmöglich wurde. — An der Börse, welche in einer auffallend feften Stimmung war, war das Gerücht verbreitet, die Regierung habe bei den Bahngesellschasten durchgesetzt, daß sie die Löhne ihrer Bediensteten erhöhen. Dafür seien die Gesellschaften zur Erhöhung ihrer Transporttarife ermächttgt worden. — Einzelne Lebensrnittel, namentlich Eier,, Milch und Butter haben weiter eine Preissteige-' rung von etwa 20 Proz. erfahren. In der Bevölkerung gibt sich auch in dieser Hinsicht lev- hafte Beunruhigung kund und He großen Geschäfte sind mit Kunden überfüllt, welche sich für längere Zeit mit Nahrungsmitteln versorgen wollen. — Seit heute gehen, wie aus Brüstel gemeldet wird, die Expreßzüge Köln-Paris nut bis an die Grenze. Nach Ergueftnes werden überhaupt keine Billets mehr für die Orte jenseits der Grenze verkauft. — Auch Hütte werden wieder verschiedene „Sabotage"-Mte gemeldet. In der Nähe der belgischen Grenze sollen nuf eine Strecke von 200 Meter die Schienen heraus- geristen worden fein. Bei den Eisenwerken von Mentateire an der Nordbahn wurden 50 Telegraphen und 2 Signaldrähte zerschnitten. In Ereil wurde ein Heizer verhaftet, der seine Lokomotive auf der Fastrt verließ und auf der Strecke stehen ließ. Zahlreiche Fremde haben angesichts des droheiwen Gesamtausstandes ihre Abreise beschleunigt. Zwei trans-atlanttscheZüge, die erst heute nach Havre abgehen sollten, wurden vom Staatsbahnhof St. Lazare bereits gestern Abend 9 Uhr 20 Min. abgelassen. — Für die Ueberwachung der Nordbahn-Linien werden gegenwärttg 1500 Mann verwendet, die unter den Befehl eines Brigadegenerals gestellt Wunden. Das Ministerium der öffentlichen Arbeiten,
war ein schöner Herbsttag. Wir hatten nicht lange marschiert, da wurde an einer gut geeigneten Stelle Halt gemacht und abgekocht» Zu unserer Sicherung waren Vedetten ausgestellt. Die Herren Offiziere waren nahe an der Grenze unseres Biwaks in die dort stehenden Wenigen Häuser einquartiert. Nach dem Abkochen stand die Sonne noch hoch und wir hatten etwas Muße. Wie jede Kompagnie ein Genie hat, dem alles gelingt, so waren auch wir mit einem solchen gesegnet. Dieser hatte bald ausspioniert, w-, der Pastor des Ottes den besten Wein hatte. Ohne Störung und unbemertt waren wir in den Besitz mehrerer Flasche« Wei« gekommen. Als die Herren Offiziere Wind davon bekommen hatten, daß wir an diesem edlen Getränk Ueberfluß hatten, wurde sofort Kriegsrat gehalten, was mit uns zu machen sei. Die Herren von der Jnfantette wollten uns unsere ganze Beute abnehmen lassen, während die Herren von der Kavallette jedem eine Flasche belassen wollten. Letzteres Urteil fand Bestätigung und wir mußten mit einer Flasche Wein in der Hand an unseren Tornistern antreten. Stteng war der Appell nicht in bezug auf die Anzahl der Flasche«. Einen schöneren Biwakplatz hatten wir übttgens noch nicht gehabt. Vor uns lag ein schützender Wald, der mit einem Graben umgeben war. Dann ttngsam Ltrohhaufen, die wir benutzten, um uns in dem Graben ein bequemes Nachtlager herzurichten. Wir lebten hier in des Wottes verwegendster Bedeutung, natürlich den Umständen nach, wie der vebe Gott in F ankreich. Gegen Abmd wurden Ne Vedetten eingezogm und an derm Stelle
in Paris ausgefühtt -n.rden. Um diesen Plan nicht durchkreuzt zu sehen, war die größte Wachsamkeit und Vorsicht nötig. Wir stellten starke Wachtposten aus und Kavallerie ritt fottwährend rekognoszierend die Umgeb :g ab. Diese hatte eines Tages das Glück, den ersten Luftballon zu nehmen, und zwar waren es die 13. Husaren, die diese Beute machten. Bei diesem Husaren- Regiment stand mein bester Jugendsreund und srüyerer Nachbar, der Unteroffizier Daniel Seibel Diesen und noch einen Schulkameraden, Hm Trainsoldaten Heinrich Becker ttaf ich hier. Wir drei waren aus dem Otte Dainrode in Hessen-Naffau und zusammm konfirmiert worden. Das Glück des Wiedersehms war groß und wir feierten es kurz in einer Wirtschaft, in welcher Bier verzapft wurde, das erste und letzte, welch s ich in Frankreich genoffen habe. Eine größere Freude hatten wir lange nicht erlebt, denn wir hatten uns nach der Konfirmation selten gesehen. Die Tage Vergingen, daß wir ein um dm an» deren Tag auf Vorposten zogen und dann nach unserem Quattier zurück kamen. Eines Tages traf ich auf der Straße einen Kameraden von unferer Kompagnie und von meinem Ersatz, ver mich mit den Worten ansprach: „Sieh hier, daS habe ich gefunden!' Es war ein klemes Päckchen mit unseren Photographien aus Orleans, d e uns der Photograph nachgefandt hatte und »le die Ordonnanz verloren hatte. Der Zufall wollte es daß ein Füsilier unferer Kompagnie, der mich kannte, das Päckchen sand. Hätte ein Fremder den Fund gemacht, wäre es wahrfcheinlich auS- geschloffm getoefm, daß wir unsere Bilder erlangten; wir hätten annehmen müffe«, der Franzose habe diese nicht nachgesandt. Groß war «e Frmde meines Korporalschaftsführers Heimich Nobis über die Bilder^ Aber muhunsere Quattierwittin fand Geschmack an dm Prüfstms und bat mich, ich möge ihr ein Bild . ablaffen gegen zwei aus ihrer Familie. Ich habe w*; Tausch gemacht, weiß jedoch nicht mehr, w* W ein getauscht en Bilder gebtWkn find. ■
. •(Fortsetzung folgt.) , J -
Marburg
Freitag, 14. Oktober 1910.
Vor 40 Jahren.
Kricgserlebniffe geschildert vom ehemaligen
mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain ^
«nd den Beilagen: ,Iach Feierabend» (wöchentliche Unterhaltungsbeilage) und Landwirtschaftliche Beilage.
Jnfanterieposten und Patrouillen befohlm. In dieser Nacht war ich mit vielen anderen am linken Flügel dienstfrei. Unser Kompagm 'fiihrer befahl, besonders die Tornister nicht abzuhängm, damit wir jederzeit und bei jeder Meldung sofort bereit sein tonnten. Die Nacht verlief, abgesehen van einigen Meldungen, ziemlicy ruhig; jeder machte es mit dem Tornister, so gut es ging. Beim letzten Antteten gegen Morgen hatte ich die Haken am Tornister nicht schnell genug in Ordnung gebracht und kam etwas spät, wofür ich mir eine Strafwache zuzog.
Am frühen Morgen des 21 Oktober marschierten wir unter Vorsichtsmaßregel: weiter und stellten bald fest, daß die Chaussee, auf der wir marfchierten, durchstochen und die Durchstiche mit Wasser angefüßt waren. Dieses Hindernis konnten wir aber bald umgc';e:t. Einige Gefangene fielen dabei in unsere Hände. Diese mußte ich während unserer kurzen Rast, die wir hier machten, bewachen, womit meine Strafw che abgebüßt war. Nach kurzem Weitermarsch fand sich paffendes Terrain, in dem die Division ziemlich gedeckt aufmarschieren konnte. Nicht weit vor uns lag das Städtchen Charires, von dem aus drei Eisenbah"liuien die Verbindung unterhielten, welche noch nicht unterbrochen war. Diese Verbindung mußte zunächst zerstört werden. Zu diesem Zwecke bekamen unsere 10. Kompagnie, ein Zug Ulanen und ein Zug Pioniere gern ün- schastlich den Befehl, unter Führung von je einem Offizier die Eisenbahngeleise aufzuheben. Die Pioniere hatten zum Transport ihrer Gerät- schäste» einen Wagen requiriert. Nach etwa drei- viettelstündigem Marsche hatten wir die Geleise erreicht. Die erst« Linie, auf He wir stießen, war nur eingleisig und konnte durch unsere Pioniere, während wir im Marsche blieben, zerstört werden. Etwas weiter davon lag ein Doppelgeleise, deffen Beseittgnng längere Zeit in Anspruch nahm. Die Pioniere wurden während ihrerArbeit durch einen Zug von unserer Kompagnie gedeckt. Die Ulanen ritten zur Aufklärung des Terrains Patrouille und der Rest unserer Kompagnie. bei dem ich mich
befand, setzte die Gewehre zusammen. Fleißig waren die Pioniere an der Arbeit — ihre Stellung war ziemlich gedeckt — da kam eine Patrouille bei uns an und meldete den drei Ofsizieren, daß vor uns in kurzer Entfernung eine größere feindliche Truppe von mindestens drei Bataillonen auf uns zumarschicre. Die Herren Offiziere hielten kurzen Kriegsrat mit dem Ergebnis, daß wir fchleunigst unsere Stellung aufgaben. Wir konnten schon die Bajonette blitzen sehen und machten deshalb Lauffchritt quer durch das Feld auf unser Gros zu. Als wir schon eine ziemliche Strecke zurückgelegt hatten, fiel uns ein, daß wir die Pioniere ' nd unseren Zug Infanterie ohne jegliche Ordre gelassen hatten. Diese hatten sich, ohne zu wiffen, was ihnen bec- vorstand, unter dem Kommando unseres Feldwebels Hausschild zur Wehr gesetzt. Sofort mußte eine Patrouille Ulanen He Pioniere und Infanteristen zurück ölen. Diese Ta. brachte unserm Feldwebel das Eiserne Kreuz ein. Wir gelangten unbehelligt bei unferm Gros wider an. Von dem Verbleib des Feindes ist mir nichts weiteres bekannt geworden.
Die offene Stadt Chattres begann mit unserem Truppenführer Unterhandlungen zu führen, die damit endeten, daß wir gegen Abend ungestört in Chartres einmarschierte-. Es wurden Maffenquartiere mit Verpflegung bezogen, unsere Korporalschaft bekam bei einem Metzgermeister einen Pferdestall als Quartier angewiesen. Bisher hatten wir noch keine Qarttere mit Verpflegung gehabt, es war dies das erste und eiw- zige während des ganzen Feldzuges Eine besondere Annehmlichkeit verschafften wir, der Korporalschaftsführer Heinrich Robis und ich» uns dadurch, daß wir von einem Bett in den Wohnräumen des Quartiergebers Besitz nahmen, ohne daß dagegen viel Einspruch erhoben wurde. Jedoch mußten wir vorsichtig sein; wir zogen die Kleider nicht ganz aus und hielten dabei mit einer Hand das Gewehr fest umschlungen.
Der Besitz von Chattres war vo« hoher Wichtigkeit, denn von hier aus sollt« der Einsall
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